Elsässers Blog

Görlitz, 17.12, 17 Uhr, Marienplatz: Elsässer bei Kundgebung "Weihnachten statt kultureller Selbstaufgabe"

Ein verurteilter Terrorist zu Gast in der COMPACT-Redaktion

0820ulusalKameraDer Chefredakteur des  türkischen Oppositionskanals Ulusal-TV, Adnan Türkkan, hat mich für ein Interview besucht

So sympathisch sehen also Terroristen heutzutage aus, dachte ich, als ich gestern Adnan Türkkan und sein Team in der COMPACT-Redaktion begrüßte. Türkkan ist einer der bekanntesten Journalisten in der Türkei, und trotzdem – oder vielmehr: deswegen – vom Erdogan-Regime als Terrorist zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Die Kollegen der FAZ trafen sich auch schon mit Türkkan und schrieben letzte Woche über die Hintergründe: „Nur so könne er(Türkkan)  sich die harte Strafe erklären: Seit 2010 gehört er zum Team des Fernsehsenders Ulusal TV, seit 2011 ist er dessen Chefredakteur. Der Sender war neben Halk TV der einzige, der von Anfang an kontinuierlich und live von den Gezi-Park-Protesten und den Ausschreitungen der Polizei berichtete. Doch schon zuvor war Ulusal TV bekannt für seinen kritischen Blick auf die Regierung Erdogan. Adnan Türkkan war der einzige türkische Journalist, der nach den Eskalationen in Syrien nach Damaskus reiste, um Baschar Al-Assad zu interviewen. Der syrische Ministerpräsident sagte vieles, das Erdogan nicht gefallen haben dürfte. Unter anderem warf er ihm illegale Waffenlieferungen nach Syrien vor.“ Adnan Türkkans Interview mit Assad kann man hier sehen.

0820ulusalBestDann wurden die Kameras angemacht und Türkkan interviewte mich etwa zwei Stunden lang vor allem zum Thema, warum man den Nationalstaat gegen den Globalismus verteidigen muss, warum die  EU ein undemokratisches Imperium ist und die EU-Mitgliedschaft der Türkei fatale Folgen hätte – für die Türkei und für uns hier im „alten Europa“. Das Interview wird nächste Woche über Ulusal ausgestrahlt, ich werde es hier verlinken. Ulusal war auf COMPACT und Elsässer aufmerksam geworden, seit ich im Editorial der Ausgabe COMPACT 10/2012 unter der Überschrift „Spinnst Du eigentlich, Erdogan?“ ungeniert ausgeteilt und mein entsprechendes Video in der Türkei und Syrien viele Zuschauer gefunden hatte. (Hier die türkische Übersetzung, hier eine Video-Version mit arabischen Untertiteln). Vor kurzem erschien mein Buch „Nationalstaat und Globalisierung“ auf türkisch, das war der rote Faden des Gesprächs.

Deutsche und türkische Demokraten müssen zusammenarbeiten, um das divide et impera der Imperialisten zu verhindern und gemeinam den Widerstand gegen Krieg und Dikatur zu organisieren. Die Basis für Demokratie sind aufgeklärte Bürger, die sich über unabhängige Medien eine eigene Meinung bilden können. Diesem Kampf hat sich Ulusal-TV ebenso verpflichtet wie COMPACT. „Mut zur Wahrheit!“ lautet unsere Parole!

Das Erdogan-Regime wollte Adnan Türkkan brechen, indem es ihn zum Terroristen stempelt und für zehneinhalb Jahre in den Kerker schickt. Erreicht hat Erdogan das Gegenteil: Nun ist Türkkan in Deutschland und kann dem antiimperialistischen Widerstand in seiner Heimat ebenso hilfreich sein wie der Zusammenarbeit deutscher und türkischer Patrioten hierzulande.

Herzlich Willkommen, Adnan Türkkan, in Deutschland! Auf weitere gute Zusammenarbeit!

(Fotos: Maiwald)

 

 

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18 Responses

  1. rubo sagt:

    Typisch ist mal wieder die Sprachlosigkeit der deutschen Regierung, wahrscheinlich muß man warten, bis Herrchen in Washington was gesagt hat, dann darf man nachbellen.
    Das einzige was fürs Weiße Haus wichtig scheint, ist Israel, dem Erdogan öffentlich bescheinigt hat, daß es in Ägypten für die Militärs mitmischt.
    Daß Israel sich bei allen seinen Nachbarn einmischt, (und nicht nur da, sogar 2008 im Kaukasuskrieg waren sie mit Militärberatern für Georgien dabei) das ist für mich schon lange, weils die Geschichte beweist, so sicher wie das Amen in der Kirche.
    Aber zur Demokratie in der Türkei hat weder Obama noch die EU was zu sagen, warum wohl? Ähnliches sollte sich in einem die Vasallenschaft ablehnenden Staat ereignen – es gäbe kein anderes Thema mehr!

  2. Willi Winzig sagt:

    Erdogan knutet die Opposition runter. Nun werden auch die Briten in solchen Dingen mutiger, wie man jüngst am Guardian sehen konnte. Immer offener trägt die Obrigkeit ihre Macht zur Schau und versucht jegliche Opposition einzuschüchtern. Es wird weltweit, ja früher oder später weltweit versucht, eine neue faschistische Finanzdiktatur zu errichten. Die so einst „bösen“ Russen und Chinesen werden vielleicht die Nationen sein, die das abblocken und an denen wir uns in Zukunft orientieren müssen. Dennoch sollten wir nicht aufgeben, auch das amerikanische, britische und auch türkische Volk zum Widerstand gegen Unterdrückung von der Obrigkeit zu unterstützen.

  3. schnehen sagt:

    @Rubo

    Sie haben hier in knappen Worten einige sehr interessante Dinge angesprochen, die ich noch etwas ausbauen und an einem Punkt korrigieren möchte:

    1. Die deutsche Regierung zeigt in der täglichen Regierungspraxis, vor allem auf außenpolitischem Gebiet, dass sie keine eigene Meinung haben darf. Weil das so ist, muss sie immer erst abwarten, bis Washington etwas sagt, und erst dann darf sie sich äußern, natürlich aber nur in dem vorgegebenen Rahmen. Sie darf bestimmte rote Linien nicht überschreiten.

    2. Israel IST für das Weiße Haus das Allerwichtigste. Kein Präsident wird heute gegen den Willen der zionistischen Lobby mehr ins Weiße Haus gewählt. Bevor Obama Kandidat der Demokraten wurde, wurde er in einem Hotel in New York, glaube ich, von AIPAC, der größten israelischen Lobby, die das Likud-Regime vorbehaltlos unterstützt, auf Herz und Nieren abgeklopft. Die AIPAC-Vertreter gaben dann grünes Licht für Obamas Nominierung. AIPAC steht für American Israeli Public Affairs Committee. Interessant dazu das Buch von John Mearsheimer and Stephen Walt, ‚The Israel Lobby‘, New York, 2007.

    3. Erdogans Äußerung, dass Israel hinter dem sog. Putsch in Kairo steht, muss man mit Vorsicht genießen. Wenn Sie schreiben ‚er bescheinigt‘, dann klingt das so als ob es eine Tatsache sei, dass Israel dem ägyptische Militär unter al Sisi geholfen hat. Wo sind die Beweise, die er angekündigt hat? Er hat sie angekündigt, aber nicht vorgelegt.
    Erdogans Geheimdienst MIT arbeitet selbst eng mit den israelischen Geheimdiensten zusammen. Gemeinsam arbeiten sie in Syrien am Sturz Assads: der eine schickt die Terroristen über die Grenze, nachdem der CIA sie rekrutiert und bewaffnet hat und der andere, Israel, bombardiert militärische Ziele in Syrien und versorgt die Terroristen auf dem Golan medizinisch.
    Wenn Erdogan Israel diesen Putsch anhängen will, will er nur von seiner eigenen engen Zusammenarbeit mit Tel Aviv, die bei den Türken sehr unpopulär ist, ablenken. Erdogan täuscht.

    4. Israel hat Georgien aufgerüstet. Es schickte aber nicht nur Militärberater, sondern auch militärische Hardware. Georgien ist heute ein Kandidat für den Nato-Beitritt und gleichzeitig ein Aufmarschgebiet gegen Russland, aber auch ein Rückzugsgebiet für islamistische Terroristen, die gegen Dagestan und Tschetschenien, also gegen Russland, eingesetzt werden. Nach der Niederlage Saakaschwilis im August 2008 gegen Russland hat Israel mitgeholfen, das Regime wieder aufzurüsten.

    5. Es gibt keine Demokratie in der Türkei mehr. Der Islamist Erdogan hat sie abgeschafft. Das muss man ganz klar sagen. Sein Freund Mursi hatte in Ägypten das Gleiche vor. Wäre er noch länger an der Macht geblieben, hätte er mit den ägyptischen Generälen das Gleiche oder Schlimmeres angestellt. Der Putsch kam diesen Plänen zuvor. Man kann ihn als präventiven Countercoup bezeichnen wie Webster Tarpley dies tut. (Quelle: Webster G. Tarpley, World Crisis Radio, 19. August).

    Grüße!

  4. Wahr-Sager sagt:

    Das Interview mit Adnan Türkkan wird sicherlich sehr interessant werden, aber ohne deutsche Untertitel ist es weitestgehend nutzlos für die meisten hier (mich eingeschlossen).:/

  5. Deutsche und türkische Demokraten müssen zusammenarbeiten, um das divide et impera der Imperialisten zu verhindern …

    Ja, wenn’s denn welche gäbe, in Schland. Wo gibt es denn bitte Deutsche Demokraten in hinreichender Anzahl und einem entsprechend reflektierten Bewußseinsstand? In der BRD bestimmt nicht.

    In Schland haben wir die Untertanen der Amis, die sich an eine Illusion von Freiheit klammern und meinen, sie könnten der Schuldzuweisung der Sieger entgehen, wenn sie sich mit dem Aggressor identifizieren und sich gegen die Deutschen und für „den Westen“ (also die Ostküste) positionieren.

    Das ist die unbewußte Struktur des kollektiven Verrats🙂, welche imho fast alle antideutschen Binnen-Phänomene aus sich heraustreibt und reproduziert.

  6. rubo sagt:

    Danke @Schnehen für die in allen 5 Punkten richtigen Ergänzungen und Erläuterungen, aber noch ein Gedanke
    zu 5.: Auch wenn Mursi das Gleiche gemacht hätte, was ich verurteilen würde, komme ich hier nicht um den vom Westen stets gehobenen Zeigefinger auf Demokratie durch Wahlen herum, aber nur wenn die Wahlergebnisse im westlichen Sinne sind. Mursi hatte 50%. Und in den 70er Jahren in Algerien hatten Islamische Parteien über 50%, darauf folgte das große Schlachtefest durch die „freien“ Demokratien.
    Insofern kommen Sie auch um den Pferdefuß nicht rum:
    Entweder gelten demokratische Regeln immer oder nie!!
    Bei völkerrechtlichen Regeln ist Rußland der einzige, der darauf pocht!
    Unsere atlantischen Vortänzer hättens gern anders – damit wollen Sie sich bestimmt nicht gemein machen?

  7. Mister Panopticon sagt:

    http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/experten-hegen-kaum-zweifel-an-chemiewaffen-einsatz-a-917875.html

    WMDs in Syrien, Möglicherweise hat die USA gerade ihren „Grund“ für eine Militäraktion „gefunden“ .

  8. schnehen sagt:

    Deutsche und türkische Demokraten müssen zusammenarbeiten…Ja, wenn’s denn welche gäbe…

    Jürgen Elsässer macht vor, dass eine Zusammenarbeit möglich ist. Man muss an ihr arbeiten, darf nicht gleich sagen, es gäbe keine in ‚Schland‘. Was ist das überhaupt für eine Bezeichnung für unser Land, Herr Bullinger? Ich empfinde diese Betitelung ausgesprochen abfällig. Und dann fehlt ihnen der ‚reflektierte Bewusstseinsstand‘, den Sie natürlich besitzen. Sagen Sie doch mal, was dazu gehört! Sie urteilen mal wieder reichlich von oben herab.

    Zu Erdogans Türkei:

    Auch dort gewannen die Antidemokraten im Juni 2012 mit einer satten Mehrheit die Wahlen, so wie bei uns regelmäßig. Aber inzwischen hat sich das Kräfteverhältnis zugunsten der Demokraten verschoben, und es ist zu bezweifeln, ob angesichts der Opposition von Aleviten, Kurden, türkischen Linken, Kemalisten und anderen Demokraten der ottomanische Diktator Erdogan heute noch eine Mehrheit im Volk besitzt. Sie schmilzt dahin. Die anhaltenden Proteste zeigen dies. Und solche Proteste sind auch bei uns möglich! Aus einem latenten Unbehagen kann schnell eine Bewegung entstehen und dann ändert sich auch der Bewusstseinsstand, Herr Bullinger. Ob der dann je so reflektiert ist wie bei Ihnen, lassen wir mal dahingestellt.

    Deshalb Erdogans Bemühungen, die türkische Demokratie zu zerstören. Der Ergennekon-Prozess war Teil dieser Agenda.

    Am 5. August wurden 275 Oppositionelle, darunter zahlreiche Generäle, Admiräle, Politiker, Journalisten und Rechtsanwälte verurteilte und hinter Gittern gesetzt. Der Prozess fand in einem eigens für diesen Prozess errichteten Gefängnisgebäude statt (!).

    Er widersprach allen rechtsstaatlichen Grundsätzen:
    -Sonderstaatsanwälte;
    -Sondergerichte;
    -Anonyme, ausgesuchte Zeugen…

    Alle Verurteilten einte dies:
    Ihre Gegnerschaft gegen jede US-Hegemonie.

    Thierry Meyssan (voltairenet.org) spricht sogar von einem Putsch, über den sich niemand im Westen aufregt. Dafür regt man sich umso mehr über den Putsch in Ägypten auf, was zeigt, wo die Sympathien sind: nicht beim ägyptischen Militär, nicht bei al Sisi, nicht bei national orientierten türkischen Generälen, sondern bei dem Islamisten Erdogan und seiner AKP. Warum?

    Weil diese Formation, die aus der Moslembruderschaft kommt, garantiert, dass die Nato all ihre Projekte in der Türkei und gegen Syrien durchbekommt. Erdogan sorgte für die Einrichtung eines neuen Stützpunktes der Nato in der Nähe von Izmir, ließ Patriot-Raketen stationieren und den Raketenschirm gegen Russland. Das zählt- nicht, ob er die Scharia einführt und Alkohol verbietet und die Frauen verschleiert! Alles nicht so wichtig. Hauptsache ein treuer Freund der Nato und des westlichen Imperialismus, einschl. Israel.

    Aber die Türken wachen langsam auf, und wir in unserem schönen Land werden es auch tun. Es ist nur eine Frage der Zeit.

  9. schnehen sagt: 21. August 2013 um 22:29

    Deutsche und türkische Demokraten müssen zusammenarbeiten…Ja, wenn’s denn welche gäbe…

    Jürgen Elsässer macht vor, dass eine Zusammenarbeit möglich ist. Man muss an ihr arbeiten, darf nicht gleich sagen, es gäbe keine in ‘Schland’. Was ist das überhaupt für eine Bezeichnung für unser Land, Herr Bullinger? Ich empfinde diese Betitelung ausgesprochen abfällig.

    Ist es auch. Kennen Sie das denn nicht? „Schland“ ist Deutschland ohne Deutsche.

    Der Begriff ist übrigens nicht von mir. Ich zitiere ihn nur.

    Und dann fehlt ihnen der ‘reflektierte Bewusstseinsstand’, den Sie natürlich besitzen. Sagen Sie doch mal, was dazu gehört! Sie urteilen mal wieder reichlich von oben herab.

    Reflektieren Sie nicht? Spiegeln Sie noch?

  10. Ach schnehen, noch was: Als gerlernter Marxist wissen Sie schon, was ein falsches Bewußtsein ist und was Es (sic!) ausmachen kann, odder?

  11. Hikmet Kivilcimli is not dead sagt:

    Kleine Korrektur: Der Sender heißt Ulusal Kanal, nicht TV.
    Bin auf das Interview gespannt. Ich weiß nicht, ob Türkkan Ihnen von Osman Yildirim erzählt hat. Er war der Hauptverdächtige für den Anschlag auf die Zeitung Cumhuriyet in 2006 war (übrigens die einzige Aktion, neben dem „Danistayangriff“, die man der „Ergenekonakten“ nahm), war Zeuge beim Prozess. Er gab seine Schuld zu, wurde verurteilt. Und kam dennoch auf freien Fuß. Obwohl es gesetzeswidrig ist, wurde er in Zeugenschutzprogramm genommen und zog mit seiner Familie in eine Villa ein.
    Und noch etwas. Beim Ergenekonprozess, wo es ja um den tiefen Staat geht, wurde KEINES der politischen Morde und Anschläge in der Vergangenheit (Der Mord am Studentenaktivisten Taylan Özgür, die Massaker von Kahramanmaras, Malatya, Corum und Sivas, die Morde an Abdi Ipekci, Ilhan Egemen Darendelioglu, Muammer Aksoy, Cetin Emec oder Turan Dursun, das Bahcelievlermassaker etc.) behandelt.

  12. schnehen sagt:

    @Joachim Bullinger

    Worum geht es denn hier?

    Nicht darum, ob hier jemand ein gelernter Marxist ist oder ob er noch den ‚Spiegel‘ liest oder nicht. Das geht alles an der Sache vorbei. Es geht überhaupt nicht um Einzelpersonen, sondern darum, dass wir uns in den Bewusstseinszustand der normalen Menschen, von Otto-Normal-Verbraucher, hineinversetzen, dass wir also von unserem hohen Ross hinabsteigen und eine Sprache sprechen, die alle verstehen, aber keine gezierte, akademische Hochsprache mit lateinischen Einflechtungen, um zu zeigen, wie ‚gebildet‘ man ist. Es gilt, eine möglichst einfache, natürliche und verständliche Sprache zu sprechen, was nicht bedeutet, dass man die vielen Amerikanismus, die sich inzwischen bei uns eingebürgert haben, nachplappert.

    Das ist das eine.

    Das zweite:

    Es kommt heute darauf an, das, was die meisten Menschen ohnehin schon ‚irgendwie‘ wissen und spüren, nur nicht auszusprechen wagen oder nicht formulieren können, in Aktion umgesetzt wird. In der Aktion wird sich dann das Bewusstsein noch stärker verändern und wird ungeahnte Sprünge machen. Das heißt, wir sollten uns mit Gandhi die Frage stellen, wie wir es schaffen können, Menschen zu mobilisieren und aufzurütteln, ihr latentes Unbehagen und Wissen um die Fäulnis dieses Systems in Aktion umzusetzen, denn eine Befreiung von diesem System und von dieser Besetzung, unter der wir leben, geht nur über die Mobilisierung von Hunderttausenden von Menschen.

    Deshalb sollte auch ‚Compact‘ immer daran arbeiten, nicht nur gute Artikel zu bringen, sondern stets daran denken, wie man Menschen mobilisieren kann, wie man Menschen auf breitester Basis zusammenführen, wie man das Trennende und wie man vor allem die Lethargie überwinden kann.

    Dann wird sich in der konkreten Aktion das Bewusstsein von selbst verändern, und das geht in jedem Land, auch bei uns, solange es Ungerechtigkeit, Unterdrückung und Besetzung gibt.

  13. schnehen sagt: 22. August 2013 um 22:33

    @Joachim Bullinger

    Worum geht es denn hier?

    Nicht darum, ob hier jemand ein gelernter Marxist ist oder ob er noch den ‘Spiegel’ liest oder nicht. Das geht alles an der Sache vorbei. Es geht überhaupt nicht um Einzelpersonen, sondern darum, dass wir uns in den Bewusstseinszustand der normalen Menschen, von Otto-Normal-Verbraucher, hineinversetzen, dass wir also von unserem hohen Ross hinabsteigen und eine Sprache sprechen, die alle verstehen, aber keine gezierte, akademische Hochsprache mit lateinischen Einflechtungen, um zu zeigen, wie ‘gebildet’ man ist. Es gilt, eine möglichst einfache, natürliche und verständliche Sprache zu sprechen, was nicht bedeutet, dass man die vielen Amerikanismus, die sich inzwischen bei uns eingebürgert haben, nachplappert.

    Das ist das eine.

    Ja, bekenne mich schuldig, Euer Ehren, und erwarte eine angemessene Bestrafung für meine Eitelkeit. Die ja bekanntlich eine Todsünde ist.

    Sie nehmen’s halt ernst und für mich ist es nur ein interessantes Spiel. Und unter uns: Es ist nur ein Spiel.🙂 Gott sei Dank.

    Übrigens schnehen, wenn Sie einmal an die Macht kommen, kriege ich dann das Wahrheitsministerium? Das wäre schön, bitte, bitte…

    Das zweite:

    Es kommt heute darauf an, das, was die meisten Menschen ohnehin schon ‘irgendwie’ wissen und spüren, nur nicht auszusprechen wagen oder nicht formulieren können, in Aktion umgesetzt wird. …

    Ist das nicht schon der zweite Schritt. Muß nicht zunächst die Roherfahrung artikuliert werden?

    Also Kümel kann das z.B. wie kaum ein zweiter. Und doch bleibt es weitgehend ohne entsprechede Resonanz. Warum?

    Oder kommt es doch zur Resonanz, das Volk schwingt sich ein und mit und nur der dumme und narzißtische Bullinger ist zu arrogant und eingebildet, um es zu bemerken?

  14. schnehen sagt:

    @Joachim Bullinger

    Ich wollte Sie nicht verletzen, Herr Bullinger, und entschuldige mich, wenn es so rübergekommen ist, sondern wollte nur etwas klar aussprechen, was mir missfällt.

    Ich möchte nur auf den zweiten Teil Ihres Beitrags eingehen, weil ich mich nur ungern mit Polemik beschäftige. Also gehen wir auf den ernsthaften Teil ein:

    „Muss nicht zunächst die Roherfahrung artikuliert werden?“

    Das ist eine interessante Frage.

    Wieder weiß ich aber nicht genau, was Sie damit meinen, weil Sie oft in Rätseln sprechen. Ich nehme an, Sie meinen, dass andere, irgendwelche Intellektuelle, für die Menschen irgendwelche Erfahrungen aussprechen, artikulieren müssen, weil sie es selbst nicht können, bevor die Menschen selbst aktiv werden. Ist das, was Sie meinen? Wenn ich Sie falsch verstanden haben sollte, dann erklären Sie es mir bitte, bzw. uns allen.

    Ich finde nein. Denn wenn man soziale Bewegungen studiert, z. B. die, die Mahatma Gandhi Anfang der dreißiger Jahre in Indien ins Leben rief, um Indiens Unabhängigkeit von Großbritannien zu erreichen, aber natürlich auch andere, dann stellt man fest, dass nicht zuerst irgendeine ‚Roherfahrung‘ ‚artikuliert‘ werden musste, sondern dass die Menschen mit solchen Roherfahrungen ohnehin schon ausgestattet aktiv wurden und dann immer neue Erfahrungen gemacht haben, die sie noch mehr motiviert haben. Sie machen jede Menge Erfahrungen in der Aktion selbst, und erweitern dadurch selbstständig ihren Horizont und gewinnen durch diese Erfahrungen in der Aktion immer neue und klarere Erkenntnisse darüber, wer ihr eigentlicher Gegner ist und sogar, wie das ganze System funktioniert. Dass an diesem System ‚etwas faul ist‘ wussten sie aber schon vorher, sonst wären sie nicht aktiv geworden.

    Wenn es dann noch Leute gibt, charismatische und selbstlose Politiker mit einem guten, klaren Programm, die feste Wurzeln im Volk haben, die darin schwimmen wie der Fisch im Wasser, die diesen Kampf mit zielklaren Losungen vorantreiben, die die Menschen zusammenbringen und anleiten können – umso besser. Zu solchen Leuten zähle ich z. B. den Nationalisten Ho Chi Minh, aber auch Gamal Abdel Nasser.

    Zum Beispiel wächst mit jeder Niederschlagung oder Unterdrückung einer Volksbewegung das Bewusstsein, dass wir in keiner Demokratie leben, dass wir von raff- und machtgierigen Eliten regiert werden, die sich einen Dreck um das Volk, um Demokratie und die Rechte der Menschen scheren. Das wird dann in der Aktion konkret erfahrbar. Diese Erfahrungen bringen das Bewusstsein voran. Und so werden die Menschen politisch immer reifer, und so lernen sie auch zu ‚reflektieren‘, um Ihren Ausdruck zu benutzen.

  15. Eveline sagt:

    Joachim Bullinger sagt:
    23. August 2013 um 01:04
    schnehen sagt: 22. August 2013 um 22:33

    @Joachim Bullinger sagt:

    Worum geht es denn hier?

    Also Kümel kann das z.B. wie kaum ein zweiter. Und doch bleibt es weitgehend ohne entsprechede Resonanz. Warum?

    weil die Masse noch im Kinderdasein steckt….und immer noch die heimlichen Wunschvorstellungen aus der „Kindheit“ mit sich rumschleppen, ohne jemals DANKE gesagt zu haben.

  16. schnehen sagt: 23. August 2013 um 09:31

    @Joachim Bullinger

    Ich wollte Sie nicht verletzen, Herr Bullinger, und entschuldige mich, wenn es so rübergekommen ist, sondern wollte nur etwas klar aussprechen, was mir missfällt.

    Ach Unsinn, lieber schnehen. Ich schätze ihre klugen und i.d.R. sehr sachhaltigen und kenntnisreichen Beiträge sehr. Und verletzen kann ich mich übrigens nur selber. Kein Anderer kann das.🙂

    Ich meine halt zu bemerken, daß sie sich die ganze Welt auf ihre schmalen Schultern geladen haben, und daß sie diese unerträgliche Last sehr bedrückt. Wäre es da nicht viel besser, die Welt „wie ein loses Gewand“ zu tragen?

    Ich meine, wir verfolgen halt nichtige Ziele mit untauglichen Mitteln. Das ist tragisch. Aber es hat auch eine heitere Dimension… Und das Leben wird um vieles leichter, wenn wir darüber lachen.

  17. schnehen sagt: 23. August 2013 um 09:31

    @Joachim Bullinger

    “Muss nicht zunächst die Roherfahrung artikuliert werden?”

    Das ist eine interessante Frage.

    Wieder weiß ich aber nicht genau, was Sie damit meinen, weil Sie oft in Rätseln sprechen. Ich nehme an, Sie meinen, dass andere, irgendwelche Intellektuelle, für die Menschen irgendwelche Erfahrungen aussprechen, artikulieren müssen, weil sie es selbst nicht können, bevor die Menschen selbst aktiv werden. Ist das, was Sie meinen? Wenn ich Sie falsch verstanden haben sollte, dann erklären Sie es mir bitte, bzw. uns allen.

    Also, in aller Kürze und hoffentlich auch Klarheit:

    Wir machen Erfahrungen und eine uns unbewußte Wissensinstanz tief in uns weiß, was sie bedeuten. Die Erfahrung in diesem Zustand nenne ich „Roherfahrung“.

    Und wenn jetzt ein Anderer genau diese Erfahrung zu einem gültigen sprachlichen Ausdruck bringt und wir seine Rede verstehen, dann wird uns sofort und unabweisbar klar und bewußt:

    Genau! Genau so ist es.

    Übrigens kann man Kunstwerke daran messen: Wenn es ihnen gelingt, eine Roherfarung zum gültigen Ausdruck zu bringen, sind sie gelungen – wenn nicht nicht.

  18. marc sagt:

    Wenn die Türken Patrioten sind müssen sie in ihre Steppe zurück,das Land haben sie von Griechen,Assyrern,Armeniern,Kurden geklaut!

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