Auszug aus der aktuellen Ausgabe von COMPACT-Magazin: „Wie alles begann?“
Bei der Interpretation der syrischen Tragödie stehen sich zwei Ansätze unversöhnlich gegenüber. Die einen gehen von einem berechtigten Aufstand gegen das „Assad-Regime“ aus, die anderen von einem terroristischen Amok, der vom westlichen Ausland, den reichen Golfstaaten und Syrien gesteuert ist.
Zur Aufklärung des Disputs dienlich ist sicher ein Aufsatz in der aktuellen Ausgabe von COMPACT-Magazin. Darin wird aufgrund von Quellen aus erster Hand – Beduinen in der Stadt Daraa – deutlich, wie dort im Frühjahr 2011 das blutige Schlamassel seinen Ausgang nahm. Das autoritär-despotische Verhalten der örtlichen Verwaltung wird nicht geleugnet. Bemerkenswert aber die ausgleichende Rolle, die gerade Präsident Assad einnahm. Und genau das wird dann böse ausgenutzt…. Lesen Sie selbst:
aus: COMPACT 9/2012
Wie alles begann
Ein Konflikt in der Beduinenstadt Daraa im Frühjahr 2011 war der Zündfunke, der Syrien in Brand setzte. Obwohl Präsident Assad alle Forderungen der Bewohner erfüllte, begannen ausländische Kämpfer mit dem Schießen.
Von Dorothea Schäfer
Geplant war es schon lange. Angefangen aber hat es in Daraa, einer Stadt mit knapp 100.000 Einwohnern an der Grenze zu Jordanien. Obwohl Daraa eine Beduinenhochburg ist wie Homs und Hama, hat man es anfangs im Westen so dargestellt, als sei es der Beginn einer Studentenrevolte. Das war falsch, denn den Studenten ging es in Daraa wie überall in in Syrien durch die Bank gut. Es war ganz anders: Da war eine Gruppe Jugendlicher, fast noch Kinder, die Anfang Februar 2011 verantwortlich zeichneten für eine Aktion, bei der es zu Personen- und Sachschaden kam. Die Fast-noch-Kinder landeten im örtlichen Gefängnis, wo man ihnen ungut mitspielte. Es waren Tage vergangen, bis die Väter und Onkel und Scheichs einen Termin beim Bürgermeister erreicht hatten. Sie wurden vorstellig und baten: „Gebt uns unsere Söhne und Neffen zurück. Es sind Tage vergangen, sie hatten Strafe genug – und es sind Kinder, einige unter ihnen sind gerade erst sechzehn Jahre.“ Der Disput ging hin- und her.
In dieser Gegend tragen die Beduinen traditionelle Bekleidung: den langen Kaftan und als Kopfbedeckung Kufiya, ein weißes oder farbiges Baumwolltuch, gehalten von einer meist schwarzen Baumwollkordel, dem Aqal. Außer im ganz privaten Umfeld gehört es sich nicht, sich ohne Kopfbedeckung zu zeigen; es wäre nicht ehrenvoll. Die Kopfbedeckung ist ein Symbol für die Ehre, insbesondere die Aqal. „Gib uns unsere Kinder zurück – sie sind das Kostbarste, dass wir haben. Wir ergeben uns Dir – sag, was Du willst. Und als Pfand unserer Unterwerfung geben wir unsere Ehre!“, sagten die Väter und Onkel und nahmen – welch ein Schritt! – zum Zeichen, wie ernst es ihnen war, ihre Kufiyas und Aqals ab und legten sie vor dem Bürgermeister auf seinem Schreibtisch ab. Welch Geste!
Und der Bürgermeister? Der machte eine wegwerfende Geste mit dem Arm und fegte seinen Schreibtisch leer: „Weg mit diesem dreckigen Zeug…“ und mit einer Handbewegung ließ er den in Kufiyas und Aqals manifestierten Stolz der Beduinen im nächstbesten Papierkorb entsorgen. Nun… darauf hin ging es recht heftig zu. Nicht nur auf dem Bürgermeisteramt – das ganze Städtchen Daraa probte den Aufstand.
Die Kunde drang ziemlich schnell zum Präsidenten, der umgehend reagierte: Die Kinder kamen, wenn auch etwas lädiert (und wie gemunkelt wird, soll wohl auch eines gefehlt haben) umgehend aus dem Gefängnis frei. Der Bürgermeister wie auch der ebenfalls in die Affäre verwickelte Gouverneur wurden ihres Amtes enthoben und zur Verantwortung gezogen. Und geübt im Umgang mit all den Ethnien in seinem Land schickte der Präsident seine Entschuldigung an die Väter, Onkels und Scheichs einhergehend mit einer Einladung zum Gespräch im Präsidentenpalast. Ganz im Sinne der Beduinentraditionen hieß es in der präsidentiellen Nachricht: „Nur ihr und ich – keiner dazwischen!“
Kaum war die Nachricht überbracht, trafen Reisebusse aus Damaskus ein, und nicht nur die Väter, Onkels und Scheichs nahmen Platz, auch die Schulleitung, die Lehrer und der Vorstand des Jugendfreizeitheims. Der Präsident entschuldigte sich: Es hätte niemals vorkommen dürfen. Und er hörte dem zu, was ihm die Beduinen berichteten, und man diskutierte, was für die jungen Leute getan und was verbessert werden konnte. Es wurde auch erörtert, wie es überhaupt zu den Vorfällen kommen konnte – Graffiti und mutwillige Zerstörung an Gemeinschaftseigentum werden in der Region bei der jungen Generation nicht nur kaum praktiziert, sondern sind eher ziemlich unbekannt.
Die Spur führte zu einer Lehrerin, die den Jugendlichen ausführlich geschildert hatte, wie es im Westen zugeht, und sie zu ihrem Tun ermutigt hatte. Von ihr hatten sie erfahren, dass dies „Revolution“ sei. Ein zu dem gegebenen Kontext eher skurril anmutendes Detail, dem man zu jenem Zeitpunkt nicht übermäßig Aufmerksamkeit schenkte – das kam später dann erst später, als ein anderer Zusammenhang da war.
Irgendwann dann ging es im Gespräch um Wiedergutmachung. „Was wollt ihr?“, fragte der Präsident. Das Entrichten von Blutgeld oder ähnlichen Wiedergutmachungen ist in Beduinenkreisen auch heute nichts Ungewöhnliches, sondern eine nützliche und heutzutage zunehmend praktizierte Technik, die Blutrache und ähnliche Fehden vermeiden hilft.
Da war Verschiedenes, das sie sich zum Teil lange schon für ihr Städtchen, für ihre Gemeinschaft, für die Familie gewünscht hatten. Der Präsident sagte: Ja. Und: Ja. Und dann kam ein merkwürdiger Wunsch, der zentrale Wunsch: Man habe aufgrund der Vorfälle derzeit das Vertrauen in die Obrigkeit verloren, man brauche Zeit und Abstand, um dieses wieder gewinnen zu können. Aus diesem Grund wolle man für einen näher zu bestimmenden Zeitrahmen keine Staatspräsenz, insbesondere keine Polizei mehr in Daraa. Der Präsident war verblüfft: Keine Polizei? Was sei denn bei kleinkriminellen Vorfällen wie Diebstahl, Einbruch, Betrug? – „Wir schützen uns selbst“, lautete die Antwort. Und die Regelung des zeitweise nicht unerheblichen Verkehrsaufkommens an zentralen Brennpunkten der City? – „Wir regeln das selbst“ Assad zögerte: Für wie lange solle die Regelung denn gelten? Ein paar Wochen nur… Nun gut. Er gewährte auch dies.
Die Väter, Onkels und Scheichs, auch die Schulleitung, die Lehrer und der Vorstand des Jugendfreizeitheims nahmen ihre Plätze in den Bussen wieder ein und fuhren heim. Dort gab es viel zu berichten von der Reise nach Damaskus, und zunächst ließ sich alles erstaunlich gut an: Man organisierte sich selbst und es funktionierte, sogar der Straßenverkehr soll, nachdem die Beduinen die Regelung übernommen hatten, reibungsloser funktioniert haben.
Es waren keine zwei Wochen ins Land gegangen, da tauchten Fremde auf in Daraa. (Im weiteren wird das Einsickern der Terroristen geschildert. – Den Artikel vollständig lesen in der Printausgabe COMPACT 9/2012.)
Gut, der folgende Link ist sicher nicht der Hauptgrund für den orchestrierten Regime-Change im arabischen Raum, aber er könnte doch auch eine nicht ganz unwichtige Rolle spielen:
http://nachrichten.t-online.de/passivradar-raubt-stealth-jets-die-tarnkappe/id_59574640/index
Das heißt ja wohl übersetzt: Die Ära absoluter Luftüberlegenheit der USA geht unwiederruflich zuende. Und das wiederum bedeutet, daß die Kombination Passivradar + Abfangrakete in naher Zukunft Luftunterstützung wie im Fall Libyen zumindest sehr erschweren würde – herbe Verluste müßten einkalkuliert werden.
Da ja eine US-Firma (Lockheed-Martin) schon 2002 einen entsprechenden Prototypen vorgestellt hattel, war also Zeit genug diese technische Rahmenbedingung in die Planung des politischen Gesamtpakets miteinzubeziehen. Und die aktuelle Entwicklung des Cassidian-Systems war den Strategen in den USA natürlich auch längst bekannt.
Vielleicht auch mit ein Grund, warum Bibi jetzt so darauf drängt endlich reinen Tisch zu machen. Bekäme der Iran auf irgendwelchen Wegen von Rußland entsprechende System geliefert, könnte ein Luftangriff wie er bisher möglich schien wohl Geschichte sein.
Vielleicht wäre es noch ganz hilfreich, darauf hinzuweisen, daß vermutlich nicht nur die Aktivitäten des Arabischen Frühlings von ebenso zentraler wie abgeschatteter Stelle aus initiiert werden, sondern auch die spezifischen Passivitäten, die solchen „Frühling“ (Neusprech für Faschismus) überhaupt erst ermöglichen.
Hier zeigt COMPACT wieder, was es kann: Nirgends sonst war eine derart detaillierte und stimmige Analyse darüber zu lesen, wie der angebliche Aufstand in Syrien inszeniert wurde und wie er begonnen hat. Und es zeichnet sich ein Muster ab: „Syrien ist überall!“, zumindest überall, wo „der Westen“ Unabhängige entmachten, die Institution Petro-Dollar schützen, sich Bodenschätze und Pipelines sichern möchte.
COMPACT ist es gelungen, in einer straff gelenkten Medienlandschaft zum Brennpunkt „unterbliebener Nachrichten“ zu werden.
Dr. Kümel trifft mit wenigen Worten sowohl das Problem der westlichen Zielstellung als auch gelenkte und unterbliebene Nachrichten unserer „freien“ Medienwelt, die COMPACT gekonnt hinterfragt. Ganz meiner Meinung!
Harmlos hat es angefangen.
Mit gezielten Mordtaten durch (vom „Westen“) ausgerüstete, bewaffnete, organisierte landfremde Mörderbanden ging es weiter.
Ganz wie in Libyen.
Und jetzt geht der Vorhang auf zum Mord am Staatschef.
„Man“ hat eine hohe Summe auf den Kopf von Assad gesetzt: 25 Millionen Dollar.
Aha, Dollar, wie hieß nochmal die syrische Währung? Und wer? Von wo kam das Geld? Es wird „angedeutet“, syrische Geschäftsleute hätte soviel Geld und seien so unzufrieden mit dem Regime, daß ihnen die Ermordung so viel wert sei.
http://www.focus.de/politik/ausland/krise-in-der-arabischen-welt/syrien/gegner-wollen-syriens-machthaber-tot-oder-lebendig-25-millionen-dollar-kopfgeld-auf-assad-ausgesetzt_aid_821831.html
Haben diese angeblichen „syrischen Geschäftsleute“ auch daran gedacht, daß gedungener Mord ein Verbrechen ist? Sollte es zu einem Regierungswechsel kommen, und sollte das Nachfolgerregime etwa rechtsstaatlich organisiert sein, dann könnte es doch nicht umhin, die Mörder und ihre Anstifter zu belangen! Gibt es da eigentlich noch die Todesstarfe für gedungenen Mord?
Oder sitzen die angeblichen „syrischen Geschäftsleute“ weit jenseits der Grenzen? Und das viele Geld kommnt von gaaanz wo anders?
Wie die BRD tatsächlich und faktisch zur salafistischen Gewalt steht, läßt sich imho daran ablesen, daß sie den Saudis – von der sie ausgeht – Leos liefert, damit die Saudis politisch nicht korrekte Aufstände dagegen niederschlagen können.
Das ist der reale Hintergrund der Heuchelei. Der wohl von den USA erzwungen wird.
Saudi-Arabien lässt Pilger aus Syrien nicht einreisen zur Hajj, der Großen Pilgerfahrt:
http://www.islamische-zeitung.de/?id=16101