Was nach dem Euro kommt

COMPACT-Magazin im Mai mit 15seitigem Schwerpunktthema „Das neue Geld“

((Nicht vergessen: Morgen, 3. Mai, Prof. K.A. Schachtschneider zu „Eurodiktatur, ESM und Volksentscheid Jetzt“: Berlin-Mitte, Viethaus, Leipziger Str. 54/55, Beginn 19 Uhr))

In Alternativkreisen ist die Geldkritik weit verbreitet. Aber oft stehen die verschiedenen Ansätze – Gold, Freigeld, Vollgeld, Privatgeld – beziehungslos nebeneinander und ihre Anhänger befehden sich. COMPACT bietet in der Mai-Ausgabe neben einer Geschichte des „Money Trusts“ einen Querschnitt über die unterschiedlichen Kritiken und Geld-Schulen und eine Debatte „Nationalbank abschaffen oder demokratisch kontrollieren?“ zwischen Hankel, Hamer und Janich. (Inhaltsverzeichnus COMPACT 5/2012 ist hier. Abonnieren kann man hier.)

Hier der einleitende Beitrag des COMPACT-Schwerpunktes(Auszüge):

Was nach dem Euro kommt

 

Die Auflösung einer Währungsunion ist machbar, wenn auch nicht unproblematisch. Der Ideenwettbewerb eines britischen Konservativen hat eine ganze Palette unterschiedlicher Modelle ergeben.

 

Von Karel Meissner

 

(…)

 

Dabei ist der euro-kritische Geist auf der Insel immer noch lebendig, wie die seit einigen Monaten andauernde Rebellion von Hinterbänklern gegen Cameron zeigt. Von diesem Geist kündet auch eine Initiative eines dieser Tory-Rednecks, Lord Simon Wolfson, der im Herbst 2011 eine bemerkenswerte Ausschreibung gemacht hat: 300.000 Euro sollte der bekommen, der den besten Masterplan für die Auflösung der Euro-Zone vorlegt. 425 Expertisen gingen ein, Ende März 2012 wurden die fünf besten vorgestellt.

 

Zwei grundsätzliche Dimensionen beim Vorgehen lassen sich unterscheiden: Zum einen, ob die Euro-Zone im Konsens aufgelöst werden soll oder durch einseitige Austrittserklärungen. Zum anderen, ob die politisch Verantwortlichen das Euro-Ende für die Öffentlichkeit transparent oder im Geheimen vorbereiten.

 

Eine konsensuale und öffentliche Lösung schlägt etwa Jens Tepper vor, Chef des Wirtschaftsforschungsinstitutes Variant Perception. Er sieht, ähnlich wie Vaclav Klaus, keine größeren Probleme bei der Entflechtung. Die Erfahrung mit 69 historischen Währungsgemeinschaften illustriere, dass das Auseinanderbrechen selten in einer Katastrophe ende. Voraussetzung sei allerdings, dass die grenzüberschreitenden Schulden im gegenseitigen Einvernehmen in die neuen Währungen umgerechnet würden.

 

Aber ob dieses „gegenseitige Einvernehmen“ so einfach herzustellen ist? Jens Nordvig, ein langjähriger Top-Mann der US-Privatbank Goldman Sachs, problematisiert die von Tepper als selbstverständlich vorausgesetzte Umrechnung der Auslandsschulden.(…)

Originell argumentiert die britische Fondsmanagerin Catherine Dobbs. Wenn der Euro verschwindet,sollen alle Bürger in der gesamten Währungsunion dafür eine Mischung an den wieder eingeführten Einzelwährungen erhalten, die dem Proporz bei Euro-Einführung entspricht. Die Sparguthaben zum Beispiel würden also am Tag nach der Umstellung nicht mehr auf Euro lauten, sondern aufgestückelt werden in die 17 neuen-alten Nationalwährungen. Was dann am übernächsten Tag passieren würde, wäre allerdings auch klar: Jeder, der rechnen kann, würde die Schwachwährungen von seinem Konto abheben und in harte Währungen, also vor allem D-Mark, umtauschen. Diese würde dann massiv aufwerten, die anderen abstürzen.

 

Auf dieses Absturz-Problem antworten die Studien von Neil Record, einem früheren Volkswirt der Bank of England, und von Roger Bootle, zuvor bei der britischen Privatbank HSBC beschäftigt. Beiden gemeinsam ist die Annahme, dass langwierige Verhandlungen über eine konsensuale Auflösung der Euro-Zone die Märkte verunsichern und zu massiver Kapitalflucht aus den Defizitländern führen würden. Deshalb empfehlen sie ein Vorgehen im Geheimen – man könnte auch von einem Währungsputsch sprechen.

 

(…)

 

In Records Vision würde dieser Währungsputsch in der gesamten Euro-Zone gleichzeitig ablaufen und von einem deutsch-französischen Steuerungsgremium geplant werden. Dass dies, gerade angesichts der Spannungen zwischen Berlin und Paris, schwer vorstellbar ist, ist nur ein Problem. Schwerer wiegt, dass in diesem Modell ein oder zwei Großmächte den anderen Mitgliedsländern ihren Willen brutal aufzwingen.

 

Im Gegensatz dazu ist der Geheim-Plan von Bootle erfreulich antiimperial. Seine Expertise Den Euro verlassen: Eine praktische Anleitung richtet sich nur an aussteigewillige Einzelstaaten – sozusagen ein Tipp, um sich aus der Umklammerung des Währungsverbundes herauszuschleichen.(…)

((Vollständig lesen in der Printausgabe COMPACT 5/2012.))

5 Kommentare zu „Was nach dem Euro kommt

  1. Voraussetzung sei allerdings, dass die grenzüberschreitenden Schulden im gegenseitigen Einvernehmen in die neuen Währungen umgerechnet würden.
    ———
    a-ha, und was wird aus „Target2“ elsässer??? wir dürfen am ende hunderte billionen DM an die FED zurück zahlen??? die nationalen goldreserven der BRD liegen ja schon in deren tresoren. ne ne, nichts da, nader, null pfennige sollen die bekommen.

  2. Aber muesste es nicht heissen: Was nach dem euro KAM…

    Schliesslich war an dieser stelle dessen unumstoessliches ende fuer april 2012 prophezeit worden. Ja wie hiess doch gleich der geehrte prophet?

  3. Was nach dem Euro kommt…

    …ist die Antwort auf die Frage, ob die lustigen und fidelen Volkswirte der bunten Spaß-Republik vielleicht doch nicht so ganz inkompetent und ideologisch verbohrt sind und vorgesorgt haben.

  4. Es steht halt zu befürchten, daß der Euro nur deshalb eingeführt wurde, um die Völker Europas in eine hoffnungslose Überschuldung zu führen, die sie entmündigt und handlungsunfähig macht.

    Dies Ziel ist erreicht. Was machen jetzt die Gläubiger mit ihrem entscheidenden Einfluß? Was ist der nächste Schritt?

    Was plant die „Ostküste“?

  5. Endlich wird hier auch die Rückkehr zu den europäischen Währungen gefordert, was durchaus im Rahmen eines europäischen Wechselkursmechanismus (wie der Ecu von 1979 bis 1998) geschehen kann.
    Ich hoffe, daß die Idee des „Nord-“ und „Südeuro“ auch hier endlich begraben wird und man aufhört sich von dieser wirren Idee Hans-Olaf Henkels irre machen zu lassen.
    Denn mit der Nord-Euro Idee soll die grundsätzliche Euro-Kritik, die die Wiedereinführung von Lira, D-Mark, Franc und Gulden innerhalb eines europäischen Wechselkursverbundes fordert, eingedämmt und übertönt werden.
    Weder Einheitseuro noch Nord- oder Südeuro lösen das Problem. Sie haben keine Zukunft und daher bin ich auch oft skeptisch wenn ich auf manchen Anti-Euro-Demos etwas gegen den Einheitseuro höre anstatt die bessere Alternative: gegen Einheitseuro wie auch Nord- oder Südeuro und zurück zur EWG und weg mit Maastricht!
    In einem Nordeuro würden Deutschland und Frankreich kleinere Länder wie Niederlande und Belgien total ökonomisch dominieren und Henkel will ja mit diesem Trick sogar den Dänen und Schweden ihre Kronen wegenehmen und sie in einen Nordeuro-Verbund zwingen. Genau wie Barroso, Helle Thoring Schmidt und Rasmussen sie in den Einheitseuro zwingen wollen.
    Also: Raus aus dem Euro, zurück zu den eigenen Währungen – Die Briten wollen ihr Pfund behalten, die Dänen und Schweden ihre Kronen und die Polen ihren Zloty. Und die Deutschen wollen die Mark zurück, die Franzosen den Franc und die Spanier die Pesete.

    Nur so kann ein demokratisches Europa der Kooperation, des gemeinsamen Handels und der Freundschaft entstehen, ein Europa ohne Euro und EU-Kommission.

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