Elsässers Preußen-Rede
Heute (Dienstag, 28.04.) 19 Uhr, Berlin, Hotel Hilton, Gendarmenmarkt
Was ich heute abend sagen werde, wird natürlich noch nicht verraten. Aber bei der letzten Veranstaltung vor der “Preußischen Gesellschaft” im November 2007 begann ich folgendermaßen (und so ist es auch in meinem aktuellen Buch “Nationalstaat und Globalisierung” dokumentiert):
“Sehr geehrte Damen und Herren,
ich bedanke mich für die Einladung und die freundliche Einführung.
Es hat bei einigen Verwunderung bis Verstörung ausgelöst, daß ich bei Ihrer Gesellschaft referiere. Schließlich sind Sie ja bekennende Anhänger Preußens, ich hingegen bin – Badener. Und natürlich kann ich das Jahr 1848 nicht vergessen, als unsere schöne badische Revolution von preußischen Truppen niederkartätscht und unsere Soldaten und Offiziere in die Kasematten der Festung Rastatt geworfen wurden.
Wir Badener haben also eigentlich noch eine Rechnung offen mit den Preußen. Aber keine Sorge, heute abend soll sie bestimmt nicht beglichen werden, und irgendwann ist die Sache schließlich auch verjährt.
Ungewohnter, jedenfalls für manche Zeitgenossen, ist aber nicht der Badener bei den Preußen, sondern der Linke bei den Konservativen. Schon wird mir vorgeworfen, ich hätte die Seite gewechselt und betriebe eine sogenannte Querfront, also eine Verbindung von Linksradikalen und Rechtsradikalen. Die Bedenkenträger der Political Correctness kann ich aber beruhigen: Zeit meines erwachsenen Lebens bin ich Linker und Antifaschist, und daran wird sich nichts ändern. Deswegen kommt für mich eine irgendwie geartete Zusammenarbeit mit Nazis, Rechtsradikalen und Antisemiten nicht in Frage, und gerade deswegen trete ich heute abend hier auf. Ich habe mich davon überzeugt, daß die Preußische Gesellschaft eine höchst respektable Vereinigung ist, die mit friderizianischer Toleranz die unterschiedlichen Positionen zu Wort kommen läßt. Ein Forum, wo Julius Schoeps, Hermann Simon, Bischof Wolfgang Huber, der polnische Botschafter und der US-Botschafter und nicht zuletzt der Vorsitzende der Linken, Lothar Bisky, aufgetreten sind, kann kein vernünftiger Mensch mit Rechtsradikalismus in Verbindung bringen. Aber heutzutage genügt es bekanntlich schon, ein Konservativer zu sein, um in die Nazi-Ecke geschoben zu werden. Auch etliche Linke machen ein Gleichheitszeichen zwischen Konservativen und Nazis. Ich halte das für grundfalsch und politisch verheerend, und zwar gerade weil ich Antifaschist bin. Wie hätten denn die Nazis gestoppt und Europa befreit werden können, wenn nicht Linke und Konservative im Widerstand zusammengearbeitet hätten? Die Partisanenbewegung in Italien war ein Bündnis von Kommunisten, Katholiken und sogar Monarchisten. In der französischen Resistance kämpften Genossen von links und Leute von De Gaulle Schulter an Schulter. Ein solchen Bündnis, sagen wir von Lafontaine bis Gauweiler, bräuchte es auch heute, um den Gefahren zu wehren, über die ich im folgenden spreche: die Weltwirtschaftskrise, historisch verbunden mit Faschismus und Krieg. Wer den aktuellen Finanzkrach mit 1929 vergleicht, muß die Weiterungen 1933 und 1939 mitbedenken.”









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