Warum sie uns hassen

Zur Konfrontation in Teheran und weltweit


Was sich derzeit in Teheran abspielt, hat sich in Belgrad 2000 in der Oktoberrevolution gegen Milosevic abgespielt, später in der Rosenrevolution in Georgien, der orangenen Revolution in der Ukraine und in den – gottlob letztlich nicht erfolgreichen – Revolutionen in Usbekistan und Kirgisien.

Um was es geht, brachte die Washington Post auf den Punkt:

A Polarized Iran Prepares to Go to Polls
Presidential Race Turns Into a Battle of Haves and Have-Nots, Old and New Guard

By Thomas Erdbrink
Washington Post Foreign Service
Friday, June 12, 2009

TEHRAN, June 11 — A long column of provincial, working-class Iranians, clad in black and walking in flip-flops, streamed into a highway underpass, heading for a reelection rally for President Mahmoud Ahmadinejad.

Standing on a high ledge safely out of the way, a group of cosmopolitan youths looked down at the crowd of mostly out-of-towners. „Go back to the zoo!“ shouted a teenager with gelled-up hair and a green T-shirt, a sign of support for Ahmadinejad’s main challenger, Mir Hossein Mousavi.

Auf der einen Seite die arbeitenden Klassen, das Proletariat und die Bauern, auf der anderen Seite die aufsteigenen städtischen Mittel- und etablierten Oberschichten. Soziologisch gesehen. Von der Psychostruktur her denken erstere traditionell, hängen an ihrer Kultur, an ihren Werten, an ihrer Familie, an ihrer Nation, an ihrer Religion. Dies alles verachten die Yuppies. Sie propagieren einen werte- und bindungslosen Ultraindividualismus. Doch ohne Werte und Bindungen ist das Individuum gar nicht fähig, selbstbestimmt zu leben: Es steht isoliert dem totalen Markt gegenüber und wechselt, je nach dessen Erfordernis,  den Lebensstil, das Outfit, die sexuelle Orientierung, nimmt selbst körperliche Veränderungen („body modification“) vor. Wie wenig individuell diese Leute sind, zeigt ein Vergleich der in Teheran agierenden Peergroups mit den Protagonisten in Belgrad, Minsk, Kiew usw.: Sehen alle gleich aus.

Es geht nicht um Islam oder sonst eine Religion.  Es geht um die Herrschaft des totalen Marktes, der mit Hilfe dieser Sturmabteilunge weltweit durchgesetzt werden soll. Alle Traditionen, die nicht dazupassen, müssen ausgelöscht werden. Und alle Menschen, die diese Traditionen leben wollen? „Go back to the zoo!“, wie einer der gegelten Yuppie-Demonstranten den Religiösen zurief. „Zurück in den Zoo!“

Das droht der großen Mehrheit im Iran, wenn die sogenannte Opposition sich durchsetzt. Die darf dann endlich in Teheran eine Love Parade feiern, ganz ohne Schleier, ganz ohne die Zoo-„Tiere“.

Wer übrigens einige (einige!) der Kommentare liest, die ich seit gestern auf diesem blog hier freigeschaltet habe, findet diesen abgrundtiefen Hass („Go back to the zoo“) auch dort wieder. Seeelenverwandte ihrer persischen Kumpane.


30 Kommentare zu „Warum sie uns hassen

  1. Sicher gibt es solche Yuppies. Aber die Iran-Beiträge hier glänzen nicht gerade durch differenzierte Sichtweise. Recht plumpe Schwarz-Weiss-Malerei, ähnlich dem, was man im Mainstream vorgesetzt kriegt – nur mit umgekehrten Vorzeichen. Progessiv-emanzipatorische Haltung sieht hoffentlich schon noch etwas anders aus. Gegen die Kulturnivelliererei des radikalen Islam und der WWG!

  2. Wieder ein Artikel, dem ich nur zustimmen kann. Einige Hintermänner dieser „Progressiven“ gehören nämlich zu den Großkapitalisten im Iran, auch einige im Mullahgewand spielen da leider eine unrühmliche Rolle.

    @Eva: Es würde mich interessieren, was du unter „progressiv“ verstehst.

  3. @ Reiner Wandler

    Den Inhalt und die Form Ihrer obigen Bemerkung weise ich als zufälliger Leser dieses Blogs entschieden zurück.
    Ich denke, daß ich dabei auf die Zustimmung der großen Mehrheit der Foristen treffen werde.
    Was immer ein Mensch hier zur Diskussion stellt, und ist es noch so kontrovers, gibt niemandem das Recht , mit derartigen Bemerkungen die Menschenwürde eines Schreibers mit solch einer schlimmen
    Entgleisung wie die von Reiner Wandler, Juni 16, 2009 at 9:28, zu verletzen.
    Wen oder was auch immer Sie mit Ihrem Satz meinten – eine Entschuldigung hier und jetzt, könnte Brücken bauen und einer sachlichen, argumentativen und und mit Quellen genährten Diskussion einen fruchtbaren Boden zur Thematik IRAN und Rolle des Westens bereiten.

  4. Ich verstehe gar nicht wie man das rechtfertigen kann. Die iranischen Linken und Kommunisten die iranischen Bauern und Arbeiter sind nicht religiös fanatisch: Sie hassen dieses religiöse Terroregime, was nichts aber auch gar nichts mit der linken Milosevic-Regierung oder der linksgemäßigten Regierung Moldaiwens zu tun hat!

    Während arrogante westliche „Linke“ hier fordern, Demonstranten einzusperren (oder ihre „antideutschen“ Antipoden forder Teheran zu bombardieren) schmachten iranische KOmmunisten und Gewerkschafter im Gefängnis!
    Eine abgrundtiefe Schande, wenn sie wüssten, dass deutsche „Linke“ den Präsidenten gut heissen, der sie in den Knast steckte und die Arbeiterbewegung unterdrückt!

  5. ummhussain: Schwachsinn! Die Großjkapitalisten im Iran unterstützen die Regierung immerhin bei der Verfolgung der Kommunisten und der Arbeiterbewegung.
    Die iranischen Arbeiter und Bauern wollen die religiöse Despotie stützen, sie wollen eine freie, gerechte sozialistische GEsellschaft und keinen terroristischen mittelalerlichen Religionsstaat wie das Ahmadinedjad-Regime, aber auch keine kapitalistische Ausbeutungsgesellschaft wie die meisten Länder der Welt eine haben (Europa, USa..)

  6. Es wird ndlich Zeit, daß die linke Bunkermentalität in den Länder des WEstns aufhört. Für eine globale Volksfront. Für mehr George Galloway.

    Je weniger ein Land unabhängig ist umso wniger fort- und umso mehr rückschritt. Wer das nicht versteht, soll sich mal anschauen wo der Irak stand in den 1980ern in Sachen Gesunheitssystem, Bildung, Frauenrechte, Arbeiterrechte,… usw. und wo er sich im Embargo noch halten konnte und auf welchem unterirdischen tiefpunkt er sich seit 2003 befindet dank der US-Imperialistischen emanzipatorischen Besatzung. Die sogenannten Antideutschen und die (anti)emanzipatorischen Linken, die in ihr Fahrwasser geraten sind stoßen zunehmend auf schwierigkeiten die Realität ihren kruden Theorien anzupassen.

    Jürgen Elsässers Position zu Wahlen Iran sind absolut differenziert, was man von der REgimepropaganda nicht behaupten kann. Sie ist außerdem die einzig demokratisch und völkerrechtlich legitime.

    Der Iran hat Ahmadinejad gewählt. Die westlichen Imperialisten müssen lernen das zu akzptieren statt ständig „orangene“ Revolutionen übr gekaufte Proxies zu organisieren. Es können hunderttausende Demosntrieren, es ändert nichts daran, daß 63% von 80% von 80 mio Iranern den Präsidenten wiedergewählt haben. Jahrzehntelang hat sich niemand im Westen für iranische Wahlen interssiert und gerade bei dieser ist „zufällig“ höchstes Intersse „entstanden“. Immer wieder wurde in den letzten JAhren von der westlichen Presse das Bild verbreitet, daß Ahmadinejad Rückhalt verlieren würde. Das Ggnteil ist der Fall. Die Iranische Realität soll nun der imperialistischen Theorie angepaßt werden. Wenn es sein muß mit Todsopfern.

  7. Nochmal: Es ist keineswegs so wie hier beschrieben, dass eine hedonistische Oberschicht gegen, die traditionalistische Unterschicht für Ahmadinejad wäre. Auch die Bessersituierten im Iran sind religiös und traditionsbewusst, auch bei Ihnen besitzt die Familie einen hohen Stellenwert.

    Bei einem Besuch im Iran 2006 habe ich einen Monat in einem Studentenwohnheim gelebt. Meine dortigen Komillitonen sind wohl überwiegend der Oberschicht zuzuordnen. Gebetet haben sie trotzdem allesamt 5 mal am Tag. Mit fast jedem waren differenzierte Gespräche über Religion und iranische Geschichte möglich. Und Herrn A. haben sie allesamt als Mr. Monkey bezeichnet.

    Übrigens haben sich auch sehr viele kleine Leute negativ über das Regime geäußert und auch einer der islamisches Recht studiert hat und die Islamische Republik befürwortet fand Herrn A. schrecklich dumm.

    Mag sein, dass die Oberschicht tendenziell hedonistischer ist als die arme Bevölkerung im Iran. Dafür hängt ein nicht unerheblicher Teil dieser an der Nadel. Armut und Arbeitslosigkeit grassieren, die Republik bietet den Menschen keine perspektive, viele flüchten sich in den Rausch (Nach offiziellen Angaben ca. 5 – 6 Mio, die tatsächliche zahl dürfte höher liegen).

    Meine Freundin, die 6 Monate in diesem Land war hat dort für Erstaunen gesorgt, weil sie eben nicht so eine gottlose hedonistische Hure ist, als welche die gleichgeschalteten iranischen Medien (und offenbar Herr Elsässer) die westlichen Frauen darzustellen versuchen.

    Ich denke, dass weder Herr Elsässer noch Herr Erdbrink im Iran, bzw. in den anderen genannten Ländern waren. Sie versuchen die derzeitigen Ereignisse im Iran in ihr sehr einseitiges Weltbild einzupassen. Der böse Imperialistische Westen versucht die guten Diktaturen zu unterwandern und zu stürzen. Dabei wollen die nur das beste für die Menschen, auch wenn diese oftmals anderer Meinung sind, was denn das beste für sie ist. Egal, dann wird eben Gewalt gebraucht.

  8. @Gesunder Menschenverstand :

    Derartige Entgleisungen – entschuldigung – sind des öfteren angebracht, wenn auch gegen andere Personen.

    Auch mich ekelt das Establishment (oder der Adel mit samt seinen Hofschranzen – wie auch immer man das bezeichnen möchte) in diesem Land an … und ich möchte es diesen Leuten nicht nur ins Gesicht sagen, sondern ins Gesicht kotzen, so angewidert bin ich.

    Ich bin angewidert von Menschen die sich und ihresgleichen in chauvenistischer Manier über andere stellen. Ich bin angewidert von den Rassisten und Ignoranten in unseren Führungsetagen in allen Bereichen, von unseren Verbrechern die wohlwollend wider dem ‚gesunden Menschenverstand‘ und den kulturell gewachsenen Werten alle Werte gernichten außer denen die man in Euro oder Dollar mißt.

    {Und ich mache aus meinem angewidert sein kein Geheimnis. Aber ich bin so tolerant daß sich andere eben von anderen Personen anwidern lassen als ich.}

    Diesen feinen Herrschaften, denen ich so gerne ins Gesicht kotzen würde, ist dabei jedes Mittel recht – und gerade so etwas manifestiert sich gerade in Theheran … der Hauptstadt des Iran, die letzte Bastion auf diesem Planeten die der Macht des Dollars noch Paroli bieten kann.

    Militärisch kommt man dem Iran nicht bei, jetzt versucht man ihn von Innen heraus zu zersetzen und zu destabilisieren – und es ist die große Hoffnung für die Zukunft unseres Planeten daß dies nicht gelingen wird, denn derzeit gehört der Iran zu den wenigen Staaten die den Anstoß geben können die Macht des Dollars und damit des Establishments zu brechen um damit der Maß- und Grenzenlosigkeit unseres rücksichtslosen Tuns ein Ende zu bereiten.

    Deshalb ist eine Stärkung des Irans, Chinas, Venezuelas und Kubas so wichtig. Ein Zusammenschluß anderer Wirtschaftsmächte kann es schaffen die alleinige vormachtstellung der USA zu brechen und wieder auf ein Mittelmaß zu verbannen.

  9. „Was sich derzeit in Teheran abspielt, hat sich in Belgrad 2000 in der Oktoberrevolution gegen Milosevic abgespielt […]“

    Die „Oktoberrevolution“ in Belgrad richtete sich gegen die legalen Institutionen des Zivilstaates Jugoslawien; die gegenwärtigen Proteste in Teheran richten sich gegen die Autorität des Repräsentanten eines klerikalfaschistischen Regimes, dessen Barbarei jener der albanisch-muslimischen Gewaltsezessionisten der UCK in nichts nachsteht.

  10. @Gesunder Menschenverstand:

    „Den Inhalt und die Form Ihrer obigen Bemerkung weise ich als zufälliger Leser dieses Blogs entschieden zurück.
    Ich denke, daß ich dabei auf die Zustimmung der großen Mehrheit der Foristen treffen werde.“

    Auf jeden Fall auf meine! Man kann verschiedener Meinung sein, aber der Ton macht bekanntlich die Musik. Und das gilt nicht nur für den Schreiber Reiner Wandler, auch für einige andere. Aber wenn man argumentativ sonst nichts zu bieten hat als sinnfreie Beleidigungen oder reflexartig „Antisemit“ schreit, lässt das doch gewisse Rückschlüsse auf die Diskussionskultur dieser Leute zu.

    Ich fürchte allerdings, dass solche Schreiber an einer sachlichen Diskussion gar nicht interessiert sind. Ich würde ihnen daher zum Frustabbau lieber einen Punchingball empfehlen, statt diesen bisher doch sehr niveauvollen Blog mit Beleidigungen vollzuspammen.

  11. Vielleicht will ich gar keine Brücken bauen. Wenn man sich so lange kennt (30 Jahre), und dann sowas lesen muss, da geht es nicht mehr sachlich. Tut mir leid.

  12. Ich denke nicht, dass der gesunde Ekel des Herrn Wandler vor der verwegenen Einseitigkeit und Borniertheit der elsässerschen Irananalyse einen Verstoß gegen die Menschenwürde darstellt.

    Würde sich Herr Elsässer für eine Frisur wie Gerd Wilders entschließen, um anschließend dessen politische Positionen nachzuäffen und Autor bei pi-news zu werden:

    Das wäre ein ernster Verstoß gegen die Menschenwürde!

    Obwohl die Lage bei Herrn Elsässer also noch vergleichsweise erfreulich ist, muss ihm doch gesagt werden:

    Die Denunziation der Gegner des Diktators Ahmadinedschad als Café -Latte trinkende Yuppies ist nicht nur kontrafaktisch, sondern schlicht dumm.

    Bei allem Misstrauen gegen Exiliranerkreise (warum eigentlich?) kann es Herrn Elsässer kaum schaden, sich mit Leuten zu unterhalten, welche den heutigen Iran gut kennen.

    Er sollte das schleunigst nachholen – zumal seine „soziologische“, in Wahrheit völlig an den Haaren herbei gezogene, Einschätzung der Verhältnisse nicht viel taugt.

    Elsässers Argument von der fehlenden Individualität der Gegner von Ahmadinedschad ist reichlich skurril, denn erstens verkennt Herr Elsässer, dass die Anhänger von Ahmadinedschad noch einmal deutlich uniformer auftreten (was bleibt also von Ihrem Argument übrig, Herr Elsässer?), zweitens werden hier aus äußerlichen Faktoren auf eine unzulässige Weise Schlüsse gezogen.

    Elsässers Argument mit der Vergleichbarkeit mit inszenierten „Revolutionen“ im ehemaligen Ostblock hinkt auch gleich mehrfach, beginnend damit, dass es im Iran (dank der dort herrschenden autoritären Strukturen) keine westlichen Think Tanks und ähnlichen Dreck gibt. Insofern passt der Vergleich halt nicht. Die Unzufriedenheit der Ahmadinedschad-Gegner muss woanders her kommen – es könnte am Ende tatsächlich mit einem echten Mangel an Freiheit im Iran zu tun haben.

    Nur, Herr Elsässer, wenn das so ist: Was macht das aus Ihrer Analyse?

    Im Übrigen, auch das sollte einmal klar gestellt werden, trotz einiger hämischer Anmerkungen: Die Freude und auch Kraft zur geistigen Unabhängigkeit, die Herr Elsässer schon seit vielen Jahren pflegt, verdient Respekt.

    Seine Irananalyse taugt trotzdem nichts.

    Gar nichts.

    Und von ein paar harmlosen hämischen bis beleidigenden Anmerkungen auf eine Seelenverwandschaft zum iranischen Widerstand zu schließen:

    Auch das ist unzulässig. Iraner haben ohnehin einen anderen Stil, wenn sie bloggen und Blogbeiträge kommentieren. Das gilt für die, übrigens sehr heterogene, iranische Widerstandsbewegung genauso.

    Die sind im Regelfall wirklich höflicher.

    Und zum Abschluss noch ein Analysefehler von Herrn Elsässer: Die Prinzipalisten, welche sich am iranischen Widerstand gegen Ahmadinedschad beteiligen, ja, sogar die Mehrheit der Mussawi-Anhänger, haben nicht vor, das Kopftuch aufzugeben.

    Eine Liberalisierung der iranischen Gesellschaft (freilich nicht nach dem Muster von US-Think Tanks) wollen sie dennoch.

    Man möchte im öffentlichen Leben allgemein weniger Zwang, und auch möchte man mehr Freiheit in der Religion und im Alltag.

    Was ist so schlecht daran, Herr Elsässer??

  13. (im Übrigen finde ich es sehr hübsch von Herrn Elsässer, in seiner beachtlich kurzen Blogroll jemanden zu verlinken, der wiederum einer meiner größten Fans ist – doch, das ist irgendwie nett – so etwas bringt eine freundliche, ja, verbindende Note ins Spiel)

  14. @ gesunder Menschenverstand , natürlich schließe ich mich ihnen hier voll und ganz an. So krass unter der Gürtellinie „argumentieren“ die Gegner von J.E. fast alle. Reiner Wandler, wenn er denn überhaupt so heißt, ist dabei nur die Spitze der Primitivität. Kann man von jemandem, der so wenig Nivaeu hat, überhaupt eine Entschuldigung verlangen und annehmen….von einem Schimpansen verlangt man auch keine Entschuldigung, wenn er einemin den Finger beißt….oder?

  15. „Es würde mich interessieren, was du unter “progressiv” verstehst.“

    Naja, die Darkroom-Sprüche und die undifferenzierte Verächtlichmachung des iranischen Widerstandes gewiss nicht – auch wenn Mussawi, wie heute in der JW zu lesen, tatsächlich Freund eines US-Neocons ist. Es scheint, als ob Elsässer keinen Kontakt zu Iranern hat, noch nie da war. Riecht alles eher nach Provokation als Selbstzweck und kann man wie gesagt so ähnlich auch auf den Seiten der DVU lesen. Es ist doch albern zu glauben, Mussawi und Anhang seien üble WWGler und wollten großartig Bindungen abschaffen (von einigen Yuppie-Ausnahmen mal abgesehen).

  16. Da kann ich ja froh sein, dass mich damals niemand in einen „Darkroom“ befördert hat. Denn ich bekenne: ich war in meinen unbeschwerten jungen Jahren eine „Discomieze“! Schön wars.
    Traudl

  17. Dem Herrn Sorge ist ein Herr Wandler ein beißwütiger Schimpanse, von dem man keine Entschuldigungen verlangen dürfe.

    Tjanun – und im gleichen Atemzuge erwartet ein ernsthaft besorgter Freund des Elsässerischen dann eine Entschuldigung für doch sehr ähnliche (eigentlich sogar: harmlosere) Anwürfe.

    Wenn sich Herr Wandler nun tatsächlich für seine Hitzigkeit entschuldigt, dann hätten immerhin zwei Kommentatoren hier „sprechende Namen“, zumal man sich um Herrn Sorge doch ein wenig Sorgen machen muss.

    Kommen wir zu den wichtigen Punkten – noch eine Frage an Herrn Elsässer:

    Wie ist es möglich, dass es in Teheran mehr als eine Million Yuppies gibt?

    Hat der Iran womöglich einen so starken Wirtschaftsaufschwung erlebt, dass nunmehr in Teheran über eine Million Yuppies leben?

    (und ich dachte, die Ölmilliarden des Irans seien weitgehend versickert – was übrigens zu den Kritikpunkten der iranischen Oppositionsbewegung gehört – Herr Elsässer kennt da hoffentlich die Details…)

    * hüstel *

  18. @Traudl, du warst in unbeschwerten jungen Jahre eine Discomieze? Wow! Aber hast dich immer noch gut gehalten, finde ich,kommst doch hoffentlich bald wieder,oder?

  19. Eine sehr schöne und sachliche Analyse, die Sie, John Dean, da unter Juni 16, 2009 at 8:00 geschrieben haben.
    Allein die Sentenz „Würde sich Herr Elsässer für eine Frisur wie Gerd Wilders entschließen, um anschließend dessen politische Positionen nachzuäffen …“ zeigt, daß auch Sie nicht vor der Übernahme medialer Mainstream-Meinungen und Klischees gänzlich gefeit sind.
    Der dandyeske Kleinbürger Wilders mit seinen strahlend blonden Haaren (Huch! Arier! Huch! Nazi!) eignet sich natürlich als Projektionsfläche überstürzter antifaschistischer Ambitionen weitaus besser denn Rotterdams Bürgermeister Ahmed Aboutaleb, der unlängst über Marrokkaner Ausgehverbote verhängt hat. – Nicht?
    Aber die mediale Dämonisierung einer Person wie Wilders passt ja auch wie die Faust aufs Auge in eine Zeit, wo Linke das weltweit zweitgrößte Übel (die Finanzkrise) höher bewerten als das größte (Islamisierung).

    Es hat schon seine Gründe weshalb ein Wilders, ein Robert Redecker oder die Mitglieder des Zentralrates der Ex-Muslime ein Leben im Untergrund führen müssen und nie ein Haßprediger.

    Der Wiener Karl Kraus empfahl seinen Landsleuten in seiner legendären Fackel vor der Nazi-Machtergreifung , die Austrofaschisten zu wählen, weil diese das kleinere Übel seien und von ihnen mehr Widerstand gegen das aufmarschierende Nazireich zu erwarten ist, als von der satten Sozialdemokratie.
    Wann wird die Linke heute begreifen was es die Stunde geschlagen hat und welches das größte Übel ist?
    Wahrscheinlich wenn es wieder einmal zu spät ist.

  20. @bigmouth

    die „Arbeiterkommunisten“ zu beiden Seiten des Shat al Arab haben sich bisher nicht sonderlich positiv hervorgetan. Im Irak haben sie die Besatzung von „links“ legitimiert und den Widerstand als „terroristisch“ gebrandmarkt der vom Imperialismus verursachte Tod von 4,5 Mio Irakern seit 1991 ist für diese „Genossen“ kein Grund zur Kalashnikov zu greifenEien verrückte Sekte unter vielen

  21. Tudeh Partei und Arbeiterkommunisten die gegen Ahmadinedschaft und US-Imperialisten sind, sind „Yuppies…“ alles klar
    Diese Hetzte ist unsinnig

    Ich glaube manche kriegen geld von den mullahs andere vom cia…so undifferenziert manche hier reden

  22. Ich muss ganz ehrlich bekennen: Das ganze scheinheilige Gejammere über die „armen“ Oppositionellen nervt mich…und auch die bösartige und kleinkrämerische Kritik an der Wortwahl von J. Elsässer!!

    Denn FAKT ist ja: Wenn diese orangenen Typen im Iran an die Macht kommen würden, dann würden sie absehbarerweise das perfide und menschenverachtende System des ungezügelten Raubtierkapitalismus angloamerikanischer Prägung dort umgehend implementieren und die Bodenschätze des Iran an westliche profitgeile Grosskonzerne verschachern, sie würden, metaphorisch gesprochen, die iranische Bevölkerung dauerhaft in den „darkroom“ des finstersten Manchesterkapitalismus befördern, und dazu ist dann nur noch anzumerken, dass es in diesem Kontext in der Tat rein logisch nachvollziehbar ist, wenn die Leute des rechtmäßigen iranischen Präsidenten dem „einen oder anderen “ gewalttätigen und damit terroristischen Randalierer – ebenfalls methphorisch gesprochen – eine kurzweilige und nette, kleine Sommerfrische im „darkroom“ gönnen..sie wollen wohl nicht, dass aus dem Iran eine Art McAmerica wird, wo man die Menschenrechte der abhängig Beschäftigten gewollt mit Füssen tritt…Micky Mouse vor Teheran, und einen demütigenden Hungerjob bei irgend einem neoliberalen US-McWorld-Konzern, für 10 Cent pro Stunde, das wollen die Iraner wohl nicht, bzw. das wollen wohl nur die, welche davon finanziell massivst profitieren würden, um dann schön neoliberal Party in der Nobeldisco feiern zu können…

    Ich bin wirklich sehr wütend und zutiefst betroffen über das, was der US-Imperialismus versucht, der iranischen Bevölkerung anzutun, daher bitte ich zu entschuldigen, dass ich hier mal ganz hart und konkret formuliere, was Sache ist!!

  23. Hallo „Linker“,

    endlich mal einer, der Klartext redet – in der Form kann ich mir das ja als „Islamistin“ nicht so erlauben.

    Allerdings bin ich sehr zuversichtlich, dass das Propagandageschrei des Westens ins Leere laufen und Iran eben NIEMALS im Darkroom das Manchesterkapitalismus verschwinden wird. Da können sie den Botschafter so oft einbestellen wie sie lustig sind. In diesem Sinne noch ein schönes Wochenende..es bleibt spannend auf jeden Fall, da Moussavi die Demonstrationen abgesagt hat und für das, was manche, die sich seine Anhänger nennen noch tun werden, jegliche Verantwortung von sich gewiesen, wie seiner homepage zu entnehmen war. Leider auf Persisch.

  24. Tibet, Moldawien und jetzt Iran: Dem CIA geht in letzter Zeit so einiges daneben. Sollte da etwa eine Supermacht anfangen zu schwächeln?

  25. Hallo Umhussain,

    gebe dir da recht, und bin auch sehr zuversichtlich. Man sieht ja jetzt auch, wie US- und US-hörige Politiker geradezu vor Wut toben, weil es nicht klappt(e), mit dem „orangenen“ Putschversuch in Teheran…das Versagen ihrer fünften Kolonne stimmt diese US-Politiker natürlich missmutig, weil es offenbar nichts wird, mit freedom (fürs ausländische Finanzkapital) dollars (für westliche Grosskonzerne und ihre privatkapitalistischen Eigentümer sowie deren iranische Kollaborateure) und „demo-crazy“ a la Irak, mit Chaos und Anarchie auf den Strassen, und „Freiheiten“, die nur auf dem Papier stehen, während die Lohnabhängigen ausgebeutet werden!

    Fazit: Der Versuch der USA, im Iran eine gegen das iranische Volk gerichtete, bösartige „organe“ Revolution durchzuführen, ist gescheitert, und das ist auch gut so!!

  26. @ Pirx:

    Möglich ist es…die akuten, nahezu verzweifelten unanständigen Aktionen des US-Imperialismus könnten eine Art letztes Aufbäumen sein, womit zukünftig aber leiderdamit zu rechnen wäre, dass sich diese Aktionen in ihrer Aggressivität noch steigern könnten, dass der fallende Gigant sozusagen beginnt, noch wilder um sich zu schlagen…trotzdem, wie gesagt: Im Iran war es schon mal ein Reinfall, und bezüglich der Pläne des US-iImperialismus bin ich zuversichtlich: Denn sie werden ihnen doch misslingen!!!

    In diesem Sinne!!

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