Elsässers Blog

Görlitz, 17.12, 17 Uhr, Marienplatz: Elsässer bei Kundgebung "Weihnachten statt kultureller Selbstaufgabe"

Elsässer bei Seselj: „Wir müssen die USA loswerden!“

Prima Klima in Seseljs Hauptquartier im Belgrader Stadtteil Zemun. Rechts an der Wand übrigens ein Säbel, den ihm Saddam Hussein geschenkt hat.

Prima Klima in Seseljs Hauptquartier im Belgrader Stadtteil Zemun. Rechts an der Wand übrigens ein Säbel, den ihm Saddam Hussein geschenkt hat.

Interview mit dem serbischen Oppositionsführer in der neuen Ausgabe COMPACT 5/2015

Wie bereits vorab angekündigt, ist in der neuen COMPACT-Ausgabe ein Interview, das ich mit Seselj vor kurzem in Belgrad geführt habe. Einige Auszüge hier – den ganzen Text kann man in der Druckausgabe COMPACT 5/2015 lesen (Link zum Bestellen).
„Wir müssen die USA loswerden“

Er will Serbien auf prorussischen Kurs bringen: Vojislav Seselj, lange Jahre der populärste Politiker im Lande, ist nach seiner Entlassung aus zwölfjähriger Haft so angriffslustig wie zuvor. Die USA sieht er ebenso als Auslaufmodell wie die EU – und er hofft auf Deutschland.

_ Interview mit Vojislav Seselj

? Sie sind der erste serbische Gefangene, der den Klauen das NATO-dominierten Kriegsverbrechertribunals in Den Haag entkommen ist. Die meisten anderen sitzen bis zum St. Nimmerleinstag, Slobodan Milosevic starb unter ungeklärten Bedingungen. Wie haben Sie das geschafft?

Ich war der frechste von allen. Ich war den Anklägern überlegen, sie konnten mir nichts nachweisen. Ich wusste ja, als ich mich freiwillig stellte im Frühjahr 2003, dass ich von diesem Gerichtshof nichts zu erwarten habe, dass es für mich um Leben und Tod ging. Um jeden Preis versuchte das Gericht, mir einen Pflichtverteidiger aufzudrücken. Ich blieb immer standhaft und habe mich selbst verteidigt und bin, als sie mir das verwehren wollten, in den Hungerstreik getreten und fast dabei gestorben. Ich habe ihre ganzen Fälschungen in der Anklageschrift aufgedeckt, und am Schluss waren sie so ratlos, dass sie mich einfach aus dem Gefängnis rausgeschmissen haben. Ich selbst habe nie einen Antrag auf Haftentlassung gestellt.

? Das Gericht begründete Ihre Haftentlassung mit Ihrer Krebserkrankung.

Ich bin viel gesünder als alle Richter und Anklagevertreter in Den Haag. Ja, man hat bei mir Krebs festgestellt, auch Metastasen. Ich werde die Krankheit besiegen. Und selbst, falls nicht: Immerhin habe ich Den Haag besiegt.

?In Den Haag sitzen meist Serben ein, aber auch Angeklagte aus anderen Volksgruppen aus dem ehemaligen Jugoslawien, die gegen die Serben gekämpft haben. Wie war die Stimmung unter den Gefangenen?

Milosevic war sehr populär, auch bei seinen Kriegsgegnern. Alle haben ihn geschätzt. Als er 2006 starb, haben auch die Kroaten, Moslems und Albaner die Traueranzeige unterschrieben, die ich formuliert hatte.

„Milosevic hat Fehler gemacht“

?Jugoslawien beziehungsweise Serbien hat länger als jedes andere Land dem NATO-Zugriff widerstanden. 1990 begann der Krieg, zuerst seitens der Sezessionsrepubliken Kroatien und Slowenien, dann von 1992 bis 1995 der bosnische Bürgerkrieg, dann 1999 der direkte NATO-Angriff. Erst mit dem Sturz von Milosevic im Oktober 2000 gelang der Regime Change. Was sind die Gründe für diesen Widerstandsgeist?

Leider haben wir es nicht geschafft, obwohl wir lange durchgehalten haben. Die Serben sind in der Geschichte immer ein freiheitsliebendes Volk gewesen. Mit Milosevic hatten sie in den 1990er Jahren einen fähigen Führer, aber auch er hat Fehler gemacht.

?Welche?

(…)
?Die Koalition von Ihrer Radikalen Partei und Milosevics Sozialisten in den 1990er Jahren war ein Novum, da zum ersten Mal die politischen Erben der Kommunisten und der Antikommunisten zusammenarbeiteten, die sich während des Zweiten Weltkrieges und auch noch später erbittert bekämpft hatten.

Das war ein Schritt zur Versöhnung.

(…)

?Ist die von EU und NATO erzwungene Auflösung des Vielvölkerstaates Jugoslawien nicht ein Paradox, da sich doch mittlerweile alle westlichen Staaten umwandeln, weg vom Nationalstaat hin zu Multi-Kulti-Republiken?

Die Situation muss differenziert betrachtet werden. In Jugoslawien waren die Serben die übergroße Mehrheit. Tito hat ihre Zahl künstlich gedrückt, in dem er die einheitliche serbische Nation aufspaltete und drei neue Nationen schuf:

(…)

Jugoslawien ist Geschichte

?Wäre es nicht sinnvoll, gegen das „Teile und Herrsche“ der Großmächte wieder Kurs auf eine südslawische Einheit, ein neues Jugoslawien zu nehmen?

Nein, das glaube ich nicht. Künstliche Zusammenschlüsse haben keine Zukunft. Auch die EU wird zerfallen.

(…)
?In Ungarn, Griechenland und in Kroatien ist die Skepsis gegenüber NATO und EU ähnlich groß wie in Serbien. Warum kann Serbien nicht mit diesen Ländern zusammenarbeiten?

(…)
Freundschaft mit Deutschland

?1914, 1941, 1999 – drei Mal war Deutschland federführend am Angriff auf Ihr Land beteiligt. Sind wir nicht Ihre Erbfeinde?

Ja, das war so. Aber wir wollen nicht, dass das so bleibt. Heute gibt es überall in unserem Land Freundschaft gegenüber den Deutschen. Es ist auch in unserem Interesse, dass sich Deutschland von der US-Vorherrschaft befreit. Wir müssen die USA loswerden, dann können wir gemeinsam ein Europa der Vaterländer verwirklichen.

?Sie sind bekanntlich alles andere als ein Freund von Zoran Djindjic, dem ersten Premier nach dem Sturz von Milosevic. Dabei galt gerade er als „nemacki covek“, als „Mann der Deutschen“. Es gibt die Theorie, dass er erschossen wurde, weil er den USA zu deutschfreundlich war…

Er war ein Mafioso. Und dieselbe Mafia, die ihn im Oktober 2000 an die Macht gebracht hat, hat ihn im März 2003 ermordet. Wahr ist, dass er am liebsten mit Deutschland zusammengearbeitet hat, weil die deutsche Variante der Privatisierung für die Serben viel mehr gebracht hat als das, was US-Firmen nach seinem Tod gemacht haben. Djindjic war ein Mann des Bundesnachrichtendienstes, der während seines Studiums in der Bundesrepublik die Baader-Meinhof-Gruppe ausspionieren sollte. Ich bin nicht gegen ihn, weil er für Deutschland, sondern weil er für die Mafia gearbeitet hat.

? Fürchten Sie neuen Krieg, vielleicht gar einen Weltkrieg?

Wenn Europa klug spielt, kommt es nicht zur Katastrophe. Die USA sind eine Weltmacht im Niedergang.

(…)
?Ihre Partei blieb bei den letzten Wahlen erstmals unter der Fünf-Prozent-Schwelle. Damals waren Sie noch in Den Haag. Könnten die Radikalen wieder Mehrheitsführer werden, wenn Sie beim nächsten Mal wieder antreten?

Warum nicht? Wenn der von den Radikalen abgespaltene Aleksandar Vucic in meiner Abwesenheit mit seiner Fortschrittspartei mit einer verräterischen Kopie unseres Parteiprogramms die Mehrheit bekommen konnte, warum sollte dann das Original nach dem Abwirtschaften der Kopie nicht auch wieder die Mehrheit bekommen?

?Mittlerweile verlangt das Gericht in Den Haag Ihre erneute Auslieferung. Werden Sie dem Folge leisten?

Keinesfalls. Wenn sie mich haben wollen, müssen sie Soldaten schicken.

Infobox

Volkstribun Seselj

Vojislav Seselj wurde 1954 in Sarajevo geboren  (…)

Seselj stellte sich 2003 dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag, wo er wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit in der Zeit der postjugoslawischen Bürgerkriege angeklagt wurde. Während der zwölfjährigen Haft konnte ihm jedoch kein einziges nachgewiesen werden. Bei seiner Rückkehr nach Belgrad wurde er am 12. November 2014 von 10.000 Anhängern begeistert empfangen.

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14 Responses

  1. chribie sagt:

    Hr. Elsässer guter Vorschlag ab ins Weisse Haus mit Hammer und Sichel bringt nicht viel,versuchs mit dem Meissel………

  2. Nektar sagt:

    Die ukrainische Armee disloziert die schwere Bewaffnung von oben nach unten 😉

    Das müssen die US-Berater denen noch lernen.
    Ob sie noch Zeit haben?

  3. Bengtsson sagt:

    Seselj for President !

  4. Gabrovitcs sagt:

    Nach der Belagerung von Vukovar kann ich den Tschetniks nicht leiden. Viele Ungarn in der Vojwodina waren zwangsenrolliert bei den Serben.

  5. Manfred Gutsche sagt:

    Sind die den vom WOTKA besoffen den Panzer zu verladen,das Ausland – die Feinde lachen sich doch kaputt!!!
    MfG

    MG

  6. rubo sagt:

    Ein sehr lehrreiches Interview für Geschichtsinteressierte, für mich viel neues.
    Mögen seine Vorstellungen Wirklichkeit werden!

  7. Libertärer sagt:

    Der prophezeite Untergang der USA – eine neverending Story;-)

  8. Manfred Gutsche sagt:

    FRAGE: Liebe BLOGGER,
    kann mir jemand sagen warum diese MARIONETTE USMERKEL und ISRAELMERKEL nicht zurück treten tut und
    wann – dieses Br……… im im täglichen TV nicht mehr zu ertragen und sie schaden doch jeen Tag wo sie hier in der BRD
    tätig ist unserem VOLKE!!!

    Muß sich ein Volk das gefallen lassen???

    Kann man die nicht fristlos sofort abwählen???

    Bitte höflichst um Stellungsnahme.

    Euer „Oller“

    Manfred

  9. wolfgang eggert sagt:

    Die von JE angesprochene CIA-Connection beim Djindjic-Mord hat was. HEISE/TELEPOLIS schrieb damals, 2003:
    Hinzu kommt der Streit zwischen den USA und Deutschland zum Zeitpunkt der Ermordung: Djindjic war der einzige Staatschef auf dem Balkan, der die Solidaritätserklärung mit Bushs Irak-Politik nicht unterzeichnet hatte.(…)
    Auffällig ist (…), dass die neuen Machthaber in Belgrad sich demonstrativ um eine Verbesserung des Verhältnisses zu den USA bemühten. So erhielt bereits wenige Tage nach der Ermordung Djindjics der Konzern U.S. Steel den Zuschlag für die größte Stahlschmelze des Landes in Smederevo. Das Filetstück wechselte für schlappe 23 Millionen US-Dollar den Besitzer, obwohl der Staat zu seiner Erbauung umgerechnet 22 Milliarden US-Dollar investiert hatte. Und: Eigentlich hatte ein deutsches Konsortium unter Djindjic schon ein Vorkaufsrecht erhalten, es sollen sogar schon Millionenbeträge geflossen sein.
    US-Außenminister Colin Powell hatte Anfang April, auf dem Höhepunkt des Kampfes um Bagdad, sogar Zeit für eine Stippvisite in Serbien und versicherte der neuen Regierung die Unterstützung der Vereinigten Staaten. Von Berlin aber fand seit dem Djindjic-Mord noch kein Regierungsmitglied den Weg nach Belgrad. Unter Djindjic, dem „nemacki covek“ („Mann der Deutschen“), wäre das nicht passiert.

  10. Re Ply sagt:

    @ “Wir müssen die USA loswerden!”

    Sie machen dieses Jahr die Konferenz „Ami go home“ ?

    Damit bekommen auch die, die sich die Inhalte im Einzelnen nicht reinziehen, bereits eine Mitteilung, was die Stunde geschlagen hat. Bleiben Sie auf jeden Fall bei diesem Titel!

    Die Deutschen mögen zwar dazu imstande sein, regelmäßig eine vernünftige Haltung zu bevorzugen – doch noch neigen sie (die Deutschen) auch schnell zum ‚Nickerchen‘.

    Also bitte: rechtzeitig Mut statt späte Wut.

  11. heidi heidegger sagt:

    @evi

    scheiss habsburger! ab 4:00

    der doktor spricht über mazedonien und er spricht aufrichtig. schau’s dir an,wenn du/magst/mögt:

  12. heidi heidegger sagt:

    hochstapler ist ein eingedeutsches wort in serbisch für:‘..weil der internationale betrüger herr badintel..‘

    im obigen video

  13. Manfred Gutsche sagt:

    Der Dr. hat total recht mit dem wehren des serbischen Volkes!!!
    MfG

    MG

  14. Der Seggl aus'm Ländle sagt:

    Zitat aus dem Artikel: „Heute gibt es überall in unserem Land Freundschaft gegenüber den Deutschen. Es ist auch in unserem INTERESSE, dass sich Deutschland von der US-Vorherrschaft befreit. Wir müssen die USA loswerden, dann können wir gemeinsam ein Europa der Vaterländer verwirklichen.“

    Im Traum, ich träumte:
    Für eine Deutsch-Serbische Freundschaft auf allen Ebenen und für alle Zeiten!
    Diesen Traum lasse ich niemals sterben! Möge er Wirklichkeit werden!

    Es ist essentiell, dass sich die deutschen Völker souverän erklären. Nur durch diesen Schritt können wir den EU-Faschismus besiegen. Alles hängt wieder mal an diesem geknechteten Land und seiner Völker ab, die durch ihre nationale Auferstehung den Kontinent im Ganzen wieder zu dem machen was er mal war oder zu hoffen will.
    Ein Europa der Vaterländer. Ein Europa des Friedens, ein Europa des Willens (damit meine ich nicht den „Triumph des Willens“)
    Nur gemeinsam sind wir stark, dafür müsste man aber auch die gepeinigte deutsche Geschichte aufarbeiten, aber mal ganz ehrlich….(ich weiß…Blogregeln…*kotz*)!!!

    Aber mal unter uns, lieber Jürgen (scheißen wir mal auf die Blogregeln):
    Du weißt genau, dass es unaufgearbeitete Verbrechen der Serben gegenüber den Volksdeutschen nach dem 2 WK gab, und nach dem 1 Wk auch! Ich weiß aus persönlicher Erfahrung, dass Volksdeutsche in Serbien und auf dem Balkan massenhaft vertrieben, ermordet und vergewaltigt wurden.

    In fester Überzeugung glaube ich, dass es nur auf diesem Wege geht, auch national bewusste Deutsche zu einer echten und aufrichtigen Freundschaft gegenüber Serbien zu bewegen. Wobei der „Deutsche“ die wenigsten Verbrechen an den Serben begangen hat, es waren die Kroaten unter freundlicher Mithilfe des Vatikans!

    Sollte die deutsch-serbische Versöhnung, die hoffentlich in einer Freundschaft endet, nicht damit anfangen, die vollständige Ehrlichkeit von allen Seiten zu verlangen?
    Aber nun gut…Im Traum , ich träumte….

    Ach so….der Kubitschek ist out. Der hat zu viel „Raki am Igman“ gesoffen, ewig gefangen in strudelartigen Wiederholungen. Eine wahre Querfront bildet man mit gebildeten Menschen, die nicht in ideologischen Manifesten gefangen sind. Die „Neu-Rechten“ der Pegida sollten sich mal eine Frage stellen: Woher kamen wir und wo wollen wir hin?“
    Die Antwort kann nur heißen (wenn man ALLE mitnehmen will): Vom Volk und durch das Volk! Also eine patriotische/nationale Bewegung die sich – in erster Linie – für das Volk einsetzt, also für die Souveränität! Da helfen solche Spalter wie G. Wilders und andere nicht. Das sollte mit der „Nase“ Bachmann auch mal besprochen werden!

    Ich bleibe dabei: Die „Neu-Rechten“ sollten sich ein Beispiel am Elsässer nehmen, der hat den Spagat geschafft… und das zeugt von geistiger Reife, da eine Selbstreflexion zugrunde liegt. Man lernt eben aus den eigenen Fehlern, so bitter wie es auch sein mag, aber nur das ist der Weg zur „Selbstheilung“!
    Da hilft eben auch kein „Raki am Igman“!

    Grüße aus dem Ländle! Friede mit Euch!

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