Artikel zur Hamburger Iran-Veranstaltung
Das Presseaufgebot war gross, die Resonanz bisher solitär: Nur die Financial Times Deutschland, oft als Sprachrohr der City of London verdächtigt, berichtete über die Iran-Solidarität-Veranstaltung am Donnerstag in Hamburg. Ich vermute aber, dass Spiegel-TV, die alles abgefilmt und auch Minderjährige interviewt haben, noch nachlegt. Ob FTD noch getoppt wird? Die überschrift “Deutsche Jubelperser stechen in See” ist jedenfalls von ausgesuchter Demagogie:
Hier ein Auszug aus FTD vom 12.02.2010, mit Kommentaren von mir in Doppel-Klammern:
Jürgen Elsässer war Redakteur der Zeitschrift “Konkret”, bevor er sich mit der Redaktion überwarf und seither mit der von ihm gegründeten “Volksinitiative” gegen das “internationale Finanzkapital” agitiert. ((Seither?? Der Bruch mit KONKRET war Ende 2002, die VI wurde Anfang 2009 gegründet)). Er verhöhnte Demonstranten im Iran als “Discomiezen, Drogenjunkies und Strichjungen des Finanzkapitals” – und entschuldigte sich nach Protesten lediglich für “bestimmte Formulierungen”. Steinberg schließlich versucht seit langem zu beweisen, dass der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad Israel nie bedroht habe, und verbreitet in seinem Blog allerlei Theorien über “Zionisten” und andere Gefahren für den Weltfrieden. ((Spitzendemagogie))
Die Veranstaltung findet gut abgeschirmt durch die Polizei auf einem Dampfer am Hamburger Hafen statt. Eigentlich sollte im edlen Hotel Atlantic an der Alster getagt werden, doch der Betreiber Kempinski kündigte den Vertrag nach Protesten verschiedener Gegner des iranischen Regimes. Auch vor dem Anlegeplatz am Hafen begrüßen Gegendemonstranten die Teilnehmer.
(…)
Und als aus dem Publikum der wohlmeinende Hinweis kommt, man solle der “Westpresse” mit der Gewalt gegen Demonstranten keine Steilvorlage geben, räumt Elsässer ein, dass die deutsche Polizei bisweilen auch rabiat gegen Demonstranten vorgehe. ((DEr FTD-Typ hat Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache: “räumt ein” ist in seinem Kontext Quatsch. Haben die keine Endkorrektur??)) Außerdem hätten sich “Provokateure und terroristische Elemente” unter die Demonstranten gemischt.
Eine junge Frau aus dem Publikum setzt entrüstet nach, dass sie entsetzt sei über die Gewalt im Iran und die Scheinheiligkeit des Botschafters. Der führt in aller Ruhe aus, dass die Demonstranten mit der Gewalt begonnen hätten. Zudem seien sie von den extremistischen Volksmudschaheddin unterwandert. “Bild-Zeitung” fährt ein Mann die junge Frau an, die es gewagt hatte, den Kanon der Regimefreunde zu unterbrechen. ((Die junge Frau hat beinahe zehn Minuten unwidersprochen geredet und hat nachher ihrerseits den Botschafter mehrfach unterbrochen. Beim Rausgehen sagte sie mir übrigens, sie komme von BBC World. Tatsächlich: Sie war eigens vom Veranstalter eingeladen worden. Soviel zu unserer angeblichen Diskussionsunwilligkeit.))
Als ein Student aus dem Publikum den Botschafter in aller Höflichkeit fragt, ob man nicht ein Referendum über die Beibehaltung der Islamischen Republik abhalten könne, übernimmt Hörstel selbst die Rolle des Steigbügelhalters. Man solle sich einmal vorstellen, in Deutschland würde jemand die Systemfrage stellen, sagt er, und schließt wenig später zufrieden die Veranstaltung. “Dialog ist möglich”, sagt er. “Hier wird aufeinander eingegangen.” (( Eben))
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BBC? Dann ist ja alles klar…