Ein Käfig voller Enten

Elsässer im Deutschlandfunk zur „Sauerlandzelle“


Am Dienstag im Deutschlandfunk lief über 45 Minuten ein verdienstvolles Feature von Walter van Rossum zur sogenannten Sauerlandzelle. Das Trio steht derzeit vor Gericht, weil sie angeblich ein deutsches 9/11 geplant haben. Unten folgt ein kleiner Ausschnitt, in dem ich zum angeblichen Rädelsführer Fritz Gelowicz befragt werde. Die ganze Sendung ist unbedingt empfehlenswert und kann hier noch einmal gehört werden. Wer’s noch genauer wissen will, kauft sich das beste Buch zum Thema Terrorfakes in Europa, von Madrid über London über Istanbul bis zum Sauerland:

Jürgen Elsässer, Terrorziel Europa. Das gefährliche Doppelspiel der Geheimdienste, Residenz-Verlag 2008, 345 Seiten, 21.90 Euro (auch direkt bei mir zu bestellen, auch mit Signatur: info@juergen-elsaesser.de)

So, und jetzt der Ausschnitt aus dem DLF-Feature von Walter van Rossum:


Autor:
Auf der Suche nach Fritz Gelowicz islamistischer Sozialisation präsentiert der ARD-Film einen gewissen Reda Seyam aus dem Verein Multi-Kultur-Haus in Ulm. Seyam ist Deutscher ägyptischer Herkunft und steht seit Jahren im Verdacht, an verschiedenen Anschlägen als sog. Hintermann beteiligt gewesen zu sein, nie war ihm etwas nachzuweisen. Jener Reda Seyam gibt vor der Kamera ein paar eher harmlose Gesinnungspartikel zu Protokoll, die von den Autoren zu Kriegserklärungen hochtoupiert werden. Wie auch immer: jener Reda Seyam kannte Fritz Gelowicz nur flüchtig. Entscheidenden Einfluss auf den jungen Fritz Gelowicz nahm ein anderer.

O-Ton:    (Elsässer)
„Eine Sache ist ganz wichtig, die in der medialen Darstellung keine Rolle spielt, nämlich, dass der Chef der Gruppe, der Fritz Gelowicz, praktisch gecoacht wurde über Jahre hinweg von einem Ulmer Hassprediger, der seinerseits auf der Gehaltsliste des Verfassungsschutzes stand, ein gewisser Yehia Yousif.“

Autor:
Und immerhin der ARD-Film – und sonst fast niemand –  erwähnt wenigstens diesen Arzt und seine sonderbaren Beziehungen zu den Sicherheitsbehörden:

O-Ton:    (Film)
„Yousif arbeitet jahrelang auch als Informant für den Geheimdienst. Doch es stellt sich heraus, er hat nur allgemeine Informationen weitergegeben. Und so weiß der Verfassungsschutz letztlich nur: irgendetwas braut sich da zusammen.“

Autor:
Das möchte man sich auf der Zunge zergehen lassen: Einer der schlimmsten islamistischen Ideologen arbeitet jahrelang für den deutschen Verfassungsschutz, soll aber angeblich nichts Wichtiges verraten haben? Woher wissen das die Autoren? Haben sie das recherchiert oder plappern sie nur nach, was ihnen in strategischer Absicht gesteckt wurde? Glauben sie tatsächlich der Verfassungsschutz würde Yehia Yousif zur erstrangigen Quelle erklären?


O-Ton:    (Elsässer)
„Der hat – und jetzt zitiere ich wieder den Chef des Landesamtes für Verfassungsschutz Baden-Württemberg – dieser Hassprediger hat die Fäden der Sauerlandzelle gezogen bis hin zu ihrer Verhaftung. Trotzdem spricht heute niemand von dem. Und dieser Hassprediger, früher Ulm, lebt heute unbehelligt in Saudi Arabien, ohne dass es m. W. einen Auslieferungsantrag von deutscher Seite gibt. (…) Ich habe das Dokument, einen Brief des Landesamts für Verfassungsschutz an das BKA. Da gibt die Stuttgarter Verfassungsschutzbehörde zu, dass der sechs Jahre für sie gearbeitet hat.“

Autor:
Ein Hassprediger arbeitete für den Verfassungsschutz und stiftete aus der Bahn geratene Jugendliche zur Vorbereitung von Anschlägen an, die wiederum ein Innenminister zum Anlass für die Verschärfung von Gesetzen, den Abbau von Grundrechten nutzt? Da deutet sich ein spektakulärer Stoff mit quer über den Globus agierenden Geheimdiensten an, abenteuerliche Verstrickungen, mit denen man sonst doch so gerne das Publikum unterhält, eine skandalöse Geschichte, in der die Presse ihre viel beschworene Rolle als vierte Kraft glänzend spielen könnte. Doch was passiert? Die allermeisten Medien und Journalisten wollen damit partout nichts zu tun haben.

4 Kommentare zu „Ein Käfig voller Enten

  1. Es scheint leider nur wenigen aufzufallen, dass diese Hassprediger immer aus einer ganz bestimmten Ecke kommen. Wahabitischer Terror und westliche Geheimdienste sind wie siamesische Zwillinge. Im Irak, in Afghanistan, mittlerweile auch in Europa, überall.

  2. Ich gehöre zwar nicht zu denjenigen, die wahabija genannt werden, aber ich denke, daß dort radikalität schon vorhanden ist, unter die dann gezielt Agenten geschleust werden. diejenigen, die Wahabija genannt werden aber generell als Nest von Agenten zu bezeichnen, wäre falsch. Bei allen möglichn falschen Ansichtenm, die unter dem Begriff Islam kursieren, darf doch nicht vergessen werden, worin die Quelle dieser Radikalisierung steckt. Wer erlebt hat wie jede eigenständige Annährerung eines muslimischen Landes an die globalen säkularen standards mit Diffamierung bis hin zum Flächenbombardement durch den Westen „belohnt“ wurde, wird andere Möglichkeiten suchen, Widerstand zu leisten. NAch dem Motto „ihr laßt uns nicht Teil eurer Welt werden? dann werden wir eure Welt zerstören“ bieten einige dann „einfache Lösungen“ an. Das ist natürlich höchst willkommen bei den Geheimdiensten des Westens. Mit diesem Phänomen kann m. E. nur der islamische Wisderstand selbst fertig werden. Darum ist auch in den muslimsichen Ländern der Volksfrontgedanke das Gebot der Stunde. Die marxistische wie die nationalistische Linke dieser Länder könnten diese Problem nur konfrontativ „lösen“, womit der Imperialismus wieder jauchzen würde vor Freude, wenn sich die Muslime gegenseitig niedermetzeln. Die Linke in arabischen und anderen muslimischen Ländern ist deshalb auf Bündnisse mit dem islamischen Widerstand angewiesen. Bspw. wie PFLP und Hamas.

  3. @Chrissedlmair:

    Ich habe mich wohl unglücklich ausgedrückt. Ich habe weder gesagt noch gemeint, dass alle, die zur Salafiyya / Wahabiyya gehören, grundsätzlich ein Nest von Terroristen sind. Es ist aber nun mal so, dass wie du schon richtig sagst, eine gewisse Bereitschaft bzw. Radikalität dazu schon vorhanden ist, gepaart mit Unwissenheit über den Islam, und letztere macht das Einschleusen von Agenten leicht. Solche Typen wie die Sauerlandgruppe lesen kaum Bücher über den Islam, sie beziehen ihre Infos ausschließlich von gewissen Hasspredigern in der Moschee oder von youtube. Wobei Radikalität an sich nicht schlecht sein muss, es kommt von „radix“- Wurzel.
    Leider wurzelt deren Ideologie auf den gewalttätigen Lehren von
    Muhammad ibn Abd al-Wahhab, der sich wiederum auf Ibn Taymiyya beruft, der zwar viel früher lebte, aber ebenfalls eine „Reinigung von Götzendiens“ mit Gewalt befürwortete. Gewalt und Hass gegen Andersdenkende wird bei ihnen nicht nur hingenommen, sondern gefördert, und die Engländer hatten auch einen entscheidenden Anteil an der Entstehung dieser Bewegung, weil man mit ihr so gut spalten konnte, nach dem Motto :“ Teile und herrsche“.
    Wenn man die z.T. auch deutschsprachigen wahabitischen Websites anschaut, bekommt man das nackte Grauen, selbst ich als Muslim, wie dann erst ein Nichtmuslim?
    Zitat:
    „Die marxistische wie die nationalistische Linke dieser Länder könnten diese Problem nur konfrontativ “lösen”, womit der Imperialismus wieder jauchzen würde vor Freude, wenn sich die Muslime gegenseitig niedermetzeln.“

    Genau das ist es doch, was ich meinte. Diese grauenhaften „Selbstmord“- Attentate im Irak gibt es doch erst seit der amerikanischen Besatzung, desgleichen Afghanistan.

    „Die Linke in arabischen und anderen muslimischen Ländern ist deshalb auf Bündnisse mit dem islamischen Widerstand angewiesen. Bspw. wie PFLP und Hamas.“

    Das sehe ich genauso!

  4. @ Ummhussain

    Eine lustige Anekddote ist der angriff von irgenwelchen wirrköpfen auf Abu Hamza Pierre Vogel, weil er zusammen mit den ungläubigen Linken gegen den Islam Kongress mobilisierte:
    http://alnusra.wordpress.com/2009/04/25/der-islamist-und-die-kommunisten-pierre-vogel-ruft-zur-demonstration-mit-den-linken-auf/

    Ist natürlich schon schlimm, wenn Ungläubige den Propheten verteidigen. Das darf nicht sein. Da sollte der Gläubige Muslim lieber nichts tun, anstatt seinen gelibeten Propheten zu verteidigen. Was für wirrköpfe. In einem video in Sachen Anti-Islam-Kongress hat Abu Hamza von Leuten gesprochen, die „mit dem Fuß in der Steckdose schlafen“. Ich glaube er meinte genau solche gestalten, wie die von dem verlinkten Blog.

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