Elsässers Blog

Görlitz, 17.12, 17 Uhr, Marienplatz: Elsässer bei Kundgebung "Weihnachten statt kultureller Selbstaufgabe"

Mursi gestürzt: Vorsicht vor verfrühtem Jubel

Mohamed_Morsi-05-2013Ein aktueller Kommentar. Von Jürgen Elsässer

Auf dem Tahrir-Platz wird gefeiert, die globalen Medien feiern mit. Mursi ist weg, das Militär hat in Ägypten die Macht übernommen.

Nachdem ich beim Sturz von Mubarak etwas zu schnell gejubelt habe, will ich dieses Mal Euch und mich zur Vorsicht mahnen. Keiner von uns kennt sich in Ägypten tatsächlich so gut aus, dass er ein seriöses Urteil abgeben könnte. Was mich skeptisch stimmt:

1) Mursi war, im Unterschied zu Teilen seiner Partei (der Moslembrüder), nie so fundamentalistisch, wie im Westen dargestellt. Er scheiterte im wesentlichen an der Wirtschaftsmisere, die wohl nur über ein sozialistisches Verstaatlichungsprogramm mit strengen Devisenkontrollen zu meistern wäre. Gibt es das bei der Opposition, beim Militär?

2) Israel und der Westen sehen den Putsch positiv, US-Generalstabschef Dempsey hat vorher mit seinem ägyptischen Amtskollegen konferiert.

3) Massenverhaftungen haben begonnen, der Spiegel spricht von 300 Funktionsträgern. Warum muss man Mursi ins Gefängnis werfen? Man hätte ihn einfach unter Hausarrest stellen können. Der Mann hat keine Verbrechen begangen!

4) Die salafistische Nur-Partei, die zweitstärkste parlamentarische Kraft, hat den Putsch toleriert. Werden die Musimbrüder zerschlagen, wird die Nur-Partei zum Anziehungspol der Radikalreligiösen und Frommen.Mit ihrer salafistischen Orientierung scheinen sie mir viel extremistischer zu sein, quasi der verlängerte Arm der Saudis.

5) Die moderate Opposition inclusive der Linken ist ein zersplittertes Chaos und damit leicht lenkbar vom Westen.

Zur Debatte wird aufgerufen. Im übrigen gilt:

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(Foto: wikipedia)

 

 

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68 Responses

  1. Nelly Däs sagt:

    Es ist richtig, jubeln ist verfrüht. Oft ging der Schuss nach hinten los. Was ist bloß los auf dieser Welt, kann den keiner in Ruhe leben? Muss immer alles mehr, mehr, höher, weiter, größer sein. Keiner gibt sich zufrieden mit dem was er halt.
    Als alter Mensch kann man da nur mit dem Kopf schütteln.

  2. Kreuzweis sagt:

    Ich habe den Verdacht, der Schlüssel dürfte das Verhältnis Mursis und seiner Partei zu den Schiiten sein. Für mich ein einfacher Test auf „good boy / bad boy“.
    Doch ich hörte im TV, „auslandsjournal“(?), daß Mursi ihnen feidlich gesinnt wäre. Könnte aber auch Lügenpropaganda sein.
    Was ist da dran?

  3. Was mich stutzig macht, ist die gewisse Gleichgültigkeit, ja fast rechtfertigende Toleranz, mit der akzeptiert wird, daß Militärs putschen. Das war einmal anders. …
    Ich teile zwar nicht die grundsätzliche Abneigung gegen Einflußnahme inländischer Militärs – sofern sie souverän sind, wundere mich aber über die breite Hinnahme.
    Außerdem mißfällt mir der Freudentaumel der Mißfelders dieser Welt, endlich diesen schurkenhaften Antisemiten Mursi loszusein.
    Ach ja. Vielleicht kommt’s daher: http://www.derwesten.de/staedte/unser-vest/missfelder-im-vorstand-der-atlantik-bruecke-id8130488.html

  4. schnehen sagt:

    Mursis Fehler:

    1. Er hat es versäumt, gleich nach seiner Wahl sein Kabinett auf eine breitere Basis zu stellen. Er hätte z. B. Kräfte wie den ‚6. April‘, der maßgeblich an der Organisierung der Anti-Mubarak-Demonstrationen im Februar 2011 beteiligt war, einbeziehen müssen. Stattdessen hat er diese Kräfte ausgeschlossen. Er hat immer wieder Gesprächsangebote seitens dieser Kräfte abgelehnt. Nur zuletzt, als ihm das Wasser bis zum Hals stand, hat er sie akzeptiert.

    2. Er hat bei der Nominierung der Gouverneure für die Provinz Luxor einen Al Qaida-Mann nominiert, der in blutige Anschläge verwickelt war. Dies zeigt, dass Morsi keineswegs ‚moderat‘ war.

    3. Er hat die diplomatischen Beziehungen zu Syrien zur Freude Israels abgebrochen, ohne dass Syrien einen Anlass lieferte, wahrscheinlich, weil die US-Regierung dies verlangt hat.

    4. Er hat die Stationierung von US-Soldaten auf dem Sinai zugelassen.

    5. Er hat den Raffah-Übergang zu Gaza nicht geöffnet und sogar die Versorgungstunnel für die notleidende Bevölkerung fluten lassen und damit genau das getan, was Israel von ihm erwartet hat.

    6. Er hat kein einziges soziales und wirtschaftliches Problem gelöst in seiner einjährigen Amtszeit. Die Löhne wurden etwas angehoben, aber die Inflation überstieg das Maß dieser Lohnerhöhungen, so dass es den meisten Ägyptern heute schlechter geht als zu Mubaraks Zeiten.

    7. Er hat die diplomatischen Beziehungen zu Israel aufrechterhalten, trotz mächtiger Demonstrationen für die Schließung der israelischen Botschaft.

    8. Er hat das Land gespalten wie kein anderer und ist stur seiner engstirnigen Brotherhood-Linie gefolgt. Mit dieser Spaltung hat er der Agenda der USA und Israels direkt in die Hände gearbeitet, die darauf abzielt, überall im Mittleren Osten Chaos zu schaffen, um Israels Sicherheit zu garantieren.

    9. Er hat eine Verfassung verabschieden lassen, die nicht den Erwartungen der Ägypter, die sich an der Revolution gegen Mubarak beteiligten, entsprach.

    10. Er hat Kredite von Katar, Saudi Arabien, der Türkei und dem IWF angenommen und sich damit von salafistisch-wahabischen Kräften und dem Imperialismus abhängig gemacht.

    Dass er gehen muss, ist dass Ergebnis seines Versagens. Man kann nicht gegen 80% eines Volkes regieren, sich von den USA abhängig machen und gleichzeitig etwas für das eigene Volk tun.

    Er hat der islamischen Sache durch sein Vorgehen schweren Schaden zugefügt, ähnlich wie Erdogan oder die Salafisten, die sich zu Handlangern der CIA in Syrien gemacht haben.

    Es ist gut, dass Mursi weg ist. Die weitere Entwicklung bleibt abzuwarten.

  5. DHM sagt:

    Die da jubeln, sind die frisch, an neuen US-Waffen ausgebildeten Salafisten, die gleich weiterziehen nach Syrien.

    Israel hatte die Hoffnung, die Muslimbruderschaft wenn nicht drehen, dann doch etwas umerziehen zu können. Nachdem das gescheitert war, mußten die alten wahabitischen Freunde von Laurence von Arabien wieder ran und alles zusammentwittern, was nicht bei 3 auf den Panzerrohren sitzt, um auf dem Tahir-Platz rumzujubeln.

  6. Y.Jones sagt:

    Dass westliche Medien positiv berichten ist klar. Jede Revolution ausserhalb EU und USA wird schöngeschrieben. Selbst dann wenn es zum Nachteil der NWO ist. Wenn in Saudi Arabien zum Beispiel der König gestürzt wird, dann wäre die Mainstreammeinung auch pro Revoluzzer. Die Medienbosse müssten so vorgehen, obwohl sie den Saudi-König eigentlich durch notorisches Schweigen immer unterstützt haben, um glaubhaft zu bleiben. Bis jetzt habe ich Mursi immer kritisch betrachtet. Antiamerikanische Rhetorik,JA, Antiamerikanisches Handeln,Nein!! Israelkritik war nur fürs Protokoll. Was er gemacht hat war billiges Personal für Vodafone zur Verfügung zu stellen. Als ich neulich beim Vodafone Service anrief haben die mich vorher informiert, dass ich nach Ägypten weitergeleitet werde und mich dort ein Kunden- bzw. Callcenterarbeiter um meine Belange kümmert. Aus Nächstenliebe für Ägypter wird Vodafone sicher nicht Arbeitsplätze in Deutschland vernichtet und in ein Billiglohnland verlagert haben. Gundsätzlich ist der Putsch positiv zu bewerten. Die nächste Regierung kann sich nicht einfach kaufen lassen und gegen das ägyptische Volk arbeiten. Wie J.Elsässer schon richtig anmerkte, muss kurzfristig, auf Verstaatlichung gesetzt werden und die Währungsouveränität durch Handelsverbot auf dem Devisenmarkt und eigene Auf-und Abwertung. Dass Miitär in Ägypten scheint mir sehr aufrichtig und loyal zu sein. Fürs Volk und nicht gegen!! Vielleicht mal ein Denkanstoß für amerikanische Generäle. Einfach ma dass weiße Haus besetzen und eine Übergangsregierung einführen die aufräumt an der Wall Street, der FED und Aipac.

  7. „4) Die salafistische Nur-Partei, die zweitstärkste parlamentarische Kraft, hat den Putsch toleriert. Werden die Musimbrüder zerschlagen, wird die Nur-Partei zum Anziehungspol der Radikalreligiösen und Frommen“ – und zukünftig Regierungspartei/Hauptkoalitionär

    Kann natürlich sein, das nun hochkommt, was mit der Übernahme der Revolutionsansätze voriges Jahr seitens USraels, die zur Konterrevulution ohne eigentliche Revolution führte, unterdrückt wurde; dafür sprächen neben der Hoffnung, die bekanntlich zuletzt vergeht, auch die vielen Festnahmen; dageben aber sprechen die Beifallsäußerungen der M-Medien; wie leicht wär es gerade jetzt, „das junge demokratische Ägypten“ zu beweinen …

  8. Das Militär – wenn nicht unterwandert schon wie hier – kann man immer noch als Wahrer einer nationalen Einheit verstehen, und damit Kontra-NWO?
    Es müsste in seinem Interesse liegen …

  9. Leser123 sagt:

    Ich habe mich mal viele Stunden auf einer Bahnfahrt von Kairo nach Assuan mit einem ranghöheren Beamten Ägyptens unterhalten. Wir hatten viel Zeit und dieser Mann hat mir ausführlich über die Korruption in Ägypten berichtet. Zusammenfassend kann ich mich erinnern, dass die Staatseinnahmen über den Suez-Kanal, den Tourismus und Erdöl ausreichen würden, um den Menschen dort ein Existenzminimum zu ermöglichen. Es müsste niemand betteln oder gar hungern. Die Korruption wird durch alle Ebenen des Beamtentums betrieben, jeweils mit dem Wissen des nächst höheren Vorgesetzten. Einmal war ich selbst in eine Geschichte verwickelt, wo ich Zeuge einer Aufteilung unter Polizisten geworden bin.
    Wer dieses System durchbrechen will, müsste eine Sisyphusarbeit leisten. Unter Mubarak hat sich dieses System detailliert entwickelt. Das Volk erwartet zu Recht, dass hier aufgeräumt wird. Allerdings sind unter Mubarak die vielen religiösen Gruppierungen eben mit der Möglichkeit Korruption
    zu betreiben ruhig gestellt worden.
    Das einfache Volk lebt entweder im Nil-Delta und kann von der Landwirtschaft leben, oder eben in den Gebieten am Roten Meer oder nahe der Altertümer, wo der Tourismus immer ein paar LE abwirft.
    Die Politik Mursi´s hat nicht die Korruption beendet und der Tourismus ist lahmgelegt. Das sind Unmengen an kleinen Geldscheinen, die nicht mehr in die Bevölkerung fließen.
    Dieses eine Jahr mit Mursi hat dort viele Leute erst Recht wachgerüttelt und ihnen vor Augen geführt, dass das einfache Volk nicht vom Islam leben kann, sondern das tägliche Brot jeden Tag aus´s neue von den Touristen bekommen muss.

    Das Militär erhält ein Jahresbudget von 1,3 Milliarden USD aus den U.S.A. und bleibt somit unabhängig. Es hat in den vergangenen Jahrzehnten die Touristen vor radikal-islamistischen Anschlägen beschützt. Diese Radikalen sind unter Mursi quasi „legalisiert“ worden. In Luxor hat Mursi einen Mann, der mit den Anschlägen am Hatschepsut-Tempel 1997 in Verbindung gebracht wird, zu Gouverneur ernannt.
    Der Einfluss der Muslimbrüder ist in dieser Fülle im Volk nicht gewünscht. Von daher vermute ich, dass allein das arabische Temperament ausreicht, um die Revolte von 2011 in eine andere Richtung zu korrigieren.
    Dies wird aber kaum gelingen, weil in Staaten wie Ägypten oder Irak, Afghanistan, Syrien zu viele verschiedene Gruppierungen zusammenleben, die vermutlich nur mit diktatorischen Regierungsstil zu einem gewissen Frieden gezwungen werden können.
    In Ägypten ist das Volk eher in zwei Lager gespalten. Die einen
    wünschen mehr Islam bis hin zu Scharia, die anderen wissen sehr wohl, dass damit der Tourismus kaputt geht.
    Nun soll es ja auch eine Aussöhnungskonferenz geben. Ich bin gespannt und bete für die koptischen Christen, die leider auch immer zu den größten Opfern dieser Zustände gehören.
    Also: Wer jubelt, der soll sich mal eine ernsthafte Alternative vorstellen. Mal jubelt die eine Seite, mal die andere. Vorübergehend kann wohl nur das Militär die Bevölkerung in Schach halten. Alles andere bleibt offen.

  10. Kreuzweis sagt:

    Mursi hat scheinbar sogar Obama aufgefordert, nach Ägypten einzumarschieren!

    Hier eine sehenswerte Videospende:

    Zitat (AdS):
    Ägypten schockiert den Iran:
    Seit der Islamischen Revolution von 1979 hat kein ägyptischer Präsident mehr iranischen Boden betreten. Das Verhältnis galt als zerrüttet, weil Ägypten den Schah unterstützt hatte, und dafür hatte man im Gottesstaat des Ayatollah Khomeini kein Verständnis. Als Ägypten dann im gleichen Jahr auch noch Frieden mit Israel schloss, war endgültig diplomatische Funkstille.
    (…)
    Dann aber folgten der “arabische Frühling” und ein aus dem Lager der Muslimbrüder stammender Präsident am Nil. Plötzlich sollte auch das ägyptische Staatsoberhaupt in Teheran wieder hoffähig sein, einen Neuanfang fasste die iranische Führung ins Auge.
    (…)
    Mursi machte dem iranischen Gastgeber keine Komplimente, sondern er brüskierte ihn, vollkommen undiplomatisch, unarabisch dazu und – wirkungsvoll. Er sorgte für einen Eklat, als er in seiner Gastrede auf dem 16. Gipfeltreffen der 120 blockfreien Staaten Syriens Führung unter Staatschef Baschar al-Assad ein “Unterdrückungsregime” nannte.
    (…)
    Einen solchen Eklat hätte der Iran, der weiterhin bedingungslos hinter seinem engsten und wichtigsten arabischen Verbündeten Assad steht, gern vermieden.

    Und wie sieht man die Sache im Iran?
    Das Dreiecksverhältnis zwischen Ankara, Damaskus und Teheran hat bis zum Frühjahr 2011 gut funktioniert. Zwischen den drei Ländern wurde Visafreiheit vereinbart, der gegenseitige Handel blühte. Die Türkei konnte sehr gut mit Damaskus und gut mit Teheran. Die Beziehungen zwischen Teheran und Damaskus gleichen seit 33 Jahren einer Schicksalsgemeinschaft und basieren auf ideologisch unterfüttertem Pragmatismus, meint Professor Sadegh Zibakalam von der Uni Teheran.
    “Abgesehen von Syrien haben wir keine guten Beziehungen zu arabischen Ländern. Wenn die syrische Regierung stürzen sollte, dann geht dem Iran ein strategischer Verbündeter verloren. Der Iran wird die Verbindungsbrücke zu Hisbollah im Libanon verlieren. Deshalb ist für den Iran der Fortbestand des syrischen Regimes von großer Bedeutung.“

  11. @ Nelly Däs, die da sagt: „Es ist richtig, jubeln ist verfrüht. Oft ging der Schuss nach hinten los. Was ist bloß los auf dieser Welt …“
    Vielleicht ist bei der ständigen Bevorzugung von Destruktiven und gleichzeitig massiver Beschränkung des Konstruktiven nun der „Selbstläufer“ entstanden; die destruktiven Kräfte haben kaum noch zu tun, ein paar Korrekturen hier, Schönheitspflästerchen dort, während die Vernunft sich ungehört die Seele aus dem Leib brüllen kann?

  12. Mary J. sagt:

    „5) Die moderate Opposition inclusive der Linken ist ein zersplittertes Chaos und damit leicht lenkbar vom Westen.“

    Wieso soll das kein Grund zum Jubeln sein….. ?🙂

    *duck und wech*

  13. „Der Putsch gegen den ehemaligen Präsidenten Mursi habe gezeigt, dass das Militär die Säule der politischen Macht im Land sei.“ – nach einer Studie von Stratfor
    http://www.stratfor.com/analysis/egypts-atypical-military-coup?utm_source=freelist-f&utm_medium=email&utm_campaign=20130703&utm_term=RedAlert&utm_content=title&elq=5d2e6bdde8304b2bbddfed933bc880c3

    Das kann denen natürlich nicht passen – Ägypten in den Händen nationaler Feldherren:

    „Doch die nachhaltige Einmischung in das politische Leben Ägyptens werde die Lage nur noch weiter verschlimmern. Die Gesellschaft sei tief gespalten. Eine „drastische Antwort“ der Muslimbrüder sei zu erwarten.“ (ebenda)

    Muslimbrüder sind eine Kreation von MI6 …

  14. Ich habe – ohne dieses Hintergrundwissen – ganz ähnliche Zweifel.
    Wir müssen abwarten…

    Assad hat den Putsch begrüßt und Saudi-Arabien auch…?
    Mursi hatte vor kurzem die diplomistischen Beziehungen zu Syrien völlig abgebrochen…
    Verwirrung pur…?
    Was wird hier WIRKLICH GESPIELT?

    http://hesikamiscellaneous.wordpress.com/2013/06/23/sind-die-revolutionen-in-aller-welt-wirklich-revolutionen-des-volkes/

  15. Ich würde also denken, es geht in Ägypten nun um globalistische Kämpfe; da man sie nicht ohne weiteres christlichwärts ziehen konnte (was strategisch sehr zu bejubeln gewesen wäre), hat man SauArabien/Quatar ins Spiel geholt, und nun wieder teilweise beschnitten (NUR blieb ja, als Platzhalter gegen das Militär vielleicht auch nur). Da können die verschiedensten Köpfe von und auf die Schultern gelangen; reingucken können wir lange schon nicht mehr, oder aus dem Köpfewechseln auf positive Veränderungen zu spekulieren …

  16. Ina sagt:

    Die Menschen werden dort nie mehr zur Ruhe kommen. Es gibt zu viele Menschen und zu wenig Möglichkeiten eine Existenz zu gestalten. Egal wer an die Macht kommt – diese Person wird gestürzt werden. Es gilt eine neue Wirtschaft aufzubauen die nicht auf Wachstum begründet ist.

    Das Land braucht ein anderes Geldsystem und einer sich selbst erneuernde Gesellschaftsform. Das kann nur durch eine Vereinfachung des Lebens geschehen und durch eine Umwandlung der Werte in Richtung = Weniger ist MEHR.

    Das kann ich aber nicht sehen. Auf jeden Fall wird die Gesellschaft zusammen brechen wenn wir die Paradigmen des Wachstums nicht ändern. Wir alle können gerade jetzt viel von diesem Land lernen. Wird es uns bald genauso gehen?

  17. Detlev Wulf sagt:

    Nachdem im Fernsehen vorgefertigte Schilder mit englischen Texten sowie Fahnen und andere professionell gefertigte Devotionalien gezeigt wurden und auch ständig Claqueure mit dem Freimaurer/Victory-Zeichen im Bild erschienen
    gehe ich davon aus, daß auch diese Revolution wieder einmal von westlichen Geheimdiensten gesteuert war. Wahrscheinlich hat Mursi seine Aufgaben nicht hinreichend erfüllt. Vielleicht will man auch im Vorfeld eines möglichen israelischen Angriffs auf Syrien und den Iran einen „zuverlässigen“ Mann an der Spitze Ägyptens haben.

  18. rubo sagt:

    Alle Nachbarn Israels müssen nicht Freunde, aber zuverlässig sein. Wo das nicht gewährleistet ist, läßt man Chaos entstehen, daß man anschließend in seinem Sinne ordnet oder man läßt gleich Krieg entstehen.
    Ganz sicher war Mursi nicht ein so sicherer Kandidat für Israel.
    Ich bin gespannt, ob man el-Baradais Chancen ausleben läßt. Glaube eher nicht, denn als Vorsitzender der Atomenergie- Organisation IAEA hatte er zu ehrlich mit Iran und für Israel zu lasch gegen Iran gearbeitet.

  19. Neukunde sagt:

    Ich sehe Ähnlichkeiten zwischen der KPD der Weimarer Republik und den Muslimbrüdern Ägyptens.

    Mursi wurde durch wirtschaftlichen Druck der Saudis und Katars einerseits und das Militär andererseits in die Zange genommen. Irgendwann konnte er keinen Zug mehr tun und wurde Schachmatt gesetzt.

    Die Militärs werden Washington um Rat gefragt haben, was sie als nächstes tun sollen. Die Repressionswelle wird die wichtigsten muslimischen Kader beseitigen.

    Was für ein Zufall auch, dass nun ausgerechnet der Kandidat der Amerikaner, El Baradei, zum Zuge kommt…

  20. schnehen sagt:

    @Detlev Wulf

    Haben Sie die Livestream-Übertragungen auf Russia Today von den Kundgebungen verfolgt? Millionen Menschen waren auf der Straße, in den verschiedensten Städten. Es gab Pro-Mursi-Kundgebungen und Anti-Mursi-Kundgebungen, die allerdings viel besser besucht waren. Von ‚vorgefertigten Plakaten‘ habe ich nichts bemerkt, allerdings gab es ein Meer von ägyptischen Fahnen zu sehen.
    So etwas wünsche ich mir langfristig gesehen auch bei uns: Massendemonstrationen gegen die politische Kaste in Berlin mit einem Meer von Schwarz-Rot-Goldenen Fahnen und Rufen wie ‚Erhat‘ (was so viel heißt wie abdanken!).

    Auf Press TV wurden Pro-und Kontra-Debatten mit Vertretern der Widerstandsbewegung und Moslembruderschafts-Vertretern gesendet, so dass man das Pro- und Kontra gut verfolgen und die Argumente der beiden Seiten sehr gut vergleichen konnte.

    Die Unzufriedenheit mit Mursi wurzelt meiner Ansicht nach vor allem in zwei Dingen:

    a. Mangelnde Sicherheit in Ägypten; deshalb der Wunsch, dass das Militär eingreift;

    b. soziales und wirtschaftliches Elend der breiten Massen, Arbeitslosigkeit, extrem niedrige Löhne ähnlich wie in anderen afrikanischen Ländern und das Gefühl, dass sich nach einem Jahr Mursi trotz all seiner vollmundigen Versprechungen absolut nichts geändert hat, und dass dieser Mann völlig unfähig war.

    Natürlich versucht der Westen sich einzumischen, aber er ist nicht allmächtig und kann nicht Millionen von Menschen mobilisieren. Er kann allerdings Leute wie El Baradei nach vorne schieben, der von Soros finanziert wird, was schon geschehen ist.

    Mich erinnert es an die Zeit in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg, als viele Deutsche von der Monarchie und ihrem Krieg die Nase voll hatten und als man dann rechte Sozialdemokraten wie Ebert, Scheidemann und Noske (‚Einer muss der Bluthund sein‘) nach vorne schob, um der Bewegung den Wind aus den Segeln zu nehmen und in bürgerlich-parlamentarische Kanäle zu leiten versuchte, was sehr erfolgreich war. Diese Methode wird auch dort ausprobiert.

    Und übrigens:

    Mursi WAR ein zuverlässiger Mann, was den Krieg gegen Syrien angeht. Er hat die sog. Rebellen unterstützt, ähnlich wie Erdogan und zuletzt die Beziehungen zu Syrien abgebrochen.
    Ein besseres Werkzeug finden sie so leicht nicht wieder.

  21. Detlev Wulf sagt:

    @schnehen

    Recherchieren sie mal unter „Otpor“, dann sehen Sie, wie solche von den USA inszenierten „Volksbewegungen“ entstehen.

  22. ue sagt:

    Ist mit dem Umsturz in Ägypten das Konzept „Arabischer Frühling“ abgekündigt?

    Der Schwachpunkt der Vision „arabischer Frühling“ war die stille Annahme, dass alle Menschen dieser Welt, wenn sie nur die freie Entscheidung haben, zu einem natürlichen Lebensstil finden, der dem amerikanischen (westlichen) entspricht. Die Natur des Menschen ist „westlich“, anders darf und kann es nicht sein können. Bis in die Fürbitten und Sonntagspredigten reichte diese Hoffnung.

    Tatsächlich setzt die westliche Kultur ein Christentum der Reformation voraus, das auf einem Rollentausch basiert, generiert durch die Verinnerlichung Gottes. Wo das Christentum ganz fehlt oder nicht genügend transformiert ist, setzen sich andere kulturelle Entwürfe durch, die sehr wohl kräftig sein können. Eine „Reformation“ des Islam wird es nicht geben, denn in gewisser Weise ist der Islam (nicht zeitlich, aber logisch) eine Antwort auf die Reformation. Und umgekehrt hat der Westen Angst vor einem demokratischen Islam.

    Mit der klassischen Machtpolitik kommt wieder mehr (machiavellistische) Vernunft ins Spiel. Werte wie Recht, Ordnung, Solidarität und Wohlstand könnten gegenüber der destabilisierenden „Freiheit“ an Bedeutung gewinnen. Vielleicht reduziert es uns auch den Umfang des grün-weinerlichen Befreiungsimperialismus auf erträgliche Maße. Für die Muslim-Brüder wird es schlimm. Fehlt nur noch die Dolch-Stoß-Legende der Generäle.

  23. arcos sagt:

    Ich habe die obigen äusserst informativen Kommentare von Schnehen und Kreuzweis gelesen und komme zu dem immer gleichen Schluss, wenn es um (inner-) arabische Politik geht: Völlige Strategie- und Konzeptlosigkeit, teilweise komplett absurde Aktivitäten. Für den aussenstehenden Interessierten eine äusserst frustrierende Situation. Für mich gilt daher seit längerem: Informieren ja, aber engagieren GARANTIERT nicht.

  24. Willi Winzig sagt:

    Ich sehe das ähnlich wie in der Türkei. Die USA „füttern“ das Militär, welches als Garant und Vertreter der US-Interessen agiert. Damit das nicht so offen gegen das Volk wirkt, agiert man aus dem Hintergund und schiebt Zivilmarionetten vor die Fernsehkameras. Anscheinend war Mursi den USA wie GB zu eigenständig. Mit Islamistentum und Muslimbrüderschaft hat das aber nichts zu tun. Man bedenke bitte, die Saudis sind so ziemlich die extremsten Fundamental-Islamisten (auch Bin Laden kommt von dort), radikaler als selbst der Iran und die USA schützen und decken sie.

    Die angloamerikanischen Finanzeliten wollen einen gefügigen Vasallen, der brav genau das macht, was sie ihnen vorgeben, eben so wie hier unsere Regierung auch… Daher schütteln sie den Revolutionswürfelbecher noch einmal neu und warten ab, was diesmal für Vasallenkandidaten dabei herauskullern, El Baradei ist aber auch nicht wirklich ihr Wunschkandidat, denn der war ihnen nämlich als Oberatomaufseher viel zu neutral gegenüber dem Iran.

    Ich wünsche dagegen dem Ägyptischen Volk einen Präsidenten, der ihr Interesse vertritt und nicht das der Kolonialherren. Das wird aber wohl ein Wunschtraum bleiben, so wie auch hierzulande…

  25. Y.Jones sagt:

    An alle die mal wieder an eine gelenkte Revolution glauben!!

    Es ist doch logisch, wenn es vor kurzer Zeit eine erfogreiche Revolution gab ( erfolgreich in dem Sinne, dass vorherige System zu stürzen, ob mit oder ohne westlicher Unterstützung ist unerheblich) , die Bevölkerung in diesem Land viel selbstbewusster, angriffslustiger ist als es normal wäre. Wenn der Wohlstand sogar sinkt, da Mursi auf eine Invasion der „Heuschrecken“ setzte) dann halte ich es für wahrscheinlich dass das Volk ohne fremde Einheitzer diesen Umsturz möglich machte. Jetzt wird der Westen natürlich versuchen ihre Kandidaten zu puschen, mit allen erdenklichen Tricks an die Macht bringen möchte. Aber ob der Nachfolger prowestlicher in der Realpolitik ( nicht natürlich rhetorisch!) als Mursi ist, dass ist kaum noch möglich.

  26. Detlev Wulf sagt:

    @arcos

    „Völlige Strategie- und Konzeptlosigkeit, teilweise komplett absurde Aktivitäten“.

    Auch das sieht nach einer typischen US-Geheimdienstmission aus🙂🙂🙂

  27. Detlev Wulf sagt:

    @ue

    „…die stille Annahme, dass alle Menschen dieser Welt, wenn sie nur die freie Entscheidung haben, zu einem natürlichen Lebensstil finden, der dem amerikanischen (westlichen) entspricht….“

    Auch hier werden die USA sich wieder wundern, was sie am Ende bekommen. Manche Leute wollen eben einfach nicht nach US-Vorbild leben. Daß die das nach Jahrzenten der Intrigen, Bestechungen und Erpressungen immer noch nicht begriffen haben!!!!?!

  28. Heider sagt:

    Eine Handpuppe des Imperiums wurde vorzeitig abberufen, die Frage ist warum. Wen werden die Puppenspieler als nächstes bringen, und wohin treibt Ägypten? Steht hier analog der Entwicklungen in Irak, Sudan, Libyen, Syrien … der nächste Nationalstaat zur Abwicklung an?

    Der Höhepunkt der Selbstentlarvung, wem Mursi diente, war fraglos der Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu Syrien u. Mursis Forderung die Nato möge Syrien bombardieren. So viel Hass auf das säkulare Regierungssystem Syriens, das es wagte sich gegen die federführenden Globalisten dauernd unbotmässig zu verhalten, haben nichtmal die übrigen Satrapen – Katar, Saudiarabien, Türkei, Jordanien – gezeigt.

    Schon zuvor hatten Mursis Muslimbrüder die konfessionellen Gegensätze in Ägypten tüchtig angeheizt, koptische Christen u. eine kleine schiitische Minderheit waren ihres Lebens nicht mehr sicher. Mursi selbst nannte Schiiten „unrein“ u. „unsauber“ und scheint den Hass vermutlich im Auftrag des Imperiums verbreitet zu haben:

    Die Förderung der konfessionellen Gegensätze mit Pogromen u. Bürgerkrieg, also das Auseinanderdividieren u. Mit-sich-selbst Beschäftigen unter religiösen Vorzeichen, ist nämlich die neueste Spezialität des Imperiums bei der Beherrschung des gesamten Nahen u. Mittleren Ostens. Hiervon verspricht es sich eine arabisch-sunnitische Frontstellung gegen den mehrheitlich schiitischen Iran, der aktuelle Hauptfeind des Imperiums im Mittleren Osten. Es will von seinen eigenen Umgestaltungsplänen der Region ablenken u. ihnen das Muster eines ordinären Glaubenskrieges aufdrücken >> während Sunniten u. Schiiten sich an die Kehlen gehen, ist immer das Imperium einschl. Israel der lachende Dritte.

    In Syrien hat das bislang nur bedingt funktioniert. Inzwischen begreifen dort auch regierungskritische Sunniten, welche Pest sie mit Al Qaida u. den anderen Muslimextremisten ins Land bekamen. Deshalb steigt die allgemeine Unterstützung für Präsident Assad, u. die Syrische Arabische Armee befindet sich seit Monaten deutlich im Vorwärtsgang gegen die westlich instruierten u. ausgerüsteten Banden.

    Zum tiefen Fall Mursis hat einiges Bashar al-Assad gesagt:
    „Nach einem Jahr wurden dem ägyptischen Volk die Lügen bewusst, die von der Bruderschaft am Anfang der populären Revolution in Ägypten gemacht worden sind.

    Das Experiment der moslemischen Bruderschaft ist gescheitert hat, bevor es angefangen hat, weil diese Art der Auslegung der (religiösen) Lehre mit der Natur der Leute nicht im Einklang steht. Das Projekt der Bruderschaft ist heuchlerisch, weil es wirklich darauf zielt, Zwietracht in der arabischen Welt zu schaffen.“
    Sana – Jul 04, 2013
    http://sana.sy/eng/21/2013/07/04/490658.htm

    Eine Ägypterin auf dem Tahir-Platz in Kairo – nicht die einzige, die deutlich machte, dass viele Ägypter den Feldzug sunnitischer Fanatiker im Verein mit Nato, Israel u. arabischen Hiwis gegen Syrien nicht mittragen:
    “Ich bin die Tochter mehrerer Märtyrer, die auf dem Schlachtfeld gegen Israel gefallen sind. Schande über die Sheikhs, die zum Jihad gegen Syrien aufrufen, sie sind Verräter. Diese Fahne verkörpert die Union zwischen Ägypten und Syrien. Ich fordere die syrische arabische Armee auf, alle Verräter an der Sache der arabischen Welt zu liquidieren“.

    [Gefunden bei Barbara, 03/07/2013 im urs1798.weblog (Danke, Barbara!)]

    Belegquellen:

    Mein Parteibuch Zweitblog – 18. Juni 2013
    Mursi entpuppt sich als Marionette des rassistischen TV-Predigers Qaradawi

    http://nocheinparteibuch.wordpress.com/2013/06/18/mursi-entpuppt-sich-als-marionette-des-rassistischen-tv-predigers-qaradawi/

    FAZ – 10.04.2013
    Tote Christen in Ägypten
    Koptischer Papst wirft Mursi Fahrlässigkeit vor

    http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/afrika/tote-christen-in-aegypten-koptischer-papst-wirft-mursi-fahrlaessigkeit-vor-12144126.html

    SPIEGEL ONLINE – 24.06.2013
    Mord auf offener Straße: Wütende Dorfbewohner töten vier Schiiten in Ägypten

    http://www.spiegel.de/politik/ausland/lynchmob-in-aegypten-toetet-vier-schiiten-im-dorf-abu-musallam-a-907463.html

  29. Mary J. sagt:

    @ue

    Sie sollten sich als Pressesprecher bei diesen islamischen Despoten bewerben. Die verbreiten nämlich dieselbe verleumderische Gleichung, mit denen sie versuchen alle Dissidenten zu diskreditieren:

    Freiheit=westlich=schlecht

    deswegen

    Unfreiheit=gut

    Doch Sie irren UE. Freiheit und Menschenrechte sind nicht westlich, sondern universell. Der Westen in Form der Franzosen und etwas später der US-Amerikaner war nur der erste, der das in moderner Form so postuliert hat.

    Und seien Sie sich gewiss, dass selbst ein Muslimbruder dem zustimmen wird, wenn Sie die Frage an ihn so formulieren, dass seine Freiheit zur Disposition steht und nicht die von anderen Menschen.

    Wenn es nämlich der eigene Hintern ist, der gegrillt wird, werden selbst die übelsten Zeitgenossen zu wahren Fackelträgern der Demokratie und Menschenrechte.

  30. Charakterbilder sagt:

    Elssässers Kommentar ist so schwach und blass, dass der Leser sich wünscht er würde einfach mal still und NICHTS schreiben.
    Sehr wertvoll und informativ ist der Beitrag von Leser 123 zum Beispiel.
    Herr Elsässer ziehen doch mal für 4 Wochen nach Ägypten und leben Sie dort bei einer einfachen Familie und schreiben dann wieder aus anderer Sicht.
    Manchmal stehen einem die Haare zu Berge ….

  31. 9 11 pirat sagt:

    Hm wiso wird denn nun Mursi hier in Schutz genommwn?Der liess massiv Wahlen fälschen,Schlägertrupps gegen Demonstranten einsätzen und er unterstützte die Terroristen in Syrien desweiteren gehört er einer Organisation an die die Nazis unterstützte.Ich feiere mit den Ägyptern.Mich wundert es nur dass die USA nun der ägyptischen Armee den Geldhahn zudrehen,dies liegt wohl daran dass die NWO nun die Kontrolle über Ägypten verliert.

  32. 9 11 pirat sagt:

    Und wegen den Salafisten die werden dann halt als nächstes zerschlagen.Dann sind Ägyptens Kunstschätze endlich wieder in Sicherheit.

  33. 9 11 pirat sagt:

    Mal sehen wann die Zionisten gegen dass neue System in Ägypten wettern sind ja keine Idioten.Tun erst mal so als wären sie auf der Seite der Opposition in Warheit aber hetzen sie gegen jede Volksbewegung in der arabischen Welt durch Propagandaapparate wie den Zentralrat der Juden.

  34. Mister Panopticon sagt:

    @ Mary J. : „Freiheit=westlich=schlecht

    deswegen

    Unfreiheit=gut

    Doch Sie irren UE. Freiheit und Menschenrechte sind nicht westlich, sondern universell.“

    Hier liegt gerade eben unter anderem die Crux. Jeder religiöse Mensch wird genauso (wie Sie) die Werte eben seiner Religion als universell darstellen; -und das mit dem hervorragenden Grund, dass diese Werte nunmal direkt von Gott kommen. (Hingegen: Die nordamerikanischen Indianer hatten keine Menschenrechte, kannten sie nicht, und brauchten sie anscheinend auch nicht; – scheint also auch etwas mit bestimmten „Zivilisations“- Stufen zu tun zu haben)
    Der Anspruch der Universalität der Menschenrechte, die den „kleinen“ Haken haben dass sie in „positives“ rein obrigkeitlich-menschliches Recht eingebettet sind, aber ist doch dem ursprünglichen generellen westlichen Universalitätsanspruch geschuldet, der noch wesentlich totalitärer ist, als alles was z.B. die katholische Kirche in ihrem Missionierungsdrang jemals gefordert hatte. (Inklusive Hexenjagden und Inquisition – beide gewissermaßen zur Verteidigung „universaler Werte“…)
    Die würde Ihnen sagen, dass gerade dieses „westliche“ Denken mit die größte Gefahr FÜR die Freiheit und ein friedliches Zusammenleben der Menschen untereinander bedeutet. Und gesellschaftlichen Verfall und nachgerade Übergang in die Tyrannei beinahe unmittelbar befördert. – Kein Wunder, wenn die USA auf dem Planeten „Demokratie herbeibombt“, sondern beinahe stringente Konsequenz.

    – Mir persönlich wäre jedenfalls eine Welt lieber, die auf solche als „Werte“ getarnte Leerformeln (wozu sie traurigerweise in der Praxis häufig genug werden mussten, trotz der Emphase bei ihrer Proklamation) verzichten könnte, weil nämlich das friedliche gemeinschaftliche Zusammenleben der Menschen auch so klappt, und Hass, Gier, Machtgeilheit etc. verschwunden wären… (Sagen wir es einmal so: Man kann sich bequem auf das Ideal der „Menschenrechte“ berufen- Dieses muss aber auch in einer Gesellschaft realisierbar sein können, sonst ist es mehr oder minder „nichtig“ , sad as it is. Wenn die Menschen verhungern, kann man sie nicht damit ernähren. Wenn die Menschen alle dumm und gewaltbereit sind, erweisen sich Menschenrechte als nicht mehr als eine Floskel…)

    – Bis dahin sollten wir alle im Bezug auf Andere möglichst nicht zu laut hupen; – der gesamte Westen selber bewegt sich nämlich leise, aber mit Riesenschritten, unter dem Mäntelchen der Demokratie in Richtung Reich des Schreckens und totalen Unterdrückungsstaat.
    Auch übrigens deswegen, weil („unsere“) „Freiheit“ de Facto Freiheit der Herrschenden ist und (vollständig unverbindliche) Beliebigkeit der Weltanschauung (also ohne jeglichen „Wahrheitsanspruch“ – z.B. jeder irgend „Konservative“ MUSS hier aufjaulen) meint, solange man „nur“ den Herrschenden in unserer Form des „Kapitalismus“ entsprechend „dient“ .

    Zu Ägypten: Wenn Sie eine Politik machen wollen, die IRGEND etwas ändern soll, müssen Sie diese auch durchsetzen (können) , ansonsten befindet man sich in bester Gesellschaft mit der Phraseologie der MSM, die sich immer gerne in der Rolle des Gutmenschen sonnt, ohne irgend auf die Verhältnisse (in einem Land) einzugehen.
    (Ich finde zum Beispiel: Somalia und Kongo brauchen Demokratie!😉 )
    WIR kennen diese Verhältnisse auch nur äusserst schleierhaft. Die vom Militär beseitigte Bruderschaft war anscheinend die wichtigste und größte „unabhängige“ politische Strömung im Land; und wurde- unter welchen Umständen auch immer- gewählt. Dass sie massiv (möglicherweise jahrzehntelang) vom Westen unterstützt wurde, ist natürlich ein reichlich pikantes Detail- genauso wie allerdings auch dass der gesamte nordafrikanische „Frühling“ anscheinend einer „Bierlaune“ des Westens entsprang. Wir rätseln natürlich, trotz allem schon jetzt Bekannten, wie bei allen weltgeschichtlichen Ereignissen, weiter fröhlich über den dahinter zu vermutenden größeren „Masterplan“ …
    Ägypten als Solches hat riesige ökonomische Probleme- diese beruhen zu einem Großteil auf den massiv angezogenen Lebensmittelpreisen auf dem Weltmarkt, von dem Ägypten substanziell abhängt. (Dieser wird mehr und mehr von Monsanto und Co. kontrolliert)
    Diese Probleme lassen sich weder allein mit Revolution noch „Demokratie und Menschenrechten“ lösen. Zeitgleich ist Ägypten Spielball internationaler Interessen, gegen die es im eigenen Überlebensinteresse (seiner Bevölkerung!) geschlossen angehen muss. Dazu braucht es eine eigenständige, verbindende Identität. Ob das „Uns“ (in der dann gegebenen Form) als Westen passt oder nicht.

    Nasser hatte als Einziger bisher in Ägypten versucht, eine Antwort zu geben- diese war zu seiner Zeit (zwischen den Machtblöcken!) teilweise katastrophisch, und notwendigerweise sehr widersprüchlich. (Ich gebe meine persönliche Außensicht wider; – wer etwas über Verstrickungen Nassers weiß: Nur zu!)
    Nach seinem Tod gab es keine „patriotischen“ Anführer mehr; – Sadat und Mubarak haben den (innenpolitischen) Status Quo festgefroren, und hatten Ägypten in einen despotischen Vasallenstaat der USA transformiert.
    – Nasser 2 ist (für mich) nicht in Sicht;
    – und was sollte der dann unter den gegebenen Umständen (mit dem vermutlich inzwischen komplett gespaltenen, möglicherweise hungernden, von Geheimdiensten manipulierten Volk) tun?!

  35. ue sagt:

    @Stepher
    Wo die Grundlagen unserer Kultur zu suchen sind, ist im Grunde nachrangig. Wer unsere Anfänge in den Wäldern Germaniens suchen will, kann dies machen, auch wenn er dabei implizit Tacitus zitiert.
    Wichtig für uns ist doch, in welchem Sinne dieses Land jetzt geprägt werden muss und die Analogie, die in Compact zu den preußischen Reformern und Generälen gezogen wird, ist ja nicht falsch.
    Zwei Gedanken, was uns vielleicht doch eint: (1) Bildung ist ein hohes Gut (auch in der preußisch-humanistischen Tradition) und deshalb ist hier ein Focus (Abitur 13) zu setzen. Auf Dauer ist das auch ein Qualitätsunterschied, den wir wirtschaftlich brauchen. Und es ist auch das, was Sie Haltung nennen. (2) Engagement für die Gemeinschaft ist das zweite Gut, am besten durch ein soziales Jahr, das von allen zu absolvieren ist.

    @Mary: Bitte das Interview mit Assad in der FAZ lesen und dann urteilen.

  36. schnehen sagt:

    Bashar al Assad über die Moslembruderschaft:

    „Syrien hat sehr viel Erfahrung mit der Moslembruderschaft. Wir wissen, wie wir mit ihr umzugehen haben.

    Die erste Auseinandersetzung mit ihr fand 1964 in Hama statt, aber der eigentliche Konflikt begann 1976, als sie anfingen, Lehrende an Universitäten umzubringen, Ärzte und andere.

    Zwischen 1976 und 1977 wussten wir nicht, wer dahinterstand. Es hätten eventuell die Palästinenser sein können, weil wir 1976 im Libanon auf der Seite der Christen interveniert hatten. Aber schon bald fanden wir heraus, dass es die Moslembrüder waren. Mein Vater trat dann mit ihnen in Verhandlungen über eine mögliche Regierungsbeteiligung ein. Sie lehnten nicht ab, sagten aber, dass sie das diskutieren wollten. Aber sie setzten ihre Morde fort, während sie darüber nachdachten. Schließlich hatten sie nicht vor, die Macht zu teilen, sondern sie wollten die Macht ergreifen, um Syrien in eine islamische Republik zu verwandeln.

    Wir brauchten drei Jahre (1976 bis 1979), um ihre Ideologie zu verstehen, was sie wollten und was sie dachten. Es gab auch viele Syrer, die mit ihnen sympathisierten, weil sie sie als echte Muslime ansahen. Aber sie waren nicht für den Islam. Die Leute waren naiv, das anzunehmen. Wir traten ihnen dann 1979 entgegen. Hätten wir das 1976 getan, wären wir nicht erfolgreich gewesen.

    Es war eine schwere Zeit, noch schwerer als die, die Nasser mit ihnen hatte, denn mein Vater hatte nicht so viel Einfluss wie Nasser zu der Zeit, und wir standen unter Druck und waren in der Region ziemlich isoliert.“
    (David W. Lesch, ‚The New Lion of Damascus‘, Yale University Press 2005, S. 45).

    Nachdem es Anfang der achtziger Jahre eine ganze Serie von Anschlägen der MB gegen Regierungseinrichtungen gab mit Hunderten von Toten, ordnete Hafez Assad, Bashars Vater, 1982 an, das Zentrum der MB in Hama anzugreifen. Danach hörte die MB faktisch auf zu existieren.

    2011 war sie wieder da, als sie den ‚Arabischen Frühling‘ nutzte, um die syrische Regierung zu Fall zu bringen. Sie wurde dabei von den USA, Israel, der Türkei, Katar und Saudi Arabien unterstützt, und das bis heute.

    Mursi ist Teil dieser Destabilisierungsbemühungen gewesen und hat die sog. Rebellen unterstützt. Auch dafür hat er jetzt vom ägyptischen Volk die Quittung erhalten.

  37. saito sagt:

    Ägypten ist ein armes Land mit einer hohen Geburtenrate. Das heißt, es hat massive wirtschaftliche und soziale Probleme, die sich nie mit eine Rvolution in kurzer Zeit lösen lassen werden.
    Demokratie und Wohlstand gehören zusammen.
    Ohne einen gewissen Wohlstand in der breiten Bevölkerung kann es auch keine Demokratie geben.
    Das werden die Ägypter noch lernen müssen.

    mit freundlichen Grüßen

  38. Mary J. sagt:

    @ Mist P.

    Dass die „allgemeinen Menschen“ oder die „westlichen“ wie Sie sie nennen, in der praktischen Anwendung nicht für alle gleich gelten, ist vollkommen richtig.

    Aber zumindest in der Theorie gelten sie für alle gleichermaßen. Und genau das unterscheidet sie von den „religiösen Menschenrechten“.

    Diese „religiösen Menschenrechte“ sind nämlich nicht einmal in der Theorie für alle gleich, sondern statten den Gläubigen der jeweiligen Religion für gewöhnlich mit mehr Rechten aus als den Ungläubigen.

    Diesen fundamentalen Unterschied, den man eigentlich gar nicht fett genug unterstreichen kann, sollten Sie sich einmal genau durch den Kopf gehen lassen.

  39. Mary J. sagt:

    PS.

    Sollte natürlich heißen: „Dass die ‚allgemeinen Menschenrechte‘ oder…“

  40. schnehen sagt:

    @Y. Jones

    Ich bin ganz Ihrer Meinung.

    Wer ständig von gelenkten Revolutionen spricht, weiß nicht zu unterscheiden zwischen Farbenrevolutionen (vgl. Ukraine, Georgien…) und echten Revolutionen. Er nimmt auch die Menschen nicht ernst und ist der Ansicht, dass die Masse völlig manipulierbar ist, was nicht stimmt. Diese Leute sollten mal etwas genauer hinsehen und keine Schablone anlegen (‚typische Geheimdienstoperation‘).

    Man soll den Ägyptern mal ins Gesicht sagen, dass sie alle manipuliert und gehirngewaschen sind und nicht wüssten, was sie da täten! Sie haben durch das, was Mursi (und damit indirekt Katar, das ihn mit acht Milliarden Dollar seit 2011 finanziert hat, so ASR von heute) ihnen beschert hat, gemerkt, dass er kein Mann des Volkes war, sondern eine Marionette der USA, des IWF, Katars, Saudi Arabiens und der Türkei, die alle für Israel arbeiten.

    Deren Agenda hat er bruchlos auch für Syrien übernommen. Jetzt haben diese Kräfte, besonders Obama, die Rechnung erhalten und einer auch ganz besonders: Recep T. Erdogan, der nun fürchten muss, wenn er so weiter macht, durch einen Militärputsch von der Macht verdrängt zu werden.

    Er hat deshalb vor, die türkische Verfassung präventiv zu ändern, wo es heißt:

    „Es ist die Pflicht der türkischen Streitkräfte, das türkische Staatsgebiet und die durch die Verfassung ausgerufene türkische Republik zu schützen.“
    (Art. 35 der türkischen Verfassung, Angaben nach ASR vom 5.7.).

    Erdogan will das ändern, damit ihn nicht das gleiche Schicksal wie Mursi trifft. Künftig soll es darin nur noch heißen, dass das türkische Militär nur noch für ‚die Bedrohungen und Gefahren aus dem Ausland‘ zuständig ist.

    Sie haben auch insoweit Recht, als dass die USA jetzt mit aller Macht versuchen werden, schon in der neuen Übergangsperiode ihren Kandidaten nach vorne zu bringen, und das ist Mohammed El Baradei!

  41. Ludvik Medved sagt:

    Ich bin erschüttert über die völlige Ahnungslosigkeit die sich in 90% der Kommentare über das Land Ägypten hier offenbart.
    Ausdrücklich davon ausnehmen möchte ich Leser123, sowie eine Handvoll anderer Kommentatoren!
    Freunde, habt Ihr schon vergessen wie man Googelt? Wenigsten ein kurzer Blick bei Wicki wäre angebracht! Nur der Blickwinkel aus dem Tagesgeschehen reicht einfach nicht aus, um die Geschehnisse zu verstehen.
    Ägypten hat viele Facetten und Probleme. Hier zur Info einige davon:
    1. Landwirtschaft. Diese ist zum größten Teil exportorientiert. Die Ursache ist auf den Bau des Suezkanals zurück zu führen. Um die Kredite für den Kanal an Großbritannien und Frankreich tilgen zu können, wurde Ägypten gezwungen seine Landwirtschaft auf den Anbau von Zuckerrohr und Baumwolle umzustellen. Die Schulden sind bis heute (!) nicht abgetragen, und führten am Ende dazu, dass Ägypten zum britischen Protektorat wurde. Weil die landwirtschaftlich nutzbare Fläche nur 3% des Landes beträgt, kam es zu Hungeraufständen, die am Ende die Muslimbruderschaft hervorbrachten – mit Unterstützung von GB. Wie wir uns erinnern, ist auch die Revolution von 2012 durch Brotpreiserhöhungen ausgelöst worden und wiederum waren die Muslimbrüder die Nutznießer, was natürlich Fragen wg. möglicher britischer Beteiligung aufwirft. Parallelen sind jedenfalls erkennbar.
    In dieser Zeit ist die Bevölkerungzahl von 2 Mio. auf etwa 85 Mio. angestiegen, was die Abhängigkeit von Lebensmittelimporten noch verstärkte.
    Herr Mubarak hat ein großes Bewässerungsprojekt gestartet, das die nutzbare Fläche um 40 bis 50% erhöht hätte. Mit Hilfe moderner Landwirtschaft wäre das Land von Lebensmittelimporten unabhängig geworden – heute hört man davon nichts mehr. War das der Grund dafür, dass er gestürzt wurde?
    2. Industrie. Ägypten besitzt eine breit gefächerte Industrie, und ist nach Südafrika der am besten entwickelte Staat auf dem Kontinent. Das Wirtschaftswachstum wird seit einigen Jahren von der Inflation übertroffen, was eine Verarmung der Bevölkerung zur Folge hat. Es besitzt eine Reihe von Rohstoffen, wie Erdöl, Erdgas, Rohphosphate, Eisen- und Mangan – Erze, Asbest, Schwefel, Buntmetalle und Uranerze. Nennenswerte Industriezweige sind: Fahrzeugbau, Verarbeitung von Baumwolle, Zucker und anderen Agrarprodukten, Zement-, Düngemittel -, Eisen-, Stahl- und Aluminiumerzeugung, Elektro- und Chemisch -pharmazeutische Industrie, Erdölverarbeitung sowie Maschinen- und Fahrzeugbau und Bleikristall. Unter Oberst Gamal Abdel Nasser und seinem Nachfolger Anwar as-Sadat wurde die Industrialisierung vorangetrieben und große Teile der Wirtschaft verstaatlicht, u.a. auch der Suezkanal, was 1956 zum Krieg mit Großbritannien, Frankreich und Israel führte. Nach der Ermordung Sadats durch die Muslimbruderschaft hat Husni Mubarak die Verstaatlichungen zum Teil wieder rückgängig gemacht.
    Teilweise gibt es Ausländische Beteiligungen, und die Verbindung von Industrie und Machtappart. Damit kommt man automatisch zum nächsten Thema:
    3. Korruption. Sie zieht sich durch alle Ebenen der Hierarchie, vom kleinsten Angestellten bis zur Spitze der Staatsführung. Leser123 hat das schon gut beschrieben, da brauche ich nicht viel hinzu zu fügen. Zu erwähnen ist allerdings die Verquickung der Machteliten mit der Industrie. Die Verflechtungen sind so eng, dass man mit ruhigem Gewissen schon von einer modernen Form des Feudalismus sprechen kann. Inwieweit Herr Mursi darin verwickelt ist kann ich nicht beurteilen, aber die Tatsache seines Scheiterns spricht eher dagegen.
    4. Muslimbruderschaft. Diese ist als Machtfaktor – nicht nur in Ägypten – unbedingt zu beachten. Sie wurde offiziell 1928 von Hasan al-Banna in Ägypten gegründet, hatte aber schon vorher gewalttätige Vorläuferorganisationen. Ursprünglich aus den Hungeraufständen des 19. Jahrhunderts hervorgegangen, hat sie seitdem mehrere Veränderungen erfahren. Von Anfang an war sie gewalttätig, hat sich mit der offiziellen Gründung aber gegen die Verweltlichung des gesellschaftlichen Lebens gewendet. Sehr früh hat sie in andere Arabische Länder expandiert. Zu Beginn galt Ihr Kampf den Imperialen Mächten, später kamen der Antisemitismus und die Zusammenarbeit mit den Nazis hinzu. In den 1970ern wurde der gewaltlose Kampf propagiert, und gleichzeitig die Bewegung politisiert. Zu dieser Zeit war sie eher unbedeutend. Einzelne Mitglieder kandidierten zu verschieden Anlässen, mit zum Teil guten Erfolgen. Nach der Ermordung Anwar as-Sadats durch die Al-Dschihad – die zum militanten Teil der Muslimbrüder gezählt werden – ist die Organisation langsam wieder erstarkt, und ist heute die stärkste einzelne Politische Kraft Ägyptens. Sie hat den Ruf erlangt einen eher gemäßigten Islam zu propagieren. Die Tatsächliche Forderung nach Einführung der Scharia und zahlreiche Attentate und Bombenanschläge beweisen jedoch das Gegenteil.

  42. Ludvik Medved sagt:

    Im Lichte der vorausgegangen (sehr oberflächlichen!) Betrachtungen ist die heutige Situation leichter zu verstehen. Die Probleme Ägyptens resultieren aus der fundamentalen Abhängigkeit vom Ausland. Wer sein Volk nicht ausreichend selber ernähren kann, ist immer erpressbar. Dieses Problem hat Herr Mursi nicht einmal ansatzweise gelöst. Statt die Eigenversorgung des Landes aufzubauen, hat er die Lebensmittelimporte mit Hilfe immer neuer Kredite erhöht – durchaus im Sinne der Imperialisten, die die Muslimbrüder nach eigenem Bekennen doch bekämpfen wollen. Das hat einerseits den heimischen Landwirten geschadet, als auch die finanziellen Möglichkeiten der vielen Kleinstunternehmer beschnitten (importierte Inflation). Die Korruption wurde zwar in vielen Freitagsansprachen thematisiert, tatsächlich ist aber nicht einmal der Ansatz zu einer Lösung zu erkennen.
    EIGENTLICH hat Ägypten alle Voraussetzungen für eine blühende Wirtschaft. Das Bildungsniveau müsste noch erhöht werden, das ist in anderen muslimischen Ländern (Iran) schon vorbildhaft gelöst worden. Wichtige Infrastrukturprojekte sind begonnen, und könnten als Wachstumsmotor genutzt werden. Industrie und Handel sind gut entwickelt, so dass einem Aufschwung nichts entgegen steht. Es fehlt nur der politische Wille.
    Mursi hat damit bewiesen, dass er eine Politik der Unterwerfung unter den „Westen“ fortführen will, die eine grundlegende Verbesserung der Lebensumstände der Bevölkerung nicht erlaubt. Damit hat sich die Muslimbruderschaft als Marionette entlarvt. Das ist auch den Millionen Demonstranten klar, die umso erboster seinen Rücktritt gefordert haben. Wir dürfen nicht vergessen, dass die jüngere Geschichte den meisten Arabern sehr bewusst ist!
    Deshalb gehe ich nicht von manipulierten Demonstrationen aus, sondern sehe sie als Ausdruck tatsächlicher Interessen des Volkes.
    Jetzt kommt das Militär ins Spiel. Grundsätzlich ist eine Armee anziehend für Patriotische Menschen. Das können wir überall auf der Welt beobachten, von den USA bis China. Auch in der Bundeswehr hat man das schon festgestellt. In Ägypten ist die Armee sehr unabhängig von der Regierung, einmal durch die Verfassung und zum 2. durch die ausländische Finanzierung. Daraus ergibt sich eine Unbestimmtheit der Voraussage: Was überwiegt in diesem Fall? Der Patriotismus oder das Geld? Ich würde vermuten, dass es da keinen Widerspruch gibt. Die Generäle wollen unnötiges Blutvergießen auf jeden Fall vermeiden. Auch die USA haben kein Interesse an Unruhen bei ihrem „wichtigsten Verbündeten außerhalb der NATO“. Man kann davon ausgehen, dass das Vorgehen im Voraus abgesprochen war, und sich nicht viel ändern wird. Nach einer relativ kurzen Frist zur Beruhigung der Bevölkerung wird ein ähnliches System installiert wie es bisher bestanden hat, mit dem Unterschied das die Muslimbruderschaft etwas entmachtet wird. Die bisherigen Aktionen sprechen dafür: Verschiedene Köpfe dieser Organisation wurden inhaftiert, ohne sie völlig zu zerschlagen. Wahrscheinlich werden sie nach Neuinstallation der Ordnung wieder frei gelassen. Vielleicht wird man einige – zur Warnung an die anderen und Beruhigung der Bevölkerung – zu Haftstrafen verurteilen.

  43. rubo sagt:

    @Mary als „Pressesprecherin der westlichen Freiheit“
    sollten Sie den Beitrag von @Mister Panoptikum gründlich lesen und verstehen, damit Sie vom Schwarz-Weiß-Denken
    Abstand gewinnen.

  44. Mary J. sagt:

    @Rubo

    Danke, aber mir gefällt mein Schwarz-Weiß-Denken in dieser speziellen Hinsicht. Ich stehe dazu.

    Auf keinen Fall möchte ich etwa verwechselt werden mit derart Kulturrelativisten, die da meinen, Menschenrechte seien nur was für die Westler, nicht aber für die anderen, diese Wilden, weil die dafür eh nicht geeignet seien. Das hat für mich nämlich was von unterschwelligem Rassismus, auch wenn’s natürlich nicht so gemeint ist.

  45. Michael sagt:

    Nicht zu Vergessen: Der fremde Einfluss über ausländische Stiftungen und Nichtregierungsorganisationen, es gibt Milliarden für Entwicklungs- und Rüstungshilfe. Die Machthaber in den USA unterstützen ihre Interessen in Ägypten, pro Jahr mit 1,3 Milliarden Fed-Dollar an Militärhilfe.

  46. chicano sagt:

    @ heider

    „Eine Handpuppe des Imperiums wurde vorzeitig abberufen, die Frage ist warum. Wen werden die Puppenspieler als nächstes bringen, und wohin treibt Ägypten? Steht hier analog der Entwicklungen in Irak, Sudan, Libyen, Syrien … der nächste Nationalstaat zur Abwicklung an?“

    so schauts definitiv aus….
    gebracht wird eben ein gefälligeres püppche oder die ganz radikale ecke.

    variante eins beschlließt den kreis. für das superpüppchchen kam musrsi und auf mursi kommt ein neues……revolution beendet bis zum nächsten durchgang.
    variante zwei geht dann wirklich in richtung „völlige versenkung“

    ein ding auch wie fröhlich das volk dem militätputsch zu jubelt, denn nichts anderes ist es und er ist sicher nicht rechtmäßig, zumindest nicht, was eine junge demokratie-bwegung angeht.

    na ja……alles irre

  47. Michael sagt:

    Nachtrag: „Die Armee verfügt über … mehr als vier Milliarden Dollar, dazu kommen jährlich 1,3 Milliarden Dollar amerikanische Militärhilfe. Wie viel Geld das Militär mit seinen Geschäften verdient … Es gibt keine öffentliche Kontrolle seiner Wirtschaftsaktivitäten, weder durch das Parlament noch durch staatliche Rechnungsprüfer.“

    http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/geschaefte-von-aegyptens-armee-das-graue-reich-der-offiziere-1.1712514

  48. Yilmaz sagt:

    ich denke die einzige Ägypten Spezialistin die es hier auf´m Blog gab/gibt, ist „Claudia Wädlich“, die wirds wissen was mit der Muppet Puppe Mursi los ist…

    Der Protest ist klar inszeniert, das soweit, einerseits ist Ägypten ein Entwicklungsland und verhältnismässig arm, „ABER“ hat eine fast 400.000 Mann starke Armee…. wie passt das zusammen? Woher kommt das Geld für diesen großen Budget-Batzen? Warum steckt man die Gelder nicht in die Verbesserung der Landwirtschaft, in die Wasseraufbereitung usw.!? Wer hält sich so ein großes Heer obwohl fast kaum eine Bedrohung vorliegt? Kann das sein daß dieses Heer auch als Kanonenfutter für Geostrategische Belange benutzt und die Wirtschaft so am Boden gehalten wird?

  49. Mary J. sagt:

    „einerseits ist Ägypten ein Entwicklungsland und verhältnismässig arm, “ABER” hat eine fast 400.000 Mann starke Armee…. wie passt das zusammen?“

    Das passt perfekt zusammen. Ist fast schon geradezu typisch für Entwicklungsländer. Ägypten mit seinem Militärhaushalt von 3,4% des BIP ist da noch harmlos.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Streitkr%C3%A4fte_der_Welt

    Die Gründe dafür sind vielfältig. Eine der grundlegenden ist: Das Militär ist eine gute Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für junge Männer, die ansonsten arbeitslos wären, den ganzen Tag abhängen würden und dadurch womöglich auf dumme Gedanken kommen würden – wie zum Beispiel den Herrscher stürzen.

    „Wer hält sich so ein großes Heer obwohl fast kaum eine Bedrohung vorliegt“

    Sie werden sich noch umgucken. Ich tippe darauf, dass es keine 5 Jahre dauert, bis Ägypten einen Krieg mit Äthiopien vom Zaun bricht. Wetten?

  50. schnehen sagt:

    @Yilmaz

    „Der Protest ist klar inszeniert“ ???

    Ich habe auf Press TV Debatten verfolgt, bei denen Vertreter der Anti-Mursi-Protestbewegung ausführlich ihre Ansichten darlegten. Ihnen wurden stets Pro-Mursi-Befürworter gegenübergestellt.

    Die ersten fand ich in ihrer Argumentation sehr viel überzeugender als die Pro-Mursi-Leute, die eigentlich nur zwei Argumente hatten: Mursi sei demokratisch legitimiert und man müsse ihm mehr Zeit geben.

    Die ägyptische Opposition gegen Mursi umfasst die verschiedensten Gruppen, darunter auch den sog. 6. April, aber auch Pro-Verfassungsgruppen, Liberale, Revolutionäre, Nasseristen, Sozialisten und viele andere. Die Vertreter oder auch Vertreterinnen dieser Gruppen brachten überzeugende Argumente gegen Mursi wie

    seinen autoritären Führungsstil; seine mangelnde Dialogbereitschaft, die Tatsache, dass es den Ägyptern unter Mursi heute materiell schlechter geht als noch unter Mubarak wegen der hohen Inflation; die extrem hohe Arbeitslosigkeit besonders unter der Jugend, an der sich nichts geändert hat unter Mursi; die Unsicherheit im Land (Gewalt gegen Schiiten und Christen, gegen die Mursi nichts unternahm); die Tatsache, dass Mursi von Katar mit 8 Milliarden Dollar geschmiert wurde, dass er willkürlich die Beziehungen zu Assad abbrach und die Terroristen in Syrien unterstützt hat…

    Das Militär ist allerdings so eine Sache für sich. Da besteht immer noch eine große Abhängigkeit von den USA (jedes Jahr 1,3 Mrd. US-‚Hilfe‘, also keine Volksarmee!). Aber man muss das gesamte Militär sehen. Die Armee besteht aus 440.000 Soldaten, besitzt eine patriotische, volksnahe, antizionistische Tradition und ist auch ein großer Wirtschaftsfaktor. Die alten Mubarakkräfte sind noch nicht entmachtet, obwohl Tantawi abgesetzt wurde.

    Alles in allem spricht all dies nicht dafür, dass man die Protestbewegung von Langley (CIA) oder von Washington aus manipuliert hat, denn gerade Washington hat schon vor Mubaraks Sturz auf die Moslembruderschaft gesetzt und sie nach vorne geschoben. Dann könnte man auch sagen, dass die Pro-Mursi-Demonstrationen, die man jetzt erleben kann, von Geheimdiensten gesteuert sind?

    Grüße

  51. Hm, hm… Wie ist das eigentlich mit der Merkelei in der Bunten Republik in Doischelan? Ich meine, ist die nicht genau so demonkratisch an die Macht gekommen, wie der Mursi? Kann man die dann nicht auch wieder so absetzen?

    Und wenn nicht, warum nicht? Was können die Ägypter besser als wir?

  52. Claudia Wädlich sagt:

    @Yilmaz
    danke für die Blumen. In meinem Roman mit Sachbuchanteilen “ Das Sonnenschiff “ ebook, kindle edition, amazon, download 7,92 Euro, gehe ich auf die Geschichte der Muslimbruderschaft und die Rolle Mursis ein. Habe sehr tiefgehend recherchiert und mich im Land umgehört. Ausserdem Kontakt zu Ägyptern in Kairo.
    Mursi `s Politik entsprach im wesentlichen dem Willen der USA Chaos zu stiften, den Tourismus ausser Gefecht zu setzen, um das Land wirtschaftlich zu schwächen, dass dem Extremismus Tor und Tür geöffnet wird. Man blicke zum Irak, wo die dauernden Anschläge, die nicht wieder hergestellte Infrastruktur ein Traumszenario für die amerikanische Ölindustrie und die amerikanischen Geointeressen sind.
    Es geht um reine Kontrolle.
    In Ägypten sind alle Figuren auf dem geopolitischen Schachbrett der USA versammelt. Chaos, Interimslösungen, die mit Gewalt einhergehen, verschiedene Richtungen lassen ein weites Feld des gegeneinander Ausspielens zu. Mursi tat alles um den Yinonplan in Nordafrika voranzutreiben. Dass den Salafisten jetzt in die Hände gespielt wird, ist auch so eine teuflische Variante dieses Schachbretts.
    @schnehen
    Ob der von Mursi vorgeschlagene Gouverneur wirklich ein Terrorist ist, bleibt dahingestellt. Meine Zeugenschaft beim Anschlag gibt ein anderes Bild wieder: Die Attentäter waren Jemeniten oder Pashtunen, ich habe sie gesehen. Ägypter tragen auch keine Messer, mit denen sie grausam Verletzte massakrierten und Tote entstellten. Die Dschama `a ist eine von den USA unterstützte Organisaton, sie kann aber auch in deren Auftrag die Spuren verwischt haben, als sie sich zu dem Anschlag bekannten.
    Um den Dschungel der politischen Verwicklungen in seiner ganzen Entwicklung der letzten 16 Jahre nachzuvollziehen, kann ich nur auf mein Buch verweisen.
    Man darf die Entwicklung in Ägypten nur im Kontext mit der gesamten Region beurteilen, um ungefähr das Machtspiel dort zu durchschauen.
    Ich persönlich finde die Absetzung Mursis das einzige Mittel, um Ägypten langfristig zu befrieden, denn die Wiederherstellung des Tourismus, von dem die meisten Ägypter leben, muss die oberste Priorität haben. Natürlich ist El Baradei ein Mann der CIA, der USA. Er hat aber auf eine Präsidentschaftskandidatur verzichtet. Und as – Sisi hat gezeigt, dass er für das ägyptische Volk eingreifen kann, obwohl er der Traummann der Obamaadministration ist. Man denke an Arminius, der stand auch in römischen Diensten. Ich habe da ehrlich gesagt eher positive Erwartungen, was die Entwicklung angeht, denn die Ägypter sind mutiger als die Deutschen und passen sehr genau auf, was man ihnen vorenthält.
    Ich hörte von einer Ägypterin, dass kaum noch Lebensmittel in Kairo erhältlich sind und auch kaum Benzin. D.h., die Fellachen können ihre Produkte nicht mehr in Kairo anbieten.
    Das Land ist weiterhin von den Krediten des IWF abhängig. Auch da sollte vielleicht über eine Kurskorrektur in Richtung China nachgedacht werden.
    Die grosse Gefahr bleibt für das Land seine strategische Lage des Suezkanals und des Roten Meeres. Es geht nicht nur um Nachschub für Kriege, für den Öltransport; sondern das Land ist der Mittelpunkt des Kräftemessens der USA mit China, dem Handel Chinas über den Seeweg mit Europa und dem Hafen Piräus. Jeder Versuch Ägyptens, dort einen eigenständigen Weg einzschlagen, dürfte die USA mit Waffengewalt auf den Plan rufen. Militärbasen waren ebenfalls für das Land geplant, Mubarak lehnte das kategorisch ab. Die USA werden Ägypten immer an die kurze oder lange Leine nehmen, je nachdem welche Interessen sie verfolgen. Einer Regierung in Kairo bleibt nur übrig, den Eiertanz mit Blick auf Volkes Interesse. Und dazu bedarf es starker Persönlichkeiten, die durchsetzungsfähig sind und bleiben. Zu viele Köche um den heissen Brei dürfte die Position des Landes wiederum schwächen, wie es der Sturz Mubaraks gezeigt hat.
    Ich habe Herrn as – Sisi am Tag des Ablaufs des Ultimatum auf facebook gebeten, die Interessen des Volkes wahrzunehmen, das sich von Mursi im Stich gelassen fühlt, obwohl er der Wunschkandidat von der Administration Obama ist, in english. Ich habe ihn auch gebeten, die Ordnung insofern wiederherzustellen, dass die Touristen ins Land zurückkehren können, um die am Boden liegende Wirtschaft anzukurbeln und Investoren ins Land zu locken.
    Ob es ihm und der Interimsregierung gelingen wird, die Situation auf den Strassen in den Griff zu kriegen, daran hängt das Wehe des gesamten Landes. Auch fürchte ich die weitestgehende Einflussnahme der USA über das von ihnen beherrschte Innenministerium, dem die Polizei untersteht. Nach unserem Polizei – und Ordnungsrecht ist die Herstellung von Ordnung absolut möglich. Aber machtpolitische Eingriffe können das Gelingen unterbinden.
    Ich wünsche mir jedenfalls, dass es dennoch gelingen wird und die Ägypter einen Weg finden mögen, einen modus vivendi mit den USA herzustellen, der ohne Extremisten, Anschläge, Religionsauseinandersetzungen in der Zukunft auskommen wird.

  53. Yilmaz sagt:

    @ Claudia Wädlich
    na, da ist doch die richtige Information aus Ägypten, vielmals danke Claudia!!
    Ich denke ein Auslandsreport – „Ägypten- wie geht es weiter?“ von Claudia Wädlich – wäre in der Compact angebracht.

  54. Ägypten
    El Baradei soll neue Regierung führen
    http://www.faz.net/aktuell/aegypten-el-baradei-soll-neue-regierung-fuehren-12273536.html

    Sieh mal einer an, tz, tz, tz. Da haben sich die 1,3 Mrd Investition in das ägyptische Militär doch noch bezahlt gemacht. So etwas nennt man wohl „Return on Investment“. Da muß Obomba nicht mal mehr bombsen…

  55. Blue sagt:

    @Claudia Wädlich: Hut ab vor ihren Recherchen und Erfahrungen. Vielleicht kaufe ich mir auch das Buch. Auf jeden Fall kann ich ihrem gesamten Text im Prinzip nur zustimmen, wie auch die allermeisten hier, denke ich mal.

    Ich wünsche dem ägyptischen Volk, dass es seinen Frieden findet. Das Volk muss geeint sein, die Religion oder Ideologien dürfen keine Kluft mehr verursachen und der Einfluss westlicher Mächte muss eingedämmt werden. Ägypten hat das Potenzial, zu einer echten Macht zu werden, was die geostrategische Lage betrifft. Nichts könnte imperialistischen Mächten mehr schaden als ein Volk, das ganz, oder zumindest in großen Teilen, hinter seiner momentanen Führung steht und die Geschicke des Landes mitbestimmt. Und den Suezkanal als auch den Großteil des Nils unter Kontrolle zu haben sind immer noch gute Voraussetzungen für einen Aufstieg.

  56. Mary J. sagt:

    „El Baradei soll neue Regierung führen
    http://www.faz.net/aktuell/aegypten-el-baradei-soll-neue-regierung-fuehren-12273536.html

    Sieh mal einer an, tz, tz, tz. Da haben sich die 1,3 Mrd Investition in das ägyptische Militär doch noch bezahlt gemacht. “

    >>Präsident Mansur zieht ElBaradeis Nominierung zurück<<
    http://www.spiegel.de/politik/ausland/aegypten-praesident-mansur-zieht-nominierung-von-elbaradei-zurueck-a-909846.html

    Tz, tz, tz…..Verschwörungstheorie kaputt….😉

  57. Mary J. sagt: Juli 7, 2013 um 07:22

    “El Baradei soll neue Regierung führen
    http://www.faz.net/aktuell/aegypten-el-baradei-soll-neue-regierung-fuehren-12273536.html

    Sieh mal einer an, tz, tz, tz. Da haben sich die 1,3 Mrd Investition in das ägyptische Militär doch noch bezahlt gemacht. ”

    >>Präsident Mansur zieht ElBaradeis Nominierung zurück<<
    http://www.spiegel.de/politik/ausland/aegypten-praesident-mansur-zieht-nominierung-von-elbaradei-zurueck-a-909846.html

    Tz, tz, tz…..Verschwörungstheorie kaputt….😉

    Oder die Verschwörungspraxis mißlungen, vielleicht… Was meinen Sie? Alles nur der seltsame Gott namens Zufall, Vorname Reiner?

  58. Mary J. sagt:

    „Oder die Verschwörungspraxis mißlungen, vielleicht… Was meinen Sie?“

    Damit wäre ich einverstanden.

    Das würde nämlich heißen, die Amis sind doch nicht diese allmächtigen Strippenzieher, sondern betreiben einfach nur gewöhnliche Interessenpolitik. Und da diese allgemein bekannt ist, ist sie somit auch keine Verschwörung.

    Sie ist doch bekannt, oder?

    Dass die Amis nicht einfach nur so aus Spaß und Nettigkeit seit 30 Jahren Milliarden von Dollar in das ägyptische Militär pumpen, sondern um damit was zu bezwecken, sollte doch für jeden klar denkenden Menschen kein Geheimnis sein. Oder doch?

  59. Dr. Gunther Kümel sagt:

    Das Geschehen in Ägypten ist nicht eindeutig einzuordnen.
    Ägypten ist ein sehr wichtiges Land. Welche Motivation die einzelnen handelnden Parsonen haben und welche Großmacht wann und wie interveniert, ist unklar.

    Es kann durchaus sein, daß der Putsch durch Obamas Sicherheitsberaterin Rice angeordnet wurde.

    http://willyloman.wordpress.com/2013/07/06/egyptian-military-coup-ordered-by-obamas-national-security-advisor-susan-e-rice-new-york-times/

    „This ends the debate as to what this colour revolution really was.
    They offered President Morsi the opportunity to stay on as a kind of figurehead puppet, but he had to give up control to a prime minister and cabinet hand picked by Washington. Morsi refused and Susan E. Rice gave the order for the military coup to begin.
    As President Mohamed Morsi huddled in his guard’s quarters during his last hours as Egypt’s first elected leader, he received a call from an Arab foreign minister with a final offer to end a standoff with the country’s top generals, senior advisers with the president said.
    The foreign minister said he was acting as an emissary of Washington, the advisers said, and he asked if Mr. Morsi would accept the appointment of a new prime minister and cabinet, one that would take over all legislative powers and replace his chosen provincial governors.
    The aides said they already knew what Mr. Morsi’s answer would be. He had responded to a similar proposal already by pointing at his neck. “This before that,” he had told his aides, repeating a vow to die before accepting what he considered a de facto coup and thus a crippling blow to Egyptian democracy.
    His top foreign policy adviser, Essam el-Haddad, then left the room to call the United States ambassador, Anne W. Patterson, to say that Mr. Morsi refused. When he returned, he said he had spoken to Susan E. Rice, the national security adviser, and that the military takeover was about to begin, senior aides said.

    New York Times

  60. S. Meyer sagt:

    Sicher, zum Jubeln ist es noch zu früh, der kommende Weg noch überhaupt nicht zu erkennen. Was mich jedoch zutiefst beeindruckt ist, dass es das Ägyptische Volk zum 2ten mal geschafft hat durch relative friedliche Demonstrationen sich seines Oberhauptes zu entledigen.

    Amtsmißbrauch und Korruption wird es auch weiterhin geben, aber es scheint, dass es einen kritischen Punkt gibt ab dem es vom Volk nicht mehr toleriert wird, Entscheidend ist nicht was für Politiker an der Macht sind, sondern ob das Volk bereit ist sich für etwas einzusetzen und das haben die Ägypter mehr als unter Beweis gestellt.

    Dafür zolle ich gerne Respekt und dafür darf man durchaus auch Jubeln.

  61. Dr. Gunther Kümel sagt:

    @ Meyer: „Jubeln“ ??

    Sie unterstellen, die Ursache des Umsturzes sei vorwiegend Unzufriedenheit der Bevölkerung mit Korruption gewesen.

    Es gibt auch ganz andere Resultate der Analysen.
    Vielleicht war es ein gelenkter Umsturz der demokratischen Ordnung und das Volk wurde wieder einmal betrogen?

    Wenn die Generale den demokratisch gewählten Amtsinhaber aus dem Amt putschen, sollte man genau hinschauen.

  62. schnehen sagt:

    Die Generale haben Mursi aus dem Amt gejagt (und mit ihm über einhundert weitere ‚Brüder‘), weil fünf Tage lang mehr als jeder dritte Ägypter (Bevölkerung: 84 Millionen, 33 Millionen waren eine Woche lang unterwegs. Quelle: voltairenet.org) gegen die Moslembruderschaft unterwegs war, um diesen extremistischen, pseudoislamischen Klüngel aus den Regierungsämtern zu jagen.

    Ein Putsch ist etwas ganz anderes: Ein Putsch ist eine Palastrevolte, ohne Unterstützung aus der Bevölkerung, wobei die Revoltierenden die Macht behalten wollen.

    Das ägyptische Militär hat sofort die Macht wieder delegiert und eine Übergangsregierung einsetzt. Von einem Putsch im landläufigen Sinn kann also keine Rede sein.

    Noch nie hat es in Ägypten eine so große Massenbewegung gegeben. Selbst die Bewegung 25. Januar 2011 gegen Mubarak reicht an diese Dimensionen nicht heran.

    Mursi war der Kandidat der USA und Katars. Bis zuletzt hat die US-Botschafterin Patterson in Kairo an Mursi festgehalten. Erst als klar war, dass er nicht mehr zu halten war, hat man in Washington die Kurve gekriegt und seine Absetzung befürwortet (Telefonat zwischen al Sisi und Chuck Hagel).

    Katar hat die Moslembruderschaft mit immensen Mitteln finanziert, auch um sich den Suezkanal, der privatisiert werden sollte, anzueignen.

    Mursi selbst besitzt die US-Staatsbürgerschaft und hat bei der NASA als Raumfahrtingenieur gearbeitet. Seine Moslembruderschaft, z. B. die Frauenabteilung, wird direkt von Washington und London aus angeleitet.

    Der Sturz Mursis ist ein empfindlicher Rückschlag für den US-Imperialismus und den Zionismus. Er wurde auch, und das sollte man nicht vergessen, durch die Ereignisse in der Türkei mit ausgelöst, die von den Ägyptern aufmerksam verfolgt wurden. Hier steht ebenfalls ein Moslembruder namens Erdogan gewaltig vonseiten des Volkes unter Druck und auf der Abschussliste. Er verfolgt ähnlich wie Mursi ein neoliberale, proimperialistische Politik auf Kosten der überwiegenden Mehrheit des türkischen Volkes und genauso wie Mursi unterstützt dieser Sultan die Terroristen in Syrien und damit die Agenda der USA und Israels im Mittleren Osten.

  63. juergenelsaesser sagt:

    Schnehen: Die Sache ist nicht ganz so glatt, wie Sie denken. Wie erklären Sie sich, dass nicht nur Syrien, sondern auch Saudi-Arabien den Machtwechsel unterstützt? Kommen Sie da nicht ins Grübeln?

  64. IronCandy sagt:

    @JE
    Die These von Webster Tarpley ist:

    Mursi wollte Syrien den Krieg erklären und ägyptisches Militär schicken…

    Hintergrund ist ein Treffen zwischen ihm und einigen Fundamentalisten wo er den Heiligen Krieg erklärt.

    Hab die Sache nicht mehr so gut im Kopf aber vielleicht mal sowas beim nächsten Betrag zu dem Thema im Hinterkopf behalten.

  65. agrikult sagt:

    Diesen Satz oben von Leser123 vom 4.Juli finde ich großartig! Da muß man wirklich nichts hinzufügen:
    „Das Militär erhält ein Jahresbudget von 1,3 Milliarden USD aus den U.S.A. und bleibt somit unabhängig.“

  66. claus sagt:

    Bei allen Argumenten hin oder her, politisch sinnvoll oder nicht, halte ich es für sehr bedenklich das die Armee entscheidet, die Armee die eigentlich unpolitisch sein sollte. Eine sauberer Machtwechsel ist es nicht und erst Neuwahlen so schnell wie möglich und die Freilassung von Mursi können es wieder ins richtige licht rücken…

  67. IronCandy sagt:

    „““Bei allen Argumenten hin oder her, politisch sinnvoll oder nicht, halte ich es für sehr bedenklich das die Armee entscheidet, die Armee die eigentlich unpolitisch sein sollte. Eine sauberer Machtwechsel ist es nicht und erst Neuwahlen so schnell wie möglich und die Freilassung von Mursi können es wieder ins richtige licht rücken…“““

    Angenommen ein Hitler wird demokratisch gewählt und ein das Militärputscht ihn weg. Ist dass jetzt für dich immernoch böse?

    Leute leute ihr habt echt nichts aus der Geschichte gelernt oder?

    Es geht um den Lebensstandard des Einzelnen, um Ressourcen. Mursi ist ne Puppe des Westens der den IWF ins Land geholt hat und die Wähler die ihm geglaubt haben er werde den Lebensstandard verbessern einfach nur benutzt und verraten hat.

    17mio Wähler von was 70… ist keine Mehrheit!
    Ironischerweise ist er sogar besser vergleichbar mit Hitler als unser guter alter Assad, denn er ist durchaus ein Antisemit.

    „Armee die eigentlich unpolitisch sein sollte“

    Wovon träumst du eigentlich?

    „Unpolitisch“ wtf ??!! Es gibt nichts unpolitisches! ALLES IST POLITISCH ALLES.

    Die Armee besitzt in Ägypten sogar einen nicht unerheblichen Teil der Wirtschaft und hat nen eigenen Kandidaten bei den Wahlen ins Rennen geschickt.

  68. schnehen sagt:

    @IronCandy

    Assad ist kein Antisemit, sondern ein Antizionist. Das ist ein Unterschied.

    Aber ich wollte auf das kommen, was Webster G. Tarpley zum Putsch der Armee sagte, und man kann dies nachlesen oder nachhören auf seiner Seite, z. B. wenn man sich anhört, was dieser hervorragende Intellektuelle, der bemerkenswerte Bücher geschrieben hat (darunter die unauthorisierte Bush-Biografie oder seine Analyse zu 9/11) auf seinem World Crisis Radio sagt (gehe auf TARPLEY.net).

    Tarpley spricht von einem Counter-Coup gegen das Morsi-Regime. Dieser Coup kam erst zustande, als 33 Millionen Ägypter aktiv wurden und sich an einer in der ägyptischen Geschichte bisher beispielslosen Massenmobilisierung gegen die Moslembruderschaft beteiligten. Der ‚Coup‘ hatte also scheinbar die Unterstützung einer breiten Mehrheit der Bevölkerung. Nicht unterstützt wurde er von der US-Botschafterin Patterson, die bis zuletzt an Morsi festhalten wollte. Auch Susan Rice oder ein John McCain spiehen Gift und Galle gegen das ägyptische Militär. Erst nach dem sog. Putsch sprangen Obama, aber auch Saudi Arabien auf den fahrenden Zug auf und unterstützten die Aktion, die sie aber gar nicht gewollt hatten, denn Morsi und die MB waren ihre engsten Verbündeten, die sie gegen Assads Syrien ins Spiel bringen wollten, und zwar auch militärisch gesehen.

    Tarpley ist der Meinung, dass das ägyptische Militär differenziert gesehen werden muss. Er spricht von nasseristischen, national orientierten Kräften, die nicht als US-hörig anzusehen seien, die den Ausschlag bei der Entscheidung, Morsi abzusetzen, gegeben hätten.

    Er analysiert auch die Rolle der Moslembruderschaft in Ägypten, die immer schon eine reaktionäre, konterrevolutionäre Rolle gespielt habe. Die Briten mobilisierten die MB gegen Nasser in den fünfziger Jahren, um eine wirklich fortschrittliche und nichtpaktgebundene Orientierung Ägyptens zu verhindern.

    Bemerkenswert ist auch, was die neue Übergangsregierung beschlossen hat:

    Die Wiederherstellung der Beziehungen zu Syrien;
    die Zurückweisung des Internationalen Währungsfonds (Morsi wollte sich durch die Aufnahme von Milliardenkrediten von diesem Instrument des Imperialismus abhängig machen, was zur Abschaffung der Lebensmittelsubventionierungen geführt hätte).

    Die Absetzung von Morsi wurde auf den Straßen frenetisch bejubelt. Viele Menschen tanzten auf den Straßen, als die Nachricht kam, dass das Militär eingegriffen habe, darunter viele Frauen mit Kopftüchern. Man konnte die Bilder auf Russia Today sehen.

    Welche Kräfte im ägyptischen Militär nun die Oberhand gewinnen werden, bleibt abzuwarten, besonders bleibt abzuwarten, ob die Militärführung unter al Sissi ihr Versprechen einhält, nach der Übergangsperiode Neuwahlen zuzulassen, wovon ich aber ausgehe. Wichtig ist aber vor allem, ob es gelingen wird, auch Kräfte der MB mit einzubeziehen, denn sonst wird diese prozionistische Truppe alles versuchen, um Ägypten an den Abgrund zu bringen, was ganz im Interesse Israels ist.

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