COMPACT-Septemberausgabe: Planlose Randale und Aufstände nützen nur dem Finanzkapital
Europa wird in diesem Sommer von Aufständen und Protestaktivitäten ohne Plan und Strategie heimgesucht. Dies trifft nicht auf Griechenland zu, wo unter Führung einer disziplinierten KP der Protest nur in Ausläufern chaotisch ist und ansonsten immerhin ein Ziel – Austritt aus der EU – fixiert wird. Aber sonst? Was sollen die “Shopping Riots” in London? Das Rumhängen und Campen auf öffentlichen Plätzen wie in Madrid? Die Autobrennerei in Berlin? Nirgends werden Forderungen formuliert, das Ganze ist nur Happening und/oder Kriminalität, die Träger haben mit der arbeitenden Bevölkerung überhaupt nichts zu tun. Alle diese amorphen Bewegungen sind offen für Agents Provocateurs jeder Sorte und wollen nichts wissen von DER entscheidenden Frage, die die Massen wirklich berührt: die Frage des kollabierenden Euro, der drohenden Euro-Diktatur, der Rettung unserer Ersparnisse UND unserer Demokratie.
Zum Thema auch in längerer Aufsatz von mir zu England in der aktuellen COMPACT-Ausgabe (hier bestellen):
Angriff der Heuschrecken
Ein Volkswirtschaft wird abgefackelt, eine Nation zerfällt in Banden, aus Klassenkampf wird Rassenkrawall: Die Brandstifter in England vollenden, was das Finanzkapital begonnen hat.
(…) (…)
Die Plünderer kopieren das Muster der Finanz-Heuschrecken: Wie die Hedge-Fonds seit zwanzig Jahren über den Globus ziehen, produktive Firmen aussaugen und ganze Volkswirtschaften zerstören, so brandschatzen die Banden in London, Liverpool und Manchester eine Straße nach der anderen und klauten sich die Markenartikel zusammen. In beiden Fällen wird mit maximaler Unverschämtheit vorgegangen und Widerstand im Bedarfsfall mit Gewalt gebrochen (erinnert sei an die Economic Hit Men, die Wirtschaftskiller, von denen Insider John Perkins in seinem gleichnamigen Buch schreibt). In beiden Fällen geht es nicht mehr um Wertschöpfung durch Arbeit, sondern um Wertaneignung durch Diebstahl – also um den Übergang von einer Produktions- zu einer Plünderungsökonomie, vom Kapitalismus zum Kannibalismus.
Dass die Ghetto-Gangs in ihrer Gier nach Edel-Autos, Luxus-Klamotten und High-Tech-Schnickschnack sich in nichts von den Börsen-Gangs unterscheiden, ist vielfach beobachtet worden. In der Regel wird daraus aber ein mildernder Umstand konstruiert, oder es wird gar von Klassenkampf gesprochen – die unten wollten doch nur haben, was die oben schon lange besitzen. Doch gegen diese post-marxistische These spricht, dass die angeblich Ausgebeuteten überhaupt keine Forderungen erheben, weder soziale noch politische. „Die Jugend im Nahen Osten geht für Menschenrechte auf die Straße. Die Jugend in London tut es für einen 42-Zoll-Plasmafernseher“, ätzte ein Twitter-Kommentator zu Recht. Selbst das Organ der Altrevoluzzer, die Berliner Tageszeitung, fasste diese und ähnliche Beobachtungen unter der Überschrift „Keine Idee außer Chaos“ zusammen. Dies ist tatsächlich das Motto sowohl der jugendlichen Krawallanten wie ihrer Altersgenossen in den Investment-Banken. Aber bis zum logischen Ende mögen die Rot-Grünen von Taz, Freitag et tutti quanti den Gedanken nicht führen: Die Brandstifter aus dem elenden Tottenham sind nicht die Antipoden jener in der noblen City, sondern ihre Helfershelfer, ihre Fußtruppen. Wer immer den Angriff des Finanzkapitals bis dato überstanden hatte, weil er sich die höheren Zinsen, Steuern und Gebühren vom Munde absparte, die die staatliche Refinanzierung des Bankensektors kostet, musste jetzt oft mit ansehen, wie sein Laden, sein Häuschen, seine Existenz ein Raub der Flammen wurde.
(Weiterlesen in der Print-Ausgabe von COMPACT)









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Rückkehr des Westens zur gewaltsamen Aneignung, zur vorkapitalistischen sogenannten “ursprünglichen Akkumulation”:
Auch die Kaperfahrt gegen Libyen passt hier ins Bild.