Diesjährige Konferenz der Wirtschaftsbosse an der Costa Dorada. Von Jürgen Elsässer
Es war schon immer seltsam, wenn nicht verdächtig, dass über die private Wirtschaftskonferenz zu Anfang jedes Jahres in Davos in den Medien breit berichtet wurde, aber die Konferenzen der Trilateralen Kommission und der Bilderberger ignoriert – mit dem Hinweis, das seien private Treffen. Dieses bewußte Wegsehen gab allen denen Recht, die von einer Omerta sprachen, von einem Schweigegelübde – wie bei der Mafia.
Mittlerweile gibt es aber Mainstream-Medien, die das Schweigen nicht mehr mitmachen, und dazu gehören der britische Guardian und die FAZ. Kann gut sein, dass die sauberen Vor-Ort-Recherchen, die Internet-Guerillas letztes Jahr in Griechenland und dieses Jahr in Spanien geleistetet haben, dazu beigetragen haben. Der Guardian nennt jedenfalls Alles-Schall-und-Rauch lobend.
Die FAZ berichtet in ihrer Montagsausgabe süffisant, aber nicht läppisch. Da will durchaus einer warnen. Zu Anfang heißt es über die Teilnahme des spanischen Premiers:
„Dem spanischen Ministerpräsidenten José Luis Rodríguez Zapatero muss jemand rechtzeitig das amerikanische Bonmot zugeflüstert haben: „Wenn du nicht mit am Tisch sitzt, stehst du wahrscheinlich auf der Speisekarte.“ So brach er am Wochenende an die katalanische Goldküste auf, um in Sitges der exklusiven Bilderberg-Gruppe zu versichern, dass er nun die finanzpolitischen Hausaufgaben mache, die ihm die europäischen Partner und der Internationale Währungsfonds auferlegt hätten.“
Und weiter: „Zapateros diskreter, nach den Regeln des Bilderberg-Klubs weder bestätigter noch dementierter Auftritt, kam keinen Tag zu früh. Denn abermals drohte Ungemach. Im vorigen Jahr hatte sich die diskrete Runde von Wirtschaftsmagnaten, Medienzaren, ehemaligen und amtierenden Politikern, Militärs und Monarchen in der Nähe von Athen getroffen. Anschließend ging es mit Griechenland bergab.“ Da wird ein Zusammenhang referiert, der es in sich hat!
Die FAZ referiert die Geschichte der exklusiven Vereinigung und berichtet von Merkels früherer Teilnahme: „Die Bilderberger, zu denen auch die Rockefellers und Agnellis, Helmut Schmidt und Henry Kissinger sowie die Spitzen von Coca-Cola, Shell und allerlei Großbanken gehören, pflegen ihre diskreten Jahrestagungen schon seit über einem halben Jahrhundert. Prinz Bernhard der Niederlande hatte nach dem Zweiten Weltkrieg im Jahr 1954 die Initiative für eine europäisch-amerikanische Begegnung der Eliten ergriffen und in sein Hotel Bilderberg in Oosterbeek eingeladen. Der Name blieb, nur der Ort wechselte fortan. Gewöhnlich wird der Regierungschef des Gastlandes hinzugebeten, so wie Bundeskanzlerin Merkel vor fünf Jahren.“ Vor fünf Jahren – also vor der Bundestagswahl 2005 …
Auch die aktuelle Teilnehmerliste reicht die FAZ in Auschnitten weiter:
„Es entbehrte nicht der Ironie, dass unter den Zuhörern – eingerahmt von den Königinnen Sofía und Beatrix, reichte der Bogen angeblich von Bill Gates über Rupert Murdoch, George Soros, Jean-Claude Trichet, Timothy Geithner und Dominique Strauss-Kahn bis zu Josef Ackermann – auch sein ehemaliger erster Stellvertreter Pedro Solbes saß.“
Über den spanischen Kommunisten Cayo Lara heißt es:
„Er warf dem Sozialisten Zapatero vor, jetzt im eigenen Land vor den „internationalen Finanzterroristen“ in die Knie gegangen zu sein. Die Bilderberger seien nicht die Lösung, sondern das Problem, weil sie schließlich den ganzen Schlamassel angerichtet hätten.“
Die vollständige Teilnehmerliste findet sich bei Alles Schall und Rauch. Frontman Freeman war mehrere Tage in Sitges und hat in Text und Bild berichtet. Bravo!
Was mir bei der Liste auffällt: Von der deutschen Wirtschaft sind die wichtigsten da, mit Ackermann an der Spitze. Aber aus der deutschen Politik sehe ich nur den SPD-Mann Olaf Scholz, keine sehr bedeutende Figur. Was das wohl zu bedeuten hat? Ist Merkel schon out?
Jedenfalls: Dass Spanien das zentrale Thema bei den Bilderbergern war, deutet auf weitere Stürme in der Euro-Zone hin. Deswegen nicht verpassen: Die Veranstaltung “Bye bye,USA? Bye, bye Euro?” am Freitag 11.6. in Berlin, Russisches Haus, Friedrichstraße 176 mit Karuscheit, Elsässer, Feist.









<a 
“Ist Merkel schon out?”
Das kann man aus ihrer Abwesenheit nicht schließen, außerdem ist dieser Elitezirkel immer ein wenig seiner Zeit voraus. Es ist eher umgekehrt: wenn ein aktueller Bundeskanzler bei Bilderberg ist, kann das sein nahes Ende bedeuten. Nur zwei Wochen, nachdem Gerhard Schröder als amtierender Bundeskanzler inkognito (nebst Oppositionsführerin Angela Merkel) ein BB-Treffen besuchte, kündigte er die Neuwahlen an, die seine Amtszeit schließlich beendeten.
Aktuelle Regierungschefs nehmen eher selten an BB-Treffen teil (vermutlich um potenzielle Kalamitäten zu vermeiden), wohl aber politische Hoffnungsträger. Seit Helmut Schmidt war JEDER Bundeskanzler vor seiner Kandidatenkür und Wahl bei den Bilderbergern, man könnte deshalb vermuten, sie seien alle dort ausgewählt worden (in der folgenden Quelle fehlt zwar der entsprechende Eintrag von Gerhard Schröder, aber eine andere Quelle gibt an, auch er sei zuvor dort gewesen). Was Olaf Scholz betrifft, so muss man ihn jetzt als einen heißen Kandidaten für eine zukünftige Kanzlerschaft betrachten.
http://www.flegel-g.de/bilderberger-deutsche-01.html
Übrigens freue ich mich, dass man heute endlich öffentlich über Bilderberg reden kann, ohne als Spinner und Verschwörungstheoretiker abgetan zu werden.