junge Welt, Linke und Iran

Eine Tageszeitung will zusammenhalten, was nicht zusammengehört


Im Großen und Ganzen hat die „junge Welt“ eine positive Rolle gespielt während der orangen Revolutions-Posse im Iran. Autoren wie Pirker, Mellenthin, Göbel und Rupp brachten Fakten gegen die Hetze der Mainstream-Presse.

In den letzten zwei, drei Wochen erschienen jedoch in jW auch lammfromme Interviews mit iranischen, naja, Linken, die die Proteste in Teheran ganz toll fanden und vom linken Einfluß in der Protestbewegung schwadronierten, die selbstverständlich gar nicht vom NATO-Ausland gesteuert werde.

Diese Akzentverschiebung  wurde am 1. August in einer Art programmatischen Erklärung der Zeitung zusammengefasst, die seltsamer Weise vom einfachen Redaktionsmitglied Peter Steiniger unterzeichnet wurde, der weder Chefredakteur noch Stellvertreter noch sonst etwas ist,  aber als DKP-Mitglied zu der Seilschaft innerhalb von jW gehört, an deren Spitze sich Geschäftsführer Koschmieder befindet. Er führte eines der erwähnten Interviews, und zwar mit einem Vertreter der iranischen KP (Tudeh-Partei), die die Unruhestiftung im Iran mit pseudo-linken Argumenten befördert und – hier schließt sich der Kreis – eine Schwesterpartei der DKP ist.

Aber zurück zur programmatischen Erklärung der jW aus der Feder Steinigers. Dort heißt es unter der Überschrift „Lokomotive des Fortschritts – Die junge Welt hält zusammen, was zusammengehört“:

„Heute artikuliert sich in dem Land ((Iran)) erneut die Unzufriedenheit, werden auf der Straße Rechte und Freiheiten eingefordert. Im Hintergrund ringen zwei Fraktionen des Establishments um die Machtverteilung im religiösen Staat. Israel und die USA haben den Iran zum Hort des Bösen erklärt. (…) Die deutsche Linke diskutiert heftig ihre Position zur Iran-Frage. Die junge Welt nimmt daran teil, mit Informationen und Einblicken, welche die Mainstream-Presse unterdrückt. Ohne sich mit dem Rückschritt zu verbünden. Denn Menschenrechte sind für uns so unteilbar wie das Völkerrecht. Wie 1917 geht es auch heute um Krieg oder Frieden. Deshalb dürfen sich die nicht spalten lassen, die als Friedensbewegung zusammengehören und deren Stimme diese Zeitung ist.“

Das ist gefährlicher Unfug, der die bisherige, in der Summe positive, Linie von jW zum Iran gefährdet.  Kein Wort zu der immer stärker werdenden Strömung in der deutschen Linken, die die imperialistische Einmischung im Iran ganz offen propagiert und die Lüge von den gefälschten Wahlen ebenso kolportiert wie die Lüge von Ahmadinedschads Antisemitismus und seinem angeblichen Griff zur Atombombe. Steiniger präsentiert jW als „Weltkind in der Mitte“, das sich in der heftigen Diskussion in der deutschen Linken nicht  positioniert, sondern lediglich „teilnimmt“. Die Formulierung, jW verbünde sich nicht „mit dem Rückschritt“ ist eindeutig gegen die herrschende Fraktion von Ahmadinedschad gerichtet – also genau gegen die Fraktion des Establishments, die aus antiimperialistischer Sicht (zumindest) das kleinere Übel ist und als solches verteidigt werden muss. Und was soll der Schmus von „Menschenrechte sind so unteilbar wie das Völkerrecht“? Wir erleben doch seit mindestens 20 Jahren, dass die Menschenrechte als Rammbock gegen das Völkerrecht eingesetzt werden!!

Kurz und knapp drei Gegenthesen:

1) Wer die Menschenrechte verteidigen will, muss das Völkerrecht – die Verteidigung der Souveränität der Nationalstaaten – als höherwertiges Rechtsgut zuerst verteidigen. Ansonsten bahnt man der NATO als bewaffnetem Arm von Amnesty den Weg.

2) Der gesellschaftliche Fortschritt in bürokratisierten Staaten (wie früher die Sowjetunion, heute Iran, Nordkorea, Volksrepublik China …) kommt nicht über Revolutionen, sondern über Reformer im Apparat. Die Volksrepublik China konnte sich erst dynamisieren, nachdem die Revolte auf dem „Platz des Himmlischen Friedens“ 1989 niedergeschlagen war. Und sie hat sich dynamisiert, über kluge Leute innerhalb der KP.

3) Der Bruch innerhalb der Linken zwischen Freunden der orangen Revolution (im Iran und anderswo) und Antiimperialisten darf nicht, wie es die junge Welt laut Steiniger beabsichtigt, gekittet, sondern muss vertieft werden.Spaltung – ja bitte!

Den Antiimperialisten in der jungen Welt ist Erfolg in der anstehenden Debatte zu wünschen. Wer auf Nummer sicher gehen will, abonniert schon mal COMPACT. In meiner Herausgeberschaft wird nichts zusammengehalten, was nicht zusammengehört. In Vorbereitung ist ein COMPACT-Band mit Beiträgen verschiedener Autoren:

Jürgen Elsässer (Hrsg): IRAN – Fakten gegen westliche Propaganda.

Erscheint vermutlich zum 1. Oktober 2009. 100 Seiten, 7.50 Euro. Vorbestellungen über home@kai-homilius-verlag.de sind schon jetzt möglich.





44 Kommentare zu „junge Welt, Linke und Iran

  1. Lieber Herr Elsässer,
    sollten Sie hier nicht von der grünen Revolution reden?
    Die orange Revolution, war meiner Meinung nach, in der Ukraine.

    MFG

    Alex

  2. Musiziert hier zusammen was
    zusammengehört?

    Erstaunliche Koalitionen entstehen zur Zeit auch unter ehemaligen europäischen
    „Widerstandskämpfern“ und US-Amerikanischen LInken
    im Zusammenhang mit dem Putsch in Honduras unter Bezugnahme auf die Proteste im Iran und ehemals in Serbien.

    Da treten US Amerikanische Linke, die aus dem Unterstützerkreis für die Zapatisten in Mexico kommen, und sich in der westlichen Hemisphäre einen Namen durch Ihre immer wieder geäußerte Kritik gegenüber der Außenpolitik der USA in Süd und Mittelamerika gemacht haben.Leute die über Menschenrechtsverletzungen despotischer Regimes in Mittel-und Südamerika berichten. Die selbst positiv zur Politik und den Reformen im heutigen Venezuela stehen und ausführlich über den dort im Jahr 2002 stattfindenden Putsch berichtet haben. Auch über den Präsidenten Boliviens, den ehemaligen Kokabauern Evo Morales wurde durchgängig positiv berichtet.
    Heute stehen diese US-Linken Seite an Seite in Rat und Tat mit ehemaligen serbischen Aktivisten wie Ivan Marovic von Otpor um anhand des Beispiels aus der jüngsten Geschichte Serbiens unter Zuhilfenahme von Werken wie: „Bringing down a Dictator – http://www.youtube.co/watch?v=rf4ll2EkTJs
    eine Handlungsanweisung für die Menschen in Honduras zu liefern.

    Diese aktuelle Zusammenarbeit ist belegt und kommentiert :
    http://narcosphere.narconews.com/thefield/toppling-coup-part-i-dilemmas-honduras-regime

    sowie im zweiten Teil: http://narcosphere.narconews.com/thefield/toppling-coup-part-ii-honduras-regime-onion

  3. Guten Tag,

    meiner Meinug nach sollten wir die Situation im Iran von den Muslimanen selbst erfragen wie bspl. dem Muslim-Markt vom Autor Dr. Yavuz Özoguz.

    So haben wir garantiert eine Objektive Meinung auch wenn sie mir nicht gefallt.

    Mfg
    B. Kleisinger

  4. Sehr guter Artikel. Leider habe ich schon öfter bemerkt, dass in Medien, die sich als „links “ verstehen, zwar Zionismuskritik geübt wird, was in Deutschland schon fast gefährlich sein kann, aber beim Thema Iran wieder auf den Mainstream geschwenkt wird.

    “ Der gesellschaftliche Fortschritt in bürokratisierten Staaten (wie früher die Sowjetunion, heute Iran, Nordkorea, Volksrepublik China …) kommt nicht über Revolutionen, sondern über Reformer im Apparat.“

    Das Wort „Reformer“ hat leider im Iran einen bitteren Beigeschmack, das ist im allgemeinen die Bezeichnung für die, die das islamische System abschaffen wollen, es nur nicht offen sagen. Auch sonst lassen sich die Verhältnisse in China nicht 1 : 1 auf China übertragen.

  5. „meiner Meinug nach sollten wir die Situation im Iran von den Muslimanen selbst erfragen wie bspl. dem Muslim-Markt vom Autor Dr. Yavuz Özoguz.

    So haben wir garantiert eine Objektive Meinung auch wenn sie mir nicht gefallt.“

    objektiv zumindest insofern, dass Dr. Özoguz kein Iraner ist, wie man am Namen unschwer erkennen kann. Wenigstens kann man ihm nicht die nationalistische Sicht unterstellen.

  6. Drei Gegenthesen:

    1) „Wir erleben doch seit mindestens 20 Jahren, dass die Menschenrechte als Rammbock gegen das Völkerrecht eingesetzt werden!!“

    Deswegen darf man sich nicht auf dieses alleine konzentrieren und jene aus den Augen verlieren.

    2) Die „Opposition“ – also Moussavi etc. – sind doch gerade „Reformer aus dem Apparat“. Moussavi war doch lange Minister usw.

    3) Was den „Antiimperialismus“ angeht. Dass die DKP ein Agent des westlichen Imperialismus ist, leuchtet nicht ein. Den Antiimperialismus sollte man denen überlassen, die sich damit auskennen; bzw. anders formuliert: Jürgen Elsässer ist nun mal nicht Hans Heinz Holz.

  7. Ist doch Banane was im Iran abgeht.
    Entweder es wird um einen Sytemwandel diskutiert oder ….

    Ist doch ein Witzsystem mit der Velayat-e Faqih, Herrschaft des obersten Rechtsgelehrten.
    Der Staatspräsident macht doch nur die Tagesgeschäfte.
    Demokratie ist was anderes.

    Das wird bei einem lediglichen Regimewechsel im Iran ( und bei uns ) genauso und nicht anders laufen wie *nachfolgend zitiert. Ändern tut sich nur insofern was als sich die Besitzer der Demokratie ändern.
    Wie bei uns auch.
    Von unserer „Demokratie“ hast du nur was wenn du über einen gewissen monatlichen Nettobetrag verfügst und 400.000,-Euro hast die dir Zins und Zinseszins bringen und du deswegen nicht mehr von dem Zinssystem betroffen bist, weil du in der Lage bist selber welche zu „produzieren“ und damit von der Zinsausbeutung nicht mehr betroffen bist.

    *Nachtrag: Leo D. Trotzki

    „Die Persönlichkeit und die Klasse – der Liberalismus und der Marxismus – sind das Böse. Die Nation ist das Gute. Doch an der Schwelle des Eigentums verkehrt sich diese Philosophie ins Gegenteil. Nur im persönlichen Eigentum liegt das Heil. Der Gedanke des nationalen Eigentums ist eine Ausgeburt des Bolschewismus. Obwohl er die Nation vergottet, will der Kleinbürger ihr doch nichts schenken. Im Gegenteil erwartet er, daß die Nation ihm selbst Besitz beschert und diesen dann gegen Arbeiter und Gerichtsvollzieher in Schutz nimmt.“

    Unterschicht im Iran (Deutschland) – pass bloß auf. Die Umverteiler sind fleissig.

    grüsse

  8. Diese „Positionierung“ ist doch wirklich grotesk. Aber sie weist wenigstens den Weg.

    Elsässer hat schon richtig auf die Verbindung DKP-Tudeh Partei hingewiesen. Doch über die Tudeh-Partei kann man noch mehr berichten.

    Immerhin ist Mina Ahadi eine Repräsentantin der „Arbeiterkommunistischen Partei Irans“ in Deutschland politisch aktiv. Was macht sie? Sie ist Gründerin und Vorsitzende des Zentralrats der Exmuslime, der längst zum Sprachrohr eines bizarren Bündnisses antideutscher Linker und antimuslimischer, xenophober Rechter geworden ist. Sowohl Jungle World als auch PRO freuen sich über Ahadis immer zahlreicher werdenden Medienauftritte.

    Achja, was wünscht sich die „Arbeiterkommunistische Partei“ denn so, was will diese in Deutschland erreichen? Voilá, bitte anschnallen:

    „Wir in Deutschland können vieles tun, unter anderem die Bundesrepublik Deutschland dazu zwingen, jegliche diplomatischen Verhandlungen mit dem Islamischen Republik Iran einzustellen und allen deutschen Firmen zu verbieten, Verhandlungen gegen die Freiheitsbewegungen der Menschen im Iran abzuschließen.(…)
    Verurteilt die Zusammenarbeit der deutschen Firmen mit der Islamischen Republik gegen die Freiheitskämpfe der Menschen im Iran!“

  9. @Andrea Ricci: Danke für die Info. Mina Ahadi und ihren unsäglichen Witzfigurenverein der Exmuslime kenne ich natürlich, aber ich wusste nicht, dass sie für diese Partei steht, deren Programm sehr bezeichnend ist. In den deutschen Medien wird sie immer als die arme Verfolgte dargestellt, die nur wegen ihrer Abwendung vom Islam zum Tode verurteilt wurde. Da spielten wohl ganz andere Gründe eine Rolle

    @Me: Nimms mir nicht übel, aber man sollte sich doch ein wenig umfassender informieren, bevor man etwas als „Witzsystem“ bezeichnet.

    Grüße

  10. An Ahmadinejad scheiden sich die Geister – und das ist gut so!

    Die korrupten Geistlichen zürnen ihm, weil er ihre Korruption als erster effektiv bekämpft hat.
    Sie gesellen sich zu jener verwöhnten Stadtjugend, die Elsässer so plastisch beschrieben hat.
    Hinzu kommt ein dünne Schicht von Superreichen, die hoffen, durch frei(er)en Handel noch reicher zu werden.

    Diesem Bündnis der Discomiezen, korrupte Mullahs und Milliardäre stehen aufrichtigen Mullahs und die Landbevölkerung gegenüber.

    Das nennt man: geklärte Fronten.

    Und auch hierzulande ergibt sich eine durchaus erwünschte Sortierung: Die „Linken“, denen „Freiheitsrechte“ (= der, der es sich leisten kann, darf jeden möglichen Unfug anstellen) immer schon wichtiger waren als der Wohlstand breiter Schichten, sind gegen Ahmadinejad. Hinzu kommen, sollten sie mit dieser Definition nicht schon erfaßt sein, die sog. „Antideutschen“ sowie die BKA-Schalom und weitere Ableger der Israellobby. Nicht vergessen werden dürfen seltsame DKPler, die in Treue fest zu ihrer iranischen Schwesterpartei stehen wie auch schon damals, als die irakischen Kommunisten mit den USA kollaborierten.

    All diese Fraktionen sind Klötze am Bein, will die Linkspartei mehrheitsfähig in der Bevölkerung werden. Sie lähmen regelmäßig die Dynamik, die sich andeutet, sobald die Linkspartei Forderungen aufgreift, die aus der Masse des Volkes kommen. Das ist vielleicht sogar ihre Funktion.

    Die iranische Politik ist kompliziert und Ahmadinejad ist auch kein Engel, aber als Lackmustest für die Linke eignet er sich hervorragend. Ich nenne das mal den Ahmadinejad-Effekt.

  11. @ Ummhussain.

    Ich arbeite an der Konkretisierung.
    Ich wollte damit auch nicht den Iran diskreditieren.
    Kann aber so rüber kommen.
    Dafür Entschuldigung.

    grüsse

  12. Dass der CIA im Iran massiv, mit einem irrsinnigen Budget von $400.000.000.-, auf einen Umsturz hin arbeitet, berichtete der Spiegel schon vor einem Jahr.

    http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,562805,00.html

    Aber was soll’s! Viele Linke suchen ja traditionell die kuschelige Nähe des US-Auslandsnachrichtendienstes. Dieser verfügt über die besten Erfahrungen mit der Unterwanderung kulturell und intellektuell hoch entwickelter Nationen, wie diese Phoenix-Dokumentation belegt:

    http://video.google.com/videoplay?docid=7627198159872984011

    * Germany made in USA *
    – wie die USA die Bundesrepublik Deutschland nach ihren Vorstellungen formten
    – die SPD wurde schon in der Nachkriegszeit vom CIA unterwandert
    – die Parteien wurden auf breiter Front finanziell unterstützt
    – auch Willi Brandt bekam Geld von der CIA
    – die Teilung Deutschlands sollte absichtlich bestehen bleiben
    – unliebsame Organisationen wurden unterwandert und gespalten
    – rechtsextreme Organisationen wurden vom CIA aufgebaut und gefördert!!!
    – diese führten eine „Todesliste“ kritischer SPD-Politker
    – Brzezinski war schon damals an der Indoktrinierung beteiligt (sein derzeitiger Schützling heißt Barack Obama)
    – gezielte „Gehirnwäsche“ durch Kultur, Film und Medien
    – Hauptzielgruppe waren Intellektuelle und kulturelle Meinungsführer
    – die USA sollten als die überlegene Zivilisation dargestellt werden
    – die Gewerkschaftsbewegung wurde „im großen Stil“ unterwandert
    – mit dem Schumann-Plan und gezielter Bestechung betrieben die USA die Gründung der EU (damals EG)
    ==> die Bundesrepublik war von Anfang an eine Kolonie des US-Imperiums

    Genau dieselbe Strategie der intellektuellen Unterwanderung dürfte derzeit im Iran ablaufen.

  13. @ummahussein:

    Es wäre zumindest einmal ein interessantes Gedankenspiel: Was würde passieren, wenn tatsächlich von heute auf morgen sämtliche Handelsbeziehungen (die ohnehin schon unfaßbaren Restriktionen unterliegen) mit dem Iran eingestellt werden würden? Konkret: Wieviele Arbeitsplätze hängen daran? Und müßte man dann nicht – es lebe die Konsequenz! – auch die Beziehungen mit Rußland, den zentralasiatischen ehem. Sowjetrepubliken und China einstellen?

    Und was würden die deutschen Gewerkschaften dazu sagen, wenn ihre etwas abgedrehten „iranischen“ (ich denke, diese angebliche iranische Partei ist eher eine internationale Lobby-Gruppe oder NGO, die mit den Arbeiter im Iran herzlich wenig am Hut hat) Gesinnungsgenossen mir ihrer erfolgreich durchgesetzten Forderung einen Run auf die „Jobcenter“ auslösen würden?

  14. Die Volksrepublik China konnte sich erst dynamisieren, nachdem die Revolte auf dem “Platz des Himmlischen Friedens” 1989 niedergeschlagen war.

    Darf ich dann auch darum bitten, die nächste revolutionäre 1.Mai-Demo auf die gleiche Art und Weise niederzuschlagen, wie wir es gerade im Iran erleben durften? Inklusive dem Zusammenknüppeln vom Motorrad aus, den Vergewaltigungen und Schauprozessen.

    Schließlich sollten wir auch hierzulande den Reformern im System eine Chance geben.

  15. Die „revolutionaere“ 1.Mai-Demo ist bestenfalls bloed.

    Naive Spinner und agents provocateurs, verkrachte Existenzen und Leute auf der Lohnliste von Geheimdiensten rotten sich unter „linken“ Parolen zusammen und benehmen sich mal wieder richtig daneben.

    Nichts schadet der guten Sache, der Sache des Volkes, mehr als das!

    Ich wuerde instaendig darum bitten, diese Veranstaltung gar nicht erst wieder stattfinden zu lassen.

    Wir brauchen naemlich keine „revolutionaerer 1. Mai-Demo“, wir brauchen keinen schwarzen Block und keine autonome Szene, wir brauchen keine kiffende Linksjugend und keine steinwerfenden Kapuzenmaenner!

    Was wir brauchen, das ist der friedliche Aufstand breiter Schichten!

  16. Für einen Aufstand á la China 1989 wären die 1. Mai-Rabauken ohnehin viel zu früh betrunken und bekifft…

  17. Lieber Jürgen,

    Glückwunsch, wir haben schon immer Deine blühende Phantasie bewundert. Weder gibt es eine DKP-Seilschaft in der jW noch gehört Peter Steiniger dieser Partei an.

    Man müßte eigentlich davon ausgehen, daß Du das als ehemaliger Mitarbeiter weißt. Ein anderer Weg wäre die Recherche gewesen. Die allerdings ist leider nicht Deine Stärke, wie Dein vorliegender Blog wieder einmal beweist. Falls Du Dich nicht an Beispiele dafür erinnern kannst – ruf mich doch einfach an! Die Durchwahl kennst ja.

    Nichts für ungut,

    Gruß Peter Wolter (jW)

  18. Kaum setzt sich der gesunde Menschenverstand in der Redaktion durch, ist die DKP verantwortlich?

    Nette Werbung.

  19. Tja. Da meldet sich die „junge welt“. Also ich muß ja sagen, daß ich sie seit dem Rauswurf von Elsässer nicht mehr am Kiosk gekauft habe. Mal bei Freunden reingeschaut, ja, und sich dann über einen Artikel von Pirker gefreut, aber die Zeiten, wo ich sie mir immer zum Frühstück geholt habe, die sind wohl endgültig vorbei.

    Die Berichterstattung zu von der Leyens Umgestaltung der Familienpolitik und dann erst die Kritik an Lafontaines Frau, nein, das war alles dermaßen ideologieblind!
    Der Vorfall mit Elsässer war dann nur noch der Tropfen, der das Faß zum Überlaufen gebracht hat.

    Und was ich bislang nicht verstanden haben: Was war denn so schlimm an dem Artikel? Die Empfehlung, Gold zu kaufen???

    Hatte zwischenzeitlich überlegt, ob ich dem „Neuen Deutschland“ noch eine Chance geben sollte, das mir schon seit mehreren Jahren gestohlen bleiben kann. Aber schon nach einer Ausgabe, mußte ich sehen, daß alles noch viel schlimmer geworden ist, als ich es in meiner Erinnerung hatte. Wer soll dieses halbrote, halbgrüne und manchmal auch halbgelbe Gebräu lesen, ohne daß ihm speiübel wird?

    Dann lieber die FAZ mit kritischem Abstand!

  20. „Mal bei Freunden reingeschaut, ja, und sich dann über einen Artikel von Pirker gefreut, “

    Stimmt Pirkers Artikel sind immer ein Lichtblick, aber ansonsten wird das Blatt immer politisch „korrekter“.

  21. Die Empfehlung, Gold zu kaufen, war zwar für einen Großteil unserer Zielgruppe nicht praktikabel, aber auch nicht schlimm.

    Aber einer normalsterblichen Autorin wie meiner Wenigkeit hätte man z.B. eine Wortschöpfung wie „Schnullipulli“ und das Fehlen von sachlichen Argumenten, warum das mit dem Klimawandel alles nicht ernst zu nehmen ist, („Rettet unsere Kohle“), bei der jW bestimmt nicht durchgehen lassen. Das wäre erst gar nicht gedruckt worden.

    Der Artikel war einfach nicht seriös, zumal ein anderer Kollege (Wolfgang Pomrehn) vorher regelmäßig wissenschaftlich fundiert in der jW über den Klimawandel geschrieben hatte.

    Wenn man sich dann so weit aus dem Fenster lehnt, das als Schnullipulli abzutun, sollte man gleich anschließend einen Wissenschaftler zitieren können, der mit guten Argumenten eine andere Auffassung vertritt (und vielleicht auch noch begründen, warum man ihn als Laie für glaubwürdiger hält). Sonst schreibt man dem Augenschein nach über Dinge, von denen man keine Ahnung hat.

    Dass dieser Artikel überhaupt gedruckt wurde, zeigt nur, welches Ansehen J.E. früher bei der jW hatte. Man war ihm gegenüber unkritisch, wie man es keinem Autoren gegenüber sein sollte. Das wurde aber inzwischen als Fehler erkannt.

  22. @Claudia Wangerin :

    Hier eine konträre Meinung zum Klimawandel von einem Experten:

    http://www.muslim-markt.de/interview/2007/thuene.htm

    ich halte ihn deswegen für glaubwürdiger, weil es aus meiner Sicht seine Arguementation einfach plausibler erscheint, dass so etwas Komplexes wie das Weltklima nicht auf 100 Jahre hinaus vorhersagbar sein kann, wenn noch nicht einmal das Wetter für 8 Tage zuverlässig vorausgesagt werden kann. Er führt außerdem aus, dass eine Menge Geld – und Geschäftemacherei an der ganzen Klima-Panikmache dranhängt. Das bedeutet natürlich nicht, dass wir w eiterhin so verantwortungslos mit unseren Ressourcen umgehen sollen, vor allem mit dem wertvollsten Rohstoff , den es gibt – nämlich Wasser.

  23. „Der Artikel war einfach nicht seriös, zumal ein anderer Kollege (Wolfgang Pomrehn) vorher regelmäßig wissenschaftlich fundiert in der jW über den Klimawandel geschrieben hatte.“

    Ha, ha, ja genau. Was ist denn an diesem Klima-Klimbimm seriös und wissenschaftlich? Eine einzige imperialistische Verarsche ist das, die von Linken völlig unrefklektiert aufgegriffen und weiterverbreitet wird.

  24. Eigentlich geht es doch gar nicht um den Klimawandel.

    Klar ist es ein wichtiges Thema. Aber manche Themen sind eben wichtiger als andere.

    Und das ganze Gequatsche ueber den Klimawandel bei so einem G8-Gipfel dient doch nur dazu,
    a) von den wirklichen Inhalten der Konferenz, die hinter verschlossener Tuer besprochen werden, abzulenken und
    b) den Buergern vorzugaukeln, das Ganze sei eine internationale Zusammenkunft von Politikern, bei der man sich ueber das weitere Wohlergehen der Menschheit Sorgen macht.

    Wer darauf zu sehr eingeht, spielt das Spiel mit.
    Und bei der „jw“ habe ich die Sorge, dass man dort auch anfaengt, die Spiele im Medienbetrieb mitzuspielen. Das ist schade. Und das liegt sicher nicht an Elsaesser.

  25. Wer sich den ganzen Tag über das Erdklima der nächsten zweitausend Jahre Gedanken macht, und wegen seiner schlechten täglichen Ökobilanz ein schlechtes Gewissen hat, Al Gore-Videos glotzt und Global-Warming-Literatur inhaliert, der ist so beschäftigt, daß ihn Dinge wie Abbau des Sozialstaates, Betriebsstillegungen und Finanzkrise nicht mehr jucken…

  26. „Wer sich den ganzen Tag über das Erdklima der nächsten zweitausend Jahre Gedanken macht, und wegen seiner schlechten täglichen Ökobilanz ein schlechtes Gewissen hat, Al Gore-Videos glotzt und Global-Warming-Literatur inhaliert, der ist so beschäftigt, daß ihn Dinge wie Abbau des Sozialstaates, Betriebsstillegungen und Finanzkrise nicht mehr jucken…“

    und das ist genau der Punkt! Ablenkeung, nichts anderes.

  27. Stimmt, die junge Welt berichtet ja seit dem UN-Klimareport kaum noch über Lohndumping, Sozialabbau und imperialistische Kriege.

    Die ganze Redaktion ist auf dem Öko-Trip, seit Else nicht mehr dabei ist. In der Frührunde wird jetzt nur noch darüber diskutiert, wem gestern wieder ein Fehler beim Mülltrennen unterlaufen ist.

  28. “Mal bei Freunden reingeschaut, ja, und sich dann über einen Artikel von Pirker gefreut, ”

    „!Stimmt Pirkers Artikel sind immer ein Lichtblick, aber ansonsten wird das Blatt immer politisch “korrekter”.

    Für mich gehören auch die Beiträge von Knut Mellenthin und Rainer Rupp zu den Lichtblicken in der jw. Ohne Pirker, Rupp und Mellenthin wäre die jw überflüssig.

  29. @jw

    Der Versuch, Kritik dadurch zu entkraeften, dass man sie uebertreibt, ist doch der jW nicht wuerdig, oder?

    Blenden wir mal die causa Elsaesser aus, so droht das Blatt im gruenalgigen, seichten Gewaesser von taz und ND zu versumpfen. Dafuer gibt es mehrere Indizien.
    Die Positionen zur Familienpolitik waren nur ein Beispiel. Eigentlich haette Christa Mueller alle Unterstuetzung verdient.

    Ein anderes Beispiel waere das staendige Hungerleiderpathos. Mag ja sein, dass die meisten jW-Leser nicht in der Lage sind, auch nur einen kleinen Barren reinen Goldes zu erstehen. Das ist nicht schoen und man sollte sich fuer sie einsetzen. Doch wie bitte sehr? Was ist die Konsequenz daraus?

    Den Neid gegen die zu schueren, die dazu vielleicht (noch) in der Lage sind?

    Oft hoert man solche Toene in der jW.

    Doch das ist ganz falsch. Besser waere es, die Mittelschichten davon zu ueberzeugen, dass sie sich wehren muessen, da auch ihnen Verarmung droht.

    Nicht der (noch) halbwegs anstaendig besoldete Professor und nicht der (noch) gut bezahlte Redakteuer irgendeiner anderen Zeitung ist der Feind, der Freind ist allein das internationalisierte Kapital.

    Anders gesagt: Die Kritik der jW sollte so formuliert sein, dass sie von denen, die die Schichten des Volkes gegeneinander ausspielen wollen, nicht instrumentalisiert werden kann. Aber manchmal scheint sie ihnen ja gerade in die Haende zu spielen.

    Elsaesser haette da ein wertvolles Korrektiv geboten.

    Ich finde es wirklich sehr schade, dass er weg ist und finde, dass das Blatt dadurch an Biss verloren hat und hinter seinen Moeglichkeiten zurueckbleibt.

    Es ist schon einige Jahre her, da wurde in der jW eine Londoner Studie veroeffentlicht, wonach die abstiegsgefaehrdeten Mittelschichten Europas das Subjekt kuenftiger Revolutionen bildeten. Das war ein sehr guter Artikel ueber eine sehr gute Studie.

    Die jW koennte in diese Prozesse ihr klare Sicht auf oekonomische Verteilungs- und Machtverhaeltnisse miteinbringen, ihre Lust, immer wieder die Frage zu stellen „Wem nuetzt es?“ und auch ein wenig Frechheit.

    Sie sollte sich aber von all dem ideologischen Ballast trennen, der in vergangenen Kaempfen und Frontstellungen aufgebaut wurde und unter gewandelten Konstellationen seine Gueltigkeit verloren hat.

    Spielt nicht mehr den Buergerschreck!
    Geht auf die abstiegsgefaehrdeten Mittelschichten, geht auf das Buergertum zu!

  30. Ich kann nachvollziehen, dass Jürgen mit dem Kopf an die Decke schlägt, wenn nun das ganz einfache Redaktionsmitglied Steiniger seine Positionen in der jungen Welt ausbreiten kann, der frühere feste Freie Elsässer aber nicht mehr. Daher wohl auch der hier zur Schau gestellte Dünkel.
    Ich plädiere nicht für Enge und den Kampf von Linien um die Vorherrschaft in der Zeitung. Mit Elsässer stimme ich politisch in einigem nicht überein, manches finde ich unsäglich. Er hat auch wichtige und belebende Dinge in die Zeitung eingebracht. Es ist bedauerlich, dass ein so begabter Autor regelmäßig auf die Fakten pfeift. Bei seinem Buhlen um Aufmerksamkeit durch Provokation hat er mir hier eine bestimmte Rolle angedichtet.
    Auf alle Aspekte des Elaborats will ich nicht eingehen. Das Nötige findet sich in meinem Blog: http://petersteiniger.de (Ein Mann sieht orange)
    Jürgen, pass auf deinen Kopf auf!

  31. Herr Steiniger, ob sie nun DKP Mitglied waren, sind oder mit dieser nie etwas zu tun hatten ist für mich persönlich eher unerheblich. Ihr Aufruf „zusammenzuhalten, was zusammengehört“ ist in der Konsequenz nichts weiter als eine antiimperialistische Linie abzuschwächen, eine verborgene Aufforderungen an Antiimperialisten sich zu „mäßigen“ um des lieben Friedens willens, um eben „zusammenzuhalten“ was irgendwie Links wäre, oder sich aus fadenscheinigen Gründen als eben solche verstehen mag. Wenn sie nun von „Rechten und Freiheiten“ reden die eingefordert würden so handelt es sich hierbei um „Freiheiten“ die von einer verwestlichten Minderheit eingefordert werden. Dies sind nicht die „Rechte“ und „Freiheiten“ der Arbeiterklasse, die ja im wesentlichen eine Stütze des iranischen Präsidenten ist. Das sie aber mehr oder weniger unverhohlen für die Tudeh-Partei Stellung beziehen zeigt wo sie in Wahrheit stehen. Diese „Kommunisten“ würden sich wie ihre irakischen „Genossen“ den Invasoren als willfährige Gehilfen anbieten. Ich darf sie deshalb mal aus ihrem Text aus der Jungen Welt zitieren, wenn sie dies auch in dem entsprechenden Text in einem anderen Zusammenhang gebrauchten: „Sein »Pakt mit dem Teufel« war allein taktischer Natur.“ Genau an einen solchen „Pakt des Fortschrittes“ denkt auch die Tudeh-Partei, denn wie man weiß lässt sich „Freedom and Democracy“ am besten im Bündnis mit der Militärmaschinerie der USA erreichen. Denn war auch sonst würde dem Iran die westlichen „Freiheiten“, die da Gender Mainstreaming, das Recht auf freien und ungehemten Konsum sowie Warenverkehr, Homoehen und natürlich der freien Marktwirtschaft bringen? Deswegen sei hier auch Werner Pirker zu zitieren:
    „Denn die iranische Linke gefällt sich im wesentlichen als Anhängsel des liberalen Mainstreams im Westen.“ http://www.kominform.at/article.php/2009061808125945 Genau zu jener Sorte des liberalen Mainstreams des Westens gehört aber offenbar auch der Herr Steiniger. Er möchte als dem liberalen Anhängsel zum Sieg verhelfen und mit allerlei kruden Scheinbehauptungen die „kapitalistische Revolution“ als irgendwie „emanzipatorisch“ oder gar als „fortschrittlich“ und „antiimperialistisch“ bemänteln.

    Steiniger schreibt in seinem Webblog weiter:
    „Aus der Instrumentalisierung der Menschenrechtsfrage durch den NATO-Block leitet der umgepolte Antideutsche Elsässer ab, daß ein Bestehen auf der Unteilbarkeit der Menschenrechte „Schmus“ wäre.“

    Ja, ja, die Menschenrechte dienen der Mehrheitslinken in der Bundesrepublik, der NATO, den Neocons und den Broders dieser Republik als Argument um ihr Treiben zu ideologisch zu rechtfertigen. Nun wäre hier aber einmal Karl Marx zu empfehlen der folgendes zu bemerken hatte: „Die praktische Nutzanwendung des Menschenrechtes der Freiheit ist das Menschenrecht des Privateigentums.“

  32. @ Peter Steiniger

    Nun hat sich Elsässer geirrt und Sie sind kein Mitglied der DKP. Und nun? Dass Sie aber auf dieser Formalität in ihrem Artikel so herumreiten und daraus die Unzulänglichkeit der Elässerschen Argumentation ableiten zeigt nur Ihre eigene argumentative Schwäche. Ob DKP-Seilschaft oder nicht ist doch egal. Was zählt ist, dass die jW nun eine solche Linie vertritt, wie sie auch die DKP vertritt. Und da Sie diese Linie zu vordererst vertreten, hat Elsässer Sie fälschlicherweise zum DKP-Mitglied erklärt. Aber das ändert doch nichts an der Tatsache, dass Sie und die jW eine weichgespülte Linie gegenüber den imperialistischen Ambitionen gegen Iran vertreten. Wie könnten denn sonst in der jW Vertreter zu Wort kommen, die sich derselben Argumentation bedienen wie die bürgerlich-imperialistischen Medien, und es genauso wie diese unterlassen, Beweise für ihre Behauptung eines „eindeutig massiven Wahlbetrugs“ vorzulegen? Und bitte kommen Sie jetzt nicht mit Pluralismus, denn die jW wirbt ausdrücklich damit, das zu bringen,was andere nicht bringen bzw. sich nicht trauen. Der Begriff Wahlbetrug ist in der jW mittlerweile öfter in Zusammenhang mit Iran gefallen, als mit den Wahlen in den USA 2000 und 2004, welche beide von Bush gestohlen wurden und was sich im Ggs. zu Iran eindeutig und unwiderlegbar beweisen läßt.
    Dass der Umschwung zu einer weichgespülten Position dem Druck zu verdanken ist, den die anti-antiimperialistische Fraktion der deutschen Linken auf die jW ausübt, inklusive der Androhung von Abonennten, zu kündigen, dass also der inhatliche Umschwung ökonomischen Zwängen zu verdanken ist, dass zu erwähnen wäre erhlicher als der Schmuh, den Sie zu Iran schreiben.

    Ach ja, wenn Sie von Elsässer als „der umgepolte Antideutsche“ schreiben, was nebenbei ein äußerst billiger Populismus ist, sollten Sie doch immer an das Glashaus denken, in dem Sie sitzen, wenn sie über die „flotte Feder“ anderer herziehen.

  33. @ Claudia Wangerin

    Nein, ich bin nicht Elsässer. Er ist mein Zeuge! *g*

    Daß meine Auffassungen sich in vielen Punkten mit seinen Auffassungen decken, führe ich schlicht darauf zurück, daß was dran ist an diesen Auffassungen.

    Es liegt doch in der Luft und wenn man mal frei darüber nachdenkt, sollte man sich dem auch nicht verschließen können.

    Erklären wir es so:

    Die volksfeindliche Politik der letzten zwei Jahrzehnte zeichnet sich im Kern dadurch aus, daß sie sowohl irgendwie „links“ als auch irgendwie „rechts“ und damit im Grunde weder „links“ noch „rechts“ ist.

    Ganz platt in politischen Kategorien gesprochen:

    Die CDU ist insofern nicht mehr „konversativ“, „national“ oder „rechts“, als sie eine Politik fodert und betreibt, die zur Zerstörung der Nationalstaaten und zur Zerstörung der Familien führt.

    Und die SPD ist insofern nicht mehr „links“ oder „sozial“ als sie die Forderung nach Teilhabe breiter Massen am erwirtschafteten Wohlstand aufgegeben hat.

    Was der eine aufgegeben hat, freut aber den anderen: Die Linken erhalten von den Rechten die Zerstörung der Nationalstaaten und -kulturen und die Umwälzung aller tradierten Lebensverhältnisse. Und die Rechten bekommen von den Linken die verschärften Ausbeutungsbedingungen, nach der sie sich immer gesehnt haben.

    Hinter dem Wandel der Ideologien steht also ein Kompromiß, eine Abmachung. Sie verbindet linke Gesellschaftspolitik mit ultrakapitalistischer Wirtschaftspolitik und vereint „Rechte“ und „Linke“, die sich darauf einlassen, in einer unheiligen Allianz.

    Entstanden ist eine neue, synkretistische Ideologie. Auf ihr beruht die Macht der herrschenden Politik. Sie ist ihr Erfolgsrezept und man darf sie nicht unterschätzen.

    Auf Grundlage dieser Ideologie können all diejenigen, die noch den alten Mustern verhaftet sind, beliebig gegeneinander ausgespielt werden.

    Denn wer das nicht erkannt hat und noch dem alten Lagerdenken verhaftet ist, wird immer nur eine Hälfte der herrschenden Politik halb bekämpfen und zur anderen Hälfte erledigt er ihr Geschäft und bekämpft ihren Feind.

    Das nennt man nützliche Idioten. Nehmen wir den klassisch Linken beispielsweise, der die verschärfte Ausbeutung unserer Tage anprangert, aber bei einem Vorstoß wie dem von Zpries zur Schwulenadoption gleich „Hurra!“ schreit oder von der Leyens Familienpolitik ganz toll findet und sich gegen die konservativen Kritiker dieser Maßnahmen wendet, statt sich mit ihnen zusammen zu tun.

    Kurz gesagt: Solange Gauweiler GEGEN Lafontaine steht und beide sich neutralisieren, funktioniert das divide et impera dieser Macht.

    Die echte Opposition muß daher sagen: Von Lafontaine bis Gauweiler! Und das hat Elsässer gesagt!

    Ich bin mir ganz sicher, daß sich solche Konstellationen herausbilden werden. Es ist nichts anderes als der nächste Schritt in der Dialektik der Weltgeschichte.

    Die Gegner der herrschenden Politik werden, eben weil sie zusammen einen Feind haben, sich zusammenfinden und die konsequente Antithese setzen.

    Früher oder später.

    Alles kommt nun darauf an, aus den abgespaltenen und entmachteten Teilen „linker“ und „rechter“ Ideologie, also aus der konservativen Wertschätzung gegenüber Nation und Familie und aus der Forderung nach Umverteilung und Massenwohlstand der Linken eine neue politische Ideologie zu formen.

    Je träger wir uns dabei anstellen, je mehr wir der Orthodoxie einer ererbten Weltanschauung verhaftet sind, in desto höherem Maße nützen wir den Feinden des Volkes.

    Wer das, was ich eben grob skizziert habe, erkannt hat, kann doch gar nicht anders als aufzubrechen.

    Und wer seine Lage erkannt hat, wie sollte der aufzuhalten sein?

  34. Langsam. Welche Familie und welcher Nationalstaat? – Das Familienbild der CSU wirkt auf mich eher abschreckend, seine praktische Umsetzung geht in vielen Fällen auf Kosten der Frau, die nur noch als Mutter wahrgenommen wird; und der Nationalstaat einiger CSU-Mitglieder und CSU-Sympathisanten geht von einem etwas größeren Territorium aus, als die BRD tatsächlich ihr Eigen nennt.

    Dieses Anbiedern bei den Konservativen ist brandgefährlich. Die Sandinisten in Nicaragua haben z.B. ein totales Abtreibungsverbot erlassen, das sogar bei Schwangerschaft durch Vergewaltigung oder bei Gefahr für das Leben und die Gesundheit der Frau gilt. Für so etwas gibt es hier zum Glück keine Mehrheit, aber bei der CSU stößt es mit Sicherheit auf Sympathie.

    Aber die Aussicht auf ein katholisch geprägtes Rollback schreckt natürlich niemanden ab, der nicht verstehen kann, warum junge Iranerinnen gegen die Mullahs demonstrieren.

  35. Mal was Grundsätzliches zur Lage der Frau hier (BRD) und heute (2009).

    Sind Frauen wirklich noch unterdrückt?

    Mal ganz ehrlich.

    Quoten ebnen Frauen den Weg in nahezu alle Beschäftigungsbereichen. Ich persönlich habe, als ich mich um ein Promotionsstipendium bemüht habe, erlebt, wie Freundinnen von mir angeschrieben wurden, ob sie nicht promovieren wollten, das mit dem Stipendium sei kein Problem. Hintergrund: Die vergebende Organisation musste den Frauenanteil in einer vorgegebenen Frist um einen vorgegebenen Prozentsatz erhöhen, sonst hätte sie staatliche Gelder gestrichen bekommen. Das nur als ein Beispiel aus der Realität.
    Wir habe eine Frau an der Spitze der Regierung, ihr Gegenkandidat Steinmeier hat mehr Frauen als Männer in seiner Wahlkampftruppe, Frauen koennen sogar Soldat werden (müssen allerdings noch nicht, dieses Privileg bleibt den Männern vorbehalten) und die herrschende Politik arbeitet mit aller Macht, die sie hat, auf etwas hin, was sie als „Gleichstellung“ bezeichnet.

    Angesichts dieser Situation nicht nur der rechtlichen Gleichstellung, sondern fast schon einer Art kuenstlich erzeugten Unterschiedslosigkeit von Mann und Frau wirkt es auf mich etwas realitätsfern, über die Unterdrückung der Frau zu klagen.

    Wir leben nicht mehr im Kaiserreich und auch nicht mehr in der Adenauerrepublik, manchmal aber scheint es mir, die linke Ideologie wäre damals stehen geblieben.

    Es sind alte ideologische Imperative, die ihren Realitätsbezug verloren haben, an denen aber viele um der Geschlossenheit ihres Weltbildes willen festhalten.

    Dafür gäbe es eine ganze Reihe weiterer Beispiele, aber zurück zur Frauenfrage.

    Verschließt man den Blick vor der Realität nicht, muss man zur Kenntnis nehmen, dass es viele Familien im Land gibt, in denen die Frau sich lieber um die Kinder kümmern würde als arbeiten zu gehen, zumindest waehrend der ersten Jahre. Ich weiß nicht, weshalb dem so ist, ich nehme es einfach zur Kenntnis.
    Eine andere Gruppe von Frauen will arbeiten, aber nicht zu viel. Halbtags gerne, um das Gelernte anzuwenden, um was hinzuzuverdienen und etwas Abwechslung zu haben. Das kommt vor, in der Realität, im Leben. Ich halte mich mit Wertungen jeglicher Art zurück und nehme es zur Kenntnis.

    Daneben gibt es Frauen, die keine Familie und nur arbeiten wollen und Frauen, die beides in vollem Umfang wollen.

    All das ist nicht zu kritisieren, weder das eine noch das andere. In einer Demokratie ist der Wille des Buergers, so lange er keine kriminelle Richtung nimmt, nicht hinterfragbar.

    Eine gute, demokratische, unideologische Politik zeichnet sich deshalb dadurch aus, dass sie maximale Freiheit ermöglicht und so weit es nur möglich ist, jeden in den Stand setzt, nach seiner Facon selig zu werden und seinen Wünschen entsprechend zu leben.

    Ideologische, schlechte Politik dagegen wählt nach Maßgabe nicht demokratisch ermittelter Zwecksetzungen (Erhöhung der Rentabilität etc.) ein bestimmtes Welt- und Lebensbild aus und erklärt es für verbindlich.

    Wie ist es nun also einzuschätzen, wenn von der Leyen das alte, drei Jahre lang gewährte Elterngeld auf ein Jahr kürzt und nur für die erhöht, die vorher schon ordentlich verdient haben?

    Wie ist es einzuschätzen, wenn von der Leyen in den Berichten ihres Ministeriums immer wieder in unzufriedenem Ton und mit erhobenem Zeigerfinger feststellt: „Viele Frauen begreifen ihre Arbeit immer noch nur als Zuverdienst“?

    Wie ist es einzuschätzen, wenn die OECD in immer drängender werdendem Tonfall fordert, die Ehegattenmitversicherung abzuschaffen?

    All das ist Ausdruck einer modernen Tyrannei, für deren Formen die jW (weitgehend) blind ist.

    Die Situation ist mittlerweile nicht mehr dadurch gekennzeichnet, dass viele Frauen, die arbeiten wollen, durch tyrannische Gatten und chauvinistische Chefs am Herd festgekettet würden, nein, es ist umgekehrt: Viele Frauen würden zumindest zeitweise nicht mehr, sondern gerne etwas weniger arbeiten und können es sich einfach nicht leisten.

    Durch ein Müttergehalt wird auch keine Frau gezwungen, n i c h t zu arbeiten. Eine solche Sozialleistung hält wirklich keine Frau davon ab, so lange und so viel zu arbeiten wie sie will. Sie hat einzig und allein den Effekt, dass die Frau, die nicht arbeiten will, auch nicht arbeiten muss. Müttergehalt verbürgt echte Wahlfreiheit. Es zwingt niemanden und ist eine gute Sache.
    Die CDU hat es gefordert, als sie keine Aussicht hatte, es umzusetzen. Als sie dann an die Macht kam, war die Forderung auf einmal verschwunden.

    Lafontaines Frau hat die Forderung klugerweise aufgegriffen. Und was macht die jW?
    Beteiligt sich an dem unsäglich dummen Mobbing der linken Betonkoepfe! Das war für mich und andere wirklich eine große Enttäuschung.

    Und das Familienbild der CSU ist doch in der Substanz schon voll auf die „von der Leyen“-Linie eingeschwenkt. Angesichts der Tatsache, dass ein Krippenplatz mit über 1000 Euro subventioniert werden muss, ist der Bertreuungsbonus von 150 Euro lächerlich niedrig. Dass die CSU nicht mehr rausholen konnte, ist ein Zeichen dafür, dass sie im Grunde schon eingeknickt ist. Der Rest sind Wahlkampfphrasen ohne Bedeutung.

    Und schon wieder ein Phantom!

    Anstatt das zusammengebrochene CSU-Familienbild als Schreckbild aufzubauen, sollte die jW lieber jene renitenten CSUler unterstützen, die ähnlich wie Christa Mueller ein Familiengehalt in voller Höhe der Krippenplatzsubventionen eingefordert haben. Denn es ist, um mit einem jener Politiker zu sprechen, Wahnsinn, einer Frau ihren Säugling abzunehmen und ihn für 1000 Euro im Monat betreuen zu lassen, damit sie acht Stunden an der Supermarktkasse stehen kann, wo sie brutto (!) weniger als jene 1000 Euro verdient. DAS ist die Realität.

    Und generell zum Katholizismus: Ein katholisches Weltbild hat ohne Frage seine Problemzonen. In der gegenwaertigen Situation aber kann uns seine Mobilisierung nur mehr nutzen als schaden.
    Die Unertraeglichkeit unserer Lebensumstaende ruehrt ja nicht vom Einfluss der katholischen Kirche her, sie geht auf den Einfluss internationaler Finanzinvestoren zurueck. Und die haben, wie Elsaesser gesagt hat, keine Gott außer dem Mammon!

  36. @H.T: Absolut auf den Punkt gebracht! Insbesondere dieser Satz hier:

    „Die Situation ist mittlerweile nicht mehr dadurch gekennzeichnet, dass viele Frauen, die arbeiten wollen, durch tyrannische Gatten und chauvinistische Chefs am Herd festgekettet würden, nein, es ist umgekehrt: Viele Frauen würden zumindest zeitweise nicht mehr, sondern gerne etwas weniger arbeiten und können es sich einfach nicht leisten.“

    Übrigens nicht nur hier – auch im Iran und anderen Ländern, z.B: Türkei, ist es nicht anders. Dort müssen viele Frauen mitverdienen, weil sonst das Familieneinkommen nicht reicht. Es ist also kein reiner Selbstverwirklichungsdrang, sondern notgedrungen.

    Grüße

  37. Moment, ich habe nicht geschrieben, dass Frauen in unseren Breiten massiv unterdrückt werden. (Obwohl ich bezweifle, dass darüber jemand urteilen kann, der nicht mal im Iran auch nur ansatzweise einen Grund sieht, warum Frauen gegen das Regime sein sollten.)

    Frauenquoten in ganz bestimmten, ohnehin schon privilegierten Bereichen interessieren mich nur am Rande, wenn ich mir anschaue, wer hier den Großteil der Beschäftigten im Niedriglohnsektor stellt.

    Diesen Sektor habe ich im Blick, und das unterscheidet mich von bürgerlichen Feministinnen der Sorte von der Leyen. Was hat denn bitte eine unterbezahlte Verkäuferin oder Friseurin davon, dass eine Frau Bundeskanzlerin ist?

    Ich gehöre nicht zu der Fraktion, die junge Mütter im lieber im Niedriglohnsektor verheizt sieht, als zu Hause bei den Kindern.

    Aber von irgendeiner Seite handle ich mir als Frau immer einen Vorwurf ein – egal, ob ich Kinder bekomme, oder wie viel ich dann arbeite. Für alles gibt es das passende Klischee, das mich entweder als Egoistin oder als Versagerin dastehen lässt.

    Es ist unmöglich, hier als Frau so zu leben, dass nicht irgendjemand über deine Lebensweise meckert – und das auch unter Linken, wo eigentlich klar sein sollte, dass es das richtige Leben im falschen nicht gibt.

    Diese Vorwürfe müssen erst mal aufhören, bevor man vernünftig über das Thema diskutieren kann.

    Jürgen Elsässer pflegt ja auch in vielen Seitenhieben das Vorurteil, man sei aus Überzeugung kinderlos, weil man das schick findet und irgendwie voll neoliberal und bindungsängstlich und karrieregeil ist.

    Dass es Frauen gibt, die bisher keine Kinder haben, weil sie sich Gedanken machen, ob sie sie ernähren können – oder ob es ihrer Beziehung gut tut, ihrem Partner die Rolle des alleinigen Ernährers aufzubürden, wenn sie als Mütter auf dem Arbeitsmarkt keine Chance mehr haben – darauf kommt er gar nicht. Leute, das ist doch Stammtisch-Niveau.

    Was die Wahlfreiheit angeht, wie viel junge Mütter arbeiten wollen, bin ich die Letzte, die dagegen wäre, diese Wahlfreiheit zu gewährleisten.

    Aber das setzt eben nicht nur ein Müttergehalt voraus, sondern auch eine andere Arbeitsmarktsituation. So, wie es sich Konservative vorstellen, soll damit unter dem Deckmantel der schönen, heilen Familienwelt die Arbeitslosenstatistik beschönigt werden.

  38. @ Wangerin

    Diskutabler Beitrag!

    Du schreibst:

    „Es ist unmöglich, hier als Frau so zu leben, dass nicht irgendjemand über deine Lebensweise meckert…“

    Da ist was dran. Frauen werden in eine „lose-lose-lose“-Situation gebracht. Entweder schlechtes Gewissen, keine gute Mutter zu sein, oder Komplexe, im (Arbeits)leben nicht die Frau zu stehen und „nur“ Mutter zu sein, oder schief angeschaut werden, weil kein man keinen volkswirtschaftlich wichtigen Nachwuchs produziert hat.

    Hier kommen wir der Sache näher. Die Frau wird gerade durch diejenigen in den Ministerien, die vorgeben ihre Rechte zu vertreten, hoffnungslos überfordert. Sie sieht sich im Grunde mit einer Doppelaufgabe konfrontiert, die man ihr durch staatliche Betreuungsmaßnahmen nur so weit erleichtert, daß sie gerade nicht zusammenbricht.

    Und der Mann, dem man früher wenigstens noch guten Gewissens die Rolle des Ernährers überlassen konnte, verabschiedet sich dankbar aus dieser Rolle und übernimmt aber auch keine andere so richtig. Daß Frauen deshalb Zweifel tragen, „ob es ihrer Beziehung gut tut
    ihrem Partner die Rolle des alleinigen Ernährers aufzubürden, wenn sie als Mütter auf dem Arbeitsmarkt keine Chance mehr haben“ ist gut beobachtet.

    Doch was soll der Schluß daraus sein?

    Ich würde eine Dreiklang vorschlagen aus:

    a) Entspannung der ökonomischen Situation (da gibt es an der jW nichts auszusetzen)

    b) eine feministische Politik, die weniger auf die Erfüllung abstrakte Imperative als auf die konkrete Lebensqualität von Frauen abstellt

    c) vielleicht keine vollständige Entsorgung des traditionellen Rollenmodells, sondern seine Erhaltung als Wahloption neben anderen.
    Es sollten jedenfalls nicht nur die Topverdiener diejenigen sein, die sagen können: „Meine Frau muß nicht arbeiten“.

    Du schreibst weiter:

    „Aber das setzt eben nicht nur ein Müttergehalt voraus, sondern auch eine andere Arbeitsmarktsituation. So, wie es sich Konservative vorstellen, soll damit unter dem Deckmantel der schönen, heilen Familienwelt die Arbeitslosenstatistik beschönigt werden.“

    Familienwelt kann auch wirklich schön sein.
    Unideologisch gesprochen beschreibst du hier schlicht den Sachverhalt, daß die Frauen, die sich aus freien Stücken für die Option „Müttergehalt“ entscheiden, so lange nicht arbeitslos sind. Na und? Gut so!
    Das Müttergehalt wäre so gesehen nichts anderes als eine Reduktion der Arbeitszeit, eine Maßnahme mit dem gleichen Effekt wie die 35 Stundenwoche, ein abgesenktes Rentenalter und einer Reihe weiterer, sehr vernünftiger Maßnahmen.

    Ach ja, und hören wir auf, das Ganze „Müttergehalt“ zu nennen. Es soll natürlich auch Vätern offen stehen, die sich um ihre lieben Kleinen kümmern wollen. Ich würde auf jeden Fall davon Gebrauch machen.

  39. @ Wangerin

    Noch ein kleiner Nachtrag zu zwei Punkten, an denen sich sehr gut zeigen lässt, wo meiner Einschätzung nach der Fehler der jW liegt.

    Du hast geschrieben:

    „Frauenquoten in ganz bestimmten, ohnehin schon privilegierten Bereichen interessieren mich nur am Rande, wenn ich mir anschaue, wer hier den Großteil der Beschäftigten im Niedriglohnsektor stellt.“

    Zur Erinnerung: Ich habe von jungen Wissenschaftlerinnen gesprochen. Ein Promotionsstipendium in der BRD hat zurzeit eine Höhe von gut 1000 Euro, wovon man sich aber selbst krankenversichern muss. Nach dem Abschluss winkt nach Abschaffung des BAT ein Lohn nach TOEV 13, Stufe I, als 2900 Euro, brutto versteht sich.

    Dazu ein Vergleich: Ende der 90er gab es bei VW den Beschäftigungspakt 5000 mal 5000, also 5000 eingestellte Arbeiter, wobei jeder nur 5000 DM verdienen sollte. Das war eine ausgesprochene Sparmassnahme, denn damals lag der Lohn eines Facharbeiters noch um die 6000 DM, etwas mehr als 3000 Euro.

    http://www.wsws.org/de/2001/sep2001/vw-s06.shtml

    Ein Wissenschaftler verdient heute also nominal ungefähr soviel wie ein Facharbeiter Ende der 90e bei VW. Rechnet man die horrenden Preissteigerungen seit Ende der 90er Jahre ein, verdient er real sogar um ca. 30 % weniger als ein Facharbeiter Ende der 90er Jahre.

    Das nur als ein kleines Beispiel dafür, dass der Angriff des Großkapitals sich vom Prekariat mehr und mehr auf die alten Mittelschichten verlagert.
    Da gibt es nämlich noch was zu holen, sowohl an Sparreserven als auch an Lohnniveau. Die auf Hartz IV gesetzten Proleten sind schon so weit unten, dass (noch) vorhandene Schamgrenzen eine weitere Absenkung des Lebensstandards verbieten. Stattdessen sollen nun aber die, die noch halbwegs anständig bezahlt werden, auf dieses Niveau herabgedrückt werden.

    Daher die Angriffe auf die Familie, denn die Familie ist für die bürgerlichen Mittelschichten ein wenig das, was für die Arbeiter früher Partei und Gewerkschaft waren: der Schutzraum gegen den Zugriff kapitalistischer Ausbeutung.

    Es dürfte klar sein, dass die Hauptlast der Finanzkrise von den breiten Mittelschichten erbracht werden muss, und zwar allein schon deshalb, weil sie als einzige in der Lage sind, diese Lasten zu übernehmen.
    Vielleicht ist das sogar der Grund der Krise, endlich auf jene bislang nur unzureichend ausgebeuteten Wohlstandsreserven zugreifen. Im Gespräch sind Lohnsteuererhöhungen, die Abschaffung des Ehegattensplittings und der Ehegattenmitversicherung in der Krankenkasse.

    Die Linke kann in dieser Situation im Grunde keinen größeren Fehler begehen als Lohnsteuererhöhungen fuer Mittel- und „Gut“verdiener oder die Abschaffung von Familiensubventionen zu beklatschen.

    Oscar Lafontaine hält sich da auch sehr zurück, aber die alten Funktionäre aus dem Osten, die nichts können außer dem jeweils Mächtigen opportun sein, blasen immer wieder in dieses Horn.

    Sie handeln damit grob fahrlässig, vielleicht sogar verräterisch, denn eins ist klar:

    Je mehr der Lebensstandard der Berufsklassen, die heute noch anstaendig verdienen, sich Hartz IV – Niveau annähert, desto höher wird der Druck auf Hartz IV selbst. Und wenn irgendwann auch dem qualifizierten Facharbeiter nach Miete, Steuern und Sozialabgaben nicht mehr als 300 Euro pro Monat zum Leben bleiben, dann fällt auch die letzte Schamgrenze, die jetzt noch verbietet den Hartz IV – Satz auf ein Niveau abzusenken, bei dem sich Slums in unseren Städten bilden.

    Soviel zur Einstellung „Mich interessiert nur’s originale Lumpenproletariat!“

    Außerdem schreibst du:

    „Und der Nationalstaat einiger CSU-Mitglieder und CSU-Sympathisanten geht von einem etwas größeren Territorium aus, als die BRD tatsächlich ihr Eigen nennt.“

    Soviel ich weiß hat die gesamte CDU/CSU sich Kohl einmütig angeschlossen als er 1989 im Tausch fuer die Einheit die bedingungsloses Anerkennung der Oder/Neisse-Grenze gefordert hat.

    Falls es tatsaechlich immer noch einige versprengte CSU-Mitglieder gäbe, die heimlicherweise damit unzufrieden wären, wäre mir das herzlich egal, zumal es auch keinerlei Hinweis darauf gibt. Oder hast du einen konkreten Hinweis darauf, dass bei CSU-Umtrieben im Jahre 2009 irgendwo die Rückgabe der Ostgebiete gefordert worden waere?

    Die böse faschistoide CSU, das ist doch eine ideologische Fiktion zur Legitimierung bestimmter, laengst antiquierter Positionen innerhalb der Linken. Anders kann man das gar nicht sagen.

    Die territoriale Versehrtheit oder Unversehrtheit des Deutschen Reiches ist eine dermaßen irrelevante und lächerliche Fragestellung, dass jeder, der sich damit zu sehr befasst, in den Verdacht gerät, von irgendwas ablenken zu wollen. Und das gilt nicht nur für die Nazis selbst, sondern auch für die, die sich geradezu obsessiv mit Nazis beschäftigen.

    Die CSU ist in Bayern einerseits ein Partei des hohen Establishments, andererseits aber doch auch eine Volkspartei, von der sich die Massen der Normalverdiener einigermaßen repräsentiert sehen.
    Seehofer bezeichnet seine Partei auf seiner homepage dann auch als die „Schutzmacht der kleinen Leute“ – das ist bestenfalls das, was sie mal werden kann. Ihre Haltung zum Elterngeld und übrigens auch ihre Positionen zum Vertrag von Lissabon machen Hoffnung. Ebenso ist das Treffen zwischen Gauweiler und Lafontaine ein Anlass zur Hoffnung. Weiß gar nicht, wie das in der jW aufgenommen wurde. Wurde überhaupt darüber berichtet?

    Die jW kann diesen Prozess unterstützen oder durch Ausspielen veralteter Ressentiments torpedieren. Sie sollte sich in ihrem eigenen Interesse wie auch in unserer aller Interesse für erstes entscheiden.

  40. Reaktionäres Geblubber. Ach waren das noch Zeiten, in denen wir uns für Jugendzentren, freie Sexualität jenseits von der Bevormundung der ‚Alten‘ eingesetzt haben. Jetzt diskutieren die ACHSOLINKEN über’s MutterVatergehalt. Ihr seid wirklich nicht mehr zu retten!

  41. @ etauro

    Wasserpfeifengeblubber!

    Rot lackierte Masturbationsphantasien pubertierender Jugendlicher!

    Gegen etwas Spaß hat wohl keiner was einzuwenden, nur wenn niemand mehr auf die Idee käme, (früher oder später) eine Familie zu gründen, ja, dann würde die Gesellschaft zusammenbrechen oder in einem Orwellschen Albtraum enden.

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