Organisator von Occupy Frankfurt, der neueste Stern am Polithimmel
Für die Organisatoren waren die deutschen Occupy-Demonstrationen gestern ein riesiger Erfolg. Glückwunsch auch, dass im Unterschied zu Italien alles friedlich blieb. Das spricht dafür, dass in Deutschland Politkriminelle kein Interesse hatten und auch die Polizei nicht aggro drauf war. Sehr viele Bürger, Familien, auch Kinder waren da. Das ist immer ein gutes Zeichen.
Wohin wird dieser Erfolg führen? Was sind das für Leute? Einer davon ist Wolfram Siener. Er war diese Woche bei Maybritt Illner. Der junge Mann hat Occupy Frankfurt organisiert und ist gerade 20 Jahre alt. Er hat ein frisches Gesicht, ist blitzgescheit und trat in der Talkshow so sympathisch und professionell auf, als hätte er noch nie was anderes gemacht. Offensichtlich ein politisches Naturtalent, und außerdem nicht eingebildet, und er kommt ohne die linken Sprechblasen aus. Viele Mammas würden sich “so einen” als Schwiegersohn wünschen!
Spiegel Online sagte er, er sei durch den Film “Zeitgeist” politisiert worden, vor allem Teil 2 und 3. Das sind die Teile, wo 9/11 in Frage gestellt und das Papiergeldsystem erklärt wird. Wenn das die Grundlagen von Siener sind, muss das erstmal ein guter Mann sein!!
Natürlich hat Siener auch Schwächen – dieselben, über die ich in Kritik der Bewegung diese Woche schon geschrieben habe. Im Interview bei infokrieg.tv (am 12. Oktober) sagte er einerseits, die Bewegung dürfe sich nicht auf Forderungen festlegen, weil sie sonst Leute ausgrenze und sich verenge. Auf der anderen Seite sagte er (etwa bei Minute 50:00) aber sehr definitiv, und er benutzte dabei die Wir-Form (“wir sind uns einig” oder so), dass Griehenland nicht aus dem Euro ausgeschlossen werden dürfe. Sein Argument etwa: Die EU hat die Griechen aufgenommen, jetzt muss sie auch für die Griechen sorgen. Eine Vorstellung, dass die EU ein imperialer Superstaat zur Auslöschung der nationalen Demokratie ist und das Euro-System, auch bei einer anderen Konstruktion, nur als Transfermechanismus zugunsten der Banken funktionieren kann – ein solches Bewusstsein fehlt völlig. Die Kapitalismuskritik wird nicht mit der EU-und Euro-Kritik verbunden. Genau DAS, lieber Herr Siener, wird die Bewegung aber verengen und von der Bevölkerung isolieren. Mit dieser Pro-Euro-Position wird man die Unterstützung des attac-Vorstandes (und vielleicht des DGB) bekommen, aber nicht die von Otto Normalverbraucher.
Mehr zum Thema in der November-Ausgabe von COMPACT-Magazin. Wir haben insgesamt acht Artikel zu Occupy und zu den Piraten drin, unter anderem eine Analyse von Webster Tarpley zu Occupy Wall Street (“Seltsame Okkupanten”) und ein Essay von mir zum Charakter der neuen Rebellionen (Occupy Tunis-Kairo-Madrid-New York-Frankfurt), dazu ein launigs Stück von Bernhard Lassahn (Autor von “Käptn Blaubart” für die “Sendung mit der Maus”) über Freibeuter damals und heute. COMPACT am besten gleich bestellen und abonnieren!









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Da occupy keine Partei ist, sehe ich es einfach nur als Plattform mit öffentlich zugänglichem Mikro, das ich weiter nutzen werde. Siener geht fehl mit dem Euro, er ist halt einfach ein junger Kerl. Aber wer sagt denn, das er Einfluss auf den Ausgang der Sache hat. Der Einfluss auf die Politik ist null und wirde es bleiben, als occupy-Konstrukt. Es ist ein Forum zur Kommunikation, jedem zugänglich und Sieners Meinung eine unter tausenden. Fände es wirklich schade wenn sich die Eurogegner in die Büsche schlagen. Bin auch einer und möchte Euch dort reden hören. Sagt, was Sache ist. Klipp und klar, Mikro nehmen und los gehts.