Update COMPACT: GAZA- Israels Kriegsverbrechen

Elsässer referiert morgen/Sonntag vor der Islamische Gemeinschaft in Potsdam

Im August 2009 veröffentlichte Andrea Ricci in der von mir herausgegebenen Buchreihe COMPACT den Band “GAZA – Israels Kriegsverbrechen”. Da der Band schnell ausverkauft war, haben wir uns nach dem Massaker auf der Hilfsflotte zu einer Neuauflage mit einem aktuellen Ergänzungskapitel entschlossen. Auszüge daraus findet Ihr unten. Das Buch (112 Seiten, 7.50 Euro) ist im Buchhandel, über www.compact-reihe.de und auch direkt über info@juergen-elsasser.de erhältlich.

Ich selber spreche morgen vor der Moslemischen Gemeinde in Potsdam, aber nicht zum Thema GAZA, sondern zur Vorstellung meines neuen Buches “DER EURO-CRASH”: Sonntag, 25. Juli, 11 Uhr, Islamische Gemeinschaft am Park Sanssouci, Weinbergstr. 21, D-14469 Potsdam.

Nun der Auszug aus Andrea Ricci, GAZA – 2. Auflage:

Freibeuter aus Tel Aviv

Sarah Palin weiß es genau. Die ehemalige Kandidatin für die US-amerikanische Vizepräsidentschaft und frühere Gouverneurin des US-Bundesstaates Alaska stolperte bereits in der Vergangenheit über so manche unbedachte außenpolitische Äußerung. Jetzt, im Juni 2010, stehen Gaza, Israel und die internationale Hilfe für den schmalen palästinensischen Küstenstreifen auf Palins Agenda. Auf ihrem Facebook-Account erklärte sie am 1. Juni 2010: „Viel zu viele in den Medien und den unterschiedlichen Regierungen hetzen zur Verurteilung Israels, doch wir müssen das jüngste Ereignis aus der richtigen Perspektive betrachten. Bei diesem ‚Hilfskonvoi‘ ging es nicht um humanitäre Hilfe, wie uns die linken Massenmedien ständig berichtigen.“1 Die Operation sei darauf aus gewesen, „Israel zu provozieren, nicht darauf die Palästinenser, die von den Hamas Terroristen in Geiselhaft gehalten werden, mit Gütern zu versorgen“ so Palin weiter2.

Immerhin, einige US-Amerikaner können sich heute vorstellen, daß Sarah Palin im Jahr 2012 als Präsidentschaftskandidatin der republikanischen Rechten antreten könnte. Daß sie bereits während des Wahlkampfes im Jahr 2008 als Vizepräsidentschaftskandidatin durch beachtliches Unwissen über die Krisenregion Nahost aufgefallen war, ist nur noch wenigen in Erinnerung. Damals beantwortete sie während eines Fernsehinterviews die Frage über die Rolle der Hamas in Gaza mit ihrer Kritik am Auftreten des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad vor der UN in New York3.

Doch die Sichtweise Palins auf den blutigen Vorfall im Mittelmeer vom 31. Mai 2010, bei dem neun Friedensaktivisten in Kämpfen mit israelischen Marinesoldaten getötet wurden, ist durchaus weitverbreitet in der westlichen Welt. Israel habe das Recht, sich vor Angriffen von „Terroristen“ – auf vor jenen im Gewandt von Friedensaktivisten – zu schützen, ist zu hören. Doch um was für einen „Angriff“ handelte es sich am 31. Mai tatsächlich und warum mußte sich Israel „schützen“? Und wie kommt es, daß unendlich viele Versionen des Zwischenfalls im Mittelmeer – inklusive der Sarah Palins – durch die Medien geistern? Handelt es sich bei der türkischen Hilfsorganisation, die den Schiffskonvoi organisierte, tatsächlich um eine humanitäre Gruppe oder gar um eine islamistische Terrorunterstützungsorganisation, wie immer wieder in den Medien behauptet wird?

Die „İnsan Hak ve Hürriyetleri ve İnsani Yardım Vakfı“ (IHH) wurde bereits im Jahr 1995 in der Türkei gegründet. Bedrängten muslimischen Glaubensgenossen sollte geholfen werden. Im Jahr ihrer Gründung waren dies vor allem aus Sicht der IHH-Aktivisten die muslimischen Bosniaken während des jugoslawischen Bürgerkrieges. Später organisierte die IHH auch Hilfsaktionen unter anderem in Algerien, Äthiopien, Marokko, Nigeria und Tschetschenien4. Ende Mai stachen die sechs Schiffe des Konvois von Nordzypern aus in Richtung Gazastreifen in See. Sie fuhren unter unterschiedlichen Nationalflaggen: Die „Eleftheri Mesogeios“ (griechisch für „Freies Mittelmeer“) war ein griechisch-geflaggter Frachter. Die „Sfendoni“  (griechisch für „Katapult“) war ein unter griechischer Flagge fahrendes Passagierschiff, das von der griechischen Initiative „Ship to Gaza“ und der „European Campaign to End the Siege of Gaza betrieben“ wird. Die „Sophia“ war ein von der schwedischen Organisation „Ship to Gaza“ betriebenes Motorschiff. Der Frachter „Gazze“ (türkisch für „Gaza“) fuhr unter türkischer Flagge und gehört der IHH. Seine Fracht bestand aus 2104 Tonnen Zement, 600 Tonnen Baustahl und 50 Tonnen Dachziegeln. Der türkische Frachter „Defne Y“ fuhr unter der Flagge von Kiribati. Zu seiner Ladung gehörten 150 Tonnen Eisen, 98 Stromaggregate, 50 Fertighäuser, verschiedene Gegenstände für Spielplätze sowie medizinische Ausrüstung. Das wohl berühmteste Schiff des Kovois, die „Mavi Marmara“ (türkisch für „Blaues Marmarameer“) ist ein unter der Flagge der Komoren fahrendes Passagierschiff, das ursprünglich als Fährschiff im Marmarameer eingesetzt war. Die „Rachel Corrie“ wird von der malaiischen Organisation „Perdana Global Peace Organisation“ und dem irischen Zweig des „Free Gaza Movements“ betrieben. Das in Phnom Penh registrierte Schiff konnte sich wegen eines technischen Defektes allerdings nicht mehr bis zum Zwischenfall am Konvoi beteiligen.

Als sich die Schiffe langsam dem Gazastreifen nähern, kommt es zu heftigem Funkverkehr zwischen dem Konvoi und der israelischen Marine. Das israelische „Angebot“, daß Man die Schiffe den israelischen Hafen Aschdot anlaufen sollten und die Hilfsgüter von dort aus in den Gazastreifen gebracht werden würden, lehnt die IHH ab. Man wolle die Verteilung selbst übernehmen und brauche keine Vermittlung des israelischen Militärs. Dieses aber wiederum beharrte auf der Seeblockade und kündigte an, diese notfalls militärisch durchzusetzen. Bereits während des Funkverkehrs sei es – so berichten vor allem israelische Quellen – zu heftigen Beleidigungen seitens der Gaza-Aktivisten gekommen sein. Vor allem im Springerblatt Welt konnte man darüber lesen: „Die israelische Armee veröffentlichte (…) Audiodateien, die nach ihren Angaben Originalmitschnitte des Funkverkehrs vor dem Angriff sind. Auf die Aufforderung der Israelis abzudrehen, antwortet eine Männerstimme: ,Geht zurück nach Auschwitz!´ Gegen Ende ist ein anderer Mann zu hören: ,Wir helfen den Arabern gegen die USA. Vergesst ,9/11′ nicht, Jungs.´5 Wie authentisch sind diese Aufnahmen? Kein westlicher Journalist forschte nach. Die angeblichen „Originalaufnahmen“ kann jedermann im Internet hören.6 Die palästinensische Nachrichtenseite Ma´an News Agency zweifelt die Authentizität der Antworten an, benennt Zeugen dafür, daß die antisemitischen Zitate seitens der Hilfsflotte niemals über den Äther gingen7. Handelt es sich um eine Manipulation der israelischen Armee, um nach der blutigen Enterung Stimmung gegen die Hilfsaktivisten zu machen? Immerhin räumte die IDF später ein, das „Beweisvideo“ geschnitten zu haben, beharrte allerdings weiterhin darauf, daß die inkriminierten Sätze gefallen seien, wenn sich auch nicht zweifelsfrei nachweisen lasse, von welchem Schiff aus, da sich die Schiffe im Funkverkehr „nicht identifiziert“ hätten8. (weiterlesen im Buch)


  1. Um in dem Buch Bezug zu nehmen auf den neuesten Kotau unseres Innenministers vor Israel , war es wohl zu früh. Daher muss an dieser Stelle auf den ungeheuren Amtsmissbrauch von Thomas de Maiziére hingewiesen werden. Wird demnächst jede Vereinigung verboten, die Kindern von Gaza hilft, mit dem Argument, “die Hamas werde dann entlastet, um Waffen zu kaufen”? Perverser geht es nicht. Achtung: Die in Deutschland kürzlich verbotene IHH ist eine andere Organisation als die “İnsan Hak ve Hürriyetleri ve İnsani Yardım Vakfı“.

    Hier die Ausführungen des – leider inzwischen ehemaligen – Vorsitzenden der IHH , Mustafa Yoldas:
    Pressekonferenz anlässlich des Verbots der IHH – Internationale Humanitäre Hilfsorganisation e.V. durch den Bundesinnenminister am 12.7.2010
    Berlin, 14. Juli 2010

    Sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter der inländischen und ausländischen Presse, meine Damen und Herren,
    ich freue mich sehr, dass Sie so zahlreich erschienen sind, um eine Gegendarstellung zu den Vorwürfen und vermeintlichen Gründen für das Verbot der IHH durch den Bundesinnenminister zu hören.

    Doch zunächst einige Worte zu meiner Person:
    ich heiße Mustafa Yoldaf, bin 39 Jahre alt, bin verheiratet und Vater von 3 Kindern,
    ich stamme ursprünglich aus der Türkei, bin deutscher Staatsbürger seit 1993.
    Mein Geld verdiene ich als niedergelassener Allgemeinarzt in Hamburg.
    Seit 11 Jahren bin ich Vorsitzender der SCHURA, des Rates der islamischen
    Gemeinschaften in Hamburg e.V. In dieser Eigenschaft bin ich aktuell auch
    Verhandlungspartner des Senats über einen möglichen Staatsvertrag zwischen dem Senat
    und den Muslimen Hamburgs.

    Ich bin Mitglied der IGMG – Islamische Gemeinschaft Milli Görüs. seit meiner Jugend.
    Ich bin Gründungsmitglied des Interreligiösen Forums Hamburg, Kuratoriumsmitglied von
    Common Purpose Hamburg sowie vom IWB- Islamisch-wissenschaftlichen Bildungsinstitut,
    um nur einige meiner Aktivitäten zu benennen.

    Seit vorgestern ist es mir untersagt worden, im Namen der IHH zu sprechen. Daher stehe ich
    heute vor Ihnen als Bürger und Einzelperson, der die IHH seit März 2009 bis vorgestern
    ehrenamtlich geleitet hatte.

    Als ich vorgestern früh von bewaffneten Polizisten aus dem Bett geholt worden bin -wie im Übrigen alle meine ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch – lag mir der Gedanke fern, dass die IHH jemals verboten, geschweige denn als Gehilfe einer Terrororganisation kriminalisiert und verboten werden würde.

    Ich und meine nunmehr ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben überhaupt kein schlechtes Gewissen über das, was sie seit der Gründung der IHH bis zu ihrem Verbot geleistet haben. Wir sind alle erfüllt von Stolz und Genugtuung über die vielen abgeschlossenen Projekte, Investitionen, Hilfen, Spenden in über 80 Ländern der Welt im Namen der Menschlichkeit und die Dankbarkeit und vielen Gebete der Menschen, die wir dafür zurück bekommen haben.

    Die IHH e.V. wurde von großmütigen und gutherzigen muslimischen Menschen 1998 in Frankfurt gegründet mit der Intention, allen bedürftigen Menschen in der Welt zu helfen, ungeachtet der Sprache, Rasse und Religion. Daher hat sie sich als international, als humanitär und als Hilfsorganisation betrachtet. Einen besseren Namen hätte man ihr kaum geben können. Sie hat sich weder als eine Widerstandsorganisation, noch als eine politische Organisation oder als eine Menschenrechtsorganisation verstanden. Sie fühlte sich einzig und allein der humanitären (Not)hilfe verpflichtet.
    Bezüglich der Finanzen und internen Kontrollmechanismen der IHH möchte ich betonen, dass wir als Vorstand zur Vorbeugung einer Zweckentfremdung unsere Aktivitäten und Ausgaben von einem Kuratorium haben überprüfen lassen. Neben dem Kuratorium wurde die IHR von einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft kontrolliert.
    Wir überprüfen mit eigenen Mitarbeitern, dass unsere Hilfsleistungen nicht zweckentfremdet und sinnvoll eingesetzt werden.

    Und ich schwöre, wir hätten auch jüdischen Menschen geholfen, wenn sie Hunger, Durst und Not erlitten hätten. Was den Christen das Prinzip der Nächstenliebe ist, ist den Muslimen das Prinzip der Barmherzigkeit. Daraus wächst unser Selbstverständnis, unser Idealismus und unsere Motivation zu helfen. Mit der helfenden Hand sind wir als Muslime stets bestrebt, das Wohlwollen des Schöpfers zu erlangen. Das ist der Grund gewesen, warum ich fast wöchentlich von Hamburg nach Frankfurt gefahren bin. Materielle Dinge habe ich dafür nicht bekommen.

    Nun ist dieser wunderbare Verein seit vorgestern verboten, der seit seiner Gründung weltweit in über 80 Ländern der Welt über 670 Wasserbrunnen, 10 Waisenhäuser für 4600 Kinder, eine Schule für 2000 Kinder in Äthiopien gebaut und weitere 3 in Sierra Leone, Nigeria und Haiti begonnen bzw. geplant hatte. Seit vorgestern kommt auch den 3.200 Waisenkindern und Hunderten von obdachlosen Familien im Gaza-Streifen keine Hilfe mehr zu. Wir können auch keine Oliven- und Orangenbäume mehr im Gaza-Streifen pflanzen, was die Existenzgrundlage für viele enteignete Bauern darstellt. Wir können auch keine Katarakt-und Zahnscreenings mehr in Afrika durchführen. Wir können keine Nahrungsmittelpakete in Kriegs- und Katastrophengebiete mehr senden. 60.000 von insgesamt 90.000 Euro an Spenden für eine Schule in Haiti hat der Bundesinnenminister nebst unserer Zentrale im Wert von über einer Mio. € beschlagnahmt sowie rund 700.000 € auf unseren Konten. Ob Tsunami, ob Erdbeben, ob Flut oder Hunger; die IHH war fast überall zugegen, wenn es „brannte”. Und immer an der Seite der Opfer, der Bedürftigen und Notleidenden.

    Nun ist der Spendierfreudigkeit von 2700 Fördermitgliedern und ca. 14.000 Einmalspendern ein Riegel vorgeschoben worden.
    Meine Damen und Herren,
    Sie können sich vorstellen, dass ich und die vielen ehemaligen Mitarbeiter, Freiwilligen und Spender mehr als verärgert sind über die schändliche, ungerechte, inhumane und rechtswidrige Entscheidung des Bundesinnenministers.

    Er bestraft in erster Linie die bedürftigen Menschen in der ganzen Welt, die wir seit Jahren mit Nahrung, Kleidung, Wasser, Medikamenten und Geld für eine vernünftige Ausbildung von Waisen und armen Kindern versorgt haben. Der Imageschaden für Deutschland in der ganzen Welt, aber vor allem in der islamischen, ist unermesslich groß. Der Eindruck in der islamischen Welt ist unisono der, dass sich die deutsche Regierung zum willfährigen Vollstrecker der aggressiven israelischen Besatzungspolitik macht und mit dem Argument „aus historischen Gründen” sich bedingungslos und unbegrenzt bevormunden, ausbeuten und mundtot machen lässt.

    Denn, dass sich die israelische Regierung massiv in die deutsche Innenpolitik einmischen wollte, ist der Inhaftierung und dem Verhör unseres ehemaligen Mitarbeiters durch die israelischen Sicherheitskräfte im Februar 2010 zu vernehmen, als er trotz mehrfachen Ersuchens um ein Visum für Israel keine Unterstützung durch das Auswärtigen Amt erhielt, um die zweckmäßige Verwendung der IHH-Spenden in Hebron und Gaza überprüfen zu können. Stattdessen reiste er als auf eigene Faust nach Hebron und wurde dort prompt festgenommen, zwei Wochen lang inhaftiert und verhört.
    Dieses vorausgeschickt, möchte ich nun konkret zu den Vorwürfen des Bundesinnenministers in seiner Verbotsverfügung und auf seiner Homepage nehmen.

    Er behauptet darin, dass sich die IHH-Aktivitäten „gegen den Gedanken der Völkerverständigung” gerichtet hätten. Auf seiner Homepage reduziert er das vielfältige Wirken der IHM allein auf den Begriff „HAMAS-Spendenverein”. Dies ist exemplarisch für die scheuklappenähnliche Wahrnehmung des Bundesinnenministers. Unsere humanitäre Leistung wird nur auf Gaza beschränkt, dabei werden mehr als 3/4 unserer Hilfsleistungen außerhalb von Gaza verteilt.

    Im Übrigen steht der Bundesinnenminister mit seiner Entscheidung auf EU-Ebene allein auf weiter Flur. In den Niederlanden, Dänemark, Belgien und Österreich existieren die IHH-Filialen weiterhin. Offensichtlich teilen die Nachbarn nicht die Meinung von Herrn de Maiziere.

    Meines Erachtens hätte die IHH für ihre besonderen fast ausschließlich ehrenamtlich erbrachten humanitären Verdienste mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet werden müssen. Denn die IHH hat mit ihren aus Deutschland stammenden Spenden und Spendern für ein weltweites positives Ansehen der Bundesrepublik und ihrer spendierfreudigen Bürger beigetragen. Das ist Völkerverständigung pur.
    Offensichtlich aber steht Herr de Maiziere den Status quo in Palästina als eine gerechte und friedliche Ordnung an, in der Israelis sich auf Kosten der Palästinenser alles erlauben dürfen und die Palästinenser sich gefälligst mit ihrem minderwertigen Dasein abzufinden hätten, denn in der Verfügung heißt es: „HAMAS übt Gewalttaten gegenüber Israel und israelischen Staatsbürgern aus und beeinträchtigt dadurch die friedliche Verständigung des israelischen und des palästinensischen Volkes”. Man könnte den Eindruck gewinnen, Israelis verteilten nur Rosen an die Palästinenser, während die Palästinenser diese Geste mit Kassam-Raketen erwiderten. Er verkennt offensichtlich Ursache und Wirkung des palästinensischen Dramas. Es ist makaber, dass der Bundesinnenminister diejenigen, die Waisenkinder versorgen, bestraft, statt diejenigen zu kritisieren, die Kinder zu Waisen machen.

    IHH hat das Existenzrecht Israels nie in Frage gestellt. Insofern ist es absolut lächerlich, die IHH in die Ecke von HAMAS zu stellen und sie willkürlich politisieren zu wollen. Es ist infam und ungeheuerlich, dem Vorstand der IHH zu unterstellen, „dass die Leiter des IHH-Vereins sich mit der HAMAS einschließlich der von dieser Organisation ausgehenden Gewalttaten identifizieren.”
    Palästina ist eine Wunde im Herzen der ganzen islamischen Welt. Angesichts dessen gibt es auf der ganzen Welt keine einzige islamische Hilfsorganisation, die es sich leisten kann, das Leid der Palästinenser zu übergehen. Daher hat sich die IHH wie viele andere islamische oder nationale oder internationale Hilfsorganisationen massiv aber eben nicht nur in Palästina eingesetzt. Wer heute in Gaza etwas auf die Beine stellen will, muss sich zumindest den Segen der demokratisch gewählten HAMAS-Regierung in Gaza einholen. Da die IHH keine Auslandsbüros unterhielt, ist sie wie in anderen Teilen der Welt auf Partnerorganisationen angewiesen. Unsere Partnerorganisationen sind in den Ländern, wo wir tätig sind, hoch angesehen.

    Die IHH hat sich in Gaza die „Islamic Society” als Partner ausgesucht, weil sie dort vielfältige soziale Aktivitäten unterhält wie Schulen, Krankenhäuser und soziale Unterstützung für Bedürftige. Warum ist es denn nicht verwerflich, wenn westliche oder internationale Hilfsorganisationen im Sinne der humanitären Hilfe dort auch mit HAMAS nahen Organisationen kooperieren wie das Internationale Rote Kreuz oder die UN. Dieser Logik nach müssten auch diese Organisationen verboten werden, weil sie die HAMAS entlasten. Es ist der reinste Zynismus, dass der Bundesinnenminister auf seiner Homepage behauptet, dass durch die Aktivitäten der IHH im humanitären Bereich „zum anderen das Gesamtbudget der HAMAS entlastet wird, so dass ihr mehr Mittel für terroristische Aktivitäten zur Verfügung

    stehen. Damit leistet die IHM dem Terror und der Gewalt in den palästinensischen Gebieten Vorschub.”
    Wie der Abgeordnete der LINKEn Wolfgang Gehrcke richtig festgestellt hat, „ist diese Begründung absurd. Jedes Medikament, das in den Gazastreifen geliefert wird, jedes Lebensmittel würde in dieser Logik die Hamas entlasten und ihr Geld für Waffenkäufe belassen. So gesehen müsste man die Bevölkerung sterben oder verhungern lassen, um die Hamas nicht zu unterstützen. Das ist menschenunwürdig. Dadurch kann auch die falsche Politik der Hamas nicht überwunden werden. Organisationen, die humanitäre und soziale Hilfe für die Palästinenserinnen und Palästinenser leisten, bedürfen der Unterstützung der Regierung nicht ihres Verbots.”

    Wer im humanitären Sektor tätig ist, weiß, dass man gerade in unsicheren Ländern hin und wieder Kompromisse schließen muss und u.U. auch mit unliebsamen Menschen oder Organisationen kooperieren muss, um die humanitäre Hilfe zum Ziel, d. h. an die Bedürftigen, zu bringen. Diese Erfahrung haben wir in vielen Teilen der Welt machen müssen.

    Ich verurteile diesen unglaublichen Akt staatlicher und politischer Willkür. Mit dieser Verbotsverfügung ist der Bundesinnenminister auf dem besten Wege, weltweit und hierzulande die Glaubwürdigkeit an eine moderne freiheitlich-demokratische Grundordnung zu unterhöhlen, die Gesellschaft zu polarisieren und am Ende aus dem Musterland eine Bananen-Republik zu bilden.
    Das Verbot der IHH steht in völligem Einklang mit der Politik des Bundesinnenministers, der es sich offensichtlich zur Lebensaufgabe gemacht zu haben scheint, alles um die IGMG herum zu kriminalisieren und zu marginalisieren. Zunächst die öffentlichkeitswirksame Durchsuchung der IGMG mit dem Versuch, die Führungsspitze zu kriminalisieren, um die IGMG gänzlich aus der Deutschen Islamkonferenz auszuschließen und jetzt in seinem repressiven Bemühen, einen unbequemen Gegner nebst nahestehenden Organisationen mit an den Haaren gezogenen Argumenten mundtot und handlungsunfähig zu machen.
    Letztendlich erweckt dieses Verbot den Eindruck, als sei der Bundesinnenminister entweder bequem oder feige, sich direkt mit uns auseinander zu setzten. Wenn es gefährliche Elemente gibt, muss eben gestritten werden, an Runden Tischen, auf Tagungen, in den Moscheen, im Rathaus, notfalls vor Gericht. Aber Deutschland kann es sich nicht leisten, einen großen Anteil der Muslime ins Abseits zu drängen, zu illegalisieren, ihre Zukunftsperspektiven zu frustrieren oder zu zerstören und Aufgebautes mit einem Wisch abzuwerten. Das bedeutet gesellschaftliche Spaltung und Desintegration, die viel gefährlicher ist, als die IGMG oder IHH jemals sein könnten. Unter Ausblendung der IGMG wird die Integrationsdebatte um die Muslime niemals zum Erfolg führen. Die Verinnerlichung des Grundgesetztes, die Demokratiereife, -fähigkeit und -bereitschaft in diesem Lande wird sich auch und in erster Linie an dem Thema Islam bzw. Muslime messen müssen.

    Ich gehe fest davon aus, dass diese Maßnahme keiner gerichtlichen Überprüfung eines Rechtsstaates standhalten wird. Jeder Bürger dieses Staates, der auch nur einen Hauch an Gerechtigkeitssinn besitzt, wird das Verbot im Vergleich zum bisher beispiellos gezeigten Engagement der IHH für Menschlichkeit für unverhältnismäßig und unmenschlich halten.
    Wir sind allen unseren bisherigen Unterstützern und Spendern unendlich dankbar.
    Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit

    Mustafa Yoldas
    ehem. Vorsitzender der IHH

    Vielleicht verbietet man demnächst sogar die Volksinitiative? Wer heute dazu schweigt, kann schon morgen der nächste sein.

  2. HAML

    Vielleicht verbietet man demnächst sogar die Volksinitiative? Wer heute dazu schweigt, kann schon morgen der nächste sein.

    Genau so, bravo. Hauptsache die eigene Meinung stimmt, nicht einmal hinterfragt, wo denn die verbreitete Meinung her stammt. Palin ist geleitet und angewiesen worden, wie alle s.g. Meinungsträger vom Satan, der natürlich hier eine komplizierte Debatte führen will, so dass es niemend mehr versteht, aber letzlich doch, hoch im Anspruch steht. Selbst so gescheite Leute wie Elsässer fallen drauf rein. Das ist blöd, weil so, wie hier, lassen sich sicher nicht die Palins und Fischers und Merkels und Bushs entlarven.

  3. Jenny

    Also ich persönlich tue mich sehr sehr schwer im Nahostkonflikt für eine der beiden verfeindeten Lager Partei zu ergreifen.
    Nach sechzig Jahren mehr oder minder Dauerkrieg (ist der Krieg zwischen Palästinenser und Israelis eigentlich der längste aller Zeiten, weiss das wer?), glaube ich, ist den verschiedenen Filmen, Bildern und Tonmitschnitten grundsätzlich zu mißtrauen. Dieser Krieg dauert schon viel zu lange, als daß eine der beiden Seiten die Wahrheit gepachtet hätte und etwas anderes verbreiten würde als Lügenpropaganda.
    Wenn eines Tages tatsächlich einmal eine Zweistaatenlösung möglich sein sollte, müsste man zwischen Palästina und Israel eine symbolische Mauer aufziehen, die jedes Jahr um eine Reihe abgetragen, also kleiner, wird. Erst wenn auf beiden Seiten keine direkt oder indirekt von den jetzigen kriegerischen Auseinandersetzungen Betroffenen mehr leben, sollte die Mauer ganz verschwunden und eine Nachbarschaft auf gleicher Augenhöhe wieder möglich sein.
    Aber das ist wohl – leider! – alles pazifistische Zukunftsmusik.

  4. Jenny

    Wenn, wie oben beschrieben, „İnsan Hak ve Hürriyetleri ve İnsani Yardım Vakfı“ während des jugoslawischen Bürgerkrieges den muslimischen Bosniaken zu Hilfe eilte, war die Organisation dann automatisch mit dem Antiserben Izetbegivoc verbandelt? Wissen Sie das zufällig, Herr Elsässer?

  5. Ketzer

    israel aims its warheads at europe
    google
    http://www.google.com/search?&q=israel+aims+its+warheads+at+europe

    Wäre das nicht mal ein Thema für einen Bestseller?

  6. @Jenni:

    “Wenn, wie oben beschrieben, „İnsan Hak ve Hürriyetleri ve İnsani Yardım Vakfı“ während des jugoslawischen Bürgerkrieges den muslimischen Bosniaken zu Hilfe eilte, war die Organisation dann automatisch mit dem Antiserben Izetbegivoc verbandelt? Wissen Sie das zufällig, Herr Elsässer?”

    Das weiß ich nicht (ich heiße auch nicht Elsässer), aber auf jeden Fall ist das eine unzulässige Kausalkette. Denn die – in Deutschland – verbotene Organisation war ebenfalls nicht automatisch mit Hamas “verbandelt”, nur weil sie den Bedrängten im Gazastreifen half, übrigens nicht nur denen. Genausowenig muss das mit der anderen der Fall gewesen sein. Und selbst wenn – ist das jetzt schon grundsätzlich ein Verbrechen, Muslimen zu helfen?

    Ja der Krieg und die Besatzung dauern schon viel zu lange, da gebe ich Ihnen Recht, und das nur, weil der Westen so lange Israel geduldet und gefördert hat, weil er seinen Außenposten des Finanzkapitals mitten in der islamischen Welt nicht aufgeben will.

    Zu besseren information lesen Sie mal ein paar Texte bei “Palästina spezial”. Am besten alle.

    http://www.muslim-markt.de/Palaestina-Spezial/index.html

  7. @Ketzer:

    “Wäre das nicht mal ein Thema für einen Bestseller?”

    auf jeden Fall. Aber ich fürchte, das will hier in Deutschland (noch) keiner wissen, Israel sind doch die “Guten”.

  8. Muslim from Germany

    @ Jenny

    “Also ich persönlich tue mich sehr sehr schwer im Nahostkonflikt für eine der beiden verfeindeten Lager Partei zu ergreifen.”

    ——————————————————————–
    Das ist auch nicht nötig, es reicht vollkommen aus Partei für die Gerechtigkeit zu ergreifen.

    Und das bisschen Filmmaterial, was von ARTE, WDR, 3SAT usw. ausgestrahlt wurde, um die verbrecherische Haltung der israelitischen Regierung zu dokumentieren, übertrifft alles, was der Hamas an Untaten zugeschrieben wird oder tatsächlich begangen hat. Dieses Filmmaterial wiederum als Fake ab zu stempeln, soweit ich Ihre Bedenken verstanden habe, halte ich nicht für nachvollziehbar.

    Selbst ehemaliges, jüdisches Militärpersonal geht inzwischen an die Öffentlichkeit, weil es für sie selbst unerträglich ist, mit ihren Erkenntnissen unausgesprochen weiter zu leben.

  9. Ketzer

    Und das bisschen Filmmaterial, was von ARTE, WDR, 3SAT usw. ausgestrahlt wurde, um die verbrecherische Haltung der israelitischen Regierung zu dokumentieren, übertrifft alles, was der Hamas an Untaten zugeschrieben…

  10. @Jürgen Elsässer:

    Wie wars denn eigentlich in Potsdam, gibts darüber auch mal was auf dem blog hier? Wär ja auch mal interessant.

  11. Steppenwolf

    Nachtrag zum willkürlichen Verbot der türkischen Hilfsorganisation IHH: der orthodoxe Jude Reuven Jisroel Cabelman schrieb einen lesenswerten Brief an Innenminister de Maizière:

    http://derisraelit.blogspot.com/2010/07/brief-den-bundesminister-des-innern_22.html

    die nichtssagende Antwort aus dem Ministerium:
    http://derisraelit.blogspot.com/2010/08/das-bundesministerium-des-innern.html




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