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Akcakale: Erdogans Auftakt für den Dritten Weltkrieg?

Artikel des türkischen Journalisten Hasan Bögün in der aktuellen Ausgabe von COMPACT-Magazin

Aus COMPACT-Magazin 11/2012 (Auszug). COMPACT kann man hier abonnieren.

Endlich auf Video: “Spinnst Du eigentlich, Erdogan?” Jürgen Elsässers Botschaft an den türkischen Premier. Kuckst Du hier, Alda!

Spurensuche in Akcakale

Wird man einmal sagen: Hier begann der Dritte Weltkrieg? Am 3. Oktober starben fünf türkische Zivilisten durch Beschuss von syrischer Seite. Aber wer schoss?

Von Hasan Bögün (Auszug aus COMPACT 11/2012)

In einem Haus in der Nähe der türkischen Ortschaft Akçakale, unmittelbar an der Grenze zu Syrien gelegen, sind Geschosse aus Syrien eingeschlagen. Dabei wurden fünf Personen, darunter 4 Kinder, getötet. Vieles dabei ist im Dunkeln, viele Fragen sind offen geblieben.

In Akcakale sind auch früher Geschosse aus Syrien niedergegangen. Außerdem wurde schon einmal ein türkischer Grenzposten in Hatay getroffen. In beiden Fällen hat die Türkei nicht mit einem Gegenschlag geantwortet, und im Parlament wurden keine Eilvorlagen zum Entsenden türkischer Truppen ins Ausland eingebracht.

Auch als am 22. Juni 2012 eine F-4 der türkischen Luftwaffe über syrischem Hoheitsgebiet abgeschossen wurde, gab es wohl Kriegsgeschrei, aber es wurden keine konkrete Schritte  für einen Gegenschlag unternommen. Der Aufruf der Erdogan-Regierung an die NATO blieb auf den Artikel 4 NATO-Abkommens begrenzt, die bloße Konsultation im Bedrohungsfall. (Der Bündnisfall mit militärischer Beistandspflicht steht in Artikel 5).

Auch nach Akcakale wurde in der NATO zunächst nur eine Unterstützung im Rahmen von Artikel 4 diskutiert. Am selben Tag, am 4. Oktober, hat die Erdogan-Regierung allerdings vom Parlament ein Gesetz zur Entsendung türkischer Streitkräfte “ins Ausland”, ohne jede Konkretisierung eines Landes, verabschieden lassen. Obwohl also die Geschosse aus Syrien abgefeuert wurden, ließ sich die Erdogan-Regierung ermächtigen, gegen beliebige Staaten vorzugehen. In diesem Zusammenhang ist interessant, dass noch in der selben Nacht gepanzerte Einheiten der türkischen Streitkräfte von Van, nahe der Grenze zu Iran, in Richtung der irakischen Grenze in Bewegung gesetzt wurden.

Am selben 3. Oktober, unmittelbar bevor das Geschoss in Akcakale einschlug, geschahen weitere bemerkenswerte Ereignisse. Das wichtigste davon war die Erklärung der syrischen Regierung, zu einer endgültigen Säuberung in Aleppo auszuholen. Um die Säuberung zu leiten, sei Präsident Baschir al Assad seit Montag, dem 1. Oktober, persönlich in Aleppo. 30.000 Soldaten seien aus anderen Regionen in Aleppo zusammengezogen worden. Laut dieser Ankündigung sollte die Säuberung nicht nur den Stadtkern, sondern auch die ländlichen Gebiete um Aleppo herum erfassen. Die syrische Regierung hatte bereits zuvor die Terror-Zentren, in der Umgebung von Damaskus, in Homs und Hama aufgerieben, die die über Libanon eingeschleusten Regierungsgegner gebildet hatten.

Wäre es der syrischen Regierung gelungen, in Aleppo, dem zweitgrößten  Industrie- und Handelszentrum Syriens, eine ähnliche Säuberung durchzusetzen und in der Folge auch die Einschleusungen von Terroristen aus der Türkei zu unterbinden, wäre die wenig effektive Kriegsmaschinerie aus ausländischen Söldnern vollständig zerstört worden. In der Folge hätte Aleppo aufatmen und die darbende Wirtschaft Syriens sich erholen können. Dies hätte allerdings die Pläne der USA blockiert – Assad zu stürzen, die iranisch-syrische Zusammenarbeit zu beenden und den Norden Syriens mit dem Süden der Türkei in einem kurdischen Staat unter Mesud Barzani zu vereinigen.

An dem Tag, als Akcakale getroffen wurde, wurden in Aleppo, wo sich Assad aufhielt, mehrere Bombenattentate mit großer Zerstörungskraft verübt. Vor einem noblen Hotel im Stadtzentrum, vor dem Rathaus und vor dem Regierungspräsidium wurden Auto-Bomben gezündet. Viele Beobachter nehmen an, dass diese Angriffe, bei denen 31 Menschen getötet wurden, unmittelbar Assad galten.

Eine wichtige und ungeklärte Frage ist, ob beim Angriff auf Akcakale mit einem Mörser oder mit einer Feldkanone geschossen wurde. In ersten Meldungen und TV-Nachrichten war von einem Mörser die Rede. Nach und nach änderte sich die Wortwahl der Nachrichten: Das Wort “Mörser” verschwand und wurde durch “Kanone” ersetzt. In einem TV-Kanal trat ein Kameramann sogar als “Sachverständiger” auf und behauptete, der Knall sei „sehr laut gewesen“ und es seien „Schrapnell-Splitter herumgeflogen“; demnach könne es sich „nicht um einen Mörser gehandelt haben“… Allerdings: Die Lautstärke reicht nicht aus, um die Herkunft eines Geschosses zu identifizieren;  auch Mörsergeschosse können sehr laut explodieren. Neuerdings können auch Streu-Minen mit Mörsern abgeschossen werden. Das könnte auch die Schrapnell-Splitter erklären. (Weiterlesen in der Printausgabe COMPACT 11/2012)

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9 Responses

  1. Evolutionsskeptiker sagt:

    erdogan kam zur einweihung einer neuen turkischen botschaft in berlin auch gleich wieder angedackelt und gab seine dummen kotz-parolen zum besten.

    kostprobe:

    ”tuerkei als vorbild europas aufgrund ihrer finanziellen gluecksstrahne u. gut ausgebildeten nachwuchses… in 10 jahren sollt ihr uns aufgenommen haben sonst sind wir gaaaanz sauer und europa wird uns verlieren… blabla…
    und ohne uns gibts keine stabilitaet… blabla…”‘

    mir tun nur die armen tuerken leid. sowas als politiker und ‘ministerpresident’. die peinlichste fettnapf-maschine. gute nacht ankara…

  2. Paul Singles UK sagt:

    Nothing so far indicates a false flag operation by Turkey. Erdogan knows that he still has some weak points (Turkmenistan, Armenia, the Kurd Question not only not settled, but even more “boiling”). The US just can’t afford for the moment any tangible support for a larger military intervention by Turkey against Syria.

    One has to take a distant view point in order to understand what happens:
    Turkey aims back to the Ottoman Empire. Yes. (Which disqualifies the 80 Million country for any membership in the EU, anyway). But Erdogan is careful enough not to overstrain his case. He can wait.
    Within the next 10 years Turkey may gain enough additional economic and military posture to dictate his conditions to Brussels. When Syria – the main target now of US wargamers – has been enough weakened and then succumbs to the western “values” (and commands), only Iran remains as a foe which can also be weakened the way used in Libya, Egypt, Syria. Then Turkey would remain with his 80+ Million population and a majority of young people the only middle power in the region.
    Erdogan needs no war to revive and reach his Ottoman ambitions. And may even then consider to seek some rapprochement with Israel (when all the plans of a palestinian state on the West Bank and Gaza have been drowned by repression, false promises and resignation on the side of the Arabs). Not a nice prospect, indeed.

  3. Neukunde sagt:

    Ein Agressor besitzt 1000 Stellschrauben um die Reaktion und Standfestigkeit der Verteidiger zu testen…

    Dabei geht es nicht nur um Syrien und den Iran sondern auch um den Irak, der wider Erwarten eine Rolle in der Region spielt. Leider ist der Irak bei der Berichterstattung außen vor.

  4. Yilmaz sagt:

    guter Artikel, schau´mer mal wie es weiter geht.

    @ Paul Singles

    I think, it´s a bit too much to say that Turkey is considering back an Ottoma Empire, more I would say it´s an ambition to a regional power in near-east: a bridge in between Orient and Okcident.
    Germany is also considering to be the most powerfull country in Europe (not just economically…), germans not say this openly but having the mind set still….so should we say now Germany strikes back to lead EU !?

    Or what about UK? The Commonwealth which desploid the half of the world and still do it through “City of London” …

    So come on, do you really think Turkey will still move to beg EU for membership!?
    There are much more alternatives if EU does not wants then please go ahead, no problem at all for Turkey, the world is big enough my Friend, where a strong will is, there will be a way….

  5. Anonym sagt:

    Erdogan 8 will sich durch die Islamisierung Europas einen Platz im Paradies erschleichen.Damit er mit seinen 99 türkischen Huren einen Drauf machen kann.

  6. Rudolf Steinmetz sagt:

    Das Blatt scheint sich scheinbar wieder zu wenden, und Erdogan gerät zusehends ins Abseits, selbst in den Augen seines Kumpels Abdullah Gül. Hurrikan Sandy (Alexander!) mag sein Schärflein dazu beitragen, dass den Amis die Puste ausgeht und sie nun lieber in Afrika räubern wollen, dass scheint ihnen billiger zu kommen. Und die blöden Deutschen senden wieder die Bundeswehr zu Hilfe, nunmehr nach Mail: der Vater unseres (noch?) amtierenden Kriegsministers konnte wenigstens noch strategisch Denken, und zwar im Interesse der Deutschen. Sein Sohn hingegen besorgt das Geschäft der Antideutschen. Interessante Hintegrundanalyse hier: http://www.politaia.org/terror/hinter-den-kulissen-der-syrien-krise-westliche-front-gescheitert/

  7. Dr. Gunther Kümel. sagt:

    @ Anonym

    “Drauf” schreibt man “drauf”.

  8. Dr. Gunther Kümel. sagt:

    @ Paul Singles UK

    I am with you, when you claim Turkey was not qualified for a membership in the EU. Such would secure the EU the membership in a neo-Ottoman empire and “integration” of the still remaining European population into a Turk-islamic society.

    However the moves of Erdogan are dangerous. Maybe Turkey by herself would have enough problems already to keep peace. But obviously Erdogan is the man to derail the politics of Turkey to strive for success abroad, where he is not able to solve his interior problems.

    And what is more, his ambitions could be exploited and rerouted by powerful regional or transatlantic powers:
    Erdogan as ice breaker for a NEW-MIDDLE-EAST-ORDER.
    As Churchill had to learn, that who starts a war for a reason cannot be sure to reach his aims, even if he counts among the victors.

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