Elsässers Blog

Görlitz, 17.12, 17 Uhr, Marienplatz: Elsässer bei Kundgebung "Weihnachten statt kultureller Selbstaufgabe"

Ägypten: USA stützen die Putschisten. Was hat das zu bedeuten?

0401ZypernPiratAktuelle Überlegungen zur Geopolitik. Von Jürgen Elsässer, Chefredakteur COMPACT-Magazin

Nach einigem Lavieren haben sich die USA hinter die Putschisten gestellt. Alle, die die Entmachtung Mursis begrüßt haben, stellt das vor wichtige Fragen.

Das folgende sind Hypothesen. Die Situation ist von Ferne schwer zu beurteilen. Jedenfalls ist die Jubel-Euphorie, „das Volk“ habe sich in Ägypten „gegen die Islamisten“ durchgesetzt, ab jetzt nur noch schwer zu halten. Es sei denn, man nähme an, die USA seien „vom ägyptischen Volk“ zu einer Kursänderung gezwungen worden und würden jetzt über „friendly fire“, also von innen heraus, den Umschwung zu steuern versuchen, der „eigentlich“ nicht in ihrem Interesse lag. Ist möglich, aber unwahrscheinlich.

Meine Hypothese nimmt zwei andere Umschwünge im Nahen Osten mit in den Blick:

* In Syrien sind die USA mit der Studie von Dempsey, ihrem Generalstabschef, von ihrem Interventionskurs abgerückt. Ist zu teuer und bringt nix, sagte er ungefähr. Der britische Pudel, der im Juni die EU noch zur Aufhebung des Waffenembargos zwang, hat gleich nachgezogen und verkündet, er werde nun doch keine Waffen an die „Rebellen“ liefern.

* In der Türkei ist Erdogan geschwächt, wobei die Volksbewegung zwar nicht in Gänze, aber durchaus in Teilen („bunte Opposition“) von westlichen Einflussagenten durchsetzt war. (Die wollen seine Ersetzung durch den aktuellen Staatspräsidenten Gül).

Alle drei Entwicklungen – Ägypten, Türkei, Syrien – bedeuten, dass die USA plus GB Angst bekommen haben vor einer „Achse der Muslimbruderschaft“. Hätte die FSA in Syrien gesiegt und wäre Mursi an der Macht geblieben, hätte sich ein neuer Muslimbruderschaft-Block Ankara-Damaskus-Kairo gebildet. Der wäre von den USA nicht leicht zu steuern gewesen, deswegen musste das verhindert werden.

Der Bruch des Bündnisses zwischen USA/GB und Muslimbruderschaft gibt immerhin den antiimperialistischen Kräften in der Region Bewegungsfreiheit: In Syrien steht die FSA ohne den Rückhalt aus Washington und London auf verlorenem Posten, überall siegen die Truppen Assads. In Ägypten und der Türkei sind auf Seiten der Opposition gegen die Muslimbrüder auch antiimperialistische Kräfte, die die Situation nutzen können (Nasseristen in Ägypten, Kemalisten in der Türkei).

Nun wird man beobachten müssen, wie sich die neue ägyptische Führung zu Syrien verhält. Mursi war zwar großmäulig für die FSA, aber hat kaum militärisch was geliefert. Unter den Putschisten kann das besser werden – oder schlechter.

Insgesamt eine volatile Situation. Ich warne vor Schnellschüssen.

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32 Responses

  1. Don Andres sagt:

    Die Geister, die sie riefen

    und nun drohen, sich unkontrolliert zu verselbständigen. Hatten wir das nicht schon mal mit den Taliban in Afghanistan? Von den USA/GB in den 70ern einst aufgebaut, um den südlichen Rand der Sowjetunion „aufzufransen“ und nun im Kampf gegen ihre eigenen Schöpfer. Offenbar wurde das dem amerikanischen Generalstab ein Deja Vue und man zog die Notbremse.

    Es wird wohl noch im dunklen bleiben, warum die USA ihren eigentlich treu ergebenen Mubarak fallen ließen, wollte er sich nicht aktiv am „Arabischen Frühling“ in den Nachbarländern beteiligen und wurde zur Strafe dann selbst Opfer dieser Wanderrevolution?

    Seit der Regierung Bush weiß man, das die USA in der Einschätzung der strategischen Lage nicht nur schwächeln, sondern schlichtweg versagen. Irak wie Afghanistan wurden zu einem Desaster. Militärisch konnten die USA zwar die gegnerischen Stellungen überrennen, aber als Besatzungsmacht unterlagen sie dennoch, die Kontrolle der Lage reicht nicht mal ganz für den Selbstschutz. Es fehlt einfach ein Konzept, was danach kommen sollte. Sie haben es bis heute nicht.

    Jetzt gehen auch die von den Anlgoamerikanern losgetretenen „Jasminrevolutionen“ nach hinten los. Statt neue, der westlichen Hochfinanz ergebenen Vasallen regiert dort nur das islamistische Chaos. Vor allem Israel wird den Amerikanern hart auf die Finger geklopft haben, mit Mubarak hatten sie einen strategisch einschätzbaren Nachbarn, bei den islamistischen Chaos-Söldnern müssen sie nun befürchten, zukünftig von diesen umzingelt zu sein. Die Sicherheitslage wird für Israel hochbrisant und die Amerikaner sind nicht mehr in der Lage, ausreichende Sicherheitsgarantieen geben zu können. Das herumfuchteln mit möglichen Atomschlägen wird die Islamisten hingegen weniger beeindrucken.

    Der Ägyptische Generalstabschef Al Sissi ist jahrelang von den Amerikanern geschult worden, wohl auch indoktriniert. Natürlich nicht er allein, sondern ein bedeutender Teil der ägyptischen Militärführung dazu. Hier wird jetzt das „Türkische Modell“ gefahren, wie von den 60-80er Jahren, wo, wenn eine Regierung zu eigenmächtig wird, mal eben das Militär putscht und die Interessenlage zu Gunsten der USA geraderückt.

    In Ägypten fühlten sich die westlich orientierten jungen Leute von der Revolution übergangen, sie bekommen nun einen Hoffnungsschimmer, allerdings droht die Gefahr zu einem Bürgerkrieg. Was, wenn die islamistischen Söldner mangels „Erfolg“ aus Syrien abgezogen werden, fallen sie dann auf Seiten der Muslimbrüder in Ägypten ein? Die Lage bleibt alles andere als stabil.

  2. Foster sagt:

    Wenn zuvor eingegangene Bündnisse nicht mehr aufrechterhalten werden, dann hat sich der Wind gedreht.

    Interessant ist zu beobachten, K-H. Hoffmann hat das treffend kommentiert, dass zu Beginn des Syrienkonflikts die angeblichen oder tatsächlich geschehenen Gräueltaten durch Assad hoch an den medialen Pranger gehängt wurden. Von Gräueltaten der syrischen oppositionellen Muslimbruderschaft konnte man nur wenig lesen. Erstaunlich nun der blutige Umschwung gegen die Muslimbruderschaft in Ägypten, ebenso keine nennenswerte mediale Verurteilung, obwohl Schlimmes geschehen ist (Talkshows mit dem Titel „al-Sisi lässt auf Kinder schießen“ oder ähnliches konnte ich nicht feststellen).

    Doch gibt es diesen einheitlichen „muslimischen“ Block in der Realität?

    Sind es nicht von Land zu Land unterschiedliche Interessenslagen, so dass man, wenn man alle in einen Topf wirft, tatsächlich zu Schnellschüssen kommt?

    Ich denke ja.

    Ägypten hat ein massives wirtschaftliches Problem, dass vermutlich durch keine der Regierungen gelöst werden kann, weil es schlicht nicht geht. Wo und was soll dort produziert werden, was auf dem Weltmarkt abgesetzt werden kann?

    Syrien ist mit dem Iran verbündet, es gibt geostrategische Gründe für einen angestrebten Machtwechsel.

    Das alles zu durchschauen ist auf keinen Fall einfach. Zum Glück gibt das Compact-Magazin, welches einem Informationen fern ab vom (erschreckend) „gleichgeschalteten“ Mainstream liefert.

  3. Jakobiner sagt:

    „Hätte die FSA in Syrien gesiegt und wäre Mursi an der Macht geblieben, hätte sich ein neuer Muslimbruderschaft-Block Ankara-Damaskus-Kairo gebildet.“

    Da liegt der Pudel begraben!!!

  4. schnehen sagt:

    Ich stimme nicht mit Jürgen Elsässers Analyse überein.

    Das ägyptische Volk hat sich tatsächlich gegen die Islamisten und Imperialisten durchgesetzt. Darüber können auch die jüngsten Demonstrationen der Bruderschaft nicht hinwegtäuschen.

    Al Sissi, der ägyptische Generalstabschef, sagte in einem Interview, aus dem Auszüge in der ‚Washington Post‘ veröffentlicht wurden, dass das ägyptische Militär gar keine andere Wahl gehabt habe, als zu intervenieren, weil es sonst zu einem Bürgerkrieg gekommen wäre:

    „Wenn wir nicht interveniert hätten, wäre es zu einem Bürgerkrieg gekommen.“

    Millionen von Menschen waren am 30. Juni auf die Straße gegangen, um gegen die Moslembruderschaft zu demonstrieren. Weit über 10 Millionen hatten sich in Listen für die Absetzung Mursis eingetragen.

    Der Umschwung lag tatsächlich nicht im Interesse der USA. Warum nicht?

    Dazu muss man folgendes wissen:

    1. Die Moslembruderschaft ist ein Produkt des Imperialismus und wurde 1928 gegen die nationale, antiimperialistische Bewegung in Ägypten von westlichen Geheimdiensten gegründet und bei verschiedenen Gelegenheiten gegen solche nationalen Bewegungen mobilisiert: Anfang der 50iger Jahre in Ägypten gegen Nasser, Anfang der 80iger Jahre gegen die Regierung Hafez Assad in Syrien. Auch jetzt hat man sie wieder mobilisiert, um den Krieg gegen Syrien mit Ägyptens Hilfe doch noch zu gewinnen und um in Ägypten selbst Chaos zu schaffen, wovon besonders Israel profitiert.

    2. Mursi hatte vor, die ägyptische Armee in Syrien gegen die säkulare syrische Regierung einzusetzen und rief zu einem Jihad gegen das ‚Assad-Regime‘ auf. Auch gegen die äthiopische Regierung wollte er das ägyptische Militär einsetzen, so Webster G. Tarpley auf seiner Seite. Wenn man sich überlegt, dass Ägypten und Syrien drei Jahre lang, nämlich von 1958 bis 1961 eine Staatenunion hatten, ist dies ein unglaublicher Vorgang, der an Landesverrat grenzt. Diesem Landesverrat ist der Patriot al Sissi zuvorgekommen.

    3. Mursi war der Kandidat des Internationalen Währungsfonds: Er war bereit, alle Bedingungen für einen 4,8 Mrd. Dollar- Kredit zu erfüllen, darunter Streichung der Lebensmittelsubventionen. Unter Mursi wurden die Massensteuern angehoben und die Benzinpreise verdoppelten sich und dies angesichts stagnierender Löhne der ägyptischen Bevölkerung. Diese Maßnahmen, sein Nepotismus und sein autoritärer Regierungsstil brachten die Millionen auf die Straße gegen ihn. Der Kredit ist inzwischen vom Tisch und die Beziehungen zu Syrien sollen wieder aufgenommen werden.

    Die US-Regierung hielt bis zuletzt an Mursi fest, darunter die US-Botschafterin in Kairo, Peterson, Susan Rice und Obama.

    Al Sissi sieht die Rolle der USA sehr kritisch. An die Adresse der USA gerichtet sagte er in dem Interview:

    „Ihr habt die Ägypter im Stich gelassen. Ihr habt ihnen den Rücken gekehrt, und sie werden das nicht vergessen. Wollt ihr jetzt damit weitermachen? Dies ist nicht die Art, mit einem patriotischen Militär umzugehen.“
    (Ebd.).

    Al Sissi über die Moslembruderschaft:

    „Was sie bewegt ist weder Nationalbewusstsein, noch Patriotismus noch irgendein Sinn für das Land.“

    Damit hat er den Nagel auf den Kopf getroffen. Die Bruderschaft kennt kein Vaterland. Sie kennt nur Machtansprüche.

    Es handelt sich auch nicht um einen ‚Putsch‘, wie in dem Artikel unterstellt wird, denn das ägyptische Militär hat sofort Adly Mansour, den Vorsitzenden des Obersten Gerichtshofs, zum Übergangspräsidenten ernannt und eine Road Map für einer Rückkehr zur Demokratie eingeleitet, was untypisch für Putschisten ist:

    1. Referendum für eine neue Verfassung;
    2. Neue Parlamentswahlen Anfang des neuen Jahres mit internationalen Beobachtern;
    3. Daran anschließend Präsidentschaftswahlen.

    Al Sissi ist kein Putschist. Er ist Patriot und Nasserist. Wir sollten ihn unterstützen.

  5. Neukunde sagt:

    Im Fokus ist die Entscheidung der Putschisten, unmittelbar nach der Verkündung Mursis, gegen Assad vorzugehen. Anscheinend wollen sie sich nicht in den syrischen Konflikt ziehen lassen.

    Ganz interessant war auch die Annäherung zwischen Ägypten und dem Iran. Die Initiative ging von Mubarak aus. Kurze Zeit später startete der „Arabische Frühling“ und Mubarak wurde abgesetzt. Unter Mursi wurde die Annäherung jäh beendet. Die Direktflugverbindung zwischen Teheran und Kairo wurde nach 8 Tagen gecancelt (http://www.aerotelegraph.com/iran-aegypten-wiederaufnahme-flugverkehr-bereits-wieder-gestoppt).

    Mittlerweile gehe ich davon aus, dass das Konstruktion der Muslimbruderschaften mit neoliberalem Kurs ein amerikanisches war.

    Im algerischen Bürgerkrieg fand ein ganz ähnliches Szenario statt. Die säkularen Militärs als Hüter der Verfassung annulierten die Wahl im Jahre 1992, was einen langjährigen Bürgerkrieg auslöste.

  6. Rudolf Steinmetz sagt:

    Nach Mursi kommt Kursi. Dann wieder Mubarak mit Bart etc. Dann massakrieren sie sich gegenseitig (oder schon vorher). Und alle brüllen: DÄmokratie! Freiheit? Nur für was? (notabene: Sind deswegen die Affen im Zoo erstarrt: http://www.ndr.de/regional/niedersachsen/emsland/paviane117.html) Nein! Die haben nur die Parteiprogramme zur Bundestagswahl studiert. Aber ernsthaft: all das, was in Ägypten geschieht, kommt später über alle arabischen Länder.

  7. Moscovite sagt:

    Putin visit to Cairo impending. El-Sisi moves to outlaw Brotherhood. US in blocking mode
    http://www.debka.com/article/23168/

    Saudi intel chief in Moscow for talks on ending the war in Syria
    http://www.worldtribune.com/2013/08/02/saudi-intel-chief-in-moscow-for-talks-on-ending-the-war-in-syria/

    Une victoire russe en Orient et en Egypte ? par Pierre Dortiguier
    http://french.irib.ir/analyses/item/268583-une-victoire-russe-en-orient-et-en-egypte-par-pierre-dortiguier

    Against Muslim Brotherhood
    Biggest Protest In Egypt Streets. Largest protests in Egypt’s 5000+year history. June 30, 2013.

    VIDEO
    http://www.youtube.com/watch?v=YZgBSdD0xKM (Preview)
    http://www.businessinsider.com/protests-in-egypt-bigger-than-2011-2013-6

  8. Moscovite sagt:

    Egypt was going to sell the Suez Canal to the Qataris,
    http://weekly.ahram.org.eg/News/965/17/Getting-closer-to-Qatar.aspx
    Photos from Cairo
    Obama support for MB=terrorists

    http://beforeitsnews.com/middle-east/2013/07/egypt-obama-out-putin-in-bye-bye-america-2453078.html

    Gen. Sisi Emerging as New Nasser of Egypt to Dismay of Imperialists
    http://tarpley.net/

    Vladimir Putin gains popularity in Egypt
    http://pda.itar-tass.com/en/c32/821506.html

    http://app.debka.com/n/article/23150/Pro-military-masses-in-Cairo-wave-banners-saying-%E2%80%9CObama-Out-Putin-in-%E2%80%9D

    CNN, alJazeera Wrongly Labels Picture Of Anti-Morsi Millions As “Pro-Morsi”,
    http://weaselzippers.us/2013/07/27/al-jazeera-wrongly-labels-picture-of-anti-morsi-millions-as-pro-morsi-picked-up-unquestioned-by-msm/

    Egypt: “Obama Out, Putin In”, “Bye Bye America”
    http://weaselzippers.us/2013/07/27/egypt-obama-out-putin-in-bye-bye-america/

    Instead of directing their ire at the overthrown Muslim Brotherhood, the pro-military demonstrators shouted “Bye Bye America!” as huge placards waved over their heads depicting as a threesome Gen. El-Sisi, Vladimir Putin and Gemal Abdel Nasser, who ruled Egypt in the 60s in close alliance with the Soviet Union.www.debka.com/dynmedia/photos/2013/07/26/src/putinCairo26.7.13.jpg

  9. Moscovite sagt:

    US Secret $8 Billion Bribe To the Muslim Brotherhood ?
    Accord secret entre USA et les Frères musulmans pour céder 40% du Sinaï à Gaza ?



    مرسي يبيع 40% من اراضي سيناء لامريكا

    Samin Amir: https://histoireetsociete.wordpress.com/2013/07/26/samir-amin-a-algeriepatriotique-oui-morsi-et-les-freres-musulmans-allaient-ceder-40-du-sinai/

  10. me. sagt:

    Die USA unterstützt in Ägypten doch keine Putschisten müsste sie dann doch die Militärhilfe für Kairo gemäß geltendem US-Recht auf Eis legen.
    Also, war das ein Putsch oder nicht. (Der Kerle war mit 52% gewählt) Und wenn nein, was ist dann ein Putsch.

    Syrien. Die FSA hat jetzt auch die PYD an den Hacken. Eine Demokratische, Antiislamistische, Linksorientierte Partei der Kurden in der ebenso Frauen Politik machen und kämpfen.


    http://www.diekurden.de/news/westkurdistan/russland-kurden-mussen-bei-der-konferenz-von-genf-vertreten-sein-1423527/

    http://www.diekurden.de/news/westkurdistan/nach-massaker-an-kurdische-zivilisten-ypg-weitet-widerstand-aus-5923545/

  11. Rudolf Steinmetz sagt:

    Nach Mursi kommt Kursi dann Bursi – einer wie der andere. Der arabische Gürtel ist doof genug, um vom Westen das digitale Denken immer perfekter zu lernen, so wie beim korrupten Fussball 11:11 – die einen gegen die anderen. Weil der Teufel (in Gestalt der „City of London“) immer beide Seiten sponsert, gewinnt er immer. Das Dilemma unserer Tage ist das geistige Unvermögen. So in etwa, wie es Karl Kraus sagte: das Niveau ist gut, aber keiner mehr drauf. Wer noch lesen, und etwas Denken kann, bitteschön: Die Kultur der Ambiguität, EINE ANDERE GESCHICHTE DES ISLAMS, ein brillantes wie spannendes Buch von Thomas Bauer, das westliche Vorurteile über die Wurzeln des sogenannten „islamischen Fundamentalismus“ gründlich widerlegt: http://www.uni-muenster.de/Religion-und-Politik/aktuelles/2011/mai/PM_Eine_andere_Geschichte_des_Islams.html

  12. Carlo sagt:

    Salud Alter, das liest sich stimmig für mich, weil ich auch mal im KB war, also war doch nicht alles falsch.;-)
    Nichtsdestotrotz (schönes Wort) weiter so, vielleicht ist ein Abo drin.

  13. schnehen sagt:

    Mursi und die Kalifate:

    Mursi (doppelte Staatsbürgerschaft, USA, Ägypten) hat seine schützende Hand über das im Entstehen begriffe neue al Qaida-Kalifat im Norden des Sinai, gegen das die ägyptische Armee jetzt militärisch vorgeht, gelegt. Wäre es dazu gekommen, hätten die USA den idealen Vorwand gehabt, in den Sinai zu gehen, um ‚gegen al Qaida vorzugehen‘, um so den Suez-Kanal wieder zu reprivatisieren.

    Ähnliche Kalifate gibt es jetzt im Norden von Syrien und auch im Irak. Dort nennt es sich das ‚Kalifat des Irak und der Levante‘. Der Emir dieses Kalifats, der die Terrororganisation al Nusra in Syrien unterstützt, hat sich zum Mord an einem hohen Kommandeur der FSA mit Namen Hamami bekannt.

    An der Spitze dieser Kleinstaaten steht immer ein Emir, etwa vergleichbar mit einem al Thani-Scheich aus Katar, einem al Khalifa-Fürsten aus Bahrain oder einem deutschen Landgrafen, der einen deutschen Kleinstaat kontrolliert und dafür eintritt, dass es zu keiner nationalen Einigung kommt. Wer hat damals von der deutschen Kleinstaaterei, von der Balkanisierung Deutschlands profitiert? Es gab 365 Ministaaten, Fürstentümer, Mini-Königreiche und Grafschaften mit ungewählten Harems-Potentaten an der Spitze – alles kleine absolute, tyrannische Mini-Monarchien und völlig korrupt obendrein, in denen es keinerlei Respekt für Menschenrechte gab.

    Alle staatlichen Verbände, die es heute im Mittleren Osten und in Nordafrika gibt, müssen gegen diese Bestrebungen, die von den USA und Israel unterstützt werden, mobilisiert werden – und al Sissi tut es. Dies zeigt, dass das Eingreifen des ägyptischen Militärs nicht im Interesse der USA war, auch wenn es jetzt im Nachhinein so hingestellt wird.

    Israels Strategie deckt sich übrigens eins zu eins mit der der USA und der Moslembruderschaft: Zerstückelung der Nationalstaaten im ganzen Mittleren Osten, Balkanisierung, Chaos und endlose Konflikte (Sunni-Schia-Kopten) schaffen – eine alte Strategie übrigens, die schon damals nach dem Ersten Weltkrieg zur Entstehung Kuwaits, das vom Irak abgetrennt wurde, die Strategie der Imperialisten (damals noch unter Führung Großbritanniens) gegen den aufkommenden arabischen Nationalismus war.

    Und wenn man sich die Vorgänge in Libyen und Tunesien ansieht – das gleiche Spiel: Sowohl in Libyen als auch jetzt in Tunesien wurden nasseristische, nationalorientierte Kräfte, darunter Brahmi, von Salafisten ermordet. Und die Moslembruderschaft protegiert eben diese Salafisten und Jihadisten. Ein hoher Geistlicher aus der MB hat übrigens eine Fatwa zur Tötung von Mitgliedern des ägyptischen Militärrats erlassen (Quelle: voltairenet.org).

    Es wäre wünschenswert, wenn auch in Tunesien das Militär so patriotisch wie das ägyptische eingestellt wäre, um die Ennagdah-Partei von Ghanuschi- ein weiterer Ableger der Bruderschaft – in die Schranken zu weisen. Seit zwei Jahren ist diese tunesische MB an der Macht, und hat es in dieser Zeit nicht fertiggebracht, eine neue demokratische Verfassung zu verabschieden. Der ermordete Brahmi von der nasseristischen Partei Tunesiens arbeitete in der Verfassungskommission mit und drängte auf ihre Verabschiedung. Der Grund für seine Ermordung?

  14. Jakobiner sagt:

    Zu Schnehen:

    So einfach funktioniert die Schablone: Mulsimbrüder=Marionette des US-Imperialismus nicht.Denn man muss sehen, dass die Muslimbrüder auch politische Maßnahmen unternahmen, die den USA gar nicht passten. Zwar wollte sie in Syrien die syrischen Muslimbrüder unterstützen, aber in allen anderen Punkten zeigten sie eine deutliche Annäherung an Iran, an China (Mursis erster Staatsbesuch) und zumal Unterstützung für die israelfeindliche Hamas.Ebenso übersieht Schnehen, wie schnell und offen die USA nun Al Sissi unterstützen. Und die Person Al Sissi ist auch etwas undurchsichtig.Erstens ist er kein Nasserist, zweitens ist er ein sehr gläubiger Muslim–Daniel Pipes und andere „Islamkritiker“verdächtigten ihn in den letzten Jahren regelmäßig DIE Marionette der Muslimbrüder im Militär zu sein. Schnehen stimme ich aber zu, dass es sich nicht unbedingt um einen Putsch handelte: Denn wie gesagt: Al Sissi überließ die Übergangsregierung Mansur, tritt für eine neue Verfassung, einen nationalen Dialog und Neuwahlen ein.Man wird abwarten müssen, welche Macht die neue Verfassung dem Militär einräumt und ob es sich auch an die Road Map hält, denn zugleich reden die Militärs ja auch von dem Krieg gegen den Terrorismus, kriminalisieren also die Muslimbrüder und halten sich scheinbar eine „algerische Lösung“ offen.Desweiteren: Es ist keineswegs sicher, dass Al Sissi und die säkulare Opposition sich gegen den IWF auflehnt. Und der äthiopische Staudamm, der das lebenswichtige Nilwasser abgräbt, wird nicht nur von den Muslimbrüdern als Bedrohung der eigenen natioanlen Existenz gesehen, sondern von nahezu allen Ägyptern, auch den Militärs und der säkularen Opposition.

  15. Jakobiner sagt:

    Zu Schnehen:

    „Israels Strategie deckt sich übrigens eins zu eins mit der der USA und der Moslembruderschaft: Zerstückelung der Nationalstaaten im ganzen Mittleren Osten, Balkanisierung, Chaos und endlose Konflikte (Sunni-Schia-Kopten) schaffen – eine alte Strategie übrigens“

    Die Muslimbrüder wollen nicht die Zerstückelung der Nationalstaaten, sondern als sunnitische Mehrheit die Staatsgewalt selbst über ganz Ägypten, Syrien, Jordanien,etc.
    Und das wird von den USA und Isreal keineswegs begrüsst:

    „Alle drei Entwicklungen – Ägypten, Türkei, Syrien – bedeuten, dass die USA plus GB Angst bekommen haben vor einer “Achse der Muslimbruderschaft”. Hätte die FSA in Syrien gesiegt und wäre Mursi an der Macht geblieben, hätte sich ein neuer Muslimbruderschaft-Block Ankara-Damaskus-Kairo gebildet. Der wäre von den USA nicht leicht zu steuern gewesen, deswegen musste das verhindert werden.“

    In dieser Analyse hat Jürgen Elsässer meiner Ansicht nach recht.

  16. Mister Panopticon sagt:

    Ich denke, dass sich im Fall Ägypten unterschiedlichste Interessengruppen abarbeiten. Wie Jakobiner andeutet, geht es den „sunnitischen“ Bewegungen in aller Regel wohl um die große religiöse Vereinigung des ganzen Gebietes in einem „Großraum“ (C. Schmitt) – unter Auflösung der verschiedenen, unter anderem seit 1917 durch Sykes-Picot, entstandenen, aufoktroyierten, und nie wirklich „souverän“ gewesenen Nationalstaaten. Sicherlich unter verschiedensten (macht-)strategischen Vorzeichen (auch Erdogan wurschtelt hier ja bekanntermaßen fröhlich mit)- allerdings immer in letzter Instanz „anti-westlich“ . Das zentrale Grundgefühl ist ja, durch „westliche“ „Ordnungspolitik“ „geteilt“ und „beherrscht“ zu werden – wogegen die ultra-konservativ-revolutionäre islamische Graswurzelbewegung einen „Back-to-the-Roots“ Kulturbegriff predigt. (Ähnlichkeiten zu einem bestimmten „Faschismus“ -Begriff sind hierbei übrigens nicht von der Hand zu weisen)
    Nun ist es gerade diese „Bewegung“ , die von allen verschiedenen (westlichen, inkl. Israel, Qatar, Arabien) Seiten unter großem Kapitalaufwand (selbstredend für eigene Zwecke) „ferngesteuert“ wird, was evidenterweise vollständig absurde Effekte zeitigt. ( sichtbar u.A. am fortgesetzten Zerfall, der allerdings durchaus vom Westen gewünscht ist)
    Es erscheint mir wesenlich logisch, dass dabei der „Westen“ ähnlich „homogen“ ist, wie die Muslime (und ihre politischen, aus gewisser Sicht „religiös-revolutionären“ ) Strukturen selber.
    Ob nun England/Frankreich deckungsgleich mit den USA sind? Ob nun Israel immer gleich 1:1 amerikanische Politik ist? Desweiteren ist auch innerhalb der USA die Oligarchie gespalten (sichtbar z.B. bei Petraeus; oder an McCain) und unterstützt verschiedene sich bekriegende Gruppen. (Wie bei einem guten „kapitalistischen“ Wett-Spiel; die Einen mögen BVB, die andern sind S04 -Fans) Dabei haben wir sogar noch Russland und China unterschlagen, die- eigentlich sogar ziemlich faszinierend- nie außerhalb von Syrien und dem Iran in der öffentlichen Wahrnehmung auftauchen. Selbst wenn ihr Einfluß gering sein mag (da beanspruchte Hegemonialsphäre des „Westens“ ) – Außenvertretungen der „Dienste“ müsste es trotzdem geben.

    Das Schlimme an der gegenwärtigen Lage: Der Ist-Zustand ist in breitesten Teilen dieser interessengeschwängerten Region (die gefühlt landschaftlich aus einem Riesenhaufen Sand besteht) ist eine Katastrophe. Aber- und das ist fürwahr nichts Neues- Veränderungen dort kann man sich auch nicht wirklich wünschen: Entweder es sind (von einem der „Player“ ) ferngesteuerte Gruppierungen, oder Geisteskranke, oder: Beides.
    Vermeintlich sind in dieser Gemengelage rationale „nationalistische“ anti-westliche Diktatoren, die ihre Bevölkerungen unterwerfen , dann allgemein das „geringste Übel“ – irgendwo erschreckend!

  17. schnehen sagt:

    Der neue Muslimbruderschaftsblock – Damaskus-Syrien-Kairo – wäre nicht leicht zu steuern gewesen?

    Nein – hätte es diesen Block gegeben, wäre ein Traum für USrael in Erfüllung gegangen. Warum?

    Weil die Muslimbruderschaft direkt von London und Washington aus gesteuert wird. In Washington befindet sich z. B. die Zentrale für die Frauenabteilung der MB. Die andere Zentrale befindet sich in London. Die MB wurde 1928 vom britischen Geheimdienst gegründet.

    Wie lenkbar diese Bruderschaft ist, zeigt das Beispiel Türkei: Erdogan (seine AKP ist Teil der Bruderschaft, ihr zumindest angeschlossen) ist der direkte Erfüllungsgehilfe der Nato: Er lässt einen neuen Stützpunkt der Nato zu, er lässt den sog. Raketenschirm gegen Russland installieren, dazu die Patriot-Raketen der Nato, die gegen Syrien gerichtet sind; der neue Sultan lässt die Ausbildung der Terroristen auf seinem Territorium durch die CIA zu und gibt ihnen auch sonst jede erdenkliche Unterstützung.

    Mursi hatten sie direkt in der Tasche. Er hat sich jahrelang in den USA als Raumfahrtingenieur aufgehalten und wird direkte Verbindungen zur CIA haben.

    Also nichts wäre leichter gewesen als diese Puppen zu dirigieren.

    Die Zerstörung der Nationalstaaten ist genau das, was die Islamisten wollen. Das haben sie immer wieder gezeigt. Beispiele:

    Anfang der fünfziger Jahre machen sie Nasser das Leben schwer, der einen unabhängigen Kurs vom Imperialismus steuert, den Suez-Kanal verstaatlicht und Lebensmittelsubventionen einführt und gegen Israel Krieg führt. 1956 muss sich Israel aus dem eroberten Sinai wieder zurückziehen. SOLCHE Regime, nasseristische, haben die Zionisten und Imperialisten nun überhaupt nicht gern. Anfang der 80iger Jahre unternimmt die syrische MB einen blutigen Putschversuch gegen die Regierung von Hafez Assad.

    Israel unterstützt heute direkt die al Nusra, die im Norden Syriens ein Emirat errichtet und die Sharia eingeführt hat. Warum? Weil das den syrischen Nationalstaat schwächt, den Zwist zwischen Sunniten, Christen, Alaviten und Christen zuspitzt, und damit die Achse des Widerstands (Iran-Syrien-Hisbollah) gegen das Apartheidsregime. Israel braucht schwache, zerstrittene und lenkbare Nachbarn, aber keine Assads, keine starken Nationalstaaten. Das war auch der eigentliche Sinn des Krieges gegen den Irak. Was ist der Irak heute? Ein Schatten seiner selbst, ein zerstörtes Land.

    Wie sie in ihren kleinen Emiraten (auch im Irak, wo sie zahllose Massaker angerichtet haben, allein im Juli 800 Opfer!) wüten, zeigt das Beispiel eines Jungen, der wegen ‚blasphemischer Äußerungen‘ in Syrien von Islamisten enthauptet wurde.

    Der Nebeneffekt für das islamfeindliche Zionistenregime:

    Dadurch wird der Islam völlig diskreditiert und eine stumpfe Waffe im Widerstandskampf gegen Israel.

  18. Paul Singles UK sagt:

    @ schnehen: thx for your well based judgments. especially with regard to Syria.

    The main issue in Egypt will not be the establishing of western style democracy but above all (as I had stated already when Morsi had been elected president):

    Egypt needs a coherent concept for the ECONOMIC DEVELOPMENT of the country: water management (not only Nile, but predominantly desalination), decentralised agriculture, also in areas more distant from the Nile, strengthening of the small and middle sized (industrial) enterprises under national control. The military can be instrumental in this if they recognize their advantage: not to be overthrown after 3 or 4 years in case they cannot show some improvement of living conditions of the population at large. Europe, above all Germany could offer a lot of support, technical as well as financial, but, please, without bowing to US-„counsel(l)ing“

    I still doubt whether General al-Sisi has realized the challenge.
    But I wish him success. Because more than 100 Million egyptians in turmoil will be threat to everyone.

    It is good to recall Gamal Abdel Nasser. But even his performance was a mixed one.

  19. Neukunde sagt:

    @Jakobiner
    („Die Muslimbrüder wollen nicht die Zerstückelung der Nationalstaaten, sondern als sunnitische Mehrheit die Staatsgewalt selbst über ganz Ägypten, Syrien, Jordanien,etc.
    Und das wird von den USA und Isreal keineswegs begrüsst:“)

    Wie geht das denn. Die MB geben in der Palästina-Frage klein bei und beteiligen sich an einer Blockade Gazas?

    Die Strategie der Imperialisten ruht auf mehreren Eckpfeilern:

    -Die Beendigung der iranischen Souveränität. Wenn das nicht geht, Isolation der Regierung und Boykott des Erdöls.

    -Die arabischen Ballungszentren von den Mineralöleinnahmen abschneiden.

    -Dem Panarabismus den Garaus machen

  20. IronCandy sagt:

    Die USA sind bereits in so vielen Abenteuern… Imagetechnisch, finanziell, moralisch und menschlich(mehr tote US-Soldaten) ist man ausgebrannt und müsste erstmal nen paar Weichspüler-Wohlfühldemokratie-Jahre dazwischen packen die das Kurzzeitgedächtnis von Joe Sixpack entlasten.

    Weiter Geld nach Ägypten pumpen um einen gewissen Einfluss auf den Suezkanal zu sichern ist vermutlich schlicht der einzige Weg.

    Ich meine was sollen Sie sonst machen? Mursi puschen und Druck aufs ägyptisch Militär aufbauen? Super dann verliert Syrien den Fokus… und vielleicht schubst man Ägypten sogar Richtung Iran/Syrien/Russland.

    Ich denke man hofft iwie bei der nächsten Wahl nen gemäßigten Korrupten an die Macht zu bringen El-Bahradai zB. und erstmal die große Plünderung mit IWF und Achse gegen Iran auf später zu verschieben.

  21. Jakobiner sagt:

    Zu Neukunde:

    Den Einwand kapiere ich nicht. Auch in Palästina wollen die Muslimbrüder die ganze Herrschaft, auch über das Westjordanland.Israel wäre dann von Syrien, Ägypten, Jordanien, Palästina nur noch von Muslimbrüderregierungen umgeben, die ihm feindlicher gesinnt sind als dies unter Assad, Mubarak/Al Sissi, dem König von Jordanien und der PLO wäre.

    Dem Panarabismus muss man gar nicht mehr den Garaus machen, da er schon spätestens 1967 seine Ausstrahlungskraft verloren hat und Nasser, Saddam Hussein, Ghaddafi weg sind und Syriens Assad paralysiert ist.Dazu scheiterten alle panarabischen Fusionsbestrebungen kläglich, z.B. damals die Fusion zwischen Ägypten und Syrien. Wenn die USA und Israel etwas fürchten, so ist es ein Panislamsismus, der den Kampf um die „heiligen Stätten“aufnimmt.

  22. Jakobiner sagt:

    Zu Schnehen:

    Dass die Muslimbruderschaft vom Westen gesteuert ist, ist einfach eine unbewiesene Behauptung. Die MB wurde 1928 im übrigen von Hassan Al Banna und nicht dem MI6 gegründet.Dass westliche Staaten im Kalten Krieg die Muslimbrüder nutzten, um panarabische Führer zu destabilisieren ist richtig. Das übersieht aber eben, dass die Muslimbrüder eine eigenständige Kraft mit eigenständigen Zielen sind, die denen der USA und Israels entgegengesetzt sind. Die Muslimbrüder in der Opposition sind etwas anderes als die Muslimbrüder selbst an der Macht.Dazu ist Erdogan aus der Milli Görus hervorgegangen und nicht aus der Muslimbruderschaft.Ebenso springt Schnehen immer wieder von einer salafistischen Terrorgruppe wie Al Nusra zu den Muslimbrüdern, die aber durchaus unterschiedliche Ziele haben. Ebenso haben die USA und Israel Al Nusra auf ihre Terrorliste genommen.

  23. Jakobiner sagt:

    Zu Mister Panopticon sagt:
    4. August 2013 um 19:30

    Ich denke, dass sich im Fall Ägypten unterschiedlichste Interessengruppen abarbeiten. Wie Jakobiner andeutet, geht es den “sunnitischen” Bewegungen in aller Regel wohl um die große religiöse Vereinigung des ganzen Gebietes in einem “Großraum” (C. Schmitt) – unter Auflösung der verschiedenen, unter anderem seit 1917 durch Sykes-Picot, entstandenen, aufoktroyierten, und nie wirklich “souverän” gewesenen Nationalstaaten. “

    Das wird man noch sehen müssen. Erdogans Neoosmanismus würde gerne einen größeren sunnitischen Verband unter türkischer Führung sehen, die ägyptischen Muslimbrüder selbiges gerne unter ägyptischer Fürhung, die syrischen Muslimbrüder gerne unter syrischer Führung.etc. Kurz: Es könnte dabei auch wieder zu Streitigkeiten innerhalb der Muslimbrüderbewegung über den Führungsanspruch kommen–ähnlich wie dies im Kommunismus zwischen der Sowjetunion und der VR China seit den späten 60er Jahren der Fall wurde.Es ist also durchaus möglich, dass der Panislamismus dasselbe Schicksal nimmt wie der Panarabismus, nämlich über nationale Fürhungsansprüche sich zu zerstreiten. Man vergesse nicht: Sowohl in Syrien wie inm Irak regierte die Baathpartei, beide waren aber spinnefeind, da sie jeweils den Fürhungsanspruch über den Panarabismus stellten.

    „Ob nun England/Frankreich deckungsgleich mit den USA sind? Ob nun Israel immer gleich 1:1 amerikanische Politik ist? Desweiteren ist auch innerhalb der USA die Oligarchie gespalten (sichtbar z.B. bei Petraeus; oder an McCain) und unterstützt verschiedene sich bekriegende Gruppen. (Wie bei einem guten “kapitalistischen” Wett-Spiel; die Einen mögen BVB, die andern sind S04 -Fans) Dabei haben wir sogar noch Russland und China unterschlagen“.

    Völli richtig–die Lage ist viel komplexer, als das Schnehen in seinen Simplifizierungen und grobschnittartigen Schwarz-Weiß-Bildern zeichnet. Selbst die US-Elite ist sich über den Kurs in Syrien und in der arabischen Welt uneinig.

  24. schnehen sagt:

    Wahabis/Salafis/Al Qaida sind genauso pro-westlich wie die Moslembruderschaft. Es ist im Grunde eine Soße.

    Entscheidend ist das, was sie tun, nicht das, was sie sagen.

    Beweise:

    1. Mursi ging zum Internationalen Währungsfonds und beantragte einen Kredit in Höhe von 4,8 Mrd. Dollar und war bereit, alle Auflagen, die an solche Kredite gewöhnlich geknüpft sind (Privatisierungen, Abbau von Sozialleistungen, hier: Lebensmittelsubventionen, die Nasser eingeführt hatte, zu akzeptieren.).

    Al Sisi/Mansour haben das inzwischen wieder gekippt.

    An diesem Beispiel zeigt sich deutlich, wo Mursi hingehört: in das Lager der Globalisten. Denn niemand kann wohl abstreiten, dass der IWF ein Instrument Washingtons ist, um ganze Regionen in die Verschuldung zu treiben, um sie so beherrschen zu können.

    2. Salafis/Wahabis/Moslembruderschaft lassen sich für den von den USA und Israel initiierten Krieg gegen Syrien instrumentalisieren, ausbilden und finanzieren, um den wichtigsten arabischen Staat, der die Achse des Widerstands gegen Israel unterstützt, zu demontieren. Auch hier die gleiche Agenda. Saudi Arabien, das Homeland der Wahabis, einer Sekte, die vor zweihundert Jahren von den britischen Imperialisten geschaffen wurde, wird von den USA in jeder Beziehung unterstützt, vgl. 60 Milliarden-Rüstungsgeschäft aus dem Jahre 2011, US-Stützpunkte in Saudi Arabien…

    3. Al Qaida: Eine Kreatur der CIA (seit Mitte der achtziger Jahre), wie sich wohl inzwischen herumgesprochen hat, die dazu dient, den Einfluss des US-Imperialismus global auszudehnen und die als mobile Eingreiftruppe überall dort eingesetzt wird, um stabile Nationalstaaten mit einer unabhängigen Orientierung zu zerschlagen. Beispiele: Jugoslawien, Syrien, Libyen, Irak.

    Dass die Moslembruderschaft eine terroristische Organisation ist und nicht anders zu beurteilen ist wie Al Qaida, zeigt allein schon die Tatsache, dass Mursi vorhatte, den für den Anschlag auf Touristen Verantwortlichen (1997, 70 Tote, verheerende Auswirkungen auf die ägyptische Tourismusindustrie, eine der Haupteinnahmequellen des Landes) zum Gouverneur von Luxor zu ernennen. Mursi hat die Schaffung eines radikalislamischen Kalifats im Norden des Sinai unterstützt, gegen das jetzt die ägyptische Armee endlich vorgehen kann.

    Dies sind Fakten. Die Benennung von Fakten ist keine Schwarz-Weiß-Malerei.

    Es kommt darauf an, das Wesen einer Sache zu erkennen. Und das ist meistens sehr einfach, wenn man nicht das Erscheinungsbild, das nach außen hin kompliziert erscheint, für das Wesentliche nimmt.

    Ich erinnere daran, dass ‚Jakobiner‘ der Meinung war, dass die Nato uns ’60 Jahre lang den Frieden in Europa garantiert hat‘. Hier zeigt sich, das dieser ‚very prolific commentator‘ noch nicht einmal in der Lage ist, das Wesen der Nato zu durchschauen.

  25. juergenelsaesser sagt:

    schnehen: Obwohl Sie in Ihrer Kritik an der Muslimbruderschaft in vielen Punkten Recht haben, sind Sie an einem Punkt tatsächlich zu grobschnittig: MB und Wahabiten sind NICHT „eine Soße“. In Syrien werden FSA-Leuten (= MB) von Al Qaida-Leuten (= Wahabiten) die Kehlen durchgeschnitten… Das sind schon ganz harte Konkurrenzkämpfe… Und in Ägypten hat die Salafisten/Wahabiten-Partei sich nicht mit den MB solidarisiert, sondern laviert.

  26. 9 11 pirat sagt:

    Elsässer kann es sein dass sie nict mehr durchblicken.also für mich steht fest wenn die usa das begrüssen is dies gut und nicht schlecht

  27. schnehen sagt:

    @JE

    Natürlich gibt es einen harten Konkurrenzkampf zwischen ihnen. Das kann man, wie Sie richtig sagen, in Syrien gut sehen. Aber sie sind sich einig wenn es um Folgendes geht:

    1. Darum Israel aus dem Spiel zu lassen. Weder die MB noch Al Qaida haben Israel je irgendwelche Schwierigkeiten bereitet, wenn man einmal von der Hamas absieht, die aus der MB hervorgegangen ist, aber die auch ursprünglich von Israel unterstützt wurde gegen die PLO. Aber die Hamas, die von Katar finanziert wird und die sich von diesem Scheichtum abhängig gemacht hat, hat den Kampf gegen Israel so gut wie eingestellt, weil das die Bedingung für die Milliarden war, die sie von Al Thani bekommen hat, und der unterhält die besten Beziehungen zu Tel Aviv.

    2. Wenn es darum geht, dem US-Imperialismus Flankenschutz zu geben und als Reserve, als Hilfstruppe und Proxies für ihn zu dienen, um unabhängige Staaten zu destabilisieren und zu zerstören, denn diese Zerstörung ist die Voraussetzung für die Einrichtung eines Kalifats oder Scheichtums.

    3. Wenn es darum geht, gegen Schiiten und Alaviten (‚die Ungläubigen‘), aber auch gegen Christen vorzugehen, z. B. wenn Sie daran denken, wie die MB gegen die Kopten, also gegen ägyptische Christen vorgegangen ist (Zwangsislamisierungen von Christen, dazu Doku auf RT…).

    4. Wenn es darum geht, Russland zu destabilisieren, siehe Dagestan/Tschetschenien (vgl. auch Anschlagsversuch auf Putin von vor einem Jahr). Sie sind alle anti-russisch.

    Und dieses Gemeinsame wiegt schwerer als ihre Konkurrenzkämpfe, bzw. diese Konkurrenzkämpfe, diese Rangeleien um Einfluss haben sie auch gemeinsam.

    Man kann das vergleichen mit den deutschen Kleinstaaten im 17. und 18. Jahrhundert: Damals wetteiferten sie alle untereinander, überall bauten sie Zollschranken auf, aber wenn es um die Frage nationale Einigung oder auch nur um Zollunion ging, waren sie sich alle einig in der Ablehnung, und sie waren sich einig, wenn es um die Wahrung des Feudalismus ging. Das ist typisch für alle diese Gruppen: Sie stellen ihre Partikularinteressen, ihr Kalifat, über die Interessen der Nation; sie sind antinational.

    Al Sissi hat das in dem Interview neulich gut zum Ausdruck gebracht, in Bezug auf die MB.

  28. Jakobiner sagt:

    Zu Schnehen:

    Das ist Stammtischlogik: Alles dasselbe –irgendwie sind dann auch Chinesen Thailänder und Japaner–alles Gelbe und Schlitzaugen eben.Wie Jürgen Elsässer richtig bemerkte, sollte man auch noch den Unterschied und die Konkurrenz zwischen slafistischen Gruppen und Muslimbrüdern sehen.

    „Al Sisi/Mansour haben das inzwischen wieder gekippt.
    An diesem Beispiel zeigt sich deutlich, wo Mursi hingehört: in das Lager der Globalisten.“

    Und Al Sissi und Mansur gehören nicht zu den „Globalisten“?!
    Sie werden immerhin von den USA gegen die Muslimbruderschaft offen unterstützt.Zeigen Sie mir erst mal eine Quelle, bei der Al Sissi die IWF-Forderungen rückgängig gemacht hat.

  29. Jakobiner sagt:

    „Man kann das vergleichen mit den deutschen Kleinstaaten im 17. und 18. Jahrhundert: Damals wetteiferten sie alle untereinander, überall bauten sie Zollschranken auf, aber wenn es um die Frage nationale Einigung oder auch nur um Zollunion ging, waren sie sich alle einig in der Ablehnung, und sie waren sich einig, wenn es um die Wahrung des Feudalismus ging. Das ist typisch für alle diese Gruppen: Sie stellen ihre Partikularinteressen, ihr Kalifat, über die Interessen der Nation; sie sind antinational.“

    Das ist nun völliger Quatsch–wie oben schon ausgeführt wollen die Muslimbrüder die Nationalstaaten als Operationsgebiet als Mindestes übernehmen und vielleicht sogar noch größere Gebilde schaffen–Kleinstaaterei ist den Muslimbrüdern ein Graus.Die Muslimbrüder wollen GANZ Ägypten, GANZ Syrien, GANZ Lybien, GANZ Tuniesien, GANZ Palästina,etc. und vielleicht dann auch noch panislamische Unionen eingehen.

  30. Dan sagt:

    Hallo,

    ein weltweit gesperrtes Youtube Video mit einer orchestriert blutigen „Pro-Mursi“ Demo für die westlichen Medien bringt hier vielleicht etwas Licht ins Dunkel welche Seite der Westen untrstützt.

    oder

  31. Eveline sagt:

    Habe gerade den Presseclub geschaut, Ägypten hiess das Thema, den wichtigsten Satz hat für mich Jörg Schönenborn gesagt.
    „Wir suchen immer ,der geistigen Hygiene wegen, wo sind die Guten und wo sind die Bösen“ so ähnlich sagte er es.

    Liegt hier nicht auch unser eigenes Schubladendenken? Auch genannt „Teile und Herrsche“?

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