Sarkozy und die Roma

Die “Times” schwingt die Auschwitzkeule. Von Jürgen Elsässer

Am Samstag kommentierte die Londoner “Times”, ein Flaggschiff der neokonservativen Globalisten unter dem Medienzaren Rupert Murdoch:

„Diesmal hat man sie zumindest in Flugzeuge gesetzt und ihnen ein Taschengeld gegeben. Damals waren es Viehwaggons, die sie nicht zurück in ihre Heimatländer, sondern in die Gaskammern von Auschwitz gebracht haben. Die Ausweisung von Roma-Einwanderern aus Frankreich hat an die Verfolgung aller Zigeuner unter den Nazis erinnert. Diese Handlungsweise hat Schande über Präsident Sarkozy gebracht. Besonders fragwürdig ist dabei die offenkundige politische Motivation von Sarkozys Anweisung. Er verliert an Popularität und gerät zunehmend unter Druck wegen der erzwungenen Sparmaßnahmen seiner Regierung. Er versucht so, die Aufmerksamkeit von der schwächelnden Wirtschaft abzulenken und Sympathien auf der ausländerfeindlichen rechtsradikalen Seite zu gewinnen.“

Selten so einen ekelhaften Kommentar gelesen! Oder gibt es in der Taz und so noch Schlimmeres? Die verfolge ich ja nicht mehr …

Der Auschwitz-Vergleich ist an Bösartigkeit nicht zu überbieten. Die Nazis schickten Roma und Juden ins Gas, in die Vernichtung. Sarkozy setzt die Roma – auf Kosten des französischen Steuerzahlers – in ein Flugzeug, sozusagen ein kostenloser Heimflug für die Leute.

Sicherlich sind beim Abräumen der illegalen Roma-Siedlungen Polizeiübergriffe passiert. Sicherlich gibt es Rassisten in Frankreich, die generell gegen Roma hetzen. Aber der Staat macht immer noch den Unterschied zwischen Roma, die in Frankreich geboren sind und die frz. Staatsbürgerschaft besitzen, und Roma, die illegal aus dem Ausland gekommen sind, v.a. aus Rumänien. Zur Vermeidung von Verwechslung heißen erstere “fahrendes Volk”. Sie sind von den Abschiebungen nicht betroffen – und das ist auch richtig und muss so bleiben.

Aber warum soll ein Staat nicht gegen Ausländer vorgehen, die illegale Siedlungen errichten, von denen aus kriminelle Raubzüge aus unternommen und Polizisten mit Waffen werden? Das ist sein gutes Recht, so wird die inländische Bevölkerung – in Frankreich aus gutem Grund nicht völkisch definiert – vor Übergriffen geschützt.

Der Vorwurf an Sarkozys Adresse, er betreibe “billigen Populismus”, ist trotzdem nicht von der Hand zu weisen. Die sogenannten Abgeschobenen werden nämlich nach kurzem Heimaturlaub wieder nach Frankreich zurückkommen – die EU-Freizügigkeit macht’s möglich! Wirkliche Remedur verspricht nur die Aufhebung der EU-Freizügigkeit, am besten durch einseitige Kündigung der Nationalstaaten, und die Rückabwicklung der EU-Osterweiterung.

Nicht die Roma sind schuld an der Misere, sondern die EU. Durch die Einrichtung des EU-Binnenmarktes im Zuge des Masstricht Vertrages  wurden und werden Peripherie-Staaten mit Exporten aus Kerneuropa überflutet. Die Landwirtschaft und die Industrie in Polen, Rumänien, Bulgarien etc. wurden, da nicht mehr von Zöllen geschützt, erbarmungslos niederkonkurriert. Die Bevölkerung in diesen Ländern wird arbeitslos und ins Elend geworfen, und die agilsten unter ihnen machen sich auf den Weg nach Westen, um dem Elend zu entkommen. Aus ihrer Sicht verständlich! Aber am Elend in ihren Herkunftsländern ändert sich dadurch nichts. Die Hoffnung für Polen, Rumänien, Bulgarien liegt im Austritt aus der EU – dann können sie ihre Wirtschaft wieder aufbauen. Genau dies aber liegt nicht im Interesse der EU-Finanzaristokratie, die die Oststaaten genauso zerstören will wie alle Staaten auf dem Kontinent.

Nochmal für die Wortverdreher: Vor Hetze gegen Roma generell sei gewarnt, und besonders vor der Verwechslung von Roma mit Sinti, die in Deutschland und anderswo in der Regel gut integriert sind. Von Serbien weiß ich, dass  dort auch die Integration der Roma relativ gut geklappt hat – einige der stolzesten Serben, die ich kenne, sind Roma, sie tun alles für ihre Heimat und haben null Bock auf Auswandern. Die Roma aus dem Kosovo, die nach Deutschland kommen, gehören auch in diese Kategorie – sie sind serbisch oder pro-serbisch eingestellt und werden von der im Kosovo jetzt herrschenden albanischen Mafia mit dem Tode bedroht! Das sind keine Wirtschaftsflüchtlinge, sondern stellen mit Recht Anträge auf politisches Asyl.

Die Albanerclans dürfen übrigens bald ebenso leicht wie die rumänischen Banden in die EU einreisen. Die Visumspflicht wird, glaube ich, 2011 für Albanien und das Kosovo aufgehoben.  Dann wird’s richtig lustig …


  1. Nun ist “pro- serbisch” für mich noch nicht unbedingt ein Qualitätsmerkmal, und den Sarkozy kann ich nicht ausstehen. Trotzdem muss sich jeder Staat gegen Illegale und Kriminelle wehren, da gebe ich Ihnen Recht.

    In jüngster Zeit ereignete sich auch der Fall einer 19 – jährigen rumänischen Trickdiebin, die alte Leute überfallen und bestohlen hatte. Diebstahl ist schon schlimm, aber die Hilflosigkeit alter Leute auszunutzen, ist wirklich das Allerletzte. Die Strafe, die mir dafür einfiele, gilt hier leider als gegen die Menschenrechte. Sie war Serientäterin und schon x-mal abgeschoben worden, aber über Verwandte verschaffte sie sich irgendwie immer Zugang nach Deutschland.

    Dann gings los in der Presse : Man könne “die Arme” ja nicht einfach abschieben (warum nicht, wurde nicht gesagt), psychologische Betreuung müsse her, Alphabetisierungskurs blabla (sie war Analphabetin) . Auf wessen Kosten wohl? Richtig geraten! Da fragt sich doch jeder normaldenkende Mensch, warum solche Kriminellen nicht abgeschoben werden? Langsam glaube ich, solche Zustände sind bewusst gewollt.

    Allerdings haben es Roma in Osteuropa wirklich nicht leicht, auch in der Türkei sind sie nicht gerade wohlgelitten.
    Wie ich von einer in Bosnien lebenden Deutschen erfuhr, leben dort viele ohne Papiere:

    “Sinti und Roma bekommen keine Sozialleistungen vom bosnischen Staat.
    Viele Romakinder sind hier geboren,und haben trotzdem keine Staatsaangehoerigkeit.Der Grund viele muetter gebaeren ihre Kinder zuhause,und melden sich incht in den staatlichen Krankenhauesern.Da sie dann keine Geburtsurkunde nachweisen koennen,bekommen diese kinder keine Recht auf schulbildung,Sozialleistungen,Lebensmittelpaket usw.
    Romas die ebenfalls in Krankenhauesern entbinden bekommen ebenfalls keine Unterlagen da die meinsten keine krankenversichrung haben,und somit alles in bar zahlen muessen.Da das Geld nicht vorhande ist bekommen sie auch keine Entlassungsapapiere fuer das Einwohnermeldamt.Ohne dieses Papier kann man hier keine Kinder beantragen das heisst man existiert nicht.Man lebt ilegal im eigenen Land.
    Fuer diese kinder bleibt oft nichts anderes uebrig,als zu betteln oder Scheiben von autos zuwischen.
    Gerade mal 5%von Romas leben ein leben wie anderen das heisst mit Arbeit und Lebenswerten Wohnungen.
    Das ist ein Teufelskreislauf ohne Ende.Viele Kinder sind den ganzen Tag auf den Beinen von morgens bis Abend und stehen am Strassenrand,um eventuell Scheiben zu wischen oder zu betteln.”
    Das ist die andere Seite.

  2. Lutz Dorawa

    Sehr guter Artikel!

    Es ist tatsächlich von Vorteil, immer mehrere Seiten von einem Würfel zu betrachten, das garantiert mindestens die Unabhängigkeit im Denken.

    Der Artikel hat mich überzeugt.

  3. arcos

    Es herrscht immer noch viel Unklarheit mit der Personenfreizügigkeit im allgemeinen und gegenüber den neuen Ostländern im Besonderen.

    1. Klar ist, dass innerhalb der sog. alten EU Länder die volle Freizügigkeit herrscht, also Arbeitnehmer und Dienstleistungsfreizügigkeit.

    2. Die Romas fallen nicht unter die Arbeitnehmerfreizügigkeit (da sie nicht Arbeitnehmer sein wollen), allenfalls aber unter die Dienstleistungsfreizügigkeit.

    3. Gemäss der offiziellen Webpage von Grosseuropa in Brüssel http://ec.europa.eu/eures/main.jsp?acro=free&lang=de&countryId=DE&fromCountryId=BG&accessing=0&content=1&restrictions=1&step=2 heisst es: Diese sehen vor, dass die Arbeitnehmerfreizügigkeit – mit Ausnahme für Malta und Zypern – nach den jeweiligen nationalen und bilateralen Bestimmungen erfolgt. Im Falle Deutschlands ist der Beschäftigungszugang nach Maßgabe gesetzlicher Bestimmungen und internationaler Vereinbarungen und Abkommen (z.B. für Saisonkräfte, Gastarbeitnehmer- und Werkvertragsarbeitnehmer aber auch für andere Berufsgruppen und Tätigkeiten) zulässig. Die Dienstleistungsfreiheit gilt mit Ausnahme der Wirtschaftsbereiche des Bauhaupt- und Baunebengewerbes, der Innendekoration und dem Reinigungsgewerbe von Gebäuden, Inventar und Verkehrsmittel, ab dem Tag des Beitritts der neuen EU-Staaten uneingeschränkt. Diese Übergangsregelungen bzw. Begrenzungen der Freizügigkeit zum deutschen Arbeitsmarkt gelten noch bis zum 30. April 2011 für die am 01.05.2004 zur EU beigetretenen Staaten (EU-8) und bis zum 31.12.2013 für die am 01.01.2007 beigetretenen Staaten (EU-2).

  4. Steppenwolf

    “… Roma, die illegal aus dem Ausland gekommen sind, v.a. aus Rumänien.”

    Wie bitte? Wie soll das denn bitteschön illegal sein? Sowohl Frankreich als auch Rumänien sind EU-Mitgliedsländer, deren Bürger besitzen also automatisch die “Unionsbürgerschaft” und somit gilt für alle die Freizügigkeit der Wahl des Wohnsitzes oder Aufzuhaltortes:

    “Jeder Unionsbürger hat nach Art. 21 Abs. 1 AEUV das Recht auf Freizügigkeit. [...] Das bedeutet, dass jeder Unionsbürger grundsätzlich das Recht hat, sich in der Europäischen Union frei zu bewegen, in jeden anderen Mitgliedstaat einzureisen und sich dort aufzuhalten.”

    http://de.wikipedia.org/wiki/Unionsb%C3%BCrgerschaft#Freiz.C3.BCgigkeit:_Recht_auf_Aufenthalt_und_wirtschaftliche_Bet.C3.A4tigung

    Man kann selbstverständlich unterschiedlicher Meinung über die EU sein, aber die Vorteile mitzunehmen und die vermeintlichen Nachteile abzuschieben, das geht gar nicht – das ist Parasitismus statt Symbiose.

    Sárközy (so sein ungarischer Geburtsname) sollte sich am besten gleich mal selbst abschieben – gemäß seinem eigenen Motto Frankreich den Franzosen (oder so ähnlich). Aber Sárkö hat eben eine Lobby hinter sich und beste Verbindungen zur korsischen Mafia und zur CIA.

    http://www.voltairenet.org/article157870.html

  5. arcos

    @steppenwolf: Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.
    So absurd es klingen mag, völlig verrückt eben: Sarkozy ist ein CIA Agent, genau gleich wie Obama.

  6. Steppenwolf

    Grundsätzlich finde ich es schäbig, die Roma (wieder einmal) als Mittel zur Austragung politischer Konflikte zu missbrauchen.

    @ fatimaoezoguz
    “Allerdings haben es Roma in Osteuropa wirklich nicht leicht…
    Das ist ein Teufelskreislauf ohne Ende.”

    Genau hier liegt das wirkliche Problem. Europa schleppt dieses Problem nun schon seit Jahrhunderten mit sich herum. Seit Generationen wird das Problem perpetuiert, indem man die Roma ausgegrenzt und diskriminiert, um dann hinter zu sagen: “seht ihr, die sind nicht integrationswillig”.

    In Krisenzeiten tritt das Thema regelmäßig wieder zutage und immer wieder bricht sich der Volkshass gegen diese Minderheiten Bahn. Dieser Teufelskreis ist eine Schande für Europa.

  7. Anonymous

    @Lutz Dorawa

    Was? hat Sie überzeugt? Und ist tatsächlich eine Garantie in Ihrer Unabhängigkeit gegeben? Das ist doch die Frage ! Es gibt keinen Würfel, weder für Ihre noch für JEs Aussagen. Roma und Sinti sind nicht in unserer Gesellschaft intergriert. Dazu muss man mal wenigstens die Platze besuchen, wo sie leben. Am Existenzminimum! Intergration heißt auch am Wohlstand teilnehemen können. Dieses wird durch unsere Politik völlig verhindert, ja sogar in Hetzkampanien in unseren Köpfen eingehämmert, dass z.B. arbeitslose Ausländer den Deutschen die Arbeit wegnehmen. Oder schlimmer noch, es sei ein minderes Volk. Das ist was die Bevölkerung glaubt. Stark Initiiert durch Westerwelle, durchgeboxt durch Merkel.
    Die Bild macht den Rest.
    Es sind Leute wie du und ich, sie haben genauso Anspruch auf Leben und Freiheit und Vermögen. Wenn sie wirklich intergriert wären, hätten wir kein Problem. Das spiegelt ein Verständnisproblem an sich. Sind wir bessere Menschen? Haben wir die Sicht meherer Möglichkeiten? Ich glaube nicht. Die Seiten eines Würfels gleichen sich offt sehr stark und es sind eben NUR sechs Seiten. Unabhängigkeit im Denken fordert ganz andere Dinge !!

  8. HAML

    Unabhängigkeit im Denken, fordert ganz andere Dinge, als nur ein paar, vom Vorredener übernommene Einsichten und Darstelungen zu übernehmen. Würfel doch nochmal, vieleicht wirds besser.

  9. “Das bedeutet, dass jeder Unionsbürger grundsätzlich das Recht hat, sich in der Europäischen Union frei zu bewegen, in jeden anderen Mitgliedstaat einzureisen und sich dort aufzuhalten.“

    allerdings nur solange er nicht einen Grund für eine Ausweisung und ein Aufenthaltsverbot verwirklicht.

    wie z.B. Bettelei, Diebstahl, Prostitution

  10. Homayoun H.

    Sehr geehrter Steppenwolf,

    soweit ich das verstanden haben, dürfen sie natürlich nach Frankreich. Aber um dort länger bleiben zu können, müssen sie eine Arbeitsgenehmung haben, arbeiten. Somit müsste man einfach nur die Forumlierung von “illegal aus dem Ausland gekommen” in “illegal in Frankreich aufgehalten” umändern, dann stimmts und dann ändert sich auch nichts mehr an der Illegalität (auch nach EU recht).

    Richtig?

    Mit freundlichen Grüßen,

    Homayoun

  11. Steppenwolf

    “… Grund für eine Ausweisung und ein Aufenthaltsverbot
    … wie z.B. Bettelei, Diebstahl, Prostitution”

    Gut, aber darum geht es hier nicht wirklich. Es geht in erster Linie um die ethnische Zugehörigkeit, wie man in allen entsprechenden Berichten und Äußerungen erfahren kann.

    Wenn es hieße, dass illegale Bettler und Diebe abgeschoben würden, die größtenteils der Roma-Ethnie angehörten, wäre das etwas anderes. Aber die maßgeblich Eigenschaft der Abgeschobenen ist eindeutig die ethnische Zugehörigkeit. Deshalb handelt es sich hier nicht um den normalen Vollzug behördlicher Aufgaben, sondern um gezielte Diskriminierung.

    Ersetzt mal in den Berichten den Begriff “Roma” durch “Juden”, oder (räumlich nach Israel versetzt) durch “Palästinenser”…

  12. Lutz Dorawa

    Anonymous
    August 23, 2010 at 21:38

    Werter Anonymous, Sie glauben gar nicht, wie sich unsere Auffassungen zu diesem Thema ähneln. Ich schaffe es heute aber nicht mehr, Ihnen eine passende Antwort zukommen zu lassen.

  13. Lutz Dorawa

    HAML
    August 23, 2010 at 21:47

    Unabhängigkeit im Denken, fordert ganz andere Dinge, als nur ein paar, vom Vorredner übernommene Einsichten und Darstellungen zu übernehmen. Würfel doch nochmal, vielleicht wird es besser.

    Lieber HAML, was glaubst Du, was ich Dir antworten sollte?

    Wenn Du mit den Einsichten und Darstellungen von Jürgen nicht ganz einverstanden bist, dann formuliere sie hier!

    Wir besitzen die technischen Möglichkeiten zur Kommunikation, nutzen wir sie!

  14. Man muss wissen das in Rumänien (und vll. auch in Frankreich) Roma zu Minderheiten gehören. In Rumänien leben viele in einer sehr menschenverachtenden Armut.

  15. Apollo11

    Jürgen Elsässer warnt political correct vor Hetze gegen Sinti und Roma, um so dann Sarkozy und seine Hetze zu verteidigen. Da stellt sich wirklich die Frage, wie weit man als Linker im Rahmen einer “Volksinitiative” gehen sollte. Spätestens nach diesem Kommentar!

    Klein Wort darüber das z.B. in Ungarn Sinti und Juden um ihr Leben fürchten müssen und eine fast-faschistische Regierung gewählt wurde.

    Und vor allem kein Wort darüber, dass Sarkozy, um gewählt zu werden immer wieder rechtsextreme Positionen vertritt (Kärcher etc.). Er schiebt nicht nur Sinti und Roma ab um beim Wähler zu punkten und von der Korruptheit seiner Regierung und seiner ökonomischen Erfolglosigkeit abzulenken.

    Nein, er kündigt die Werte der französischen Revolution auf indem er französische Staatsbürger ggf. ausbürgern will, was Elsässer geflissentlich in seinem Kommentar verschweigt.
    Ein Mittel das zuvor von Vichy, den italienischen Faschisten und dem Nationalsozialismus (z.B. Thomas Mann) angewendet wurde.

    Ich frage mich nach diesem´Kommentar wirklich, was Elsässer will und welche Skrupel er dabei noch hat. Immerhin geht es um Menschen.

  16. Lutz Dorawa

    @Anonymous

    Wie man es dreht und wendet, irgendetwas ist immer falsch, wird falsch verstanden oder absichtlich falsch interpretiert. Das kenne ich zur Genüge und wird auch langsam langweilig. Auf diesen Verständigungstenor möchte ich mich nicht eingrenzen lassen, ist weder Zielfördernd, noch beseitigt es Unklarheiten.Vorab..es hat nichts mit Deinem Beitrag zu tun.

    In diesen Punkten stimme ich Dir zu:

    1.Dieses wird durch unsere Politik völlig verhindert, ja sogar in Hetzkampanien in unseren Köpfen eingehämmert, dass z.B. arbeitslose Ausländer den Deutschen die Arbeit wegnehmen. Oder schlimmer noch, es sei ein minderes Volk.

    2.Es sind Leute wie du und ich, sie haben genauso Anspruch auf Leben und Freiheit und Vermögen.

    Ich bin ein Humanist, kein Gutmensch, noch pflege ich das Gutmenschentum, was bei dieser Thematik auch unangebracht erscheint. Viele der sogenannten Einwanderer sind Wirtschaftsflüchtlinge aus Ihrem eigenen Land. Sie verlassen ihre Familien oder nehmen sie mit, weil sie selbst nicht mehr wissen, wie sie Ihre Familien in ihrem eigenen Heimatland ernähren, geschweige eine Zukunft bieten sollen.

    Jürgen Elsässer schreibt hierzu: Nicht die Roma sind schuld an der Misere, sondern die EU. Durch die Einrichtung des EU-Binnenmarktes im Zuge des Masstricht Vertrages wurden und werden Peripherie-Staaten mit Exporten aus Kerneuropa überflutet. Die Landwirtschaft und die Industrie in Polen, Rumänien, Bulgarien etc. wurden, da nicht mehr von Zöllen geschützt, erbarmungslos niederkonkurriert. Die Bevölkerung in diesen Ländern wird arbeitslos und ins Elend geworfen, und die agilsten unter ihnen machen sich auf den Weg nach Westen, um dem Elend zu entkommen. Aus ihrer Sicht verständlich! Aber am Elend in ihren Herkunftsländern ändert sich dadurch nichts.

    Der springende Punkt ist: “Aber am Elend in ihren Herkunftsländern ändert sich dadurch nichts.”

    Das bedeutet nichts anderes, das es Politiker geben muß, Wirtschaftsunternehmen und die Regierungen aus dem Ausland sehr scharf darauf hinzuweisen, Verantwortung für ihre Bevölkerungen zu übernehmen, vernünftige Löhne zu zahlen und nicht einfach die Verantwortung über das Auskommen der eigenen Landsleute einer Verwaltungsdiktatur wie der EU zu überlassen. Im Klartext bedeutet dies für die genannten Länder den Austritt aus der EU in die Wege zu leiten und Export -und Importschwemmen zu regulieren, ohne das die eigene Heimat daran absäuft. Konzernkonzentrationen und genehmigte Verlagerungen von Produktionsstätten in das Ausland forcieren diese Entwicklung, Gesamteuropa zu einem Niedriglohnsektor verkommen zu lassen. Auch hier gilt: Schuld sind nicht die Arbeitssuchenden, Wirtschaftsflüchtlinge und Asylanten von Außen, Schuld sind die Politiker, die mit ihren Entscheidungen die europäischen Ostländer bis hin nach Asien und Afrika systematisch zerstören und Schuld sind diejenigen, die jegliche Verantwortung für sich und ihre Familien dem unsozialen Verwaltungsapparat der EU per Wahl überlassen.

    Ich kenne keine Partei die sich traut, solche Problemfelder anzusprechen, ohne anderen ein gewisses “antise…Geschmäckle” zu unterstellen, wie es die feige Linkspartei in ihren eigenen Reihen immer wieder versucht. Schließlich ist diese Partei noch nicht da hingekommen, endlich systemnah und konformistisch synchron mit der EU Schritt zu halten. Aber sie bemüht sich redlich, die Souveränitäten der einzelnen Staaten in europäische Hände zu legen.

    3.Roma und Sinti sind nicht in unserer Gesellschaft intergriert.

    ..von Roma mit Sinti, die in Deutschland und anderswo in der Regel gut integriert sind.

    Dies bedeutet einfach, nicht alle sind gleich integriert, es gibt Ausnahmen. Alles andere wäre Wortklauberei.

  17. ribi

    in italien gab es vor einiger zeit eine gewaltwelle der roma! ein soldatenwitwe wurde wegen einiger cent getötet! es geht nicht, dass südost-europäische länder ihre problemgruppen verjagen, andere dolle müssen sich drum kümmern! generell gilt, dass diese gruppe natürlich ein recht hat, in europa zu leben, aber keins auf kriminalität etc. italien will angeblich auch weitere roma abschieben!

  18. Atheist

    @fatimaoezoguz: „Pro-serbisch“ ist für mich sehr wohl unbedingt ein Qualitätsmerkmal! Diese Märtyrer haben allein deshalb unsere Solidarität verdient, weil sie vor 10 Jahren Opfer einer barbarischen imperialistischen Aggression geworden ist. Dass Roma pro-serbisch sind, ehrt sie in meinen Augen.

  19. juergenelsaesser

    Apollo11: Ein wunderbarer Kommentar von ihnen! Sie sehen überall Faschismus: in Ungarn, bei Sarkozy, bei Elsässer … Nur da, wo er wirklich droht, sehen Sie ihn nicht.

  20. Apollo11

    Lieber Herr Elsässer
    Tja man sieht eben was man sehen will.
    Sie sehen eben nicht welche Stärke in Ungarn die Pfeilkreuzler, deren Vorbild die SS ist, schon wieder hat. Da frage ich Sie als Linken wirklich ist das kein Faschismus oder schon integraler Bestandteil der Volksinitiative wie Haider?

    Warum verschweigen Sie in ihren Kommentar, dass Sarkozy und die französische Rechte eben nicht nur rumänische Kriminelle abschieben, sondern das sie auch französische Staatsbürger ausbürgern wollen? Man kann doch wohl von einem linken Aufklärung und Differenziertheit erwarten! Merken Sie nicht, in welcher Kontinuität Herr Sarkozy steht?

    Ich halte Sie überhaupt nicht für einen Faschisten sondern für einen Linken. Sonst würde ich in ihrem Blog gar nicht schreiben. Sie sind für mich ein sehr kluger Kopf. Ich stimme ihnen auch vollkommen zu was ihre Beschreibung des Kosovo angeht. Nur habe ich das Gefühl, dass Sie hier zu weit gegangen sind, und zwar zu weit nach Rechtsaußen! Volksinitiative hin, Volksinitiative her!

    Und eines ist sicher. Der faschismus droht ganz gewiß nicht durch Sinti und Roma! Vielleicht können wir uns zunächst mal darauf einigen!

    Mahlzeit!

  21. juergenelsaesser

    Apollo11: Haider als “integraler Bestandteil der Volksinitiative”???? Haben Sie einen Joint geraucht oder sind sonstwie angeschickert?

  22. Das mit Haider ist natürlich Quatsch, apollos Ausführungen über Sarkozy leider nicht. Man sollte immer beide Seiten sehen, statt in Populismus zu fallen!

  23. Das Problem mit den Sintis und Romas ist ja nicht Neu und auch nicht erst jetzt in Frankreich Brisant. Das Sarkozy jetzt gerade auf das Thema kommt, nun, dass kann man in der Tat wohl als zumindest teilweise Populismus bezeichnen. Wie Herr Elsässer es richtig geschrieben hat, nach der erfolgten Abschiebung kommen diese in der Regel ohne hin wieder zurück, Dank EU-Freizügigkeit! Von daher ist das wohl mehr Augenwischerei als tatsächlicher, ernst gemeinter politischer Wille von Herrn Sarkozy. Vielleicht auch seine Angst das rechtsradikale wie der “Front National” wieder erstarken könnten, insbesondere auch vor dem Hintergrund des auch in Frankreich immer stärker werdenden Islams. Das ausgerechnet die Londoner Times sich hier zum Moralapostel aufschwingt entbehrt nicht ein gewissen Komik, schließlich werden ansonsten von diesem jede noch so skrupellose und wirre Idee Seitens der Globalisten und Neocons grundsätzlich unterstützt. Verkehrte Welt! Neusprech und Verdrehung der Wirklichkeit.
    Für mich als libertären Mensch sehe ich die Situation der Sintis und Romas als Schwierig an, auch insbesondere für diese persönlich. Doch sollte auch hier genau unterschieden werden zwischen jenen die einfach nur Kriminell sind und damit andere Menschen schädigen, und jenen die als “fahrendes Volk” seit eh und je durch die Lande tingeln und im Prinzip niemanden etwas zu Leide tun.
    Das ganze Thema überhaupt so zu behandeln finde ich von den Times Schreiberlingen schon sehr bedenklich!

  24. Lutz Dorawa

    Apollo11
    August 24, 2010 at 11:14

    Jürgen Elsässer warnt political correct vor Hetze gegen Sinti und Roma, um so dann Sarkozy und seine Hetze zu verteidigen. Da stellt sich wirklich die Frage, wie weit man als Linker im Rahmen einer „Volksinitiative“ gehen sollte. Spätestens nach diesem Kommentar!

    Mir erschließt sich hinsichtlich des Kommentars von Apollo 11 etwas anderes…warum soll ein vernünftig denkender linksorientierter/normaler Mensch mit genügend Selbstbewußtsein in eine LINKSPARTEI/+ diversen unzähligen Strömungen eintreten wollen, wenn er gleich von 100-ten Apollo 11′s umzingelt wird, die Ihm eine politische Reise zum Mond als ein Trip zum Wallfahrtsort des “LinkenVerkehrtseins” verkaufen?

  25. Lutz Dorawa

    Korrektur…

    Mir erschließt sich hinsichtlich des Kommentars von Apollo 11 etwas anderes…warum soll ein vernünftig denkender linksorientierter/normaler Mensch mit genügend Selbstbewußtsein in eine LINKSPARTEI/+ diversen unzähligen Strömungen eintreten, wenn er gleich von 100-ten Apollo 11′s umzingelt wird, die Ihm eine politische Reise zum Mond als ein Trip nach “Lourdes” verkaufen wollen?

  26. Aus linker Perspektive ist die Sache doch ganz einfach:
    Es gibt ein kulturelles Selbstbestimmungsrecht. Und in Einklang mit diesem bestimmen die Franzosen (oder jede andere Nation) darüber, wer und nach welchen Regeln Ausländer ins Land eingeladen werden.
    Wer solche Regeln verändern möchte, muss um politische Mehrheiten streiten.

  27. Wie sollte man zum Thema “Sinti und Roma” antworten wollen, als in “Political Correctness”? Ich muss mir ja keinen Knoten in die Zunge machen, um offen zuzugeben, meine 2-3 persönlichen Probleme damit zu haben, teils aus Unkenntnis, teils Vorurteil, ja mag sein, vielleicht bin ich in meiner “Pseudozivilisiertheit” verdorben!(?) Aber was bitte rechtfertigt Diskriminierung oder gar schlimmeres?
    Vor was möchte ich mich schützen in einer mobilisierten, globalisierten Welt? Täglich geht mir verbrecherisches Kapitalistengesindel auf den Keks und da soll ich mich über ein Paar Zigeuner in ihrer Unangepasstheit aufregen? Umgeben von Verbrechern, werde ich nicht auf den Gedanken kommen in kleinbürgerlicher Feigheit auf Menschen mit dem Finger zu zeigen, denen man vermeintlich unlautere Veranlagung unterstellt, nebst einer okkulten, esoterischen. Die leben halt in einer anderen Welt, wer will sie denen streitig machen, wozu? Vor allen (ich wiederhole mich) wie verhindern, wenn Nationalstaaten im Sinne ihrer ursprünglichen Kultur zunehmend ihre Bedeutung verlieren? Wir stehen erst am Anfang von Völkerwanderungen und Kulturaustausch, was soll das werden, was erwarten wir?

  28. Spectator

    Divide et impera in Gallia:

    “The Engineer of Diversity

    Recently Nicolas Sarkozy announced plans to pursue a vigorous policy of diversity and métissage. Concretely, this means giving preference to minorities in job hiring and prosecuting those who do not comply. In other words, affirmative action as a government policy from which none are exempt.

    In his message Sarkozy insisted that the French people must change, that there will be dire consequences if they don’t, and that not to intermarry racially is bad for the survival of the country. Thus he amalgamated the concepts of preference for minorities in job hiring with that of the need for the French to intermarry racially.

    These are two separate things. But in the mind of Sarkozy they go together. Last December he chose a highly successful Algerian-born businessman, known as an impassioned advocate of diversity, Yazid Sabeg, to be his “high commissioner on diversity and equal opportunity”, and to implement these government orders.”

    http://www.brusselsjournal.com/node/3764

    Wie gesagt: Frankreich hat einen Mossad-Agenten als Präsidenten, der alles dafür tut, la Grande Nation zu zerstören.

    http://www.lefigaro.fr/france/20071012.FIG000000291_les_etranges_accusations_d_un_cybercorbeau.html

    http://www.voltairenet.org/article157870.html

    Blicken wir noch einmal zurück auf Sarkozy als Innenminister und agent provocateur während der Krawalle von 2005:

    „Überraschend kam der Ausbruch der Gewalt nicht. So wurden im Jahr 2005 bereits vor dem Beginn der eigentlichen Unruhen jede Nacht etwa 90 Autos in Frankreich in Brand gesteckt, insgesamt 28.000 seit Beginn des Jahres 2005. Daneben wurden ca. 17.500 Müllcontainer angezündet, 5.760 Bushaltestellen, Telefonzellen und andere städtische Einrichtungen zerstört und 3.832 Angriffe auf Polizei oder Feuerwehr gezählt. Für mediales Aufsehen sorgte lediglich eine Serie von Brandanschlägen auf jüdische Einrichtungen, die die diplomatischen Beziehungen zwischen Frankreich und Israel belasteten.
    [...]
    Sarkozy geriet immer mehr unter Druck. Durch seine Law-and-order-Parolen (Schlagwort: „Tolérance zéro“) wurde er zur Hassfigur der Jugendlichen, die meist nordafrikanischer Herkunft sind. Sarkozy behauptet, dass diese Unruhen perfekt geplant wären. Kritisiert wurde er unter anderem dafür, dass er die Jugendlichen als „Gesindel“ und „Abschaum“ („racaille“) bezeichnete, den man „wegkärchern“, also mit einem „Hochdruckreiniger wegspritzen“ müsse, mit dem Argument, wer auf „Beamte, Familienväter oder junge Leute von der eigenen Hautfarbe“ schieße, könne nur so bezeichnet werden, und so noch mehr Öl ins Feuer gegossen habe. In diesem Zusammenhang sprach er auch vom „Wundbrand“, den es „wegzuschneiden“ gelte. Jugendliche aus den Vororten forderten Sarkozys Rücktritt. Auch Teile der Regierungspartei UMP, deren Vorsitzender Sarkozy ist, rückten von ihm ab. Präsident Jacques Chirac rief dagegen zur Ruhe und zum Dialog auf. Kritisiert wurde auch, dass Sarkozy die orts- und bürgernahe police de proximité abgeschafft hat, die für Schlichtungen vor Ort eintreten sollte.
    [...]
    Der deutsche Geheimdienstexperte Udo Ulfkotte äußerte in seiner Publikation «Der Krieg im Dunkeln. Die wahre Macht der Geheimdienste» (2006, S. 56 f.) die Beschuldigung, dass die Mossad-Abteilungen «Abteilung für Sondereinsätze» (Abt. Metsada, zuständig etwa für Sabotage und verdeckte Attentate) und die Abteilung für psychologische Kriegführung (Abt. Lohama Psichologit, LAP) die Unruhen mitgeschürt hätten und berief sich dabei auf die Angaben eines Informanten vom britischen Auslandsgeheimdienst MI6. Ziel der Aktionen wäre es gewesen, „Muslime in der öffentlichen Meinung generell als unberechenbare Bedrohung erscheinen zu lassen“.“

    http://de.wikipedia.org/wiki/Unruhen_in_Frankreich_2005

  29. chicano

    @ fatima

    “Das mit Haider ist natürlich Quatsch, apollos Ausführungen über Sarkozy leider nicht. Man sollte immer beide Seiten sehen, statt in Populismus zu fallen!”

    ich muss sagen, das sehe ich ähnlich.

  30. juergenelsaesser

    Stephan Stein: Ich nix verstehen! Die EU-”Freizügigkeit” wurde jedenfalls in Brüssel gemacht und nicht in den Mitgliedssstaaten. Mehrheiten in den Mitgliedssstaaten ändern daran gar nichts.

  31. @ juergenelsaesser

    Darauf zielte ich ja ab. Die EU-Diktate bzw. der „Vertrag von Lissabon“ (weil nicht demokratisch legitimiert) verstoßen u.a. gegen das kulturelle Selbstbestimmungsrecht.
    Sarkosy versucht jetzt im Rahmen der nationalen Möglichkeiten der Stimmung in der Bevölkerung gerecht zu werden und gegenzusteuern.
    Das ist natürlich insofern auch eher unglaubwürdig, weil er das eigentliche Problem, die undemokratische EU, nicht thematisiert.

    Ich bezog mich auf Kommentare, die generell nationales und kulturelles Selbstbestimmungsrecht in Frage stellen.
    Mein Credo: Wer aus einem Land ein Einwanderungsland machen möchte, sollte für diese Forderung nach politischen Mehrheiten streiten – statt Humanismus und sozialistische Grundsätze umzudeuten und zu vergewaltigen.

    Es geht hier letztlich um eine Definition dessen, was man unter nationalem und kulturellem Selbstbestimmungsrecht verstehen möchte.

    Hoffe, habe mich diesmal in aller Kürze deutlicher ausdrücken können.

  32. juergenelsaesser

    Stephan Steins: Tutto bene, tutto claro!

  33. Steppenwolf

    @Stephan Steins, @juergenelsaesser

    Ich sehe da aber keine Antwort auf die Frage ethnischer Minderheiten.

    Mal ganz abgesehen von der Situation in Frankreich, welche – verglichen mit Rumänien, Balkan etc. noch eher harmlos ist -, scheint mir die EU derzeit die wichtigste Schutzmacht der Roma zu sein. Bei aller gerechtfertigter Kritik an der EU sehe ich doch auch, dass sie bezüglich dieser größten ethnischen Minderheit Europas eine eher positive Rolle spielt, indem sie sich (oft gegen menschenverachtende “Traditionen” in den “Herkunftsländern”) für bessere Lebensbedingungen, bessere Ausbildung und eine Beendigung des Teufelskreises aus Armut und sozialer Ausgrenzung einsetzt.

    Sicher muss die Hilfe nicht unbedingt durch die EU erfolgen – in der Vergangenheit gab es zumindest andere und sogar noch stärkere Unterstützer der Roma. Bemerkenswert ist nämlich, dass die EU diesbezüglich (zumindest ansatzweise) die Nachfolge der sozialistischen Regierungen Südosteuropas übernimmt, welche – ganz anders die heutigen “Demokratien” und damals der “freie Westen” – den Roma wesentlich bessere Bedingungen boten. Die kapitalistischen Nachfolgestaaten rissen jedoch alte Wunden auf, indem sie die ethnischen Konflikte und die soziale Ausgrenzung wieder richtig anheizten. Wikipedia weiß dazu: “Allgemein hatten die Rekapitalisierung der landwirtschaftlichen und der industriellen Produktion, die Massenentlassungen und die Entstehung eines unregulierten Arbeitsmarktes eine hohe Arbeitslosigkeit und allgemeine Verarmung und Verelendung der Roma zur Folge.”

    Hier sehe ich deshalb – anders als in vielen anderen Bereichen – keinen grundsätzlichen Vorteil des Nationalstaats gegenüber der EU. Die Geschichte hat gezeigt, dass bislang nur der sozialistische Nationalstaat in der Lage war, die ethnische Unterdrückung in Südosteuropa zu reduzieren.

  34. @ Steppenwolf

    Zitat: „Ich sehe da aber keine Antwort auf die Frage ethnischer Minderheiten.“

    Ethnische Minderheiten innerhalb welchen Rechtsraums?
    Der Rechtsraum als Bezugsrahmen, also bspw. einerseits die EU und auf der anderen Seite der Nationalstaat Frankreich, müsste doch demokratisch legitimiert sein, damit das nationale und kulturelle Selbstbestimmungsrecht gewahrt bliebe.
    Würden die Franzosen mit anderen Völkern in freier Abstimmung und Willensbekundung ihren Nationalstaat in ein grösseres Gebilde überführen, so würden sie natürlich auch alle Fragen nach ethnischen Minderheiten innerhalb des neuen Rechtsraums „erben“.
    Nur steht die EU eben gerade nicht auf einer solchen demokratischen Grundlage.

  35. Steppenwolf

    @Stephan Steins

    Ich betrachtete das Thema weniger völkerrechtlich/staatstheoretisch und ich bezog mich auch ausdrücklich nicht auf den Auslöser dieser Debatte (Frankreich/Sarko), sondern auf die m.E. zugrunde liegenden Probleme in Südosteuropa.

  36. @ Steppenwolf

    Probleme in Südosteuropa

    Was meinen Sie genau?,
    wo, wie was, bin gerade nicht im Bilde.

  37. Steppenwolf

    @ Stephan Steins

    Na die Probleme, auf die ich weiter oben schon Bezug genommen hatte: Ausgrenzung, Armut, Verelendung, Diskriminierung. In Südosteuropa lebt ein Großteil der europäischen Roma. Seit dem Ende der dortigen sozialistischen Regierungen hat sich die Situation dieser Roma noch verschärft. Die Folgen bekommen natürlich viele andere EU-Staaten zu spüren, indem Betroffene dank der EU-Freizügigkeit ihre Chance (so wie im vorliegenden Fall in Frankreich) in den reicheren Ländern suchen.

  38. @Körnerpicker: NICHTS rechtfertigt Diskriminierung einer Volksgruppe ALS GANZES. Aber es ist ebenfalls kein Staat verpflichtet, Kriminelle zu dulden, egal ob Roma oder andere. Leider bergen solche Debatten aber allerhand Konfliktpotenzial, das sehe ich ähnlich. Genauso geht es ja in Frankreich gegen Araber, bzw. in Deutschland gegen Türken, Sarrazin hat ja neulich wieder einen draufgesetzt. So sehr ich dagegen bin, kriminelle Ausländer zu beherbergen, so sehr bekomme ich langsam aber sicher das Gefühl, dass die Kriminalität nur noch vorgeschoben wird, um in unsicheren Zeiten einen Sündenbock zu haben. Denn die wahren Verbrecher sind nicht ein paar Roma, das sind ganz andere!

  39. @ Steppenwolf

    Sie sprechen über Sinti und Roma, die Staatsbürger ihrer Heimatländer sind?
    Da haben Sie wohl recht, dass sich deren Situation nach dem Ende des sog. „Realsozialismus“ noch verschärft und rassistisch motivierte Diskriminierung auch deren wirtschaftliche Verhältnisse verschlechtert hat. Allerdings kenne ich die Situation dort nicht wirklich, sondern auch nur aus der Presse, habe mich nie speziell mit dieser Frage beschäftigt.

    Auf was wollen Sie hinaus? Dass die Länder Europas ihre Grenzen für Sinti und Roma öffnen sollten oder grundsätzlich auch für wirtschaftlich motivierte Migrationsströme?

  40. @fatima
    Ich stimme mit Ihrer Meinung überein! Natürlich ergibt sich “Konfliktpotential” und wie immer in der Meinungsmache wird relativiert, aber auch für politische Zwecke ausgeschlachtet.
    Fein, wie die Verbrecher ablenken und den Volkszorn auf vermeintliche Kleinkriminelle lenken, deren soziale Situation aus manigfaltigen Gründen nunmal nicht viel Sympathie in Bevölkerung und Politik erweckt. Dem Schicksal vieler Hartz-IV-Empfänger im übrigen nicht unähnlich! Gut! Ist in dem Sinne keine ethnische Gruppe, auch wenn es mir manchmal so scheint! Also wohin damit? Wer weiß? Vielleicht steckt in uns allen irgendwo ein kleiner Faschist! Die Lunte, wo Politiker vorgeben sie ausgetreten zu haben, wird heimlich kräftig angeblasen! Manchmal findet sich noch jemand, der offen ein Streichholz dran hält! Zur Abwechslung mal aus der linken Ecke?

  41. @Herr Steins

    “Auf was wollen Sie hinaus? Dass die Länder Europas ihre Grenzen für Sinti und Roma öffnen sollten oder grundsätzlich auch für wirtschaftlich motivierte Migrationsströme?”

    Ich lach mich kaputt! Es geht doch nicht um die Roma, sondern darum, dass Reglungen getroffen wurden, welche die Grundlage dafür liefern das Problem nicht mehr im Griff zu haben! Meinen Sie die Roma fragen nach einer Grenze, die es in Europa so überhaupt nicht gibt? Was heißt hier “wirtschaftlich motivierte Migrationsströme”? Kommen Migranten wegen der Völkerverständigung nach Europa? Verhalten sich nicht Europäer selbst als “Wohlstandsnomaden” dürfen sie das? Halten Sie Europäer für Priviligiert und den Rest der Menschheit für “Bettelpack”?
    Kapitalismus ist attraktiv und für Amerikaner und Europäer wird er so gehalten, davon wird alles mögliche angezogen! Neben gesitteten Lohnsklaven, eben auch Diebe, Gauner und Mafiosis. Einige von denen leben im Knast besser als in ihrer Heimat! Die Gesetze haben weder Romas noch Migranten verfasst, sonder wurden in der EU beschlossen!

  42. juergenelsaesser

    Körnerpicker: Wieso so aufgeregt? Steins hat ganz höflich gefragt, da müssen Sie nicht gleich alles Mögliche unterstellen …

  43. Naja, werter J.Elsässer,
    aufgeregt? Keine Spur! Evtl. war ich etwas zu nüchtern in meiner Betrachtung, da ich das Szenario noch nicht zu Ende gespielt habe. Ich traue Ihnen jedoch gern zu, es fortzuführen. Das analytische Wissen dafür haben Sie schließlich!

  44. Sollte ich in die Fragestellung Herrn Steins etwas interpretiert haben, was nicht seine Meinung wiederspiegelt, lag es nicht in meiner Absicht! Ich bezog mich auf den Inhalt seiner Worte, ohne diese als Frage zu sehen. In wiederholter Lesung des Fadens bemerkte ich eben, dass ich missverständlich wirken könne, da ich die Anrede an Herrn Steins stellte. Ich bitte um Verzeihung dafür, unabsichtlich Hern Steins in ein falsches Licht grückt zu haben. Gemeint war die Handlungsweise Sarkozys und der EU im Auftrag der Kapitalwirtschaft, welche ich anprangern wollte, da sie ursächlich für die Misstände verantwortlich ist! Nicht die Sinti und Romas und auch keine Migranten tragen eine Schuld wenn sie sich unter günstigeren Bedingungen durchs Leben schlagen wollen. Es ist kein Vorrecht für Kapitalisten/Imperialisten sich an Ressourcen zu bedienen! Sich den Weg dahin zu bahnen indem Grenzen beseitigt werden, hat eben zwei Seiten, wie die einer Medaille!

  45. Steppenwolf

    @ Stephan Steins

    “Auf was wollen Sie hinaus? Dass die Länder Europas ihre Grenzen für Sinti und Roma öffnen sollten oder grundsätzlich auch für wirtschaftlich motivierte Migrationsströme?”

    Aber nein. (Übrigens sind die Grenzen innerhalb der EU längst für wirtschaftlich motivierte Migrationsströme geöffnet.) Mir geht es darum, dass man an der Wurzel ansetzen sollte und dass man dieses uralte gesamteuropäische “Problem” nicht ewig hinter Staatsgrenzen oder hinter Polizeimaßnahmen verstecken kann und darf.

    Gesamteuropäisch ist das Thema der Marginalisierung der Roma (=Gesamtbezeichnung, schließt auch Sinti mit ein) schon seit dem Mittelalter. Anders als andere Ethnien, die im Lauf der Jahrhunderte meist in der Mehrheitsbevölkerung aufgehen, wurde ein Großteil der Roma nie wirklich integriert oder assimiliert. Warum das so ist, weiß ich nicht, vielleicht liegt es in erster Linie an ihrem “andersartigen” weil nicht-europäischem Aussehen (Ursprungsland vor mehr als 800 Jahren war Indien). Vielleicht auch an ihrer ausgeprägten, “andersartigen” Kultur oder an ihrer Sprache, die oft als “Geheimsprache” verunglimpft wurde (und die übrigens zur indogermanischen Sprachfamilie gehört).

    “Allerdings kenne ich die Situation dort nicht wirklich”

    Ich bin da absolut kein Experte, habe allerdings ein gewisses Interesse an dem Thema. Wenn man mal gesehen hat (in meinem Fall in einem erschütternden Dokumentarfilm), unter welchen schrecklichen Bedingungen viele Roma u.a. in Rumänien heute noch leben, dann kann einem das Schicksal dieser Volksgruppe eigentlich kaum mehr egal sein.

    Wenn man sich dann nur ein klein wenig damit beschäftigt, kommt einem bald das Grausen. Man sieht bald, dass die vermeintlichen “wirtschaftlich motivierten Migrationsströme” in Wahrheit durch Diskriminierung, Verfolgung und Vertreibung erzwungen werden. Übrigens ebenso wie Fälle von Diebstahl, was natürlich nicht im “kriminellen Wesen” dieses Volkes begründet ist.

    @ Jürgen Elsässer
    “…besonders vor der Verwechslung von Roma mit Sinti, die in Deutschland und anderswo in der Regel gut integriert sind…”

    Stimmt, die Situation dürfte zumindest besser als in vielen anderen Ländern sein. Diskriminiert wird aber nach wie vor.

    Allerdings gibt es hierzulande auch viele andere Roma, die nicht den “alteingesessenen” Sinti angehörten. Z.B. Bürgerkriegsflüchtlinge aus dem Balkan. Nachdem sie im sozialistischen Jugoslawien relativ gut integriert waren, wurde auf die Roma – wenn man Prügelknaben braucht stehen sie eben immer an vorderster Stelle – nach Ausbruch der Jugoslawienkriege massiv eingeprügelt: Zerstörung ihrer Häuser, Plünderung, Vertreibung. Was soll man mit diesen Menschen machen? 1000 Jahre nach ihrer Emigration zurück nach Indien schicken, sie vielleicht dort ein gelobtes Land gründen lassen, nach einschlägigem Vorbild? Oder zurückschicken in das Land, das sie gerade vertrieben hat? Ihre Kinder sind in Deutschland geboren und sehen es als ihre Heimat an. Trotzdem werden sie nur geduldet und können jederzeit abgeschoben werden (was auch immer wieder geschieht). So werden die “Zigeuner” seit Jahrhunderten hin und her geschoben. Diese unendliche Geschichte ist eine europäische Lebenslüge, ein Teufelskreis, der endlich einmal unterbrochen werden muss.

    http://www.arbeiterfotografie.com/galerie/reportage/index-2002-06-20-koeln-roma-karawane.html

    http://www.veoh.com/browse/videos/category/educational/watch/v168396009N3jhdbn

  46. @Körnerpicker:

    Ich stimme Ihnen zu, wenn auch nicht unbedingt in der Form, das mit dem “Bettelpack” war ein bisschen zu heftig.

    Grundsätzlich gilt, wer keine Migrantenproblematik will, muss dafür sorgen, dass die Leute keinen Grund mehr haben, ihre Heimatländer zu verlassen, insofern sind J. E. s Feststellungen sehr zutreffend:

    “Nicht die Roma sind schuld an der Misere, sondern die EU. Durch die Einrichtung des EU-Binnenmarktes im Zuge des Masstricht Vertrages wurden und werden Peripherie-Staaten mit Exporten aus Kerneuropa überflutet. Die Landwirtschaft und die Industrie in Polen, Rumänien, Bulgarien etc. wurden, da nicht mehr von Zöllen geschützt, erbarmungslos niederkonkurriert. …”.

    DA liegt nämlich das Problem. Die wahren Verbrecher sind doch die, die solche Zustände erst herbeiführen.
    Man kann aber nicht nach dichten Grenzen und einer “Festung Europa” rufen, wenn man durch den Raubtierkapitalismus erst die Leute so ins Elend getrieben hat, dass sie in ihren Heimatländern keine Zukunft mehr sehen. Und das gilt nicht nur für Roma.

  47. Ja, Fatima

    “Bettelpack” stand in “..” die politisch korrekte Bezeichnung wollte ich absichtlich nicht verwenden, da die völkische Meinung dies schließlich auch nicht macht. Ich wollte nicht den Anschein erwecken, dass ich sie nicht kennen würde!
    Ich freue mich, dass Sie desweiteren meine Meinung in andere, treffende Worte fassten! So isses!

  48. Faschismusexperte

    Die Halbwissenen die hier das Wort “Faschismus” verwenden

    SarKotzy ist übrigens nicht nur so blond wie Hitler er arbeitet wie Hitler und die Mossad-Marionette Murdoch auch am gleichen Ziel wie Hitler! Nämlich am Ziel der Vernichtung der europäischen Kultur, der Spaltung der Bevölkerung in alle möglichen Minigruppen (teile und herrsche…) damit diese besser durch die auserwählte, hochgrandig organisierte Minderheit kontrolliert werden kann zur der SarKotzy, Murdoch gehören/gehörten…

  49. @Faschismusexperte

    Ja, ja, Sie haben es schon richtig erklärt, die Spaltung in Lager und Interessenvertretungen macht “frei” und ganz gewollt auch kraft und wehrlos! Aber, hatten wir nicht einmal das Gegenteil in einem “gemeinsamen” Sozialismus? Und? Hat sich da etwa keine (Ab)-Spaltung gebildet- in der Arbeiterklasse, im Volk, im soz. Lager, zwischen Parteibonzen und Bevölkerung?
    Kann denn Einigkeit erzwungen werden? Irgendwo hier war schon die Rede davon, was ein Zweckbündnis bewirkt, wenn es zerfällt, wenn der Schurke am Galgen hängt?
    Volksinitiative ist gut und schön, was danach? Kein Konzept?
    Allerdings gibt es Leute, die nicht vergessen haben, wie es “gemeinsam” war!

  50. Steppenwolf

    Falls das so kurzfristig zu den werten Diskutanten durchdringt: arte zeigt heute (28. August) um 16.05 Uhr den Dokumentarfilm “Die Stadt der Roma” (Frankreich, 2009, 99 min).

    http://www.arte.tv/de/woche/244,broadcastingNum=1138175,day=1,week=35,year=2010.html

    (Normalerweise sollte die Sendung danach eine Woche lang bei “arte+7″ online zu sehen sein: http://videos.arte.tv/de/videos/arte7)

    Auszug aus der Beschreibung:

    “Dosta!” – heißt “Es reicht!” auf romani – und so lautet der wütende Titel einer vor kurzem europaweit gestarteten Kampagne, die mit den zahllosen Klischees und Vorurteilen gegen die Sinti und Roma aufräumen will. Aus Literatur und Film kennt man das exotisch-folkloristische Bild vom “lustigen Zigeunerleben”: Die Roma als ewige Nomaden, die frei und sorglos in Wohnwagen leben und jeden Abend ums Lagerfeuer tanzen. Der Zigeuner als begnadeter Musiker, die Zigeunerin entweder als alte Wahrsagerin oder junge, feurig schöne Tänzerin. Dahinter steckt der diskriminierende Glaube, dass sich die Sinti und Roma im Grunde gar kein anderes Leben wünschen, dass sie die Jahrhunderte lange Ausgrenzung nicht kränkt. Der Dokumentarfilm will diesen Stereotypen etwas entgegensetzen, die skandalöse Diskriminierung der Sinti und Roma anprangern, deren Opfer sie bis heute sind.

  51. Steppenwolf

    Zu dem Dokumentarfilm: den muss man nicht unbedingt gesehen haben, es gibt m.E. bessere Filme über die Situation der Roma. Der hier ist etwas langatmig, offenbar auf Kinoformat aufgeblasen.

  52. Nelson Munz

    @apollo11: “Da stellt sich wirklich die Frage, wie weit man als Linker im Rahmen einer „Volksinitiative“ gehen sollte. Spätestens nach diesem Kommentar!”
    Zunächst mal seh ich mich oder die VI nicht als Linke, denn solche Verortungen kommen von der Sitzanordnung im Parlament, wo wir noch nicht sind.
    Dann kann man ja über dies oder das diskutieren bei uns. Ich sehe die Angelegenheit Sarkozy und die Roma auch nicht ganz so, wie JE, merke auch an, dass die Sinti und Roma nicht so homogen auftreten, etwa deshalb mit ihrer Forderung nach einem Mahnmal für Genozid in Berlin noch nicht weit gekommen sind.
    Ich habe da immer so einen Konvent in Berlin vor Augen, der auch im TV übertragen wurde. Die Delegierten hatten nicht einmal so viel Respekt vor den Rednern, dem vorn Dargebotenen, wie die Grünen in den 80ern. Sogar eine früher sehr bekannte Sängerin, die in meiner Kindheit oft im Radio lief, dort auf der Bühne sang, wurde von Strickenden, häkelnden, stillenden KonventteilnehmerInnen mit Geringschätzung behandelt
    Dann muss ich JE aber auch wieder zustimmen: Was nutzt ein europäischer Binnenmarkt den sog. Arbeitnehmern? Ist die innereurop. Freizügigkeit nicht eher ein Relikt, eine Folge des Kalten Krieges, mit der man die eingeschränkte Freizügigkeit der OsteuropäerInnen im kalten Krieg, die ja auch die Positionen der Gewerkschaften in Westeuropa stärkte, propagandistisch verbrämt zu überwinden trachtete? Allen vorher in der Reisefreiheit Beschränkten sagte man: ihr dürft jetzt überall hin, und diese dachten kaum an die Folgen dessen.
    Und dann habe ich mal von einer Doku im öff. Österreichischen TV gehört: Wir haben doch sicher hier auch LeserInnen von dort, die sie gesehen haben?
    Die Doku handelte von irgendwo in Rumänien, wo die oberste Sinti- und oder Roma-Authorität mit ihrer Familie einen Palast aus purem Gold bewohne.
    Ich habe sie nicht gesehen, ist also aposteori. Hat diese Doku hier jemand gesehen, und möchte die Grundtendenz beschreiben?

    Zitat Steppenwolf, arte tv:
    “Aus Literatur und Film kennt man das exotisch-folkloristische Bild vom „lustigen Zigeunerleben“: Die Roma als ewige Nomaden, die frei und sorglos in Wohnwagen leben und jeden Abend ums Lagerfeuer tanzen.”
    Das, was arte ausstrahlt, hat sich seit der Sarko-ära stark verändert. Er und wird sich dort viele Feinde geschaffen, und nicht alle mundtot gemacht haben. Die üben schon mal.
    Ich auch, z.B. von Literatur-Nobelpreisträger Gabriel Garcia Marquess “100 Jahre Einsamkeit”.

    In einer Zeit schlimmer Bürgerkriege kamen sie regelmäßig, wie eine Jahreszeit, und brachten etwas isolierten Landbewohnern neue technische Erfindungen und Errungenschaften wie den Daguerreotypen mit…
    Gerade wird mir klar: leiden ehedem auch die residenten Armen unter den unterschiedlichen wirtschaftlichen Bedingungen der zur EU zusammen geschlossenen Länder, sind Roma und Sinti besonders stark davon betroffen, profitieren auch ein wenig davon, illustrieren die Ursache des Scheiterns der ganzen EU, des Binnenmarktes und all dem, was damit zusammen hängt, weil die Leidmedien sie erblickt haben. Denn auch von hier wurden sie weggelobt, und kommen anschließend wieder, wenn die Prämie im Süden, wo sie viel länger hält, aufgebraucht ist.
    Die EU-Richtlinien wie Dublin 2 sind hier maßgeblich, und sorgen für Verwerfungen, die etwa Frankreich oder Griechenland härter als Kernländer belasten, denn die müssen sich um Einreisende kümmern, entscheiden, ob sie Visa etc. bekommen.
    Also hat JE am Ende z.T. recht. Aber es ist Sarkozy, der mal, wenn es seinen Herren paßt, die europäische Einigung par force durchdrücken will (zentralisierte Finanzpolitik zur Abwehr der Folgen von transnationaler, privater Spekulation) und mal rigeros ausweist, was sich nicht recht wehrt, weil es keine Lobby hat, aber demnächst wieder zurück kommt, der so selektiv Elemente der EU ablehnt, was ein anderer Kommentator vor mir JE anlasten wollte.
    Mit Obdachlosen ist es ähnlich: dafür, daß die Stadt sie hier oder da unterbringt, wird pro Kopf mehr bezahlt, als eine Whg. für 2 residente Hartz-IV-Opfer kosten darf. Es geht nicht um Herum Geschubste oder Obdachlose, sie sind nur Symptom für ein Konstrukt mit Regeln, die ins Chaos führen.

  53. Steppenwolf

    @ Nelson Munz
    “…oberste Sinti- und oder Roma-Authorität mit ihrer Familie einen Palast aus purem Gold bewohne…”

    Das dürfte sich um diese Doku handeln, auf die ich bei Recherchen gestoßen bin, die mich aber nicht weiter interessiert hat, da sie sich nicht mit der Situation des einfachen Volkes beschäftigt:
    http://www.3sat.de/page/?source=/dokumentationen/138800/index.html

    Außerdem scheint mir der “Palast aus purem Gold” reichlich übertrieben, klingt fast schon propagandistisch, nach dem Motto “seht mal wie gut es den Zigeunern geht”.

  54. Nelson Munz

    Danke, Steppenwolf!

    off topic:
    Gandalfs Schornsteinfeger-posting n paar Tage früher fand ich mindestens amüsant. Ob was dran ist? Ich schau mal, wenn ich weniger zu tun habe.

    Wo wir garde bei den Roma sind:
    Heidi Knaake-Werner (heute Ex-Sozialsenatorin Die Linke) hat auch mal an die 200 Familien von hier weggelobt. Die sind dann erst nach Westdeutschland, n paar Wochen später mit anderen in den Flieger, und ab nach Albanien o. ä.
    http://www.volks-initiative.info/2009/09/18/gibt-es-gute-und-schlechte-abschiebungen/

  55. “Außerdem scheint mir der „Palast aus purem Gold“ reichlich übertrieben, klingt fast schon propagandistisch, nach dem Motto „seht mal wie gut es den Zigeunern geht”

    Dass es einigen Stammesfürsten gut geht, ist ja durchaus möglich und auch wahrscheinlich, das ändert aber leider nichts an dem Elend, in dem die Mehrheit lebt.




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