Bravo Ungarn! Neue Verfassung contra Euro!

Ein schwerer Schlag gegen das Imperium. Aber warum jammert Junge Welt?


Die neue ungarische Verfassung führt allüberall zu Jammern und Bibbern. Die Globalisten fürchten die betont nationale Akzentuierung – dazu gleich mehr. Was sie besonders schreckt (aber meist nicht dazugesagt wird): In der neuen Verfassung wird die bisherige Nationalwährung Forint festgeschrieben. Eine Euro-Einführung könnte es also erst geben, wenn die Verfassung künftig mit 2/3-Mehrheit geändert wird. Sehr klug gemacht, Premier Orban!

Meist wird die Kritik an der neuen Verfassung „antifaschistisch“ aufgezogen. Ein gutes Beispiel ist der Aufmacher in der heutigen Ausgabe der linksradikalen Jungen Welt. Dass der Blödsinn sogar von Chefredakteur Arnold Schölzel, einem der klugen Köpfe des Blattes, verfasst wurde,lässt tief blicken, wie es im Rest der Mannschaft aussieht.

Ich poste den Artikel der JW im Ganzen und füge gleich meine Kommentare in (( )) ein:

(Beginn Artikel Junge Welt)

Verfassungsputsch

Von Arnold Schölzel

(Super  Einstieg: „Putsch“ hört sich schon an wie Diktatur. Dabei ist die Regierungsmehrheit aufgrund einer freien Wahl zustandegekommen.))

Bildunterschrift: Bei der Abstimmung über das Ermächtigungsgesetz blieben die Sitze der linken Opposition leer.
((Zur Bildunterschrift: Der Leser soll an das „ERmächtigungsgesetz“ der Nazis vom März 1933 denken. Damals blieben die Sitze der KPD und bei manchen SPDlern leer, weil die Nazis die Abgeordnetenzuvor  ins KZ verfrachtet hatten. In Budapest blieb die „linke Opposition“ – eine Bande von Dieben und IWF-Knechten – aufgrund eigener Blödheit fern.))
Das ungarische Parlament verabschiedete am Montag eine neue Verfassung. Die Abgeordneten nahmen die Vorlage mit der Zweidrittel-Mehrheit der rechtskonservativen Fidesz-Partei von Regierungs­chef Viktor Orbán an; 262 Abgeordnete stimmten für, 44 gegen sie, einer enthielt sich. Ein EU-Mitgliedsland gibt sich damit einen rechtlichen Rahmen, in dem nationalistische, ethnische und religiöse Gesichtspunkte bestimmend sind. Nach eigenem Bekunden knüpfen die Urheber des Textes an die Zeit der faschistischen Diktatur (1920–1945) des »Reichsverwesers« Miklós Horthy (1868–1957) an. Er führte in Ungarn bereits 1920 ein erstes antisemitisches Gesetz ein. ((Die neue ungarischer Verfassung enthält keine antisemitischen Passagen. Was soll der Hinweis also?? Der Bezug auf das Vorkriegsungarn wäre genau zu prüfen. Dass sich ein Staat in geschichtliche Traditionen stellt und nicht so tut, als wäre er splitternackt grad auf die Welt gekommen, muss nicht per se die Leugnung vergangener Untaten bedeuten.))

»Wir haben einen historischen Moment erlebt«, erklärte Parlamentspräsident László Kövér nach der Abstimmung. »Der Text erkennt das Christentum als Grundlage unserer Zivilisation an und garantiert die moralische Freiheit«, fügte er hinzu. Nach der Abstimmung rief er die anwesenden Parlamentarier zum Singen der Nationalhymne auf. Vor dem Parlament in Budapest hatten erst am Samstag Tausende Menschen gegen die neue Verfassung demonstriert. ((Warum sollte ein christlicher Staat nicht auf das Christentum Bezug nehmen? Was spricht gegen die Nationalhymne? Die „Tausende“, die da demonstriert haben, würde ich mir gerne genauer anschauen.))

Die Annahme des Gesetzestextes galt bereits im Vorfeld als sicher, weil die Fidesz-Partei im Parlament über die dafür nötige Zweidrittel-Mehrheit verfügt. Die Vorlage war von ihr im Alleingang ausgearbeitet worden. Die oppositionellen Sozialisten und die linke Umweltpartei LMP boykottierten die Abstimmung. Die neofaschistische Jobbik-Partei votierte gegen die neue Verfassung. ((Oho!! Also die neofaschistische Partei ist GEGEN die neue Verfassung?? Müsste das aus antifaschistischer Sicht nicht dafür sprechen, es sich mit der Ablehnungdieser Verfassung nicht zu einfach zu machen??))

Orbán hatte die Überarbeitung der Verfassung demagogisch damit begründet, daß der bisherige Text aus dem Jahr 1949 stamme. Tatsächlich wurde er bereits im Jahr 1989 weitgehend abgeändert. Der neue Text muß noch von Staatspräsident Pál Schmitt, einer Marionette Orbáns, unterzeichnet werden, Termin ist voraussichtlich Ostermontag. Am 1. Januar 2012 soll die Verfassung in Kraft treten.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte Ungarn unmittelbar vor der Abstimmung auf, sich von internationalen Institutionen beraten zu lassen. Es gebe international Besorgnis über die Verfassung, erklärte er in Budapest. Die Regierung solle innerhalb Ungarns sowie vom Europäischen Rat und den Vereinten Nationen Empfehlungen einholen. Sie müsse sicherstellen, daß alle relevanten internationalen Vereinbarungen eingehalten würden. ((Ban Ki-Moon, der gerade das Bombardement gegen Libyen abgenickt hat, als Kronzeuge??))

Nach Ansicht von Kritikern beschneidet die neue Verfassung die Bürgerrechte und baut die Macht Orbáns unzulässig aus. Er beherrscht nach Umbildung des ungarischen Verfassungsgerichts, der Einführung eines restriktiven Mediengesetzes und der Installierung Schmitts als Staatspräsidenten de facto alle Machtstränge des Landes. Nichtregierungsorganisationen kritisierten, daß die Verfassung von einer starken »christlich-rechten Ideologie« geprägt sei, die Atheisten, Homosexuelle und Alleinerziehende benachteilige. ((Von einer rechtlichen Benachteiligung dieser Gruppen ist in der Verfassung nicht die Rede. Alle Bürger sind gleich. Der Staat nimnmt sich aber heraus, die Religion der überwiegenden Mehrheit und die Familie zu schützen – ganz so steht es auchbei uns im Grundgesetz, was leider nicht mehr der Praxis entspricht.)) So wird in der Präambel auf Gott und das Christentum verwiesen, das die Nation eine. ((BIngo!!)) Die politische Nation ist demnach identisch mit der ethnischen, d.h. nicht-ungarische Minderheiten des Landes werden als Ungarn bezeichnet. (Hallo Junge Welt, seid Ihr bescheuert?! Wesen des Nazismus war es gerade, die jüdische Minderheit aus der Nation auszuschließen. Dass Juden Deutsche sind, durfte laut Hitler und Co. nicht sein. Was die Ungarn jetzt machen, ist das Gegenteil von Nazismus und entspricht der französischen Rechtsauffassung: Alle,egal welcher Herlkunft und Religion, werden als Franzosen oder in diesem Fall als Ungarn bezeichnet.))  Bürger von Nachbarstaaten mit ungarischer Herkunft erhalten in Ungarn Wahlrecht. ((Das ist kritikabel, stimme ich ausnahmnsweise zu. ))Ein neu eingerichteter Haushaltsrat der Zentralbank erhält das Recht, das Parlament aufzulösen, wenn der Haushalt nicht entsprechend den Normen der neuen Verfassung verabschiedet wurde, d.h. Orbán kann über diese Institution Neuwahlen herbeiführen, auch wenn er bei den Wahlen 2014 verlieren sollte. ((Orban soll, nachdem er die Wahlen grad verloren hat, das Parlament via Zentralbank nochmal auflösen lassen,um bei den nmächsten Wahlen wieder zu verlieren?)) Die Opposition wertete das als »Verfassungsputsch“. ((Die Opposition, also die sogenannten Sozialisten, hat in dedn vergangenen 20 Jahren Ungarn an EU und IWF verkauft. Dass die schreien, heißt gar nix.)

(Artikel jW Ende)

31 Kommentare zu „Bravo Ungarn! Neue Verfassung contra Euro!

  1. Sehr gute Analyse! Aber ein Einwand:

    „Die neue ungarischer Verfassung enthält keine antisemitischen Passagen. Was soll der Hinweis also??“

    Das ist auf der Linken und bei den Liberalisten so üblich: Wenn einem nichts mehr an Argumenten einfällt, wird Hitler, Holocaust, usw. aus dem Hut gezaubert – als Totschlagargument.
    Aber das habe ich bei Ihnen, Herr Elsässer, auch schon erlebt. Das sind halt Verhaltensmuster, die man nicht in wenigen Jahren ablegen kann. Bei vielen Deutschen dreht sich alles um Hitler. Bei den „linken“ Antideutschen wird das noch gesteigert. Die Kehrseite sind die „Neonazis“, die Hitler durchgehend mit einem Pluszeichen versehen, die Antideutschen mit einem Minuszeichen. So oder so muß aber alles mit Hitler erklärt werden, als säße er immer noch – unsichtbar – in Berlin am Kabinettstisch. Das ist echt krank!

  2. Super! Fast genau so sehe ich es auch.
    Ich hörte gestern das Gekeife im „Deutschland“-Funk. Alles, was sie kritisierten, fand ich gut.
    Faktisches Verschuldungsverbot in der Verfassung – NeIIIn, wie gemein!
    Den IWF haben die rausgeworfen. Man stelle sich das mal vor!

    Wenn das Schule macht!
    Man sollte sich schützend vor Ungarn stellen!
    Z.B. durch bewußtes Aussuchen als Urlaubsland …

  3. Ich kann die Aufregung jetzt über die neue ungarische Verfassung nun wirklich nicht nachvollziehen. Wie Herr Elsässer das richtigerweise Punkt für Punkt kritisiert! Mir kommt das alles Hysterisch und völlig Übereilt vor was da von der JW u. anderen Mainstream „Linken“ so abgesondert wird. Also ob man für die Recherche des Artikel lediglich Artikel (oder Anweisungen?????) von anderen abgeschaut hätte bzw. Mal wieder nur Halbwahrheiten als Informationsgrundlage gehabt hätte. Zeugt nicht gerade von seriösem Journalismus.

  4. Als ein Teil der BRD-Linken sind wohl auf Orban und die ungarischen Verhältnisse neidisch. Nur so lässt es sich erklären warum etwa bei den Trotzkisten von der SAV immer darauf verweisen das Orbans Maßnahmen zur Eindämmung des Neoliberalismus nichts mit Antikapitalismus zu tun haben. Wahrscheinlich ist Lucy Redler nur neidisch – weil ihr Landesverband der Linkspartei in Berlin – neoliberale und raubtierkapitalistische Maßnahmen mitträgt, die Regierung Orban den Kapitalismus aber wenigstens ein wenig einzwängt. Also das Orban kein Antikapitalist ist, dies sollte klar sein. Allerdings müssten Linke die sich in der BRD im Schlepptau linkskapitalistischer Parteien befinden erklären warum Orban ein abgrundböser „Faschist“ sein sollte, die (linkskapitalistische) Linke dagegen die angebliche Hoffnung der Arbeiterklasse. Oder haben die Pseudo-Linken in der BRD noch nie etwas von der klassischen Faschismusdefinition von Dimitrow gehört?

  5. „In der neuen Verfassung wird die bisherige Nationalwährung Forint festgeschrieben. “

    Davon steht nirgendwo was in der Mainstreampresse. Da steht nur böse, böse, böse.

    Aber wieso sollen Ungarn, die in Nachbarstaaten leben, kein Wahlrecht haben? Wir haben doch auch Wahlrecht in Deutschland, egal wo wir leben, oder seh ich das falsch?

    „Die politische Nation ist demnach identisch mit der ethnischen, d.h. nicht-ungarische Minderheiten des Landes werden als Ungarn bezeichnet. “

    war das früher anders? Da kenne ich mich nicht so genau aus.

  6. „Bürger von Nachbarstaaten mit ungarischer Herkunft erhalten in Ungarn Wahlrecht.“
    bizarr, ganz ehrlich. eine art türkisches modell?
    sowas ist wie ich finde nur zum machterhalt gemacht und schürt spannungen. ich halte das für höst fragwürdig.

    aber mal etwas ungarn rock aus längst vergangenen zeiten:

  7. @Nationalrevolutionär: Sehr gute Analyse der Analyse, besonders der Hinweis auf „leider auch schon hier gebrauchte
    Totschlagsbegriffe, also Verhaltensmuster, die man nicht
    nach wenigen Jahren ablegen kann“, trifft voll in die Zwölf!

  8. Die konstitutionelle Festschreibung des Christentums als weltanschauliche Basis von Staat und Gesellschaft könnte für Marxisten nun aber doch brutale Konsequenzen haben.

    Die unhintergehbate Bestimmung des Forint als Währung der Nation aber nötigt mir Respekt ab. Ich wusste das wirklich nicht, auch in der ausführlichen Verfassungsanalyse der FAZ wurde dieser Punkt nicht erwähnt. Wäre es vielleicht möglich, den entsprechenden Paragraphen oder Absatz hier einmal in wortgenauer Übersetzung einzustellen, ich hätte das schon gerne in Diskussionen parat…?!

  9. Man sieht ein Licht am Ende des Tunnels, nur in Deutschland nicht. Alles Einheitsmuell streng nach der Parole Europa befiehl und wir folgen.

  10. @Elsässer

    „Die politische Nation ist demnach identisch mit der ethnischen, d.h. nicht-ungarische Minderheiten des Landes werden als Ungarn bezeichnet.“

    Man unterscheidet in Ungarn historisch zwischen dem ethnisch homogenen Volk der „Magyaren“ und den „Ungarn“ insgesamt, was alle Untertanen der Stephanskrone umfaßte, also auch Kroaten, Slowaken, Rumänen etc. Das ist ein kleiner, aber feiner Unterschied zu Frankreich, wo diese Trennlinie zwischen Titularnation und Minderheiten nicht gezogen wird, und fußt auch nicht auf republikanischen Vorstellungen, sondern auf der großartigen Tradition des ungarischen Königtums seit dem Mittelalter.

    Übrigens frage ich mich, bei allem Wohlwollen gegenüber Ihrer Beurteilung der Vorgänge in Ungarn, weshalb Sie dieses Thema als Vorlage für eine völlig belanglose binnenlinke Diskussion benutzen. Sie wollen eine Volksinitiative. Meinen Sie, das Volk interessiert, was die Junge Welt schreibt?

  11. Das ungarische Volk hat in einer demokratischen Wahl mit großer Mehrheit die jetzigen Regierungsparteien an die Macht gewählt.
    Diese haben mit 2/3 Mehrheit des Parlamentes die Verfassung im Interesse Ungarns geändert.

    Demokratisch entstandene Wahlergebnisse anzuerkennen
    und zu akzeptieren scheint nach wie vor eine große Schwäche und Zumutung nicht nur für Demokraten bei der „Jungen Welt“ sondern im gesamten EU-Moloch zu sein.

    Die ehemaligen Bürger des Ostblocks müssen sich doch immer wieder wundern, wie schwer sich die westlichen Demokratien mit der Anerkennung von demokratischen Wahlergebnissen in anderen Ländern tun, wenn diese nicht EU-genehm sind.

    Da wird schon mal solange votiert, bis das Ergebnis stimmt
    (Irland und Lissabon Vertrag) oder es wird schlichtweg brutal mit wirtschaftlichen Sanktionen oder NATO gedroht.

    Nein-glaubwürdig ist die westliche Demokratie daher nicht.

  12. Distelherz: Das Thema steht ja nicht in COMPACT, das sich an die breite Öffentlichkeit richtet, sondern auf meinem Wohnzimmer-Blog. Da mache ich, wozu ich Lust habe, ob es interessiert oder nicht. Im übrigen zeigen die Zugriffszahlen von gestern, dass das Thema eine ganze Menge Leute interessiert hat. Und selbst Sie griffen ja in die Tasten …

  13. Distelherz und Jürgen Elsässer:

    Die ungarische Definition der Nation ähnelt im Grunde der deutschen Abstammungsgemeinschaft, ist als völkisch grundiert. Dies wird insbesondere auch bei Orban und der FIDESZ deutlich. Davon zeugt auch der Einsatz für die Auslandsungarn – etwa in Rumänien oder in der Slowakei. FIDESZ beruft sich ausdrücklich auf das alte ungarische Nationalsymbol – die Heilige Ungarische Krone. Dies umfasst dann auch die ungarischen Minderheiten in Mittel- und Osteuropa.

    Man sollte sich die Welt nicht so backen, wie man sie gerne hätte.

  14. @Distelherz

    Der Artikel passt schon. Auch das die Vorgänge in Ungarn mit den politischen linken Gepflogenheiten in Deutschland verglichen und abgeglichen werden, bei „einem einzigen wahrhaftigen Europa“.

    Es gibt einen sinngemäßen Spruch zu linken Positionen innerhalb der Linkspartei und deren Fähnchen-Fieselschweif-Grüppchen innerhalb Deutschlands: „An Ihren Früchten werdet ihr sie erkennen!“

    So lange diese pseudo-soziale Partei/linke Strömungen den Verbleib Deutschlands in der EU befördert oder mitträgt, -zuschaut wie gesellschaftliche Schichten erodieren und an die Wand gefahren werden, diese Institution aber gewähren läßt, obwohl Ihnen die politischen Intentionen eines Gebildes mit dem Namen EU sicher bekannt sind,-sind alle abgegebenen Wahlversprechen und Wahlprogramme reine Makulatur, also Lügen!

    Dieser kleine einfach zu verstehende Sachverhalt trifft auf alle Parteien zu. So einfach ist das manchmal.

  15. Noch eine Ergänzung!

    Die Junge Welt widerspricht sich selbst. Also Schölzel hielt im Januar das ungarische Mediengesetz noch für den „Normalfall“ in der EU. Jedenfalls war er der Meinung das sich dieses Gesetz nicht von der Praxis in den Ländern wie Polen , Frankreich oder der BRD unterscheiden würde.

    Pirker schrieb ebenfalls im Januar in seinem Artikel „Konzernmächtige“ das es in Ungarn nun National zugehe, was die Antinationalen in Brüssel stören würde. Die EU-Einmischung diene der politischen Disziplinierung der „Aufständischen“. In diesem Artikel hatte Pirker noch die „sozialpopulistische“ und „nationalistische“ Wirtschaftspolitik in Ungarn gelobt. Pirker hob hervor, das sich die Wirtschaftspolitik Orbans positiv von der neoliberalen Politik der Sozialdemokraten („Sozialisten“) in Ungarn abheben würde.

    Lutz Dorawa:

    Vollkommen richtig!

  16. „Die ungarische Definition der Nation ähnelt im Grunde der deutschen Abstammungsgemeinschaft, ist als völkisch grundiert.“

    Wenn es so ist, dann wiederspricht sich aber dies:

    „Die politische Nation ist demnach identisch mit der ethnischen, d.h. nicht-ungarische Minderheiten des Landes werden als Ungarn bezeichnet.“

    Wenn sich das Ungarn -sein völkisch definiert, dann fehlt da ein „nicht“. D.h. wer abstammungsmäßig kein Ungar ist, kann es auch niemals werden.

    Auf deutsche Verhältnisse übertragen, würde man dann auch keinen türkisch-stämmigen Deutschen mehr als Deutschen betrachten. Sollten die Ungarn das so verstehen, ist das alles andere als ein Grund zum Jubeln, wenn völkisches Gedankengut wieder einzieht.

    @Lutz Dorawa: Der „Spruch“ ist eine Aussage von Jesus.

  17. @Elsässer

    Meine Güte, Sie reagieren immer so furchtbar mimosenhaft auf meine Einwürfe. Natürlich können Sie hier schreiben, was Sie wollen. Eigentlich wollte ich mit meinem Kommentar vorsichtig darauf hinweisen, daß ich es für empfehlenswert hielte, wenn Sie Ihren Fokus einmal auf stärker auf Stimmen von außerhalb Ihrer üblichen Blickrichtung legen würden. Trauen Sie sich doch einmal, sich beispielsweise mit Autoren von rechts auseinanderzusetzen, statt sich immer wieder an so langweiligen und vorhersehbaren Blättchen wie der Jungen Welt abzuarbeiten. Wäre doch viel spannender. Benoist-Rezeption bei Elsässer, nur so als Beispiel, wie wär’s? Nicht, daß ich Ihnen Ratschläge erteilen wollte, wie käme ich dazu, die würden Sie natürlich brüsk von sich weisen. 🙂

    @sozrev

    Nochmal: In Ungarn differenziert man zwischen Magyaren und Ungarn. Der ungarische Staat ist natürlich kein multikulturelles Traumland, im Gegenteil, er hat spätestens seit dem 19. Jahrhundert eine stark völkisch-magyarisch geprägte Politik betrieben; während der Doppelmonarchie übrigens national auch wesentlich repressiver als der österreichische Teil (Stichwort „Magyarisierung“). Das ändert aber nichts daran, daß das Staatsverständnis insofern ein anderes ist, als man unter der Bezeichnung „Ungarn“ eben alle angestammten Bevölkerungsteile des ungarischen Staates unabhängig ihrer jeweiligen Ethnie verstand. So waren z.B. Kroaten demnach auch Ungarn im eigentlichen, unmittelbaren Sinne. Und so ist wohl auch der angesprochene Passus in der neuen Verfassung zu verstehen. Warum reite ich so darauf herum? Weil ich überzeugt bin, daß hier das grundlegende Mißverständnis seitens Elsässer vorliegt, FIDESZ verträte das gleiche Staatsverständnis wie im von ihm favorisierten französischen Modell (das ich meinerseits selbstverständlich ablehne).

  18. Distelherz: Ich wollte die Ungarn nicht „französisieren“ … Nach Ihrer Darstellung ist das ungarische Staatsbürgermodell eine interessante Mischung aus dem französischen und deutschen.

  19. Die ungarische Definition von Nation entspricht der traditionell deutschen der Abstammungsgemeinschaft. Von der Regel abgesehen gibt es immer auch Ausnahmen: Juden, Sorben, Dänen, Friesen, Zigeuner in Deutschland bzw. die entsprechenden Minderheiten in Ungarn.

  20. @ fatimaoezoguz

    Lutz Dorawa: Der „Spruch“ ist eine Aussage von Jesus.

    Und ich weiß, das ich nicht Jesus bin. Das reicht mir vollkommen!

    😉

  21. @Nat.Rev.

    Differenzieren Sie doch bitte einmal zwischen Staat und Nation. Nach 1919 hat sich in Ungarn, wie in allen Nachfolgestaaten der Donaumonarchie, ein völkisch orientierter Nationalismus entwickelt, in dessen Folge der Staat mit der Nation gleichgestellt wurde.

  22. Danke für diese aufklärenden und entlarvenden Ausführungen zur gegenwärtigen Ungarn-Hysterie, Herr Elsässer! Da fängt man an zu begreifen, warum es ein derartiges Gekreische der Leitmedien gibt. Wer es wagt, sich in irgendeiner Weise den globalistischen Prozessen entgegenzustellen, wird sofort niedergeschrieben oder niedergeschrien.
    Weiter so!

  23. Fatima:

    Das widerspricht sich nicht unbedingt. Nationale Minderheiten wurden auch unter dem alten Kaiser, in der Weimarer Republik, usw. als Bestandteil der deutschen Nation gesehen, obwohl klar war das sie weiterhin ihre eigene nationale Identität und Kultur pflegten. Das gilt doch beispielsweise für die Minderheit der Dänen oder Sorben.

    Du solltest zudem bedanken das von historisch gewachsenen nationalen Minderheiten (Deutsche, Slowaken, Rumänen, Kroaten, usw.) die Rede ist und nicht von Zuwanderern. Dies ist dann schon ein gar nicht so kleiner Unterschied.

    „Auf deutsche Verhältnisse übertragen, würde man dann auch keinen türkisch-stämmigen Deutschen mehr als Deutschen betrachten.“

    Nein! Weil türkische Zuwanderer NICHT zu den nationalen Minderheiten gehören, auch wenn bestimmte Interessensgruppen im Hinblick auf die türkische Gemeinschaft in Deutschland gerne von einer „türkischen Minderheit“ sprechen. Zwischen einer „nationalen Minderheit“ und einer „Minderheit“ besteht dann schon noch ein kleiner Unterschied.

    Also wenn ich als Deutscher in die Türkei zuwandere, so würde ich dort zu einer (kleinen) Minderheit gehören. Als Kurde wäre ich aber Angehöriger einer (großen) nationalen Minderheit. Dies ist doch nun durchaus ein nicht unwesentlicher Unterschied.

    Distelherz:

    Richtig! Ich habe auch gar nichts anderes behauptet. Dies war nun nur als Ergänzung zu deinen Ausführungen gedacht. Die Teilkritik bezog sich eher auf einen kleinen Teil der Ausführungen Jürgen Elsässers.

    Deine Abneigung gegenüber der Jungen Welt teile ich so aber nicht. Insbesondere von Werner Pirker, Rupp und anderen Schreibern gibt es dort immer wieder bemerkenswerte Artikel.

  24. @Distelherz

    Ich unterscheide doch zwischen Volk (lateinisch Nation) und Staatsangehörigkeit. Bei uns sind die Sorben in der Lausitz keine Deutschen, aber deutsche Staatsbürger. Elsässer ist als Badener Deutscher und deutscher Staatsbürger.

  25. @ Nationalrevolutionär: Und wenn jemand badener heisst und elsässer ist?

  26. Der ungarische Gesandte ist in den USA, nach dem 1. Weltkrieg; man bringt ein Hoch auf die Republik Ungarn aus.
    Darauf der Gesandte: „Ungarn ist keine Republik.“
    „Ah – sondern?“
    „Königreich.“
    „Oh – wie heißt ihr König?“
    „Wir haben keinen König.“
    „Ah – einen Thronprätendenten.“
    „Wir haben auch keinen Thronprätendenten.“
    „Ach! Sie haben also nur einen Staatspräsidenten?“
    „Wir haben keinen Staatspräsidenten. Exzellenz von Horthy ist Reichsverweser.“
    „Aha Wohl ein General?“
    „Nein, ein Admiral.“
    „Ein Admiral? Sie sind also eine Seemacht?“
    „Nein, wir besitzen keine Flotte.“
    „Aber Sie liegen natürlich am Merr?“
    „Nein, wir sind ein Binnenland und haben nirgends eine Küste.“
    „Ja, aber … wie … wie nennt man so was?“
    „Ungarisch.“
    (aus Joachim Fernaus „Rosen für Apoll“, Versuch Sparta zu erklären …)

    Es lebe die Vielfalt und der Wettbewerb der Staatsformen!
    Es lebe das ‚Alte Europa‘!
    Tod den Globalisten, den Völkermördern, der Entropie aller Kulturen!

  27. „Ich unterscheide doch zwischen Volk (lateinisch Nation) und Staatsangehörigkeit.“

    Das ist auch unbedingt zu beachten.
    Ein Musterbeipiel dafür sind die deutschstämmigen Südtiroler, die zwar italienische Staatsbürger (meist gegen ihren Willen),
    aber eben KEINE Italiener sind und das auch gar nicht sein wollen.
    Die weitaus meisten Elsässer dagegen betrachten sich als Franzosen, auch wenn sie untereinander ihren alemannischen Dialekt sprechen.

  28. @dimitris

    „Und wenn jemand badener heisst und elsässer ist?“

    Dann ist er oder sie Elsässer/in – wahrscheinlich mit zum Teil badischer Herkunft!

  29. Dank an J.Elsässer für die unvoreingenommene Analyse. Sie beweist zum wiederholten Mal, daß man dem abgesonderten Einheitsbrei der Leitmedien einschl. Junge Welt (die ich sonst nicht dazu zähle, weil sie oft tief hinterfragende Beiträge bringt) immer mißtrauen soll!

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