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So, nun Auszüge aus dem Titelthema des aktuellen COMPACT-Magazins. Oliver Janich schreibt über “Geheimakte Helmut Schmidt”:
Er weiß viel mehr, als er sagt: Der Altkanzler war zu Gast bei den verschwiegensten Eliteclubs des Planeten, den Bilderbergern und Bohemian Grove. Den Nachrichtendiensten misstraut er nach den Erfahrungen des Deutschen Herbstes 1977 zutiefst.
Von Oliver Janich
Helmut Schmidt ist das lebende Denkmal dieser Republik. In einer Zeit, in der die Menschen nach zahllosen Skandalen das Vertrauen in Parteien, Gewerkschaften, ja selbst in die Kirchen verloren haben, verkörpert er für die meisten Anstand und Pflichtbewusstsein. Bei einer Umfrage im Auftrag des Spiegel im August 2010 bezeichneten 83 Prozent der Befragten ihn als „moralische Autorität“. Weit abgeschlagen dahinter das aktuelle Berliner Personal, vom Papst ganz zu schweigen. Besonders beeindruckend: Alles, wofür „Schmidt Schnauze“ während seiner Kanzlerzeit (1974 bis 1982) gehasst wurde – seine hanseatische Kühle, seine apodiktische Arroganz, seine ökonomische Emotionslosigkeit – wird ihm mittlerweile positiv quittiert. Vermutlich, weil das Granitene seines Charakters sich positiv abhebt von der politischen Gallerte, die sich heute schleimig an den Hebeln der Macht festklammert.
Während im wiedervereinigten Deutschland die Plattfußindianer vom Stamme Nimm auf Beutezug sind, war Schmidt zum Opfer für Staat und Nation bereit. Im Jahre 1975, nach dem terroristischen Überfall auf die deutsche Botschaft in Stockholm, gaben der damalige Kanzler und seine Frau Loki beim Kanzleramtschef zu Protokoll, dass sie im Falle einer Entführung durch die RAF nicht ausgetauscht werden wollten. Der Staat dürfe den Gewalttätern keinerlei Konzessionen machen – das war Schmidts Devise im Deutschen Herbst 1977. Dieser Devise hat er den gekidnappten Arbeitgeberpräsidenten Hanns-Martin Schleyer geopfert – aber im Falle eines Falles hätte er auch sein eigenes Leben oder das seiner Gattin hingegeben. Kurz und gut: Schmidt ist der Eiserne Kanzler der Nachkriegszeit, und würde er heute für die SPD noch einmal ins Rennen gehen, wäre ihm der Sieg gewiss.
(Den Hauptteil des Artikels – Schmidt bei den Bilderbergern und bei Bohemian Grove – gibt es nur in der Printausgabe von COMPACT).
Sein Schweigen zu den angesprochenen Punkten mag damit zusammen hängen, dass er sich der Mächte hinter den Kulissen sehr wohl bewusst ist. Bei seinem hartnäckigen und letztlich erfolgreichen Kampf gegen den RAF-Terrorismus muss er mit diesen in Berührung gekommen sein. Im Gespräch mit Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo (veröffentlicht in der Ausgabe vom 30. August 2007) wurde er mit (von ihm abgelehnten) Planspielen aus dem Krisenstab des Jahres 1977 konfrontiert, die die Wiedereinführung der Todesstrafe (Generalbundesanwalt Kurt Rebmann) und Standgerichte für RAF-Straftäter (der CSU-Vorsitzende Franz-Josef Strauß) einschlossen. Di Lorenzo verweist weiter auf damalige Vorstöße eines BND-Agenten – die „Eliminierung des europäischen Führungskaders“ der Terroristen – und fragt: „Darf Ihrer Meinung nach jemand, der für den Geheimdienst eines demokratischen Staates arbeitet, solche Vorschläge unterbreiten?“ Daraufhin Schmidt: „Ich will die Frage nicht beantworten. Ich will dazu was ganz anderes sagen: Ich traue inzwischen überhaupt keinem Geheimdienst mehr. Punkt.“ Die Geheimdienstler litten nämlich an einer „Krankheit“, die darauf beruhe, „dass sie tendenziell dazu neigen zu glauben, sie verstünden die nationalen Interessen des eigenen Landes viel besser als die eigene Regierung. Diese letztere Krankheit ist der Grund dafür, dass ich ihnen nicht traue. Ich war 13 Jahre lang Mitglied einer Bundesregierung. Ein einziges Mal habe ich den Chef des BND für zehn Minuten empfangen; das war einer, den ich kannte.“
Am Schluss des Gespräches zieht er eine Bilanz des Terrorismus und macht eine bemerkenswerte Volte: „Ich habe den Verdacht, dass sich alle Terrorismen, egal, ob die deutsche RAF, die italienischen Brigate Rosse, die Franzosen, Iren, Spanier oder Araber, in ihrer Menschenverachtung wenig nehmen. Sie werden übertroffen von bestimmten Formen von Staatsterrorismus“. Di Lorenzo hakt konsterniert nach: „Ist das Ihr Ernst? Wen meinen Sie?“ Schmidt antwortet: „Belassen wir es dabei. Aber ich meine wirklich, was ich sage.“
Sehr geehrter Helmut Schmidt – bitte belassen Sie es nicht dabei. Sie sind der Mann, dem die Nation vertraut. Und Sie sind jetzt in einem Alter, wo Sie den Tod nicht mehr fürchten müssen. Berichten Sie, was Sie wissen! Über die Bilderberger, über den Bohemian Grove, über die Geheimdienste, über den Staatsterrorismus. Dies wird, davon können Sie überzeugt sein, die demokratische Ordnung in unserem Staat nicht schwächen – sondern stärken.
* Oliver Janich schrieb in COMPACT 10/2011 über die Macht der US-Zentralbank Federal Reserve.









<a 
Helmut Schmidt traut sich bestimmt nicht da was zu sagen. Das der Mann einiges weiß und sicherlich die “Macht hinter den Kulissen” genauestens kennt glaube ich auch. Doch könnte man dann nicht einfach sagen, na ja, der Schmidt, der ist eben langsam Alterssenil, dem kann man nicht mehr alles glauben.
Andererseits würde das Auspacken eines Helmut Schmidt sicherlich einige bewegen und zum nachdenken anregen.