Linke und Iran

Antideutsche stehen RECHTS von Obama. Deutscher Regierungsberater hält Wahlen für „nicht inszeniert“

Update: In der Süddeutschen von gestern (16.06.) ein Interview mit Volker Perthes, als SWP-Frontmann auch Berater der Bundesregierung (leider hört Merkl nicht auf ihn). Er hält, im Unterschied zu etlichen linken (linken?) Diskutanten auch auf diesem blog, das Ergebnis der Wahlen im Iran für weitgehend korrekt:

Volker Perthes ist Direktor der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin. Das Forschungsinstitut berät unter anderem die Bundesregierung in außenpolitischen Fragen.

sueddeutsche.de: Iran hat gewählt und das Regime hat das gewünschte Ergebnis bekommen. War diese Wahl eine reine Inszenierung, Herr Perthes?

Volker Perthes: Nein, das glaube ich nicht. Es gab Manipulationen und auch Stimmenkauf, aber das Ergebnis ist vor allem die Folge der letzten vier Jahre. Als Präsident hat Mahmud Ahmadinedschad sowohl das Staatsbudget als auch die Medien kontrolliert. Er hat sich als „Präsident der kleinen Leute“ präsentiert, der sich um ihre Anliegen kümmert. Das hatte zwar verheerende Folgen für den Haushalt, aber er war mit seiner Anti-Establishment-Kampagne sehr erfolgreich. Es war sicher keine perfekte, aber eine echte Wahl.

sueddeutsche.de: Sein schärfster Konkurrent und Herausforderer Mir Hussein Mussawi gehört zu jener Elite, die Ahmadinedschad angriff.

Perthes: Genau, Mussawi war in den achtziger Jahren Ministerpräsident. Ich habe erst heute eine Umfrage des amerikanischen Centre for Public Opinion auf den Tisch bekommen, die im Mai durchgeführt wurde. Demnach ist Ahmadinedschad doppelt so populär wie Mussawi – genau dieses Ergebnis haben wir bei der Wahl gesehen. Ebenso interessant ist eine andere Zahl: 46 Prozent der Iraner glauben, dass unter Ahmadinedschad die Inflation gesunken und die Wirtschaft gewachsen ist. Ökonomen werden vorrechnen, dass dies falsch ist, aber entscheidend ist, dass Millionen Iraner dies glauben.

Man muss die junge Welt auch mal loben: Ihre Berichte aus Teheran sind gut, und sie hat einen eigenen Korrespondenten dort. (Jürgen Cain Külbel) Sein erster Bericht unten. – Auffällig höchstens, dass Werner Pirker – eigentlich DER Chefkommentator des Blattes zu Nahostfragen und ein Sturmgeschütz des Antiimperialismus – bisher in jW noch nicht Stellung genommen hat. Hat das etwas zu bedeuten?

Gutmeinende Kritiker haben sich in den blog-Kommentaren dafür ausgesprochen, man müsse doch den „linken“ Flügel der Protestbewegung unterstützen – auch wenn Mussawi die Hoffnung der US-Neocons ist. Liebe Leute, gute Idee – aber das hat noch nie geklappt, nicht in Serbien 2000 und nicht in den folgenden bunten Revolutionen. The winner takes it all. The winner is – SOROS!

Übrigens: Ein Gutteil der Elsässer-Hasser in diesem blog ist imperialistisch-aggressiver als Obama. Der hat, anders als McCain, das Wahlergebnis nicht als gefälscht bezeichnet und betont, er wolle „die Souveränität des Iran respektieren“ und es sei „das Recht des iranischen Volkes, seine politischen Führer zu wählen“. Das sind zwar zunächst nur Worte – aber ein Gutteil  meiner blog-Feinde würde nicht mal das unterschreiben.

Last not least: Folter und Schüsse auf friedliche Demonstranten verurteile ich in JEDEM Land der Welt. Man sollte jedoch, gerade was die tödlichen Schüsse angeht, auch die Rolle von agents provocateurs nicht unterschätzen.Die USA haben im Iran viel Geld in undercover-Leute  investiert …

Ahmadinedschad ist übrigens ganz relaxt nach Moskau gereist. Nach Staatskrise sieht das nicht gerade aus. Zugegeben, die Discomiezen und Nato-Yuppies, die anfänglich unterwegs waren,  haben mittlerweile Zulauf auch von ganz normalen Leuten bekommen, die eine Änderung im Iran wollen. Aber eine Mehrheit ist das auch nicht, selbst wenn man alles twittert …

Hier erst Mal die junge Welt:

Verlierer will siegen (junge Welt vom 16.06.09)

Jürgen Cain Külbel
Nach dem Erdrutschsieg des amtierenden Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad bei den iranischen Präsidentschaftswahlen am vergangenen Freitag ist es am Wochenende in Teheran zu Zusammenstößen zwischen gewaltbereiten jungen Oppositionellen, angestachelt durch zahlreiche Vermummte, und der Polizei gekommen. Die Randalierer, wütend ob der Niederlage ihres Favoriten, des 68jährigen Politveteranen Mirhossein Mussawi, riefen »Tod dem Diktator«, »Nieder mit der Diktatur« oder »Freiheit«. Sie zündeten Mülltonnen, Parkbänke und Autoreifen an, Fensterscheiben von Geschäften und Banken gingen zu Bruch. Der arabische TV-Sender Al Dschasira berichtete, die Demonstranten hätten Polizisten mit Steinen beworfen, die daraufhin mit Stöcken zurückgeschlagen, Tränengas eingesetzt und Warnschüsse abgefeuert hätten. Nach Polizeiangaben wurden rund 60 Demonstranten festgenommen.

Mahmud Ahmadinedschad hatte am Freitag die Präsidentschaftswahl laut der iranischen Nachrichtenagentur ISNA mit 62,63 Prozent respektive 24.527.516 Wählerstimmen für sich entschieden. Er konterkarierte so die Wahlkampfthese seines wichtigsten Herausforderers, des gemäßigt konservativen Mussawi, der behauptet hatte »65 Prozent der Menschen glauben, daß sich das Leben im Iran nicht genießen läßt«. Der frühere Ministerpräsident, der damit warb, das Verhältnis zu den USA verbessern und Reformen im Land anpacken zu wollen, kam den Angaben zufolge auf 33,75 Prozent bzw. 13.216.411 Stimmen.

Mussawi erkannte seine Niederlage nicht an und warf der Führung des Landes Wahlfälschung vor. Der Unterlegene forderte eine Annullierung der Wahl wegen »Unregelmäßigkeiten«. Einen diesbezüglichen Antrag reichte er beim zuständigen Wächterrat ein. Ayatollah Ali Chamenei, das geistige Oberhaupt des Iran, verfügte laut einem Bericht des staatlichen Fernsehens vom Montag eine Überprüfung der Präsidentenwahl. Der Vorwurf des Wahlbetrugs solle untersucht werden. Ahmadinedschad wies all die Vorwürfe strikt von sich: Seine Wiederwahl, die »wahr und frei« über die Bühne ging, »wird die Macht des Landes und seine Zukunft verbessern. Einige glaubten, sie würden gewinnen, und dann sind sie wütend geworden«. In einer Rede vor Tausenden seiner Wähler auf Teherans Vali Asr Square hatte er am Sonntag erklärt: »Die Wahlen in Iran sind die saubersten. Aber einige innerhalb als auch außerhalb Irans kommen nun heraus und sagen, die Wahlen seien gefälscht worden. Wo sind denn die Wahlfälschungen?«

Mussawi trägt keine unwesentliche Schuld an den jüngsten Ausschreitungen. Die Wahllokale waren am Freitag kaum geöffnet, da hatte er seinen Anhängern öffentlich bereits den Sieg verkündet. Ob er von seinem Londoner Wahlkampfberater Abolfazl Fateh zu diesem ungewöhnlichen Schritt gedrängt wurde, wird wohl sein Geheimnis bleiben. Auch ist es nicht das erste Mal, daß seine Anhängerschaft, hauptsächlich aus der Oberschicht des Landes und von begütertern Iranern stammend, randaliert. Am Spätabend des 4. Juni, Minuten nach dem ersten, somit historischen Rededuell zwischen Amtsinhaber und Herausforderer in Irans Staatsfernsehen, feierten sie Mussawi auf den Straßen in Niavaran, in Teherans Norden, als den kommenden Sieger. Etwa 60 seiner »Fans« versuchten, ins dortige »Zentrum für strategische Studien«, das zum staatlichen Schlichtungsrat gehört, einzubrechen. Nachdem sie von der Polizei daran gehindert worden waren, randalierten sie bis in die frühen Morgenstunden auf den Straßen.

Für Montag nachmittag hatte Mussawi seine Anhänger zu einem »Sternmarsch« aufgerufen. Augenzeugen beschrieben die derzeitige Lage als »äußerst gespannt«. Ahmadinedschad warf in dem Zusammenhang den westlichen Medien – etwa 600 ausländische Reporter verfolgten die Wahlen vor Ort vor, einen »psychologischen Krieg« gegen ihn und den Iran zu führen. So sei im Vorfeld international suggeriert worden, der »Reformer« Mussawi würde als Sieger aus den Wahlen hervorgehen. Die Medien hätten gezielt dessen »grüne« Anhängerschaft hochgejubelt, was zu falschen Erwartungen führte.

Al-Dschasira-Reporter Alireza Ronaghi berichtete indes unter Berufung auf iranische Agenturen, ein »Komitee, angeführt von zwei älteren Unterstützern Mussawis, organisiere die Straßenschlachten gegen das Wahlergebnis«. Sadegh Zibakalam, Leiter des Departments für Iranische Studien an der Universität Teheran, hält dagegen, die Demonstrationen seien großenteils »spontane« Erwiderungen auf den Wahlausgang: »Kein einziger gibt denen Kommandos, erteilt denen Befehle, keiner führt sie an.«

28 Kommentare zu „Linke und Iran

  1. Na, vielleicht hast du recht, vielleicht ist das tatsächlich die Diktatur des Proletariats

    Proletarier aller Länder, schaut euch also gut an, wie das iranische Proletariat das macht !

  2. Die Oberschicht Irans profitiert von den mangelhaft ausgebauten Ölraffinerien. So muß Iran Rohöl exportieren, eine Lage, die eigentlich gut ist, benötigt aber Benzin, Dieselkraftstoff u.ä., die durch jene iranische Oberschicht, die im Handel tätig ist, wieder in die Heimat eingeführt, und von den Verantwortlichen in der Regierung noch subventioniert wird. Ohne diese Maßnahme läge der private Verkehr lahm. Solches wird auch von konservativen Medien immer mal wieder heraus gestellt, und es bedeutet faktisch einen Antagonismus zwischen armer Mehrheit und Oligarchie, wie sie die Wahlergebnisse repräsentieren. Statt Iran vom Welthandel auszuschließen, müßte es gelten, dem Iranischen Volke mehr petrolchemische Anlagen aufzubauen, die ruhig mit Öl beglichen werden könnten.

  3. Zu den Schüssen auf Demonstranten: Wie ich vorhin an anderer Stelle schrieb, handelte es sich um Leute, die ein Waffenlager überfallen wollten, um sich selber zu bewaffnen, da hatten die Sicherheitskräfte keine andere Wahl, sonst hätte es höchstwahrscheinlich noch viel mehr Tote gegeben.

    Stimmt eine Stellungnahme von Herrn Pirker hab ich auch vermisst, ob das was zu bedeuten hat, weiß ich nicht – aber leider hatte sich die Junge Welt vor der Wahl sehr „Mussavi-mäßig“ gegeben.

  4. Dieser Artikel hier hört sich doch schon ganz anders, viel differenzierter an. Geht doch, auch einem Elsässer kann man noch was beibringen;-))

  5. Na, das hört sich hier doch schon wesentlich differenzierter und akzeptabler an. Geht doch.

  6. @Werner Pirker
    Armee Wenck im Anmarsch, Herr Elsässer!
    Nur ist Pirker nicht so unvorsichtig, sich ganz offen auf die Seite des kleinen Doktoren aus Teheran zu schlagen, wie Sie. Er möchte wahrscheinlich ungern mit ihm zusammen untergehen.
    Diese Amis sind aber auch ausgebufft: mischen sich nicht ein, um sich noch besser einmischen zu können:
    http://www.jungewelt.de/2009/06-18/034.php

  7. Okay, jetzt hat mich Herr Elsässer doch überzeugt: Es gibt in Teheran weit über 1 Million Diskomiezen und Yuppies, die alle total uniform gekleidet sind und null Individualismus ausdrücken – aber zugleich Ultraindividualisten sind, ohne jegliche Bindung an Werte.

    Und Zweifel am Wahlergebnis sind Ausdruck von Neocon-Denke. Und außerdem ist alles von „agent provocateurs“, eingeschleusten Folterknechten der USA, inszeniert worden – vermutlich auch der Meuchelmordanschlag an den Teheraner Studenten mitten in der Nacht, wo sich Leute (bestimmt Amerikaner!) als Basij-Milizen verkleidet haben. Darum auch – wie logisch! – wurde dieses Attentat vom iranischen Parlamentspräsidenten verurteilt.

    Der wusste, das das der CIA war.

    Fast hunderttausend Demonstranten in Isfahan: Alles von den Amerikaner gesteuert! Ja, und wer den Iranern mehr Freiheit wünscht, der steht „rechts“ von Obama…

    Oder doch nicht?

    Okay, Elsässer: So allmählich kannst du langsam wieder zu politischen Verstand kommen. Die von erbärmliche Think-Tank-Grütze („Stiftung Wissenschaft und Politik“) lässt du doch sonst auch liegen.

  8. obamas aüssereungen sind wie meistens nichts wert , das ist auf allen ebenen festzustellen.
    und wenn die „bitte“ des us-aussenminesteriums ,twitter-wartungs arbeiten zu verschieben,keine einflussnahme ist ,dann weiss ich auch nicht.
    es ist zu vermuten das externe kräfte auf eine eskalation und destabilisierung hinarbeiten.
    uns wird das als befreiungsakt verkauft.

    mein erster kommentar ist leider vom wächterrat beschlagnahmt worden – diese miesen….

  9. Obama meinte aber auch dies:

    >>Unabhängig vom Ausgang der umstrittenen Präsidentenwahl hätte man «in beiden Fällen mit einem Regime umgehen müssen, das den Vereinigten Staaten historisch feindlich gesinnt gewesen wäre, das einige Probleme in seiner Nachbarschaft verursacht hat und das hinter Nuklearwaffen her ist»,<<

    http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/658627

  10. Die Kenntnis der Lebensbedingung der Menschen vor Ort, und eigene unmittelbare Erfahrung fehlen. Keine noch so spitzfindige theoretische Auseinandersetzung, ersetzt hier die notwendige Praxis.

    Vorschlag: Die Linkspartei oder solid organisieren eine 3-monatige Bildungsreise auf Parteikosten für 100-200 Leute in den Iran mit Arbeitspraktikas auf Wunsch und jede(r) Teilnehmer(in) schreibt Protokoll über das was gesehen, gehört über das tägliche Leben…
    Anschließend werten wir das aus -nach den Regeln der empirischen Sozialforschung und bauen darauf den Grundkonsens der Linkspartei zum Iran, erarbeiten eine verbindliche politische Position an die sich dann auch die linksjugend Sachsen halten muss. Wer dann weiter nach dem Wind der Broderschen „Achse des Guten“ der Dt. Ges. für ausw. Politik, und des BAK Shalom segelt, darf dann Links-Faschist genannt werden und fliegt aus der Partei, muss auch sämtliche Parteigelder zurückzahlen, die er/sie für Vorträge von sogenannten „Entschwörungs“-spezialisten und andere antidt. Projekte verschwendet hat.

    Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, oder?

    Solaris Post
    ehm. WASG Leipzig
    Politik- und Medienanalyse Sachsen

  11. @Solaris :

    „Vorschlag: Die Linkspartei oder solid organisieren eine 3-monatige Bildungsreise auf Parteikosten für 100-200 Leute in den Iran mit Arbeitspraktikas auf Wunsch und jede(r) Teilnehmer(in) schreibt Protokoll über das was gesehen, gehört über das tägliche Leben…“

    Sie finden einen ausführlichen Reisebericht über den Iran verfasst von zwei deutschen Jugendlichen im Muslim- Journal Nr. 02

    http://www.mhaditec.de/verlag/muslim-journal/muslim-journal_02_2009.htm

  12. Iran: Abfuhr für Westen PDF Print E-mail
    Monday, 15 June 2009
    Ahmadinejad nicht Kandidat des Establishments, sondern der Unterklassen

    1) Der überwältigende Wahlsieg für Ahmadinejad ist aus antiimperialistischer Sicht positiv, denn das dominante Charakteristikum des nun im Amt bestätigten Präsidenten ist die Ablehnung der US geführten Neuordnung des „Nahen Osten“.

    2) Selbst die westlichen Medien konnten nicht übersehen, dass es die Armut ist, die fest hinter dem Präsidenten steht. Seine Anklage der Korruption im Establishment der Islamischen Republik brachte ihm in den westlichen Medien prompt das Prädikat Populist ein – ein indirektes Eingeständnis der breiten Unterstützung, die er von unten geniest.

    3) Tatsache ist, dass das kapitalistische Establishment um Rafsanjani, die Nr. 2 des Regimes und Vorsitzender des Wächterrates, nicht Ahmadinejad, sondern seinen Herausforderer Moussavi unterstützte hat, so wie eine breite Koalition von islamischen Kräften von ganz links bis ganz rechts. Dass die Nr. 1, Ayatollah Khameini und Nachfolger Khomeinis, sich nach der Wahl auf die Seite des Siegers stellte, heißt nicht, dass Ahmadinejad sein Wunschkandidat war. Denn niemandem aus dem Establishment waren die heftigen Attacken Ahmadinejads auf die herrschende Elite geheuer. Vielmehr geht es um die Stabilität des Systems.

    4) Wir können Wahlbetrug nicht ausschließen. Dieser kommt bei fast allen Wahlen in der Dritten Welt und selbst im Westen vor, wenn entgegen gesetzte Interessen auf einander prallen – und nicht nur dann. Der Westen sieht geflissentlich über solche Unschönheiten hinweg, wenn Kräfte an die Macht kommen, die ihm genehm sind. Nur im gegenteiligen Fall wird Zeter und Mordio geschriehen. Doch es gibt starke politische Anhaltspunkte, die darauf hindeuten, dass Ahmadinejad wirklich haushoch gewann. Erstens kontrolliert er nicht den Staatsapparat, sondern maximal eine Fraktion. In einem gewissen Sinn gehört er nicht zum Establishment. Um die Wahl umzudrehen, hätte es einer Art Staatsstreich bedurft. Dazu müsste der Machtapparat geschlossen hinter Ahmadinejad gestanden haben oder aber er hätte gegen die ihm feindlich gesonnenen Teile präventiv vorgehen müssen. Das war aber nicht der Fall.

    5) Die extrem hohe Wahlbeteiligung von über 80% ist ein Zeichen der Stärke und Stabilität des politischen Systems der Islamischen Republik. Von solcher Partizipation wagt der Westen nicht einmal zu träumen. Genauso wie der Sieg Ahmadinejads ist die enorme Wahlbeteiligung selbst ein Schlag ins Gesicht der westlichen Doppelmoral, der den Iran als Diktatur diffamiert, während er gleichzeitig die schlimmsten Diktaturen der Region legitimiert und stützt. Zumal im Gegensatz zum Westen, wo es bei Wahlen keine echte Opposition gibt und nur die verschiedenen Kandidaten der Eliten gegeneinander antreten, es bei den iranischen Wahlen tatsächlich um eine Richtungsentscheidung ging.

    6) Es ist nicht abzusehen, ob die breite Koalition um Moussavi aufgeben wird oder nicht, denn der Riss ist sehr tief. Klar ist, dass wichtige Teile der Mittelschichten sich eine politische Liberalisierung und mehr kulturellen Spielraum wünschen. Diese Forderungen wären an sich zu unterstützen. Allerdings vermischen sie sich bei der gegenwärtigen Opposition strukturell mit dem Nachgeben gegenüber dem Westen und mit einem akzentuiert kapitalistischen Kurs der Wirtschaftseliten. Es ist diese Verbindung die inakzeptabel ist und die letztlich auch der Mühlstein um den Hals jener darstellt, die tatsächlich mehr politische Freiheiten fordern. Ein unbeugsamer Antiimperialismus bleibt die Vorbedingung jeder demokratischen Bewegung. Der Mainstream des Mittelstands geht trotz gewisser „linker Rhetorik“ in jeder Hinsicht Richtung Anpassung an den Westen.

    7) Unsere Freude über den Erfolg Ahmadinejads bedeutet aber nicht, dass wir die tiefgreifenden Probleme der Iranischen Republik und ihres Regimes nicht sehen würden. Der Mangel an demokratischen und kulturellen Freiheiten schließt die Unterdrückung von nationalen und religiösen Minderheiten mit ein. Selbst wenn Ahmadinejad Direkttransfers an die Unterschichten durchführte, so konnte er an den wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Landes und der strukturellen Armut nichts ändern. Dem kapitalistischen (Unter)entwicklungsweg am Rande des globalen Freihandelsregimes setzte er nichts Ernsthaftes entgegen. Ganz zu schweigen von der schändlichen Rolle im Irak, wo Teheran die US-Besatzung und die Errichtung eines paradoxen US-iranischen Kondominiums unterstützte. Mag die iranische Außenpolitik in der Frontstellung gegen die USA oft ein antiimperialistisches Moment unterstützen (Hisbollah, Hamas), so bleibt ihre zentrale Achse doch das Streben nach regionaler Machtentfaltung mit konfessionellem Einschlag. Da bleiben die sozialrevolutionären Interessen der Volksmassen im Rahmen eines globalen antiimperialistischen Projekts immer wieder auf der Strecke.

    Eine genauere Analyse der Wahlergebnisse, die im Detail noch nicht vorliegen, muss folgen.

    Antiimperialistische Koordination (AIK)
    14. Juni 2009

    http://www.antiimperialista.org/content/view/6172/52/

  13. Der Artikel enthält zwar einiges Wahres, aber insbesondere Punkt 7 ist totaler Unsinn,das muss ich leider so sagen. Von wegen unterdrückte Minderheiten. Das absolute Highlight aber ist dieses:

    „Ganz zu schweigen von der schändlichen Rolle im Irak, wo Teheran die US-Besatzung und die Errichtung eines paradoxen US-iranischen Kondominiums unterstützte.“

    Der Autor hatte wohl 42 Grad Fieber?

  14. Wäre Mir-Hossein Mussawi ein Anti-Imperialist, hätte er sicher nicht damit geworben, das Verhältnis zu den USA verbessern zu wollen. Oder hat jemals die Gefahr bestanden, daß der Iran in die USA einmarschiert?
    Unsere Linken Freunde mit Null Bock auf Analyse, werden mal wieder von den Mainstream-Medien in ihren Emotionen hin – und hergerissen. Wer lautstark auftritt, wird schnell zur Mehrheit hoschstilisiert, insbesondere wenn das „unseren Interessen“ entspricht. Es schein mir aber eine Tatsache zu sein, das Konterrevolution (überwiegend auch für Revolutionen) immer von einer Minderheit durchgeführt werden.
    Sie sind um so erfolgreicher, je instabiler das Fundament eines Staates (gemacht worden) ist.

  15. @ Ummhussein:

    Der Iran hat Beziheungen zum irakischen Marionettenregime. Man geht Seitens des irakischen Widerstandes sogar davon aus, daß er den USA die wichtigsten Marionetten abgekauft hat. SCIRI und Sadr, deren Bewaffentet Truppen zuminedest teilweise gegen Sunniten und schiitische Baathisten unter der Zivilbevölkerung vorgegangen sind, erhalten ihre Unterstützung aus dem Iran. DIe Rolle des Iran im Irak ist destrukltiv und widerstandsfeindlich. Das bezeugen zivile Organisationen ebenso wie die drei Widerstandsfronten im Irak. Natürlich muß wiederum positiv erwähnt werden, daß er den Widerstqand in Somalia, Palästina und Libanon unterstützt. Es bringt garnichts vor Tatsachen die Augen zu verschließen. Denn wie de Gaulle schon sagte, haben Staaten Interessen und keine Freunde. Diese Frage hat aber nichts mit antiimperialistischer Unterstützung für den Iran gegen USA und EU zu tun. Wenn der Iran legitime Kritik von Leuten annimmt, die ihm nicht feindlich gesinnt sind, kann das nur hilfreich sein. Wie wäre es, z.B. wenn der Iran den iraksichen widerstand als einzig legitime Vertretung des iraksichen Volkes anerkennen würde? So könnte man auch helfen die historische Feindschaft zu beseitigen.

  16. @chrissedlmair:

    „Der Iran hat Beziheungen zum irakischen Marionettenregime.“
    natürlich hat er das, er pflegt Beziehungen mit all seinen Nachbarstaaten, auch mit Karsai (Afghanistan) und Zardari (Pakistan) , die ebenfalls US-Marionetten sind. Wieso denn auch nicht?

    „Man geht Seitens des irakischen Widerstandes sogar davon aus, daß er den USA die wichtigsten Marionetten abgekauft hat.“

    So, man geht davon aus. Und wer ist dieser „irakische Widerstand“? Das ist doch keine homogene Gruppe! Leider, denn sonst sähe es im Irak besser aus.

    „SCIRI und Sadr, deren Bewaffentet Truppen zuminedest teilweise gegen Sunniten und schiitische Baathisten unter der Zivilbevölkerung vorgegangen sind, erhalten ihre Unterstützung aus dem Iran.“

    Das hätte ich doch gern belegt, gern auch aus arabischer Quelle. . Was ich von diesem Sayyed Sadr halten soll, weiß ich auch nicht, dazu kenne ich ihn zu wenig, ich weiß auch nicht wer da nun auf wen warum losging. Iran unterstützt alle Freiheitskämpfer in der Region, ich will auch gar nicht ausschließen, dass Letztere das manchmal missbrauchen nur kann man daraus nicht schließen, dass mit iranischer Hilfe Sunniten umgebracht werden im Irak, so kam es zumindest rüber .

    „Wie wäre es, z.B. wenn der Iran den iraksichen widerstand als einzig legitime Vertretung des iraksichen Volkes anerkennen würde? So könnte man auch helfen die historische Feindschaft zu beseitigen.“

    Wiederum meine Frage, wer dieser irakische Widerstand nun genau ist. Zählt Sadr jetzt nicht mehr dazu?

  17. @ Ummhussein

    Also im wesentlichen sind es Organisationen, die unter folgenden Dachverbänden Operieren:

    1. Jihad & Reform Front
    z. B. Mujaheddin Armee, Islamische Armee

    2. Oberkommando der Jihad- & Befreiungsfront
    Geführt von Vizepräsident Izzat Ibrahim al Duri

    3. Politischer Rat des Islamsichen Widerstandes

    J&F Front und andere haben den Vorstizenden der AMSI (Assoziation Muslimischer Gelehrter) als politischen ANsprechpartner gewählt

    http://www.heyetnet.org/eng/

  18. Ahmad Batebi kennt sich besser mit darkrooms aus als Du, Elsässer. Frag ihn doch mal, ob er da wieder rein möchte.

    Und du hast ein Wort vergessen. Ich bin sehr rechts von Obama.

  19. Soso Herr Elsässer,
    nachdem Ihnen angesichts der Entwicklungen der letzten Tage scheinbar ein übriggebliebenes Fünkchen Verstand gesagt hat, dass Sie mit Ihren kapitalen Fehlgriffen gegenüber dem Klientel der Anti-Ahmadinedjad-Demos im Iran wohl doch zu weit gegangen sind, rudern Sie jetzt ein stückweit zurück, um in ruhigeres Fahrwasser zu gelangen!

    Sie schreiben nun: „Gutmeinende Kritiker haben sich in den blog-Kommentaren dafür ausgesprochen, man müsse doch den “linken” Flügel der Protestbewegung unterstützen – auch wenn Mussawi die Hoffnung der US-Neocons ist. Liebe Leute, gute Idee – aber das hat noch nie geklappt, nicht in Serbien 2000 und nicht in den folgenden bunten Revolutionen. The winner takes it all. The winner is – SOROS!“

    Nun, vielleicht haben Sie damit sogar recht. Wenn Sie jetzt jedoch daraus schlussfolgern, man müsse die tatsächlichen reformorientierten Kräfte (ob links oder rechts, ist im übrigen schnurzpiepegal! , z.B. Leute, die lieber „Montazeri“ anstelle von „Mussawi“ skandieren würden) auf dem Altar des Antiimperialismus opfern, indem man bei Ahmadinedjad’s mordenden Banden nicht so genau hinguckt, dann ist das an menschenverachtendem Zynismus kaum zu überbieten! Das wäre im Übrigen genauso wenig den ach so zahlreichen „Drogenjunkies, Discomiezen, Girlies und Strichjungen“ zu wünschen. Sie vertreten allem Anschein nach die Ansicht, „den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben“ sei ein gerechtfertigtes Mittel im Kampf gegen die offensichtlichen hegemonialen Einflussnahmen westlicher Mächte, allen voran die USA. Da befinden Sie sich aber leider absolut auf dem Holzweg und entpuppen sich als keinen Deut besser als Ihre Gegner!

    Sie schreiben weiter: „Last not least: Folter und Schüsse auf friedliche Demonstranten verurteile ich in JEDEM Land der Welt. Man sollte jedoch, gerade was die tödlichen Schüsse angeht, auch die Rolle von agents provocateurs nicht unterschätzen. Die USA haben im Iran viel Geld in undercover-Leute investiert.“

    Für wie naiv halten Sie den Leser eigentlich, Ihm Glauben machen zu wollen, „agents provocateurs“ kämen hier nur von seiten westlicher Geheimdienste?!?!! Ganz im Gegenteil, es ist wohl anzunehmen, dass sich im derzeitigen Machtkonflikt eine ganze Reihe von Personen (Ahmadinedjad, Mussawi, Chamenei, Rafsandschani …) zweifelhafter Methoden bedient, um den jeweiligen Gegner zu diskreditieren.

    Und schliesslich: „Ahmadinedschad ist übrigens ganz relaxt nach Moskau gereist. Nach Staatskrise sieht das nicht gerade aus. Zugegeben, die Discomiezen und Nato-Yuppies, die anfänglich unterwegs waren, haben mittlerweile Zulauf auch von ganz normalen Leuten bekommen, die eine Änderung im Iran wollen. Aber eine Mehrheit ist das auch nicht, selbst wenn man alles twittert …“

    Ja, ich finde auch, dass Ahmadinedjad ne unglaublich coole Sau ist, weil er sich in einer brenzligen Situation mal eben für ne Weile aus dem Staub macht und so tut, als ob nix gewesen wäre. Das verdient Respekt! Im übrigen frage ich mich, welchen hellseherischen Fähigkeiten Sie Ihr Wissen um die behauptete Minderheit der „ganz normalen Leute“ bei den derzeitigen Demos verdanken? Oder sollten Sie dafür tatsächlich Quellen haben?? Wenn ja, wäre es doch überaus zuvorkommend von Ihnen, wenn Sie den geneigten Leser auch in den Genuss derselben kommen lassen würden.

    Mein Resümée lautet, dass ich in Ihrem Blog zum Thema „Wahlen im Iran“ durchaus einige interessante Denkanstöße und informative Artikel (z.B. diesen : http://de.qantara.de/webcom/show_article.php/_c-468/_nr-272/i.html) finden kann. Ein paar Ihrer Ansichten teile ich sogar. Bedauerlicherweise machen Sie jedoch den Gesamteindruck durch Ihre selektive Wahrnehmung und die eine oder andere sehr dümmliche Hasstirade kaputt… auch schlagen Sie sich meines Erachtens ein bißchen voreilig auf eine der Seiten!!

    Hier mein Beitrag zum Thema „Imperialismus und Iran“:
    http://tpmdc.talkingpointsmemo.com/2009/06/ron-paul-is-sole-dissenter-from-resolution-supporting-iranian-protests.php

  20. Lenin hätte Euch umgehend verdient liquidieren lassen, Ihr Pseudolinken und FachistInnen.

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