Elsässers Blog

19. September, Berlin: die Identitären kommen! Mit Sellner, Kubitschek, Elsässer. Halong-Hotel, Leipziger Str. 54, Beginn 19 Uhr

NSU = Nato Secret Underground

Schwerpunkt in der Januar-Ausgabe von COMPACT-Magazin: die Geheimdienste und der inszenierte Terrorismus

COMPACT wartet in der aktuellen Ausgabe mit einem doppelten Geheimdienstschwerpunkt auf: Einerseits deren Drahtzieher-Funktion (nicht: Nachtwächter-Funktion!) bei den sogenannten Döner-Morden, dazu gibt es Artikel von Gerhard Wisnewski, Josefine Barthel und mir; andererseits über die Rolle der Nato-Geheimarmee Gladio im Kalten Krieg mit einem Überblicksartikel von Daniele Ganser, einem Beitrag zum Barschel-Mord, einem Interview mit Michael Buback zur V-Frau Verena Becker und noch einem Artikel von mir zur Fortführung von Gladio nach dessen vermeintlicher Auflösung 1991. Ein pralles Heft! Jetzt COMPACT bestellen und abonnieren!

Es folgt ein Auszug aus meinem COMPACT-Artikel zumPolizistenmord in Heilbronn im Jahre 2007.

Vorabdruck aus COMPACT-Magazin, Januar 2012

Bundesweit am guten Kiosk ab 5.1.2012

Right Wing Operatives“

Der Mord an einer Polizistin in Heilbronn 2007 wird der rechtsradikalen NSU zugeschrieben. Dabei verweisen die wichtigsten Spuren auf ein US-geführtes Terrornetzwerk mit Ausläufern bis zu den 9/11-Anschlägen.

Von Jürgen Elsässer

Das Zwickauer Trio, das nach einem aufgefundenen Video als Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) bezeichnet wird, besteht aus rätselhaften Menschen: Die beiden Haupttäter Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt sollen zwischen 2000 und 2006 insgesamt neun Immigranten am helllichten Tag ins Gesicht geschossen haben – in jedem einzelnen Fall eine kaltblütige Hinrichtung. Als sich aber am 4. November 2011 ein einzelner Polizist dem Wohnwagen näherte, in dem sie sich nach einem Banküberfall verborgen hielten, gerieten sie in Panik, steckten das Gefährt in Brand und töteten sich gegenseitig.  (…)

Das größte Rätsel ist freilich der Mord, den das Trio angeblich am 25. April 2007 an der Polizeimeisterin Michèle Kiesewetter in Heilbronn begangen haben soll. Es ist die einzige der angeblichen NSU-Bluttaten, bei der die tödlichen Kugeln nicht aus der tschechischen Ceska 83 kamen, sondern aus einer russischen Tokarev bzw. einer polnischen Radom Vis. Und nur in diesem Fall war ein deutsches Opfer zu beklagen – und zwar nicht aus Gruppen, die von Rechtsradikalen ansonsten als „undeutsch“ angesehen werden wie Linke, Punks oder Obdachlose. Warum sollten die NSU-Killer 600 Kilometer nach Heilbron fahren, um eine Polizistin zu töten? (…)

Licht ins Dunkel dieser Tat kam am 1. Dezember 2011, als der Stern ein aufsehenerregendes Dokument des US-amerikanischen Militärgeheimdienstes DIA veröffentlichte. Das Observationsprotokoll wurde vom „Special Investigation Team Stuttgart“ erstellt, das an jenem 25. April 2007 in Heilbronn war. Die Agenten beobachteten einen „Contact“ mit der Abkürzung M.K. und einen nicht identifizierten weiteren Verdächtigen bei der Einzahlung von 2,3 Millionen Euro in einer Filiale der Santander Bank. Um 13.50 Uhr bewegten sich die Zielpersonen zur Theresienwiese, wo die Observation endete, als es zu einer Schießerei kam – dem Mord an Michèle Kiesewettter. Im englischen Original ist die Rede von einem „Shooting incident involving BW OPS Officer with right wing operatives and regular police patrol on the scene“. In den Schusswechsel waren demnach drei Parteien inlvolviert:

  1. regular police patrol“, also die reguläre Polizeistreife, bestehend aus Michèle Kiesewetter und einem Kollegen;

  2. BW OPS officer“, also ein „baden-württembergischer Einsatzbeamter“, vermutlich von einer Landesbehörde wie dem Verfassungsschutz oder dem LKA;

  3. right wing operatives“, vom Stern als „Rechtsextreme“ übersetzt.

Das offensichtlichste Skandalon an dieser Auflistung ist der letzte Punkt. Wenn Mundlos und Böhnhardt gemeint waren – woher wusste der US-Geheimdienst zu jenem Zeitpunkt, dass es sich dabei um „Rechtsextreme“ handelte? Die ermittelnden Polizeibehörden tappten nach der Heilbronner Bluttat völlig im Dunkeln, der politische Hintergrund des Zwickauer Trios flog erst vier Jahre später auf, und auch optisch waren Mundlos und Böhnhardt nicht als Rechte zu erkennen. Wie konnte das DIA-Team also schon damals – ein solcher Observationsbericht wird zeitnah erstellt – die politische Identität der beiden so klar ausmachen? Aber es gibt noch ein weiteres Problem: „right wing operatives“ heißt eigentlich nicht „Rechtsextreme“. Da wäre der Terminus „right wing activists“ oder „right wing militants“ treffender. Das Englischportal dict.leo.org führt für „operatives“ sieben Übersetzungen an: zwei Mal „Agent“ beziehungsweise „Geheimagent“, einmal „Funktionär“ und vier verschiedene Arten von „Arbeiter“. Ebenso wird der Begriff „operatives“, wie bei der Abkürzung BW OPS, im Sinne von „operative Kräften“ für Armee- oder Polizeieinheiten verwendet. Waren die „right wing operatives“ Mundlos und Böhnhardt für die DIA also nicht „Rechtsextreme“, sondern „Agenten“ oder „Einsatzkräfte“, die im rechten Spektrum („right wing“) operierten?

Dazu passt das zweite Skandalon des Berichtes: die Involvierung eines „BW OPS officer“. Damit hatten die US-Agenten zum ersten Mal beschrieben, dass auf der Theresienwiese nicht nur Täter („right wing operatives“) und Opfer („regular police patrol“) mitgemischt haben, sondern auch ein baden-württembergischer Beamter, höchstwahrscheinlich ein Verfassungsschützer, am Tatort war. Ob er nur beobachtet oder mitgeschossen hat, wird in dem Dokument nicht spezifiziert. (…)

Die dritte Sensation des DIA-Berichtes erschließt sich erst mit Zusatzinformationen. Der bei der Bankeinzahlung in Heilbronn beobachtete „M.K.“, die Abkürzung für Mevlüt Kar, ist selbst ein V-Mann der US-Amerikaner! Beobachtete DIA die eigenen Leute? Oder musste er observiert werden, weil er aus dem Ruder gelaufen war? Oder war Mevlüt Kar ein Mann der Konkurrenzfirma CIA, mit der die DIA bisweilen über Kreuz liegt?

Jedenfalls führt diese Person ins Herz des Terrornetzwerkes, das US-Dienste mit Hilfe williger deutscher Amtskollegen gebaut haben und dessen Grundstruktur auch der Gladio-Schwerpunkt in dieser COMPACT-Ausgabe (S. 33 bis 46) beschreibt. Kar wurde im August 2002 in der Türkei verhaftet und spätestens dann vom dortigen Geheimdienst Millî stihbarat Tekilât (MIT) unter dem Decknamen „Ubeyde“ angeworben. „Der (türkische) Geheimdienst habe den Informanten in Kooperation mit der CIA geführt. Die deutschen Behörden seien über das Projekt schon früh informiert gewesen,“ berichtete Bild im Juli 2009. Im Jahre 2004 stieg Kar in eine Operation ein, die Schlagzeilen machen sollte: Er machte sich in Istanbul an den Chef der späteren „Sauerland-Gruppe“, den Ulmer Konvertiten Fritz Gelowicz, heran und überzeugte den prospektiven Dschihadisten, nicht nach Tschetschenien zu gehen, sondern nach Afghanistan. Kar schleuste den Novizen an den Hindukusch, wo er – anstatt seinem ursprünglichen Wunsch gemäß vor Ort gegen die US-Amerikaner zu kämpfen – von Instrukteuren der ebenfalls Geheimdienst-kontrollierten Splittergruppe Islamische Dschihad Union (IJU) zum Bombenlegen in Deutschland animiert wurde. Zurückgekehrt nach Ulm bekam Gelowic wiederum von Kar die dafür notwendige Hardware: Im Sommer 2007 übergab er insgesamt 26 Zünder, die er im Kosovo und der Türkei beschafft hatte, an die „Sauerland Gruppe“. Bevor diese zum Jahrestag des 11. September ein „deutsches 9/11“ inszenieren konnte, schlug die Polizei zu und brachte Gelowicz und seine Helfer hinter Gittern, wo sie bis heute sind. Gegen Kar selbst erließ die Bundesanwaltschaft im August 2009 Haftbefehl und stellte ein Auslieferungsersuchen an die Türkei, die diesem aber bis jetzt nicht nachgekommen ist. Kar lebt heute unbeschwert in Istanbul.

Kar hatte erwiesenermaßen Kontakt zu Yehia Yousif, der als Hassprediger in Ulm entscheidend zur Radikalisierung von Gelowicz beigetragen hat – und ebenfalls für den Geheimdienst arbeitete. Das Landesamt für Verfassungsschutz in Stuttgart räumte selbst ein, dass es Yousif von 1996 bis 2002 als V-Mann beschäftigt hat. Ein weiterer Kontakt von Yousif und von Kar war der Syrer Louai Sakra, der wegen der Beteiligung an Bombenanschlägen in Istanbul im November 2003 mit über 50 Toten verurteilt wurde. Sakra hatte sensationelle Vorabkenntnisse über 9/11: „Am 10. September 2001, einen Tag vor den Anschlägen in den USA, berichtete Sakra angeblich dem syrischen Geheimdienst, in naher Zukunft seien Anschläge von Al Qaida in Amerika geplant. Es fielen keine Städtenamen und keine Gebäudebezeichnungen, aber Sakra nannte schon am Tag vor den Anschlägen Details der ‚Operation Heiliger Dienstag‘, unter anderem Flugzeuge als Tatwaffen und Türme als Ziele. Er muss, davon gehen westliche Geheimdienste aus, offenkundig Insiderwissen besessen haben,” schrieb der Spiegl im August 2005. Die türkische Tageszeitung Zaman berichtete über Sakra nach dessen Festnahme unter der Überschrift „Al Qaida – eine Geheimdienstoperation?“. Mit Bezug auf die Verhörunterlagen der türkischen Polizei schrieb das Blatt, die CIA habe Sakra bereits vor 9/11, nämlich im Jahr 2000, einen Job und eine grosse Summe Geldes offeriert. (…)

In den Jahren 2000/2001 lebte Sakra als Asylbewerber in Baden-Württemberg. Ermittlungen des BKA entzog er sich erfolgreich. „Der schwerwiegende Verdacht der BKA-Beamten, so ein internes Dossier: Auch der Bundesnachrichtendienst BND sei auf Sakra aufmerksam geworden. Im Ergebnis soll der Geheimdienst dann polizeiliche Massnahmen gegen den Terroristen verhindert haben. Sakra sei nach Syrien gebracht worden,“ berichtetw das ARD-Magazin Panorama.

Zurück zum Heilbronner Polizistenmord. Was führte mindestens ein Mitglied des Islamisten-Trios (Kar, Yousif, Sakra) mit mindestens zwei Mitgliedern des Zwickauer Trios (Mundlos und Böhnhardt) zur Tatzeit in derselben Stadt zusammen? Reiner Zufall? Oder war Kar an der Schießerei auf der Theresienwiese beteiligt? In der Nähe des Tatorts wurden jedenfalls zwei Araber kontrolliert, von denen nach Stern-Informationen mindestens einer Bezüge zu Mevlüt Kar hatte. Und etwa dreißig Minuten nach dem Mord wurde ein blutverschmierter Verletzter in den etwa 1.500 Meter entfernten Neckarwiesen beobachtet, der sich in einen blauen Audi 80 schleppte. Ein Mann im Wagen rief ihm auf Russisch etwas zu. Kar, der laut Stern viel mit Tschetschenen und Serben zu tun hat, spricht diese Sprache.

Gerhard Piper, der für das Berliner Institut für Transatlantische Beziehungen (BITS) ein Who is Who „Al Qaida und ihr Umfeld in Deutschland“ erstellt und über Kars für das Internetportal Telepolis detailgenau recherchiert hat, stellt die richtigen Fragen: „Gibt es eine zumindest geheimdienstliche Verbindung zwischen der islamistischen Sauerland-Gruppe und der neonazistischen Zwickauer-Gruppe? Und welche Kontakte unterhält eigentlich der türkische Geheimdienst Millî stihbarat Tekilât (MIT) zu deutschen Neonazis, die wiederum türkische Staatsbürger in Deutschland reihenweise umbringen?“ (…)

 (Der vollständige Artikel findet sich nur in der Printausgabe von COMPACT 1/2012. Bestellen über http://www.compact-magazin.com)

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8 Responses

  1. Und wenn das jetzt Auftragskiller waren, die für den türkischen Geheimdienst gearbeitet haben?

    Es soll ja Geheimdienste geben – vermuten manche Verschwörungstheoretiker- die mit der Erlaubnis der BRD höchst praktisch morden dürfen, in Deutschland.

    So als demokratische und humanitäre Aktionen im Interesse des Friedens und im Dienst der Liebe, gegen den Hass …

  2. Selten waren die Fersehfritzen, sie nennen sich Journalisten, so offen wie nach dem Wulff Interview beim ARD. Tagesschausprecher Burhow ließ tatsächlich verkünden, es kommt nicht auf die Richtigkeit der Nachrichtenmeldung an, sondern auf die Performance. „Wir müssen uns überlegen, wie können wir den Fernsehzuschauer beeinflussen. Das gilt natürlich dann auch für alle anderen Sendungen, z.B. über die Geschehnisse im arabischen Raum oder die veröffentlichten Berichte über diese „NSU“. Für den kritischen Beobachter gilt deshalb, nehme zunächst erstmal das Gegenteil von dem an was berichtet wird. Deswegen sind so kritische Ansätze, wie sie im Compact thematisiert werden, sehr nützlich, wenn auch hier spekuliert werden muß, weil man trotz Recherchen nicht alle Hintergründe aufdecken kann.

    http://rundertischdgf.wordpress.com/2012/01/05/ard-performance/

  3. Soll natürlich Buhrow heißen!

  4. Klaus sagt:

    Das Thema NPD Verbot kam ja erst wieder auf die Bühne nachdem Udo Vogt als NPD Chef versenkt worden war. Zur gleichen Zeit wurde auch die NSU „erfunden“.

    Damit könnte die Frage beantwortet sein, wer der Mann vom VS in den höchsten Kreisen der NPD war. Fragt sich wer da noch rumsitzt und Kohle vom staat bekommt.

    Wenn man die NPD verbiete sollte man auch gleich die Linke vervbieten und dann den VS auflösen. Nach den schönen Motte von vor 20 Jahren : „Stasi in die Produktion“

  5. yilmaz sagt:

    sehr gut rescherchierter Artikel von Jürgen Elsässer.
    Viel kann ich über den türk. Geheimdienst MIT nicht sagen, da ich nicht in der Türkei lebe, nur soweit, daß der MIT der verlängerte Arm der CIA ist/war, denn Ministerpräsident Erdogan hat, im letzten Jahr denke ich, den Geheimdienstchef ausgetauscht, genauso wie die komplette Militärführung und ein paar Richter.

    Auch der Artikel von G. Wisnefski „Das Geheimdienst Phantom“ über die NSU und die Zusammenfassung von Josephine Bartel über rechtsextremistische Straftäter „Staatliche Brandstifter“ sind absolut gelungen. Man sieht, daß die Geheimdienste willige Vollstrecker der Oligarchen sind: überall auf dem Globus Morde durchführen, Regierungen sabottieren, Revolutionen inszenieren, daß ist deren Handschrift… schade um den Ruf von James Bond.

  6. Toringo sagt:

    yilmaz: „Man sieht, daß die Geheimdienste willige Vollstrecker der Oligarchen sind: überall auf dem Globus Morde durchführen, Regierungen sabottieren, Revolutionen inszenieren, daß ist deren Handschrift“

    100% Zustimmung.

  7. Es ist halt so, daß die dunklen Mächte immer (!) im Verborgenen und Geheimen operieren müssen, weil sie sonst ihre Wirklichkeit und Wirksamkeit verlieren würden.

    Und da bieten sich die Geheimdienste halt an.

    Gelegenheit macht Diebe…

  8. yilmaz sagt:

    @ Joachim
    „Es ist halt so, daß die dunklen Mächte immer (!) im Verborgenen und Geheimen operieren müssen, weil sie sonst ihre Wirklichkeit und Wirksamkeit verlieren würden.“

    Genauso ist es, sind alles Meuchelmörder, sollen sie ihre wahre Fratze mal zeigen dann wissen wir ja mit wem wir es von Angesicht zu Angesicht zu tun haben…

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