Elsässers Blog

19. September, Berlin: die Identitären kommen! Mit Sellner, Kubitschek, Elsässer. Halong-Hotel, Leipziger Str. 54, Beginn 19 Uhr

Dogu Perincek: „Elsässers goldener Satz“ – DOĞU PERİNÇEK/ Elsässer’in altın cümlesi

ulusal devlet convertli 1. BASIM.aiDogu Perincek, der wichtigste Theoretiker der Linkskemalisten, hat mein Buch „Nationalstaat und Globalisierung“ rezensiert (Türkische Quelle)

Dogu Perincek ist eine Legende in der Türkei. Der Vorsitzende der Arbeiterpartei (Isci Partisi) saß vermutlich länger in politischer Haft als jeder andere Politiker, nach jedem Militärputsch (1971, 1980…) kam er wieder hinter Gittern. Trotzdem ist er ungebrochen und vital, was jedem Menschen ganz unabhängig von politischer Beurteilung den höchsten Respekt abnötigt. Auch aktuell ist er wieder eingekerkert, und zwar seit 2008, und bräuchte es eines Beweises, dass das Erdogan-Regime nicht besser ist als die Militärdiktaturen vorher – Perincek wäre dieser lebende Beweis. Ihm und mehreren hundert (!) anderen Politikern, hohen Militärs, aber auch Journalisten wird im Zuge des Ergenekon-Verfahrens vorgeworfen, einen laizistischen Putsch gegen die AKP-Regierung vorbereitet zu haben. In Wirklichkeit dient das Verfahren dazu, Widerstand gegen den nach innen islamisierenden, nach außen imperialistischen Kurs Erdogans zu brechen. Im Westen wurde Perincek bekannt, weil er den sogenannten Völkermord an den Armeniern geleugnet haben soll, wegen einer Rede in der Schweiz wurde er deswegen von einem dortigen Gericht verurteilt. Dabei leugnet Perincek nicht die damaligen Massaker an der armenischen Bevölkerung, sieht aber im Begriff „Völkermord“ eine Allzweckwaffe der westlichen Globalpolitik, die immer dann zum Einsatz kommt, wenn man ein Land stigmatisieren und unter die Knute zwingen will. Perincek hat gute Beziehungen zur eurasischen Bewegung des Alexander Dugin und tritt für eine türkisch-russische Verständigung ein.

Ich grüße den Genossen von dieser Stelle aus, wünsche ihm Kraft und Gesundheit. Für mich als kleinen Schreiberling ist er ein Vorbild, und ich will meinen Teil dazu beitragen, sein Beispiel und seine Ideen in Deutschland bekannt zu machen. Ich hoffe, ich kann ihn dieses Jahr besuchen – wobei mir ein Besuch in Freiheit lieber wäre als einer im Gefängnis, um seinetwillen…

Herzlich bedanken will ich mich bei Dogu Perincek für die Rezension, die er letzte Woche aus dem Gefägnis heraus über mein Buch „Nationalstaat und Globalisierung“ geschrieben und in der Tageszeitung Aydinlik veröffentlicht hat (hier der Originalartikel). Vermutlich hat die Rezension prompt dazu beigetragen, dass mein Buch am Folgetag von Erdogans Polizei beschlagnahmt wurde…. Emre Ertem, der mein Buch ins Türkische übertragen hat, hat Perinceks Artikel im folgenden ins Deutsche übersetzt:

(aus Aydinlik)

Elsässers goldener Satz

Von Dogu Perincek

Heutzutage findet sich keine realitätsnahe Theorie mehr in Europa. Sie ist tot. Seit den 70-ern habe ich Führer vieler Arbeiterparteien kennen gelernt. Habe mit Intellektuellen gesprochen.  Die fehlende Praxis der Revolution lässt auch die Theorie einrosten. Zum Beispiel hat Europa nie einen Samir Amin hervorgebracht. Die Theorie wächst aus der Unterdrückung und der Entwicklung. Als ich Jürgen Elsässers Buch las, dachte ich mir, “Europa hat doch kreative Köpfe” Es erfüllte mich mit Freude. Er hat mir ein signiertes Exemplar gesendet. Mein Freund Sadik Usta hat mir das Buch mit der Aufforderung  “lies es sofort!” zukommen lassen. Er hatte Recht. Gemeint ist das Buch „Nationalstaat und Globalisierung“ (Ulusal Devletın Yıkımı ve Sol Tavır) von Deutschlands aufrichtigstem Schriftsteller. Die 101 Seiten lesen sich in einem Zug. Erschienen über den Verlag  Kaynak Yayınları. Übersetzt von Emre Ertem.

Hier ist der goldene Satz!
Vor allem steckt Elsässer nicht im 19. Jahrhundert fest. Der goldene Satz lautet: „Im Unterschied zu den traditionellen Kapitalisten leben die Außerirdischen ((satirische Kennzeichnung für die Heuschrecken-Kapitalisten)) nicht von der Abschöpfung des Mehrwerts, sondern von der Zerstörung der Mehrwertproduktion.“ (S. 59) Man kann es auch so ausdrücken: Die Gewinnwirtschaft hat heute keine Gültigkeit mehr; sie wurde abgelöst vom System zur Zerstörung der Gewinnwirtschaft. Aus dem goldenen Satz von Elsässer lässt sich auch die Ausrichtung, das Programm und die Strategie auf globaler sowie auf Länder Ebene ableiten.
Die Behauptung, dass der Kapitalismus die Produktivität und die Fortschrittlichkeit fördert, wie ich das auch in meinem Buch Bilimsel Sosyalizm ve Bilim (Wissenschaftlicher Sozialismus und Wissenschaft) beschrieben habe, stützte sich auf den Tausch gleichwertiger Güter. Dies ist nicht mehr gültig!

Neues Mittelalter ist nicht der alte Kapitalismus

Das was Elsässer zu Recht als die Diktatur des „fiktiven Kapitals” (s. 51)  beschreibt, und  uns als  Tribut System bekannter Kapitalismus wurde seinem Grundsatz der gewinnorientierten Produktion, beraubt. Die Dollar Herrschaft dessen Hauptakteure die USA und England darstellen, stützen sich allein auf ihre militärische Überlegenheit um die ganze Welt zu erpressen. Das ist das “neue Mittelalter” Das neue Mittelalter ist nicht der alte Kapitalismus. In diesem System unterwirft das Dollar Imperium der USA, sogar entwickelte kapitalistische Länder wie Deutschland und Japan.  China stapelt die grünen Tiger der USA, und wird somit einer der Hauptzahler im Tribut-Camp.

Nicht mal im Traum würde Marx daran glauben.

Der Vater der Theorie des kapitalistischen Systems, Marx würde an den „Kapitalismus in seiner jetzigen Form nicht mal im Traum glauben“ (S.46). DAs fiktive Kapital ist auf das 17-fache der weltweiten Produktion gestiegen.

Somit ist der Globalisierungsprozess an einem Punkt angelangt,  an dem der Kapitalismus  verleugnet wird. Statt des sich nach der Rentabilität des Kapitals richtenden Mechanismus, wird der Markt durch die mit Gewalt aufgedrängter Dollar-Herrschaft dominiert.  Die wirtschaftliche Gewalt wurde durch die nackte Gewalt wie im Mittelalter ersetzt.  „Jeder und alles ist käuflich“ (s. 23). Nur ist dieser Handel nicht wie im 19. Jahrhundert der Tausch gleichwertiger Güter. Sie geben die Ware und erhalten im Gegenzug grüne Scheine von den USA. In den Orchon Runen beschreibt Bilge Khan einen solchen Handel „Das chinesische Reich schickt ballenweise Seide“ Diesmal schickt China ballenweise Seide in die USA für wertlose Scheine. Die Mittelalter Tribute sind wieder zurück.

Elsässers silberner Satz

Elsässer erklärt mit Nachdruck den Ort des Wiederstands gegen das Tributsystem in der „nationalen Regierung“. So lautet sein silberner Satz.  Die Widerstandsfront bilden Nationalstaaten die von Caracas bis Damaskus, von Moskau bis Peking und von Berlin bis Ankara reichen (s. 12). Nicht ohne Zweifel bildet die Barrikade der Nationalstaaten die Klassenfront auf Länderebene. Der Klassenkrieg umfasst auch den Krieg aller nationalen Klassen, die gegen den Verfall der  Wertewirtschaft sind.

„Arbeiter aller Länder und bedrohter Nationen vereinigt euch!“

Elsässer formuliert den Hauptslogan der Widerstandsfront wie folgt: „Gegen Destabilisierung und Chaos stehen Tradition und Solidarität, von Caracas bis Damaskus, von Moskau bis Peking, von Berlin bis Ankara“.(S.12) Dieser Slogan basiert auf den Tatsachen der Weltordnung. Da der nationale Staat nicht nur für die Mittelschicht sondern auch für die Arbeiterschicht  Zuflucht bietet. (S.30)
Die türkische Arbeiterschicht ist ohne Zweifel,  aufgrund ihrer 33 jährigen Erfahrungen, eher in der Lage, Elsässers Erkenntnis zu begreifen. Durch den Misserfolg der verkleinerten Staatstruktur haben die Arbeiter der Staatsunternehmen im gleichen Maße getroffen wie auch die subventionierten Landwirte. Die Produktionswirtschaft, ein breiter Binnenmarkt, die Kontrolle des Geldflusses, das Sozialversicherungssystem, die öffentliche Marktwirtschaft, traditionelle demokratische Institutionen, nationale Streitmacht, nationale Sprache sind Verteidigungspunkte  eines nationalen Staates.

Je mehr nationaler Staat umso mehr Demokratie

Der Nationalstaat ist gleichzeitig auch „der Rahmen für die Demokratie“ (S. 12) Historisch gesehen ist es das, ohne Zweifel. Die Demokratie wurde von Nationalstaaten geschaffen. Diese Tatsache ist heute noch gültig. Da diejenigen, die nicht nur vor den Nationalstaaten sondern auch vor der Demokratie flüchten, sich dem Zusammenbruch gegenübersehen. Je mehr Nationalstaaten sie haben, umso mehr Demokratie können sie haben.

Die Spiele der imperialistischen Projekte

Die Waffen des globalen Kapitals gegen die Demokratie sind bekannt. Separatistischer Nationalismus, verschiedene Formen der pro-Minderheiten, Feindseligkeit gegenüber dem Militär usw. (S. 26 u. 27).
Diese Aktionen sind keinesfalls wie sie vom System beschönigt werden, demokratische und Freiheitsbewegungen. Sie sind die Statisten auf der Bühne des imperialistischen Projektes. Die Karten des Greater Middle East und die Pläne um Kurdistan fallen ebenfalls darunter. (S. 26)

Was die EU der deutschen Demokratie angetan hat
Aus diesem Grund ist die Nationalstaatsfront auch gleichzeitig die Demokratiefront. Der globale Angriff des fiktiven Kapitals hat sogar die demokratischen Einrichtungen der entwickelten kapitalistischen Länder aufgelöst. Als Beispiel hat die EU die politische Führung in Deutschland und Frankreich an sich gerissen. Die Zügel sind in Brüssel. Die Brüsseler Regierung ist in Wahrheit die Finanzführung der USA und England. Sogar der deutsche Staat wurde ausgenommen. Die traditionellen demokratischen Einrichtungen wurden verfälscht und zerstört. (S. 27).

Die postdemokratische, neoliberalistische, ultra-imperialistische Auflösung

Diesen Prozess nennt Elsässer die postdemokratische, neoliberalistische und ultra-imperialistische Auflösung (S. 30). Der Auflösung stehen die  Kräfte der  „demokratisch-sozialen Republik“ entgegen. In diesem Prozess werden Nation und Nationalismus, nicht etwas das was Hitler oder Obama darunter verstehen, als Werkzeuge für den Kampf gegen den Imperialismus eingesetzt. Elsässer betont in diesem Zusammenhang, dass er den nationalen Staat befürwortet,  gerade weil er „kein Nationalist ist, sondern ein Demokrat“. (S. 12)

Das fiktive Kapital tötet die Liebe
Elsässer beschreibt den Angriff der Globalisierung gegenüber der menschlichen Kultur sehr treffend. Die Gesellschaft wird in seine Einzelteile zerlegt. Für das Individuum werden die Kollektive als faschistisch abgestempelt (S. 29). Jedwede Art von menschlicher Beziehung, Kameradschaft, Freundschaft und Liebe. Alle werden im Tempel des fiktiven Kapitals geopfert. (S. 59)

Postmoderne Linke
„Die neue Linke“ fungiert als  der Höllenhund der Finanzkapital Hölle. Dies sind unsere Vergleiche.  „Die sexuelle Revolution und der zügellöse Individualismus“ zerstören die Liebe und Familie. (S. 69)  Die anarchistische Ideologie   „Verbieten ist verboten“, die Ketzereien wie Regellosigkeit und Zügellosigkeit verteidigen, sind leider aus der Linken Lebensweise entstanden. Somit ist eine Postmoderne Linke entstanden, die Marx und die historische Errungenschaften der Linken verleugnen und gegen die Nation und die Arbeiterklasse stehen (S. 60-64, 69, 71 usw.). Elsässer beschreibt sehr zutreffend den Zusammenhang zwischen dem Verlust der Heimat durch den imperialistischen Angriff.

Der Internationalismus von heute: Patriotismus
Elsässer interpretiert den Kapitalismus nicht nur, sondern zeigt auch einen gemeinsamen Weg heraus. Auch die Vorschläge über Programm, Strategie und Positionierung sind sehr realistisch.
Der große weltweite Zwist findet im Zentrum des Tributsystems, zwischen den  USA- dem imperialistischen England und der Nationalstaaten statt. Die „Links-Rechts, Ost-West, Sozialist-Kapitalist“ Polarisierung ist heute nicht mehr entscheidend. Heute ist der Krieg zwischen dem Imperialismus und dem weltweiten Patriotismus (S. 12). Der Internationalismus von heute ist der Patriotismus.

Die Menschheit ist im Zeitalter der national demokratischen Revolutionen
Vor diesem Sachverhalt erklärt Elsässer den nächsten Schritt der entwickelten Nationen als nationale Demokratie. Das Fundament auf dem wir aufbauen sollten, sollte die Entfernung des Tributsystems sein, der auch die Gewinnwirtschaft auf dem Gewissen hat. Jeder Weg ist gestaffelt. Auch die Revolution ist gestaffelt. Ein kleiner Schritt zum Ziel, ist wertvoller als den großen Sprung zu träumen (S. 95). „Der Sieg wird nicht unter dem Banner des Sozialismus, sondern unter dem Banner der Demokratie errungen. Übrigens wird die kleine Verschnaufpause auf dem Weg zur klassenlosen Gesellschaft, den Linken sehr gut tun“ (S. 96).

Ist die Türkei weiter als Japan und Russland?
Ja, wir sagten ja, wir sind im „neuen Mittelalter“. Also können wir die Route nicht in die Wolken sondern auf den Boden der Tatsachen malen: national demokratische Revolution > Sozialismus > klassenlose Gesellschaft.
Heute sieht neben Chinas kommunistischer Partei die weltweit größte kommunistische Partei Japans die KP selbst die bevorstehende Revolution der größten kapitalistischen Länder in der national demokratischen Revolution. Sowie die Kommunistische Partei der Russischen Föderation. Unsere sozialistischen Revolutionäre werden eines Tages die Stufen der Revolution entdecken, sowie sie die türkische Fahne entdeckt haben, wir haben Hoffnung.

Ein kluger, würdiger  und mutiger Intellektueller
Die Juni Revolutionäre sollten es lesen
Es erfüllt einen immer mit Freude einen belebten Geist, eine sich der Gesellschaft und Menschheit aufopfernden, mutige und würdevolle Intellektuelle kennenzulernen, egal woher er stammt. Einer der dieses Buch am besten interpretieren kann ist Seyit Nezir. Ich sende ihm an dieser Stelle herzliche Grüße. Ich empfehle fieberhaft dieses Buch. Besonders den Helden der  Juni-Juli Aktivitäten und den potentiellen August – September Helden: Lesen sie Elsässers Buch. Ich empfehle auch das Buch „Bilimsel Sosyalizm ve Bilim“ (Wissenschaftlicher Sozialismus und Wissenschaft)  besonders die Kapitel Vatan Savunması ve Milli Demokratik Devrimler (Heimatverteidigung und Nationaldemokratische Revolution)  (S. 115 usw.) „Yeni Devrimler Çağı“ (Ära der neuen Revolutionen) (S. 229 – 268) von Dogu Perincek.

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15 Responses

  1. Lady146 sagt:

    http://www.politaia.org/wichtiges/die-diktatur-im-eu-parlament-abgeordneter-packt-aus/

    EU-Parlamentarier Bela Kovacs erzählt über die herrschenden Verhältnisse im Europarlament. Juli 2013, Moskau.

    Bela Kovacs auf Homepage des EU-Parlaments:

    http://www.europarl.europa.eu/meps/de…

  2. IronCandy sagt:

    Naja goldener Satz…?

    Letztlich ging es im Kapitalismus ja nie um die Akkumulation von Kapital sondern von Werten.

    Wenn es nur Kapital wäre würden die Bankster ja nur vor der Notenpresse der FED stehen und sabbern.

    Egal wie man es dreht es bleibt die Monopolisierung als wesentliches Element des Kapitalismus.

    Degrowth/Deindustriealisierung ist doch nichts anderes als Monopolisierung, denn eine Fabrik wird immer übrig bleiben da ja nicht kollektiv an der Wirtschaft gesägt wird.

    Was wir in der EU momentan sehen ist dass Deutschland seine Fabriken behält und der Rest zerfällt und in Arbeitslosigkeit und Armut absäuft und da die DAX-Konzerne teilweise in den Händen globaler Eliten sind gibts da für die kein Problem.

    Vielleicht sollte man das Wort Kapitalismus mal ersetzen denn es geht ja mehr oder weniger davon aus dass Geld seinen Wert behält bzw. ist.

    Nennen wir es doch:
    Materiellen Akkumulismus

    Bsp: Deutsche Bank die Lebensmittel um den Globus aufkauft um ein Preismonopol errichten zu können… oder JPMorgan Chase mit Kupfer.

  3. Willi Winzig sagt:

    Es freut mich sehr zu lesen, das es auch in der Türkei kreative Köpfe gibt. Es lebe die Deutsch-Türkische Freundschaft.

  4. Hikmet Kivilcimli is not dead sagt:

    Naja der wichtigste linkskemalistische Theoritiker ist er nicht. Das sind eher Leute wie Dogan Avcioglu, Sevket Süreyya Aydemir, Niyazi Berkes u.a.. Leider weiß man im Westen sehr wenig bis garnichts über diese Leute, welche seinerzeit die türkische Linke mitbeeinflussten (z.B. die Zeitschrift Yön aus den 60ern, welche einen Dialog zwischen Sozialismus und Kemalismus konstruierten. Yön hatte einen wichtigen Einfluss auf die türkische 68er, die nicht im „Make Love not War, Familie ist Faschismus, Autorität buh!, wer einmal mit der selben pennt usw. versank).
    Das bedeutet aber nicht, dass Perincek nicht wichtig wär. Er trug einen großen Beitrag in die linke Bewegung. Er war einer der Studentenführer der 68er, war Vorsitzender der FKF (Föderation der Ideenclubs, aus der sich die legendäre Dev-Genc entwickelte). 68 gründete er mit anderen (u.a. Mihri Belli) Aydinlik (entlehtn an die Zeitung von Sefik Hüsnü Degmer, als dessen Erbe sich die „Aydinlikcilar“ verstanden). Die Zeitung spaltete sich in zwei Gruppen: Die „Sozialistische Zeitschrift Aydinlik“, kurz ASD, um Mihri Belli und Mahir Cayan und „Proletarische Revolution Aydinlik“, kurz PDA, um Dogu Perincek und Halil Berktay. Perincek/Berktay waren die, die den Maoismus in die türkische Linke einführte. Man gründete die TIIKP (Revolutionäre Arbeiter -und Bauernpartei der Türkei), welche die politische Aktivität in der Illegalität vertrat.
    Den Artikel über das Buch hatte ich letztens in der Aydinlik gelesen. Mal gucken, ob man hiernach Angriff der Heuschrecken und Make Love and War übersetzt. Fänd’s gut, wenn die Genossen da unten auch diese zu lesen bekämen.

  5. Hartmut Lange sagt:

    aha, die Hinmetzelung und feige Ermordung von Millionen Menschen durch türkische Schergen ist also in deiner interessanten Definition, Jürgen, kein Völkermord ? Gut zu wissen ! Das mit den Juden, Roma und anderen im dritten Reich war dann wohl auch kein Völkermord…

    Armutszeugnis.

  6. die Stimme sagt:

    „Willi Winzig sagt:
    30. Juli 2013 um 19:51

    Es freut mich sehr zu lesen, das es auch in der Türkei kreative Köpfe gibt. Es lebe die Deutsch-Türkische Freundschaft.“

    ————-

    Überhaupt: Es lebe die Freundschaft der kreativen Köpfe weltweit!
    Ob Türken Deutsche Russen oder Amerikaner, die Nationalitäten sind da unwichtig.
    Muss sagen, es rüht mich auch wenn Herr Perincek dem Jürgen ein ‚goldenes Feedback‘ gibt.
    Und umgekehrt, also ein ‚Hoch auf die internationale Solidarität‘.

    Ein anderer kreativer Kopf heisst Ken Jebsen.
    Dessen Audio-Statement wurde während des Anti-NSA-Protestumzugs vor dem TAZ-Gebäudes in Berlin abgespielt und löste eine Diskussion aus.

    Hier sind ein Teil des Jebsentextes nachzulesen, es gibt auch einen Link zum Audio.
    Und Meinung hinterlassen sollte auch funktionieren:

    Verbrechen gegen die Menschlichkeit: Ken Jebsen beklagt Missstände in Medien
    http://blogs.taz.de/hausblog/2013/07/28/verbrechen-gegen-die-menschlichtkeit-ken-jebsen-beklagt-missstaende-in-medien-an/#comment-24382

    http://www.taz.de/Verstimmung-bei-Anti-NSA-Protesten/!120760/

  7. angelopetersen sagt:

    … tolle Resonanz von Dogu Perincek !
    dank an Emre Ertem.

  8. juergenelsaesser sagt:

    Hartmut Lange: Habe ich keineswegs gesagt. Ich habe nur Perinceks Position referiert.

  9. Hikmet Kivilcimli is not dead sagt:

    @ Hartmut Lange: Millionen Armenier? Wo sind die Belege für die Millionen von Armeniern? DIe Sache ist, dass im Osmanischen Reich keine Millionen Armenier lebten (seriöse Quellen sprechen von 1,3 Millionen). Außerdem ist eine Doppelmoral, die Massaker an den Armeniern anzuprangern OHNE die Massaker an uns von armenischer Seite zu erwähnen. Die Sache ist nähmlich, dass zuerst die Armenier mit dem Morden und Vertreiben anfingen (das erste Massaker von armenischer Seite fand 1895 in Van statt). Wenn hier etwas verleugnet wird, dann sind es die Massaker an unserem Volk. Außerdem übertreibenn Sie noch mehr als die armenische Seite. Sie sagen MILLIONEN (die Armenier sprechen von 1,5 Millionen). Die westlichen Mächte wollten die Türken, welche sie Jahrhunderte als Erzfeind sah (waren ja die verfluchten Muselmanen). Dafür wurde alles, was die Osmanen schwächt, unterstützt. Armenier bekamen Waffen von Frankreich, Britannien und Rußland, mit welchen sie unsere Leute niedermetzelten. Und solange ihr das tut, sagen wir: no justice no peace! Man muss auch Haltung zeigen können.

  10. Hikmet Kivilcimli is not dead sagt:

    @ Hartmut Lange: Millionen Armenier? Wo sind die Belege für die Millionen von Armeniern? DIe Sache ist, dass im Osmanischen Reich keine Millionen Armenier lebten (seriöse Quellen sprechen von 1,3 Millionen). Außerdem ist eine Doppelmoral, die Massaker an den Armeniern anzuprangern OHNE die Massaker an uns von armenischer Seite zu erwähnen. Die Sache ist nähmlich, dass zuerst die Armenier mit dem Morden und Vertreiben anfingen (das erste Massaker von armenischer Seite fand 1895 in Van statt). Wenn hier etwas verleugnet wird, dann sind es die Massaker an unserem Volk. Außerdem übertreibenn Sie noch mehr als die armenische Seite. Sie sagen MILLIONEN (die Armenier sprechen von 1,5 Millionen). Die westlichen Mächte wollten die Türken, welche sie Jahrhunderte als Erzfeind sahen (waren ja die verfluchten Muselmanen) schwächen und am Ende kolonisieren. Dafür wurde alles, was die Osmanen schwächt, unterstützt. Armenier bekamen Waffen von Frankreich, Britannien und Rußland, mit welchen sie unsere Leute niedermetzelten. Und solange ihr das tut, sagen wir: no justice no peace! Man muss auch Haltung zeigen können.

  11. Hartmut Lange sagt:

    hikmet kilvicimi:

    witzig mal wieder zu sehen, wie sie sich als einer der simplen türken outen, die der türkischen billigpropaganda von den furchtbaren, ach so grausam-gewalttätigen armeniern aufgesessen sind – diese lügen des türkischen „staates“ werden ja selbst von den türken selber schon nicht mehr geglaubt, denn es melden sich seit jahrzehnten bedeutende türkische autoren und intellektuellen wie der Friedensnobelpreisträger Orhan Pamuk, die das Verbrechen der türken an den christl. gruppen klipp und klar als VÖLKERMORD entlarvt und sich als türken zu ihrer historischen schuld bekannt haben. schon genüßlich, wenn ich hier genau die typische reaktion eines empfindlichen, in seiner ethnischen romantik verletzten türken sehe, der das „weisse-weste-märchen“ der offiziösen türkei in gefahr sieht. aber man weiß ja: die türkischen leugner des Völkermordes sind immer sehr schnell verletzt, wenn ein wirklich ehrenhafter türke die Wahrheit sagt so wie der oben genannte Pamuk – mein armer kerl, sie haben sich wirklich als bedauernswerter hetzer selber bloßgestellt – gegen nicht nur die armenier, sondern ganz allgemein im kielwasser der erdolf-propaganda.

    die behauptung, armenier hätten angeblich das osmanische „reich“ von innen her angreifen wollen, ist genauso als würde einer sagen, die juden und polen hätten 1939 die shoah und den überfall auf polen selber herbeigeführt indem sie die deutschen bedroht hätten. ich bin froh und es stimmt mich optimistisch, daß längst nicht alle türken so sind und es immer mehr mutige türkische menschen gibt, die an diese islamfaschistisch motivierten, neo-osmanischen nazilügen nicht mehr glauben.

    und solange die anderen, die faschistischen türken, wie erdolf und seine komplizen, weiter versuchen ihre lügen mit hilfe der usa u. a. in der welt glauben zu machen, solange werden wir mit den aufrechten türken an unserer seite klar sagen:

    no truth, no peace !

  12. Hartmut Lange sagt:

    jürgen elsässer:

    dann habe ich das im text wohl irrtümlich ihnen zugeordnet.

  13. Jakobiner sagt:

    Wenn Erdogan nicht seine Syrienpolitik betreiben würde, würde Elsässer ihn wahrscheinlich genauso enthusiastisch erteidigen wie Putin.Denn Erdogan begreift die Demonstrationen als türkische Pussy Riots und als Hilfskräfte der „Zinsoligarchie“, also der City of London und der Wallstreet, die die Souveränität der Türkei, die er ist, angreifen wollen..

  14. Julian Tumasewitsch sagt:

    @Hikmet Kivilcimli is not dead: Ich muss @Helmut Lange leider nun Recht geben. Der Aufstand von Van 1895 war eine schlecht organisierte und mit äußert bescheidenen Mitteln geführte Reaktion auf die Hamidischen Massaker.
    Diese starteten fanden von 1894 bis 1896 unter dem letzten Sultan, Abdül Hamit II, statt. Ihnen fielen bereits mehrere hunderttausend Armenier und Assyrer / Aramäer zum Opfer.
    Beim Massaker von Adana 1909 wurde die Hälfte der armenischen und assyrischen Bevölkerung der Stadt ausgelöscht. Schon die NY Times berichtete damals darüber.
    Auf dem traurigen Höhepunkt des Völkermords 1914-1923 wurden in der Tat mehr als eine Million Armenier, Aramäer und pontische Griechen systematisch geplant massakriert.
    Belege dafür gibt es in schriftlichen sowie fotografischen Berichten zu Hauf. Am beeindruckendsten und gewaltigsten sind meines Empfindens nach die Massengräber in heute syrischen Deir-Ez-Zor-Wüste, wo sich in der Tat von der osmanischen Armee eingerichtete Vorläufer von KZs befanden. Diese waren oftmals Camps oder befanden sich in den dortigen Höhlen.
    Rund um die von syrischen Beduinen zum Gedenken an die armenischen und assyrischen Opfer errichtete Kapelle von Markedeh findet man noch heute die Gebeine von schätzungsweise 15.000 bis 30.000 dort zwischen 1915 und 1918 hingerichteten Angehörigen dieser Minderheiten. U.a. der Dokumentarfilm „Grandma’s Tattoos“ zeigt die Kapelle und die Gräberfelder rund herum.
    Die Argumentation, der Bewaffnung einer „armenischen Armee“ durch die Allierten, spielt für alle Ereignisse vor dem Vertrag von Sèvres 1919 überhaupt keine Rolle, weil sie ab diesem Zeitpunkt überhaupt erst stattfand.
    Die armenische Bevölkerung war zu diese Zeitpunkt bereits derart dezimiert, dass hätten selbst alle Überlebenden Armenier auf dem Gebiet der im o.g. Vertrag vorgesehenen Republik Hayastan (im Wesentlichen die Gebiete um die Städte Van, Erzurum und Kars) gekämpft nichts einmal ein Zehntel der Truppenstärke der osmanischen Armee hätte erreicht werden können.
    Zudem war die Bewaffnung mit ausrangiertem französischen Kriegsgerät niemals auch annähernd ausreichend, um die nicht nur zahlenmäßig sondern auch technologisch weit überlegene osmanischen Armee wirklich gefährlich werden zu können.
    Weder die Westarmenier (solche, die auf dem Gebiet des osmanischen Reiches lebten), noch die Ostarmenier (lebten im russischen Zarenreich) hatten vorher eine Zentralgewalt geschweige denn ein stehendes Heer.
    Zur militärischen Komponente kam also erschwerend hinzu, dass allenfalls provisorische Verwaltungsstrukturen vorlagen.
    Letzten Endes stellt dieser Versuch einer auf derart dünnem Eis gebauten Rechtfertigung des Völkermords nichts weiter als einen Verzweifelten Griff nach dem wohl dreistesten aller rhetorischen Mittel, nämlich der Umkehr des Sachverhalts, dar.
    Letzten Endes verfasste Lemkin der Begründer des damaligen Neologismus „Genozid“ seine erste Definition desselbigen anhand des Vorgehens der osmanischen Obrigkeit gegenüber seinen nicht-muslimischen Minderheiten (Armenier, Assyrer / Aramäer, pontische Griechen, Yezidin). Die Exemplarizität des Genozids wird u.a. in Carzous „Un génocide exemplaire“ sehr gut plastisch dargelegt.
    Des Weiteren,ist es das Resultat einer nationalistischen Rassenideologie, dass nahezu nahtlos an den Genozid die Massaker an der kurdischen Bevölkerung, insbesodere der alevitischer Konfession, begannen.

  15. Hans Wurst (Abdul Sucuk) sagt:

    Aber in dem Punkt kann ich Perincek Recht geben. Heute tauchen Materialien auf wo Perincek damals schon die Wahrheit gesagt hatte. Man guckt sich heute dies an und fragt sich „Warum weiß ich davon nichts ?“. Ganz zu schweigen das die normalen türk. Mainstreammedien einen wie Perincek größtenteils ignoriert haben und wenn Sie ihn auftreten lassen haben ihn nur schlecht gemacht haben. Die sogenannten „Oppositionsparteien“ CHP und MHP sind nicht wählbar, wenn man Erdogan los werden will. Ein Kiliclaroglu (CHP) der offen von einer Koalition schwärmt mit der AKP. Oder ein Bahceli (MHP) der nach „12“ verlorerenen Wahlen sich weigert seinen Stuhl zu verlassen. Beide Parteien waren der Steigbügelhalter der AKP und haben in 13 Jahren keinen Finger krum gemacht. Sogar das Gegenteil ! Denizi Baykal (CHP) hat das Gesetz außer Kraft gesetzt, was es verbiete das Vorbestrafte Premierminister werden dürfen. Erdogan ist vorbestraft. Mit dem Stimmen der MHP wurde Abdullah Gül (AKP) zum Präsidenten des Landes gewählt.

    Jetzt taucht ein Perincek auf und bringt diese Verschwörungstheorie „Völkermord an den Armeniern“ zu Fall, einmal in Madrid und jetzt in Straßburg, da frage ich mich als Rechter „Warum haben das unsere Leute nicht gemacht“. Perincek hat sich dort das Recht erstritten die Wahrheit zu sagen, nicht einen Völkermord zu leugnen. Er uns sein Partner übergaben den Gericht 95kg an Beweismaterial. Und das einzige was wir uns vorzuwerfen haben, ist warum wir 100 Jahre damit gewartet haben.

    Als Erdogan Atatürk und Inönü als Trunkenbolde beleidigt hatte und den Alkoholkonsum zeitweise verbieten wollte, gingen die Alkoholiker des Landes auf die Straße, nach dem Motto „Trunkenbolde der Nation – vereint euch“. Da waren sie dann. Die Linken/Rechten, die Atheisten/Gläubigen, die Galatasaray/Fenerbahce-Hooligans. Und dann sahen die auf einmal „Hoppala, im Suff sind wir vereint“. Das waren alles Fraktionen die sich zuvor auf den Tod leiden konnten und jetzt marschieren die alle gemeinsam !

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