Elsässers Blog

19. September, Berlin: die Identitären kommen! Mit Sellner, Kubitschek, Elsässer. Halong-Hotel, Leipziger Str. 54, Beginn 19 Uhr

Erdogans Schauprozess: Die Ergenekon-Säuberung

EndCoverTerror-Urteile gegen kritische Militärs, Journalisten und Oppositionelle

So säubert Erdogan das Land von Demokraten: Gestern wurden die Urteile im Ergenekon-Prozess gesprochen. Vor allem in der ARD-Tagesschau wurde ein völlig falscher Eindruck vermittelt: „Hohe Strafen für Geheimbündler“ und „Putsch-Prozess in der Türkei“ lauten die Überschriften im ARD-Nachrichtenportal. Dabei ist Erdogan der Geheimbündler, und der Putsch geht von ihm aus!

Erstaunlich gut dagegen die Berichterstattung auf spiegel.de. Auszüge:

(Spiegel-Auszüge) Die Ergenekon-Mitglieder wurden als Verschwörer, Verräter, Terroristen bezeichnet. Unter den 275 Angeklagten waren vor allem Militärs, aber auch Anwälte, Schriftsteller, Journalisten, Oppositionelle. (…) Der ranghöchste Beschuldigte, der frühere Generalstabschef Ilker Basbug, wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. (…) (B)ei den meisten Verhaftungen ist die Beweislage fragwürdig, oft fehlen die Beweise ganz. Zudem geht die Regierung keineswegs gegen eine kleine, geheime Gruppe von Verschwörern vor, sondern gegen die halbe Streitkräfteführung. Auch viele Schriftsteller, Journalisten, Anwälte, Geschäftsleute und Oppositionspolitiker sitzen in Haft. Erdogan, sind viele Kritiker überzeugt, betreibe eine Hexenjagd auf politische Gegner. (…) Erdogan, seit Frühjahr 2003 an der Macht und seit Juli 2011 zum dritten Mal im Amt, macht vielmehr den Eindruck, wie ein machtsüchtiger Herrscher selbst die leiseste Opposition kaltzustellen. Kritiker sagen, es gehe ihm nicht um die Unterwerfung des Militärs unter demokratische Regeln, sondern schlicht um seinen Machterhalt. Die Zahl der Verhaftungen und Einschüchterungen hat in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich zugenommen. Längst trauen sich viele Journalisten nicht mehr zu schreiben, was ist, verzichten Schriftsteller auf öffentliche Auftritte, benötigen Regierungskritiker Personenschutz. (…) Der New Yorker Schriftsteller Paul Auster sagte vor gut einem Jahr in einem Interview, er werde nicht in der Türkei auftreten, weil dort so viele Schriftsteller und Journalisten grundlos im Gefängnis säßen. Daraufhin erwiderte der türkische Premier Recep Tayyip Erdogan, er wisse überhaupt nicht, wer dieser Auster sei, und spottete: „Oh, wir brauchen dich sehr!“Der Generalsekretär der islamisch-konservativen Regierungspartei AKP sprang Erdogan bei: Auster sei wohl Teil des Ergenekon-Komplotts.(Spiegel-Auszüge Ende)

In der Juli-Ausgabe von COMPACT-Magazin berichteten wir unter der Überschrift „Erdogans NSU“ über Parallelen des Ergenekon-Verfahrens mit dem NSU-Prozess: „Das Schema der Anklage und der öffentlichen Kampagne ähnelt dem NSU-Verfahren: Der reale “tiefe Staat” aus Geheimdiensten, NATO-Militärs und Extremisten baut – unter Hinweis auf einzelne Figuren auf der Anklagebank – einen imaginären “tiefen Staat” zusammen, der ersatzweise abgeurteilt wird. Ergenekon ist ein Phantom-Konstrukt, so wie NSU auch. Die Kampagne zielt, in der Türkei wie in Deutschland, gegen die “Ultranationalisten”, also gegen alle irgendwie “Rechten”, die der neuen globalistischen Ausrichtung des realen “tiefen Staates” im Wege stehen. Konkret zur NSU: Der “reale tiefe Staat” aus Leuten wie dem Agenten Andreas Temme (hessischer Verfassungsschutz) projiziert alle Verbrechen, an denen er beteiligt war, auf eine kleine Substruktur, die Zwickauer Zelle, die zwar Dreck und Blut am Stecken haben, aber eben nur eine weisungsgebundene Substruktur war.“

Der „tiefe Staat“, den Erdogan mit der Ergenekon-Säuberung angeblich beseitigen will, existiert in Wirklichkeit weiter. So heißt es in COMPACT 7/2013:  „Dass der Tiefe Staat unter Erdogan weiter existiert, beweist unter anderem der verheerende Autobombenanschlag in der Stadt Reyhanli an der syrischen Grenze am 11. Mai 2013. Dabei sind laut Polizei 51 Menschen getötet worden, Oppositionelle gehen von über 170 Opfern aus. Erdogan gab sofort dem syrischen Präsidenten Bashar al-Assad die Schuld. Kurz darauf wurden ein Dutzend türkische Linksradikale festgenommen, die angeblich im Auftrag von Assads Geheimdienst gehandelt hätten. In Wirklichkeit wurde der Anschlag aber von der Al Nusra-Front begangen, dem Dschihad-Flügel der syrischen Opposition. Das wird durch Dokumente der türkischen Militärpolizei (Jandarma) belegt, die die linksradikale Hacker-Groupe Red Hack im Internet erbeutet und weiterverbreitet hat. Die Faksimile beweisen, dass die Jandarma Vorab-Informationen über das Attentat hatte, aber nichts dagegen unternahm.“

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22 Responses

  1. Willi Winzig sagt:

    Erdogan steigt die Macht zum Kopf und dieser wird dann heiss, ein „Hitzkopf“. Aber dann wird er Fehler machen, Fehler, auf die die Opposition wartet. Im Militär gab es wahrscheinlich Geraune, das der islamistisch orientierte Erdoganclan immer mehr Machtmittel an sich reißt und dabei keinen Widerspruch duldet. Vor allem das kemalistisch geprägte Militär beobachtet das mit berechtigter Sorge. Kritik wird von Erdogan höchstpersönlich genommen und entsprechend geahndet. Die verfolgten Journalisten hatten womöglich gute Kontakte zu Militärinsidern, die den einen oder anderen Vorgang durchblicken ließen. Also werden sie als sichtbare Einschüchterungsmaßnahme gegen weitere gleich mit hochgenommen.

    Auch wenn sich die Türkei unter Erdogan wirtschaftlich nach vorn entwickelt hat, ist das nicht wirklich sein Verdienst. Will die Türkei Partner im Ausland, besonders in Ländern wo man dem Islamismus eher skeptisch gegenüber steht, wird er Zugeständnisse an die Opposition machen müssen. Kurz: Wer dazugehören will, muß sich auch als würdig erweisen können. Die Türken haben mehr verdient als einen machtsüchtigen Großvesir. Es werden wieder die Tage kommen, wo es am Taksimplatz rauchen und brennen wird.

  2. schnehen sagt:

    Erdogan beugt einer Entwicklung wie in Ägypten vor, wo seine Schwesterpartei, die politische Partei der Moslembruderschaft (Freedom & Justice Party) jetzt die Macht eingebüßt hat. Erdogan hatte sich ausdrücklich mit Mursi solidarisiert: ‚Mursi ist mein Präsident!‘

    Es ist die Furcht vor einem baldigen Machtverlust, vor einer säkularen, atatürkschen, patriotischen Gegenströmung, die ihn zum Handeln und Prozessieren treibt – eine Strömung, die sich in den letzten Wochen im Mittleren Osten deutlich zu Wort gemeldet hat – sei es in Tunesien, in Ägypten, aber auch im eigenen Land. Auch hat er Angst davor, dass seine Verbündeten, vor allem aber die EU, solche Kräfte unterstützen oder zumindest tolerieren könnten, in der Hoffnung, sie später steuern zu können.

    Ob der Ergenekon-Prozess ausgereicht hat, einer solchen Entwicklung vorzubeugen, ist sehr fraglich, angesichts seiner zunehmenden Unbeliebtheit im Land. Die großen Proteste vor dem Gerichtsgebäude und die Fortführung der Taksim-Proteste gegen das sein Regime zeigen dies.

  3. rubo sagt:

    Die Türkei als NATO-Mitglied kann nichts selbständig machen, also handelt Erdogan im Sinne von USrael und NATO. Eine Entwicklung gegen NWO-Ziele nicken die nicht ab.

  4. Anonymous sagt:

    Vielen dank für die Zusammenfassung Ihrer Gedanken. Ich kann diese nur bestätigen!

  5. me. sagt:

    Off Topic?🙂

    „Sängerin Elmasry beschuldigt Obama, mit Terroristen zusammenzuarbeiten.“

    Quelle:standard.at

  6. Jakobiner sagt:

    Der entscheidende Kampf steht noch bevor: Erdogan will die Verfassung ändern und eine Präsidialdiktatur einführen.Auch muss er erstmal die nächsten Wahlen gewinnen–leider garantiert das türkische Wahlrecht seiner Minderheitenpartei eine parlamentarische Mehrheit. Der Ergenekonprozess ist zwar ein Rückschlag für die Opposition, aber die neue Opposition am Taksimplatz zeigt, dass noch nicht aller Ende Abende ist. Und die Entwicklungen in Tunesien und Ägypten zeigen den säkularen Kräften auch, dass sie noch nicht am Ende, sondern erst am Amfang stehen.

  7. Hikmet Kivilcimli is not dead sagt:

    Er liqiuditiert sämtliche „Unangenehme“ (vornehmlich Befürworter der Republik) aus den Instituten und unterbringt Leute, die seiner Linie treu sind. Bei euch gab es ja auch mal so einen. Schon Atatürk sagte, dass wenn der Feind (und gemeint war der Imperialismus) eine Nation destabilisieren und unterjochen möchte, zuerst bei ihrer Millitär anfängt. Hier kooperiert Erdogan mit dem Westen (deswegen auch die fehlende Investigativität in den Medien). Sowieso ist „Ergenekon“ eine Initiative von ihm und Bush.
    Man darf nicht vergessen, dass Erdogan (als jahrelanger Islamist) mit dem Kemalismus abrechnet. Er versucht, eine Verbindung mit dem tiefen Staat und Atatürk zu konstruieren. Hand in Hand mit den Imperialisten versucht man den Mann, der aus dem Widerstand eines verarmten Volkes eine der großen Revolutionen des 20. Jahrhunderts machte und seinen Mitmenschen „die Stufe der zeitgenössischen Zivilisationen“ und „eine Gesellschaft von Menschen mit freier Anschauung, Willen und Wissen“ als Ziel zeigte, als dunklen Despoten zu vermarkten. Beide (also der westliche Imperialismus und die östlische Reaktion) haben ein Hühnchen mit ihm zu rupfen.

  8. Juli sagt:

    Das NWO-Rezeptbuch präsentiert: Künstlicher Volksaufstand

    Das englische Original erschien unter dem Titel New World Order Recipes Presents: How to Cook up a Fake “People’s Uprising”! auf der Seite Tomatobubble.com. Ein Autorenname ist nicht ersichtlich. Übersetzt (und im Design etwas umgestaltet) von Osimandia. Achtung: Der Artikel ist ab “Weiterlesen” für unsere Verhältnisse ungewöhnlich bilderlastig, und die Bilder sind auch relativ breit , was auf Smartphones oder auch beim eventuellen Übernehmen in andere Blogs zu Darstellungsproblemen führen könnte.

    illuminatilogo2.jpg.w180h184Haben Sie ein Problem mit nervigen Nationen, die sich weigern, sich dem globalistischen oder zionistischen Programm zu fügen?

    Sind Sie besorgt wegen der Kosten und unvorhersehbaren Konsequenzen eines weiteren Neocon-Krieges?

    Nun, bevor Sie irgendetwas Überstürztes tun, versuchen Sie doch einfach die Zielregierung mit einer “Soft Power”-Revolution zu stürzen und beachten Sie dazu das untenstehende Rezept.

    ZUTATEN:

    Tonnenweise amerikanisches Geld von der CIA und/oder George Soros
    Eine kleine Truppe von CIA-Agenten
    Kontrollierte Gruppen, die für “Menschenrechte” und “Demokratie” eintreten
    Idealistische möchtegern-westliche Collegegören
    Leicht zu manipulierende linksliberale Idioten
    Professionell gestaltete Plakate und Banner in englischer Sprache
    Bestechliche/erpressbare Journalisten
    Bestechliche/erpressbare Politiker
    Bestechliche/erpressbare Akademiker
    Korrupte Gewerkschaftsbosse
    Gewalttätige Agents provocateurs

    weiterlesen: http://tinyurl.com/ku83le8

  9. Aref sagt:

    atatürk war kein freiheitsfördernder revolutionär, sondern ein atheist, ein verwestlichter fanatisierter diktator und verbrecher. für den grassierenden ungeist der mörder und intoleranz in der türkei ist atatürk maßgeblich verantwortlich, auch wenn es diese intoleranz und morde an andersgläubigen auch schon in osmanischer zeit gab.

    seine kranken ideologien gipfelten in der geistig verwirrten theorie, daß es „ein urvolk in der welt gegeben habe, die türken, und die anderen völker alle von diesen urtürken“ abstammen würden. (siehe hethiter, kleinasien): diese behauptung wurde später durch archäologen u. forscher widerlegt.

    mit ähnlichen pseudoideologien versuchte er die leute in der türkei ethnokulturell zu verblöden. der rassismus und die einstellung der ultranazistischen gruppierungen wie der grauen wölfe wurzeln wesentlich auf dem schlächter atatürk und seinem neotürkischen nazismus. nicht zu vergessen seine feldzüge gegen gläubige muslime: er ließ die stark religiösen moslem-vereinigungen verfolgen, vertreiben und töten, wo er nur konnte, die zahlreichen derwisch-orden wurden blutig terrorisiert und aus dem land gejagt. wer als türkischer bewohner einen fez (traditionelle kopfbedeckung auf dem balkan und vorderasien, bei christen und mohammedanern) trug, wurde bestraft, weil er das verbot ignorierte – die lächerliche neuregel atatürks, die wollte, daß alle türken sich zwangseuropäisieren lassen würden und ihre eigene kultur verleugneten und aufgaben zugunsten eines aufgepfropften, von außen eingebleuten europäismus. ebenso wurden die traditionellen musikweisen, volkslieder und musikinstrumente in großem maße eingeschränkt oder z. t. verboten und durch westliche musikrichtungen oder instrumente ersetzt, die den anatolischen bewohnern in stadt und land eine art von „europäischer türkenkultur“ aufzwingen sollten.

  10. Hans Dampf sagt:

    Erdogan = Stalin àla Türk?
    Ist das die Art ‚Schauspiel‘ welches wir von einem künftigen ‚Bundesstaat €uropa‘ zu erwarten haben?
    TATOTRT BRÜSSEL!

  11. Dr. Gunther Kümel sagt:

    Erdogan ist ein hervorragendes Beispiel für die Tatsache, daß die politischen Lager der Vergangenheit nichtssagend geworden sind. Er geht gegen „Rechte“ und „Linke“ vor. Ist er nun rechts? Ist er „links“? Oder schlicht ein Arschloch?

  12. rubo sagt:

    Die Schilderung von @Aref über Atatürk ist mir unbekannt und sicher anderen auch.
    Übrigens bei der Erdogan-„Demokratie“ wundert mich, daß die
    Demokratie-Musterknaben USA und EU so ruhig bleiben, die
    medialen Erschütterungen, wenn so was in Rußland vorginge,
    sehe ich lebhaft vor mir. Es widerholt sich immer wieder mit der westlichen Doppelmoral. Was Demokratie ist, bestimmt Onkel Sam und die EU-Satelliten müssen-darfen es widerkäuen. Siehe die „freien Terroristen“ in Syrien oder die ölreichen Wüstensöhne und dagegen der böse Assad.

  13. schnehen sagt:

    Atatürk ein Verbrecher?

    Vorweg:

    Das, was Atatürk nach dem Ersten Weltkrieg in der Türkei an Reformen angestoßen hat, möchte ich nicht gleichsetzen mit dem, was seine späteren Anhänger in der Türkei daraus gemacht haben und was sie heute daraus machen. Der türkische Nationalismus, der sich auf ihn beruft, ist nicht das, was Atatürk gewollt hat. Hier ist also zu trennen.

    Aber wenn man sich mit seinem Reformwerk selbst unvoreingenommen und nüchtern befasst, muss man feststellen, dass er gewaltige Verdienste hat, die niemand abstreiten kann. Hier nur ein paar Beispiele:

    1. Atatürk führte das Frauenwahlrecht ein, erst auf kommunaler und später auf parlamentarischer Ebene.

    2. Er führte, und das war für die türkischen Frauen ein gewaltiger Fortschritt, ein modernes Erbrecht ein auf der Grundlage des Schweizer Zivilrechts. Frauen können sich scheiden lassen, können erben…Männer und Frauen werden rechtlich gleichgestellt, auch wenn diese Gleichstellung noch nicht die tatsächliche Gleichstellung im wirtschaftlichen und sozialen Leben brachte, aber Frauen erhielten zum ersten Mal Zugang zu höherer Bildung, durften studieren.

    3. Außenpolitisch rückte er ab von dem aggressiv-imperialistischen Kurs seiner islamistischen Vorgänger: Die Türkei wird Mitglied des Völkerbundes und findet zu einer friedlichen Beilegung des Konflikts mit Griechenland. Atatürk hatte selbst noch als Offizier am Abwehrkampf gegen Griechenland Anfang der 20iger Jahre teilgenommen und damit gezeigt, dass er ein türkischer Patriot ist. Mit anderen Nachbarn schließt er den sog. Balkanpakt. Also er praktizierte das, womit Erdogan seine Wiederwahl 2011 gewann: Null-Probleme mit den Nachbarn, nur mit dem Unterschied, dass er im Unterschied zu Erdogan zu seinem Wort stand.

    4. Atatürk garantierte die Rechte von religiösen und nationalen Minderheiten: Juden und Christen können ihre Religion ungehindert ausüben. Der Koran, den er ablehnte, wird ins Türkische übersetzt. Er kümmert sich auch um politische Flüchtlinge: Trotzki, der von Stalin 1927 in die Verbannung geschickt wurde, erhält Asyl in der Türkei und darf sich in Principe mit seiner Familie aufhalten; von den Nazis verfolgte deutsche Politiker, darunter der spätere Berliner Bürgermeister Ernst Reuter, erhalten zusammen mit zahlreichen Künstlern, Wissenschaftlern und Architekten Asyl in der Türkei. Gleichzeitig verbietet er jede Art von Rassismus.

    Allerdings verbietet er die Kommunistische Partei. Atatürk war Antikommunist oder zumindest Anti-Stalinist.

    Die Aufzählung ist natürlich völlig unvollständig und bruchstückhaft.

    Aber sie zeigt schon, dass Atatürk sein Land durch seine Reformen gewaltig nach vorne gebracht hat in den 15 Jahren, in denen er an der Macht war – ein sehr kurzer Zeitraum.

    Dieses fortschrittliche Erbe ist den Anhängern einer Islamisierung der Türkei heute ein Dorn im Auge, aber auch ein großes Hindernis für ihre Machtansprüche. Sie träumen von einem neuen Kalifat oder Sultanat und machen ihn runter, was man an dem Beitrag von ‚Aref‘ gut erkennen kann. Man zähle nur mal nach, wie oft er Atatürk auf den wenigen Zeilen beleidigt hat.

    Die Türkei braucht heute einen neuen Anlauf in Richtung einer unabhängigen, selbstständigen Orientierung: Weg von der neoliberalen Politik Erdogans, weg von der EU, der Nato und hin zu einem engen Bündnis mit dem Iran, China und Russland. Dort liegt die Zukunft des Landes, nicht in einem neuen Kalifat. Die Einführung eines solchen Projekts wird von der Mehrheit der Türken abgelehnt und würde das Land um Jahrzehnte zurückwerfen.

  14. Karl sagt:

    Solange Erdogan als antiimperialistischer Verbündeter angesehen wurde, störte es Jürgen Elsässer nicht, dass in der Türkei tausende Menschen wegen eines “Phantoms” verfolgt wurden.

  15. Hikmet Kivilcimli is not dead sagt:

    @ schnehen

    Danke für den Kommentar. Hat einiges an Arbeit genommen. Es ist gut zu sehen, dass in Europa Menschen gibt, die sich mit der türkischen Revolution beschäftigt haben. Die verklärte Darstellung (die sich besonders auf den Laizismus reduziert, was ein fataler Fehler ist) über seine Person ist hier weit verbreitet und wir haben es nicht selten schwer, gegen diese Vorwürfe voranzukommen. Und als Türken haben wir den Nachteil, dass man uns eher belächelt als zuzuhören (nach dem Motto „natürlich sagt sie das, das sind Türken).
    Man darf auch nicht vergessen, dass Atatürk neben der „Kulturrevolution“ eine industrielle Revolution führte. Die Türkei hatte nichts. Kaum Proletariat (Bis auf Istanbul und Izmir). Eine Nation, die fast aus der Bauernklasse bestand, zu 92 oder 93% Analphabeten. Die Revolution begann mit der Parole „Unabhängikeit oder Tod“. Die Bewegung sprach von „voller Unabhängikeit“ (worauf die Briten mit „Die Türken haben den Verstand verloren“ antworteten). Also musste ein ernster Aufbauprozess her. Nach seinem Tod hatten wir eine eigene Industrie. Eine „konsumierende Gesellschaft“ wurde zu einer „produzierenden Gesellschaft“. Die Zahl gebildeter Menschen war gestiegen (und stieg auch danach. Bis zum Putsch von 1980). Und wir als größtenteils muslimisches Volk wurden von „kul“ (Arabisch für Sklave, was im Sinne von „jemand, der Gott ergeben und Untertan ist“ benutzt wird und von Klerikern und Regierenden missbraucht wurde) zu Bürgern.
    Der kemalistische Nationalismus ist ein „Befreiungsnationalismus“ im Sinne sämtliche nationaler Befreiungsbewegungen in der dritten Welt und beruht auf „Einigung in Sprache, Geographie, Gescichte und Kultur“. Man darf nicht vergessen, dass wir aus etlichen Ethnien bestehen. Turkmenen, Lazen, Tscherkessen, Kurden, Pomaken, Kirgisen, Azeri, Zaza, Aramäer usw (eine Besonderheit, die die Imperialisten immer gegen uns zu missbrauchen wissen). Außerdem sind wir keine „reinrassigen Zentralasiaten“, sondern sind das „Ergebnis“ der Verschmelzungen zentralasiatische Nomaden mit anatolischen Einheimigen. Womit wir uns als Nation identifizieren, ist die Türkei und die Sprache. Rassismus war bei uns etwas Marginales gewesen, was größtenteils unter Intellektuellen verbreitet war (ähnlich wie der Kommunismus, der mit unserer Arbeiterschaft nie eine richtige Verbindung knüpfen konnte).
    Was den Kommunismus angeht, glaubte er nicht an dessen Erfolg. Jedoch war er kein Antikommunist, eher Nonkommunist. Denn zu seiner Zeit wurden kommunistische Werke übersetzt und verlegt. Vor der Republik gab es vielleicht bis auf ein paar Broschüren fast nichts. Selbst Das Kapital kam viel später raus. Der damalige Justizminister Mahmut Esat Bozkurt, der zum linken Flügel der CHP gehörte und betonte, bestand darauf, dieses Werk unbedingt zu übersetzen. Lenins Werke fand man in Staatsbibliotheken. Auch die türkischen Kommunisten befürteten die Reforme. Nach Atatürks Tod waren es vor allem diese, die den späteren Regierungen vorwarfen, den Kemalismus veraten zu haben. Dennoch wurde die TKP durch das „Gesetz zur Sicherung der öffentlichen Ruhe“ von 1925 verboten. Und da wir Sozialisten und Kommunisten immer wieder vergessen, dass zu der Zeit viele Genossen moskautreu waren und die meisten KP’s zum Nutzen der Soviets arbeiteten (man denke an unzählige Dokumente, die nach dem kalten Krieg ans tageslicht kamen, laut denen viele KP Mitglieder weltweit vom KGB finanziert wurde, ähnlich wie Gladios von CIA), war es klar, dass eine Regierung, die die „volle Unabhängigkeit“ auf die Fahne schrieb, deren Machtergreifung nicht gestatten wird. Rückblickend brauchten wir auch keine kommunistische Regierung. Denn das Meiste, was die Kemalisten machten, hätten auch sie gemacht (was viele heutige Linke, die diese Genossen ehren und Atatürk verachten, nicht sehen).
    Als „Schüler“ der französichen Revolution, Rousseau und Voltaire wollte er eine Volkssouveränität. Darum geht es auch bei den Protesten. Keine zwei-drei Bäume, Volkssouveränität. Und das sollte das Ziel eines jeden Landes sein.

  16. Anonymous sagt:

    Kann sich jemand einen Reim darauf machen, warum in den gleichgeschalteten Medien der BRD zur Zeit das Ende des Ramadan flächendeckend verkündet wird? Wobei die Betroffenen es sowieso wissen, den anderen ist es gleich. Dieser Einsatz der Propagandisten sollte doch aus Sicht der Betreiber einen Zweck haben.

  17. Eveline sagt:

    @Anonym
    Ja ich hab ne Ahnung.
    Die politische Obrigkeit benutzt die Kirche jetzt für politische Veranstaltungen. Von der Kanzel jetzt die Politik.

    Woran erinnert mich das nur –

    http://www.ndr.de/regional/mecklenburg-vorpommern/kirche677.html

  18. Alim sagt:

    Hallo Leute,

    wenn immer noch Menschen wie „Aref“ gibt, die egal wo sie auch sind, Religion preisen und von der Gleichstellung (hier Wahlrecht f. türkische Frauen ca.i Jahre 1928 etc. gesprochen) nichts gehört haben bzw. keine Rolle spielt, ist es nicht wunderlich, wenn Menschen wie er zu Esel mit Scheuklappen werden und alle Reformen v. „Mustafa Kemal“ (Atatürk) schlecht machen wollen und vergessen das die Meinung-Äußerung nur durch die Republik-Gürundung möglich geworden bzw. Verdienst von „Mustafa Kemal“ und seine Reformen sind.
    Die feldzüge die er hier gegen „gläubige muslime“ Themasiert wird (gibt es „ungläubige muslime“ ?? ) ist war Richtig.
    Leider ist er früh gestorben.

    ***schnehen hat schoonnALLES GESAGT::DANKE::***

    iSTANBUL „GEZI-PARK“ ist überall.

  19. Eveline sagt: 9. August 2013 um 15:28

    @Anonym
    Ja ich hab ne Ahnung.
    Die politische Obrigkeit benutzt die Kirche jetzt für politische Veranstaltungen. Von der Kanzel jetzt die Politik.

    Sie bringen ihre PolitPastorInnen in Stellung. Und für die Muslime ist es eine Falle. Wenn sie sich darauf einlassen, werden sie ebenso leer und müssen geistlich hungern, wie die Evangelen, die schon längst keine mehr sind.

    In die so erzeugte Leere sollen dann „Freedom and Democrazy“ eindringen können.

  20. schnehen sagt:

    Gladio – Plan B:

    Interessant, was die Whistleblowerin Sibel Edmonds, die einst (2001/2) als Übersetzerin beim FBI arbeitete und dann geschasst wurde, als sie die Unterwanderung des FBI durch türkische Spionagegruppen ans Licht brachte, über die Rolle dubioser türkischer Organisationen sowie des Natostaates Türkei insgesamt, zu sagen hat.

    Sie spiele eine zentrale Rolle bei der Organisation islamistischer Terroristen für Terroranschläge in Tschetschenien und Dagestan, also im Kaukasus, der heute für die Strategen in Washington eine immer größere Rolle spiele (Öl- und Gasreserven im Kaspischen Meer). Man habe Gladio nach dem Kollaps des Sozialismus in den meisten europäischen Staaten zwar stillgelegt, aber mit einer nennenswerten Ausnahme, die da heißt: Türkei!

    Säkular-nationalistisch gesinnte Generäle, die dieses Spiel nicht mehr mitmachen wollten und von Erdogan (da ‚Teil von Ergenekon‘, so die übliche Lesart) auf die schwarze Liste gesetzt wurden, flohen nach Russland und packten dort gegenüber dem russischen Geheimdienst FSB aus über das konspirative Netz, auch Gladio Plan B genannt, das die Nato zusammen mit Erdogan gegen Russland schmiedet, um den Kaukasus zu destabilisieren und um islamistisch-separatistische Tendenzen zu fördern. Man benutze wie einst in Bosnien gegen Serbien/Jugoslawien das alte al Qaida-Netzwerk – nur dieses Mal gegen Russland. Es ist die Strategie Zbigniew Brzezinskis und der Neocons, aber auch Israels, um Russland zu destabilisieren.

    Das heißt: Die Türkei organisiert nicht nur die Terrorgruppen gegen Syrien wie etwa die FSA, sondern auch schon solche, die Russland und seine Kaukasusregion auf ähnliche Weise destabilisieren sollen. Das gleiche Spiel der CIA und der Nato, das da betrieben wird und Erdogan spielt es mit.

    Alles wird als ‚Ergenekon‘ abgetan, damit man eine Handhabe hat, um alle, die diese Natopläne, für die Erdogan steht, kritisieren, zu kriminalisieren und auszuschalten.

    Prompt wurde der Führer einer terroristisch-islamistischen Organisation aus Tschetschenien Opfer eines Anschlages in Istanbul, was wohl darauf hindeutet, dass der FSB nicht ganz untätig war.

  21. Balyoz sagt:

    @ schnehen

    Als Anti-Verschwörungstheoretiker haben Sie sich mit Ihrem Verschwörungsmärchen richtig Mühe gegeben.

  22. Balyoz sagt:

    Die Gezi-Park Proteste waren ein netter versuch der Gladio die Türkei weiter zu schwächen. Da die meisten Militaristen und Helfershelfer der Ergenekon im Gefängnis sitzen ist die Sache glimpflich ausgegangen. Die Türkei wird ihren Weg weiter gehen, trotz der vielen Sabotagen von außen.

    Es ist auch lustig wie sehr sich manche Deutsche Mitbürger in die Diskussion einlassen, obwohl sie kein Wort türkisch können und nur auf das Wort von einer Person hören und keinen Schimmer von der Türkei haben. Wer die Sprache eines Landes nicht kann, sollte sich vornehm zurückhalten.

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