Elsässers Blog

21.6..: Jürgen Elsässer berichtet über seine Iran-Reise, 19 Uhr, Berlin-Mitte, Viethaus, Leipziger Straße 54

Occupy: Hippies und Gänseblümchen unter sich

Zum Aktionstag der Occupy-Bewegung am 15. Januar

Aus die Maus. Occupy ist mausetot. Als Zombie wird die Bewegung wiedererstehen, wenn die Temperaturen bei über 20 Grad liegen. Denn es geht nicht um Politik, sondern um wohlfühlen: Man will open air herumlungern, ein bisschen zelten, der Joint kreist, schreckliche Gitarrenlieder nerven die Passanten. Ringelpiez mit Anfassen. Das alles kann man bei den aktuellen Temperaturen nicht machen, obwol der Winter mild ist.

Der Aktionstag am Samstag, ein Flop. In Berlin 800 Leute – weniger als ein Zehntel als auf der Luxemburg-Demo der Normalo-Linken. Aber nicht die Zahl zählt, sondern die Inhalte: Das ist einfach null, allgemeines Demokratie-blabla, seichte Geldkritik, und dann noch ein bisschen Revolutionskrakeel. Da muss man viel geraucht haben, um das gut zu finden. Herrlich der Bericht in der FR-.

Was mir besonders auffällt: Schon bisher gab es ja keine Forderung zum Thema Euro, der brennenden Geldfrage auf unserem Kontinent. Nun kommt das dröhnende Schweigen zum drohenden Iran-Krieg hinzu. Eine Bewegung, die nicht Nein sagt zu diesem Krieg, ist nichts wert. Ein katholischer Pfarrer, der völlig im Hier und Jetzt verwurzelt und stockkonservativ ist, aber gegen den Krieg eintritt, ist tausend Mal revolutionärer als ein Rrrevoluzzer, der alles anders haben will, aber kein Gespür für die konkreten Wendepunkte hat.

By the way: Der Occupy-Mensch, der bei unserer COMPACT-Veranstaltung mit aufm Podium saß, musste sich anschließend intern schwer mobben lassen, weil er das gemacht hat. Und: Die Gruppe “Bandbreite”, die eigentlich auf dem Berliner Event am 15.1. spieln sollte, wurde wohl (ich bin nicht ganz aufm letzten Stand)  ausgeladen.Wäre auch Perlen vor die Säue gewesen.

Deswegen: Vergesst Occupy. Kommt lieber zum COMPACT-Kongress “Bürger gegen Eurowahn – Volksentscheid jetzt!” am 18. Februar in Berlin. Da wird KONKRETER Widerstand gegen das Euro-System geplant – per Volksentscheid und per Wahlalternative. “Ein Schritt wirklicher Bewegung ist hundert Mal mehr wert als ein Kilogramm revolutionärer Programme” – sagte (so ähnlich) wer?

39 Kommentare»

  Harald Schmidt hat @ geschrieben

Ist das nicht so ähnlich auch von Hitler gesagt worden “Eine einzige entschlossene Tat ist mehr wert als ein ganzes Leben gewissenhafter Büroarbeit!”

  juergenelsaesser hat @ geschrieben

Harald Schmidt: Das ist die faschistische Deformation der Aussage…

  J. Fischer hat @ geschrieben

Sicher gibt es bei den Occupyisten auch Leute, mit denen sich mehr und gestalterischer anfangen ließe. Traurig wäre, wenn diese jetzt – desavouiert und enttäuscht – das Handtuch schmeißen und in michelhafte Passivität zurücktauchen. Wie fängt man die auf, holt die ins Boot, bzw. den Adlershof? Jetzt wären Verbindungsleute gut.

  Harald Schmidt hat @ geschrieben

Das stimmt natürlich, aber der andere Autor ist mir nicht wirklich eingefallen, vielleicht trägt ihn jemand anderes noch nach!

  yilmaz hat @ geschrieben

Herr Elsässer, ich muss sagen Ihre Schreibweise ist echt gut, könnt glatt ein Kommentar von Dirty Harry sein, ich hab mich halb schlapp gelacht :-) ) :

“Aus die Maus. Occupy ist mausetot. Als Zombie wird die Bewegung wiedererstehen, wenn die Temperaturen bei über 20 Grad liegen. Denn es geht nicht um Politik, sondern um wohlfühlen: Man will open air herumlungern, ein bisschen zelten, der Joint kreist, schreckliche Gitarrenlieder nerven die Passanten. Ringelpiez mit Anfassen. Das alles kann man bei den aktuellen Temperaturen nicht machen, obwol der Winter mild ist.”

Auch d´accord mit dieser Aussage:
“Nun kommt das dröhnende Schweigen zum drohenden Iran-Krieg hinzu. Eine Bewegung, die nicht Nein sagt zu diesem Krieg, ist nichts wert. Ein katholischer Pfarrer, der völlig im Hier und Jetzt verwurzelt und stockkonservativ ist, aber gegen den Krieg eintritt, ist tausend Mal revolutionärer als ein Rrrevoluzzer, der alles anders haben will, aber kein Gespür für die konkreten Wendepunkte hat.”

  prince charming hat @ geschrieben

karl may (100. todestag 2012) oder karl marx an brake?
zu gewinnen gibts die chance das geammtwerk des richtigen zitators zu hause seinen freunden vorzulesen. (muss man sich aber selber kaufen ;) ).

  prince charming hat @ geschrieben

kleiner tipp: gothaer biere. ;)

  Bruno hat @ geschrieben

@prince charming Ich tippe auf August Bebel.

  prince charming hat @ geschrieben

gaaanz knapp daneben :)

  Joachim Bullinger hat @ geschrieben

Eine einzige Tat, die Entschlossenheit beweist, ist mehr wert als Millionen gutgemeinter Worte.

Wayne Dyer

Das ist ein amerikanischer Psychotherapeut, der bei uns vor allem durch seine Lebenshilfe-Literatur bekannt ist, z.B. “Der wunde Punkt. Die Kunst nicht unglücklich zu sein. Zwölf Schritte zur Überwindung unserer seelischen Problemzonen.“

  J. Fischer hat @ geschrieben

FAZ-Artikel zur Rosa-Luxemburg-Konferenz am 14.1. in Berlin (Veranstalter Junge Welt): In der heutige FAZ erschien im Feuilleton auf S. 26 ein ziemlich vernichtend-kritischer Artikel. Gibt es noch mehr Erfahrungen hierzu? War / ist das bei denen wirklich so albern oder liegt’s an der bourgeoisen Sicht des FAZ-Autoren? Kann man mit Leuten aus jenen Kreisen reden oder ist da Honig und Wasser verloren?
Meine neidvolle Erfahrung als – in überkommenen Denkschubladen kategorisiert – Nichtlinker ist, daß Links definitiv die klügsten Kopfe sind. Gleichzeitig – und das ist der Jammer – sind hier aber auch die verbohrtesten Betonköpfe, die hinter jedem Gold die unweigerlich in den Faschismus führende Trikolore sehen und entsprechend tollwütig reagieren. Aber irgendwie muß man die doch in den Diskurs bekommen.

  juergenelsaesser hat @ geschrieben

prince: Sie bekommen den Marx-Engels-Preis!

  prince charming hat @ geschrieben

lieber JE, darf ich mir mal was wünschen?
das mit karl may ist durchaus ernst gemeint. da gibts ne ´menge was auch gut in compact passen würde. überlegen sie mal ein special von ihren bewährten historienleuten.
er war ein großer spinner, pazifist, anhänger vob bertha v. suttner UND ein lieblingsdichter des führes. den gabs im osten (radebeul) und im westen (bamberg). also wenn das nix spannendes ist?

wäre toll. :)

danke für den M/E-preiß. da kommt hallt die alte ostschulenbildung durch.

  J. Fischer hat @ geschrieben

P.S. wer in dem FAZ-Artikel in der 2. Spalte, 40. Zeile die Freud’sche Fehlleistung entdeckt, bekommt die Brillanten und Schwerter, äh Sichel dazu.

  chicano hat @ geschrieben

es wird nur der generalstreik was reissen können, dass wäre die wirkliche machtfrage im ländle. neue partei, bewegungen, all das lässt doch irgendwie aussitzen oder eben wieder korumpieren. die hoffnung das moralisch gefestigte leute eines tages die machtpositionen im bundestag einnehmen könnten, also vollkommen unbestechliche leute, denen es nur um das wohl der menschen geht, erscheint mir mittlerweile wie die allergrößte aller utopien. na ja, immerhin bleibt einem jeden die möglichkeit selbst ein aufrechtes leben zu führen.

  Bruno hat @ geschrieben

@prince charming OK, nochmal: Wilhelm Liebknecht?

  juergenelsaesser hat @ geschrieben

Fischer: Ja, das war wirklich geil! Bei jw und jf dürfte man sich gleichermaßen auf die schenkel geklopft haben…

  juergenelsaesser hat @ geschrieben

prince charming: wunsch schon erfüllt! in COMPACT 2/2012 wird ausführlich referiert, was karl may über die mexikanische revolution (benito juarez etc.) geschrieben hat. Sie kennen doch bstimmt mays dreiteiler dazu???

  J. Fischer hat @ geschrieben

@ Jürgen Elsässer (ich muß mich dazuklinken):
Neben dem Dreiteiler (…) bitte auf keinen Fall den Karl Mays Kolportageroman “Waldröschen” dazunehmen – da bekommen die Habsburger auch sehr schön ihr Fett weg.

  J. Fischer hat @ geschrieben

@ Chicano
ich bin zwar mitnichten ein Freund der “Parteiendemokratie”, aber es braucht auch eines organisatorischen Fundamentes beim Generalstreik. Wir wollen das Kruppzeug da oben ja nicht alleine zwingen einen anderen Kurs zu fahren, sondern dessen Umkehr. Ergo: auf die Brücke müssen andere.

  prince charming hat @ geschrieben

ja klar!! große vorfreude :)

  prince charming hat @ geschrieben

Bruno
nah dran ;)

  J. Fischer hat @ geschrieben

@ prince charming
Karl May “Der verlorene Sohn”: Junkergehabe, Arbeiterelend, Kapitalismus, Menschenhandel, Charakterschweine. Zeitlos.

  juergenelsaesser hat @ geschrieben

prince: und noch ne Zugabe: In der März-Ausgabe kommt was zum Leben und Wirken Karl Mays. Gerade vereinbart! Auf Ihren Zuruf hin! Wenn das keine direkte Leseranbindung ist!

  juergenelsaesser hat @ geschrieben

Fischer: Darum geht’s. “Waldröschen” ist ja das Fundament, auf dem der Dreiteiler wächst.

  J. Fischer hat @ geschrieben

Und das Herr Elsässer ist es, was mich so optimistisch stimmt, wenn ich Ihr Magazin, seine Leser und das Umfeld betrachte: Nähe am Leser, Nähe an den Themen, Abwesenheit von borniert-verbissener Verbohrtheit und Ausrichtungswahn – “wenn ich mich nicht irre”.

  juergenelsaesser hat @ geschrieben

Fischer: Danke für die Blumen. Wir wollen uns weiter anstrengen…

  Tom hat @ geschrieben

Occopy hatte demnach nur die Aufgabe, den revolutionären Mob einzufangen und zu Lähmen. Die 99% Demonstranten können jetzt also beruhigt ihr Studium und einen Bausparvertrag abschließen, dann ein Reihenhäuschen kaufen und noch jahrzehnte werden sie ihren Enkeln davon erzählen, was sie für schlimme Revoluzzer gewesen sind. Bravo!

  J. Fischer hat @ geschrieben

@ Tom
Sicher, daß der Anteil derer 99% war? Ich bin mir sicher, daß nicht, denn sonst hätte es sich für Soros und Mainstreammedien nicht gelohnt, die Occupy aufzubauschen. Nein, es ging mal wieder darum, jene mit dem gesunden Grummeln im Bauch, und jene die kognitiv wissen, daß da was nicht stimmt, einzufangen …und enttäuscht zurückzulassen, in der Hoffnung, daß sie nunmehr “ihr Studium und einen Bausparvertrag abschließen, dann ein Reihenhäuschen kaufen…”

  utz anhalt hat @ geschrieben

Schade, dass Karl May vergeben ist. Ich habe mich nämlich ausführlich in meiner Dissertation auseinander gesetzt unter der Frage nach dem romantischen Bild vom anderen und bei meinen Freundschaften und der Recherche bei den Apachen erfahren, dass er bei den amerikanischen Natives sehr beliebt ist, weil er ein positives Bild von Indianern entwarf, als die in Arizona an der nächsten Ponderosa-Pine aufgehängt wurden. Insbesondere hat die Beziehung zwischen Cochise und Leutnant Beckwood wohl das Vorbild für Winnetou und Old Shatterhand gegeben. Also Jürgen, wenn da Platz ist, bin ich dabei.

  juergenelsaesser hat @ geschrieben

utz: Der Artikel ist nun leider vergeben. Aber vielleicht könntest Du für eine spätere Ausgabe noch was nchlegen, oder mal das Karl-May-Museum in Radebeul besuchen und besprechen und das dann einflechten?

  Bruno hat @ geschrieben

@prince charming: war’s Bernstein, der Revisionist?

  utz anhalt hat @ geschrieben

Mit Radebeul hatte ich 2007 / 2008 intensiven Kontakt, ebenso mit dem mit ihnen kooperierenden Kulturzentrum der Mescaleros.Wäre in dem Beitrag alles drin, 2007 war ich mehrere Monate bei den Natives und habe dabei insbesondere über “deutsche Indianer”, das Verhältnis zwischen Deutschen und Natives, den Friedensvertrag zwischen Comanchen und hessischen Einwanderern und Deutsche, die Indianer wurden, recherchiert. Anbieten würde sich die Mai-Ausgabe, weil die Comanchen und Nachfahren der Deutschen da diesen einzigen Vertrag zwischen Indianern und Europäern feiern, der von den Europäern nie gebrochen wurde.

  juergenelsaesser hat @ geschrieben

Bruno: Prince hatte Recht, Charlie war’s.

  juergenelsaesser hat @ geschrieben

Utz: Gute Idee, Auftrag erteilt. Würde es dann aber an dem Friedensvertrag aufhängen und nicht an Karl May, der nur en passant. Lieferung bis Mitte März, 10.000 Zeichen?

  utz anhalt hat @ geschrieben

Alles klar. Der Artikel steht!

  J. Fischer hat @ geschrieben

Ungarn: Heute morgen warf im DLF ein Korrespondent Ungarn “Wagenburgmentalität” vor. Das gerade Ungarn vorzuwerfen ist unter historischem Gesichtspunkt ziemlich verhöhnend (11.04.1241). Davon losgelöst sollte der Umgang der EUkratur mit Ungarn sehr genau beobachtet und analysiert werden. Die ungarische Regierung hat etliche blasphemische Maßnahmen primär zum Schutz der Souveränität, vor Ausverkauf und Fremdbestimmung von Medien initiiert. Jetzt scheint das Maß aber endgültig voll zu sein sein, nachdem man auch noch die ungarische Zentralbank verstaatlichen will. Das in ein Poly-Sakrileg! (und mir total wumpe, ob von rechts oder links) Fragestellung: wie reagiert das System auf derartige Abweichler / Abweichungen. Aufgabe: Transfer auf die eigenen Forderungen / Vorhaben und gewarschaut sein.

  prince charming hat @ geschrieben

noch mehr vorfreude. :)

  Dr. Gunther Kümel hat @ geschrieben

“entschlossene Tat”

Die Beiträge breiten etwelche Revolutionsrhetorik aus, teils nostalgisch, teils unreflektiert. Klammheimliche Freude?

Vermutlich kann ich voraussetzen (oder nicht?), daß wir in einer Hinsicht alle dasselbe wollen: Eine wirklich grundstürzende Veränderung aller Politik und Wirtschaft hin zu menschlicher und politischer und wirtschaftlicher Befreiung.

Gut.

Aber nach welchem Modell?

Rosa Luxemburg?
Sie war bekanntlich Anführerin eines gewaltsamen, bewaffneten Aufstands gegen die gewählte sozial-demokratische Regierung.

Oder alles mögliche, wenn man es bloß als “entschlossene Tat” einordnen kann? Also alles von RAF-Attentaten bis zu demokratisch legitimierter Machtergreifung?

Ich denke, wir sollten darüber nachdenken.
Mein Vorschlag: Aufstand!
Aufstand in der Form der Mitteldeutschen 1989. Eines Tages, wenn alle endlich genug vom System haben, treten die Menschen vor ihre Türen und sagen laut: “Nein!”
“Nein, dieses System wollen wir nicht mehr!”


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