Gegen IG Metall die selben Angriffe wie gegen “Volksinitiative”

metall17Was der “Volksinitiative” schon alles vorgeworfen wurde. Antiamerikanismus, Anschlußfähigkeit an Rechtsradikale und so weiter. Und das alles nur, weil wir auf die Verantwortung der Wallstreet für die gegenwärtige Wirtschaftskrise hinwiesen und auf die Rolle ihrer Hedge-Fonds als Zerstörer der Industriebasis nicht nur in Deutschland. Wenig tröstlich, daß es der IG Metall genauso erging.

Im Mai 2005 erschien metall, die Mitgliederzeitung der Gewerkschaft, mit einem Schwerpunktbeitrag “Die Aussauger” und einem Titelbild , auf dem ein Insekt mit Stars-and-Stripes-Zylinder und langem Rüssel im Anflug ist.

Die Freunde der  Heuschrecken heulten auf. FDP-Chef Guido Westerwelle: “Wir Liberale sind gegen jede Form der Ausländerfeindlichkeit.” Hans-Olaf Henkel, Ex-Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), fühlte sich “an die Propaganda im Dritten Reich erinnert”. Hans-Ulrich Jörges, stellvertretender Chefredakteur des Stern, assistierte: “Der lange gebogene Rüssel konnte leicht Erinnerungen an antijüdische Hetzbilder wecken.” Michael Wolffsohn, Historiker an der Bundeswehrhochschule: “60 Jahre ‘danach’ werden heute wieder Menschen mit Tieren gleichgesetzt, die – das schwingt unausgesprochen mit – als ‘Plage’ vernichtet, ‘ausgerottet’ werden müssen. Heute nennt man diese ‘Plage’ Heuschrecken, damals ‘Ratten’ oder ‘Judenschweine’. Worte aus dem Wörterbuch des Unmenschen, weil Menschen das Menschsein abgesprochen wird.” Die ex-linke Monatszeitschrift Konkret bezeichnete den Artikel der Gewerkschaftspresse als “gedanklichen und affektiven Abschaum”.

Besonders possierlich war die Empörung der postmodernen Wochenzeitung Jungle World: “Das Monatsmagazin der IG Metall hat sich in die Debatte eingemischt und meint, daß Finanzinvestoren deutsche Unternehmen ausschlachten.” Ist das, was die metall “meint”, Hetze, Rassismus, Antisemitismus – oder die Beschreibung der Wirklichkeit? Offensichtlich interessierte die Kritiker nicht, ob Rügemer Recht hatte, sondern nur, daß man “so etwas” nicht schreiben darf. Die ganze Aufregung hatte mit Inhalten nichts zu tun: Weder Müntefering noch Rügemer hatten über Juden gesprochen, und auch nicht Synonyme wie Zionisten oder “amerikanische Ostküste” verwendet. Als Bonsai-Beweis für Antisemitismus mußte herhalten, daß der Heuschreckenrüssel an die Nase in antisemitischen Karikaturen erinnere – doch das Riechorgan in der metall war dünn, lang und spitz, das im Stürmer dick, gebogen und knollig gewesen.

Blieb der Vorwurf des Antiamerikanismus. Rügemer konnte darauf verweisen, daß sich ein erheblicher Teil seines Artikels mit einer deutschen Heuschrecke beschäftigt hatte: Thomas Middelhoff, ehemaliger Bertelsmann-Vorstandsvorsitzender und heute Aufsichtsratsvorsitzender von Karstadt-Quelle, ist auch Mitinhaber und Europa-Chef des Finanzinvestors Investcorp. Weitergehend schrieb er: “Und es ist ein simples Faktum, daß die Finanzinvestoren ihre Methoden in den USA entwickelt haben. Hier hatten sie durch die Deregulierungen seit Reagan das beste Betätigungsfeld, ebenso für Hedgefonds, … großflächige Privatisierung des Staates usw. Nirgendwo sonst sind mit Unterstützung des Staates aggressivere Methoden der Selbstbereicherung der Elite, changierend ins Kriminelle, entwickelt worden.” Wer wollte das bestreiten?

(Entnommen aus: Jürgen Elsässer, Angriff der Heuschrecken. Zerstörung der Nationen und globaler Krieg. – Neuauflage ERHÄLTLICH AB ENDE FEBRUAR 2009)




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