Patriotismus ist nicht Nationalismus
Auszug aus Domenico Losurdo, “DIE DEUTSCHEN”. Buchpremiere am 9. April, 20 Uhr, Russisches Haus Berlin, Friedrichstr. 176
Losurdos Buch in der von mir herausgegebenen Reihe COMPACT mit dem Titel “DIE DEUTSCHEN. Sonderweg eines unverbesserlichen Volkes?” (112 Seiten, 7.50 Euro) beschaeftigt sich mit den Mythen und Verdrehungen der Antideutschen, die mittlerweile auch in der Linken auf dem Vormarsch sind. Streng unterscheidet er eine patriotische Orientioerung, die er befuerwortet, von einem Nationalismus, der sich ueber andere Voelker erhebt. – Die COMPACT-Buchpremiere am 9. April wird eine wichtige Debatte befoerdern!
Auszug aus dem Buch:
Verständlich ist, daß dieser Diskurs in Deutschland auf einen besonderen Widerstand trifft: hier hat der Imperialismus mit dem Nazismus eine besonders barbarische Form angenommen. Wie ist das zu erklären? Ein vortreffliches Motto Tocquevilles kommt einem hier in den Sinn: »Wer nur Frankreich gesehen und untersucht hat, wird niemals etwas (…) von der französischen Revolution verstehen« (L’Ancien Régime et la Révolution, 1. Kap., 4). Auch auf die Untersuchung der nazistischen Konterrevolution muß dieses Kriterium angewandt werden, das in Wahrheit für alle großen historischen Krisen gilt. Das »Dritte Reich« hat die Abscheulichkeiten einer langen Tradition des Kolonialismus und Rassismus übernommen und radikalisiert, die jahrhundertelang das Wüten des Westens gegen die »niederen Rassen« zum Protagonisten hatte. Der Nazismus hat sich auf diese Tradition berufen, und wer seine Aufmerksamkeit ausschließlich auf Deutschland lenkt, wird niemals in der Lage sein, den Horror des Hitlerregimes zu erklären.
Wagner ((ein DKP-Autor, der Losurdo vorher kritisiert hat)) vermeidet es nicht nur, über die Grenzen Deutschlands hinauszublicken, sondern er nimmt, statt eines bestimmten politisch-sozialen Systems, »die Deutschen« als solche ins Visier. Aber wer sind die Deutschen? War die Nation nicht eine Halluzination? Seine eigenen Voraussetzungen schmähend, brandmarkt Wagner »die deutsche Schuld am Nazifaschismus«; die »ganz gewöhnlichen Deutschen« werden als »verantwortliche Täter und Mittäter der faschistischen Verbrechen« abgestempelt. Eine gewisse Linke reanimiert den Begriff »Nation« nur dann, wenn es sich um die pauschale Verurteilung der Deutschen handelt, und sie entdeckt ihn, indem sie ihn als Synonym für eine undifferenzierte Masse interpretiert! Vergessen sind die Deutschen, die ihr Leben zunächst für die Verhinderung der nazistischen Machtergreifung, und später für den Widerstand gegen das »Dritte Reich« geopfert haben; vergessen sind die deutschen Opfer des deutschen Faschismus.
Wagner empört sich über meine Behauptung, daß sogar die Deutschen im Verlauf des unerbittlichen Kampfs um die Weltherrschaft einen Rassisierungsprozeß durchgemacht hätten. Für einen Marxisten sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, daß der Imperialismus zur Rassisierung seiner Feinde übergeht und daß die Rassisierungsprozesse niemanden aussparen. »Mein Kampf« spricht von Frankreich als von einem »Mulattenstaat«. Nach Pearl Harbour ist in den Vereinigten Staaten die Überzeugung verbreitet, daß der »Schädel« der Japaner eine Verspätung von »zirka 2 000 Jahren« aufweise. Auf der Gegenseite hat im Ersten Weltkrieg die Entente die Deutschen insgesamt als »Hunnen« und »Wandalen« abgestempelt. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs hat F. D. Roosevelt einen Augenblick lang mit der Versuchung der »Kastration« des »deutschen Volks« geliebäugelt. Sind das nicht auch Rassisierungsprozesse? Wo ist also der Skandal? Eine gewisse Linke proklamiert gern, daß sie sich nicht von Diskursen über phantomartige Nationen ablenken lasse, weil sie sich ausschließlich dem Klassenkampf widme: nur daß diese Linke, wenn es sich darum handelt, den Wahnsinn und den Horror der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu analysieren, nur eine einzige Erklärung findet, und zwar die der besonderen und fortwährenden Niedertracht der deutschen Nation! (…) Zum Schluß: Kann man sich in der heutigen Welt orientieren, wenn man den Begriff »Nation« ignoriert oder liquidiert? Lang ist die Liste der Völker und der Länder, die einer militärischen Okkupation unterworfen oder direkt von der Aggression seitens des Imperialismus bedroht sind oder die versuchen, die neokoloniale Vormundschaft der Monroe-Doktrin abzuschütteln. Außerdem müssen wir an Länder wie China, Vietnam, Kuba erinnern, die große Kämpfe nationaler Befreiung hinter sich haben (die von den jeweiligen kommunistischen Parteien angeführt wurden) und die jetzt darum bemüht sind, die politische Unabhängigkeit mit der ökonomischen Unabhängigkeit zu vervollständigen, wobei sie sich mit der Politik des technologischen Embargos oder des totalen Embargos seitens Washingtons konfrontiert sehen. In allen diesen Fällen sind das nationale Bewußtsein und der nationale Kampf ein wesentliches Element des Emanzipationsprozesses.
Wenn sich in den Vereinigten Staaten die aggressivsten Kreise des Imperialismus internationalists nennen, bezeichnen sie als Nationalisten die Länder, die ihre nationale Souveränität verteidigen wollen. Der nationale Nihilismus begünstigt im Endeffekt dieses Manöver. Die Linke ist hingegen dazu aufgerufen, einen wesentlichen Punkt zu klären: Gibt es einen Unterschied zwischen der Verteidigung der nationalen Unabhängigkeit und einem aggressiven Chauvinismus? Wir haben es mit zwei ganz unterschiedlichen Einstellungen zu tun: Die eine ist universalisierbar, die andere nicht. Die Anerkennung der Würde einer Nation ist perfekt kompatibel mit der Anerkennung der Würde der anderen Nationen. Nicht universalisierbar ist dagegen die von Bush jr. gepflegte Anschauung, wonach die USA die »von Gott auserwählte Nation« seien, die die Aufgabe habe, die Welt anzuführen, eine Anschauung, die nur zu furchtbaren Konflikten führen kann. Heutzutage wird der fanatischste Chauvinismus von den Vereinigten Staaten repräsentiert, und diesem Chauvinismus (oder Imperialismus) muß mit dem Kampf um die Gleichheit der Nationen begegnet werden.









<a
März 31, 2010 at 20:21
Heutzutage wird der fanatischste Chauvinismus von den Vereinigten Staaten repräsentiert, und diesem Chauvinismus (oder Imperialismus) muß mit dem KAMPF um die GLEICHHEIT der Nationen begegnet werden.
Bravo, dieser Satz ist so Revolutionär und deckt sich mit der islamischen Auffassung von Nation! Gleichwertig und Gleich sein. Sein was man ist, ob nun Diktat oder Umerziehung etwas anderes wünschen, in der Tat ein ganz wichtiges Thema deutscher Nachkriegsidentität!
“Heimatliebe/verbundenheit, Patriotismus, diese gesunden Reflexe von gesunden Menschen wollte man dem Kriegsverlierer Deutschland ein für alle mal austreiben. Die USA die während des 2 ten Weltkrieges einen abgrundtiefen Rassismus gegen nicht Weise im eigenen Land praktizierte, spielte sich als antifaschistischer Saubermann gegen D-Land auf. Und jene die Deutschen ein “Gen” oder einen Hang zum Nazismus unterstellten, waren selbst Nationen mit chauvinistischen Tendenzen wie die Briten mit ihrem Welteroberungsplan(Arbeitnehmer/Arbeitgebervölker
gedanken.
Nur wer sich kennt, kann andere Kennenlernen, wer seine Identität pflegt, bewahrt und Lebt, der kann entspannt und Selbstbewusst ohne chauvinistische Reflexe anderen Nationen begegnen.
Das Verbot des “Deutschsein” durch Alliertenpropaganda und Jahrzehnter zionistischer Lobbyarbeit, verursachte 2 Tendenzen im Deutschen Volk.
1) Hinnahme der Identitätsauslöschung, bishin zur Selbstverleumdung und Selbstzerfleischung
2) Übertreibung in der Wahrnehmung seiner eigenen Existenz bis hin zum Chauvinismus und Nationalismus mit faschistoiden Tendenzen.
Fruchten die Gedanken, das Deutschland eine Nation sein kann wie all die anderen Nationen auf dieser Erde auch, völlig entspannt, dann erlebt Deutschland eine Renaissance des Nationaldenkens und kann so alle Irrtümer und gemachten Fehlentwicklungen die im dritten Reich gemacht worden sind, überwinden.
Sämtliche Nationen leiden an dem gefährlichen Virus des Chauvinismus und bei ausnahmslos allen Nationen kann der Virus jederzeit die gleichen Symptome aufweisen, wie einst im Hitlerdeutschland.
Ich wünsche mir, das man irgendwann sagen kann “Deutschland erwache!” nur eben nicht als regenerierter neofaschistischer Staat, sondern als wachgewordene, selbstbewusste, eben wie jedes andere Volk seiende Nation, wie die Geschichte sie geformt hat, bevor der Nazismus, Deutschlands Identität auf jene diese wenigen Jahre deutscher Geschichte reduzierte!
Es wird Zeit für solche Gedanken!
März 31, 2010 at 21:20
Die Berufung auf den Patriotismus, auf die ‘Würde der Nation’, kann unter bestimmten Umständen gerechtfertigt sein. Zum Beispiel, wenn
1. Ein Land einen nationalen Befreiungskrieg gegen ein imperialistisches, raubgieriges Land führt, wie dies in Vietnam und anderen Ländern der Fall war, weil es dann gilt, alle Kräfte gegen den Aggressor zu mobilisieren;
2. Wenn eine Nation im Werden begriffen ist, ihr die Entstehung verweigert wird, was im ausgehenden Feudalismus in Deutschland Mitte des 19. Jahrhunderts der Fall war. Damals kämpften die deutschen Demokraten auf den Barrikaden Dresdens (1849) gegen preußische und sächsische, königstreue Soldaten, für eine freie deutsche Republik und eine fortschrittliche Reichsverfassung, und man tat dies auch und gerade mit nationalen Parolen, um das reaktionäre feudale Joch abzuschütteln.
Aber heute, 2010??
Deutschland hat seine nationale Frage gelöst und Deutschland führt keinen nationalen Befreiungskrieg gegen die USA, sondern ist deren Juniorpartner, mischt mit in Afghanistan, mischte mit im Irak (!) und versucht im Rahmen der EU, zusammen mit Frankreich, kleineren Staaten wie Irland oder Portugal seinen Stempel aufzudrücken, siehe Lissaboner Vertrag, der die deutsch-französische Vorherrschaft in Europa verewigen soll.
In einer solchen Situation den Patriotismus zu beleben, zu beschwören, ist nicht angebracht, weil er gegen die unterdrückten, schwächeren Länder ins Feld geführt werden kann, wenn sich die Krise weiter zuspitzen sollte, die EU auseinanderdriftet und der Nationalismus, der reaktionäre, wohl gemerkt, dann wiederbelebt werden würde – von ganz offizieller Seite!
Und ich möchte noch einen weiteren, nur scheinbar weniger politischen Punkt ins Feld führen:
Erich Fromm schrieb schon zu Beginn der 50iger Jahre in seinem Buch ‘Die Pathologie der Normalität’ Folgendes über den Patriotismus:
“Meines Erachtens gibt es keinen Grund, es als Tugend anzusehen, wenn jemand sein Land für wunderbar hält, solange wir davon überzeugt sind, dass es auch nicht tugendhaft ist, wenn jemand sich selbst für wunderbar hält … Behaupte ich aber: ‘Mein Land ist wunderbar!’, dann wird dies als sehr klug und tugendhaft angesehen. In Wirklichkeit ist es nur ein Ausdruck von Egozentrismus und von einem Mangel an echtem Interesse, wenn sich jemand mit derartigen Behauptungen zufriedengibt, ohne danach zu fragen, was falsch läuft, um sich damit zu befassen.”
(Erich Fromm, ‘Die Pathologie der Normalität’).
Beschäftigen wir uns damit, was in diesem Land falsch läuft, was mit der linken Bewegung falsch läuft und was vor allen Dingen mit uns SELBST falsch läuft, statt nach abstrakten Konzepten zu rufen!
März 31, 2010 at 22:19
Einige Anmerkungen zur deutschen Geschichte:
Gründe der Abneigung des angelsäschsischen Liberalismus gegen Deutschland:
http://www.vergessene-buecher.de
http://deutscher-freiwirtschaftsbund.de/2009/10/12/die-unbequeme-nation/
Die unbequeme Nation
Im Jahre der 2000sten Wiederkehr der Schlacht bei Kalkriese, auch Hermanns- oder Varusschlacht genannt, ist es angebracht zu untersuchen, was Römer und andere fremde Mächte von den Deutschen und in ihrem Land wollten. Es ist bekannt, daß der Kampf zwischen Deutschen und Rom über 400 Jahre weiterging und mit dem Untergang des römischen Imperiums endete.Schon vor der letzten Entscheidung kam eine andere Macht empor, die in der Eroberung und Unterwerfung der deutschen Nation mehr Erfolg hatte: Die Kirche. Aber auch sie hat bis heute nur teilweise gesiegt und im 1500jährigen Kampf mit der deutschen Nation viele Rückschläge erlitten.Das Buch enthüllt unbekannte Zusammenhänge zwischen Religion/ Christentum, Landraub, Geld, Priestertum und Kapitalismus – Einflüsse, die entweder von allen Historikern verschwiegen, nicht beachtet oder nicht verstanden worden sind. Diesen Spuren wird im Buch nachgegangen, wobei der Verfasser geradezu sensationelle Ergebnisse aufzeigt. Priesterbünde üben ihre Herrschaft nicht nur über die Seelen, sondern auch das materielle Dasein der Menschen und die Volkswirtschaft durch ihre Geldmacht aus. Es stellt sich heraus, daß es Konjunktur und Rezession seit Jahrtausenden gibt und dem Menschengeschlecht schwer geschadet hat.Aber damit dürfen wir uns nicht abfinden. Jedes Wirtschaftssystem und jede Religion ist Menschenwerk; kann zerstört oder verändert werden, und Machthaber sind auch sterblich.Die deutsche Nation besaß vor dem Kampf mit dem Priestertum eine eigene, naturgemäße, ausbeutungsfreie Wirtschaftsordnung. Sie gilt es in moderner Form wieder herzustellen, damit der Mensch gedeihen und sich weiter entwickeln kann.
März 31, 2010 at 23:48
Ich lese das Buch des italienischen Marxisten Losurdo “Die Deutschen” mit großem Interesse.Er stellt dar, dass sich der Nazismus niemals ohne Hilfe und Unterstützung amerikanischer Antisemiten groß geworden wäre wie z.B. Henry Ford, der das Werk “Der internationale Jude” in die Welt gesetzt hat, auf dass sich auch Himmler berufen hat, so wie auf “Die Protokolle der Weisen von Zion”, das angeblich eine Fälschung der zaristischen Geheimpolizei sein soll. Diese Legende hält sich bis heute recht hartnäckig.
Überhaupt gaben die USA den Nazis erst die Legitimation, so Losurdo, um in der Form den Gedanken der “Herrenmenschen” und des “Under man”(Untermenschen) in Umlauf zu bringen. Sie profitierten auch von dem Kolonialgedanken, der im 20.Jahrhundert weit verbreitet war. Gleichwohl verweist er endlich darauf, dass es die USA waren, die als erstes mit einer Art Holocaust angefangen haben, nämlich der Ausrottung der Indianer und Versklavung der Schwarzen. Dazu waren sie, der Autor zitiert mehrfach “Mein Kampf”, nach Meinung der Rassenideologen der NSDAP wie Hitler und Rosenberg, auch berechtigt, sie waren regelrecht begeistert von der Idee, dass der weiße Mann die Welt beherrschen soll (White suprecy). Sehr lesenwert!!!
April 1, 2010 at 14:51
Die Diskussion um das Nationalbewusstsein muss geführt werden, gerade in Deutschland. Jedes konstruktive Werk hierzu ist willkommen!
April 1, 2010 at 16:40
Patriotismus ist nicht Nationalismus. Das mag sein. Aber Nationalismus ist auch nicht Chauvinismus. Diese Gleichsetzung a priori ist nicht zulässig. Es gibt einen Nationalismus, der nicht chauvinistisch, nicht faschistisch und nicht rechts ist. Zahlreiche linksnational(stisch)e Bewegungen innerhalb und außerhalb Europas belegen das; man denke nur an den nordirischen Republikanismus oder die baskische Nationalbewegung, um nur zwei prominente Beispiele zu nennen. Diese Ausrichtung des Nationalismus ist im Grunde genommen auch seine originäre.
Mir gefällt diese Gleichsetzung vor allem deshalb nicht, weil sie dem Geist der VI widerspricht, der politischen Korrektheit und der damit verbundenen Halb- und Unwahrheiten entgegenzutreten, und weil aus dieser Perspektive manch interessente Anknüpfungspunkte mit der nicht-faschistischen, aber national orientierten Gruppierungen und Einzelpersonen ungenutzt bleiben.
April 1, 2010 at 17:58
Noch warte ich auf die Zustellung des Losurdo-Buches. Aber zum Thema angelsächsische Quellen der NS-Rassienideologie kann ich nur dringend empfehlen: Hermann Ploppa: Hitlers amerikanische Lehrer.
April 3, 2010 at 07:02
Das Buch Domenico Losurdos geht vermutlich auch auf seinen in den Marxistischen Blättern 01/2008 veröffentlichten Aufsatz zum Deutschen Sonderweg und die sich daran anschließende Diskussion vor allem mit Lorenz Knorr zurück.
Losurdo arbeitet m. E. vortrefflich heraus, dass es falsch ist, dem deutschen Sonderweg einen demokratisch-zivilisatorischen “Normalweg” der übrigen europäischen Nationen und der USA gegenüberzustellen. Deren Geschichte ist ebenfalls eine des Kolonialismus und auch für sie gilt, was Karl Marx über das Kapital schrieb:
es geht in seiner Genesis auf “Plünderung, Versklavung und Raubmord zurück”, es ist “von Kopf bis Zeh, aus allen Poren, blut- und schmutztriefend” zur Welt gekommen.
Der “deutsche Sonderweg” besteht darin, dass der deutsche Faschismus einen Exzess von Gewalt darstellt, der die Barbarei der anderen europäischen Nationen übertrifft und in Form der technologischen Rationalität der Vernichtung singulär ist.
Nun noch eine kurze Anmerkung zu richard sorge, der die USA als Geburtshelfer des NS bezeichnet.
Das Buch “Der internationale Jude” erschien Anfang der 1920er Jahre. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich die völkischen Parteien mit antisemitischer Ideologie längst etabliert. (Ich empfehle Reinhard Opitz, Faschismus und Neofaschismus, zu lesen.)
richard sorges Behauptung, “dass sich der Nazismus niemals ohne Hilfe und Unterstützung amerikanischer Antisemiten groß geworden” wäre, ist so dermaßen lächerlich, dass es nicht lohnt, sich damit zu beschäftigen. Es war immer noch das DEUTSCHE Kapital, das die NSDAP finanziert hat.
April 3, 2010 at 20:20
@Michael/Richard
Der deutsche Nazismus ist ein deutsches Gewächs. Aber der Faschismus ein internationales. Die Entstehung des internationalen Faschismus ging dem Nazismus voraus: Es waren die russischen Schwarzhundertschaften, die während der Ersten Russischen Revolution von 1905/7 zum ersten Mal den Faschismus gegen die revolutionären, antizaristischen Massen in Anschlag brachten. Typisch war für sie die schwarze Tracht, die die Faschisten in ganz Europa übernahmen. Die italienischen Faschisten, die das Symbol der römischen Kaiser (die Rutenbündel, die ‘fasces’) in ihr Emblem aufnahmen, haben dann den Namen Faschismus erfunden.
Der Faschismus/Nazismus ist eine Reaktion auf die revolutionären Bestrebungen in Europa, besonders in Russland und Deutschland, aber auch in anderen europäischen Staaten, wo es nach der Oktoberrevolution von 1917 überall gärte und Throne anfingen zu wanken.
Dass jedoch die Nazis nicht im luftleeren Raum standen und sich ihre Ideologie zusammengeschustert und dabei Rückgriff genommen haben auf das Geschreibsel ausländischer Nationalisten und Rassisten, wie das von Henry Ford, ist unbestreitbar.
Hier wäre noch eine andere frühere Quelle, die von Houston Steward Chamberlain, einem Engländer, zu nennen. Das Buch von Chamberlain ‘Die Grundlagen des 19. Jahrhunderts’ greift die Ursprünge der Rassenlehre von Gobineau und Renan auf, die von dem Deutschen Adolf Stoecker weiter entwickelt wurde. Diese Leute (Gobineau..), die schon nach der Französischen Revolution auftauchten, versuchten nachzuweisen, dass die Juden aufgrund erblicher Eigenschaften der arischen, nordischen Rasse unterlegen seien. Auch Heinrich von Treitschke, ein einflussreicher deutscher nationalistischer Historiker war laut Hajo Meyer (‘Das Ende des Judentums’) ein wichtiger ‘Stichwortgeber des Antisemitismus’, der starken Einfluss auf die deutschen Eliten und die deutsche Intelligenz hatte.
Das heißt:
Es gibt die verschiedendsten Quellen: französische, deutsche, englische, russische und amerikanische, die zur Herausbildung der faschistischen Rassenlehre, zum Antisemitismus und zum Faschismus in der Praxis beitrugen. Die Nazis haben das nur aufgreifen müssen und Hitler schrieb dann in der Festung Landsberg nach seinem missglückten Putsch in München 1923 sein Buch ‘Mein Kampf’. Aber vorher hatte er sich schon schlau gemacht, denn er war nicht unbelesen.
Aber all diese Einflüsse wären verpufft, wenn es die Demütigung der Deutschen durch den Versailler Vertrag nicht gegeben hätte. Dazu schreibt der ehemalige Auschwitzhäftling Hajo Meyer:
“Er (Hitler) spiegelt ihnen (den Deutschen) vor, ein internationales finanzielles Weltjudentum wolle Deutschland vernichten, unter anderem durch das ‘Diktat von Versailles’ und durch die Inflation, und das jüdische Volk mit seinen so minderwertigen Eigenschaften habe nichts anderes im Sinn, als durch Rassenvermischung das kostbar germanische Blut zu vergiften.”
(Hajo G. Meyer, ‘Das Ende des Judentums. Der Verfall der israelischen Gesellschaft.’).
Das deutsche Finanzkapital sponserte von dem Zeitpunkt an die Nazibewegung, die Anfang der dreißiger Jahre eigentlich schon ihren Höhepunkt überschritten hatte, als klar wurde, dass die Weimarer Parteien, keine Massenbasis für seine Herrschaft mehr lieferten und peppten die Nazis wieder auf, sodass sie aus ihrem Tief wieder herauskamen.
Dennoch erhielten sie bei den letzten freien Wahlen im November 1932 nur etwas über 30% der Stimmen und ein Ereignis, wir würden heute sagen, ein ’9. September’ musste her, um sie noch weiter nach vorne zu bringen: der Reichstagsbrand vom Februar 1933.
April 4, 2010 at 09:01
@ schnehen/richard sorge
Zur unglaublich großen Bedeutung der Schriften Henry Fords auf die NS-Ideologie ein kleiner Hinweis:
In den beiden umfangreichen bürgerlichen Hitler-Biografien von J. Fest (1.190 Seiten) und A. Bullock (838 Seiten) taucht H. Ford nicht auf.
In der marxistischen “Geschichte der NSDAP” von K. Pätzold und M. Weißbecker und dem bereits erwähnten Werk von R. Opitz auch nicht.
Man kann seinen Anti-Amerikanismus auch übertreiben. Wenn er der Entschuldung der deutschen Geschichte dient, wirds unangenehm.
April 4, 2010 at 15:36
>>Es war immer noch das DEUTSCHE Kapital, das die NSDAP finanziert hat.<<
Falsch. Es war keineswegs NUR das deutsche Kapital.
April 4, 2010 at 16:29
Wagners Geschreibsel bestätigt den Eindruck, den ich schon seit längerem hege, nämlich daß
die realexistierende Linke der Berliner Republik unheilbar linksliberalisiert ist und darum nolens volens dem Finanzkapital als Organ seiner schwarzen Propaganda dient.
Man vergleiche Wagners Geschwafel mit den Äußerungen, die der Rabbinersohn und ehemalige Buchenwald-Häftling Emil Carlebach im Jahre 1992 tätigte: Wenn Wagners Position die orthodox kommunistische wäre, dann wäre Carlebach postum als Nationalist entlarvt.
Im übrigen ist es irreführend, anzunehmen, die finanzielle Förderung der Hitlerbewegung durch bestimmte Elemente des angelsächsischen Kapitals habe in ideologischen Sympathien ihre Ursache gehabt. Der Option für Hitler lag ein Kalkül zugrunde, das am besten durch die Floskel charakterisiert ist, die besagt, daß der Feind meines Feindes mein Freund sei. Wie Saddam Hussein, wie Bin Laden, war Hitler lediglich ein GOLEM, der tat, was Golems eben tun, nämlich sich gegen seine Hüter wenden.
April 4, 2010 at 18:47
Antony C. Sutton und Carroll Quigley Zwei Historiker entlarven die US-Geheim – Clans / Der Skull & Bones Orden
http://www.artfond.de/sutton.htm
Anthony C. Sutton und die Hintergründe der amerikanischen Weltpolitik im 20. Jahrhundert Teil1 (pdf)
http://www.perseus.ch/PDF-Dateien/sutton1.pdf
Anthony C. Sutton und die Hintergründe der amerikanischen Weltpolitik im 20. Jahrhundert Teil2 (pdf)
http://www.perseus.ch/PDF-Dateien/sutton2.pdf
April 5, 2010 at 11:41
@Hauptmann
Richtig! Man, d.h. die Westmächte, vor allem Großbritannien und die USA, haben die Hitlerbewegung insgeheim gefördert, weil sie in ihr die beste Gewähr gegen den aufkommenden Kommunismus in Mitteleuropa, vor allem in Deutschland, sahen.
Später, 1938, gingen sie mit dem Münchner Abkommen noch einen Schritt weiter. Sie opferten die Tschechoslowakei, gaben sie an die Nazis, um die Aggressivität der Nazis gegen die Sowjetunion zu lenken und von sich abzulenken – die sog. Appeasement-Politik Chamberlains, mit der er den Frieden meinte gerettet zu haben. Ein Jahr später überfiel Hitler Polen, 1940 überfiel Hitler Frankreich, dann kam England dran.
Die Lehre:
Jedes Zugeständnis an den Faschismus rächt sich. Es macht ihn nur frecher, aggressiver.
April 5, 2010 at 16:13
Stimmt.
Das gilt aber eben auch für den Islamo-Faschismus bzw. Islamismus und den neoliberalen Monetarismus und amerikanistischen Konzern-Faschismus.
April 9, 2010 at 03:21
http://www.politik-poker.de/zinsdebatte.php
Thomas Koudela
Erscheinungsformen, Zusammenhänge und Lösungen eines kapitalistischen Urproblems
06. April 2010
Ein Interview mit Dr. Harald Wozniewski und Egon W. Kreutzer
April 9, 2010 at 18:46
@Lars
Was verstehen Sie unter ‘Islamo-Faschismus’?
April 10, 2010 at 00:31
@schnehen:
Siehe Muslime-Bruderschaft. Siehe Sudan mit seinem Völkermord.. Siehe Afghanistan mit den Taliban.
Siehe Folter-Regime im Iran.
Siehe Nigeria und Indonesien, wo in Landesteilen die Sharia gilt.
@Jürgen Elsässer:
Humanwirtschaftspartei: Silvio Gesell – Die Natürliche Wirtschaftsordnung
http://www.humanwirtschaftspartei.de/module/huwi/info/anlagen/26/silvio_gesell_-_die_natuerliche_wirtschaftsordnung_(1916).pdf
April 10, 2010 at 18:38
@Lars
Faschismus muss ganz klar definiert und sein Wesen eindeutig erkannt und benannt werden, um diesen Begriff nicht inflationär und als Keule gegen unliebsame Regierungen und Gruppierungen zu verwenden.
Was ist Faschismus? Ich würde folgende Definition vorschlagen:
Faschismus ist die terroristische Diktatur der aggressivsten Kreise des Finanzkapitals, bei der die sozialen Stützen dieser Diktatur sich eines wild gewordenen verrohten Pöbels bedienen, sowie staatsterroristischer Mittel, um alles Humane, alles Sozialistische und Kommunistische, alles Liberale und irgendwie Fortschrittliche und Kritische an der Herrschaft des Finanzkapitals niederzustampfen.
Wenn Sie sich jetzt die Muslimbruderschaft ansehen, die 1928 gegründet wurde, die heute im ägyptischen Parlament vertreten ist und deren führende Kräfte vom Mubaraks Schergen ins Gefängnis geworfen wurden wegen ihrer Gegnerschaft gegen dessen Diktatur, dann kann diese Bruderschaft, die die Interessen der Muslime in Ägypten, der kleinen Leute, vertritt, unmöglich ‘islamo-faschistisch’ sein. Aus der Muslimbruderschaft ist die Hamas hervorgegangen, die im Januar 2006 von einer Mehrheit der Palästinenser bei freien Wahlen in Gaza gewählt wurde und die heute die Hauptstütze des palästinensischen Widerstands gegen das israelische Besatzerregime bildet.
Faschisten kämpfen nicht gegen Unterdrücker, sondern unterdrücken selbst und: Faschisten bringen sich anders an die Macht.
Ähnliches gilt für das iranische Regime. Dieses iranische Regime ist Produkt der Islamischen Revolution von 1979, die mit der Diktatur der US-amerikanischen Marionette Reza Shah Pahlevi, dessen Gemeinpolizei Savak Zehntausende Regimegegner folterte und ermordete, Schluss machte, das iranische Öl verstaatlichte und die indirekte US-Fremdherrschaft beseitigte und freie und geheime Wahlen einführte, von denen inzwischen 10 abgehalten wurden – zuletzt am 12. Juni letzten Jahres, als Ahmadinejad mit überwältigender Mehrheit erneut zum Präsidenten Irans gewählt wurde.
Faschisten lassen sich in der Regel nicht wählen, sie putschen sich an die Macht und halten dann später Scheinwahlen ab, um ihre Macht zu legitimieren wie unlängst in Honduras.
Seine Basis hat dieser Ahmadinejad gerade unter der armen Bevölkerung, zum Beispiel im Osten Irans. Merkmal und Wesen faschistischer Herrschaft aber ist es gerade, die Herrschaft der oberen Klassen, der Großbourgeoisie oder auch noch des Adels gegen eine Volkserhebung abzusichern. Faschismus ist schwärzeste Reaktion.
Auch von daher kann das gegenwärtige iranische Regime kein faschistisches sein, weil es nicht die Merkmale des Faschismus erfüllt.
Wenn Sie sich die Auseinandersetzungen im iranischen Parlament, der Majlis, dem gegenüber Ahmadinejad all seine Minister bestätigen lassen musste, ansehen, wie dort gestritten wird, auch gegen den derzeitigen Präsidenten, wenn es um Fragen der Subventionen, der Privatisierungen oder um andere Dinge geht, dann sehen Sie, dass das iranische politische System nichts, aber auch gar nichts mit faschistischen Regimes, etwa mit dem deutschen, italienischen oder chilenischen unter Pinochet gemein hat, wo das Parlament entweder völlig ausgeschaltet oder nur noch eine Fassade war.
Im iranischen Parlament gibt es sogar jüdische Abgeordnete, die die kleine jüdische Gemeinde Irans dort vertreten. Keine Minderheit wird dort diskriminiert. Es ist aber gerade Kennzeichen faschistischer Macht, dass man bestimmte Minderheiten als Sündenböcke benutzt und diskriminiert wie in Deutschland die Juden beispielsweise.
Auch Ihre Einschätzung des Sudans teile ich nicht. Es hat dort keinen Völkermord, sondern Aufstände im Süden des Landes gegeben, die von westlicher Seite angefacht wurden, um das Land zu spalten. Von einer Abspaltung des Südens versprach man sich, an das Erdöl heranzukommen, das dort reichlich vorhanden ist. Die Massaker, auf die Sie vielleicht anspielen, wurden von den ‘Rebellen’ begangen, die vom Westen unterstützt werden.
Ähnlich wie man damals zur Zeit des Jugoslawienkrieges Serbien als ‘faschistisch’ hinstellte, um den Krieg ‘antifaschistisch’ und ‘humanitär’ zu verbrämen, genauso tut man es in diesen Ländern, um die wahren Absichten hinter einem Schleier von ‘Antifaschismus’ und ‘humanitärer’ Aktionen zu verbergen.
Auch in dieser Beziehung wird die öffentliche Meinung bei uns in die Irre geführt.
Der Trick:
Man operiert (ich meine nicht Sie persönlich!) mit Begriffen wie ‘Faschismus’ und wendet sie auf die Kräfte an, gegen die man einen globalen Feldzug führt. Man bezeichnet Ahmadinejad als ‘Hitler’ wie man Saddam Hussein als ‘Hitler’ bezeichnet hat, unterstellt ihnen den Wunsch nach Massenvernichtungsmitteln usw., um die Öffentlichkeit in die Irre zu führen, um damit Teile der Bevölkerung für die eigenen Kriege zu gewinnen. – auch Teile der Linken.
Mai 30, 2010 at 17:01
Da ist kein Chauvinismus. Eine Gruppe will Ihren Weltstaat und benutzt die USA um zu
diesem Ziel zu kommen.
Sie war war für die Deindustrialisierung der
U.S.A. (“Die Rockefeller Papiere”, Gary Allen)
und will nun Canada, die U.S.A und Mexiko
zu einem Staat zusammenlegen.
Mai 30, 2010 at 18:43
Das neue Gebilde nennt sich NAFTA (zur Zusammenlegung von Canada. den U.S.A. und
Mexiko). Es gibt Ueberlegungen zu einr neuen Währung, der Amero.