Elsässers Blog

1.9. Berlin: Elsässer/Timtschenko: "Krieg gegen Russland", Halong-Hotel, Leipziger Str. 54/55, 19 Uhr

“Junge Welt” zensiert Kritik an Political Correctness

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Die linke Tageszeitung Junge Welt (jW) demonstriert wieder mal ihre Grenzen: Reinhard Jellen, einer ihrer ständigen Autoren, machte vor einigen Wochen ein Interview zum Thema Political Correctness mit dem Buchautor Maternus Millett. Der hat im Herbst 2011 das inspirierende Buch “Das Schlechte am Guten. Weshalb die politische Korrektheit scheitern muss” ( Münster: Solibro Verlag 1. Aufl. 2010 [Klarschiff Bd. 3] ISBN 978-3-932927-46-1, Broschur; 224 Seiten;12,80 Euro (D) http://www.solibro.de/schlechteamguten) veröffentlicht. Jellen war überrascht, dass jW erstmals einen Beitrag von ihm nicht drucken wollte.

Das Beispiel dieser Zensur zeigt, warum die linke Kritik am System zahnlos bleibt und Anhänger verliert – und warum eine Zeitschrift wie COMPACT, die ich nach ähnlichen Erfahrungen mit junge Welt und anderen linken Publikationen mitgegründet habe, so notwendig ist. Der Wahlspruch von COMPACT: “Nicht links, nicht rechts – sondern vorn.” Die Kritik an der politischen Korrektheit, der Leitideologie der Neuen Weltordnung,  ist für uns der Anfang jeder Systemopposition. – COMPACT freut sich, Maternus Millett als Autor gewonnen zu haben.

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Es folgt das von jW abgelehnte Interview. Nch der Markierung im Text folgen Fragen/Antworten, die Jellen/Millett nach Ablehnung noch angefügt haben.

INTERVIEW MATERNUS MILLETT

Q: Am 22. Juli hat der selbsternannte Kommunistenjäger und Islamfeind Anders Breivik 77 Menschen umgebracht. Viele Kommentatoren haben diese Anschläge mit der Gegenbewegung zur politischen Korrektheit in Verbindung gebracht. Wie sehen Sie die Sache?

A: Der Anschlag Breiviks reflektiert eine Menschenverachtung und totalitäre Geisteshaltung, die man auch bei nicht wenigen AktivistInnen der politischen Korrektheit findet: Das Bedürfnis „Feinde“  (mund-)tot zu machen, meist jedoch mit subtileren Methoden wie medialer Demontage, sozialer Ausgrenzung und Diffamierung.  Breivik hat Islamkritiker und Kritiker der Linken in den Geruch des Terrorismus gebracht. Insofern waren Breivik und sein Massaker das Beste, was der politischen Korrektheit passieren konnte, um eine sachliche Diskussion und die Auseinandersetzung mit Kritikern zu behindern. Diese Geisteshaltung steht diametral Rosa Luxemburg und auch Voltaire entgegen, die sagten: „Freiheit ist immer auch die Freiheit des Andersdenkenden“ und „Ich teile Ihre Ansicht nicht, aber ich setze mein Leben dafür ein, damit Sie sie äußern können“.

Q: Sie kritisieren in Ihrem Buch die politische Korrektheit. Was stellt sie für Sie dar, von wem geht sie aus und welchen Zweck verfolgt man damit?

A: Ich verstehe politische Korrektheit als einen Kampf von selbst ernannten Wohltätern für das „Gute“ und gegen das „Böse“ – mit politischen Mitteln und im Sinne einer ideologischen Linie. Alle totalitären Herrschaftsformen, egal ob rechts oder links oder religiös haben eine solche moralische Legitimation gesucht, um sich Ressourcen, Sozialprestige und Befugnisse anzueignen. Gegenwärtig gibt sich totalitäre Herrschaft als „soziale Gerechtigkeit“ und „Befreiung des Individuums“ mittels staatlicher oder staatsähnlicher Apparate. Die stellvertretend „Emanzipierten“ und „Befreiten“ werden durch die gewährten Wohltaten („Sozialleistungen“, „positive Diskriminierung“) immer abhängiger, hilfsbedürftiger und somit kontrollier- und erpressbarer und verlieren letztlich ihre Fähigkeit zur Selbstbehauptung.

Q: Glückwunsch! Sie reden sich ja gleich um Kopf und Kragen. Ist Ihnen aufgefallen, dass Sie wie Ihre Gegner manichäisch-moralisch im Sinne von Auf-den-Kopf-Hau-Peng-Peng argumentieren?

A: Ich denke, die Pseudomoralisten schreien geradezu danach, sie mit ihren eigenen Kriterien und Argumenten auseinander zu nehmen und so der Heuchelei zu überführen.

Q: Es stört Sie also wenig, wenn ich jetzt behaupte, dass sie auf umgedrehte Weise ähnlich dämlich argumentieren wie die, die Sie kritisieren wollen?

Das ist nur die erste Hälfte meiner Argumentation. In “Das Schlechte am Guten” lege ich ausführlich dar, dass die Realität kein pseudointellektuelles “Konstrukt” aus “Gut und Böse” ist und sich um die Ideologien der “Guten” nicht kümmert, dass “das Gute” sehr wohl “Böses” hervorbringen kann und umgekehrt. Alle Herrschenden haben mit Schlagworten wie “Gerechtigkeit” und “Wahrheit” argumentiert, und die Herrschaft evolviert, wird immer subtiler: Früher herrschten die Gewalttäter, heute herrschen die Wohl-TäterInnen.

Q: Können Sie das ein wenig konkretisieren?

A: Das vielleicht plakativste Beispiel ist das linke Menschenbild, dass “der Mensch” durch Mangel und “Repression” automatisch verdorben werde und umgekehrt man nur alle ausreichend mit Gütern und Freiheit/Ansprüchen ausstatten müsse, damit “der Mensch” sozial, solidarisch und “gut” werde.

Q: Auf welchen Theoretiker beziehen Sie sich hier?

Ich denke da vor allem an Rousseau und den angeblich paradiesischen “Naturzustand” des Menschen, der erst durch die Kultur verdorben werde, an das Marx’sche “Reich der Freiheit” des Müssiggangs im vollendeten Sozialismus und an die anarchistischen Träume vom automatisch kooperativen, solidarischen Menschen, sobald der nur von “Repression” befreit sei. Die meisten Menschen haben jedoch mindestens zwei Gesichter, und die angenehmeren Seiten kommen meist nicht so sehr dann zur Entfaltung, wenn alles im Überfluss und umsonst zu haben ist, sondern dann, wenn der Mensch weder über- noch unterfordert, sondern angemessen gefordert ist. Deshalb spreche ich vom “optimalen Mangel”, dem “Bösen” in gesundheitsfördernder Dosis, quasi als gesamtkulturelles Fitnessprogramm. Was uns gut tut, ist normalerweise nicht nur das Bequeme, Angenehme, sondern vor allem das Meistern von Herausforderungen. Ein überdüngter Baum trägt nicht besonders viele Früchte, sondern es sind jene, die auf magerem Boden stehen, und besonders alt werden und gesund bleiben nicht die adipösen Wohlstandsbürger der USA, sondern die “armen”, meist leicht unterernährten Ethnien z.B. im Himalaya. Und vor allem: Aufsteigen kann man nur von unten nach oben, und Aufsteigen ist anstrengend. Abwärts geht es von alleine. Ist es also nur schlecht, es schwer zu haben?

Q: Darf man hier ein Plädoyer für die Unterernährung der Armen zu ihrem
eigenen Wohl heraushören?

Das Optimum ist weder der Überfluss noch der krasse Mangel, sondern die angemessene Herausforderung. Man sollte sich fragen, warum die “Armen” und “Unterdrückten” gerade jene sind, die meist am solidarischsten, großzügigsten und hilfsbereitesten und oft keineswegs subjektiv am unglücklichsten sind, und jene, die glauben, viele “Ansprüche” auf “mehr” zu haben, immer mehr vereinzeln und immer unselbständiger werden. Die linke Anspruchshaltung “wir fordern alles, und zwar sofort und umsonst” materialisiert sich immer mehr im “Sozial”-staat samt seinen Wohltaten wie “positiver Diskriminierung” von “Benachteiligten”. Wie ergeht es den so Beglückten, und zwar langfristig? Werden sie dadurch selbständiger, gar glücklicher, wenn man ihnen solche Wohltaten auf dem Silbertablett darreicht, sie emanzipiert und befreit, und dies oft sogar ungefragt? Wird das sich verfestigende, dauerhaft alimentierte Prekariat dank “politischer Korrektheit” immer “korrekter”? Wie konnte bei den “Unterprivilegierten” “Opfer” oder gar “Jude” zum Pejorativ werden? Wieso wird Sadomasochismus unter den “Emanzipierten und Befreiten” immer mehr zum Mainstream? Brauchen wir also noch mehr des Gleichen, das diese Nebenwirkungen zeitigt? Wie ergeht es einem, wenn diese Wohltaten, an die man sich gewöhnte, eines Tages entzogen werden – sei es durch ein neues politisches Paradigma, durch einen technischen Defekt der industriellen Megamaschine oder durch einen finanziellen Zusammenbruch des kapitalistisch alimentierten Staatsapparates? Und vor allem: Wie wird man die “WohltäterInnen” wieder los, die die demokratische Mehrheit in die Abhängigkeit von ihren Wohltaten geführt haben? Wer würde jene Abwählen, die sich mit Geldleistungen und “positiver Diskriminierung” letztlich die Stimmen gekauft haben und mehr des Gleichen versprechen? Ist das keine Herrschaft, und zwar ganz “demokratisch und human”?

Q: Nun sind sie ja selber, wie Sie in Ihrem Buch darlegen, nach Ihrer Entlassung als Lohnabhängiger positiv diskriminiert worden und haben via Krankengeld-, Arbeitslosengeld- und Berufsunfähigkeitsrenten-Zahlungen Staatsleistungen bezogen. War diese Erfahrung so niederschmetternd und traumatisch, daß Sie dem Hartz-IV-Empfänger die perfide Unterdrückung mit Wohltaten auf dem Silbertablett nicht zumuten wollen?

Ich habe eben auch die Nebenwirkungen dieses “süßen Giftes” genossen, und festgestellt, dass es sehr schwer ist, nach so viel Bequemlichkeit wieder auf die eigenen Füße zu kommen. Und dass es  gefährlich ist, so zu sagen in die Hand zu beißen, die einen füttert, da der drohende Entzug der Wohltaten enorm diszipliniert, also die Abhängigen fast automatisch zu Fürsprechern des Apparates macht, der sie in die Abhängigkeit geführt hat. Allerdings habe ich auch gelernt, langfristig von weniger als Hartz IV zu leben, und bei meinen Reisen in “unterentwickelte” Länder gemerkt, dass das gar nicht so wenig ist, und dass man von noch viel weniger zwar nicht bequem, aber keineswegs allzu schlecht leben kann. Ich halte sehr viel von Dissens und kultiviertem Konflikt, denn die Welt entsteht aus Widersprüchen, worin ich mit Marx absolut d’accord bin. Mit zwanzig war ich links, mit vierzig bin ich es nicht mehr, und wer nicht links ist, ist nicht automatisch rechts. Geistige Monokulturen sind nie besonders überlebensfähig, und ich bin sehr für Selbsthilfe und Selbstbehauptung, d.h. im Konflikt für sich selbst und die eigenen Interessen einzustehen. Die stellvertretende “Emanzipation und Befreiung” durch staatliche Apparate ist m.E. ein Oxymoron. Solidarität, Emanzipation und Selbsthilfe kann man nicht durch nie ganz uneigennützige Apparate von oben herab organisieren und verordnen.

————-

Q: Von mir aus: Die Linken sind eben alle Apokalyptiker und Herrschaft vermittelt sich in unseren Breiten nicht nur über Gewalt und Unterdrückung, sondern auch durch Zustimmung und Moral. Nun gerieren sich aber erstens die Schröders, Merkels, Hunds und Pierers, die wie Sie den Sozialstaat abbauen wollen, um die Dignität und Lebensfreude unter den Lohnabhängigen zu fördern nicht minder apokalyptisch und moralisch. Denn falls Sie es noch nicht gemerkt haben wird die „Befreiung der Märkte“  in einem medialen Dauerfeuer seit mehr als fünfzehn Jahren als quasi diskriminierte aber moralisch unbedingt gebotene Handlungsmaxime dargestellt, der unbedingt Folge geleistet werden muss, soll das deutsche Gemeinwesen unter der Last der Globalisierung nicht zusammenbrechen. Und zweitens kommen auch Sie – falls Sie es z.B. tatsächlich ernst damit meinen sollten, dass die Vertreter der Political Correctness auch nichts anders als subtiler agierende Anders Breiviks sind und nicht Gewalttäter, sondern Wohltäter die Welt beherrschen – gleichfalls nicht unapokalyptisch daher und üben  ja auch moralische Macht aus, indem Sie Ihre Thesen als diskriminierte aber richtige Minderheitenmeinung hinstellen und stellen Ansprüche, indem Sie für Ihre unterdrückten Thesen Verständnis und Aufmerksamkeit fordern. Wo ist da der Unterschied?

Also wahrscheinlich habe ich so ungefähr verstanden, was Sie fragen wollen. Aber sicher bin ich mir nicht. Geht das auch etwas einfacher?

Q: Der Kern der Frage zielt darauf: Ich denke dass Sie sich bei Ihrer Gegenseite über Strukturen beschweren, nämlich dass über Moral Interessenpolitik ausgeübt wird, die Sie aber hinterrücks für sich selbst in Anspruch nehmen und die Sie dann anscheinend bei Ihnen als ganz und gar unproblematisch erachten. Sie nehmen Ihren Gegner nicht ernst, Sie verzerren seine Standpunkte, Sie machen ihn verächtlich, unterstellen ihm Dummheiten und hauen dann auf den Sack drauf. – Und meinen dass Sie damit recht haben, weil die eben das Böse sind. So kommt man m.E. aus dem Moral-Dilemma nicht heraus.
Und dass wiederum machen alle, sich alleine auf den Moral-Diskurs kaprizieren, ohne konkrete Analysen von dem vorzunehmen, was wohl dahinter stecken mag, also ohne z.B. Analyse des gesellschaftlichen Reichtums und dessen Verteilung in Deutschland. Also auch die Neoliberalen und Konservativen. Ein Gerhard Schröder oder Ulf Poschardt trieft geradezu vor Moral und Rechthaben, indem Sie der Gegenseite Moralismus und Rechthaberei vorhalten.

Ok, jetzt wird es schon etwas klarer. Vielleicht noch einmal als Frage prägnant ausformuliert?

Q: Kann man moralische Positionen kritisieren, indem man sich zu ihnen einfach nur spiegelbildlich verhält?

Ich halte individuelle Freiheit lediglich für wichtiger, als kollektiv-staatlich organisierte Wohltaten. Was hat das mit Moral zu tun?
Weder mit Antimoral noch mit politisch organisierter Wohltaten kommt man weiter, wenn man weder als Gewalttäter noch als Wohltäter über die Erzeugung von Abhängigkeit Herrschaft reproduzieren will. Deshalb plädiert „Das Schlechte am Guten“ dafür, die individuellen Freiheitsgrade auch zu nutzen, wobei die tatsächlich vorhandenen Freiheitsgrade zumindest in den westlichen Wohlstandsgesellschaften in der Regel weit über den genutzten liegen. Dies vor allem deshalb, weil die allermeisten aus Gewöhnung an „Leistungen“ und Bequemlichkeit auf „die Politik“ warten und moralische Ansprüche stellen, anstatt für sich selber aktiv einzustehen und entsprechend zu handeln. Das bedeutet auch, Verantwortung für das Risiko des eigenen Scheiterns zu übernehmen und bewusst auf politisch organisierte „Wohltaten“ zu verzichten – zur Erhaltung der Fähigkeit, Herausforderungen selbständig zu meistern und zur Erhaltung der eigenen Unabhängigkeit. 
Um es mit Benjamin Franklin zu sagen: „Wer Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren.“ Der Übergang vom sozial „sicheren“ und wenig freiheitlichen Sozialismus zur sowohl unsicheren als auch wenig freiheitlichen „sozialen Marktwirtschaft“ illustriert dies anschaulich.
Das Problem der ideologischen Linken ist, dass sie das Individuum nur als ausgeliefertes Produkt der Umwelt denken können, das nur durch Politik kollektiv befreit werden kann und sich nur eine Dualität „Sozialismus oder Versklavung durch den Markt“ vorstellen können. Politik und kollektive Systeme machen immer unfrei, egal ob “Sozialstaat” oder “Markt”. Apolitische, individuelle Freiheit durch aktive Nutzung der vorhandenen Spielräume, egal in welchen System, ist für sie nicht vorstellbar. Doch auch die hat ihren Preis: Sie macht schnell einsam, ist riskant und wenig komfortabel.

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57 Responses

  1. AndreasTT sagt:

    Bravo „junge welt“! Diese Auslassungen zu Kryptoliberalismus, Sozialdarvinismus; dieses Plädoyer für das Recht des Stärkeren, den ungehemmten Einsatz der Ellenbogen und Nützlichkeitsselektion hat in einer sich als links verstehenden Tageszeitung wahrlich keinen Platz. Schließlich ward ihr ja mal die Zeitung der FDJ und nicht der FDP. Neben allem, was ihr an „antiimperialistischen“ Dumm- und Boshaftigkeiten so veröffentlicht; mit diesem Interview währet ihr absolut unglaubwürdig geworden.

    Herr Elsässer, verstehen Sie es wirklich als Systemopposition, gegen die paar zivilisatorischen Errungenschaften des Kapitalismus zu argumentieren? Ist es ein intellektuelles Wagnis gegen die Verlieren, die Opfer des herrschenden Systems indirekt hetzen zu lassen? Ist das, was Sie abwertend mit „Neuer Weltordnung“ bezeichnen, das, was die Linke – ob neue wie alte – den Mächtigen abtrotzen konnte, und wollen Sie das nicht, weil Proleten nicht mehr hungern und frieren müssen, Frauen keine Menschen zweiter Klasse mehr sind und erlittene Diskriminierungen von Minderheiten zumindest zum Teil durch Bevorzugung ausgeglichen werden?

    Dann sind sie weder links noch rechts – da haben Sie recht – aber auch nicht vorne, sondern ganz weit hinten angekommen. Dort, wo sich das ressentimentgesteuerte Kleinbürgertum befindet. Und genau dieses ist an der Zahnlosigkeit linker Gesellschaftskritik und Politik sowie am Scheitern des Sozialismus schuld.

  2. juergenelsaesser sagt:

    AndreaTT: Ich bin nicht in allem einer Meinung mit Millett. Aber dass selbst ein Interview zensiert wird, wo er Contra bekommt – es war ja kein Originalbeitrag von ihm! -, ist ja wohl der Hammer. Bedeutet links sein zensieren?

  3. AndreasTT sagt:

    Für einen Großteil der sog. Neuen Linken – und da glaube ich, sind wir uns in der Kritik an den sog. 68ern bzw. deren Epigonen, was das betrifft, was Sie in Ihren (lesenswerten!) Büchern „Angriff der Heuschrecken“ und „Make love an war“ schreiben, einig – bedeutet ihr „Linkssein“ diskursfreie Tabuzonen zu errichten, wo dann wie der pawlov’sche Hund auf Schlüsselreize wie etwa Volk, Nation, Tradition, Kultur, Proletariat mit sofortiger in Acht Stellung reagiert wird.

    Die „junge welt“ würde ich aber diesem Spektrum nun nicht zuordnen. Bei allem ideologischem Schatten, wenn diverse Redakteure und Autorinnen sich mit dem Antiimperialismus der politischen Geisterfahrer an die zeitgenössische Variante der sog. Neuen Linken ranzuwantzen versuchen, gibt’s bei der jw immerhin den politischen Sonnenschein der Linken, die ihren Marx und Lenin noch gelesen (und verstanden) haben. Und da passt nun mal redaktionell ein solches Interview mit derartigen Aussagen absolut nicht rein. Dies dann nicht zu veröffentlichen ist eben auch ein Ausweis an Pressefreiheit.

    Inhaltlich finde ich die Aussagen und diesen ewigen donquichotte-artigen Kampf gegen eine vorgeblich flächendeckende Meinungsdiktatur einer „Political Correctness“ im übrigen anschlussfähig an solche unschönen Dinge, wie ein sich, von dieser Geisteshaltung aus treffend, „Politically Incorrect“ nennendes, rassistisches Webblog nebst Ablegern à la „Freiheit“, „Pro-Köln“ et all. Was diesem ganzen Sumpf ideologisch zugrunde liegt sind nicht wie vorgeblich die Werte der Aufklärung, sondern dieser Steinzeitliberalismus (Kryptoliberalismus, Neo-Liberalismus), den Millett schön ausbreitet – die ganze Islamkritik bzw. der nur in der Wolle gefärbte Antisemitismus, der in Gestalt einer diffusen „Israelsolidarität“ philosemitisch daherkommt ist dabei nur Mimikry, um vom kleinbürgerlichen Fremdenhass abzulenken, der sich wiederum aus dem sozialdarwinistischen Liberalismus speist.

    Gerade der zu Tode zitierte Voltaire stößt mir bei diesem Interview auf: Nein, es ist kein Ausweis von Zivilisiertheit alles zu tolerieren; in einer permissiven Gesellschaft wie der unseren ist es gerade geboten, die Intoleranten nicht zu tolerieren und wer sich verbal über andere Menschen erhebt um diese abzuwerten, bei Millett sind’s die sog. Sozial Schwachen, die Unterschicht, bei den oben genannten die „Moslems“ als Chiffre für alles Fremde, „Undeutsche“, bei Islamisten und alten wie neuen Nazis die „Juden“ – dem gehört die rote Karte gezeigt. Gesellschaftliches Fahrradfahren – nach unten treten, nach oben buckeln – ist nichts, was irgendwie zu unterstützen wäre.

  4. juergenelsaesser sagt:

    AbdreasTT: Sie tun grad so, als sei das ein Interview mit Ulfkotte gewesen. Da könnte ich Ihnen noch folgen. Aber dieser Millett ist kein Rechter, kein Islamfresser! Wer sich Positionen wie den von ihm vertretenen nicht stellt, betreibt Vogel-Strauss-Politik. – Zur jW: In der Außenpolitik ist die jW antiimperialistisch und antizionistisch, schon richtig. Aber die Innenpolitik … Meine Güte, das kann man ja nicht lesen. Und zum Euro? Seichtes Lafontaine-Niveau!

  5. M: Willkommen in der Realität.

  6. “Diese Geisteshaltung steht diametral Rosa Luxemburg und auch Voltaire entgegen, die sagten: „Freiheit ist immer auch die Freiheit des Andersdenkenden“ und „Ich teile Ihre Ansicht nicht, aber ich setze mein Leben dafür ein, damit Sie sie äußern können“.”

    Sofern das auch gewisse Aspekte der deutschen Geschichte gilt, Zustimmung. Nur da ist es meist aus mit der Meinungsfreiheit, steht sogar unter Strafe. Wer die sogenannte “politische Korrektheit” kritisiert, darf das nicht ausnehmen.

    “In der Außenpolitik ist die jW antiimperialistisch und antizionistisch, schon richtig. Aber die Innenpolitik … Meine Güte, das kann man ja nicht lesen. ”

    Mag sein, aber das geht mir auch bei Rechten so. Außenpolitisch meist recht brauchbar, innenpolitisch kann ich das auch nicht mehr lesen, ohne dass mir das Frühstück wieder hochkommt.

    Andreas TT: “Gesellschaftliches Fahrradfahren – nach unten treten, nach oben buckeln – ist nichts, was irgendwie zu unterstützen wäre.”

    Genau das stößt mir insbesondere bei den sogenannten “Bürgerlich – Konservativen ” ziemlich auf. Immer auf irgendwelche Schwächeren einprügeln, das ist wirklich ekelhaft.

    “Ein überdüngter Baum trägt nicht besonders viele Früchte, sondern es sind jene, die auf magerem Boden stehen, und besonders alt werden und gesund bleiben nicht die adipösen Wohlstandsbürger der USA, sondern die „armen“, meist leicht unterernährten Ethnien z.B. im Himalaya. ”

    das wird den Verhungernden in Ostafrika ja ein Trost sein. Dem werten Herrn Millet ist wohl noch nicht eingefallen, dass es auch noch was dazwischen geben kann?

    Und was soll das Gerede von “organisierten Wohltaten”? Die Leute wollen keine “Wohltaten”, sondern nur das, was ihnen zusteht. Zum Beispiel Arbeit, von der sie auch leben können. Oder wie wäre es mit einem Wirtschaftssystem, das die Reichen nicht immer reicher und die Armen nicht immer ärmer macht?

    “Das bedeutet auch, Verantwortung für das Risiko des eigenen Scheiterns zu übernehmen und bewusst auf politisch organisierte „Wohltaten“ zu verzichten – zur Erhaltung der Fähigkeit, Herausforderungen selbständig zu meistern und zur Erhaltung der eigenen Unabhängigkeit.”

    Er möge doch bitte mal erklären, wie die ganzen älteren Arbeitnehmer, die in die Frührente entlassen werden aus Krankheitsgründen und gleich in Hartz IV rutschen, “Verantwortung für das Risiko des eigenen Scheiterns übernehmen und bewusst auf politisch organisierte “Wohltaten” verzichten sollen. Die sind nämlich schon gescheitert.

  7. Skeptiker_ sagt:

    Direkte Demokratie bedeutet, dass die Mehrheitsmeinung die Gesellschaftsregeln bestimmt. Dabei sollte immer auf die Minderheiten, die auf beiden Ausläufern der Gaussschen Glockenkurve liegen Rücksicht genommen werden, also auf die Unterprivilegierten und die wirklich Reichen :-)

  8. derherold sagt:

    “…warum die linke Kritik am System zahnlos bleibt..”

    Die bleibt allein deshalb zahnlos, weil die Linke längst gekauft ist. Die “Regierung der Nationalen Front” ist doch längst errichtet.

    AndreasTT´sche Gemmen wie “die Intoleranten nicht zu tolerieren” wirkt angesichts real existierender Nachrichtensperren und Infantilisierung nahezu jeder Debatte eher kurios.

    “…und die Armen nicht immer ärmer macht…”
    @fatima, das ist ein Ding der Unmöglichkeit. ;)
    Und die “älteren Arbeitnehmer” aka Rentner zukünftiger Jahre werden ganz andere Probleme als herbeiphantasierte Armut haben.

  9. “Und die “älteren Arbeitnehmer” aka Rentner zukünftiger Jahre werden ganz andere Probleme als herbeiphantasierte Armut haben”

    und die wären?

  10. Wir lehnen die Kategorie links und rechts ohnehin ab. Wer ausgrenzt, dem mangelt es an überzeugenden Argumenten und wer sich zudem noch eingrenzen läßt, der wird auch nicht schlauer. Übrigens jeder Mensch kann sich irren, aber er sollte sich auch von einem Irrtum befreien können.

  11. Hieran (am Text, dem Kontext und den Kommentaren dazu) kann man sehr schön den vielleicht wichtigsten Unterschied zwischen Gemeinschaftlichkeit und Gesellschaftlichkeit ablesen:

    In einer Gemeinschaft kann jeder alles thematisieren, ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen. In einer Gesellschaft muß jeder aufpassen, was er sagt, um nicht ausgegrenzt, verleumdet und diffamiert zu werden.

  12. Louise sagt:

    Vielleicht ein Kompactbaendlein verfassen zum Thema 4.Gewalt?

  13. Marco Reese sagt:

    Die “Neue Weltordnung” ist die der Schlange, die zum ersten Menschenpaar und damit zum Menschen bzw zur Menschheit sagt: Ihr werdet sein wie Gott. Genau das ist es, was immer schon vorhanden war, man denke an altorientalische oder römische Hybris (was freilich nicht alle jeweiligen Aspekte betrifft, keineswegs), aber die “Neuzeit” ist davon regelrecht bestimmt, von irgendeinem Amalgam aus Gnosis, Naturalismus, technizistischen Machbarkeitswahn, der keine Liebe kennt, Trennung von Geist und Natur, Seele und Leib, der Bindungen der Menschen, Gottlosigkeit . . und das alles steht nach wie vor und noch zunehmend im Hintergrund. Das ist meine Meinung als gläubiger katholischer Christ und ich weiß, daß wenige sie hier teilen werden, aber ich äußere das dennoch. Die Moderne ist auf Sand gebaut, sie lebt überhaupt nur vom Vormodernen, ansonsten verschlingt sie mit diesem auch sich selbst, sie ist bereits zersetzt, aber die Metastasen sind nicht weniger von Übel . . es ist an der Zeit, das zu erkennen und sich entsprechend zu positionieren. Im Rahmen der EU, im Rahmen der Weltwirtschaft, und in dem der Kriegspolitik westlicher Mächte sehen wir die Ambitionen, die NWO auszudehnen; zunehmend. Der Islamismus ist dabei ein Mittel, andererseits wird er freilich als Konkurrenz zurückgedrängt, so und so. Die Fronten klären sich zunehmend: Kirche Christi gegen ihre Feinde. Dabei tun weite geschichtliche Rückblicke not, denn dann weiß man besser, was läuft. Der Tanz um unterschiedliche goldene Kälber ist im Gange.

  14. Icke sagt:

    Wir haben heute eine merkwürdige Symbiose zwischen von Verantwortung abgekoppelter Macht ganz oben und von Verantwortung “befreiter” Lethargie des “Stimmviehs” ganz unten… das Gespräch enthält durchaus interessante Gedanken. Die Forderung nach mehr individueller Verantwortung ist in jedem Fall berechtigt, Sozialleistungen dienen ja nicht nur der gerechteren Umverteilung, sondern durchaus auch als Narkotikum, welches eine kritische Sicht auf das System als solches verhindert. Tatsächlich ist der Sozialstaat ein zweischneidiges Schwert, der eben eine gewisse Mentalität erzeugt (kenne ich genügend Beispiele), auf “Stütze” zu leben und selbst keine Verantwortung übernehmen bzw. erwachsen werden zu müssen. Nicht zu vergessen der unmittelbar damit zusammenhängende Zerfall der Familien als Verantwortungsgemeinschaften. Der Sozialstaat gegenwärtiger Prägung ist eben NICHT sozial, da er auf Kosten der schöpferischen Mittelschicht die Ehe zwischen Gosse und parasitärer Führung stiftet. Von der sehr seltsamen Minderheitenförderung, welcher zum eigenen Industriezweig des akademischen Pöbels geworden ist, ganz zu schweigen. Ein wirklich sozialer Staat kann es sich nicht zur Aufgabe machen, Millionen von staatlichen Leistungen (die ja nicht vom Staat, sondern vom tätigen Teil des Volkes erwirtschaftet werden) abhängig zu machen, sondern für alle sinnvolle Aufgaben bereitzustellen, die dann eben auch angemessen belohnt werden… es gibt kein Recht auf Geld für Nichtstun, sondern ein Recht auf das Gefühl, in einer Gemeinschaft gebraucht zu werden und sinnvoll eingebunden zu sein. Für eine solche Gemeinschaft wird der Einzelne gerne opfern, genauso wie die Gemeinschaft im Ernstfall für den Einzelnen einsteht. Aber nicht im Sinne eines Rechts auf etwas “was einem sowieso zusteht”, sondern weil die Gemeinschaft keinen so einfach im Stich läßt… und vielleicht bestimmt doch das Bewußtsein das Sein?

  15. Marco Reese Dezember 30, 2011 at 20:00

    Die Fronten klären sich zunehmend: Kirche Christi gegen ihre Feinde.

    Wen oder was meinen Sie mit der “Kirche Christi”?

    Die V2-Sekte?
    Das Judentum 2. Klasse für Goyim, wie es der Pharisäer Saulus aka Paulus eingeführt hat?
    Oder diejenigen, die dem Christus nachfolgen und sich als Sohn (oder Tochter) Gottes verstehen?

    Oder vielleicht etwas ganz anderes?

  16. chicano sagt:

    @marco reese

    kann ihnen zum großteil nur zustimmen. wenn sie allerdings die kriche christi mit dem vatikan gleichsetzen, dann in diesem punkte nicht.

    @icke

    es wird immer weniger arbeit geben. was wir erleben ist eine steigerung der produktivität durch technisierung, wie sie nicht mal zu erträumen war vor nur hundert jahren. wir sind auf dem weg in eine welt, in der maschinenparks menschen zu 90% ersetzen werden und in der maschinen kaputte maschinen reparieren.

    warum soll dieses “im schweiße deines angesichts sollst du….” auf ewig bestehen? warum nicht kreative energien freisetzen druch mehr zeit für alle?

    wovon soll die mehrheit leben, für die es immer weniger arbeit geben wird, jahr für jahr weniger arbeit? sollen die die sich die “arbeit” aufteilen…der eine feilt dem konzernboss die fußnägel, der andere die fingernägel und der dritte wischt ihm den arsch ab, damit er sich ein teil dessen verdient, das aus dem erbe der gesamten menschheit entstanden ist: die möglichkeit mit weniger arbeit das zu erwirtschaften, dass ein mensch zum gut leben benötigt?

  17. @ Icke Dezember 30, 2011 at 20:16
    Menschen arbeiten gerne, sie haben Freude am Werken, Schaffen und Erschaffen. Wenn sie beginnen darunter zu leiden, ist es nie die Arbeit selbst, sondern es sind i.d.R. die Umstände, unter denen sie arbeiten müssen. Es sei denn, man zwingt sie zu Dingen, die sei mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren können. Auch dann werden sie krank.

    Zu mir ist einmal eine junge Frau gekommen, die von ihrem Freund vergewaltigt worden war. Dabei hätte er freiwillig und gerne alles bekommen können, was er wollte. Aber nein, er mußte es sich mit Gewalt nehmen.

    Das ist in etwa auch die strukturale Situation des arbeitenden Menschen unter der Bedingung von Kapitalismus.

  18. Gab sagt:

    @Bullinger

    Menschen möchten für das, was sie tun, aber auch Anerkennung und Lob haben. Sie möchten für Leistung belohnt werden.

    Beim Sex zwischen Mann und Frau, den Sie als Beispiel nennen, ist es auch so. Sie wollen sehen, dass es der Partnerin gefallen hat. Wenn Sie Ihnen das Gefühl nicht gibt, fühlen Sie sich schnell als Versager und haben keine Lust mehr an weiteren Akten.

    Und genau da lag der Fehler in allen bisherigen Sozialismen. Es gab keinen Anreiz etwas besonders gut zu machen und sich besonders anzustrengen, außer vielleicht, dass man einen nichtsnutzigen Orden bekommen hat. Also wurde es auch nicht gemacht und Innovation und Kreativität blieben auf der Strecke.

  19. Skeptiker_ sagt:

    @ chicano

    Richtig, es wird immer weniger Arbeit für Menschen geben, weil Maschinen den Menschen Schritt für Schritt ersetzen.

    Im nächsten Jahrhundert werden sich die Maschinen dann fragen, ob sie die Menschen überhaupt noch benötigen. Sie werden sich ein paar Exemplare unserer Gattung behalten zu Studienzwecken, so wie wir heute die Menschenaffen vor dem Untergang retten.

  20. chicano sagt:

    @ gab

    “Es gab keinen Anreiz etwas besonders gut zu machen und sich besonders anzustrengen, außer vielleicht, dass man einen nichtsnutzigen Orden bekommen hat. Also wurde es auch nicht gemacht und Innovation und Kreativität blieben auf der Strecke.”

    die meisten erfinder, künstler und großen geister haben um ihrer leidenschaft am tun und entdecken, am schöpfen selbst willen gewirkt. ihre theorie ist grauer als der grauste scheinsozialismus ;)

    wenn die menschen vom joch der arbeit zu einem teil erlöst werden würden und von der existenziellen not, die heute zum größten teil hausgemacht ist, würden noch weitaus mehr große geister auf der bühne erschienen und die menschheit beglücken.

    sie irren sich gewaltig.

    @skeptiker

    “Im nächsten Jahrhundert werden sich die Maschinen dann fragen, ob sie die Menschen überhaupt noch benötigen. Sie werden sich ein paar Exemplare unserer Gattung behalten zu Studienzwecken, so wie wir heute die Menschenaffen vor dem Untergang retten.”

    das ist doch längst so. oder wann haben sie das letzte mal einen menschen in der “upper class” gesehen? ich finde, man sieht generell mehr maschinen als menschen inzwischen.

    guten rutsch

  21. Tom2 sagt:

    Schwer beeindruckend, dieses Interview.

    Wenn man die Anwendung der Argumentation auf die Hoehe der Steuerquote beschraenkt, werden hier, nach den noch wichtigeren Fragen um das Geldsystem und die nationale Souveraenitaet, die wichtigsten politische Fragen angesprochen und Positionen eingenommen, die man nicht unbedingt zu 100% teilen muss, aber in einer ernsthaften Diskussion anerkennen. Der “soziale Marktwirtschaftler” ohne Annerkennung dieser Argumenation muss fast zwangslaeufig zum soften orwellschen “Kontrolleur durch Bestechung” a la schoene neue Welt werden.

    Die Frage der “sozialen Marktwirtschaft”, oder allgemeiner, des Bogens von 0 bis 100% Steuerquote stellt sich fuer mich auf zwei Ebenen: Einmal auf Gesamtebene, was ist die ideale Steuerquote, einmal in vielen Einzelfragen, soll dieses oder jenes vom Markt bzw. Individuen oder Vereinen oder vom Staat gemacht werden und warum. Mit der beschriebenen linken Dogmatik muss man aber durch die Fragestellung auf Ebene der Einzelfragen fast zwangslaeufig zu einem Gesamtergebnis kommen, das gleichbedeutend mit Kommunismus ist.

    Und es ist auch nicht schwer nachzuvollziehen, wie man mit dieser Dogmatik zum Ergebnis kommt, dass mehr Zentralismus, weniger nationale Souveraenitaet und auch weniger innernationaler Dezentralismus immer die bessere Option waere.

    Jedenfalls verwundert es mich nicht, dass dieses Interview wegzensiert worden ist, da es auf den Grund geht, eine fuer linke Dogmatiker unangenehme, potentiell Zweifel saeende, Reflektion bringt.

  22. Tom2 sagt:

    Halbe Emailadresse vergessen einzugeben, wird hiermit nachgeholt

  23. Gab Dezember 31, 2011 at 00:17 @Bullinger

    Menschen möchten für das, was sie tun, aber auch Anerkennung und Lob haben. Sie möchten für Leistung belohnt werden.

    Ja. Und wenn es eine Gemeinschaft gibt, der das was wir tun nützt, dann erhalten wir diese Anerkennung wie selbstverständlich.

    Wenn es aber nur eine Gesellschaft gibt, die auf der Aneignung der Arbeit des Anderen aufruht, dann wird uns diese Anerkennung versagt. Oder es ist dann eine leere Inszenierung, wie z.B. bei Mme. Merkel, wenn man sie zum “Licht unter den Völkern” erklärt oder sie die “Freiheitsmedaille” der USA erhält.

    Das sind nur billige Konditionierungen von dressierten Pudeln.

  24. Georg sagt:

    Ist es Zensur, in der eigenen Zeitung nicht jedem Extremisten, nicht jedem Misantrophen ein Podium zu geben? Klar, wir sind nicht rechts, das hat ja noch so einen unappetitlichen Nachgeschmack, aber vor allem sind wir nicht links, den links ist das wahre Böse, die Reste des Sozialstaats, die Geister des Sozialismus die es mit allen Mitteln zu exorzieren gilt! Links ist auch die Merkel, die sozialdemokratisierte CDU, demnächst auch die FDP. Alle Macht dem Kapital, alle Macht den Banken, wir sind vorn?
    Jelleks Fragen finde ich gut, besonders die am Ende bei denen Millet nur mit “Öh, ich verstehe das nicht. Bitte mal langsam für uns Ultrakapitalisten.” zu antworten weiß.
    Im Ultrakapitalismus und Sozialdarwinismus eine vernünftige Alternative zur derzeitigen Wirtschaftsordnung zu erkennen, wenn wir schon immer weiter in diese Richtung rutschen, den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben, da bleibe ich lieber “hinten”.

  25. Gab sagt:

    “Ja. Und wenn es eine Gemeinschaft gibt, der das was
    wir tun nützt, dann erhalten wir diese Anerkennung wie selbstverständlich.”

    Aber in welcher Form? Denn ich sage Ihnen, der Mensch ist an Dauer nicht an Orden interessiert oder tollen Urkunden für den Mitarbeiter des Monats, sondern an Geld.

    Ja, ich weiß, das klingt böse und passt überhaupt nicht in die sozialistische Vorstellung vom Menschenbild, aber dafür kann die Realität auch nichts.

    Nicht das ich das gut fände. Auch mir wäre ein sozialistischer Mensch, der alles nur für die Gemeinschaft tut, wesentlich lieber. Aber so ist der Mensch nunmal nicht.

    Und wenn Sie das ignorieren, dann haben Sie ein Gesellschaftsmodell, das nicht zu den Realbedingungen passt und das Ergebnis ist das, was wir im Ostblock gesehen haben – Mangel und Stillstand.

  26. juergenelsaesser sagt:

    Georg: Schön von “links” zu hören, dass jeder, der ein paar Fragen stellt, gleich “Extremist” ist. Millett hat NICHT von Ultrakapitalismus gesprochen, das existiert nur in Ihrer Phantasie. Naja, träumen Sie weiter.

  27. Fritz sagt:

    Nehmen sie es mir bitte nicht krumm, Herr Elsässer, ich glaube, da waren sie ja mal beschädtigt, aber wenn interessiert es schon, was in der Jungen Welt veröffentlicht wird?
    Und wenn dort ein Udo Ullkotte zu Wort kommen dürfte, dann wäre dieses Blatt vielleicht erst wirklich interessant, die Debatte lebt doch von der Kontroverse.
    Ansonsten “Glückauf” für das nächste Jahr an alle.
    Sie, Herr Elsässer, machen hier eine gute und lesenswerte Seite. Dazu an dieser Stelle mein Dank.
    Bleiben Sie gesund und kämpferisch.
    Fritz

  28. me. sagt:

    @ gap

    “Menschen möchten für das, was sie tun, aber auch Anerkennung und Lob haben. Sie möchten für Leistung belohnt werden.”

    Ha, wohl die letzte Kultusministerkonferenz verpasst!?
    So lange man nicht mitbestimmen kann was Leistung ist, können sie sich das mit der Belohnung abschminken.

    Mehr als das was sie übrig lassen wollen wird nicht zugestanden und soll auch nicht zugestanden werden.
    Sie können das nicht nur an der oben genannten Konferenz der Kultusminister erkennen, das klingt z.B auch aus Verlautbarungen der Piratenpartei.
    Ich wünsch den Menschen eigentlich nix schlechtes, aber! ein Ausfall deren Heizungsanlage oder der Sanitären Einrichtungen, und niemand der es ihnen repariert, wäre eine erkenntnisreiche Erfahrung. Nach 5 Tagen in den Hof kacken wäre Schluss mit der Überheblichkeit.

    Es gibt hier Leute in dem Land die wirklich alles daran setzen sich abzusetzen von dem “kläglichen” Haufen derer die einen dualen Ausbildungsweg gewählt haben und den Laden Elementar am Laufen halten,in der Fabrik oder auf dem Bau oder eben im Handwerk.

    Es ist so glasklar was die vorhaben. Sie formulieren die Privilegien einer Elite. Und diese haben keine Anerkennung oder Lob übrig. Eher Hähme. Das wir arbeiten dürfen ist ihrer Großzügigkeit geschuldet die uns die Krumen hinwerfen die uns am Überleben halten. Und ich meine jetzt keine Sozialleistungen, sondern Erwerbsarbeit, selbstständige Erwerbsarbeit.
    Es scheint, ein vollwertiges Mitglied dieser Gesellschaft sind sie nur wenn sie ein Abitur vorweisen können. Und dieser Anspruch ist nicht nur National sondern auch Europaübergreifend formuliert.

    Die haben total einen an der Waffel. Ich will das wir gleichberechtigt sind.

    http://www.handwerk-kompakt.de/personal-und-mitarbeiter/ausbildung-im-handwerk/ist-das-abitur-mehr-wert-als-eine-berufliche-ausbildung/

    http://www.sueddeutsche.de/karriere/streit-um-abschluesse-abitur-soll-mehr-wert-sein-als-ausbildung-1.1166149

  29. Gab Dezember 31, 2011 at 12:28

    „Ja. Und wenn es eine Gemeinschaft gibt, der das was
    wir tun nützt, dann erhalten wir diese Anerkennung wie selbstverständlich.“

    Aber in welcher Form? Denn ich sage Ihnen, der Mensch ist an Dauer nicht an Orden interessiert oder tollen Urkunden für den Mitarbeiter des Monats, sondern an Geld.

    Diese Anerkennung erfolgt auch (!) in Geld, selbstmurmelnd, nicht nur in Ehre und Ansehen. Wenn – und das sollte so sein – der Arbeitswert nach dem Nutzen bestimmt wird.

  30. Saddam who`s sane sagt:

    Es ist ja nicht so, daß er nicht mit manchem, was er sagt, Recht hätte; nur werden, unter die herrschenden Bedingungen gesetzt, solche Wahrheiten zwangsläufig zu Ideologie. Schließlich sind es die objektiven Verhältnisse selbst, von denen die Menschen ihrer Selbständigkeit beraubt werden.

    Die Political Correctness scheitert ständig, aber das scheint ihr nichts auszumachen.

    Globalisierter Kapitalismus und p.c. gehören zueinander wie Tag und Nacht; insofern ein Mensch, der glaubt, die Ideologie wider die Realität oder, wie der Interviewte, die hinter der Wirklichkeit vermeintlich verborgene Wahrheit gegen die Ideologie ausspielen zu können, zwangsläufig einer falschen Dichotomie aufsitzt.

    Genauso idiotisch ist es, mit antiautoritärem Gestus den Markt wider den Staat ausspielen zu wollen. Apologeten hergebrachter Staatlichkeit haben noch stets betont, daß ein Staat, dem zunehmend soziale und wirtschaftliche Funktionen zufallen, kein starker, kein souveräner Staat mehr sein könne. Einer der einflußreichsten Gegner früh-bundesdeutscher Sozialstaatlichkeit war der Carl Schmitt-Schüler und Heidelberger Verfassungsrechtler Ernst Forsthoff, der über Jahre hinweg in seinen sog. “Realanalysen” (an welchen sich in Guttenberg-Manier der junge Habermas bediente) die Entwicklung des jungen Gemeinwesens kommentierte. Wie von jedem anderen Apologeten hergebrachter Staatlichkeit, ist von Forsthoff zu lernen, daß der kontinentaleuropäische Machtstaat – weit davon entfernt, eine Antithese zur liberalen Staatsauffassung darzustellen – die westlich-liberale Trennung von Staat und Gesellschaft zu seiner Voraussetzung hat.

    Die wirtschaftlichen Machtgruppen, auf deren Initiative hin Hitler zum Reichskanzler ernannt wurde, führten etwas ganz anderes im Schilde, als den nationalsozialistischen Interventionsstaat, der aus ihrem Arrangement schließlich hervorging. Die schwerindustriellen Interessengruppen strebten einen Staat an, der, indem er sich von wohlfahrtsstaatlichen und gemeinwirtschaftlichen Funktionen weitgehend verflechtete, seine hergebrachte Autorität jenseits der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Sphäre zurückgewann. Die intellektuellen Wortführer dieser Tendenzen, die sog. “Jungkonservativen”, deren Organe mit industriellen Standesorganisationen vielfältig verflochten waren, waren allesamt Befürworter einer solchen Rückkehr zum “Nachtwächterstaat” (etwa der später wg. seiner Rolle als Verfasser der “Marburger Rede” Franz v. Papens in der “Nacht der langen Messer” ermordete frühere Freikorpsier, Rechtsanwalt und Schriftsteller Edgar Julius Jung, Verfasser des berühmt-berüchtigten jungkonservativen Traktats, “Die Herrschaft der Minderwertigen”).

    Man soll sich nicht in Bockshorn jagen lassen: Wer mit der Geschichte der politischen Ideen auch nur oberflächlich vertraut ist, der weiß, daß eine ökonomische laisser faire-Politik, als mehr oder weniger stillschweigende conditio sine qua non des Etatismus, die Zutat autoritärer politischer Konzeptionen gewesen ist (und nicht, wie die Wirtschaftsliberalen jeder Couleur uns glauben machen wollen, deren Antithese).

    Was für einen katholischen Antimodernisten wie Lorenz Jäger recht ist, sollte einem, der auszog, die soziale Marktwirtschaft zu retten, billig sein:

    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/debatte-adieu-kameraden-ich-bin-gutmensch-11481906.html

    Natürlich ist aus Jäger kein “Gutmensch” geworden.

  31. derherold sagt:

    “Die haben total einen an der Waffel.”

    @me, die wissen genau, was sie tun. Es geht nicht um “Gleichberechtigung” oder gar um “Vollwertigkeit”, sondern um das Konzept der *Massendemokratie*.

    Es wir allen vorgegaukelt, sie seien (mindestens) “Mittelschicht”. Zerschlagung der Standards, “college-“Abschlüsse, mit denen sie sich den Hintern abwischen können, Entpolitisierung durch Infantilisierung und “Kulturkampf”, inszenierte Demokratie, sowie totale Abhängigkeit von (politischer) Patronage und staatlichen “Progammen” … ohne die die vielen zukünftigen “Akademiker” keine Beschäftigung finden werden.

    Trösten Sie sich: Nur rd. 20% aller (Berufs-)Tätigkeiten benötigen eine Hochschulausbildung, mehr als ein Drittel aller US-College-Absolventen arbeiteten auch vor der “Finanzkrise” in akademikerfernen Jobs und Handwerk hat goldenen Boden.

    Wäre ich Handwerksmeister, würde mir den ganzen Tag über nicht das Grinsen aus den Gesicht weichen. :)

  32. gerd sagt:

    Warum es nichts wird mt der JW und der TAZ?

    Weil die in folgender Frage “Wem gehört die Welt?” in den pawlowschen Reflex fallen und die Antisemitismuskeule als praktisches Mittel benutzen.

    Wem gehört die Welt? Wer beherrscht die Weltwirtschaft?

  33. Anonym sagt:

    @ Oliver Janich: Ist ihre Partei paläolibertär oder linkslibertär (ich vermute ersteres) oder gibt es bereits zwei (mehrere) Flügel in Ihrer Partei?

  34. rabenschwarz sagt:

    Als erstes Mal möchte ich dem ganzen team von Compact alles Gute zum Neuen Jahr wünschen und für die aufopferungsvolle Arbeit des vergangenen Jahres danken.

    Der Wahlspruch von COMPACT: „Nicht links, nicht rechts – sondern vorn.“

    Ich bin jetzt mal so frech und füge an:

    Möge uns allen die ganz große Katastrophe, die sich leider schon deutlich am Horizont abzeichnet, erspart bleiben. Mögen alle guten Menschen, egal ob sie “links” oder “rechts” stehen, Hauptsache sie sind guten Willens und nicht von faschistoidem Gedankengut erfüllt (Grüne) ihren Beitrag dazu leisten, einzig und allein von dem Wunsch beseelt in diesem Lande und überall in Europa der Meinungsvielfalt und somit der Demokratie zum Sieg zu verhelfen!

    Klingt etwas schwulstig, ist mir durchaus bewusst, kommt aber dafür aus dem Herzen!

  35. Marco Reese sagt:

    Herr Bullinger:

    “Die V2-Sekte?” Ich schätze diese Ausdrucksweise nicht.

    “Das Judentum 2. Klasse für Goyim, wie es der Pharisäer Saulus aka Paulus eingeführt hat?” Das ist Quatsch.Das Judentum des Alten Testaments ist auf Christus hin. Und nicht das Christentum Judentum für Nichtjuden. Unsinn.

    “Oder diejenigen, die dem Christus nachfolgen und sich als Sohn (oder Tochter) Gottes verstehen?” Selbstverständlich, aber so einfach ist es ja auch nicht. Ich meine freilich die Katholische Kirche. Im Ganzen, und nicht in ihrer leider großenteils bedauernswerten heutigen Verfassung.

  36. Reinhard Jellen sagt:

    lieber jürgen eslsässer,

    zensur in der jw, wie kommen sie denn darauf?

    ich werde in der jw nicht zensiert. – leider, wie ich zufügen muß, denn ich finde sozialistische zensur ja super!

    herzliche grüße, reinhard jellen

  37. Marco Reese Januar 1, 2012 at 23:25

    „Das Judentum 2. Klasse für Goyim, wie es der Pharisäer Saulus aka Paulus eingeführt hat?“ Das ist Quatsch.Das Judentum des Alten Testaments ist auf Christus hin. Und nicht das Christentum Judentum für Nichtjuden. Unsinn.

    Der Christus hat aber den “strafenden” Vulkangott der Midianiter (aka Jahwe) abgelehnt, weil er Feuer und Schwefel auf die armen Menschen niederregnen läßt.

    Er hat das AT aufgehoben und allen (!) Menschen einen neuen, besseren Bund mit einem liebenden Gott angeboten, nicht nur sich selbst überhebenden “Auserwählten” eines zornigen und kindisch-unreifen Gottes, der ethisch und moralisch weit unter dem Menschen steht.

  38. Bruno sagt:

    @Georg: Geb jetzt auch mal meinen Senf dazu:
    a) Natürlich hat jede Zeitung das Recht bestimmte Artikel nicht
    abzudrucken. Ist also legitim auch bei der jw.
    b) Für Demokraten ist Toleranz, zumindest im Diskurs, eine hohe Tugend. jw wollen auch Demokraten sein.
    c) Es ist unklug, das Interview nicht zu bringen. Gerade solche ultraliberalen Thesen wie die von Millet sind doch ein guter Denkanstoß. So wenn auch nicht so eloquent, denken viele.
    d) Es sieht nach Feigheit, vor wütenden Leserbriefen oder Abokündigungen aus. Armutszeugnis.
    e) Habe immer mal wieder gute Artikel in der jw gelesen.
    Kleiner Trost: COMPACT, hoffentlich bald mit mehr Lesestoff.
    Ich weiß, Äpfel mit Birnen, da ja keine Tageszeitung.
    Es geht mir um krit. Meinungsbildung.

  39. juergenelsaesser sagt:

    Jellen: Sie wurden nicht zensiert? Wie nennen Sie dann, dass Ihr Interview nicht gedruckt wurde?

  40. Guest sagt:

    Kann ein freier Journalist wirklich von “Zensur” reden, wenn eine Zeitung “erstmals einen Beitrag von ihm nicht drucken” will?

    Ich glaube, das ist fast jedem schon mal passiert.

    War der Beitrag denn überhaupt bestellt oder angesprochen?

  41. juergenelsaesser Januar 2, 2012 at 17:47

    Jellen: Sie wurden nicht zensiert? Wie nennen Sie dann, dass Ihr Interview nicht gedruckt wurde?

    Ähh… darf ich? …. Vielleicht “solidarische Kritik”?

  42. Marco Reese sagt:

    Herr Bullinger, das klingt nach Sektentheologie oder beispielsweise solcher der “Deutschen Christen”, aber die waren ja eine Sekte . .

    Christus ist der Sohn desselben GOttes, der im Alten Bunde spricht. Das ist GANZ eindeutig. Er sagt seinen eigenen Landsleuten Joh 8, 44, sie hätten den Teufel zum Vater, ja: weil sie vom Bunde abgefallen sind.

    Kindisch ist nicht der Gott des Sinai, kindisch ist eher dieses naive Gegeneinanderstellen von Dingen, die nicht im Gegensatz zueinanderstehen.

  43. Nationalrevolutionär sagt:

    @juergenelsaesser

    “Bedeutet links sein zensieren?”

    Aber Herr Elsässer! Bitte nicht so viel Scheinheiligkeit.

    Jede Redaktion, jeder Verlag übt Zensur aus, legt fest, was der Standpunkt des Verlags ist, was noch diskutiert werden darf und was nicht. Das ist bei Ihnen und dem Kai Homilius Verlag genauso.

    Ihre Strategie besteht darin, das System zu ändern, indem sie die Regeln des Systems, nicht offen mit “Extremisten” zu diskutieren, akzeptieren. Nur so sind Sie für Bosbach, Henkel, Hankel, Schachtschneider und andere Bürger salonfähig.

    Damit wir uns nicht falsch verstehen: Diese Strategie ist Ihr gutes Recht, das so zu machen. Ob Ihr Ansatz von Erfolg gekrönt sein wird, ist doch sehr zweifelhaft.

  44. Marco Reese Januar 2, 2012 at 18:53

    Herr Bullinger, das klingt nach Sektentheologie oder beispielsweise solcher der „Deutschen Christen“, aber die waren ja eine Sekte . .

    Aha, interessant…. Wie kommen Sie auf dieses schmale Brett?

    Christus ist der Sohn desselben GOttes, der im Alten Bunde spricht. Das ist GANZ eindeutig. Er sagt seinen eigenen Landsleuten Joh 8, 44, sie hätten den Teufel zum Vater, ja: weil sie vom Bunde abgefallen sind.

    Ganz falsch. Er sagt dort den Juden, sie hätten den Teufel zum Vater. Er setzt Jahwe mit dem Teufel in eins.

    Joh 8, 44: vos ex patre diabolo estis et desideria patris vestri vultis facere ille homicida erat ab initio et in veritate non stetit quia non est veritas in eo cum loquitur mendacium ex propriis loquitur quia mendax est et pater eius

    Ihr [Juden] seid von dem Vater, dem Teufel, und nach eures Vaters Lust wollt ihr tun. Der ist ein Mörder von Anfang und ist nicht bestanden in der Wahrheit; denn die Wahrheit ist nicht in ihm. Wenn er die Lüge redet, so redet er von seinem Eigenen; denn er ist ein Lügner und ein Vater derselben.

    Kindisch ist nicht der Gott des Sinai, kindisch ist eher dieses naive Gegeneinanderstellen von Dingen, die nicht im Gegensatz zueinanderstehen.

    Der Gott des Sinai ist ein Vulkangott. Das wissen wir spätestens seit dem ollen Freud. Und gleichsam ein “clear case” für eine Ego-Projektion. Man hat Ego auf den Vulkan Sinai projeziert und gesagt “Das ist ein Gott, der uns bestraft, für unsere Sünden”.

    Und das Opfer des Sohnes (das ist genuin jüdisch und alles andere als christlich) sollte den “Vatermord” an Moses I wieder gut machen, indem es die alttestamentarische “Gerechtigkeit” wieder herstellt und heilt, die durch den Mord Schaden genommen und verletzt worden war.

  45. Marco Reese sagt:

    Das ist mir zu blöd. Das alles entspricht in keiner Weise der Lehre der Kirche, wie sie von Anfang an da war. Nein, Joh 8, 44 meint nicht Jahwe *kopfschüttel*. Ihjren plakativen Antijudaismus können Sie für sich behalten.

  46. Marco Reese sagt:

    Beziehungsweise diese Mischung aus Markion, Gnosis und Horst Mahler

  47. Marco Reese Januar 3, 2012 at 16:00

    Das ist mir zu blöd. Das alles entspricht in keiner Weise der Lehre der Kirche, wie sie von Anfang an da war.

    Wenn Sie die Lehre des Pharisäers Saulus meinen, haben Sie recht.

    Nein, Joh 8, 44 meint nicht Jahwe *kopfschüttel*. Ihjren plakativen Antijudaismus können Sie für sich behalten.

    Aha, wen denn dann? Ich meine: Welche Möglichkeiten bzw. Lesarten sind noch eröffnet?

    Wieso ist es “plakative[r] Antijudaismus” wenn man den Christus nach Johannes zitiert? War der Christus etwa ein Antijudaist?

  48. Marco Reese Januar 3, 2012 at 16:02

    Beziehungsweise diese Mischung aus Markion, Gnosis und Horst Mahler

    Sehen Sie, zu solchen Ergebnissen führt Subsumtionslogik. Versuchen Sie doch einfach ‘mal, das, was der Fall ist, so zu lesen, wie es da steht. Ich meine, ohne es sofort in irgendwelche bequemen Schubladen zu stecken.

  49. @ Marco Reese

    Ääh, noch was viel Blöderes: Erst seit Freud das jüdische Sohnesopfer umgedreht hat und den Vater ermorden läßt (statt dem Sohn) kennen wir beide Seiten der Medaille.

    Wollen Sie sich die andere Seite nicht mal anschauen? Wovor haben Sie Angst? Was könnte passieren?

  50. juergenelsaesser sagt:

    Bullinger/Reese: Bitte verzwirbelt Euch nicht in theologischen Pirouetten…

  51. juergenelsaesser Januar 3, 2012 at 17:34

    Bullinger/Reese: Bitte verzwirbelt Euch nicht in theologischen Pirouetten…

    OK, schon klar.

  52. Saddam who`s sane sagt:

    A propos “jw”: Was ist eigentlich mit Werner Pirker ? DER müßte doch, wenn ich mich recht entsinne, auf Ihrer Wellenlänge gelegen haben, oder ? Immerhin war Pirker so scharfsichtig zu erkennen, daß die gefährlichste Bedrohung der traditionellen Linken nicht von einer ihrerseits zunehmend marginalisierten Rechten, sondern von dem schwammigen politisch-korrekten Linksliberalismus ausgeht. Schreibt Pirker noch für die jw ?

  53. Marco Reese sagt:

    Die Schubladen bedienen Sie. Ich halte mich an das, was die Kirche Christi seit Beginn lehrt, ja, auch an das, was Paulus lehrt. Wenn Sie schon ihn nicht anerkennen – auf welcher Grundlage sollen wir diskutieren? Das ist absurd. (Freud? Sehr witzig. Hauptsache, man findet vermeintliche Bestätigungen.) Insofern das Zugeständnis an Herrn Elsässer als Betreiber dieser Seite: keine theologischen Pirouetten. Es lohnt hier auch nicht.

  54. juergenelsaesser sagt:

    Saddam: ja, aber v.a.über Außenpolitik

  55. gerd sagt:

    Lieber Jürgen wenn Sie den von mir gesetzten Link nicht bringen können, so scheint mir doch erforderlich auf eine in theintelligence veröffentlichte Analyse mit dem Titel “147 Unternehmen herrschen über die Weltwirtschaft” zu verweisen.

    (Lieber Gerd, die neue Regel gilt auch für Sie: Weisen Sie vor weiteren Kommentaren Ihr COMPACT-Abo unter elsaesser@compact-magazin.com nach)

  56. Philzer sagt:

    Hi chicano!

    “es wird immer weniger arbeit geben. was wir erleben ist eine steigerung der produktivität durch technisierung, wie sie nicht mal zu erträumen war vor nur hundert jahren.”

    Seh ich nicht ganz so. Marx hat dies sehr wohl vorrausgesehen.
    Deshalb hat er auch die Überwindung des Kap als unbedingt notwendig erachtet. Nur für eine bewusst gestaltete Gesellschaft braucht es bewusst zusammen handelnde Menschen. Der religiöse Mensch aber ist “Es” gesteuert. Das einzigste worauf er sich noch einlässt, aufgrund seines überwiegend emotionalen “Gesteuertseins” ist der Gen-Packt. (also mit verwandten Genen)

    “warum soll dieses „im schweiße deines angesichts sollst du….“ auf ewig bestehen? warum nicht kreative energien freisetzen druch mehr zeit für alle? ”

    Lösung hab ich noch keine. Aber eine Anregung. Lies Hannah Arendt “vita activa” und ihre Einschätzung der Fähigkeiten des Arbeiters. ( es geht um die Masse, nicht um einzelne Ausnahmen, die Masse sind heute 7 Milliarden und bald sicher noch 10 oder 1000 mal mehr – wir haben uns seit dem “Auszug aus Afrika” schon zirka zweimal vertausendfacht!)

    Vieles was Arendt dort sagt klingt in gewisser Weise misanthropisch, und komisch, vieles stimmt mit meinen Jahrzehntelangen Beobachtungen am real existierenden Individuum überein. Danach kann der Arbeiter nichts anderes als arbeiten und konsumieren. Was im Kreislauf betrachtet eine Einheit bildet. ( an welchem die Herrscher zum Teil parasitär angedockt sind – deshalb dialektische Einheit von Volk und Herrscher)

    Er kann also nur “schuften wie Sau” und danach “verprassen wie Sau”. Mehr ist nicht. (gemeint ist der global überdurchschnittlich verdienende Arbeiter einer “echten” Demokratie, d.h. also einer Demokratie der westlichen Welt, die Surpluspfofitzufluss aus anderen Regionen der Welt erzielt)

    mpg Philzer

  57. Philzer sagt:

    Hi Gab!

    “Und genau da lag der Fehler in allen bisherigen Sozialismen. Es gab keinen Anreiz etwas besonders gut zu machen und sich besonders anzustrengen, außer vielleicht, dass man einen nichtsnutzigen Orden bekommen hat. Also wurde es auch nicht gemacht und Innovation und Kreativität blieben auf der Strecke.”

    Ganz so war es nicht. Es gab für einen Arbeiter bspw. der eine Verbesserung in der Produktion realisiert hat exakt 10% des erzielten Jahresgewinnes als einmalige Prämie. Da waren für Kleinigkeiten im “Minutengewinn” schnell mal 1 oder 2 Monatsgehälter drin.

    Ich würde Dir insofern recht geben, das die Realität gezeigt hat, das der Einparteiensozialismus keine für das Menschsein akzeptable Dialektik zwischen Freiheit und Determination hinbekommen hat.

    Das ändert aber nichts an der Tatsache dass die Arbeiterklassen der westlichen Hemisphäre die Zukunft ihrer Gene für ihre Gier, selbst Ausbeuter zu sein – ökonomisch unsymmetrische Reisefreiheit zu Billigsklaven wo man von “oben bis unten” – und auch in der Mitte, super bedient wird – etc etc, geopfert haben.

    Der psychologisch geschulte Kapitalist hat dies allerdings im Gegensatz zum am Denkverbot krankenden Kommunist exakt vorhergesehen und geplant.

    mpg Philzer

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