Presse-Geier über Opel

i-love-opelJetzt geht es Opel an den Kragen. 25 000 Arbeitsplätze in den deutschen Standorten, nochmal so viele in der Zulieferindustrie. Im März sind die Kassen der deutschen GM-Tochter leer, bis dahin wird die Konzernmutter in Detroit noch so viel wie möglich Knete aus Germany absaugen.

Rüttgers und Koch kämpfen noch, oder tun wenigstens so.

Aber die Medien-Meute will schon das Blut der Autobauer sehen – oder wenigstens ihre Tränen. Die beliebte Argumentation: Es gebe leider Überkapazitäten, da komme man um Arbeitsplatzabbau nicht rum. Selten so etwas Blödes gehört. Natürlich gibt es Überkapazitäten in der Zeit der Flaute. Natürlich gibt es Überkapazitäten, wenn die inländische Kaufkraft stranguliert wird. Aber mit diesen “Argumenten” kann man vermutlich 1/3 der deutschen Industriekapazität ratz fatz stillegen – und damit die Schussfahrt zum Abgrund rasant beschleunigen.

Im Unterschied zur IG Metall fordert der Opel Betriebsrat: Die Kapazitäten müssen durch Staatseingriff erhalten werden, mitsamt der Arbeitsplätze. Das geht nur, indem Opel von General Motors abgespalten wird. Wie man dann für den Absatz der Produkte sorgte, habe ich im “Neuen Deutschland” schon Ende November 2008 skizziert:

Eurasisches Bündnis

Von Jürgen Elsässer (aus: ND, 27.11.2009)

Die deutschen Autofirmen schicken ihre Beschäftigten zwangsweise in die Weihnachtsferien, die BASF legt 800 Werke still. Braucht es noch mehr Hiobsbotschaften? Die Depression ist im Anmarsch. Die EU-Kommission will die Konjunktur mit 200 Milliarden Euro stimulieren und Infrastrukturprojekte auflegen. Das ist gut, weil es Menschen in Arbeit bringt, die dann die Binnennachfrage etwas ankurbeln könnten. Doch es wird nicht reichen, vor allem für Deutschland nicht, da 35 Prozent unserer Erzeugnisse in den Export gehen. Wenn unser zweitwichtigster Absatzmarkt, die USA, im nächsten Jahr fast komplett ausfällt, stapeln sich in Wolfsburg und anderswo die Pkw. Während der Westen durch seine eigenen Banken stranguliert wird, gibt es im Osten noch genug zahlungskräftige Nachfrage. Die Volksrepublik China hat 1,8 Billionen Dollar an Devisenreserven gehortet. Doch mit dem absehbaren Kollaps des Greenback werden diese Papierchen bald kaum noch etwas wert sein. Warum machen die Europäer mit den Chinesen nicht den großen Deal: Wir tauschen euch eure nutzlosen Dollarvorräte in Euro um, und ihr kauft dafür europäische Produkte. Die circa zwei Milliarden Euro, die dafür nötig wären, entsprächen etwa der Summe, die die EU-Staaten ihren Banken in den Rachen werfen wollen. Man könnte einwenden, dass im Reich der Mitte jährlich über fünf Millionen Autos gebaut und deshalb keine ausländischen gebraucht werden. Doch die Eigenproduktion in den USA war zuletzt doppelt so hoch, und dennoch waren Fahrzeuge made in Germany dort ein Verkaufsschlager. Volkswagen für die Volksrepublik – das wäre ein Milliardenmarkt.



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