SPD-Linker zu COMPACT: “Darf auf Publikum hoffen”
Mathias Brodkorb mit einer ausführlichen Besprechung
Mathias Brodkorb hat eine Besprechung der ersten zwei Ausgaben von COMPACT-Magazin gemacht, die in der Linken Seltenheitswert hat: Sie ist objektiv, ausgewogen und fair. Er kritisiert, aber er grenzt sich gleichzeitig von den Antifanten ab, für die schon jeder positive Bezug auf den Nationalstaat rechtsradikal ist. – Brodkorb ist SPD-Landtagsabgeordneter in Mecklenburg-Vorpommern und Kopf der preisgekrönten seite “Endstation rechts”, die sich mit allerhand rechten Umtrieben beschäftigt, aber auch zu Differenzierungen fähig ist. Letzteres brachte ihn von der durchgeknallten Antifa-Fraktion (es gibt auch andere …) den Vorwurf ein, selbst ein Rechter zu sein. Dass er sich jetzt mit COMPACT-Magazin freundlich auseinandersetzt, dürfte ihm erneut Kritik einbringen.
Die vollständige Besprechung findet sich hier. Und wer COMPACT-Magazin jetzt abonnieren will, klickt hier. Nun ein längerer Auszug aus Brodkorbs Text:
(…)
In der politischen Linken macht sich Elsässer mit dererlei Ungehörigkeiten keine Freunde. Und was tut der Ex-Autor von “Konkret”, “Junge Welt”, “Jungle World” und “Neues Deutschland” daraufhin? Er gründet einfach sein eigenes Magazin und macht sich damit publizistisch unabhängig, zumal mit dem Kai Homilius Verlag auch noch ein potenter Verlag als Partner zur Seite steht. Die “Nullnummer” aus dem Dezember 2010 schmückte, wie konnte es anders sein, der – jedenfalls von links besehen – sozialdemokratische Skandalautor Thilo Sarrazin. Was Elsässer im Editorial versprach, klang ambitioniert. Es gehe um die “Lust an der Debatte”, um das Aufeinandertreffen von “Pro und Contra”. Das sei nur zu haben, so der Ex-Antideutsche, wenn der Linke damit beginne, “mit dem Rechten zu diskutieren. (…) Die Tabus müssen fallen. Sonst stirbt dieses Land an intellektueller Austrocknung.”
Für Elsässers Sehnsucht nach einer politischen Debatte mit Niveau jenseits intellektuell unterirdischer Beißreflexe kann man dabei durchaus Verständnis haben. Eben jene wurden denn prompt auch von links gegen ihn und sein jüngstes Baby mobilisiert. Die Internetseite “hagalil” machte ihn zum “Rechtspopulisten” und schreckte auch nicht davor zurück, seine Attacken gegen das Finanzkapital mit den Auswüchsen des NS-Chefantisemiten Gottfried Feder gleichzusetzen. Es gab noch Zeiten, in denen hätte das als geschmacklose Verharmlosung des “Hitler-Faschismus” gegolten. Und auch die taz war sich nicht zu schade, einen Autor der Nullnummer zu einem Verherrlicher von Rudolf Heß zu machen – eine Unterstellung, die prompt mit einer Gegendarstellung aus der Welt geschafft werden musste.
Geht es eigentlich auch eine Nummer kleiner? Natürlich nicht. Immerhin konnte Elsässer bereits in der Nullnummer mit einigen Überraschungen aufwarten, so zum Beispiel mit einem kleinen Text von Roger Willemsen. Der hatte zwar für “Compact” gar keinen eigenen Artikel geschrieben, sondern lediglich einem Abdruck aus seinem neuen Buch zugestimmt, aber wenn man unliebsame Stimmen vom Medienmarkt fernhalten will, gibt es in Deutschland nun einmal keine bessere Option, als Adolf Hitler wieder auszugraben. “Mit den Hintergründen der Co-Autoren konfrontiert, sagt Willemsen: ‘Das ist in der Tat verstörend und wirft einige Fragen auf’, etwa: ‘Warum ich?’ Er sei wohl ‘zu vertrauensselig’” gewesen, berichtet der taz-Autor Rene Martens sichtlich zufrieden. Dass es eben jene “Hintergründe der Co-Autoren” waren, zu denen die taz anschließend eine “Berichtigung” veröffentlichen musste, wird man in der Rudi-Dutschke-Straße wohl als publizistische “faux frais” verbuchen.
Allerdings sind schon diese Vorgänge ein deutliches Anzeichen dafür, dass Elsässers Projekt – ein links-rechtes Diskursmagazin mit Niveau zu etablieren – wenig Chancen auf Erfolg hat. Dafür spricht zum Beispiel die Tatsache, dass schon die Nullnummer keinen einzigen namhaften Linken aufzubieten hatte – denn der Historiker Hans-Ulrich Wehler darf zwar als “namhaft”, aber in Elsässers Welt doch wohl kaum als “links” gelten. Stattdessen gaben sich konservative Autoren und Gesprächspartner die Klinke in die Hand: Martin Lohmann, Peter Scholl-Latour sowie der Libertäre André F. Lichtschlag. Die kann man, wenn man will, alle regelmäßig auch in der Wochenzeitung “Junge Freiheit” wieder finden – so wie JF-Chefredakteur Dieter Stein persönlich, der Elsässer bei der öffentlichen Präsentation seines Magazins am 6. Dezember 2010 in Berlin beistand
An der Schlagseite in Richtung Steuerbord änderte sich auch in der Nr. 2 von “Compact” gar nichts. Darin fand sich nämlich kein Interview mit Gregor Gysi oder meinetwegen Wolfgang Fritz Haug, sondern eines mit Hans-Olaf Henkel und eines mit dem ehemaligen CDU-Bundestagsabgeordnten Jürgen Todenhöfer. Sinnfälligstes Anzeichen für das Dilemma, in dem Elsässer sich befindet, ist denn auch der Anzeigenteil: Dieser wird nun nicht mehr nahezu ausschließlich vom Kai Homilius Verlag bestritten, sondern um den rechten Ares-Verlag und die “Preußische Allgemeine Zeitung” ergänzt. Dass auch der israelkritische Publizist Abi Melzer eine kleine Anzeige beisteuert, vermag das Gesamtbild kaum zu korrigieren.
Ein wenig erinnern Elsässers Bemühungen dabei an das Magazin “Wir selbst” des Rechts-Renegaten Henning Eichberg. Auch dieser machte über Jahre hinweg den Versuch, in Deutschland ein Debattenorgan “jenseits von links und rechts” zu etablieren. Während Eichberg jedoch nur gegen ein Hindernis zu kämpfen hatte, nimmt es Elsässer gleich mit zweien auf einmal auf:
- Da wäre einerseits die offenkundige Unfähigkeit vieler Linker zum “herrschaftsfreien Diskurs der Intellektuellen”. Das war durchaus einmal anders, wenn man bspw. noch an die großen Debatten zwischen Theodor W. Adorno und Arnold Gehlen über Anthropologie erinnern darf. Während also Linke häufig wie die scheuen Rehe vor der öffentlichen Debatte mit dem politischen Gegner davonlaufen – obwohl sie doch stets und zugleich behaupten, die besseren Argumente auf ihrer Seite zu haben -, wird die Rechte allein deshalb diskursbereit sein, weil sie politisch marginalisiert ist und daher nach jedem Strohhalm greift. Elsässer wird folglich immer interessante Rechte, aber kaum spannende Linke finden, die bei seinem Magazin mitmachen. Das liegt übrigens auch ein wenig an seiner kaum zu bändigenden Lust zur Grenzüberschreitung.
- Da wäre anderseits die Tatsache, dass Eichberg stets auf ein intellektuelles Publikum abzielte, während Elsässer mit seinem Magazin auch noch die Kioske erobern will. Nach seinen Angaben scheint dies auch erfolgreich zu gelingen, konnte die Auslieferung mit der zweiten Nummer doch angeblich nahezu verdoppelt werden. Ein Magazin jedoch, das sich an ein Massenpublikum richtet, muss sich nicht nur hinsichtlich seiner Intellektualität bescheiden, sondern vor allem viel (tages)politischer agieren, als es sich ein echtes theoretisches Debattenmagazin leisten kann. Und eben dieser Zwang zur tagesaktuellen Politisierung wirkt verstärkend auf die mangelnde Diskursfähigkeit zurück. Es ist schließlich kein Zufall, dass Politiker häufig erst dann zu strittigen und ungewöhnlichen Meinungen neigen, wenn sie sich aus ihren Ämtern längst verabschiedet, ihre Unabhängigkeit wiedererlangt haben und sich endlich wieder trauen zu sagen, was sie wirklich denken.
Vor diesem Hintergrund ist es nur konsequent, wenn Elsässer im Editorial zur zweiten Ausgabe den ursprünglichen Gründungszweck seiner Zeitschrift Schritt für Schritt hin zum Anti-Amerikanismus bzw. Anti-Imperialismus verschiebt und diese Hauptlinie zunehmend auch in den einzelnen Beiträgen wiederkehrt. Damit darf er in der Tat in Deutschland auf ein ausreichend großes zahlendes Publikum hoffen. In Sachen politischer Rationalität wären wir damit aber kein Stück weiter.









<a
April 26, 2011 at 08:27
Meine Suchmaschine hat es auch schon gefunden. Einiges stimmt meiner Meinung nach, anderes nicht. Dass da kein Interview mit Gysi drin war, ist nicht weiter schlimm, und Todenhöfer schätze ich zumindest in Teilen sehr.
Und “namhafte Linke” kenne ich keine, außer vielleicht Norman Paech. Den könnten Sie in der Tat mal interviewen.
April 26, 2011 at 08:50
“Allerdings sind schon diese Vorgänge ein deutliches Anzeichen dafür, dass Elsässers Projekt – ein links-rechtes Diskursmagazin mit Niveau zu etablieren – wenig Chancen auf Erfolg hat.[...] In Sachen politischer Rationalität wären wir damit aber kein Stück weiter.”
So sieht ausgewogen und fair aus? Und was hätte Gregor Gysi in Compact von Interesse zu sagen? Wie seine hastig mit heißer Nadel vereinte Partei auseinander fällt, wie er die Arbeit der WASG mit nur 300 € auf Jahre unmöglich gemacht hatte? Der durfte doch neulich bei unseren Freunden von Nuoviso reden, und es hat mich nicht interessiert. Wie links ist er überhaupt abgesehen vom Namen seiner Partei?
April 26, 2011 at 09:47
Mathias Brodkorb hat den Durchblick. Seine Rezension von Compact trifft, mal abgesehen vom Schluß, wo er die Hinwendung zum Antiamerikanismus kritisiert, ins Schwarze.
Compact liest sich noch ein wenig wie eine Beigabe zur Jungen Freiheit. Und das ist ein Problem nicht, weil die Junge Freiheit „rechts“ wäre, das wäre überhaupt kein Problem, sondern weil sie zu den falschen Rechten gehört, den Verarschungsrechten, die auf ihre Weise auch daran arbeiten, die dringend notwendige Einheit des Volkes unmöglich zu machen.
Nur zwei Beispiele: Die Junge Freiheit praktiziert analog zur Naziriecherei der Antifa eine nicht minder dümmliche Kommunistenriecherei. Da wird der Linkspartei in jeder Ausgabe dreimal vorgeworfen, daß sie irgendwo im Ruhrpott mal einen DKPler auf ihrer Liste hat kandidieren lassen und das SED-Gespenst darf natürlich auch nicht fehlen.
Das Schlimme an der Linkspartei aber sind doch weder die DKPler noch die SED-Vergangenheit, sondern ist z.B., daß sie geholfen hat, ganz Dresden zu privatisieren und daß die sog. Ost-Pragmatiker gegen Lafontaines Bankenverstaatlichung Front machen. Aber so was wird man in der JF nicht lesen. Da geht’s immer nur um die bösen Kommunisten, die Mauertoten und das ZK – ich kann es nicht mehr hören!
Das wäre das eine Beispiel für den Stil der JF. Das andere: Letzten Sommer wurde das Buch „Der Staat im dritten Jahrtausend“ von Hans-Adam von Liechtenstein recht ausführlich rezensiert. Das Werk ist eine Sammlung freier Reflexionen darüber, was aus Sicht des Fürsten getan werden müßte. An prominenter Stelle rangiert die Forderung, endlich die Kapitaldeckung bei der Altersversorgung einzuführen. Der „Staat des dritten Jahrtausends“ wird sich nämlich aus diesem wie auch aus anderen Bereichen zurückziehen und das alles den Banken und Versicherungen überlassen.
Der JF-Rezensent referiert und goutiert das alles und kapriziert sich am Schluß auf das Geschichtsbild des Autors, das er gehörig kritisiert, damit man ihm nicht nachsagen möge, er sei unkritisch gewesen. Aber daß es purer Lobbyismus ist, wenn jemand, der vom Finanzkapitalismus lebt, für die Zerstörung des bewährten Umlageverfahrens eintritt, daß es Wahnsinn wäre, uns damit noch abhängiger von den kollabierenden Finanzmärkten zu machen, entgeht dem Herrn Rezensenten, wobei nicht zu erkennen war, ob er tatsächlich zu blöd war, das zu erkennen, oder sogar noch so blöd, es gutzuheißen.
Das nur als ein besonders krasses Beispiel für die JF-Strategie, Dinge, die kritisiert werden müssen, zwar zu kritisieren, sie aber von der falschen Seite zu kritisieren. Da ist es nur konsequent, wenn die JF ihrerseits für das Falsche kritisiert wird.
Nicht die deutschnationalen Töne sind das Übel an der JF, sondern daß sie nie das Finanzkapital angreift! Dafür aber hat noch keine Petra Pau die JF kritisiert. Die JF entwickelt sich für die (halb)gebildeten Rechten zu dem, was die Zeit für die (halb)gebildeten Linken ist: eine Schleuder an gefährlichem Unfug, ein Kopfverdreher, der ablenken und uns die Orientierung nehmen soll.
Dieter Stein wird jetzt ja auch bei Phoenix eine Politsendung bekommen, wo er mit dem Chefredakteur der linksliberalen Berliner Zeitung zweiwöchentlich debattieren kann. Man erwarte sich davon kein wahres Wort! Jedenfalls sitzt dann zusammen, was zusammen gehört.
Ich hoffe, daß Elsässer nicht in diesen Strudel gerät. Noch gibt es dafür keine Anzeichen, im Gegenteil. Compact 2 hat sich mit stark antiamerikanischen Tönen in die richtige Richtung bewegt. Gegen linke und rechte Schwurbelköpfe muß das Magazin im diskursiven Feld die bewährten Orientierungspflöcke einzuschlagen: Antiamerikanismus und, vor allem, Antifinanzkapitalismus!
Damit punktet man, wie Brodkorb richtig sagt, an den Kiosken, also beim Volk, und damit rüstet man sich zugleich gegen den Finanzlobbyismus der JF. Viel Glück!
April 26, 2011 at 13:46
na ja, na ja… also hier muß ich doch mal zur verteidigung meines nach wie vor sehr geschätzten gysi sagen: ER IST EIN MANN VON CHARAKTER UND MIT BRAVOUR. anders als viele dies hier darstellen. wer außer ihm traut sich im bundestag und in den polit-sendungen, die mißstände wie sozialabbau, privatisierung und das freche, skrupellose tun der konzernroboter beim namen zu nennen ? dazu seine konkurrenzlose, dynamisch-souveräne rhetorik. und MÄNNER WIE IHN braucht die linke. überhaupt: wenn er nicht wäre, dann gäbe es kaum einen schimmer, dass die partei – vor einem jahrzehnt mit so wenig mitgliedern und null einfluss – sich im verein von wasg und pds innerhalb relativ kurzer zeit zu dem mausern konnte,was sie immerhin ist. das war z. b. auch lafontaines verdienst. aber egal – weder gysi noch lafontaine können etwas dafür, wie die lage heute aussieht, nämlich schlecht. und das einzige, was man dem gysi ankreiden könnte, ist dass er die spitze mit den beiden zwar smpathischen, aber als ALPHA-TIEREN völlig ungeeigneten klaus ernst und gesine lötzsch besetzte. ich hoffe auf eine andere entwicklung !
April 26, 2011 at 13:47
abc: Dass Dieter Stein eine Fernseh-Talkshow bekommt, war ein Aprilscherz der JF.
April 26, 2011 at 14:43
“Vor diesem Hintergrund ist es nur konsequent, wenn Elsässer im Editorial zur zweiten Ausgabe den ursprünglichen Gründungszweck seiner Zeitschrift Schritt für Schritt hin zum Anti-Amerikanismus bzw. Anti-Imperialismus verschiebt und diese Hauptlinie zunehmend auch in den einzelnen Beiträgen wiederkehrt. Damit darf er in der Tat in Deutschland auf ein ausreichend großes zahlendes Publikum hoffen. In Sachen politischer Rationalität wären wir damit aber kein Stück weiter.”
vorallem der letzte satz ist so wahr.
April 26, 2011 at 16:25
gerade das ist so schade. wenn es tatsächlich eine sendung mit dieter stein gegeben hätte, das hätte ich mir gerne angekuckt. ich habe die schnauze voll von solchen wischi-waschi-sabbelköpfen wie plasberg, maischbergerlein oder den ganzen andren marionetten des etablierten fernsehens, das längst zum propagandainstrument im sinne einer kopie der “aktuelle kamera” mutiert ist. ich könnte theoretisch das nexworld nutzen, aber mit der pinke muß man sparsam sein.
April 26, 2011 at 16:34
juergenelsaesser: Ok, dem Scherz bin ich auf den Leim gegangen. Und trotzdem: In jedem Scherz steckt ein Fünkchen Wahrheit.
prince charming: “Politische Rationalität” ist eine hohle Phrase, ein Platzhalter für das jeweils für gut und recht Gehaltene. Wenn z.B. so ein taz oder Zeit-Schreiberling “politische Rationalität” annmahnt, dann dürfen wir davon ausgehen, daß wieder irgendeine Nebelkerze geworfen wird.
Den letzten Satz der Rezension halte ich daher für den schlechtesten. Schade, daß das angeschlagene Niveau gegen Schluß hin so abfällt!
Jede wahrhaft rationale (= nicht gefühlsgeladene und moralisierende) Analyse der politischen Situation muß doch davon ausgehen, daß die USA als einzig verbliebene Supermacht versuchen, die Welt ihren Interessen untertan zu machen. Das ist in der mitunter unübersichtlichen Weltsituation, in der wir leben, eine der sichersten Gegebenheiten.
Da das aber nicht im Interesse der Welt liegen kann, ist Antiamerikanismus ein Ausgangspunkt, den man nur deshalb trivial schimpfen kann, weil er sich so sehr von selbst versteht.
Der Interessenkonflikt zwischen den USA und dem Rest der Welt muß das Fundament jeder politischen Analyse sein.
April 26, 2011 at 16:37
Warum kein Artikel mal über Paralelllager?
Oder über das Leben in der Zelle.
G
April 26, 2011 at 18:52
halte die Kritik an COMPACT für berechtigt. Als Abonnent
hoffe ich, dass es bei den Autoren noch eine Entwicklung zu mehr rechts-links-Ausgewogenheit gibt; das muss sich ja noch entwickeln. Die Themenschwerpunkte halte ich für
optimal, schon allein das macht das Heft erstmal einzigartig.
Apropos namhafte Linke: Das können von mir aus auch ziemlich unbekannte Leute sein, Hauptsache, sie haben etwas zu sagen aus ihrer jeweiligen Perspektive.
Es muss doch beim bevölkerugnsreichsten Staat der EU
noch kritische Linke geben, außer ewig Gysi, Wagenknecht
usw.!
April 26, 2011 at 19:12
“Antiamerikanismus und, vor allem, Antifinanzkapitalismus!”
Auf deutsch: Die Volksinitiative soll sich zur Partei der perspektivlosen Nazi-Hartzler mausern.
April 26, 2011 at 20:59
“und das einzige, was man dem gysi ankreiden könnte, ist dass er die spitze mit den beiden zwar smpathischen, aber als ALPHA-TIEREN völlig ungeeigneten klaus ernst und gesine lötzsch besetzte.”
Ach wenn’s das nur wäre … früher (vor allem in den 90ern) mochte ich den Gregor Gysi ja auch mal, aber er ist doch längst neben Petra Pau und Katja Kipping die Speerspitze der “Political Correctness” in der Linkspartei.
Diese Partei kann es in ihrer Regierungsgeilheit doch gar nicht abwarten, mit SPD und Grünen ins Koalitionsbett zu steigen (wo sie selbst nur “Kellner” wäre), anstatt eine grundsätzliche Alternative zu schwarz-gelb UND rot-grün aufzubauen.
Sie trägt die Politik des Sozialabbaus in Berlin selbst mit und betreibt auf fast allen Gebieten nur “Nachtrabpolitik” gegenüber Grünen und SPD.
In der Energie- und Ausländerpolitik gibt sie sich bisweilen sogar noch “grüner/alternativer” als die Grünen.
Verteidigung des Nationalstaates, raus aus der EU und dem EURO ?
Ach was … alles “rechtspopulistisch” und Sarrazin natürlich ein “Rassist”.
Außer der Einschätzung der DDR und der Beurteilung von Auslandseinsätzen der Bundeswehr unterscheidet sie sich kaum noch von rot-grün … und das allein ist VIEL zu wenig.
Dafür werden dann “politisch unkorrekte” Linke wie Jürgen aus Partei und Umfeld rausgemobbt.
Zum eigentlichen Thema in diesem Thread kann man nur sagen: solche Sozialdemokraten mit solchen differenzierten Ansätzen gibt es leider viel zu wenige, und zur sog. SPD-”Linken” (die vorrangig ein Verein von Multikulti-, Solarenergie-und Grünen-Fans sowie Sarrazin-Mobbern ist) zählen die eher nicht.
April 26, 2011 at 21:32
Bruno: zum Beispiel Elsässer?
April 26, 2011 at 23:23
Freiheitsverherrlicher
“Die Volksinitiative soll sich zur Partei der perspektivlosen Nazi-Hartzler mausern.”
Was ist “Die Volksinitiative”?
April 27, 2011 at 07:00
@Freiheitsverherrlicher:
Wenn das im Prinzip internationale, aber von den USA und GB dominierte Finanzkapital so weiter”wirtschaften” kann wie bisher, wird bald niemand mehr irgendeine Perspektive haben außer schuften, im Elend leben und Zins abführen. Dann gibt es auch keine Freiheit mehr zum verherrlichen.
April 27, 2011 at 08:25
Fedor: http://www.volks-initiative.info
April 27, 2011 at 10:04
Die Political Correctness macht die Partei Die Linke zu einem zahnlosen Tiger.
Ist PC die Überzeugung von Gisy, Kipping oder Pau?
Oder handeln Sie möglicherweise in einem anderen Auftrag
frage ich mich zunehmend
Meine Erfahrung:
Eine Diskussion mit PC Fans nach dem Credo “Die Gedanken sind frei” verläuft zäh und unerfreulich.
Geschichte wird oft als Monolith angebetet.
Dabei lehrt uns die Geschichte, daß uns die Geschichte nichts lehrt, wurde sie doch i m m e r von den vermeintlichen Siegern geschrieben, verfälscht, verzerrt oder zusammengelogen und in Schulbücher gedruckt.
Das dunkelste Kapitel der dt. Geschichte, der Naziterror, wird als d i e deutsche Geschichte verkauft und soll die großen Leistungen der dt.Renaissance, der dt.Aufklärung des 18.Jh. oder der Reichsgründung zu einem einigen, demokratischen und starken dt.Nationalstaat vergessen machen.
Dort, wo die politisch Korrekten die Diskussionen abwürgen,
lugt Diktatur aus den Löchern.
April 27, 2011 at 10:48
DAS dürfte Dich, Jürgen, wie auch die Foristen hier interessieren :
(zensiert – bitte keine verdeckte Promo für dubiose Webseiten – der Hausmeister)
…bin über ein Spiegel-Forums-Link drauf gestossen….
April 27, 2011 at 16:00
Ich frage mal ganz vorsichtig in die Runde (oder, wie der Engländer sagen würde, “tongue-in-cheek”), ob nicht eventuell Denk- und Sprechverbote in der politischen Linken wesensbedingt sind. Ich rede von der Linken allgemein als politischem Begriff, nicht von der Partei gleichen Namens. Die Geschichte würde diese Frage jedenfalls bejahen.
April 27, 2011 at 18:47
@abc
“Wenn das im Prinzip internationale, aber von den USA und GB dominierte Finanzkapital so weiter“wirtschaften“ kann wie bisher, wird bald niemand mehr irgendeine Perspektive haben außer schuften, im Elend leben und Zins abführen.”
Sie machen “das im Prinzip internationale, aber von den USA und GB dominierte Finanzkapital” dafür verantwortlich dass Sie nicht vermittelbar sind. Typisch für diese vielen kleinen Nazi-Hartzler die andere für sich schuften lassen. Da muss wirklich gnadenlos gekürzt werden.
April 27, 2011 at 18:58
DAS dürfte Dich, Jürgen, wie auch die Foristen hier interessieren :
Sorry, habe meinen Mitgliedsnamen nicht eingetragen..!
Werbung wollte ich KEINE machen. Ich dachte nur, dass es für Euch interessant sein könnte, was im Web so alles über Euch geschrieben wird. Auf DIE Seite dürfte man nämlich nur zufällig stossen…
Nix für Ungut !
April 27, 2011 at 19:17
@sowhat: Jetzt bin ich neugierig. Könnten Sie mir den Link schicken? fatima@mmnetz.de
April 27, 2011 at 20:38
“Ich frage mal ganz vorsichtig in die Runde (oder, wie der Engländer sagen würde, „tongue-in-cheek“), ob nicht eventuell Denk- und Sprechverbote in der politischen Linken wesensbedingt sind. Ich rede von der Linken allgemein als politischem Begriff, nicht von der Partei gleichen Namens. Die Geschichte würde diese Frage jedenfalls bejahen.”
Also Distelherz. das kann man so pauschal nicht sagen. Das trifft für die BRD so auch erst seit etwa Mitte der 80er zu, als sich praktisch die gesamte BRD-Linke an die Grünen anhängte,
Davon hat sie sich bis heute nicht erholt … obendrein ist diese Tendenz inzwischen leider auch bei der Linkspartei im Osten immer stärker.
April 27, 2011 at 22:17
@ Freiheitsverherrlicher:
Sie können ganz unbesorgt sein, was meine Einkommenssituation angeht, und im übrigen meine Person aus dem Spiel lassen.
Aber sagen wir es mal so: Wenn ich keine Arbeit finden würde, wäre die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, daß das internationale Finanzkapital dafür zumindest mitverantwortlich wäre.
Die Hartz IV-Empfänger sollen sich ja nicht von den Propagandisten des internationalen Finanzkapitals einreden lassen, ihre Situation sei ihre persönliche Schuld. Kann im Einzelfall natürlich so sein, aber die Gesamtsituation haben sie nicht zu verantworten.
Schuld an der einsetzenden Massenverarmung in unserem Land sind diejenigen, die hier Kapital absaugen, die Heuschrecken aus London und den USA!
Und eben dazu war in der letzten Compact, S. 30 bis 33, ein sehr guter Artikel, den ich Ihnen hiermit empfehle, um diese etwas aus dem Ruder laufende Diskussion wieder an ihre Oberthema zurückzubinden.
April 28, 2011 at 13:20
@Sixty
Das ist aber eine arg verklärte Sicht der Dinge. Ich sehe nicht, daß sich “die gesamte BRD-Linke an die Grünen anhängte”, sondern, daß die Grünen auf dem Humus der Nach-68er “BRD-Linken” entstanden sind und somit den ideologischen Kern dieser “BRD-Linken” darstellen. Man hat ja gesehen, wie schnell man sich Anfang der 80er der wenigen konservativen Köpfe in dieser angeblich ideologiefreien Bewegung entledigt hatte, während die ex-K-Gruppen-Heinis heute in den Führungspositionen sitzen.
Im übrigen finde ich es betriebsblind, für die Zeit vor den Grünen der Linken einen Hang zu freien Denken und offener Debatte zu unterstellen. Es waren die Linken, deren Diskussionskultur schon ’68 darin bestand, den Andersdenkenden einfach im Mob niederzubrüllen.
Zudem sprach ich keineswegs nur von der BRD, sondern von der Linken per sé. Und bitte ersparen Sie mir, jetzt Marx oder Lenin zu zitieren oder die Verbrecher der Französischen Revolution.
April 29, 2011 at 03:16
Tja Distelherz, Sie sind halt ein Konservativer, und ich bin ein traditionalistischer Linkssozialdemokrat und Linkssozialist. Und leider sind Sie daher offensichtlich nicht in der Lage, zwischen der “Linken” generell und zwischen der westdeutschen Nach-68er-Mainstream-Linken zu differenzieren. Deren “Diskussionskultur” war (und ist immer noch) zweifellos sehr suboptimal, insofern muß ich Ihnen zustimmen.
Und was die “ex-K-Gruppen-Heinis” betrifft, die haben einfach ihren maoistisch beeinflußten “Marxismus-Leninismus” gegen einen opportunistisch-populistischen “Sozial-Ökologismus” eingetauscht … das müßte doch eigentlich auch einem wie Ihnen gefallen … die grüne und die Anti-AKW-Bewegung sind doch eindeutig “konservativ” … oder halten Sie es mit Strauß, der mal meinte, “Konservative müßten an der Spitze des Fortschritts stehen” ?
Damit wäre er allerdings in seiner Partei inzwischen ganz klar in der Minderheit
April 29, 2011 at 12:49
Mein lieber Sixty, Sie sind gewaltig auf dem Holzweg.
Erstens: Ich bin zum Konservativen gewandelter Ex-Linker mit starker sozialdemokratischer Prägung. Ich weiß also, wovon ich spreche, denn ich kenne das Milieu von innen. Political Correctness ist ganz sicher kein Kind von ’68, ’68 war lediglich der “Brandbeschleuniger”, der dem “rechten” Flügel der SPD den Geraus machte.
Ich verstehe auch nicht, wieso mir als Konservativem der grüne “Sozial-Ökologismus” gefallen sollte. Denn erstens ist der nicht sozial, denn seine Kosten werden (wieder einmal) vor allem die unteren und mittleren Gesellschaftsschichten tragen, und zweitens ist er auch nicht konsequent ökologisch, denn er soll nach markt- und somit wachstumswirtschaftlichen Prinzipien gestaltet werden, was ein Widerspruch in sich ist. Allerdings haben Sie insofern recht, als daß meine Hauptkritik an den Grünen nicht auf die Umweltpolitik, sondern auf deren gesellschaftliche Vorstellungen zielt, die nun wirklich ganz weit links zu verorten sind.
Das Strauß-Zitat ist übrigens völliger Unsinn. Bei aller Sympathie, die ich für diesen altbairischen Dickschädel hegte: Er hat schon eine Menge Unsinn verzapft und politisch stand er mir keineswegs nahe, soweit kann ich Sie beruhigen.
Mai 2, 2011 at 18:56
“Sie können ganz unbesorgt sein, was meine Einkommenssituation angeht, und im übrigen meine Person aus dem Spiel lassen.”
“Besser ist’s. Würde mich, was Ihre Einkommenssituation betrifft, doch nur bestätigen.
Die Hartz IV-Empfänger sollen sich ja nicht von den Propagandisten des internationalen Finanzkapitals einreden lassen, ihre Situation sei ihre persönliche Schuld. Kann im Einzelfall natürlich so sein, aber die Gesamtsituation haben sie nicht zu verantworten.
Schuld an der einsetzenden Massenverarmung in unserem Land sind diejenigen, die hier Kapital absaugen, die Heuschrecken aus London und den USA!”
Da platzt mir jetzt aber doch der Kragen: Was haben die “Heuschrecken” damit zu tun dass unser exzessiver Sozialstaat Ihnen allen Anreiz bietet sich auf unsere Kosten versorgen zu lassen anstatt sich um eine reguläre Beschäftigung zu bemühen?
Mai 2, 2011 at 19:00
Freiheitsverherrlicher: Bitte beleidigen Sie andere Blogteilnehmer nicht, sonst versorgt Sie der exzessive Hausmeister auf seine Kosten, aber deftig.
Mai 7, 2011 at 10:02
@ Freiheitsverherrlicher:
Sie haben wohl etwas zu viel “Bild” gelesen und infolgedessen scheint sich bei Ihnen eine gewisse Begriffsstutzigkeit eingeschlichen zu haben. Es sei Ihnen nochmals “Compact” empfohlen! Wirklich! Lesen Sie es!
Aber auch ich selbst will mir Mühe mit Ihnen geben und Ihnen in einem zweiten Anlauf den Zusammenhang von Hartz IV und Heuchschrecken erklären:
Daß unser Sozialstaat in zunehmendem Maß beansprucht wird, hängt wesentlich damit zusammen, daß immer mehr Arbeitsplätze vernichtet werden.
Weshalb werden immer mehr Arbeitsplätze vernichtet?
Dafür gibt viele Ursache. Neben der Produktivitätssteigerung durch technischen Fortschritt u.a. der Umstand, daß durch die vom internationalen Finanzkapital aktiv betriebene Deindustrialisierung Deutschlands immer mehr Fabriken zugemacht werden.
Außerdem erscheinen Arbeitsplätze aus Perspektive der an kurzfristigem Profit orientierten Heuschrecken einseitig als Kostenfaktor, den es mit aller Gewalt zu minimieren gilt. Etwas verkürzt gesagt: Damit hier richtig abgeschöpft werden kann, müssen die Massen aus Lohn und Brot gedrängt werden. Das funktioniert zwar nur kurzfristig, aber was kümmert es die Heuschrecke, die weiterfliegt und woanders weiterfrißt. Das sind Zusammenhänge, die wir benennen müssen.
Und nun noch kurz etwas dazu, Hartz IV-Empfänger würden “auf Kosten” derer, die Arbeit haben, leben:
Auch ich als Besserverdiener, der ordentlich Lohnsteuer blecht, bin für einen hohen Hartz IV-Satz. Obwohl die Wahrscheinlichkeit, daß ich jemals davon betroffen sein werde, gering ist, liegt er doch in meinem Interesse. Weshalb?
Weil die Höhe der staatlichen Mindestsicherung sich auf das gesamte Lohngefüge auswirkt! Liegt der Hartz IV-Satz bei sagen wir 900 € (alles zusammen), werden die Löhne für niedrige Tätigkeiten bei 1100 € beginnen und sagen wir bis 1400 € reichen. Die Löhne für etwas anspruchsvollere Tätigkeiten beginnen dann bei 1500 € usw. Das setzt sich so nach oben fort.
Läge der Hartz IV-Satz bei 500 €, würden die Löhne für niedrige Tätigkeiten vielleicht schon bei 800 € beginnen und bis 1100 € reichen. Die Löhne für etwas anspruchsvollere Tätigkeiten würden dann schon bei 1200 € beginnen usw.
Kurz und gut: Der Hartz IV-Satz ist eine Art Fundament im Lohngefüge. Bricht es ein, setzt sich das in die oberen Lohnstufen fort. Deshalb liegt es auch im Interesse des Besserverdiener, daß es Hartz IV gibt.
Wenn Sie das verstanden haben, werden Sie auch verstehen, weshalb es billige Polemik ist, zu sagen, daß Hartz IV – Empfänger “auf unsere Kosten” leben.
@ Hausmeister: Mit Beleidigungen müssen Sie sich keine Sorgen machen. Ich glaube nicht, daß “Freiheitsverherrlicher” satisfaktionsfähig ist.