Was Ahmadinedschad wirklich sagte …
Und für ein Bündnis “von Lafontaine bis Gauweiler”. Elsässer- Interview in der Zeitschrift “Galore”
Frage: (…) Ihre rhetorische Mission lautet: Ja zum linken Populismus. Warum?
Jürgen Elsässer: Weil die Gesellschaft immer undemokratischer wird. Ob Rente mit 67, EU-Verfassung oder Auslandseinsätze der Bundeswehr: Die Regierenden können sich überhaupt nicht mehr auf Mehrheiten stützen und ziehen ihr Ding trotzdem durch. Diese ignorierte Mehrheit braucht einen Anwalt, und Jas kann nur die Linke sein. Leider hat diese sich volksfeindlich entwickelt. Schuld daran tragen Ihnen zufolge die jetzt regierenden 68er: Die hätten zwar ein liberales Lifestyle-Paradies für Minderheiten geschaffen, darüber aber das Soziale und den einfachen Bürger vergessen.
Frage: Diese Polemik bringt Ihnen Diskriminierungsvorwürfe ein.
Elsässer: Nur, wenn man meine Position verzerrt. Mir geht es um eine Politik für die breite Mehrheit, die natürlich jedem Einzelnen ermöglicht, seine Leidenschaften zu pflegen. Was nützt es aber dem arbeitslosen Schwulen in Berlin, dass der rot-rote Senat unter dem Motto “,Arm, aber sexy!” Geld für Events verschleudert? Gerade in Berlin wird deutlich, dass die Cappuccino-Linke mit Multikulti und Partyleben eine Nebelkulisse erzeugt, hinter der sie in ungeheurem Maße Sozial raub betreibt. Zugleich verachtet sie die Mehrheit des Volkes als tendenziell rassistisch, antisemitisch oder faschistoid.
Frage: Auf globaler Ebene sehen Sie sogar einen MultiKulti-Imperialismus im Gange, der sich anmaßt, anderen Ländern seine Vorstellung einer freien We!t herbeizubomben.
Elsässer: Ganz genau. Afghanistan ist in den Köpfen dieser Leute erst frei, wenn die Love Parade durch Kabul zieht. Das ist aber nun mal nicht das Interesse der Menschen. die dort leben. Wer das durchsetzen will, muss diese Leute ausrotten, und ich werde den Eindruck nicht los, dass bestimmte Hardliner genau das vorhaben.
Frage: Die Triebkraft hinter diesem Vorgehen ist aber doch die US-Regierung, die nicht aus 68ern, sondern aus rechten Fundamentalisten besteht.
Elsässer: Die amerikanische Israel-Lobby, die im Moment einen Krieg gegen den lran vorbereitet, besteht ja auch nicht aus Juden, sondern aus radikalen Evangelikalen, die im Grunde selber antisemitisch sind. Die benutzen die Juden, um ihre miesen Zwecke zu verfolgen.
Frage: Ist der Iran deshalb ausschließlich Opfer? Ahmadinedschad will Israel immerhin von der Landkarte fegen.
Elsässer: Erstens ist das typisch orientalisches ..Machtgehabe und zweitens har er das so nicht gesagt. Er will das “zionistische Regime” beseitigen, was nicht das gleiche ist wie die Beseitigung Israels. Im Iran selbst leben Juden gleichberechtigt und sicher. Viele arabische Staaten erkennen Israel nicht an, doch das ist noch keine Kriegsabsicht. Sonst hätte auch die BRD eine Kriegsabsicht gegen die DDR gehabt, weil sie sie völkerrechtlich nicht anerkannte.
Frage: Die souveräne Nation ist Ihnen auch als Bollwerk gegen die “raubtierkapitalistische” Globalisierung heilig. Was heißt das konkret – zurück zur nationalen Abschottung?
Elsässer: Natürlich braucht es supranationale Vereinbarungen, etwa zum Klimaschutz. Aber die regulative Kraft des Nationalstaates muss wieder gestärkt werden. Man kann nicht mit dem Verweis auf die Arbeitslöhne in Shanghai hier den Sozialstaat abreißen. Es müssen wieder wirtschaftliche Befugnisse auf die politische und nationale Ebene zurückgeholt werden.
Frage: Wollen Sie, um das durchzusetzen, alle ins Boot holen? Selbst Wähler, die mit Hass auf Heuschrecken und die Amerikaner ihr Kreuz bei der NPD machen?
Elsässer: Mit Neonazis darf man nichts anfangen, aber man sollte ihnen die Protestwähler wieder abjagen. Es muss eine Koalition zur Verteidigung der nationalen Souveränität geben – von links bis zur demokratischen Rechten. Lafontaine sagt, sein Herz schlage links. Gauweiler sagt, er habe das Herz auf dem rechten Fleck. Beide sind sich einig, den Sozialstaat zu retten, deutsche Truppen aus den US-Kriegen herauszuhalten und Hartz IV zu revidieren. Eine Volksabstimmung über solche Inhalte muss her. Der Parlamentarismus muss durch direkte Demokratie ergänzt werden.
Interview:Oliver Uschmann
aus: Galore, März 2007









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