Die letzten Tage im Euro-Bunker

Auszug aus Jürgen Elsässers Buch „Der Euro-Crash: Griechenland war erst der Anfang“

Jürgen Elsässer, „Der Euro-Crash: Griechenland war erst der Anfang“ (120 Seiten, 8.80 Euro) ist bestellbar auch über info@juergen-elsaesser.de . (Am Ende dieses postings finden Sie weitere Hinweise auf interessante Titel zur Euro-Krise.) Hier ein Auszug aus dem Buch „Der Euro-Crash“:
Testfall Griechenland

„Es ist eine Schande, wenn es sich bewahrheiten sollte, dass Banken, die uns schon an den Abgrund gebracht haben, auch noch beim Fälschen der Statistiken in Griechenland mit dabei waren.“ (Angela Merkel, 17. Februar 2010)28

Ab Jahresende 2009 wiederholten die Finanzbetrüger gegen Nationalstaaten das, was sie in den Jahren zuvor auf niedrigerem Niveau bereits gegen konkurrierende Banken und Industriesektoren mit Erfolg ausprobiert hatten.  Griechenland wurde von den Spekulanten unter Führung von Goldman Sachs als Rammbock gegen die Euro-Zone benutzt, so wie dieselben Kreise arme Schlucker in den USA als NINJAs gegen die Guthaben vor allem der Mittelschichten (in den USA und anderswo) benutzt hatten.

Dabei nutzten die Angreifer den Umstand, dass Griechenland in der europäischen Staatenwelt tatsächlich eine Art NINJA ist: No income, no job and asset. Das Land ist volkswirtschaftlich und im EU-Maßstab gesehen ein armer Schlucker: Es generiert über den Handel mit anderen kein Einkommen, sondern nur steigende Defizite; es hat viel zu wenig Jobs, vor allem in der Industrie; seine Kapitalguthaben im Inland stehen im Schatten der Schulden gegenüber dem Ausland. Diesem Staat in großem Umfang Darlehen zu geben, konnte genau so wenig gutgehen, wie in den USA Immobilienkredite an Arbeitslose und Drogenabhängige zu geben. Aber genau das haben Goldman Sachs und seine Verbündeten initiiert und orchestriert  – im einen wie im anderen Fall.

Um Missverständnisse zu vermeiden: Griechenland ist hochverschuldet – aber nicht schlimmer als viele andere westliche Staaten. Die Haushaltsneuverschuldung lag im Fiskaljahr 2009 mit 13,6  Prozent vom Bruttoinlandsprodukt (BIP) etwa so hoch wie in der Euro-Zone bei Irland (14,2 Prozent), Spanien (11,2 Prozent) oder – außerhalb der Euro-Zone – Großbritannien (14 Prozent) und den USA (13 Prozent). Die Gesamtverschuldung des griechischen Staates hatte Ende 2009 immerhin 112,6 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung erreicht. Damit lag das Land zwar über Deutschland (73,1 Prozent), aber unter Italien (115 Prozent) oder gar Japan (etwa 200 Prozent).29 In den USA liegt die Staatsverschuldung offiziell bei knapp 13 Billionen US-Dollar, das entsprach im Jahr 2009 83,1 Prozent der Wirtschaftsleistung. Doch der Betrag ist geschummelt, da er nicht die wilde Geldschöpfung durch die Federal Reserve erfasst, die dem Staat nicht angerechnet wird, aber für die er im Zweifelsfall haften muss. Zwischen 2001 und 2005 hat die Fed mehr zusätzliche Dollars in Umlauf gebracht als in der gesamten über 200jährigen US-Geschichte zuvor. Ab dann wurden keine Geldmengenstatistiken mehr veröffentlicht. Allein nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers im September 2008 verdreifachte sich die Bilanzsumme der Fed von 874 Milliarden Dollar auf 2.219 Milliarden Dollar.30 Alleine die in diesen drei Monaten zusätzlich geschöpfte Geldmenge von knapp 1,5 Billionen Dollar würde, wenn sie für die Statistik berücksichtigt würde, die Staatsverschuldung um etwa zehn Prozentpunkte nach oben treiben. Diese verdeckte Schuldenmacherei über die Nationalbank konnte Griechenland seit dem Beitritt zur Euro-Zone nicht mehr praktizieren, weil die Geldmenge von der EZB bestimmt wird. „Gerade das Griechen-Bashing angloamerikanischer Marktakteure steht in kuriosem Kontrast dazu, dass Amerikaner und Briten ein ebenso hohes laufendes Staatsdefizit von mehr als zehn Prozent haben – mit dem Unterschied, dass sie, anders als die Griechen, nicht einmal versuchen, das Defizit bald in die Nähe von drei Prozent zu bringen,“ resümierte die Financial Times Deutschland.31

Vor allem bei der Entwicklung des Schuldenberges stehen die Hellenen nicht schlechter, sondern besser da als viele ihrer Kritiker. Der Anstieg der Staatsverschuldung seit dem Jahr 2007, als sich der Einbruch der Weltwirtschaft ankündigte, beträgt nach OECD-Angaben für Griechenland 19,4 Prozent, für Frankreich 22,6 Prozent, für Japan 30,1 Prozent, für die USA 30,6 Prozent, für Großbritannien 36,2 Prozent und für das ansonsten gerne als Gegenbeispiel zu den „faulen Griechen“ gelobte Irland sogar 53 Prozent.32

Goldman Sachs nutzte die Gier der politischen Klasse Griechenlands, die – unabhängig von der jeweiligen Parteizugehörigkeit – zu den korruptesten der Welt zählt. Als im Jahr 2002 der Beitritt des Landes zur Euro-Zone anstand, halfen die New Yorker Banker der Linksregierung von Konstantinos Simitis bei der erforderlichen Reduzierung des Haushaltsdefizits und organisierte nicht nur Kreditbuchungen in Höhe von 15 Milliarde Euro, sondern ertüftelte auch die Tricks, um die Schuldenaufnahme gegenüber Brüssel zu vertuschen. Das alles, beteuert man, sei völlig legal gewesen. Die Hilfestellung hat sich angeblich ordentlich rentiert: Goldman Sachs kassierte demnach eine Milliarde Euro, fast sieben Prozent der Darlehenssumme. Die Wallstreet-Banker  übernahmen erneut die Aufgabe – wie bei den ausfallgefährdeten Papieren, die mit faulen US-Immobilienkrediten unterlegt waren (vgl. S. xy) – , die griechischen Anleihen  an gutgläubige Kunden, darunter Banken in Deutschland und Frankreich, weiterzuverkaufen. „Die Bank kannte die angespannte Haushaltslage Athens, hat aber die Käufer (griechischer Staatstitel) nicht in allen Anleiheprospekten darauf hingewiesen. Goldman Sachs hat somit die Verschuldung Griechenlands gefördert, die wirkliche Lage verschleiert und die Rückzahlung der Anleihe gefährdet – die eine Milliarde Provision für Goldman war für die Investmentbank offenbar wichtiger.“33

Die griechische Bevölkerung hatte – entgegen Darstellungen in der deutschen Boulevard-Presse – von diesen Tricksereien keine Vorteile. „Nach Eurostat-Angaben liegt der Mindestlohn (in Griechenland) bei 51 Prozent, die Renten bei 55 Prozent des Durchschnitts der Euro-Zone. Unter dem Strich liegt das Lohnniveau bei 73 Prozent des Durchschnitts, wobei die Kluft zwischen Staatsdienern und Beschäftigten der Privatwirtschaft immens ist. Nach Angaben des gewerkschaftsnahen Instituts für Arbeit verdient ein Viertel aller griechischen Beschäftigten weniger als 750 Euro netto im Monat.“34

Die „unsichtbare Hand“ der Goldmänner dürfte den Hellenen auch in den Folgejahren bei der kreativen Buchführung geholfen haben – Athen beauftragte die New Yorker Fachleute jedenfalls regelmäßig mit dem Verkauf von Staatsanleihen auf den internationalen Kapitalmärkten. Komplizen bei den Tricksereien saßen auch in Brüssel: „Zwar wollte 2005 EU-Währungskommissar Joaquin Almunia die Angaben (der Griechen zu ihrem Defizit) überprüfen lassen; Kommissionspräsident Jose Manuel Baroso entschied jedoch dagegen.“35

(Auszug aus: Jürgen Elsässer, Der Euro-Crash, 120 Seiten, 8.80 Euro; bitte beachten Sie auch die Veröffentlichungen zur Konferenz „Der Euro vor dem Zusammenbruch“ mit Hankel, Schachtschneider, Otte, Farage, Mross, Clauss, Most: Das Buch zur Konferenz, 120 Seiten mit allen Referaten, 8.80 Euro und die DVD mit allen Referaten, 7 Stunden Laufzeit, 24,95 Euro – alles bestellbar auch über info@juergen-elsaesser.de)

8 Kommentare zu „Die letzten Tage im Euro-Bunker

  1. – lieber Herr Elsässer

    – was wollen SIE denn ?

    – das interessiert doch kein Schwein
    – die Deutschen sehen lieber die Fürstenhochzeit
    und die Frauenfußball – Spiele

    im Freundeskreis bekomme ich immer dieselbe Antwort :
    – mir geht es doch gut – oder ?

    DEUTSCHLAND schafft sich selbst ab !

  2. Man kann es auf einen Nenner bringen. Zur Vereinheitlichung der Euro-Staaten braucht es eine Euro-weite Kriese. Zur Vereinheitlichung der Welt, braucht es eine Welt-Kriese.

    Griechenland ist doch nur ein Mosaiksteinchen, der ganz kleinen Art, auf dem grossen Weg in die totale NWO.

    Dabei interessiert doch über haupt nicht, dass mit Geld, nicht umgegangen werden kann.
    Man muss sich eins klar machen: das s.g. Schuldgeld übersteigt ein 100000 Faches des real erwitschftbaren, wobei das Vermögen, nutzbarer, eigener Recoucen ausser acht gelassen wird. Nur das Geld zählt. Und wer das Geld, vom IWF bestimmt wieviel, nicht hat, fällt durch.
    Die Defizite eines jeden Landes sind Ergebnis der von den NWO-Treibern festgelegten Grenzwerten, die, wie Sie richtig sagen, niemals eingehalten werden.
    Es kommt noch schlimmer; wenn das Geld keine „Zugkraft“ mehr hat, werden Seuchen und Pndemien ausgerufen, die den Rest besorgen. DAS betrifft auch uns. Wir werden vor die Hunde gehen, das Undenkbare wird Wirklichkeit und selbst der grösste Befürworter des bestehebden Systems, wird um Gnade betteln müssen. Aber vor wem?, DAS ist doch die Frage.

  3. [Merkel] „Banken, die uns schon an den Abgrund gebracht haben“ …

    Hear, hear–VERY GOOD article/interview here:

    http://www.voltairenet.org/La-guerre-contre-la-Libye

    La guerre contre la Libye est une catastrophe économique pour l’Afrique et l’Europe
    Sun, 03 Jul 2011

    Arbitrary excerpt:

    Réseau Voltaire : Avec la guerre, que vont devenir ces projets ?

    Mohammed Siala^1 : Tous ces chantiers sont interrompus avec le gel des avoirs. […]

    La guerre a désespéré nos partenaires. Les Chinois ont ici 20 milliards de dollars de contrats, les Turcs 12 milliards.
    Viennent ensuite les Italiens, les Russes, puis les Français. Ce n’était pas leur intérêt de laisser faire cette agression, encore moins d’y participer. Probablement certains ont–ils reçu des compensations en dessous de table, mais nous n’avons aucune information précise à ce sujet. D’autres espèrent avoir plus en conquérant notre pays et en s’attribuant eux-mêmes les contrats de reconstruction.

    Etc.

    1. M. Mohammed Siala, ministre de la Coopération et administrateur du fonds souverain libyen

  4. Vorhin in den Nachrichten wurde Juncker mit folgenden Worten zitiert:

    „Die Souveränität der Griechen wird eingeschränkt“.
    Was ist damit gemeint? Klingt jedenfalls nicht gut.

  5. Das Bundesverfassungsgericht wird morgen feststellen, dass der Kern der Verfassungsidentität durch die Griechenlandhilfe und den Rettungschirm verletzt wurde und deswegen in Deutschland keine Gültigkeit hat.

    So hoffe ich….

  6. Draghi , das kommende EZB Präservativ- war Chef von Goldman Europa genau in jener Zeit , als die Goldmänner Griechenland mit Krediten beglückten.

    Eben dieser Herr Draghi darf jetzt dafür sorgen, dass die Goldmänner von der EZB das Geld samt überhöhter Zinsen zurückbekommt.

    Wird werden von Verbrechern ausgesaugt….

  7. Schön geschrieben, aber Sie haben vergessen, dass die anderen Völker auch ihren Beitrag dazu mit Blut leisten.
    Gestern habe ich gelesen, dass Deutschland Waffen in Milliardenhöhe an Saudi Arabien verkauft, damit sie wieder in Bahrain und anderswo die Menschen ermorden können.
    So eine Arroganz und Heuchelei gibt es nur bei Frau Merkel und Co.
    Wenn die Mullahsregierung, einst wie Gaddafi, sich in Richtung Westen dreht, werden sie auch mit Waffen aller Art beliefert.

    Was ist die Definition für das Verbrechen gegen die Menschlichkeit?

    Töte so viel du kannst, aber bleib an der Macht und verkauf dich als Retter der Menschheit und Menschenrechte.
    Zitat: Leopard II

  8. Naja, Griechenland eignet sich ja auch ganz gut, um mit dem Krieg gegen den Euro anzufangen.
    Die Amis wollten den Euro nie. Und wenn man sich in der Welt z.B. Irak umguckt, stellt man fest, dass er keinesfalls Frieden gebracht hat.
    Ohne den Euro wäre der Dollar mehr wert, weil er keine Konkurrenz mehr hätte. Schließlich ist er ja -noch- die Währung, in der das „schwarze Gold“ gehandelt wird.

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