9.Juni, Berlin: Libyen-Veranstaltung von COMPACT

Mit ehem. Staatsminister Helmut Schäfer  und Prof. Udo Steinbach


Der Krieg gegen Libyen wird intensiviert, die NATO bombardiert Tripolis „im Minutentakt“, wie junge Welt richtig schreibt. Die Öffentlichkeit muss wachgerüttelt werden. Man braucht gute Argumente, prominente Experten, um gegen den Mainstream der Lügen anzukommen. Eine Aufgabe für COMPACT-Magazin.

Kann man noch bessere deutsche Referenten finden, wenn es um den „Krieg um Libyen“ – so der Veranstaltungstitel von COMPACT – geht? Professor Udo Steinbach leitete lange Jahre das deutsche Orient-Institut in Hamburg. Helmut Schäfer (FDP) war von 1987 bis 1998 Staatsminister im Auswärtigen Amt und in dieser Funktion „rechte Hand“ sowohl für Genscher wie für Kinkel. Er ist ausgewiesener Fachmann für den Nahen Osten und hat unter anderem den ersten Kontakt der Bundesregierung zu Arafat hergestellt. (Sein Interview für COMPACT 5/2011 ist auszugsweise unten wiedergegeben). Moderation: Jürgen Elsässer.

Um sich einen Platz auf dieser hochkarätigen Veranstaltung zu sichern, empfiehlt sich sofortige Anmeldung. Übrigens: COMPACT-Abonnenten – und solche, die es bis dahin oder auf der Veranstaltung werden – erhalten freien Eintritt!

Ort: Viethaus, Leipziger Straße 54 (U-Bhf. Spittelmarkt)

Beginn: 9. Juni, 19 Uhr

Interview mit Staatsminister a.D. Helmut Schäfer in COMPACT 5/2011. Überschrift: „Wo bleibt unsere nationale Souveränität?“

Frage: Stichwort Militäreinsatz gegen Libyen: Wie bewerten Sie die Stimmenthaltung von Außenminister Guido Westerwelle im UN-Sicherheitsrat? Joschka Fischer kritisierte den „liberalen Gelgenheitspazifismus“, andere sprachen von einer „Schande“.

Da war Fischer ganz bei dem rechtskonservativen Ex-General Klaus Naumann, der ins gleiche Horn blies,sich sogar für Deutschland zu schämen müssen glaubt.. Kritisiert wurde unter anderem, dass die Bundesregierung zusammen mit Russland und China gestimmt habe. Aber was ist daran ehrenrührig? Zum einen waren es außer den beiden genannten auch noch Brasilien und Indien, das wird gerne vergessen ebenso wie die Tatsache dass keineswegs alle EU bzw. NATOStaaten für ein militärisches Eingreifen waren. Joschka Fischer weiss vielleicht gar nicht, dass in den USA , angefangen von Verteidigungsminister Gates bis in den Kongress und die Medien hinein erhebliche Bedenken gegen einen militärischen Einsatz in das nunmehr dritte muslimische Land geäußert wurden.Da wurde auch kritisch angemerkt: Wissen wir, für wen wir da intervenieren? Wissen wir überhaupt, wer die Rebellen sind und ob wir nicht in einen neuen Krieg hineingezogen werden?

? Von heute aus gesehen, einige Wochen nach Kriegsbeginn: Hat sich da die deutsche Enthaltung bewährt oder nicht?

Auf jeden Fall scheint die einfache Formel – Gaddafi gegen sein Volk – so nicht zu stimmen. Auffallend ist jedenfalls, dass der Aufstand gegen ihn ausschließlich von der Bevölkerung im Osten des Landes getragen wird, er im Westen Libyens offensichtlich aber noch genügend Unterstützung zu finden scheint. Man unterschätzt, dass hier auch Stammesauseinandersetzungen eine Rolle spielen . Gaddafi stützt sich offenbar nicht also nur auf die ihm ergebene Armee. Die würde ihm wenig nützen, wenn das Volk geschlossen gegen ihn wäre. Im übrigen, wenn Deutschland im Sicherheitsrat mit Ja gestimmt hätte, hätten wir uns kaum bei der Entsendung von Kampfflugzeugen verweigern können. Wo wären wir dann heute? Selbst die USA haben nach den ersten Wochen kalte Füße bekommen und wollen sich militärisch zurückziehen

? Jedenfalls habe sich Deutschland durch die Stimmenthaltung isoliert, sagen die Kritiker.

Das ist lächerlich. Nehmen Sie nur ein Beispiel: der Kanzlerin wird in Kürze bei ihrem nächsten US-Besuch die Ehre eines großen Staatsbanketts im Weißen Haus zuteil – dem ersten deutschen Staatsgast seit fast 20 Jahren!

? Die Stimmenthaltung habe Deutschland „Schaden zugefügt“, sagen die Kritiker.

Das haben wir damals, leider auch in meiner Partei, schon gehört bei der Weigerung von Bundeskanzler Schröder, Deutschland in den(wie wir heute wissen mit Lügen und Verfälschungen begründeten) Irakkrieg mit hineinziehen zu lassen. Diese Kritiker leiden auch unter deutscher Selbstüberschätzung indem sie glauben, die ganze Welt habe nichts Besseres zu tun, als auf deutsche außenpolitische Entscheidungen zu starren.Im übrigen waren wir in Europa mit dieser Position nicht allein. Zwar waren wir die einzige europäische Enthaltung im Sicherheitsrat – aber nur, weil von den 28 EU-Staaten derzeit nur vier im höchsten Gremium der UN vertreten sind.

? Also war die Stimmenthaltung kein „Sonderweg“ Deutschlands?

Wenn ich diesen Vorwurf höre, geht mir der Hut hoch. Wenn wir uns grundsätzlich immer dem anschließen müssen, was einige andere NATO-Mächte fordern- denken Sie an Rumsfelds widerliche „Koalition der Willigen“ im Irakkrieg – – wobei die NATO insgesamt in Puncto Libyen gespalten war -, wo bleibt denn da unsere nationale Souveränität, wo aber auch unsere politische Vernunft?

(Weiterlesen in der Printausgabe von COMPACT 5/2011 – hier bestellen).

11 Kommentare zu „9.Juni, Berlin: Libyen-Veranstaltung von COMPACT

  1. Schön, dass Prof. Steinbach auch kommt. Allerdings wäre es mal Zeit, auch mal eine Veranstaltung über Jemen u. Bahrain zu machen…an diese Völker denkt nämlich kaum jemand.

  2. Wunderbahr deine veranstaltungen und iniziativen.
    Herzliche glueckwuenche zum grossen erfolg, auch wen ehr klein erscheint.

    Juergen, wan passiert ne deine energie oder klimaschwindel veranstaltung?
    Koente sein dass mich dass wieder mahl nach einem D besuch juckt.
    Ich koente ueber volgende temen referieren:
    – BioDumkopfDiesel (noch kein idiot macht BioDumkopfBenzin aus etanol…)
    – Planzenoel und etanol alz dezentralisierter treibschtoff
    – WasserDumkopfschtoff
    – BaterieDumkopfPKWs
    – DruckluftDumkopfPKWs
    – ENERNET
    – CO2 vom bengel zum superengel. (Planzen fressen CO2, egal ob fossil oder sonstwoher…)(und je mehr CO2, je besser gedait dass gruenzeug)
    – Der einmahlige, effizienter und wunderbahre Elsbett motor
    – Der schabernack vom gewaeckshauss effect (IV enfluss) aufs klima
    – usw.
    Wen irgendwie die haelfte oder der ganze flug BR/D dabei raus schpringen koente, wehre diese reise natuerlich noch warscheinlicher…

  3. Auf Herrn Professor Steinbach kann man sich nur freuen!
    Aber ich dachte, ich les nicht richtig, als ich den Namen des zweiten Gastes las: „Helmut Schäfer (FDP) war von 1987 bis 1998 Staatsminister im Auswärtigen Amt und in dieser Funktion „rechte Hand“ sowohl für Genscher wie für Kinkel.“

    – Genau. Haben Sie, Herr Elsässer, all Ihr Material über die Vorgeschichte des Krieges gegen Serbien verloren? Haben Sie denn all das vergessen, was Kinkel und Genscher Anfang der 90er Jahre angerichtet haben?!? Keine Erinnerungen mehr, an die fatale und mörderische deutsche Anerkennungspolitik?

  4. Ich möchte es Ihnen glauben!
    Auch wenn ich nicht begreifen kann, wie man in diesen Jahren Kinkels und Genschers „rechte Hand“ gewesen sein kann und „damit“ nichts zu tun hatte.

  5. DerStilleDon: Im AA gibt es zwei Staatssekretäre und zwei Staatsminister. Die teilen den Job auf. Balkan war einfach nicht Schäfers Gebiet.

  6. Zeit-Fragen > 2011 > Nr. 21 vom 23.5.2011 > «Compact» – ein neues Monatsmagazin [Druckversion]

    «Compact» – ein neues Monatsmagazin
    km. In Deutschland ist eine neue Monatszeitschrift erschienen. Der Titel der Zeitschrift lautet «Compact. Unabhängiges Monatsmagazin». Herausgegeben wird die neue Zeitschrift von der Compact-Magazin GmbH, den Vertrieb hat der Kai Homilius Verlag übernommen, Chefredakteur ist der Buchautor und Journalist Jürgen Elsässer.
    Jede Heftnummer hat ein Titelthema und ein oder zwei weitere Schwerpunktthemen. Darum herum gruppieren sich gut überlegt weitere Hintergrundartikel zu aktuellen Fragen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.
    Das Titelthema der Mai-Ausgabe lautet: «Die Öko-Diktatur kommt.»
    Für jeden, der mehr über die Hintergründe der neu-grünen Machtergreifungsversuche erfahren will als die massenmedialen Verlautbarungen der Neu-Grünen selbst, sind diese Texte sehr zu empfehlen. Und schon ein Blick auf die Titel und die kurzen Einleitungen der Artikel lädt zum Lesen ein:
    • «Grün frisst Schwarz. Nach Fukushima erleben wir einen ­politischen Tsunami. Die Flutwelle überspült unter einer ökologischen Schaumkrone alle traditionellen Strukturen. Die Union [gemeint sind CDU und CSU], die auf der Monsterwelle surfen wollte, droht unterzugehen.»
    • «Schon wieder: Blühende Land­schaften.
    Der überhastete Ausstieg aus der Atomenergie wird teuer werden. Als Autofahrer, Hausbesitzer, Mieter und Steuerzahler werden wir kräftig zur Kasse gebeten.»
    • «Die verpasste Chance. Thorium-Reaktoren sind sicher und würden Deutschland unabhängig machen. Trotzdem fielen sie unter Atom-Verdacht und wurden gestoppt. Nun entwickelt China die Technologie weiter.»

    Jürgen Elsässer fasst die politische Entwicklung, die man in Deutschland beobachten kann, in seinem Editorial pointiert zusammen:
    • «Fazit: Die grüne Friedenspartei gibt es nicht mehr, ebensowenig wie die Atompartei CDU. Dasselbe trifft auf die Steuersenkungspartei FDP und die Arbeiterpartei SPD zu. Alle verraten ihre Traditionen und klauen von den Konkurrenten. Darüber könnte man schmunzeln, wenn die Parteien nur die Plätze tauschen würden. Das ist aber nicht der Fall. Vielmehr kopulierten die Wendehälse aller Farben im warmen Regen der Sponsoren so lange, bis eine neue SED geboren wurde: die Solare Einheitspartei Deutschlands. Brüder zur Sonne, heisst ihr neues, altes Kampflied.»
    Das erste weitere Schwerpunktthema des Mai-Heftes ist der Krieg gegen Libyen. Auch hier mag ein Blick auf ein paar Titel und kurze Einleitungen als Leseeinladung genügen:
    • «Odyssee Dawn ohne Odysseus. Der Angriff auf Libyen weist manche Parallelen zum zehnjährigen Trojanischen Krieg auf. Die Special Forces bauen an einem Hölzernen Pferd, um nach Tripolis hineinzukommen.»
    • «Fisherman’s Friends. Die Grünen haben den Krieg gegen ­Libyen am vehementesten befürwortet, aber auch in der Linkspartei wird an der Friedenspolitik gesägt.»
    • «Unsere Jungs in Bengasi. Arabischer Frühling? Jugendrevolte? Facebook-Aufstand? Die libyschen Rebellen sind ein Gemisch aus Dschihadisten, ehemaligen Gaddafi-Vertrauten und Freunden der USA.»
    • «Fette Beute, viele Jäger. Öl, Süsswasser, Gold: Die wirtschaftlichen Motive des Angriffs auf Libyen sind vielfältig und schwer zu durchschauen. Die westlichen Kriegsmächte haben unterschiedliche Interessen und agieren deshalb unkoordiniert, ja gegensätzlich.»
    In diesem Gemisch aus neu-grüner Machtergreifung und Krieg werden die wirklichen Probleme des Weltfinanz- und Weltwirtschaftssystems sehr wahrscheinlich nicht zu lösen sein. Aber vielleicht wollen das manche auch gar nicht. Damit sind wir beim dritten Schwerpunktthema der Mai-Ausgabe. Auch hier nur eine Auswahl von Titeln und Einleitungen:
    • «Der grosse Goldraub. Zentralbanken haben ihre Edelmetallreserven an Privatbankiers verliehen. Diese werden, wenn das Papiergeldsystem zusammenbricht, die neuen Währungen kontrollieren.»
    • «Das Arcanum der Tempelritter.
    Das Geheimnis des ersten Welt-Bankiers gilt bis heute: Wer das Gold hortet und minderwertiges Geld in Umlauf bringt, kann unermesslich reich werden.»
    • «O-Ton: Wo ist das deutsche Gold?
    Die Bundesbank verwaltet den deutschen Staatsschatz, rund 3 400 Tonnen Gold. Aber wo ist das, und wer kontrolliert das? Fragen des Bundestagsabgeordneten Dr. Peter Gauweiler (CSU).»
    • «Rettet das Gold der Eidgenossen.
    Die Schweizer Nationalbank hat ohne demokratische Kontrolle Edelmetallreserven verkauft. Nun soll per Volksabstimmung weiteren Veräusserungen ein Riegel vorgeschoben werden.»
    Eine gelungene Bildauswahl und ein leserfreundliches Layout runden den durchweg guten Eindruck, den das neue deutsche Magazin macht, ab. Und nicht zuletzt: Der Schuss Witz und Humor, den die neue Zeitschrift hat, ist befreiend treffend. «Compact», das kann man wohl jetzt schon sagen, hat gute Chancen, viele Menschen, die eigenständig denken wollen, anzusprechen – und das nicht nur in Deutschland.
    Nähere Informationen über Bezug usw. finden sich auf der Internetseite des Magazins: http://www.compact-magazin.com

    2011 © Zeit-Fragen. Alle Rechte reserviert. [Seitenanfang]

    http://www.faz.net/artikel/C31399/gespraech-mit-friedrich-wilhelm-graf-ein-gott-zum-kuscheln-30331750.html

  7. Dieser Krieg wurde inszeniert, um Libyen zu unterwerfen und auszuplündern. Frankreich und Großbritannien bereiten sich schon längere Zeit für den Angriffskrieg gegen Libyen vor und hatten dabei Hilfe vom Überläufer und Protokollchef Nouri Mesmari. Dies geht unter anderem aus einem italienischen Geheimdienstbericht hervor.

    „An Italian Secret Service report details how a former aide to Gaddafi was the man behind the revolution helped by the French secret service“
    http://www.maltastar.com/pages/r1/ms10dart.asp?a=14727

    Auf einer Pressekonferenz am 2. März in Paris fordert Überläufer Mesmari NATO-Luftangriffe gegen Libyen:

    US-Kongressabgeordneter Kucinich:
    „On November 2, 2010 France and Great Britain signed a mutual defense treaty, which included joint participation in „Southern Mistral“ a series of war games outlined in the bilateral agreement and surprisingly documented on a joint military web site established by France and Great Britain. Southern Mistral involved a long-range conventional air attack, called Southern Storm, against a dictatorship in a fictitious southern country called „Southland,“ in response to a pretend attack on France by „Southland“. The joint military air strike was authorized by a pretend United Nations Security Council Resolution. The „Composite Air Operations“ were planned for the period of March 21-25, 2011.“
    http://www.huffingtonpost.com/rep-dennis-kucinich/regarding-the-war-in-liby_b_843191.html
    Video:

    Offizielle Webseite des frz. Militärs:
    http://www.southern-mistral.cdaoa.fr/GB/index.php?option=com_content&view=article&id=56&Itemid=103

    Übung „Winter Hide“: Italienische Eurofighter Gastgeber für die dänische Luftwaffe
    http://www.entity38.de/aerobrief/index.php?article_id=10909&issue=10454
    http://cencio4.wordpress.com/2011/02/10/winter-hide-2011-grosseto/

    „Sie trainieren für Libyen!“
    http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=4654

  8. Hallo, ich sag selber nix. Sondern leite die Mail einfach weiter.

    „Es passt gewissen Machtzirkeln in den USA nicht, dass Deutschland außenpolitisch eigene Wege geht, Anlass folgender Stellungnahme, wie gewohnt zur Anregung, Verwendung und Weiterverbreitung.
    Gruss,
    Jan Lenkait
    Telefon 02159-1664

    Luz María De Stéfano Zuloaga de Lenkait, Juristin und Diplomatin a.D., 40670 Meerbusch

    23.5.2011

    Süddeutsche Zeitung (SZ) vom 18.5.11, Rubrik Außenansicht: „Deutschlands Dämonen“ von J.D. Bindenangel, ehemaliger US-Botschafter in Bonn und Vizepräsident der DePaul-Universität in Chicago

    Die eigentliche Herausforderung an die große Staatenmehrheit der Welt

    Ein Diplomat muss es wissen. Der Kurs der Bundesrepublik ist völlig klar und bei allen Staaten der Weltgemeinschaft bekannt, sowohl im UN-Sicherheitsrat wie auch in der UN-Vollversammlung. Insgesamt 192 Staaten. Deutschland will sich nicht an einer militärischen Intervention gegen Libyen beteiligen und war sogar bereit, mit Nein gegen die verhängnisvolle Libyen-Resolution zu stimmen, die als Vorwand für eine NATO-Operation benutzt wurde. Genauso wie am Anfang die USA wollte Deutschland keinen Krieg in Libyen anzetteln. Die ursprüngliche USA-Position war auch innerhalb der NATO bekannt, als der Verteidigungsminister Robert Gates explizit sinngemäß sagte: Eine militärische Intervention würde Krieg bedeuten und Amerika wolle das nicht. Deutschland auch nicht. Die Vorstellung von J.D. Bindenangel in seinem SZ-Aufsatz „Deutschlands Dämonen“ (18.5.11), „Menschenwürde mit militärischer Gewalt zu verteidigen“ ist irrsinnig. Nur jemand mit total verkommener Moral kann sich vorstellen, Menschenwürde durch grausame Tötung zu verteidigen mit ununterbrochenem Bombardieren von Städten und Infrastruktur eines Landes.

    Allein der Einsatz von militärischer Gewalt verursacht Mord und Vernichtung von Menschenleben bis ins Extrem. Was die USA, Großbritannien und Frankreich in Libyen mit ihren Bombardements tun, sind Akte reinsten Terrors. Paradoxerweise und zum Misskredit dieser Länder sind diese Terror-Akte Entscheidungen von westlichen Demokratien. Ist dies die Anziehungskraft einer Demokratie? Jeder normale Mensch sieht das mit Horror und Abscheu. Eine Allianz zum Morden, zur Vernichtung und Auslöschung jeder Art von Leben, eine Allianz, die sich mit ununterbrochenen und ausgeweiteten Bombardements eines Landes beschäftigt und sich der Forderung nach Frieden der Vereinten Nationen widersetzt, hat keine Legitimation, weil sie zu einer reinen Komplizenschaft der gemeinsten Verbrecher dieser Erde verkommen ist. Der deutsche Außenminister wiederholt nur die Forderung der Weltstaatengemeinschaft, wenn er innerhalb der NATO darauf besteht, eine politische Lösung in Libyen zu ermöglichen. Der ehemalige Botschafter übersieht eine der schlimmsten US-Regierungen, die verbrecherische Cheney-Rumsfeld-Bush-Administration, aus deren Schatten der neue Präsident Obama heraustreten will, vielleicht zu spät, um das Unheil zu sanieren.

    Allerdings ist es die Pflicht eines heutigen Vizepräsidenten einer amerikanischen Universität, entschieden dazu beizutragen, die Zivilisation zu bewahren, besonders ihre Säule, die Grundsätze von Recht und Gesetz, die nicht zerstört werden dürfen, denn damit zerstört man die Zivilisation. Es ist nicht die Funktion weder der USA noch anderer mächtiger Industriestaaten, sich als Rache- oder Justizengel aufzuführen, sondern bescheiden innerhalb des Rahmens von Recht und Gesetz zu handeln. Jeder Mensch ist verantwortlich für seine Taten so wie jeder Staat. Deutschland kann sich nur für sich selbst verantworten, nicht für die Untaten der USA oder anderer angeblicher Alliierter.

    Was kümmert einen ehemaligen amerikanischen Botschafter aus der Zeit der westdeutschen Bundesrepublik so sehr die Stellungnahme Deutschlands, das vorzieht, wie er schreibt, „keine Führungsrolle in außenpolitischen Fragen zu spielen.“ Militärinterventionen haben niemals völkerrechtliche Legitimation gehabt, weil sie keine haben können, solange die UN-Charta und das internationale Recht existieren. Nicht einmal haben die Vereinten Nationen die EU um militärische Unterstützung gebeten trotz der ungewöhnlichen und deplatzierten Insistenz der EU und der NATO. Gerade weil eine Politik auf Kosten ihrer Prinzipien nicht bestehen kann, ist sie zum Scheitern verurteilt. Der Diplomat liegt bei dieser Erkenntnis richtig. Allerdings ist es die US-Außenpolitik, die ausgerechnet deshalb eklatant gescheitert ist. Das Versagen der US-amerikanischen Außenpolitik stellt ein plakatives abschreckendes Beispiel für Deutschland und Europa dar. Deutschlands Position dagegen ist im vollen Einklang mit den UN-Grundsätzen und mit dem Grundgesetz, also mit seiner eigenen Verfassung, die mit der UN-Charta in Sachen Gewaltverzicht in den internationalen Beziehungen zusammenfällt. Am Zustandekommen des Grundgesetz waren die USA beteiligt, als sie noch die Werte der Zivilisation glaubwürdig vertraten. Ein der perfidesten Versuche der heutigen USA besteht darin, das deutsche Grundgesetz pervertieren zu wollen genauso wie der Versuch der USA, die Vereinten Nationen zu korrumpieren und die UN-Charta für ihre Herrschaftsinteressen zu demontieren. Der Gipfel der Perversion ist von humanitärer Intervention zu sprechen und damit militärische Interventionen, nämlich modernes Instrumentarium der Vernichtung und Verwüstung zu meinen.

    Regelmäßige grausame Drohnenangriffe sind nicht nur für die Humanität inakzeptabel, sondern sie verstoßen auch frontal gegen die Charta der Vereinten Nationen, gegen das Grundgesetz, gegen internationales Recht und humanitäre Normen. In einem Wort gegen die Zivilisation. Zivilisten und Kinder werden ermordet, wie der jüngste Sohn und Enkelkinder des Staatsoberhaupt Libyens. Kein anständiger Mann, der sich noch dazu als Freund Deutschlands ausgibt, kann erwarten, dass Berlin sich an solchen Massakern beteiligt. Eine solche Gemeinsamkeit wäre reine gemeine Komplizenschaft mit Schwerverbrechern. Der ehemalige US-Botschafter wie jeder seriöse Diplomat ist aufgerufen, dieser Wahrheit ins Gesicht zu sehen, ohne Vertuschung, ohne rosa Brille. Die Menschenwürde hat Amerika längst verloren, genauso wie Frankreich und Großbritannien, die sich anmaßen, Europa durch solche kriminellen Akte in den Abgrund zu stürzen. Zum Glück strahlt Deutschland endlich eine Hoffnung für die Menschheit aus – fern von diesem Gräuel. Wenn aus der Vergangenheit dieses Landes etwas positives zu lernen gibt, dann dass niemals diese Gräuel zu wiederholen sind, niemals das internationale Recht gebrochen werden darf, um andere Länder in Tod und Verderben zu treiben.

    Die USA sinken immer tiefer mit ihrem irrsinnigen außenpolitischen Kurs. Hätte es nie einen Einmarsch im Irak gegeben, wären nicht etwa eine Million Einwohner dieses Landes getötet und mehr als drei Millionen nicht ins Exil getrieben worden. Der Einmarsch in Afghanistan hätte auch niemals stattfinden dürfen. Dann wären Millionen von Afghanen nie gezwungen worden, ins Exil zu gehen. Billionen von US-Dollar wären nicht in räuberische Herrschaftskriege verpulvert worden, aus denen nur die Rüstungsindustrie ihren Nutzen zieht. Stattdessen hätte man mit diesen Billionen die nationalen sozialen Netzwerke ausbauen und wirkliche Hilfe in diesen Regionen der Welt und anderswo leisten können. Tausende US-Soldaten wären noch am Leben und Zehntausende Amerikaner wären seelisch und körperlich unversehrt geblieben. Erkennt der Vizepräsident einer amerikanischen Universität kein „Genozid“, keine humanitären Katastrophen, die beschämenderweise auf das Konto seines eigenen Landes gehen? Er hat die Pflicht, sich über seine Befangenheit mit Zivilcourage hinwegzusetzen und sich nüchtern dieser hässlichen Wahrheit zu stellen. Fehler kann man nur korrigieren, nachdem sie eingestanden worden sind.

    Wenn der 11.September nicht als billiger politischer Vorwand für Krieg, Invasion und Besetzung genommen worden wäre, dann wäre die Welt einschließlich die USA heute ein wesentlich anderer Ort mit weniger Toten, weniger Vernichtung und Verwüstung, und weniger Katastrophen.

    Es ist zu bedauern, dass Präsident Obama sich nicht im Einklang mit seiner Rede in Kairo 2009 verhalten hat, vor allem was den israelisch-palästinensischen Konflikt betrifft. Seine aktuelle Rede in Washington (19.5.2011) stieß deshalb auf Misstrauen. Die Glaubwürdigkeit ist vor allem im Nahen Osten schon zerstört. Die Netanjahu-Regierung fürchtet sich vor den Aufständen und Umwälzungen in der arabischen Welt. Sie will „die einzige Demokratie in Nahost“ bleiben und an ihrem Herrschaftsprivileg nicht rütteln lassen. Der größte Irrtum des US-Kurses ergibt sich aus seiner Kopplung an die israelische Politik, gegen die sich die Obama-Administration nicht durchzusetzen wusste. Der anti-arabische Konfrontationskurs der Netanjahu-Regierung wird maßgeblich von den Neokonservativen mitgetragen. Darin besteht der gordianische Knoten. Immerhin hat Obamas Nahost-Sonderbeauftragter George Mitchell daraus, wenn auch spät, die Konsequenzen gezogen und ist deshalb am 13.5 zurückgetreten. Diese extreme fehlgeleitete Politik der USA löst extreme Reaktionen aus. Es anders zu sehen oder mit dem Finger auf andere zu zeigen, ist grundfalsch und verkehrt. Kein Diplomat darf sich so vernebeln lassen, vor allem nicht, wenn durch die zu langen Irrwege der vielen US-Regierungen sein Land am Abgrund steht. Viele hundert Milliarden Dollar kostete bislang der inszenierte Krieg gegen die islamischen Gespenster. Zwei Kriege wurden in diesem Wahnsinn geführt , in dieser Paranoia, die die USA in den Ruin getrieben haben. Was steckt wirklich hinter den Wahnvorstellungen?

    In seiner Abschiedsrede an die Nation (17.1.1961) warnte der US-Präsident Dwight Eisenhower Amerika und die Welt vor dem wachsenden Einfluss des „military-industrial complex“. Dieses Zusammenwirken eines enormen militärischen Establishments und einer riesigen Rüstungsindustrie ist trotzdem neu in der amerikanischen Erfahrung. Der US-Militär-Industrie-Komplex hat ein noch immer nicht richtig wahrgenommenes ungeheures Zerstörungspotential. Der weiter wachsende Einfluss dieses machtvollen gesellschaftlichen Konglomerats – seit der Zeit Eisenhowers – geht inzwischen so weit, dass die US-Regierung und ihre Satellitenregierungen in Europa und anderswo bedroht sind, von ihm vollständig gesteuert zu werden und die Demokratie ganz zu demontieren.

    Neues Geld fließt in die Todesmaschinerie, während die Städte am Boden liegen, Schulen und Krankenhäuser zugrunde gehen und die Medien mit ihren Lügen die Öffentlichkeit schon für die nächsten Kriege vorbereiten.

    Das Buch „War ist a Lie“ (Krieg ist eine Lüge) von David Swanson, veröffentlicht in den USA, verbreitet Hoffnung, dass der von Medien, Kongress und Weißem Haus getragene militärisch-industrielle Komplex letztlich zerstört werden kann. Daher ist eine neue, eine bessere Welt herbeizusehnen. Da muss der Vizepräsident einer US-Universität ansetzen.

    Wenn es in Washington ein Einsehen gibt, dann sollten die USA ihren Irrweg wenigsten nicht auf Kosten der restlichen Welt weiter verfolgen. Das ist die eigentliche Herausforderung, vor der die große Staatenmehrheit der Welt steht.“

    Korrekt, oder?

  9. na dann brauchen wir uns doch keine sorgen machen. not the love of djungle dafür aber die liebe der bush und co’s.

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