Erfolgsmodell Island: Aus der Krise – ohne Euro!

Netanjahu – Der Irre von Tel Aviv
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Auszug aus der aktuellen Oktober-Ausgabe von COMPACT-Magazin

+++ Nicht vergessen: COMPACT-Live „Ist die BRD ein souveräner Staat“ mit dem Philosophen Peter Feist: Donnerstag, 18.10., 19 Uhr, Berlin-Mitte, „Viethaus, Leipziger Str. 54/55 +++

Ganz Europa ist im Würgegriff der Finanzmärkte. Ganz Europa? Nein, eine kleine Insel im Nordmeer hat sich befreit. Natürlich ohne EU.

Auszug aus COMPACT 10/2012.:

Das isländische Wunder

Von Raphael-Maria Grünwald

Mit Blick auf die Entwicklung in Island seit dem Ausbruch der Finanzkrise im Jahre 2008 drängt sich unweigerlich eine bekannte Wendung aus den Asterix-Comics auf: Die ganze Welt ächzt unter der Knute der internationalen Finanzmärkte? Nein! Die unbeugsamen Isländer hören nicht auf, Widerstand zu leisten – und haben auch noch Erfolg damit. Dass die Nordmeer-Insel, bis zum Ausbruch der Finanzkrise so etwas wie das Eldorado der Finanzmarktliberalisierung, den in der Geschichte dieses Landes beispiellosen Absturz erfolgreich bewältigen konnte, ist ein Lehrstück, das eine nähere Betrachtung verdient.
„Island war vor der Krise kein Land mit Banken, sondern ein gigantischer Hedge-Fonds mit einem kleinen angeschlossenen Land“, konstatieren die „NachDenkSeiten“ zu Recht. Abgesehen von den Steueroasen gab es vermutlich keinen anderen Staat, der sein Finanzsystem so frei schalten und walten ließ, wie es auf Island der Fall gewesen war. Die Isländer wussten die ihnen offerierten, vermeintlichen Vorteile reichlich zu nutzen: ihr Einkommen war vor Ausbruch der Finanzkrise mit durchschnittlich 213 Prozent beliehen; die durchschnittliche Verschuldung eines US-Haushaltes betrug zu diesem Zeitpunkt rund 140 Prozent. Der Status Islands, nämlich gemessen an der Jahreswirtschaftsleistung (BIP) eine der reichsten Nationen der Welt zu sein, stand also auf tönernen Füßen.

Die Nettoauslandsverschuldung erhöhte sich im letzten Jahrzehnt vor der Krise fünfmal so stark wie das BIP und übertraf es schließlich um das Doppelte. 80 Prozent der Schulden entfielen auf die drei großen isländischen Banken Kaupthing, Glitnir und Landsbanki, die um die Jahrtausendwende privatisiert worden war. Um bei ihren Geschäften eine möglichst große „Hebelwirkung“ zu erzielen, hatten diese Banken umfängliche Kredite aufgenommen. Mit dem Ausbruch der Finanzkrise und nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers, der eine dramatische Kreditverknappung nach sich zog, erhielten Islands Banken plötzlich keine Kredite mehr. Deren Strategie beruhte darauf, langfristige Geschäfte mit kurzfristigen Geldmarktkrediten zu finanzieren; ein Modell, mit sich vor Ausbruch der Krise glänzende Geschäfte machen ließen. Damit war bei Ausbruch der Krise quasi über Nacht Schluss. Verschärfend kaum hinzu, dass die Anleger ihr Geld von der Insel abzogen, was einen rapiden Kursverfall der isländischen Krone nach sich zog. Das Land geriet nicht nur in eine existenzielle Krise – die Situation schien geradezu aussichtslos.

In dieser bedrohlichen Lage warfen die Isländer das Steuer mutig um 180 Grad herum und setzten zu einem „Roll back“ in Sachen Finanzmarktliberalisierung an. Während andere Staaten, so als wenn nichts geschehen wäre, ihre Banken schlicht weiterzocken ließen, wurde auf Island eine rigorose Finanzmarktaufsicht ins Werk gesetzt. Dabei machte man Nägel mit Köpfen: Kapitalverkehrskontrollen sorgten dafür, dass eine Kapitalflucht vermieden werden konnte. Das inländische Kerngeschäft wurde den alten Banken entwunden und in neue Banken transferiert.Das Eigenkapital für die neuen Banken brachte der isländische Staat auf. Die alten Banken blieben aber nicht nur auf ihren Schulden sitzen; deren leitende Manager erhielten sogar Haftbefehle zugestellt. Auch diese Haftbefehle kamen nicht von ungefähr: Die isländische Regierung stellte 100 Sonderermittler zusammen, die Jagd auf jene Bankster machen sollen, die das Land in die schlimmste Wirtschaftskrise seiner Geschichte hineinmanövriert haben. Ein in der Eurozone oder den USA völlig undenkbarer Vorgang, wo den verantwortlichen Bankmanagern noch millionenschwere Abfindungen hinterhergeworfen wurden. Bemerkenswert bleibt in diesem Zusammenhang auch die Verurteilung von Geir Haarde, Islands Regierungschef bei Ausbruch der Krise im Jahre 2008. Er wurde wegen „grober Amtsfehler“ verurteilt, blieb allerdings straffrei. Haarde sah das alles natürlich ganz anders und bezeichnete den Prozess gegen ihn als „Farce“; seine wenig überzeugende Auskunft lautete, dass niemand voraussehen konnte, „dass so etwas Krasses mit dem Bankensystem passieren würde“.

(…)
Das antiliberale „Roll back“ der isländischen Politik forderte auch Opfer, aber nicht in der breiten Masse der Bevölkerung. Das Nachsehen hatten insbesondere Banken und Hedgefonds, die ihre Forderungen gegen isländische Banken komplett abschreiben mussten. Die niederländischen und britischen Kunden der Landsbanki-Tochter Icesave, einer Onlinebank, die von hohen Renditen angezogen worden waren, erhielten von ihren Staaten deshalb eine volle Kompensation. Die Niederlande und Großbritannien hatten die Rechnung allerdings ohne den Wirt gemacht. Der Versuch beider Staaten nämlich, Island einen Schuldvertrag diktieren zu wollen, mit dem sowohl die Niederlande als auch Großbritannien für ihre Kompensation der Icesave-Kunden entschädigt werden sollten, stieß auf den entschiedenen Widerstand der Isländer. Widerstand, der verständlich ist: Hätte die Regierung in Reykjavik den Knebelvertrag unterzeichnet, wäre auf jede isländische Familie eine Last von nahezu 50.000 Euro entfallen – das ist mehr, als auf deutsche Familien durch den Versailler Vertrag entfallen ist. Verschärfend kam hinzu, dass das britische Finanzministerium bei seinem Vorgehen gegen Island die britischen Antiterrorismusgesetze geltend machte; auf diese Grundlage wurden zum Beispiel die britischen Guthaben der Landsbanki eingefroren. Entsprechend groß war die Empörung unter den Isländern; Island wurde mit diesem Vorgehen quasi einer terroristischen Organisation gleichgestellt.

Die anfängliche Zusage der liberal-konservativen Regierung Haarde, das niederländisch-britische Schulddiktat zu unterzeichnen, nahm die Linksregierung unter Ministerpräsidentin Sigurðardóttir wieder zurück. Sie drängte auf eine deutliche Milderung der Konditionen, was wiederum auf den Widerstand Großbritanniens und der Niederlande stieß, die unter anderem den Zugang Islands zu Hilfsgeldern des Internationalen Währungsfonds (IWF) zu blockieren versuchten. Das isländische Parlament (Althing) knickte daraufhin ein und stimmte einer Neufassung der Schuldverträge zugunsten der Gläubigerstaaten zu. In jedem anderen Land wäre an diesem Punkt der Kampf vermutlich verloren gewesen. Nicht so in Island: Fast jeder vierte Inselbewohner unterzeichnete eine Protestpetition gegen das Schulddiktat, wochenlang wurde bei Eis und Schnee vor dem Althing gegen den Parlamentsbeschluss demonstriert. Das Engagement der Bürger zeigte Wirkung: Präsident Ólafur Ragnar Grímsson verweigerte Anfang Januar 2010 die Unterzeichnung des Gesetzes und ließ ein Referendum durchführen. Die Folge: Das Schulddiktat wurde in zwei Volksabstimmungen einhellig abgelehnt. Die Niederlande und Großbritanniens haben damit erstmal das Nachsehen und können nur noch auf anderslautende Entscheidung internationaler Gerichte hoffen.

Der isländische Eigensinn wäre in dieser Form wohl unmöglich gewesen, wenn das Land Mitglied der Eurozone oder der EU wäre. Allerdings waren die IWF-Kredite, mit denen Island die neuen Banken mit kapitalisierte und seine Sozialprogramme mit finanzierte, von zentraler Bedeutung. Bemerkenswert bleibt, dass der IWF, der ansonsten für Sparpolitik und Deregulierung steht, gegenüber dem unkonventionellen Vorgehen Reykjaviks bisher keinen Einspruch erhoben hat. Solidarität kam des Weiteren auch von Seiten Russlands und Polens, die bilaterale Kredite zu einem Vorzugszinssatz vergaben. Darüber hinaus half Island seine exportorientierte Wirtschaft, die jenes Wachstum generieren konnte, das das Land brauchte, um seine Schulden zurückzahlen zu können. Mit anderen Worten: Das isländische Beispiel kann ohne erhebliche Einschränkungen nicht einfach auf andere Staaten übertragen werden. Es zeigt aber eines: Das Gerede von den systemrelevanten Banken („too big to fail“) bedarf einer Revision. Gerade das isländische Vorgehen zeigt, dass es sehr wohl möglich ist, Banken zu Lasten der Inhaber und ausländischer Gläubiger in Konkurs gehen zu lassen. Island ist dafür weder isoliert worden noch wurde es an den Finanzmärkten abgestraft. Im Gegenteil: Das Vertrauen in Island an den internationalen Finanzmärkten ist wieder im Steigen begriffen. (…)

Weiterlesen in der Printausgabe COMPACT 10/2012. COMPACT kann man hier abonnieren

9 Kommentare zu „Erfolgsmodell Island: Aus der Krise – ohne Euro!

  1. There seems to be a german politician with the gutts to cope with the problem: Frank Schaeffler. Why not send him this impressive report? And also to some other members of Bundestag.
    What has come out of the icelandic „revolution“ against gaming banks and hedge fonds could well encourage other european countries to follow a comparable (not the same..) path.
    Also Mr Frank Stronach with his team in Austria should be made aware of this example.

  2. „Frank Schaeffler.“
    Nope because they won´t put any regulations on the banking sector.They want austerity big time period.They are the todays Brünings.Their concern is balance the budget.
    What missed with the icelandic approach is that the living standard of ordinary icelanders was considerably lowered.
    The only way to come out of the depressionary pit that we`re in is to switch to a producing capitalintensive highwage hightec physical economy.Without that the pit will be bottomless.It will get worse and worse and worse…there is no cycle that will help us only a new deal,new frontier programm will do that.

  3. Tatsächlich haben wir es mit einem Demokratiedefizit zu tun, wie es nicht einmal vor 150Jahren existierte. Damals ließ man
    Unternehmen(egal welcher Art) bankrott gehen, ohne sie aus der Steuerkasse zu „retten“.
    Der Kapitalismus kennt Gewinn und Verlust. Wenn Verluste von der Allgemeinheit ausgeglichen werden sollen, wird dies zum Bankrott der ganzen Gesellschaft führen.Auf dem Weg dorthin befinden wir uns.

    mit freundlichen Grüßen

  4. Die Isländer sind keine Griechen, d.h. denen würde ich auch Geld leihen, genau wie den Iren. Die werden auch wieder auf die Beine kommen, mit Euro.

  5. “ Wenn Verluste von der Allgemeinheit ausgeglichen werden sollen, wird dies zum Bankrott der ganzen Gesellschaft führen.“

    Dass ist ja gerade der Plan.Deswegen sind Derivate ja so gefährlich.Sie produzieren unbegrenzte Verluste die eigenlich virtuell sind aber werden so gedreht dass sie aus der realen Welt bezahlt werden soll.Damit wird man in eine Schuldknechtschaft genommen aus der man nicht mehr entfliehen kann.Die gegenwärtige Krise hat nichts mit der realen Wirtschaft zu tun.Die wenigsten verstehen dass wie man aus Kommentaren auch hier immer wieder herausliest.
    Es liegt nicht an faulen Griechen,Spaniern,Iren,Portugiesen,Italienern etc.Die Krise wird nicht enden, sie größer , sie wird brutaler und sie wird Deutschland erreichen.

  6. oswald spengler:

    sicher liegt es nicht nur daran.

    dennoch, und auf die gefahr hin,etzt als vorurteilsbeladen zu gelten:

    die genannten nationen haben zum teil, wie ich selbst auf meinen erfahrungen und urlauben erlebt habe, eine katastropahale einstellung zu pflichtbewusstsein, anstrengung, disziplin, sorgfalt und dienstleistung. daher funktioniert das system dort auch so diettantisch. wie soll man denn so eine wirtschaft in schwung halten ?

    ein bisschen selbstkritik ist da wohl auch zu erwarten. aber nein, die schuld haben ja immer die anderen…

    und in disem fall sind es duie deutschen.

  7. „wie soll man denn so eine wirtschaft in schwung halten ?“
    Sind die Japaner etwa auch faul ? Oder Briten ? Dass wäre mir neu.Ja merkwürdig selbst im Austeritätsland Nummer 1 GB ist mehr Krise denn je.
    Ich weiß – es ist so schön dieses in group out group Spielchen zu machen.Deutschland ist noch vorne weil man eher mit der Beggar their neigbour Politik angefangen hat aber bereits die Autobauer merken dass man auch mit teutonischen Tugenden nicht gegen eine Weltwirtschaftskrise mit diesen Ursachen ankämpfen kann.
    Es ist völlig klar schuld an allem is peak oil, böse zinsen, faule griechen, der Euro aber nie die Derivate oder die Banken.
    Solange man so denkt wird die Krise schlimmer und schlimmer und nimmt kein Ende.

  8. olaf:

    lieber olaf, du scheinst erhebliche probleme mit griechenland zu haben, bzw. mit der wahrnehmung aufgrund von falschen behauptungen seitens der medien. falls es noch nicht zu dir durchgesprochen hat: die griechen arbeiten im schnitt MEHR ALS DIE MEISTEN erwachsenen menschen in ganz europa, einschliesslich die deutschen. zur info kannst du die quellen leicht finden, die statistik der betreffenden tatsache erschien bereits im herbst 2011 ! wenn du hingegen den parolen der regenbogenpresse aufgesessen bist und dies auch weiter tun willst, bleibt dir das klar unbenommen.

  9. Ich lebe in Island und das ist gar nicht das warheit !!!!!!!!!
    De regerung lugt !!!!!!!

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