Elsässers Blog

19. September, Berlin: die Identitären kommen! Mit Sellner, Kubitschek, Elsässer. Halong-Hotel, Leipziger Str. 54, Beginn 19 Uhr

Tanz den Lukaschenko! Heiße Nächte in Minsk!

Nur in COMPACT: Der ultimative Disco-Test aus Minsk, der Hauptstadt eines sogenannten Schurkenstaates. Foto: COMPACT-Autor David Stockinger beim belorussischen Praxistest.

Aus der aktuellen COMPACT-Ausgabe 10/2012. COMPACT kann man hier bestellen.

Tanz den Lukaschenko!

In der westlichen Propaganda ist Weißrussland ein Schurkenstaat. Dabei nehmen Land und Leute den unvoreingenommenen Besucher höchst freundlich auf. Und das Nachtleben in Minsk kann sich sehen lassen.

Von David Stockinger

Belarus – so die Eigenbezeichnung Weißrusslands in der Landessprache – ist in jeder Hinsicht ein Hybridland. Einerseits hat es im Gegensatz zum übrigen Osteuropa die positiven Errungenschaften und Traditionen aus der sowjetischen Zeit nicht einfach über Bord geworfen und keinen „Bildersturm“ betrieben. Andererseits ist man aber trotzdem offen für Experimente und für Neues.

Viel Wert wird auf die eigene Kultur gelegt, die ihrerseits eine Mischung aus originär weißrussischen mit ukrainischen, polnischen, russischen und baltischen Elementen darstellt. Die Förderung der Museen, Theaterhäuser, der Oper, des Balletts und des Nationalzirkus hat für den Staat Priorität. Freunde von gediegener klassischer Unterhaltung werden auf ihre Kosten kommen. Die Tschaikowski-Aufführungen in der Staatsoper kann ich nur jedem empfehlen!

Im westlichen Mainstream wird Belarus als in sich gekehrt und abgeschottet präsentiert und seine Bürger als uninformiert und unaufgeklärt beschrieben – Opfer der angeblich „letzten Diktators Europas“ sozusagen, des – apropos „Dikator“ – mehrfach mit großen Mehrheiten gewählten Präsidenten Alexander Lukaschenko. Wie primitiv die westliche Propaganda ist, wird einem Besucher, der in guter Absicht und mit offenem Herzen das Land bereist, schnell auffallen. Als Fremder ist man auf allen Wegen wohl behütet, denn im Unterschied zum übrigen Osteuropa sind die Straßen sicher und die Kriminalität ist nahe am Nullpunkt, und wenn man irgendwo nicht weiter weiß, eilen immer Einheimische mit ihrer unendlicher Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft zu Hilfe.

(…)
Wenn in Minsk die Nacht hereinbricht und die in den Nationalfarben Rot und Grün gehaltene Straßenbeleuchtung angeht, sammeln sich viele junge Menschen in den Bars am Hauptprospekt und in den Nebenstraßen im Zentrum. Ein Hotspot ist das Golden Coffee (Prospekt Nezavisimosti 18). (…) Danach geht es meistens weiter in die Clubs und Diskotheken, die sich in den letzten 15 Jahren rasant entwickelt haben. Die bekanntesten sind:

Dozari, Nezavisimosti 58: Die mit Abstand angesagteste Location der Hauptstadt wurde erst 2011 eröffnet. Gespielt wird moderne Disko- und Dance-Music, an speziellen Tagen wird den Besuchern mit Feuershows oder Tänzerinnen eingeheizt. Die Trümpfe vom Dozari sind sicherlich die großräumige Tanzfläche und der Multimedia Bildschirm mit Lichtorgel. Ein Muss für Nachtschwärmer!

Overtime, Prospekt Pobeditelej 4: Direkt unter dem Minsker Sportpalast im realsozialistischen Baustil  zieht das Overtime mit der längsten Bar in Minsk ein gemischtes Publikum an. Selbst eingefleischte Party-Gänger werden von der Atmosphäre begeistert sein. Die Musik ist ein Mix aus House, 90ies, RnB, weißrussischen und russischen Songs.

Next, Ulitsa Kirova 13, im dritten Stock des Crown Plaza Hotels: Hier geht man hin, um Leute kennenzulernen! Der Club besticht mit aufwändigen Tanz-Performances, man kann Wasserpfeifen rauchen und ausgelassen auf der kreisrunden erhobenen Tanzfläche Spaß haben.

Westworld, Ulitsa Storozhevskaya 15a, dem Hotel Belarus angeschlossen: Einer der ältesten Disko-Clubs in Minsk, zieht vor allem die Jugend der nächstliegenden Plattenbau-Siedlungen an. Die Getränkepreise sind wesentlich günstiger als anderswo, die Drinks jedoch nicht schlechter. Im Westworld kann es schon mal heiß hergehen, manchmal muss auch die Miliz eingreifen.

Im Allgemeinen zahlt man in den Minsker Clubs und Diskotheken zwischen fünf und 15  Euro Eintritt. Die Getränke sind im Vergleich zu westeuropäischen Clubs dieser Klasse günstig.

Eine weißrussische Begleitung ist natürlich von Vorteil. Aber auch wenn man allein kommt, ist es kein Problem. Man kommt sehr schnell mit den Leuten ins Gespräch, sie sind sehr offen. Und wenn man der russischen Sprache nicht mächtig ist, kommt man auch mit Englisch durch.

Trotzdem die Nächte in Minsk sehr unterhaltsam sind, würde ich die Stadt nicht auf Nachtleben und Kulinarik reduzieren. Belarus bietet mehr – Kultur und Geschichte, einzigartige Naturreservate, Sehenswürdigkeiten. Trotz – oder gerade wegen – der Sanktionen, die die USA und EU gegen ihr Land verhängt haben und trotz der üblen Nachrede aus dem Ausland freuen sich die Belarussen immer über einen ehrlichen und offenen Dialog mit Fremden.

(…)  ((Vollständiger Text mit Anfahrtstipps lesen in der Printausgabe COMPACT 10/2012))

Einsortiert unter:Uncategorized

11 Responses

  1. Paul Singles UK sagt:

    Kharascho, David! I can only confirm your observations.

    Not to forget that the main reason for US-sponsored propaganda against Belarus is it’s closeness to Russia. To get Russia down ist the main target of US war-gamers, and Belarus would be a wonderful platform or bridgehead to then penetrate Russia more easily. The socalled democrats in Belarus are „supported“ by western „foundations“ (i.e. money and ideology), but have only poor roots in the common population.

  2. Gantenbein sagt:

    Was ist die Botschaft? Kein Schurkenstaat, weil die Leute freundlich und es sich gut und für westeuropäische Verhältnisse günstig feiern läßt?

  3. Wildvögelein sagt:

    Richtig! Man sollte sich immer selbst und vor Ort einen Eindruck von einem Land und seinen Bewohnern verschaffen und nie aus der Ferne – auf Gerüchte und Klischees hörend – (vor)urteilen.
    Vermutlich reicht aber auch ein kurzer (touristischer) Besuch nicht aus, die wahre Lebenswirklichkeit eines Landes in Gänze zu erfassen. Vieles bleibt dem Gast und Kulturfremden verschlossen. Ausländer die Deutschland besuchen, blicken auch nicht gleich in unser Herz und hinter die politischen Kulissen. Manche sogar nach Jahren Aufenthalt noch nicht.

  4. MultiStar83 sagt:

    „Jetzt verteidigt der Elsässer auch noch den `letzten Diktator Europas` Lukaschenko“, wird es sicher auf den einschlägigen Blogs wieder mal heißen. Dabei ist das mal eine willkommene Abwechslung zum Mainstream-Gelaber „Weißrussland ist eine pöse pöse Diktatur“, etc. Macht doch Vergleichbares auch mal mit anderen sogenannten „Schurken- bzw. Halbschurkenstaaten“ wie Ukraine, Ungarn, Venezuela, Bolivien, Nicaragua oder Ecuador. Russland und Iran habt ihr ja eigentlich schon ziemlich abgearbeitet, aber auch über diese Länder gibt es immer wieder interessante „alternative“ Möglichkeiten für Reportagen und Berichte.

  5. heinzi schmolke sagt:

    Die weißrussischen Nationalfarben sind eigentlich weiß-rot-weiß (1918 verwendet) und die weißrussische Sprache wird von Lukaschenko nicht gefördert. Ein Patriot ist er jedenfalls nicht. Ein Sowjetnik halt.

  6. Y.Jones sagt:

    Multistar: gute idee..

  7. Mary J. sagt:

    „Macht doch Vergleichbares auch mal mit anderen sogenannten “Schurken- bzw. Halbschurkenstaaten” wie Ukraine, Ungarn, Venezuela, Bolivien, Nicaragua oder Ecuador.“

    Nicht noetig, denn es wird das gleiche Ergebnis bei rauskommen. Die einfachen Menschen sind ueberall nett und freundlich, daher sagt das rein gar nichts darueber aus, wie schurkisch ein Staat ist.

  8. chicano sagt:

    OT @ jürgen den alten recken

    danke für deinen steinbrück-post im neuen compact!!
    überhaupt, ne ganz starke ausgabe…..bravo!

  9. chicano sagt:

    @ mary

    „Die einfachen Menschen sind ueberall nett und freundlich, daher sagt das rein gar nichts darueber aus, wie schurkisch ein Staat ist.“

    zweifelsohne richtig….

  10. Bär sagt:

    Hallo Jürgen, Lieber David

    komisch ich dachte, daß Milosevic-Serbien der letzte Schurkenstaat Europas gewesen ist. Hieß es damals, 2001, nicht so in den Medien.
    Aber nein, aus den Medien wird man jetzt belehrt, daß die
    Demokratie in Europa noch immer nicht komplett Einzug gehalten hat. Dieses Lukaschenko-Weißrußland paßt wohl nicht ganz in unser friedliche europäische Völkerfamilie und Wertegemeinschaft. Hat die EU nicht unlängst dafür einen tollen Preis gewonnen.
    Man erhöht bei uns ganz demokratisch, wie unlängst in Wien, die Mieten im Gemeindebau um 10% (für neue Mietverträge), während im Lande des letzten Dikataors Europas immer noch keine Mieten zu zahlen sind, weil die Wohnungen alle im Eigentum der Bürger sind.
    Ist diese Politik Lukaschenkos vielleicht der Grund, ihn als letzten Dikator Europas zu bezeichnen.

    PS: Und ich könnte mir gut vorstellen daß ein Österreich HC Straches einen guten letzten Dikator Europas abgeben würde, sollte der hiesige letzte Dikator mal durch eine humanitäre Intervention abgesetzt worden sein. (Dann müßten die europäischen Gutmenschen halt statt einen bösen Stalinisten eine ganz ganz bösen Faschisten beseitigen)

    lg Bär

  11. Anonymous sagt:

    „…sind die Straßen sicher und die Kriminalität ist nahe am Nullpunkt…“

    Das ist eine starke Aussage wenn man bedenkt, dass der Autor einen Kurzurlaub dort verbracht hat.

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