Schon wieder Kill-Operation des MOSSAD im Iran?

COMPACT-Magazin aktuell: Die Alternative des Mossad

Am heutigen Mittwoch hat erneut der MOSSAD in Teheran zugeschlagen. Der Nuklearforscher  Mostafa Ahmadi Roschan überlebte ein Attentat mit einer Autobombe nicht. Ein  Motorradfahrer hatte einen magnetischen Sprengdatz unter dem den Wagen des Universitätsprofessors befestigt, berichtete die halbstaatliche Nachrichtenagentur Fars. Sie berief sich auf Zeugenaussagen. Das Muster ähnelt vorherigen Anschlägen auf iranische Atomwissenschaftler. Roschan war mit zwei weiteren Menschen unterwegs. Diese wurden durch die Explosion verletzt. Reuters berichtete von insgesamt zwei Toten. Roschan leitete nach iranischen Agenturberichten eine Abteilung der Urananreicherungsanlage in Natans nahe Isfahan. Die dortige Anlage steht unter ständiger (auch unangesagter) Kontrolle durch die internationale Atimenergiebehörde IAEO, die die Einhaltung des Sperrvertrages überprüft. Trotz dieser lückenlosen Überwachung erhaben die NATO-Staaten und Israel den Vorwurf, dass in Natans an Atomwaffen gearbeitet werde.

Die Mossad-Politik der Anschläge ist Ausdruck eines Machtkampfes innerhalb der israelischen Führung. Lesen Sie dazu (unten) den Artikel des Israel-Spezialisten Ludwig Watzal in der aktuellen Ausgabe von COMPACT-Magazin. Zusätzlich zum Thema Nahost in COMPACT 1/2012: „Frau Merkel hat sich Israel verpflichtet“. Interview mit dem jahrzehntelangen Repräsentanten der Palästinenser in Deutschland, Abdullah Frangi. COMPACT bestellen oder abonnieren kann man hier.

(Auszug- gekürzt – aus COMPACT, Januar 2010:)

Die Alternative des MOSSAD
Die israelische Regierung befürwortet mehrheitlich einen Militärschlag gegen Iran, doch der Geheimdienst lehnt ihn ab. Er bevorzugt Terroranschläge auf Nuklearanlagen und die Ermordung von Wissenschaftlern.  

Von Ludwig Watzal

Der „Krieg“ gegen den Iran ist bereits voll im Gange. Israel und die USA führen schon seit Jahren einen verdeckten Krieg, der auf die politische Destabilisierung Irans hinausläuft. Einige mysteriöse Vorgänge wie die Explosion auf  einem mutmaßlichen Raketentestgelände der Revolutionsgarden am 12. November 2011, bei der neben 17 Iranern auch ein hochrangiger General ums Leben kann, die Ermordung einiger iranischer Nuklearwissenschaftler oder die Sabotage von Atomanlagen durch den „Stutnex“-Virus werden von Kennern der Szene dem Mossad oder dem US-Geheimdienst CIA zugeschrieben. Obgleich der Mossad nie öffentlich die Verantwortung für die Vorgänge übernommen hat, kommt sein Schweigen zu all den obskuren Aktionen einer stillschweigenden Zustimmung gleich.

(…)
Gegen einen Militärschlag haben sich besonnenere Kräfte innerhalb des israelischen Sicherheitsestablishments ausgesprochen. Zu ihnen gehören Meir Dagan, der bis vor einigen Monaten noch Chef des israelischen Auslandsgeheimdienstes Mossad war, Gabi Ashkenazi, Ex-Generalstabschef, sowie Yuval Diskin, ehemaliger Chef des israelischen Inlandsgeheimdienstes Shin Bet. Glaubt man Medienberichten, so ist fast das gesamte Sicherheitsestablishment des Landes gegen einen Angriff. Von der so genannten zionistischen Linken wie der Meretz-Partei oder anderen Friedenskräften hört man dagegen keinen Protest gegen die Angriffsdrohungen.

Dagans öffentliche Kritik hat besonderes Gewicht. Er war es, der seit 2001 den Mossad fast ausschließlich auf die Bekämpfung des Iran ausgerichtet hat. Seine Spezialität sei es, den Kopf eines Arabers von dessen Körper zu trennen, soll Ariel Scharon einmal über seinen einstigen Protegé Dagan gesagt haben. Die beiden Männer lernten sich in den frühen 70er-Jahren kennen, als Scharon General war und Dagan eine Antiterror-Sondereinheit führte. Als Mossad-Chef war er unter anderem verantwortlich für eine Operation Ende Januar 2010,  bei der Hamas-Waffenbeschaffer Mahmud Mabhuh aller Wahrscheinlichkeit nach von einem Mossad-Killerkommando in Dubai hingerichtet wurde.  Peinlich für Dagan war allerdings, dass Überwachungskameras seine Agenten filmten und dass ihre gefälschte Pässe (darunter auch deutsche) zu diplomatischen Protesten führten. Nach seiner Pensionierung schwimmt der Ex-Geheimdienstler aber auf einer Woge der Popularität, angeblich will er sogar in die Politik gehen.

Eine Angriffs auf Iran hält Dagan für „töricht“, weil er zu einem regionalen Krieg mit unabsehbaren Konsequenzen führen werde. Das iranische Nuklearprogramm würde nur kurzfristig zurückgeworfen, und die Führung des Landes würde umso entschlossener das Nuklearprogramm vorantreiben. Ein weiterer Ex-Mossad-Chef, Ephraim Halevy, erklärte, dass Iran keine existenzielle Bedrohung für Israel darstelle und fuhr fort: „Der Staat Israel kann nicht zerstört werden, aber ein Angriff Israels auf Iran könnte nicht nur Israel, sondern die ganze Region für 100 Jahre beeinträchtigen.“ Längerfristige Überlegungen sprechen ebenfalls gegen einen Angriff. So hat der jetzige Sicherheitsberater Netanyahu, Yaakov Amidror, vor einigen Jahren auf einer Konferenz an der Universität von Tel Aviv erklärt, dass ein Angriff alle zukünftigen iranischen Regierung verpflichten würde, die offene Rechnung mit Israel zu begleichen.

(Vollständige Fassung nur in der COMPACT-Printausgabe.)

17 Kommentare zu „Schon wieder Kill-Operation des MOSSAD im Iran?

  1. Wenn es tatsächlich der Mossad war (wahrscheinlich) und keine false-flag Operation der Perser (unfug), um einen Grund zu haben endlich das eigene Land mit Nukes und DU-Munition fremdverseuchen zu lassen, dann zeigt es mal wieder die chauvinistische Kaltschnäuzigkeit der Hintermänner und -frauen. Diese Kreaturen haben aboslut keine Probleme, gezielt Menschen zu liquidieren, um ihrer eigenen armen Sehnsüchte wegen. Eine einzige große Sado-Maso Clique. Ein dreifaches Pfui! Und „Die Linke“ demonstriert gegen rechte Buchläden in Hintertupfing.

  2. Die vermeintliche Linke von GRÜNEN und SPD unterstützt doch sogar die Kriegspläne der USA. Vorgeschobene „Menschenrechtsverletzungen“ sollen Kriege ermöglichen, die dann tausende Menschenleben kosten werden, wie im Irak oder Libyen. Syrien und/oder Iran sollen wohl als Nächste mit Krieg überzogen werden.

    mit freundlichen Grüßen

  3. Es gibt halt Leute, die sich das Recht zu töten anmaßen. Es ist dann kein Mord, sondern eine humanitäre Aktion im Dienst des Friedens.

    Oder sie machen es, weil es der Vulkangott so will. Es ist dann gottgefällig und man kommt in den Himmel. Und andere machen es aus schierer Mordlust.

    Und wenn man sich zum Herrn über Leben und Tod aufschwingt, kann man die unbewußte Phanatsie entwickeln, dadurch unsterblich zu werden. Auch das ist eine starke Motivation.

    Alles halt ziemlich bewußtlos und unverständig. Wie immer und überall…

  4. Man könnte sagen, solche Anschläge sind immer noch besser als ein offener Krieg, bei dem hunderttausende sterben werden…..aber am Ende führen sie den Iran nur dazu, die Bombe in jedem Fall zu entwickeln.

    Nur wie lange lässt sich der Iran solche Aggressionen gefallen?

  5. Tom Januar 11, 2012 at 18:10

    Man könnte sagen, solche Anschläge sind immer noch besser als ein offener Krieg, …

    Man könnte, wenn man nicht wüßte, daß solche Anschläge zum offenen Krieg führen. Und vielleicht sogar nur verübt werden, um einen offenen Krieg herbeizuführen.

  6. @ Tom
    Oswald Spengler würde in seinem Untergang des Abendlandes vom „Offenbahrungsmenschen“ sprechen.
    Ich kann das nicht beurteilen. Aber immer wieder bin ich fasziniert und erschüttert zugleich, mit welchem augenscheinlichen Langmut die Perser die letzten 60 Jahre diese Eingriffe in ihre inneren Angelegenheiten hinnehmen. Die Psychologie lehrt, daß nur echte Opfer böser Gewalt so wenig zerstörerischen Hassdrang gegenüber den Tätern entwickeln. Opfer sind des Leidens überdrüssig, ihrer (durchaus kollektive) Erfahrung des Schmerzes der Verluste von Kind, Frau, Greis und Soldat.

  7. ich vermute mal das es bei den gezielten Tötungen von iranischen Atomwissenschaftlern durch den Mossad nicht bleiben wird, da das bisher gesammelte know-how auf Datenträgern abgelegt ist und qualifizierte Köpfe dort zu genüge vorhanden sind und die Arbeit fortführen.
    Die ganze Reihe von gezielten Tötungen wäre allein schon ein Kriegsgrund, jedoch kann der Iran nicht zurückschlagen, da er direkt mit einem atomaren Gegenschlag von Usrael rechnen muss, diese Kriegsgeilen warten nur darauf.

    Im übrigen sehr guter Artikel oben, auch die Compact 1/2012 Edition ist absolut Top.

  8. J. Fischer Januar 11, 2012 at 20:

    Aber immer wieder bin ich fasziniert und erschüttert zugleich, mit welchem augenscheinlichen Langmut die Perser die letzten 60 Jahre diese Eingriffe in ihre inneren Angelegenheiten hinnehmen. Die Psychologie lehrt, daß nur echte Opfer böser Gewalt so wenig zerstörerischen Hassdrang gegenüber den Tätern entwickeln. Opfer sind des Leidens überdrüssig, ihrer (durchaus kollektive) Erfahrung des Schmerzes der Verluste von Kind, Frau, Greis und Soldat

    Zugleich zwingen sie die unerfüllbaren Ausschließlichkeitsansprüche des „Westens“ und des „Ostens“ in eine geistige und spirituelle Autonomie, die ihre Individuierung als Volk befördert.

    Es sollte mich nicht wundern, wenn die Iraner gleichsam zur Avantgarde des Weltprozesses würden. Ihr Einfluß steigt und steigt…

  9. @ Joachim Bullinger
    „Es sollte mich nicht wundern, wenn die Iraner gleichsam zur Avantgarde des Weltprozesses würden. Ihr Einfluß steigt und steigt…“ Avantgarde zu sein und Einfluß zu haben kann verheerend sein. „Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.“ Haben wir ja selbst die eine oder andere Erfahrung mit – vielleicht auch deswegen das starke unkriegerische Element in unserem Volk und (echtes) Mitempfinden, wenn andere Landstriche durch Krieg verheert werden.
    @ Sacha Korn
    Ich nicht! Aber wenn er dereinst vor dem Ewigen oder Den Haag steht möge er ebenfalls hunterttausendfach lebenslänglich Hölle bekommen, wie die, die „ihre Bombe“ lieben.

  10. J. Fischer Januar 12, 2012 at 13:35 @ Joachim Bullinger

    Haben wir ja selbst die eine oder andere Erfahrung mit – vielleicht auch deswegen das starke unkriegerische Element in unserem Volk …

    Vielleicht, vielleicht ist das „unkriegerische Element in unserem Volk“ aber auch nur das Andere des Kriegers. So, wie der allfällige Philosemitismus „in unserem Volk“ struktural gesehen mit dem Antisemitismus identisch ist und sich phänomenal nur durch das andere Vorzeichen unterscheidet. Aus „-“ ist „+“ geworden

    und (echtes) Mitempfinden, wenn andere Landstriche durch Krieg verheert werden.

    Ja, das sehe ich auch so. Hier ist – aus eigener leidvoller Erfahrung – eine kollektive Empathie entstanden.

  11. @ Joachim Bullinger
    An dieses Thema würde ich nicht mathematisch herangehen, aber mit ganz klarem, analytischen Verstand. Wer JEDEM Volk gleichen Wert und gleiches Lebensrecht axiomatisch zuerkennt, wird auch jeden Philo oder Anti in der Luft zerpflücken wollen. Die einzige Bevorzugung die ich dem Individuum und Kollektiv zubillige, ist die „der eigenen Leute“ – dieses aber nur im friedlichen, gern auch hart geführten Wettstreit und bei Anerkenntnis der gleichen Lebens-und Entfaltungsrechte aller.
    Denn NUR, wenn ich diese für den anderen bejahe, erhalte ich für mich das gleiche Recht. Bejahe ich es nicht, verwirke ich dieses Recht. Es ist eine so unendlich platte Weisheit hanseatischer Pfeffersäcke für ihre Vorstellung einer gesunden (hier: Wirtschafts)Ordnung: leben und leben lassen

  12. @ Joachim Bullinger

    Warum ist denn nach Ihrer Theorie bei den heute in Israel lebenden Nachfahren aus den leidvollen Erfahrungen ihrer Vorfahren in deutschen Konzentrationslagern eigentlich keine (oder nur bei wenigen Prozenten von ihnen) Empathie mit den vertriebenen, getöteten und geschundenen Palästinensern entstanden.
    Das frage ich mich schon so lange, wie ich den Konflikt beobachte.

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