Neue Angriffswelle: 70 Spekulanten contra Wulff

Wird bald die Immunität aufgehoben? Aus COMPACT-Magazin, Februar-Ausgabe

Jetzt soll die Immunität des Bundespräsidenten aufgehoben werden. Die SPD ist voll dabei. Geht es um Hotelübernachtungen, Haus-Kredit-Vorteil und andere Peanuts? Wer soll das glauben?

In der aktuellen Ausgabe von COMPACT-Magazin werden zwei Gründe genannt, warum Wullfs frühere Gönner, etwa Springer und Diekmann, heute so gegen ihn schießen. Punkt 1: Er kritisiert die Euro-Rettung (Lindauer Rede). Weniger bekannt ist Punkt 2:

(Auszug aus COMPACT-Magazin, Februar 2012)

Es gibt noch einen weiteren Punkt, durch den sich Wulff die Abneigung mächtiger Finanzkreise zuzog. Am 6. Januar 2012 berichtete der Wirtschaftsteil der Frankfurter Allgemeinen, wovon in den Hauptnachrichten nirgends zu lesen war: „Milliardenforderungen an Wulff“. Demnach wollen „fast 70 Banken, Versicherungen und Fonds“ Schadensersatz in Höhe von 1,8 Milliarden Euro. Die von einer Inkassogesellschaft vertretenen Kläger hatten es ursprünglich gar nicht auf Wulff abgesehen, sondern auf den VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piech und die Firma Porsche samt deren ex-Vorständler Wendelin Wiedeking und Holger Härter. Wulff wurde in der Klage vom Oktober 2011 nur als Zeuge benannt, war dem aber nicht nachgekommen. Angesichts seiner Weigerung, so die Hypothese, traten „Banken, Versicherungen und Fonds“ mit Hilfe der Springer-Presse die bekannte Kampagne gegen ihn los, um sein Schweigen zu brechen. Die Drohung: Entweder er sagt in ihrem Sinne  gegen die Autobauer aus, oder er wird kaputtgemacht – politisch und durch die Klage auch finanziell.

Gegenstand der Klage sind  Vorfälle während der Übernahmeschlacht zwischen VW und Porsche im Jahre 2008. Damals war Wulff als Vertreter des Landes Niedersachsen im Aufsichtsrat von VW. Die Kläger warfen ihm vor, sie als damalige VW-Aktionäre nicht rechtzeitig über anstehende Manipulationen der VW-Aktie informiert und ihnen dadurch Milliardenverluste verursacht zu haben. Diese Manipulationen habe die Porsche AG angestrengt, die damals 42,6 Prozent der VW-Anteilsscheine hielt, und Wulff, obwohl für den Konkurrenten VW tätig,  habe vorab Kenntnisse davon gehabt.

In dieser Darstellung sieht alles nach schmierigen Insidergeschäften zwischen Zuffenhausen und Wolfsburg aus. Diese dürfte es auch zweifellos gegeben haben. Aber der Hauptaspekt wird ausgeblendet: Jene „fast 70 Banken, Versicherungen und Fonds“, die sich heute als Opfer darstellen, waren damals Täter. Nicht Wulff und Wiedeking, sondern sie haben versucht, VW zu ruinieren, und zwar durch das Wetten auf fallende VW-Kurse über „Leerverkäufe“. Satte 16 Prozent der VW-Aktien wurden Ende Oktober 2008 auf diese Weise von den heutigen Klägern ins spekulative Feuer geworfen, immer in der Hoffnung, die DAX-Notierung der Niedersachsen auf diese Weise zu drücken. Doch als die Porsche AG, in jenen Tagen vielleicht der liquideste Autobauer der Welt, ankündigte, mit ihrer Kriegskasse dagegenzuhalten und weitere 31,5 Prozent der VW-Aktien zu kaufen, ging deren Kurs nicht in den Keller, sondern schoss steil nach oben: von 150 Euro im Januar 2008 auf über 1000 Euro Ende Oktober 2008. Alle „Leerverkäufer“ hatten das Nachsehen – und deswegen wollen sie heute ihr Geld zurück.  

Es ist gut möglich, dass die Intimfeinde Piech und Wiedeking in der damaligen Situation gemeinsame Sache machten. Zwar sah Porsche VW als Beute – aber auch in Zuffenhausen war man nicht daran interessiert, dass die Beute vor der Übernahme durch Spekulanten ausgewaidet wird. Umgekehrt fürchtete man in Wolfsburg die Jäger aus dem Schwabenland – aber noch mehr fürchtete man eine feindliche Übernahme durch Dritte. Deswegen tolerierte Piech den Coup von Wiedeking – wohl wissend oder zumindest hoffend, dass er am Schluss den Spieß noch umdrehen würde. Dass Wulff als Landesvertreter im Aufsichtsrat den Deal deckte, ist wahrscheinlich, aber nicht erwiesen. In diesem Falle hätte er – ebenso wie die beiden Auto-Bosse – für den Erhalt des wichtigsten deutschen Industrieunternehmens und damit für den Erhalt von vielen Tausend Arbeitsplätzen gesorgt.

Spannende Frage zum Schluss: Wer sind eigentlich die „fast 70 Banken, Versicherungen und Fonds“, die 2008 als betrogene Betrüger das Nachsehen hatten und heute prozessieren?

(Weiterlesen nur in der Print-Ausgabe von COMPACT 2/2012; kann man hier bestellen oder abonnieren)

16 Kommentare zu „Neue Angriffswelle: 70 Spekulanten contra Wulff

  1. Die „Leerverkäufe“, und sonstige Spekulationen muss man verbieten. Das ist der Schlüssel zur Rückkehr in die reale Welt.

  2. Wulff als ‚Widerständler‘ gegen finstre Banken, Versicherungen etc aufzubauen und als Retter für tausende Arbeitsplätze – das ist, mit Verlaub, eine lächerliche Behauptung. Wulff ist eine arme Sau, hat sich hochgebuckelt, war dem mafiösen Haschheyer u.a. dienstbar und wollte dann auch mal ein bisschen so wie die …. Der Mann hatte und hat überhaupt kein Format , um in dieser Weise zu agieren, die ihm hier unterstellt wird. Er ist darüber hinaus Merkels Bubi und hat in einer ihm vorzuwerfenden Hybris versucht, diese Rolle zu spielen- darin ist er nun gescheitert.
    Wulff wird nicht unter der Brücke landen, … es ist auch egal, was mit ihm passiert. Wirklich wichtig wäre ein BP, der sich weigert Gesetze aus Brüssel zu unterschreiben, die die
    Demokratie endgültig zugunsten einer EU-Diktatur erledigen !

  3. Wer kann sich nioch an den Sturz von Strauß-Kahn erinnern? Angeblich war er einigen allzu Mächtigen in die Quere gekommen, wollte die Gold Bestände des IWF kontrollieren und manches mehr. Und so ähnlich ging es wohl auch mit Wullf, der nicht alle Finanzmauscheleien mitmachen wollte bzw. diese kritisierte.

    Mir ist noch gut in Erinnerung, wie sich der ehemalige Bundespräsident Rau einst von „seiner“ West LB hatte versorgen lassen. Kein Grund zur Anklage, schon gar kein
    Grund zum Rücktritt war das damals.

    Wer den Mächtigen in die Suppe spucken will, muß mit bösen Konsequenzen rechnen.Und die Finanzoligarchie, das sind die wirklich Mächtigen in Deutschland und in der ganzen Welt.

    mit freundlichen Grüßen

  4. Der Artikel in Compact trifft den Nagel auf den Kopf die den wahren Hintergrund für die Hetze gegen BP Wulf darlegt.
    Wulf ist ein eher zurückhaltender Politiker, aber einer mit Rückgrat, ein Patriot der wenigstens für sein Land eintritt, aber da redet ja keiner von.
    Wenigstens hätten einige Blogger mal vornherein die ganze Hetze hinterfragen sollen bevor man in die gleiche Kerbe schlägt, denn wenn die Springer Medien auf jemanden schiessen, dann müssen die Alarmglocken läuten…meisst ist dann das Gegenteil der Fall. Da gibt´s auch ein kleines Sprichwort: „Alles Weise ist leise“, denn ein Dampfplauderer ist Wulf gewiss nicht, zum Glück nicht.

    ——————————————————————————
    Mal abgesehen davon, hier ein Vergleich zu Ober-Diktator Sarkotzi und seine Besitztümer und Spesen, dagegen ist Wulf bettelarm, wirklich eine Schande für Deutschland daß man sein Staatsoberhaupt so tief runterreissen muss.

    Ein Artikel von Freeman bei ASR:
    „Wir wissen, die Briten leisten sich einen Königshof der einiges kostet. Aber welches europäische Staatsoberhaupt einer Republik ist noch teurer als die Queen? Wer gibt 12’000 Euro pro Tag für Essen aus, 240’000 pro Jahr für Blumen, hat 121 Autos im Fuhrpark (doppelt so viel wie der Vorgänger), die 120’000 Euro an Versicherung kosten und für 330’000 Euro Benzin verbrauchen, fliegt mit einer Airbus A330 Maschine herum, die mit Luxusaustattung 255 Millionen Euro gekostet hat, der nur für eine Tagesreise unbekümmert fast 100’000 Euro ausgeben kann und den Keller voll mit den teueresten Weinen hat, wie den 2006 Crozes-Hermitage, wo eine Flasche fast 200 Euro kostet?

    Es handelt sich um Nicolas Sarkozy, der franzöische Präsident und Bewohner des Elysee Palast. Alleine seine Kosten als Staatsoberhaupt belaufen sich auf 120 Millionen Euro pro Jahr!!!

    Ja, genau dieser Sarkozy, der zusammen mit seiner Busenfreundin Merkel den Griechen laufend befiehlt, sie sollen drastisch sparen, sonst bekommen sie keine Hilfe, lebt ein luxusriöseres Leben als ein Monarch. “

    Hier weiterlesen: Alles Schall und Rauch: Welches Staatsoberhaupt kostet mehr als die Queen? http://alles-schallundrauch.blogspot.com/2012/02/welches-staatsoberhaupt-kostet-mehr-als.html#ixzz1mdOZOtdT

  5. ich vergaß noch die gute Frage zum Schluss des Artikels:
    „Spannende Frage zum Schluss: Wer sind eigentlich die „fast 70 Banken, Versicherungen und Fonds“, die 2008 als betrogene Betrüger das Nachsehen hatten und heute prozessieren?“

    Die Namen werden mal wieder wohl behütet geheim gehalten, würden diese öffentlich gemacht, hätte Wulf in der Bevölkerung wohl einen Stein im Brett. Doch wer logisch denken kann, ahnt wohl die vermeintlich richtige Antwort: Die Hintermänner der internationalen Hochfinanz aus London und New York denen die Springer Medien gehörig dienen.

  6. Habe ich mir schon gedacht, daß hinter dem massiven Feuer auf Wulff etwas anderes steckt. Vermutlich kann man jedem beliebigen Politiker ein paar Krümel Vorteilsannahme nachsagen. Aber daß die Sache so trivial ist, hätte ich doch nicht gedacht. Selbst wenn die spekulierenden Banken ihren Prozeß gewinnen sollten, Wulff persönlich wird die Milliarden kaum berappen können, auch wenn er bis runter zum Sozialhilfesatz gepfändet wird.

    Was ich nicht verstehe:
    Ein „Deal“ zwischen den Vorständen von VW und Porsche, nach dem Porsche eine Menge VW-Aktien kaufen würde, ist ja nicht illegal. Wulff ist also nicht vorzuwerfen, wenn er von der Absprache gewußt und geschwiegen hat. Ein (illegales) Insidergeschäft würde vorliegen, wenn einer in Kenntnis des kaufangebotes von Porsche für sein privates Depot Aktien oder Call-Optionen gekauft hätte.

  7. tja, weg isser. und auch wenn hier die verschwörer wieder dunkles raunen werden, zu recht. einnen schlimmeren buprä gabs nie.
    jetzt kann er sich ertmal mit vroni ferres und ihrem spekulanten maschmeyer knuddeln lassen.
    ich bin so garnicht traurig.

  8. Die Namen der gegen Ex-Bundespräsident Wulff klagenden 70 Banken, Versicherungen und Hedgefonds sollten veröffentlicht werden. Es entspräche der realen Logik der heutigen Welt, dass sie seinen Sturz bewirkt haben.

  9. Jetzt haben sie ihn also doch noch zur Strecke gebracht, Waidmannsheil!

    Einen harmlosen, kleinen Überangepassten, der sich immer nur in Details verlieren mußte, weil er nie das Große und Ganze sehen konnte. Und der halt vergleichsweise kleine Vorteile mitgenommen hat, wenn es sich so ergab.

    Was Schröder, Fischer et. al. geliefert haben, hatte ganz andere Dimensionen.

  10. Wulff war mit Sicherheit kein Patriot und auch sonst konnte ich vielen seiner Entscheidungen nichts abgewinnen. Dieses am Ende siegreiche mediale Trommelfeuer bereitet mit allerdings große Sorge,

    ((Auf diesem blog können nur COMPACT-Abonnenten kommentieren. Bitte besorgen Sie sich eine Freischaltung unter elsaesser@compact-magazin.com))

  11. Wulff war für Beitritt der Türkei zur EU.
    Den Deal würd‘ ich auch machen. Via Iran zum Kaspischen Meer. Für einen fried!ich-, freundschaft!ichen Austausch von Waren und Rohstoffen.

  12. gestern vermutet, dann der Rücktritt und Voilá schon bringts der Speigel ans Licht

    „Die Rolle Christian Wulffs beim Kampf Porsche/Volkswagen wird von der BaFin geprüft!

    Der Übernahmekampf der Autobauer Volkswagen und Porsche ruft die Finanzaufsicht BaFin auf den Plan. Die Ba Fin prüfe einem Bericht zufolge die Rolle von Christian Wulff beim Übernahme-Duell Porsche/Volkswagen.

    Die BaFin untersucht, ob der am Freitag als Bundespräsident zurückgetretene Christian Wulff im Februar 2008 gegen das Wertpapierhandelsgesetz verstoßen hat, so vorab aus der neuen Ausgabe des “Spiegel”. Bekanntlich war Wulff zu jener Zeit Ministerpräsident von Niedersachsen und Mitglied des Aufsichtsrats bei Volkswagen.

    In einem Vermerk der Staatskanzlei sei Wulff damals mitgeteilt worden, dass Porsche mittelfristig den “Abschluss eines Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrages” zum Ziel habe. Dafür benötigte Porsche mindestens 75 Prozent der VW-Aktien. Porsche selbst hatte seinerzeit derartige Absichten bestritten.

    Die BaFin prüft jetzt, ob Wulff sein Wissen aus dem Vermerk als sogenannte Ad-hoc-Meldung, das ist eine Börsen-Pflichtmitteilung, hätte öffentlich machen müssen. Dadurch hätte unter Umständen ein Irreführen der Volkswagen-Aktionäre verhindert werden können. Sollte die BaFin zu dem Ergebnis kommen, dass eine solche Ad-hoc-Pflicht vorlag, könnte sie laut “Spiegel” ein Bußgeld verhängen.

    Eine BaFin-Sprecherin bestätigte die Untersuchung am Freitag nicht. Die BaFin äußere sich grundsätzlich nicht zu ihren Überprüfungstätigkeiten.“

    jetzt frage ich auch, wer sind die 70 Spekulanten, die Wulff unbedingt als Zeugen der Anklage haben wollen…

  13. Die Porsche/VW – Affäre ist hier nicht das primäre, sondern vergessen wir nicht, daß die EU-Kommission schon jahrelang versucht, den noch Staatsbesitz VW für die Heuschrecken aus Übersee frei zu schießen. Vielleicht hat auch Wulff in seiner Niedersachsen-Zeit erfolgreich mit dagegen gehalten.

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