7. Juli: Bommi Baumann über RAF & CIA

Vorabdruck aus COMPACT-Magazin, Juli-Ausgabe; Vorstellung von COMPACT 7/2011 am kommenden Donnerstag

Am kommenden Donnerstag (7.7.) veranstaltet COMPACT zur Premiere von Ausgabe 7/2011 eine Diskussionsveranstaltung zum Thema „Inszenierter Terrorismus“ mit Bommi Baumann (siehe unten) und Paul Schreyer, Autor des neuen Buches „Insie 911“. (19 Uhr, Viethaus, Leipziger Straße 54, Berlin-Mitte).

Bommi Baumann äußert sich in einem Interview in der aktuellen COMPACT-Ausgabe ausführlich zum Thema:

„Man muss nach GLADIO suchen“

Ein Insider packt aus: Der frühere Linksterrorist Bommi Baumann über den Buback-Mord 1977 sowie den Einfluss von Geheimdiensten und Nazis auf die frühe RAF.

Interview: Jürgen Elsässer

? Michael Buback geht davon aus, dass bei der Ermordung seines Vaters, des Generalbundesanwaltes Siegfried Buback, im April 1977 ein RAF-Mitglied geschossen hat, das gleichzeitig für den Geheimdienst arbeitete: Verena Becker. Sie kennen diese Frau und haben sie selbst 1972 für die Untergrund-Gruppe 2.Juni rekrutiert, bevor sie sich 1976 der RAF anschloss. Was meinen Sie zu Bubacks Theorie?

Das ist plausibel! Man muss sich doch nur anschauen, wie die Situation im West-Berliner Untergrund war, ab Ende der sechziger Jahre. In der APO und im Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) haben doch die Geheimdienste mitgemischt, schon vor Gründung der RAF. Als etwa 1968 die Waffen in der Kommune 1 gefunden wurden – die hatte Peter Urbach geliefert, ein aktenkundiger Spitzel.  Ohne Urbach ist eine Bewaffnung der demonstrierenden Studenten nicht vorstellbar. Am Kudamm hat er immer wieder aus seinem Auto heraus Bomben verteilt – vor dem Büro der INFI, der Internationalen Infoinitiative, einem Ableger des SDS. Mit einer dieser Bomben wollten wir – ich war damals im Zentralrat der Umherschweifenden Haschrebellen – den US-Präsidenten Richard Nixon bei seinem Berlin-Besuch Ende Februar 1969 in Kreuzberg in die Luft jagen. Der Sprengkörper ging aber wegen Kabelbrand nicht hoch und die Aktion wurde  deswegen auch nicht entdeckt. Trotzdem hat der damalige Polizeipräsident Klaus Hübner kurz darauf den versuchten Anschlag öffentlich gemacht. Das hat er eigentlich nur von Urbach wissen können, dem Bombenlieferanten – sonst wussten das nämlich nur noch zwei andere, einer davon war ich. Die Nixon-Bombe wurde von uns übrigens restauriert und kam dann am 9. November 1969 gegen die Jüdische Gemeinde zum Einsatz.

? Eine antisemitische Terroraktion zum Jahrestag der Reichspogromnacht, mit einer Bombe vom Verfassungsschutz. Aber den Ort hat doch nicht Urban ausgesucht, oder?

Nein, das war Dieter Kunzelmann. Der war schon damals durchgedreht, wollte den „Judenknacks“ der Deutschen mit einer Bombe heilen. Auch heute noch ist er ein absoluter Ego-Tripper. Auf der Beerdigung von Fritz Teufel im Jahr 2010 hätte ich mich fast mit ihm geprügelt. (…)

(Weiterlesen in der Printausgabe von COMPACT 7/2011. Ab 7.7. bundesweit am guten Kiosk – oder direkt beim Verlag bestellen.)

18 Kommentare zu „7. Juli: Bommi Baumann über RAF & CIA

  1. das Interview habe ich gerade gelesen, ist schon interessant hier mehr zu den Hintergründen aus erster Hand zu erfahren. Mahler konnte ich bisher auch nie richtig einschätzen und die Skinhead Geschichte aus der Zone war mir auch noch nicht bekannt. Die ganze Sache stinkt gewaltig.

    Mit Rolf Hochhuth außerdem ein weiteres sehr gutes Interview.

    Wie immer „Kaufbefehl“ für die Nichtabonnenten

  2. Hallo Jürgen,

    Offtopic:

    Hiermit möchte ich Dir mein aufrichtiges Beileid ausdrücken, zu dem wohl langweiligsten „Interview“ der Internet-Stream-Geschichte.
    Was versteht Herr Alex Benesch an dem Begriff „Interview“ eigentlich nicht ???

    Ich musste an mehreren Stellen schmunzeln, da das Interview voller unfreiweillig komischer Momente gespickt war.

    Zitat Benesch: “ Der Begriff Privatisierung ist leider sehr negativ bestezt, da sich einige Wenige unter dem Deckmantel dieser bereichert haben.“ …
    Ist das nicht der eigentliche Sinn und Zweck der Privatisierung?

    Auch finde ich erstaunlich, dass man den Zusammenhang zwischen der Mont Pelerin Society, ihren verschiedenen Ablegern und Autoren mit dem Übel, welches man kritisieren möchte nicht zur Kenntnis nimmt.

    Zitat Benesch: „Unglaublich, unglaublich ! “

    Damit hast Du Dir, Jürgen, keine großen Gefallen getan.
    Gott sei Dank haben es nur 1400 Leute insgesamt (zur Spitze 370 Leute simultan) gesehen.

    Viele Grüße

  3. Arthur: Warten wir mal ab, was andere sagen. Ich werde das Gespräch bald hier posten. Was Du mit dem Zitat von Alex ausdrücken willst, wird mir auch nicht klar. Könnte es vielleicht sein, dass nicht Benesch und ich, sondern Du einen schlechten Tag erwischt hast? Jedenfalls: Vielen Dank fürs zweistündige (!) Zugucken!

  4. „Man muss nach GLADIO suchen“
    „Die Nixon-Bombe wurde von uns übrigens restauriert und kam dann am 9. November 1969 gegen die Jüdische Gemeinde zum Einsatz.“

    Was soll das denn für eine Scheiße sein?
    Wenn GLADIO involviert war, wäre kein Kabelbrannt passiert.
    Hey Bommi, erzähl doch nicht so’n Müll.
    Mit GLADIO hattet ihr doch nichts zu tun, ihr wart einfach nur durchgeknallte, möchte gern Unterwanderte, mit Fischer als Sprengstofflager, sonst nichts.
    Die RAF ist und bleibt eine ausgemachte Sache des Staatsterroismus. Komm mir doch jetzt nicht mit, ausgerechnet GLADIO, als ob Du wüsstest, was das ist.
    Wenn Joschki das hören würde? Lächerlich.

  5. Lindenbaum: Gladio IST Staatsterrorismus. Wieso konstruieren Sie da einen Widerspruch??? Vielleicht mal das ganze Interview lesen, bevor man sich aufspult.

  6. Hallo Jürgen,

    ich habe nahzu nichts an Deinen Antworten bzw. Inhalten auszusetzen.

    Das der Begriff „Privatisierung“ negativ besetzt ist, liegt Benesch zufolge daran, dass der Begriff von einer kleinen Gruppe missbraucht wurde, um sich zu bereichern.
    Ich jedoch behaupte, dass genau das der Sinn, Zweck und das Ergebnis der „Privatisierung“ ist.
    Ob man es auf das Gesundheitssystem, auf den Wohnungsbau, auf die Infrastruktur oder die Energieversorgung überträgt.

    Es hat bisher keinem Staat bzw keiner Gesellschaft auch nur ein Fünkchen Positives gebracht, diese Bereich zu privatisieren und somit Kernbereiche der Souveränität sowie öffentliche Güter an das „anglo-amerikanische Kapital“ zu übertragen.
    Verteter des „Minimalstaates“( Hayeks Sackhalter), Benesch glaubt zu dieser Spezies zu gehören, propagieren Privatisierung.Herr Janich schlägt in die gleiche Kerbe.

    Ich verstehe nicht, wie man auf diesem Auge so blind sein kann.
    Ich bin kein „Wirtschaftsexperte“, habe aber mal recherchiert, welche „Think-Tanks“, Zirkel, Persönlichkeiten und Stiftungen hinter diesem Gedankengut („Liberalismus“) stecken.

    Mont Pelerin Society, Atlas Economic Research Foundation,Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit usw.
    Googlen hilft.

    Vor ca. 2-3 Monaten habe ich auch das Interview mit Herrn Hörstel live angesehen(welches mir besser gefallen hat, da dynamischer) und muss gestehen, dass er Herrn Benesch besser „im Griff“ hatte und ihm somit in die Schranken wies, auf eine subtile, diplomatische Art und Weise, die dem Interviewer verborgen blieb.( Da kam Benesch auch mit Schlagworten wie „Freiheit“ und allem was dazugehört).

  7. „Michael Buback geht davon aus, dass bei der Ermordung seines Vaters, des Generalbundesanwaltes Siegfried Buback, im April 1977 ein RAF-Mitglied geschossen hat, das gleichzeitig für den Geheimdienst arbeitete: Verena Becker.“

    worauf du dich verlassen kannst. und nicht nur bei der liquidierung von bubak.

    schade das du jetzt in jeder soße rumrühren musst. das ist der nachteil an compact, du musst immer hip sein und ständig neue fässer aufmachen, man kann ja nicht mir ein, zwei dauerthemen ne zeitung vermarkten.

  8. @ Elsässer,

    Bommi hat mit GLADIO nichts zu tun, det meine ick.
    Der hat kene ahnung davon, verstehse.

  9. Lindenbaum: Da will einer berlinern. Nachtigall, ick hör Dir trapsen.

  10. chicano: versteh nicht, was an dem Thema hip sein soll?? Über den Rest sollten wir uns per Email unterhalten.

  11. „sowie den Einfluss von Geheimdiensten und Nazis auf die frühe RAF“. Ich bin bestimmt kein Freund von Nazis, bin aber auch der Meinung, dass man diese nicht für alles Böse in der Welt verantwortlich machen kann. Das ist zu einfach. In den 70iger Jahren war das Dritte Reich schon fast drei Jahrzehnte untergegangen. Die Nazis können es nicht gewesen sein. Das der Geheimdienst immer seine Finger im Spiel hatte ist bekannt, ich wehre mich aber auch dagegen, dass die RAF eine Erfindung des Geheimdienst war oder von diesem geführt wurde. Das ist Quatsch. Das Interview ist aber insgesamt sehr erfreulich.

  12. @Simon Pöpperl
    Grundsätzlich könntest Du Recht haben, nur kann man Nazis und Geheimdienste nicht unbedingt immer strikt trennen. Man denke nur an die Verquickungen nach Ende des Zweiten Weltkrieges. Was meinst Du denn, welchen Ursprung die RAF hat, bzw. wer sie schuf???
    Zusatz: habe versucht, Dich mal über die AIP zu erreichen. Kannst Du mir bitte mal Deine eMail-Anschrift schicken, ich habe ein paar Fragen…DANKE!

  13. @ jürgen elsässer

    „chicano: versteh nicht, was an dem Thema hip sein soll?? Über den Rest sollten wir uns per Email unterhalten.“

    nicht das thema, dass ist definitiv glühendes eisen. ich wollte auch nicht sagen, dass die anderen themen die du beackerst unwichtig sind, dass sind sie nicht.

    ich meinte nur, dass man nichts erreicht in „der sache“ (die du per mail erörtern willst?) wenn man alles beackert. man entwickelt so keine stosskraft, zu breit aufgestellt. dafür bräuchte es meines erachtens ein, zwei kernthemen mit denen man den geist der massen öffnet (you know, man ruft ja auch parolen beim angriff und liest keine bücher vor ;))

    aber für eine zeitung natürlich genau richtig. die kostet dich aber auch reichlich power und schaffenskraft. daher scheint mir das andere baby in den brunnen zu fallen bzw. befindet sich bereits im freien fall.

    so wars gemeint.

    pass auf dich auf

    p.s. die freddymercu……..is`n fake, nicht das du die nutzen wilst. jibt aba och ne andre wenn de willst 🙂

  14. chicano: Vielleicht ist die Zeit für einen Angriff noch nicht da? Jedenfalls erscheint es mir einfacher, eine Zeitung mit 100.000 Auflage zu schaffen als eine Partei mit 100.000 Wählern, und eine Partei von dieser Größe hätte nicht entfernt die Stoßkraft einer Zeitung von dieser Verbreitung.

  15. in dem vergleich stimmt es sicher was du sagst. ich meinte auch keine partei, sondern eine durch fast schon monotone wiederholung einger alle betreffende kernaussagen in gang gebrachte volksbewegung und anfangs hatte die volksinitiative vielleicht das zeug und den drive dazu.

    wenn diese bewegung stosskraft gewonnen hätte, dann wäre der aufbau einer anschließend entstandener partei ein selbstläüfer geworden. so wie bei den grünen seinerzeit.

    sie nutzten doch auch schon das zitat: „nichts ist mächtiger als eine idee……………………….“

    früchte können aber auch schal werden am strauch.

    aber nochmals, es sollte keine beschwerde sein, eher ein seufzen und ein klein wenig wehmut. jeder muss seinen weg gehen und ihrer ist eben compact geworden. und compact ist ja auch sehr gut. viel erfolg wünsche ich alle mal.

    evtl. könnte compact ja auch noch was reissen im oben von mir angerissenen sinne.

  16. Das Attentat an der Piazza Fontana in Mailand forderte 17 Todesopfer. Verdächtigt wurden zunächst linke Anarchisten. Sie wurden wieder freigelassen.

    Ein Anschlag auf eine Bank hätte zwar auf eine rote Urheberschaft hingedeutet. Wegen der vielen Toten wurde aus dem „Anschlag auf die Bank“ ein „Massaker“ gegen die Piazza bzw. das Volk gemacht – und Taten gegen das Volk sind bekanntermaßen „rechts“.

    Doch auch den später verdächtigten Rechtsextremen vom „Ordine Nuovo“ konnte die Tat auch nach jahrzehntelangen Prozessen gegen die gesamte rechtsextreme Szene nicht nachgewiesen werden.

    Einer der Anarchisten, Mario Merlino hatte tatsächlich eine rechtsextreme Vergangenheit. Für Italiens linke Medien und Justiz, ein klarer Hinweis darauf, dass die Anarchisten von Rechtsradikalen unterwandert worden waren, um ihnen im Rahmen der „Strategie der Spannung“ die Tat anzuhängen.

    Gerade in Italien ist jedoch die Konversion vom Linksradikalismus zum Rechtsradikalismus (und umgekehrt) nichts Einmaliges:

    Selbst der Duce hatte seine politische Karriere als Sozialist begonnen.

    Der freigesprochene Hauptverdächtige Valpreda behielt ein gutes Verhältnis zu Merlino, obwohl dieser angeblich seine Gruppe unterwandert hatte.

    Aktuell wurden Stimmen laut, dass Valpredas Gruppe von den Rechtsextremen für den Anschlag benutzt worden sei.

    Die Wahrheit könnte viel banaler sein:

    Die Anarchisten hatten möglicherweise lediglich den Sprengstoff für ihre Anschläge über Merlinos alte persönliche Kontakte aus denselben Quellen bezogen, von denen auch die Rechtsextremen ihre Waffen erhielten.

    Im Militär gab es sicher rechtsextreme Elemente (und so wohl auch bei Gladio), die man jedoch nicht so ohne weiteres dem Staat zurechnenen kann, wenn sie staatsfeindlichen Gruppen – und dabei handelte es sich bei Ordine Nuovo – Waffen lieferten.

    Dass Ordine Nuovo tatsächlich von Gladio-Mitgliedern mit Waffen beliefert worden war, konnte nie nachgewiesen werden – und schon gar nicht, dass die Anschäge auf Anweisung der NATO- bzw der Gladio-Führung erfolgt waren.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s