Schwarzer Block – raus!

Unter den Militanten bewegen sich die Geheimdienstleute wie Fische im Wasser.

Am 8. Juni 2007 meldete die Deutsche Presseagentur (dpa): »US-Sicherheitskräfte haben die Kontrollen um den G-8-Gipfel in Heiligendamm nach dpa-Informationen mit dem Transport einer geringen Menge Sprengstoff getestet. Der in einem Koffer versteckte Plastiksprengstoff sei von den deutschen Beamten an einer Kontrollstelle in einem Auto entdeckt worden, erfuhr die dpa. Obwohl es sich um eine ›sehr kleine Menge‹ gehandelt habe, schlug demnach die Durchleuchtungstechnik Alarm. Daraufhin hätten sich die zivil gekleideten Insassen als US-Sicherheitskräfte zu erkennen gegeben.« Die Fragen, die sich daraus ergeben, hat als erstes der Investigativjournalist Mathias Bröckers formuliert: Was hätten die »US-Sicherheitskräfte« gemacht, wenn das Material bei der Kontrolle unentdeckt geblieben wäre? Hätte die »sehr kleine Menge« ausgereicht, um Wolfgang Schäuble und der Bild-Zeitung (»Chaoten, wollt ihr Tote ?«) Genüge zu tun? Reicht es, nach der Entdeckung einer Straftat einen CIA-Ausweis zu zücken und »Sorry, war nur ein kleiner Test« zu nuscheln, um fröhlich seiner Wege zu ziehen? Gilt in Deutschland statt Grundgesetz und Strafgesetzbuch der Patriot Act, weil Präsident Bush im Lande weilt? Der Bombenanschlag, den die US-Spione den Demonstranten in die Schuhe geschoben hätten, blieb uns erspart. Bei vielen anderen Gelegenheiten in Rostock und Heiligendamm konnten V-Leute – die junge Welt hat es dankenswerter Weise dokumentiert – aber tatsächlich Gewalttaten verüben. Zusammen mit den Steinewürfen und Zündeleien der Autonomen, deren Ausmaß von Polizei und Medien stark übertrieben wurde, die es aber dennoch in größerem Umfang als in den vergangenen Jahren gab, reichte das aus, um die Proteste gegen den G-8-Gipfel zu diskreditieren.

Anstatt nun aber die Strategie der Geheimdienste zu entlarven und Überlegungen zu entwickeln, wie die Linke künftig die Gewaltfalle vermeiden kann, jubelt Dr. Seltsam (in einem Beitrag für junge Welt) die Staatsterroristen zu Geburtshelfern einer neuen revolutionären Bewegung hoch. »Die ganze innerlinke Diskussion um die Polizeispitzel im Schwarzen Block kann man sich schenken: Wenn die Bewegung soweit ist, werden sie nicht als Agents Provocateurs für die Polizei wirken, sondern aus Versehen mithelfen, das Fanal einer neuen Revolte zu entzünden.« Genau so sei es auch 1967 gewesen, als der Polizeispitzel Peter Urbach die Mollis zum Flambieren der Springer-Zeitungswagen mitbrachte. Das war für Dr. Seltsam der »zündende Funke« für die 68er Revolte, und er meint das durchaus positiv. Muß man Angst haben, daß der Gute sich demnächst beim Staatsschutz für solche zündenden Hilfsdienste bewirbt – zur Förderung des »letzten Gefechts der Weltrevolution«?

4 Kommentare zu „Schwarzer Block – raus!

  1. Am Kottbusser Tor in Berlin haben auch Polizisten in Zivil ihre Kollegen angegriffen und verletzt. In Hannover dienten einzelne Flaschenwürfe als Vorwand massiver Polizeieinsätze.
    Im „schwarzen Block“ demonstrieren aber auch viele Menschen, die Angst vor Repressionen haben; Probleme bei der Jobsuche, wenn sie als „Extremisten“ ausgemacht werden, oder Naziübergriffe, wenn sie als Antifaschisten erkannt werden, usw. .
    Die „schwarzen Blöcke“ haben also auch ihre Berechtigung.

  2. Hallo,
    Antifaschisten? Hört doch auf!

    Vorweg: ob es überhaupt Fälle gibt, in denen Gewalt entschuldbar sein kann (außer in unmittelbare Notwehr, um einen Angriff auf Leib, Leben, Meinungsfreiheit etc. abzuwehren), ich lasse es hier einmal außen vor.

    Ich könnte aber durchaus konform mit Menschen gehen, die gewisse, von den Regierungen auferlegte Regeln, für sich selbst als Angriff auf ihre Freiheit und Gesundheit ansehen. Ein Akt der „Notwehr“ wäre dann evtl. gegeben, aber das auch erst, nachdem alle friedlichen Mittel ausgeschöpft wurden.

    Doch wenn es solche Fälle gäbe, in denen der „Aufstand geprobt“ werden müßte, der schwarze Block wäre sicher nicht dabei. Wie sonst ist es zu erklären, das dieser Block niemals die richtige Route nimmt?

    Was will der schwarze Block denn in Kreuzberg oder Friedrichshain bewirken? Das niemand mehr „links“ wählt? Dann sind sie sehr erfolgreich! Oder wollen sie eigentlich versteckten NPD-Wahlkampf machen? Dann sind sie gar noch erfolgreicher!

    Oder ist das genau das, das den Kontaktmann zum VS so erfreut?;)

    Jungs und Mädels vom schwarzen Block, so wart und werdet ihr niemals glaubwürdig, und kaum jemand stärkt jene, gegen die ihr angeblich kämpft, so, sehr wie ihr es tut.

    Das ist kein Angriff von mir. In gewissen Sinne sympathiere ich mit euch (Freiheitskampf ist etwas sehr edles), aber wie gesagt, was ihr da macht ist leider nicht mehr nur kindisch, sondern der beste NPD-Wahlkampf den es jemals gab. Bitte wacht auf!

    Einen schönen Tag,

    Ronin

  3. Sehr schwieriges Thema. Es wird immer wieder Leute geben, die nur auf Krawall aus sind und es wird immer wieder darunter welche geben, die bezahlt werden um Krawall zu machen. Soll man sich deswegen nicht mehr gegen Polizeigewalt wehren, wenn dies möglich ist? Also ich war ja am ersten Mai nicht dabei, aber aus Demo-Erfahrung kann ich sagen, daß Gewalt mit oder ohne beteiligung des schwarzen Blocks fast immer von der Polizei ausgeht. Ich denke, daß ma nsich auf diese Diskussion nicht einlassen sollte, denn die Regimepress wird immer etwas finden um die Demonstranten zu verunglimpfen. WEnn die Hamas auf Friedens-Demos auftaucht, wird die ganze Demo zum islamsitischen Aufmarsch usw. Die Schreiberlinge der Regimepresse machen einfach nur ihren Job und das sollten wir auch. Zu unserem gehört es Gewalt zu vermeiden, zu beruhigen und zu defensiven Taktiken im Falle von Polizeigewalt animieren. Die ist erstens erfolgreicher und zweitens gesünder für beide Seiten. Auf keinen Fall sollten wir uns zu Kronzeugen des Regimes machen lassen, wenn doch etwas passiert. Denn das ist die andere Falle, die das Regime stellt, um Protest zu spalten und zu kriminalisieren. Es empfiehlt sich aber gegen Krawallmacher vorzugehen, die gegen andere Demoteilnehmer oder Redner Gewalt anwenden, wie im Falle Lafontaine im Frankfurt.

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